RE:Krates 8

Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Athener, Philosoph d. älteren Akademie
Band XI,2 (1922) S. 16311633
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8) Sohn des Antigonos, aus dem attischen [1632] Demos Thria, Philosoph der älteren Akademie, deren Scholarchat er nach dem unter dem Archon Philokrates = 270/69 (oder 267/6 nach Beloch Gr. Gesch. III 253–55) erfolgten Tode seines Lehrers Polemon übernahm und nur wenige Jahre führte. Sein Nachfolger war Arkesilaos. Das Jahr, in dem K. starb und Arkesilaos ihm folgte, läßt sich nicht ermitteln. Nach Jacoby Apollodors Chronik zu frg. 67. 68 (S. 344) fällt es 10 in 01.128 – 268–65. Mit diesem seinem Schüler war er ebenso wie mit seinem Lehrer Polemon und seinem Mitschüler Krantor durch innige Freundschaft verbunden. Unter diesen Männern bestand eine auf Gemeinsamkeit der philosophischen Ansichten und der praktischen Grundsätze beruhende Lebensgemeinschaft, die besonders eng war zwischen Krantor und Arkesilaos einerseits, Polemon und K. andererseits. K. ließ sich, wie er im Leben von Polemon unzertrennlich gewesen 20 war (sie sollen sich bis in die Äußerlichkeiten des Benehmens ähnlich geworden sein), auch nach seinem Tode in derselben Gruft mit ihm beisetzen; für das Denkmal dichtete Antagoras das Epigramm, in dem er sie preist als ἄνδρας ὀμοφροσύνη μεγαλήτορας, ὧν ἀπὸ μῦθος ἱερός ἠῖσσεν δαιμονίον στόμαχος. Diog. Laert IV 21. Wie sein Lehrer lebte K. ein weltfernes Gelehrtenleben und war sich bewußt, daß er für seine Bestrebungen auf kein Verständnis bei der weiteren Öffentlichkeit 30 rechnen könnte. Einmal aber ist er doch aus

seiner Zurückgezogenheit hervorgetreten und hat eine politische Rolle gespielt. Als im Frühjahr 287 Demetrios Poliorketes das von ihm abgefallene Athen belagerte, wurde K. von dem Demos als Gesandter zu ihm geschickt. Nach der Darstellung Plutarcbs Demetr. 46 war es K., der ihn nicht allein versöhnlich gegen Athen zu stimmen, sondern auch zu überzeugen wußte, daß sein eigener politischer Vorteil die Aufhebung der Belagerung 40 forderte. Er wird ihm wohl zu dem Feldzug in

Kleinasien gegen das Reich des Lysimachos geraten haben, dem er sich dann mit Erfolg zuwendete. Eine Hauptrolle bei der Entscheidung wird der Umstand gespielt haben, daß Pyrrhos bereits mit einem Heer zum Entsatz Athens heranrückte. Die bei dieser Verhandlung von K. gehaltenen Reden dürfen wir wohl in den Zoyoi πρεσβευτικοί wiedererkennen, die Diog. Laert. IV 23 unter seinen hinterlassenen Schriften erwähnt. 50 Aus den Worten: τελευτῶν δὲ ὁ Κράτης κατέλιπε βιβλία usw. ist wohl zu schließen, daß diese und die übrigen Schriften des K. erst nach seinem Tode an die Öffentlichkeit gelangten. Diog. Laert. a. a. O. nennt noch λόγοι δημηγορικοί, die zum Teil gewiß bei derselben Gelegenheit, teils vor, teils nach der Verhandlung mit Demetrios in der Volksversammlung gehalten waren, ferner eine Schrift περὶ κωμωδίας und φιλοσοφούμενα, was wohl als Sammelname für mehrere philosophische Mono-00 graphien aufzufassen ist. K. scheint der am wenigsten wissenschaftlich fruchtbare unter den vier eng befreundeten Altakademikern gewesen zu sein. Wir hören nur, daß er an der überlieferten Form der platonischen Philosophie (d. h. an der durch Speusippos von Xenokrates ausgebildeten) festhielt. Cic. Acad. post. 34 et post eos Pofemo et Crates unaque Crantor in Aca-demia congregati diligenter ea quae a superi- [1633] 1008

iiraws

oribus aeceperant tuebantur. Zeller Phil. d. Gr. Π³ 847, 1 897. Susemihl Gesch. d. gr. Lit. i. d. Alex. I. 121f. Beloch Griech. Gesch. III 253–55. 467–469. v. Wilamowitz Antigo-nos v. Karystos 207f.