RE:Kentauren

Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Mischwesen aus Mensch und Pferd
Band XI,1 (1921) S. 172178
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Kentauren (Κένταυροι), vierbeinige, aus Mensch und Pferd gebildete Wesen, die in Bergwäldern hausen.

§ 1. K. fehlen bei deh Wesrtgriechen, in Sizilien, ItalienAelian. var. hist. IX 16 gehört nicht her – ebenso wie bei den Ostgriechen in Kleinasien und auf den Inseln in örtlich gebundenen Sagen. Lokalisiert sind sie ausschließlich im Mutterlande und auch da sicher nur in Thessalien, im westlichen Arkadien nebst an->0grenzenden Landschaften Elis, Westachaia und gegenüber am Euenosfluß in Aitolien, schließlich am Kap Malea. Sie treten im Lapithenkampf, ferner im Kampf mit Peleus und endlich mit Herakles beim Pholosabenteuer, als wilde menschenfeindliche Masse auf. Daneben aber sind die K. Eurytion und Nessos als Heraklesgegner individuell ausgebildet. Während nun diese das wüste Wesen mit den übrigen K. teilen, sind [173] 178

Kentauren

die K. Chiron und Photos, die auch in der Sage von der Masse gesondert sind, im Gegensatz}} milde, wohltätig, gastfreundlich. Chiron wird von Sophokles Trach. 714 Gott genannt, scheint auf Thera Kult gehabt zu haben, IG XII 3, 360. Er ist Sohn des Kronos und der Okeanostochter Philyra (= Lindennymphe). Photos, der Heraklesfreund in Arkadien, hat den Seilenos und eine Eschennymphe zu Eltern (Apollod. bibl. II 83). Dagegen werden die K. nach Pind. Pyth. II 41 von Kentauros und magnetischen Stuten gezeugt, der aber eine inhaltlose, offenbar künstlich geschaffene Gestalt ist (s. d.). Die Entstehung der K. aus dem Samen des Zeus bei Verfolgung der Aphrodite ist Phantasie des Nonn. Dionys. V 611 + XXXII 72. Chiron und Photos sind auch niemals an den Untaten und Kämpfen der K. beteiligt. Abweichend wird nur in einer Einlage in die Fluchverse des Töpfersegens (Herodot. Homervita32, 8 = Lietzmann Kl. Texte nr.137) Chiron als Führer mit den K. zur Zerstörung des Töpferofens aufgerufen. Will man nicht ganz Chiron und Photos von den K. als ursprünglich fremde Gebilde trennen – Chiron haust wie sie in Thessalien und am Kap Malea –, so muß man schließen, daß aus dem Wesen der K. sowohl wüste menschenfeindliche, als auch milde menschenfreundliche Eigenschaften entwickelt sind.

§ 2. Die ebenso wie die K. aus Mensch und Pferd gebildeten Silene fordern zur Vergleichung auf. Sie unterscheiden sich äußerlich nur dadurch, daß sie stets zwei Beine haben, doch kriechen sie gelegentlich auf Händen und Unterschenkeln. Ihre Gestalt ist aber wie die der K. sehr allmählich von der Kunst ausgebildet, so daß sie erst seit Anfang des 5. Jhdts. fest wird; vgl. Kuhnert in Koschere Myth. Lex. Satyros auch zum Folgenden. Wie archaische Denkmäler zeigen, lebten sie im Volksglauben früher in Kleinasien, Chalkis, Attika, an der makedonischen und thrakischen Küste als wilde Waldwesen mit tierischen Gebärden. Die Sage kennt sie in der Peloponnes, in Thessalien fehlen sie. Meist ithyphallisch gebildet, rauben sie Weiber und stellen Nymphen nach, aber sie jagen auch gelegentlich auf Luchs und Eber mit großen Baumästen (Fries von Xanthos, Brunn-Bruckmann Denkm. 104 = Koscher a. a. O. 451). Die K. sind sehr selten ithyphallisch, nur in Terrakotten des geometrischen Stiles aus Tanagra (Dümmler Athen. Mitt. XIII 1888, 286 = Kl. Schr. III 165 frg. 129) Olympia? Kypros? tragen sie vorn einen menschlichen Phallos (Studniczka) und älteste Poesie und Kunst erzählt nichts von ihrem Woiberraube, der erst etwa seit 500 auch für sie charakteristisch wird. Makedonische archaische Münzen zeigen sie ganz wie die Silene [174] Kentauren 174-}}

