RE:Hipparchos 1

Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Sohn des Peisistratos, durch Aristogeiton und Harmodios 514 v. Chr. ermordet
Band VIII,2 (1913) S. 16631664
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Hipparchos. 1) Sohn des Peisistratos. Er lebte schon zur Zeit der ersten Rückkehr des Peisistratos (Her. I 61) und ist der jüngere Bruder des Hippias, was Thuk. VI 55 und Arist. Ἀθ. πολ. 18, 1 gegenüber der volkstümlichen Anschauung (Ἵππαρχος πρεσβύτατος Ps.-Plat. Hipparch. 228) betonen, die wohl aus der Tatsache der Ermordung des H. hervorgegangen ist. Von den von Thukydides angeführten Beweisgründen ist wenigstens der Umstand von Belang, daß Hippias, nicht H., als erster nach dem Vater auf der Verbannungsstele angeführt ist. Nach Thuk. I 20. VI 54 ist H. nicht als Herrscher anzusehen, während er bei Arist. a. a. O. Diod. X 17 als Genosse der Tyrannis erscheint. Aristoteles charakterisiert ihn als παιδιώδης καὶ ἐρωτικὸς καὶ φιλόμουσος (damit könnte die Nachricht bei Idomen. frg. 4, FHG II 491 in Verbindung gebracht werden, wo von dem Luxus der beiden Brüder gesprochen wird; vgl. u. Hippias), vielleicht gehören auch die Worte καὶ τῷ βίῳ θρασὺς καὶ ὑβριστής[WS 1] noch zu seiner Charakteristik, s. Wilcken Herm. XXXII 478ff.; im Gegensatz dazu nennt ihn Ps.-Plat. a. a. О. σοφώτατος τῶν παίδων τοῦ Πεισιστράτου. Dieses Lob beruht auf den schon von Herodot (VII 6) bezeugten Beziehungen des H. zu den Dichtern und Orphikern. Am Hofe verweilte Lasos; H. veranlaßte den Simonides von Keos, nach Athen überzusiedeln, ebenso den Anakreon. Ps.-Plat. a. a. O. 228B C (danach wohl Arist. Ἀθ. πολ. 18, 1), vgl. auch Arist. rhet. 1367b. Den einer Orakelfälschung überwiesenen Onomakritos, mit dem er vorher viel verkehrt hatte, verbannte H., Her. VII 6. Endlich brachte H. nach Ps.-Plat. a. a. O. die Homerischen Gedichte nach Attika und ordnete ihren Vortrag an den Panathenäen an; die Kritik dieser Nachricht s. u. Homer. Mit etwas sonderbarer Motivierung spricht Ps.-Plat. a. a. O. von den Bemühungen des H. um die moralische Besserung zunächst der Stadtbürger, dann der Landleute; für die letzteren ließ er Hermen mit Sprüchen je in der Mitte zwischen Dorf und Stadt aufstellen; eine solche Inschrift ist vielleicht erhalten, CIA I 522. Suid. (und Harpokr.) s. Τρικέφαλος ὁ Ἑρμῆς. Schol. Demosth. [1664] XX 112. Wachsmuth Stadt Athen I 498. Judeich Topogr. v. Athen 176. Endlich ließ H. den Hain der Akademie mit einer Mauer umgeben, Suid. s. τὸ Ἱππάρχου τειχίον. Nach einer wenig glaubwürdigen Notiz des Kleidemos bei Athen. XIII 609C. FHG I 364 hätte Peisistratos dem H. die Phye (Her. I 60) zur Gemahlin gegeben. H. wurde durch Aristogeiton und Harmodios 514 v. Chr. ermordet, s. die betr. Artikel o. Bd. II S. 930f. und Suppl.-Bd. 133. Busolt Gr. Gesch.² II 376ff. Kirchner Pros. Att. I 497. Weitere Literatur bei Hippias.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: θρασὸς