RE:Krates 4

Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Dichter d. alten Komödie
Band XI,2 (1922) S. 16231625
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4) Dichter der alten Komödie. In der Liste der komischen Sieger an den städtischen Diony-sien (Wilhelm Urk. dramat Auff. 107) ist er zwei Plätze hinter Kratiuos mit drei Siegen verzeichnet, in der Lenaeenliste (Wilhelm 123) fehlt er und kann auch schwerlich in der Lücke hinter Eupolis untergebracht werden. Zu dem Platz in der Dionysienlistc paßt gut die Bestimmung seiner Akme bei Hieronymos-Eusebios (II 105 Schoene) auf 451/0. sein erster Dionysien-sieg wird ins J. 450 fallen. Eine große Bedeutung für die Entwicklung der attischen Komödie legt ihm eine Bemerkung des Aristoteles bei poet. 5, 1449 b 5: τὸ ἰὲ μύθους ποιεῖν Ἐπίχαρμος καὶ Φόρμις * τὸ μὲν ὄνν ἐξ ἀρχῆς ἐκ Σικέ- * λίας ἤλθεν, τῶν δὲ Ἀθήνησιν Κράτης πρώτος ἤρθν ἀφέμενος τῆς ἰαμβικῆς ἰδέας καθόλου ποιεῖν λόγους καὶ μύθους, danach hätte er zuerst von den attischen Komikern geschlossene Fabeln gebracht. Diese Bemerkung macht große Schwierig* keiten. Nach ihr müßte man, wie schon Meineke bemerkt hat (Hist. crit. 59), K. für älter halten als Kratinos., dem niemand die geschlossenen Fabeln abstreiten kann. Das ist aber durch ( eine Reihe sicherer Zeugnisse ausgeschlossen: 3 Nicht nur in der Siegerliste steht Kratinos zwei Stellen vor K,, Eusebios setzt ihn früher, der gute Anonymos π. κωμ. behandelt ihn vor K. (Kaibel CGF I 7), auch Aristophanes, was allein schon entscheidet, bespricht Kratinos in der Parabase der Ritter (526ff.) vor K. und behandelt ihn als erledigten Greis, während er K· ausdrücklich als mit wechselndem Glück kämpfenden Rivalen anerkennt, 540: χούτος μεντοὶ μόνος ἀντήρκει, τότε μὲν πίπτων, τοτὲ δ' οὐχί. Nach 41 Schol. Ar. Ri. 537 begann K. als Schauspieler des Kratinos und trat erst später als Dichter auf, dieselbe Nachricht scheint in verderbten Worten des Anonymos zu stecken. Ebenso sicher wie daß K. jünger ist als Kratinos, ist auch, daß er ihm an Genialität weit nachstand, Aristo-pbanes vergleicht ihn nicht wie jenen einem alles mit sich fortreißenden Bergstrom, sondern einem klugen Haushalter, der mit bescheidenen Mitteln zu wirtschaften weiß, Ri. 538f: δς ἀπὸ σμικρας 50 δαπάνης ὑμάς ἀριατίξων ἀπέπεμπεν, ἀπὸ κραμβό' τάτου στόματος μάττων ἀστειοτάτας ἐπίνοιας. Aus allen diesen Gründen könnte es verführerisch erscheinen, in der Aristotelesstelle den Namen des Kratinos für K. einzusetzen, zumal beide Namen oft verwechselt werden, aber auch hiergegen erheben sich schwere Bedenken. Sicher ist nämlich, daß man schon im Altertum hier den Namen des K. las, denn mit deutlicher Anlehnung an die Stelle sagt der Anonymos π. κωμ. 8 (CGF 60 I 8 Kaib.) von Pherekrates: γενόμενος δὲ ὑποκριτῆς ἐζήλωκε Κράτητα καὶ αυ ἰου μὲν λοιδορείν ἀπέστη, πράγματα δ' εἰσηγούμενος καινὰ ἠνδοκίμει, γενόμενος εὐρετικὸς μύθων. Vor allem aber passen Aristoteles' Worte ἀφέμενος τῆς ἰαμβικῆς ἰδέας ebenso schlecht auf den leidenschaftlichen Spötter Kratinos wie gut auf K., in dessen Fragmenten sich kein einziger persönlicher An- [1624] vraies

1624

griff findet. Man muß sich also damit abfinden, daß Aristoteles den genialen Kratinos in einer uns unbegreiflichen Weise zugunsten des zahmeren K. übergeht. Da Aristoteles für den dionysischen Überschwang der alten Komödie überhaupt kein Verständnis hat, mochte ihm K., dessen Beiwort κραμβότατος bei Aristophanes ja auch das Undionysische, Nüchterne bezeichnet (s. Jahresber. CLII 293), mehr auf der Entwickle Iungslinie zur zahmen korrekten Komödie seiner