lüstern geschildert waren (§ 3, 4). Für das ursprüngliche Wesen des K. wie der Silene ist also die Beziehung zu Dionysos ohne Bedeutung.

Treten die K. von Anfang her in Masse auf und ist die Einzelperson des K. eine späte künstliche Erfindung ohne Leben, so ist entgegengesetzt der Silen als Individuum wie es scheint ursprünglich, wie er auf ältesten Monumenten meist einzeln erscheint und so auch in der Sage 10 als Vater des Pholos. Er hat sich stets auch im Satyrspiel und im Thiasos als Einzelperson gehalten. Nach Paus. VI 24, 8 hatte Silen allein einen Tempel in Elis auf dem Markt, auch im Maleagebirge (Pind. frg. 156 Schröder Paus. III 25, 2; vgl. Poll. IV 104) wurde er verehrt, vielleicht einst auch auf der Burg von Athen (Paus. I 23, 5 nach Robert Der müde Silen 1899, 8). Dagegen sind von den K. zwar einzelne individualisiert und besonders benamst, aber nur einer, Chi-20 ron, scheint verehrt zu sein (s. o. S. 173, 4). Chiron allein von den K. ist menschenfreundlich, der weise Lehrer des Achill, Iason, und dasselbe wird vom Silen erzählt, den Menschen einfangen, um seine Weisheit zu hören: s. Kuhnert in Roschers Myth. Lex. Satyros 505. Auch wird Chiron wie Silen (Apollod. II 83) mit einer Nais vermählt: Hesiod. frg. 124 in Schol. Pindar P. IV 181.

Beziehungen der Silene wie der K. zum Tode sind eingebildet (Loeschcke A. d. Unterwelt, SODorpat, 1888, 12. Kuhnert a. a. O. 447). Denn wie Silen und K. beiderseits zu Häupten des Toten auf klazonemischen Sarkophagen (Journ. hell. stud. IV 21 - Ant. Denkm. I 46, 3: Sil.; Ant. Denkm. II 58, Ἔφημερ. ἄρχ.19θ7 Taf. 9: K), so sind auch Sphinxe und Hirsche auf anderen an derselben Stelle dargestellt, also rein ornamental. Vergil Aen. VI 286 (danach Stat. Theb. IV 534) nennt zwar die K. neben Scylla Briareus Chimaera am Eingang der Unterwelt, aber, da 40 sich ein griechischer Beleg nicht erbringen läßt, dürften sie eine selbständige Zutat des Dichters sein. Alle auf Beziehungen zur Unterwelt bezogenen Bildwerke sind falsch gedeutet.

Enge Verwandtschaft in Gestalt und Wesen zwischen K. und Silenen ist offenbar. In Arkadien berühren sie sich örtlich und sie scheinen sich in der Gestalt des Pholos (s. o. Z. 173, 1ff.) zu einigen. Ein Silen neben K. auf italisch-ionischer Vase bei Baur nr. 311. Das Tierkreis-Sternbild des 50 Schützen ist vom Ionier Kleostratos in Silen-gestalt, von andern als K. dargestellt; beide Bilder haben sich gehalten: Bethe Rh. Mus. LV (1900) 414. 419. 427. Dennoch bleiben sie deutlich voneinander geschieden. Nie hat die Sage Silene als feindliche Unholde mit Menschen in Kampf geraten lassen – der wesensverwandte Satyros war allerdings in der argivischen Argos -sage (Apollod. bibl. II 4) böser Menschenfeind – als ithyphallische Dämonen stellen sie den Nym-60 phen und Weibern (?) nach. Die K. sind ursprünglich die typischen Unholde, θηρες, thessalisch φηρες (vgl. O. Hoffmann Griech. Dialekte II 478)_genannt: Hom. II. 1268. II 748. Pind. Pyth. IV 119, frg. 116 Schröder. Sie durchstreifen die Beige ὄρεακφοι Hom. D. I 268), schlingen roh das Fleisch erlegter Waldtiere (ώμογάγοΛ Theognis 541) und in wildem Kampfe ringen sie mit den Menschen, ausgerissene Fich- [175] 175

