RE:Kenchreai 1

Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Ort der Argeia
Band XI,1 (1921) S. 165167
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KenchreaL 1) Ortschaft der Argeia, ΚεγχρεαΙ Strab. VIII 376; Κεγχρειαί Paus. II 24, 7 die Hss,; Κερχνεία Aisch. Prom. 676 (ein Teil der Hss. Κε(γ)χρεία) mit einer Konsonantenumstellung, t die ebenso bei κεγχρος und umgekehrt bei κερχνος vorkommt. K. lag nach Strabon am Wege von Tegea über das Parthenion nach Argos, den Paus. VIII 54, 5ff. von Tegea bis Hysiai und II 24, 5ff. von Argos bis zu demselben Punkte beschreibt. Er ist auch in neuerer Zeit oft von Reisenden benutzt und beschrieben worden, am eingehendsten von Leake- Morea II 337ff., anschaulich Smith Dict. Greek and Roman Geogr. I 201f., das Wesentliche bei Bädeker Griechen!.⁵ 343f. Pausanias erwähnt K. zwischen der Quelle des Erasinos bei Kephalari, früher Μύλοί τὸν Ἄργους genannt, und Hysiai bei Achladökambos; s. o. Bd. IX S. 539, 35ff. Zwischen diesen beiden gesicherten Punkten finden sich Spuren antiker Bauten an zwei Stellen, die beide für K. in Anspruch genommen worden sind.

Etwa 2 km südwestlich von Kephalari (die Entfernungsangaben der verschiedenen Reisenden weichen merkwürdig voneinander ab) sind rechts vom Reitweg etwa 200 m den unteren Hang der Vorhöhen des Chaon hinan die Fundamente eines annähernd quadratischen Turmes von etwa 10 m Seitenlänge erhalten (Leake 339f. Wiegand Athen. Mitt. XXVI 1901, 246), sowie in der Nähe Spuren von Mauerzögen (Ross Reisen 141. Curtius Pelop. II 365). Noch 200 m höher hinauf liegt die Ruine eines rechteckigen Gebäudes, dessen 3,45 m höhe Mauern über einem senkrechten Sockel außen unter einem Winkel von 60° geböscht sind; es ist die sog. »Pyramide von Kenchreai', Abbild. Expédition de Morée II Taf. 55. Leake 339. Smith I 202. Tsoun-tas-Manatt The Mycenaean Age 39. Dieser Bau hat bei älteren Reisenden lebhaftes Interesse erweckt, weil man in ihm »ein Grabmal sehr alter Zeit erblickte, dessen Tür an die Galerien von Tiryns erinnere, und dessen Pyramidenform [166] Kenchreai

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vielleicht mit der äygyptischen Herkunft des ar-givischen Herrschergeschlechts Zusammenhänge* (Wiegand 241). Für ein Grabmal erklärten das Gebäude Boblaye Recherches 46. Leake 343. Clark Peloponnesus 99f. Ross 146f. Vischer Erinnerungen u. Eindrücke 326f. Nachdem schon Curtius 365 wegen der ursprünglichen Anwendung von Mörtel und der Riegellöcher an der Innenseite der Türen den Bau für einen keines-0 wegs alten Wachtturm erklärt hatte, beobachtete

Frazer Paus. III 566 zuerst, daß das Zimmer in der Nordostecke als Zisterne gedient hatte. Endgültig erledigt ist die Frage durch Wiegands Aufsatz mit Plan und Abbildungen. Er zeigt (244), daß ein am oberen Rand der Zisterne durch die Nordmauer ins Freie geführter Wasserdurchlaß nicht später sein kann als das ursprüngliche Gebäude. Dieses selbst kann also nur ein Wachtturm gewesen sein aus nachchristlicher lOZeit; auf den geböschten Wänden haben sich senkrechte Wände erhoben (245). Demnach haben am Chaon zwei Wachttürme gestanden; vielleicht hat der obere den unteren ablösen sollen. Dagegen finden sich hier keinerlei Spuren einer antiken Siedlung (nach Mitt. von Frickenhaus).

Etwa drei Stunden weiter nach Südwesten, wo der Weg sich zum südöstlichen Ende des wallartig aufsteigenden Kteniäs hinaufzieht, berührt er den quellenreichen Platz Sta Nerä, wo-10 für auch der Name eines 2 km nordwestlicher gelegenen verlassenen Dorfes Paläo-Skaphidaki gebraucht wird. Leake 343. Gell Itinerary of the Morea 173. Auf der Carte de la Grèce und auf der Karte bei Miliarakis Γεωγραφία θργολιόος καὶ Κορινθίας, ebenso Kiepert FOA XIII ist Sta Nerä zu weit nach Südosten ein-gezeichnet, wenn das Wasser der Quellen wirklich, wie Leake 337 behauptet, in den Cheimar-ros fließt. Hier sind deutliche Spuren einer anti-10 ken Siedlung festgestellt worden: die Ruinen eines kleinen Gebäudes aus großen Quadern (B o Blaye 47), ein Stück polygonischen Gemäuers, hellenische Fundamente und alte Werkstücke (Ross 145), Marmorplatten und Säulentrommeln (Bä-deker 344), endlich zahlreiche antike Scherben (nach Mitteilung von Frickenhaus).

Nach der Überlieferung ist K. eine Ortschaft; das bedeutet τόπος bei Strabon, wie gleich S. 377 = 534, 12 M. u. ö.; das beweist auch die bei 50 Pausanias versuchte Etymologie des Namens. Eine Ortschaft hat bei Sta Nerä gelegen, aber nicht am Fuß des Chaon. Die Beschreibung bei Pausanias enthält einen Sprung. Unmittelbar vom Erasinos führt sie nach K., und unmittelbar von dort erfolgt der Abstieg nach Hysiai. Aber die Verklammerung nach vorwärts ist entschieden die festere, so daß auch Pausanias für die Lage auf dem Gebirge spricht (Ross 146. Curtius II 366). Auch die Gräber der bei 60 Hysiai gefallenen Argeier (πολυανδρία ist nach Pausanias' Sprachgebrauch wirklicher Plural, vgl. II 38, 5f.), die bei K. standen, sprechen für diese Uge (Curtius), zumal seitdem erwiesen ist, daß das Bauwerk am Chaon kein Grabmal gewesen sein kann. K. ist demnach bei Sta Nerä anzusetzen (so auch Leake 3481 Lolling Hellen. Landest 165). Den Versuch, die Aischylos-stelle topographisch zu deuten, wird man nach [167] «»VMVIUVUl}}

dem, was v. Wilamowitz Aischylos Interpretationen 9 bemerkt hat, besser unterlassen.}}

[Bölte. ]