RE:Ioannes 8

Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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weströmischer Kaiser 423–425 n. Chr.
Band IX,2 (1916) S. 17451746
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8) Weströmischer Kaiser 423–425. Er war Primicerius notariorum, als Kaiser Honorius starb (Socrat. VII 23, 3. Mommsen Chron. min. I 658, 92. 659, 578). Da in Italien kein Vertreter des Kaiserhauses anwesend war, wurde I. in Rom (Greg. Tur. hist. Franc. II 8. Procop. bell. Vand. I 3, 5), also wahrscheinlich durch den Senat, zum Kaiser gewählt (Socrat. a, O. Olymp. 1 frg. 41 = FHG IV 67. Mommsen Chron. min. I 470. 1282. 658, 92. 659, 578. II 20, 83. 76, 424, 3. 155, 1211. III 422). Doch erkannte auch das Heer in Ravenna ihn an, weil dessen Feldherr Castinus es geschehen ließ (Mommsen I 470, 1282. 471, 1288; vgl. o. Bd. III S. 1762). I. wird als mild und verständig geschildert; widerrechtlich verfügte er weder Hinrichtungen noch Konfiskationen (Procop. b. Vand. I 3, 6. 7) und beschnitt die Privilegien der Kirche, obgleich ί er, wie sein Name beweist, Christ war (Const. Sirm. 6 = Cod. Theod. XVI 2, 47). Da Bonifatius, der sich Afrikas bemächtigt hatte, wahrscheinlich die Getreidesendungen für Rom zurückhielt, betrachtete L es als seine erste Pflicht, Truppen gegen ihn über das Meer zu schicken, und schwächte dadurch sein Heer für den größeren Kampf, der ihm bevorstand (Mommsen I 470, 1286; vgl. o. Bd. III S. 698).

Gleich nach seiner Thronbesteigung hatte I. ί an Theodosius II. Gesandte geschickt, um sich dessen Anerkennung zu erbitten; doch wurden sie gefangen genommen und in mehrere Orte der Propontis in die Verbannung geschickt (Philostorg. XII 13. Socrat. VII 23, 3. 4). Doch zauderte der oströmische Kaiser lange, ehe er sich zum Kriege gegen I. entschloß. Erst die Nachricht, daß Afrika diesem widerstand und daß sein Praefect Exuperantius in Arelate von den aufrührerischen Truppen erschlagen war, ohne daß er sie dafür-zu bestrafen vermochte (Mommsen I 470, 1285. 1286. 658, 97; vgl. o. Bd. VI S. 1695), scheint Theodosius Mut gegeben zu haben. Eine Münze des I. trägt die Aufschrift: Victoria Auggg, (Cohen Médailles impériales VIII² 208, 4). Das dreifache G beweist, daß damals, als sie geschlagen wurde, schon drei Kaiser vorhanden waren. Sie fallt also später, als die Erhebung Valentinians III. zum Caesar (23. Oktober 424), und beweist doch, daß L noch nicht daran verzweifelte, den Frieden mit seinen beiden Kollegen aufrecht zu halten. Aber das Consulat, das er am 1. Januar 425 antrat, wurde in Konstantinopel nicht anerkannt (Mommsen ΠΙ529. Liebenam Fasti consulares imperii Romani 43), und um dieselbe Zeit scheint man den Krieg offen erklärt zu haben.

Die Führung desselben wurde von Theodosius dem Ardabur übertragen, dem sein Sohn Aspar und Candidianos als Mitfeldherrn beigesellt wurden (Olymp. frg. 46 = FHG IV 68; vgl. o. Bd. II S. 607. III S. 1472). Aspar, wahrscheinlich auch Candidianus, sollten in Begleitung der Kaiserin Placidia und ihres Söhnchens die Julischen Alpen Überschreiten (Philostorg. XII 13) und gleichzeitig Ardabur mit einer Flotte in Aquileia landen (Socrat. VII 23, 5), um dem feindlichen Heere, wenn es die Alpenpθsse zu versperren versuchte, [1746] in den Rücken zu fallen. Da I. den größten Teil seines Heeres nach Afrika gegen Bonifatius entsandt hatte, war er zu schwach, um eine Feldschlacht zu wagen. Er hielt sich daher in Ravenna eingeschlossen, hatte aber den jungen Aötius zu den Hunnen geschickt, um dort Hilfstruppen zu werben. Mit ihnen sollte er dem Heere des Theodosius, wenn es vor Ravenna lag, in den Rücken fallen und so die Festung ent-.0 setzen (Greg. Tur. hist. Franc. II 8). Doch langte er erst in Italien an, nachdem sich das Schicksal des I. schon entschieden hatte (s. o. Bd. I 8. 701).

Ardabur eroberte Salona und stach von dort aus in See; doch'wurden durch einen Sturm seine Schiffe zerstreut und dasjenige, auf dem er selbst sich befand, mit zwei anderen durch die Flotte des I. aufgebracht. Dem Gefangenen gewährte man in Ravenna so viel Freiheit, daß er JO unter dem Heere für Placidia und ihr Söhnchen agitieren konnte. Unterdessen hatte Aspar die Alpen mit der Jteiterei schnell überschritten und war in Aquilaa eingezogen. Als er von dem Mißgeschick seines Vaters hörte, eilte er nach Ravenna. Ein Hirte zeigte ihm einen Weg durch die Sümpfe, welche die Stadt uneinnehmbar zu machen schienen, und als er ganz unerwartet in sie eindrang, fiel ihm das Heer des I. zu und dieser selbst wurde gefangen genommen (Socrat. SO VII 23. Philostorg. XII 13. Olymp. frg. 46. Mommsen II 76, 425, 1. Theophan. 5938. 5943). Nach Aquileia geschickt, wurde er, nachdem ihm eine Hand abgehauen war, auf einem Esel durch den Circus geführt und dann enthauptet (Procop. bell. Vand. I 3, 9. Philostorg. praef. XII 13. Mommsen I 470, 1288. 528, 83. 658, 99. 659, 578. II 21, 84. 155, 1211. III 422). Seine Regierung setzt Philostorg. a. O. auf U/g Jahre an, Procop. bell. Vand. I 3, 7 40 auf 5 Jahre, was aus einem Jahr und 5 Monaten entstellt sein wird. Danach scheint er vom Dezember 423 bis zum Mai 425 regiert zu haben (Seeck Geschichte des Untergangs der antiken Welt VI 95). Am 9. Juli 425 wurden seine Verfügungen durch ein Gesetz Valentinians III aufgehoben (Const. Sirm. 6).

[Seeck. ]