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ten und Steine aie Waffe nutzend (Hesiod. Sent Here. 188, archaische Bildwerke). Wenn sie den Peleus, der die Bestien des Pelion besiegt hatte, als schlimmere Feinde Überfallen, wenn sie von}} den Lapithen und Herakles vertrieben werden, so ist klar, daß diese ältesten Sagen die K. als bösartige Dämonen des wilden Berg waldes denken, die die Kulturbringer vernichten oder verjagen müssen. Daß die K. Nymphen und Weibern nachstellen, paßt dazu, tritt aber nur nebenher K und erst später hervor. Wie denn der erigierte Phallos nicht für sie charakteristisch ist. Also Schreckgespenster der Bergwildnis sind die K. ursprünglich. Damit verträgt sich, daß einer von ihnen, Chiron, die Heilkräfte der Kräuter kennt und freundlich mitteilt, wie ja auch wohl Silenos aus einem Schreckgespenst des Waldes zum wohltätigen Vegetationsdämon geworden ist und Wundt Völkerpsychologie II 2, 413 das auch sonst nachweist. 20

§ 3. Die alte Sage stellt die K. im Kampf einerseits den Lapithen gegenüber, andrerseits einzelnen Helden, dem Peleus und dem Herakles.

Die Lapithensage deutet Homer II. I 267 an: Nestor rühmt als Stärkste der Vorzeit die Lapithen Peirithoos, Dryas, Kaineus, Exadios, Poly-phemos, die mit den φήρες ὀρεῦκφοι gekämpft und sie vernichtet haben. [‌Hesiod.] scut. Hercul. 178 beschreibt die Darstellung dieses Kampfes auf dem Schilde derart, daß er neun Lapithen 30 aufzählt – außer den vier ersten Homers noch Hopleus, Phaleros, Prolochos, Mopsos, Theseus – dann fortfährt: ,von der anderen Seite sammelten sich die K. um Petraios usw. und sie kämpften gegeneinander mit Schwertern und Fichtbäumen/ Hier ist also der Kampf im Freien gedacht, wie die als Waffen benutzten Bäume zeigen. Auch Hom. Il. II 742 kann nur als Κ.Schlacht im Peliongebirge verstanden werden. So stellen ihn auch die ältesten Vasenbilder dar, wo die K. 40 nur mit Bäumen und Steinen bewaffnet erscheinen: Françoisvase, Wien. Vorlgbl. 188, 3 = Furtwängler-Reichhold Taf. II/2 Caeretaner Hydria (ionisch) Ann. d. Inst. 1863 T. E. Die Kaineus-szene ist ihrer Natur nach immer draußen im Freien geblieben. Von Weinrausch und Weiberraub ist keine Rede in den ältesten Fassungen; es bekämpfen einfach Helden die wilden Ungetüme wie Herakles den Löwen, Eber, Hydra usw. Erst später empfand man das Bedürfnis, die 50 Feindschaft der Lapithen und K. zu motivieren. Es geschieht zuerst bei Homer Od. XXI 295 durch die Erfindung, der K. Eurytion habe als Gast im Hause des Peirithoos in der Trunkenheit gefrevelt, wofür die Heroen ihm Nase und Ohren abgesebnitten: ἐξ ου K. καὶ ἀνδράοι νεῖκος ἔτνχθη. Daraus hat sich* die später allgemein angenommene Version entwickelt, daß der Kampf im Hause des Peirithoos an seiner Hochzeit mit der Hippodameia entbrannt sei, bei der die K. 60 zu Gast waren und von Wein berauscht sich an [176] Kentauren}}