Tage zu liegen scheinen. Eine merkwürdig verkehrte Angabe über K.s Lebenszeit haben wir bei dem Epikureer Demetrios Lakon (dieser, nicht, wie man früher meinte, der Peripatetiker Demetrios von Byzanz ist nach Croenert Kolotes und Menedeinos lOOff. der Verfasser der Hercu-lanensischen Schrift περὶ ποιημάτων) Vol. Here, ed. Ὄχ. I 109 = VH² V 7 frg. 12 (s. Gomperz Rhein. Mus. XXXII 477) γ[ά]ρ δὴ Κράτης 20 κατὰ [τ]ὸν ἀ[ντόν] χρόνον γε[γο]νω[ς Ἄ1σ]χνλωι;

vielleicht ist der Irrtum durch falsche Auffassung der Aristotelesstelle entstanden.

Die Zahl seiner Stücke geben der Anonymos π. κωμ. und Suidas (dessen cod. A freilich °ξ, also ἐξ hat) auf 7, der Latercnlus Estensis (CGF I 10 Kaib.) auf acht an. Suidas nennt sechs Titel Γείτονες, 'Ἤρωες, Θηρία, Λάμια, Πεδήται, Σάμιοι. Hier wird Πεδήται in Παιδιαί zu ändern sein, denn die Πεδήται erscheinen sonst immer 0 als Stück des Kallias, hinzuzufügen sind Τόλμαι und Ἐορταί; letztere werden bei Poll. VII 92 von allen Handschriften genannt, während ebd. X 54 die besten Handschriften FS ἐν ταις 'Ἐορταῖς, C dagegen ἐν ταῖς Τόλμαις haben. Ein schon im Altertum angezweifeltes Stück, dessen Namen sich leider nicht herstellen läßt, lernen wir durch einen anonymen Papyrustraktat kennen Pap. Soc. It. II 144 (vgl. v. Wilamowitz in Bd. III S. XII) Z. 20: Κράτητα μ[εντοὶ τὸν ’S κω]μικὸν ποιη[τὴν ἡ τὸν γε]γραφότα τὸν [........]

τὸν ἐν τὴι ἀ[ρχὴι τῆς ἀν]τεπιροήσεω[ς.

In den Γείτονες kamen nach Chamaileon bei Athen. X 429a zuerst Trunkene auf die komische attische Bühne, in die attische Tragödie hatte sie nach demselben Gewährsmann schon vorher Aischylos in den Kabiren, in die sizilische Komödie Epicharm eingeführt. Vielleicht geht hierauf die Bemerkung in dem anonymen Aristo-phaneskommentar Pap. Gr. Eg. II frg. B 15: ) πρώτος δ]ὲ ὁ Κράτ[η]ς (ἐ)ίσή[γαγεν. In den nach Athen. VI 268e später als Kratinos' Πλοντοί auf-geführten θηρία wurde das Thema des goldenen Zeitalters behandelt (frg. 14. 15). Politischen Inhalt scheinen dem Titel nach die Σάμιοι gehabt zu haben; aus ihnen ist ein phantastischer γρίφος über den τάριχος ἐλεφάντινον (frg. 29) erhalten, dessen tollen Blödsinn noch Aristophanes in den zweiten Thesmophoriazusen erwähnt (frg. 333).

Suidas kennt noch einen zweiten Κράτη; Ἀθηναίος, κωμικό; καὶ αὐτὸς τῆς ἀρχαίας κωαωδίας. φερεταὶ αὐτοῦ δράματα γ' θησαυρός, Ὄρνιθες, Φιλάργυρος. Weder der Mann noch seine Stücke werden sonst je erwähnt, und von den Titeln würden der erste und dritte eher für die neue als die alte Komödie passen. Es ist schwer zu sagen, ob hierin ein Best alter Gelehi*samkeit steckt, oder das Ganze Schwindel ist, mit Recht [1625] IWO

ivraies

hebt Th. Wagner Symb. ad com. graec. hist. crit. cap. quatt. 60 hervor, daß der Artikel der Anlage nach Hesychisch ist.

Literatur: Meineke Hist. crit. 58ff. Bergk De rell. com. att. ant. 266tf. Kirchner Prosop. Att. 8739, die Fragmente Meineke FCG II 233ff. Kock CAF I 13011'., Nachträge Demiaü-czuk Suppl. com. 29f. [‌