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jüngere Fassung noch nebeneinander stehen (vgl. Pint. Theseus 30), Apollod. bibl. Epit. p. 181 Wagner. Hyg. fab. 38, Schol. Hom. D. I 263t AD; Od. XXI 205. Schol. Pind. Pyth. II 85. Serv. Aen. VII 304 u. a.}}

Die Lapithen sitzen in Thessalien, ihre im K.-Kampf genannten Helden verteilt der Schifis-katalog Hom. H. II 738ff. auf thessalische Städte. Auch Theseus gehört dahin (Töpffer Beiträge) 148). Ihr Kampf mit den K. ist also thessalische Lokalsage, ebenso der Kampf der K. mit Peleus (s. § 4).

Die Motivierung des ursprünglich nicht motivierten K.- und Lapithen-Kampfes durch den an Peirithoos Hochzeit geübten Frevel ist nicht vor dem 6. Jhdt. von einem Dichter gemacht. Wir haben aber keinen Anhalt, dies Gedicht zu bestimmen. Das von Aelian. var. hist. XI 2 genannte Epos des Meiesandros ist apokryph.

  • § 4. Der Kampf des Peleus mit den K. hatte Hesiod. frg. 79 Bz. 2 erzählt, und zwar im Zusammenhänge mit seinem Abenteuer bei Akastos und dessen Weibe. Dies hatte den Peleus, weil er ihren Liebesantrag abgewiesen (Hesiod. frg. 78), beim Gatten verleumdet, und dieser, der den von ihm Entsühnten nicht selbst töten wollte, führt ihn auf den Pelion und versteckt ihm dort sein von Hephaistos geschmiedetes Messer unter dem Mist, damit er, wehrlos, beim Suchen von den K. getötet werde (frg. 79). Nach Pind. Nem. IV 57–100, der nach Didymos’Zeugnis im Scholion Hesiod folgt, hat Chiron den Peleus gerettet, der ihm das Messer findet und gibt. So Apollod. bibl. III 167, der diese hesiodische Form mit einer andern kontaminiert. Zu dieser zweiten gehört die in Schol. Aristoph. Nub. 1063 erzählte Geschichte, die Götter hätten dem Peleus, in Gefahr ὑπὸ θηρίων getötet zu werden, durch Hermes das Hephaistosmesser geschenkt, und so sei er gerettet worden. Damit soll erklärt werden der Aristophanesvers o γόνυ Πηλεῦς ἔλαβε ôt αὐτό (sc. τὸ ὀωφρονεῖν) τὴν μάχαιραν. Beide Versionen in Schol. Apoll. Ehod. I 224, wo auch in der zweiten statt der K. ὑηρία den Peleus bedrohen. Vgl. Schol. Pind. Nem. IV 92. Die beiden recht altertümlichen Formen der Geschichte zeigen, daß es ihr nur darauf ankam, den Peleus wehrlos in eine furchtbare Gefahr zu bringen, ob durch wilde Tiere (ὑηρία) oder K. ist gleichgültig. Die hesiodische Form beweist nur, daß die K. in Thessalien und als menschenfeindliche Bestien gedacht wurden.

§ 5. Herakles' K.-Kämpfe sind mehrfach variiert. Die Pholossage läßt ibn mit den K. allgemein kämpfen, daneben werden Einzelkämpfe unabhängig überliefert.

In der bei Diodor. IV 12, 3, der noch eine andere Quelle hier benutzt, und bei Apollod. bibl. II 83 vorliegenden mythographischen Tradition war, wie schon bei Sophokles Trach. 1095, also altersher (v. Wilamowitz Eurip. Herakles 1¹ 300) das Pholosabenteuer an Herakles' dritten Kampf gegen den Erymanthischen Eber angeschlossen. Im Pholoögebirge wird er vom K. Pholos (vgl. v. Wilamowitz zu Euripid. Herakles 181) mit gebratenem Fleisch, während dieser selbst rohes ißt, und Wein aus dem allen K. gehörigen Pithos bewirtet, das dieser aus Furcht [177] 177

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vor den K. nur widerstrebend öffnet. Durch seinen Duft herbeigelockt, kommen die K. mit Steinen und Fichten bewaffnet zur Höhle des Pholos., werden aber von Herakles zuerst mit Feuersbränden, dann mit Pfeilen bis Malea getrieben, wo sie Chiron empfängt, der durch Zufall selbst am Knie unheilbar verwundet wird. Andere K. zerstreuen sich, den Rest verbirgt Poseidon in Eleusis unter einem Berge. Pholos selbst vergiftet sich an einem der Heraklesfeinde und wird von Herakles begraben. Die Sage begegnet zuerst bei Stesichoros frg. 7 (Athen. XI 499 A), das den zechenden Herakles schildert. Eine Komödie des Epicharm hieß Ἠρακλῆς παρὰ Φόλω. In Euripides’ Herakles 181 wird sein K.-Kampf in der Pholoë neben seinen Gigantenkampf gestellt, während das Chorlied 365 denselben nach Thessalien verlegt.

Den K. Eurytion erlegt Herakles, weil er des Dexamenos' Tochter als Gast in Elis angetastet hat: Bakchyl. frg. 44 Blass in Schol. Hom. Od. XXI 275, nach Diodor IV 33. 1 bei ihrer Hochzeit. Ins achäische Olenos legt Hermesianax bei Paus. VII 18, 1 diese Sage. Bei Apollod. II 91 ist Eurytion Freier um die Tochter des Königs von Olenos. Herakles tötet ihn, von Augeias in Elis kommend. Vgl. Hyg. fab. 31, 33, wo Herakles selbst ein Verhältnis zur Tochter hat. Über diese Sage Robert Mon. antichi dei Lincei IX (1899) 8, 9. Dexamenos selbst als K. bezeichnet Schol. Kallimach. H. Del. 102 wohl irrtümlich.

Parallel ist die Sage von Herakles und dem K. Nessos. Dieser wird an den Fluß Buenos gesetzt, der bei Kalydon in Aitolien gegenüber dem achäischen Olenos mündet: Sophokles Trach. 559 und stets, offenbar aus einer alten Dichtung, die diese ganze Sache für die Dauer fest gestaltet hat. Nessos von den Gottern als Fährmann dort bestellt, vergreift sich an Deianeira, ihr Gatte Herakles erschießt ihn, wofür dieser sich mit seinem vergifteten Blute durch Dianeira rächt. Nachweisbar zuerst bei Archilochos frg. 147 (Dio Prus. 60, 3 = II 135, 6 Arnim.) Schol. Apoll. Rhod. I 1212. Soph. Trach. Diodor. IV 36 = Apollod. bibl. II 152. Hygin. fab. 34 usw.

Nessos wie Eurytion werden mit der Pholos-geschichte und diese mit dem Lapithenkampf verbunden durch die billige Erfindung, daß sie entflohen seien. Es sind natürlich alles Lokalsagen, die jede für sich zu behandeln ist.

§ 6. K.-Darstellungen nicht lückenlos und wenig kritisch gesammelt von Paul V. C. Baur: Centaurs in ancient art, the archaic period, Berlin 1912, danach im folgenden die Nummern.

Mischgeetalten, den. K. ähnlich, kommen gern vereinzelt vor in kretischer und babylonischer Kunst, in dieser für das Sternbild des Schützen; Roscher Myth. Lex. II 1055 Fig 7, besser nach Photographie bei Winter Kunstgeschichte in Bildern 2 I 54, 1. Doch kann von K, nirgends die Rede sein. Ausschließlich griechische Kunst hat sie ebenso wie die Silene langsam tastend gebildet. Zunächst wird stets an einen vollständigen Mann hinten ein Pferdeleib angefügt, und zwar meist an den Glateen, gelegentlich über ihnen im Krenz (nr. 203 Bronze von Olympia). Bei dieser Übereinstimmung sehr zahlreicher Bildwerke muß es zweifelhaft erscheinen, daß [178]

RE:Kentauros

Kentauros.

RE:Kentauros

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auf dem dünnen Goldblechstreifen von Korinth um 800 (?) nr. 5 neben den menschenbeinigen schon zweipferdebeinige K. dargestellt seien, zumal Furtwängler Arch. Ztg. 1884, 99 bemerkt, ,bei der Kleinheit primitiver Ausführung seien die Unterschiede minimal'. Nur in Kleinasien kommen Ende des 6. Jhdts. wie bei Silenen Pferdehufe an den menschlichen Vorderbeinen der K. vor: nr. 322 (Hydria Caere) und nr. 326 10 (Terrakotte von Kypros), Ἐφημ. ἄρλ. 1907, Taf. 9 (klazomenischer Sarkophag). Seit Ende des 6. Jhdts. setzt sich der K.-Typus durch: unten ganzes Pferd, nur Oberkörper Mann. Ithyphallische K. nur in Terrakotten geometrischen Stiles, s. S. 173, 49. Phantastisch sind die Füße der K. gedacht im Hom. Hymn. Mercur. 219, wo Apollon in den Spuren der rückwärts geführten Rinder und des Hermes, der seine Füße mit Zweigen umwickelt hatte, Κ.Spuren vermutet. Mit Flügeln aus-20 gestattet, sind sichere K. nie, nur das babylonische Sternbild des Schützen (S. 174, 49) und italische, vom Orient beeinflußte Denkmäler zeigen k.-ahnliche Gebilde mit Flügeln, s. Roscher Myth. Lex. II 1045, 1079f. Gehörnte K. in später Kunst (Sauer in Roschers Myth. Lex. II 1080) auch bei Nonn. Dion. V 661, während in der Parallelstelle XXXII 72 das εὐκέραος fehlt. Im Tierkreis ist der Schütze = K. gelegentlich mit Hörnern ausgestattet: Thiele Ant. Himmels-30bilder, Berlin 1898, 150 und 161.

Die archaische Kunst verwendet K. nicht selten ornamental, oft mit Bäumen und Tieren, auch miteinander kämpfend. Von Sagen stellt sie dar den Kampf mit den Lapithen, oft Kaineus, Herakles bei Pholos und mit den K. kämpfend, Herakles Nessos Deianira. Chiron wird meist durch Gewandung hervorgehoben, s. d.

K.-Darstellung in der klassischen und späteren Kunst und Entwicklung des K. Typus, auch der 40 Spielart des K,-Weibchens und K.-Kinder s. Sauers Zusätze zu Roschers Artikel im Myth. Lex.

Literatur: Welcker Kl. Schr. III 3. Kuhn Ztschr. f. vergl. Sprachf. I 514. Gegen W. Roscher Jahrb. f. kl. Philol. 1872, 421, der auch in seinem Myth. Lex. II 1074 seine Deutung der K. auf wilde Waldgebirgsbäche festhielt, Plew Jahrb. f. kl. Philol. 1873, 193. Mann-hardt Wald- und Feld-Kulte, Berlin 1876, II 40, 78 (= Windgeister). El. H. Meyer Gand-50 harven-K., Berlin 1883 und Achilleis 1887, 447 (ebenso). Paul Baur Centaurs in ancient art 1912.

[Bethe. ]