RE:Kyknos 9
| Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft | |||
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| Sternbild d. nördl. Himmels | |||
| Band XI,2 (1922) S. 2442–2451 | |||
| Bildergalerie | |||
| Register XI,2 | Register kl | ||
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9) [...] [2443] [2444] [2445] [2446] [2447] [2448] [2449] [2450] [2451] 8) Hyg. fab. 97 wird besser Guneus gelesen.9) Kyknos, Sternbild des nördlichen Himmels,
das von dem Haupte des Drachen, der Lyra, dem Pfeil, Delphin, Pegasus, Kassiopeia und Perseus umschlossen wird. Die kreuzförmige Gestalt und die Lage in der Milchstraße machen es zu einem der markantesten Sternbilder; als Merkstern dient der Stern zweiter Größe a (= Deneb, d. h. Schwanzstern), der an der nördlichen Gabelung der Milchstraße liegt. Der Typus des vom Himmel nach dem Horizont zu fliegenden 60 Vogels ist von Eudoxos an in Literatur und Globusdarstellungen traditionell.
Der ältere Name ist δρνις, er ist in der astronomischen Literatur immer üblich geblieben; Arat. Hipparch, Geminus und Ptolemaios wenden nur diese Bezeichnung an, vgl. auch das Para-pegmenfragm. aus Milet 456 B = Diels und Rehm S.-Ber. Akad. Berl. 1904, 104f. Rehm S.-Ber. Akad. Heidelb. IV 1913, 3 S. 28, 31. [2443] Ps.-Eratosth. catast. 25 p. 30, 20 Oliv. Valens p. 12, 24 Kr. Teukros und Antiochos bei Boll Sphaera 106. Maneth. II 78. 120. Hygin. astr. II 8 p. 44, 19f. Bu. Daß der »Vogel* die ältere Terminologie ist, wird mit Becht betont von Behm Herm. XXXIV 262 und von Boll Sphaera 145, 2, unhaltbar ist die Ansicht Buttmanns Abh. Akad. Berl. 1826, 48, daß der Name Schwan das primäre ist. Bisweilen findet sich auch die Bezeichnung d· μέγας ὄρνις (Ps.-Eratosth. catast.. p. 30, 21 Ob Teukros bei Boll a. O. 20, 11 und Rhetor, cat. cod. astr. VII 210, 8. Apomasar ebd. V 1. 168, 21) und τὸ ὄρνεον (im 2. Teukrostext Boll 49, 22, dazu 96. 106). Die Römer übersetzen diesen Namen mit aies, avis und avis aies (Cie. Arat. 46f. u. ö. Ovid. fast. II 266. Vitruv. IX 4, 3 p. 210, 5 Cr. Avien. II 633), auch volucris wird dafür gesagt (Cic. Arat. 471. 501. Vitruv. IX 5, 1 u. 6, 3). Die Araber haben diese Bezeichnung übernommen, sie verstanden ‘ aber den spezielleren Begriff .Hahn* oder »Henne* darunter und nannten so das Sternbild, vgl. Ide 1er Unters, üb. d. Urspr... d. Sternnam. 74. Boll Sphaera 432. 421, 3. Abü Ma'sarebd. 531ff. Saxl S.-Ber. Akad. Heidelb. 1915, 6. 7. S. 139 s. Gallina; auch Melanchthon übersetzt in diesem Sinne δρνις mit gallina tetrab. ed. 1553 p. 38; vgl. auch die lateinische Übersetzung aus dem Liber introduct. Ptolem. in der Ausgabe von Gemin. elem. p. 288, 20 Man. Weit seltener 3 findet sich K., er gehört speziell der mythogra-phischen Literatur an (Ps.-Eratosth. a. O. Schob Arat. v. 273 p. 394, 19ff.M. v. 276 p. 395, 22 M. Hygin. a. O., dazu auch Teukros Boll 106); die Römer gebrauchen dafür cygnus (Man. I 337 u. ö. Germ. 276ff. u. ö. Arat. lat. p. 233 M. u. ö.), olor und aies olor (Man. I 687. V 367. 389. Hygin. astr. III 7 p. 83 Bu. u. ö. Avien. II 692). Die ägyptische Auffassung als θηρίον (κύων) scheint nur Teukros benutzt zu haben (Boll 96. 4( 106. 145, 2. 238ff. Rhetor, a. O. 207, 9). Zu erwähnen ist noch, daß in den älteren Sternkatalogen öfters Milvus oder auch Ἰκτίνος als ein besonderer Name des K. genannt wird-, z. B. von Riccioli Almag. nov. I 406, La Lande Astron. I 222. Grotius bei Ideler 76. Nun wird tatsächlich von Ovid. fast. III 793 ein solches Sternbild erwähnt, ja sogar die verschiedenen Phasen werden notiert, s. Bianchi S.-Ber. Akad. Heidelb.
1914, 3 S. 28f. 38. Merkel Ovid. fast, praef. 50 LXVI, dazu noch Rehm Mythogr. Unters., Diss. Münch. 1896. 34. Die Daten selbst lassen sich aber nicht mit den Phaseis des K. irgendwie zu-sammenbringen, sie stimmen vielmehr mit denen des Aquila überein; es handelt sich jedenfalls um eine mißverständliche kalendarische Angabe, und zwar um eine tierphänologische Notiz, nämlich das Erscheinen des Hühnergeiers, vgl. Ide-1er und Bianchi a. O. und Hellmann Beitr.
z. Gesch. d. Meteor. II 151. 60
In den Sternkatalogen, welche die Sternbilder nach Zonen aufzählen, steht K. zwischen Kassiopeia (auch Kepheus) und Lyra, er gehört zu den Bildern zwischen dem arktischen und dem nördlichen Wendekreis (Eratosth. = comm. in Arat. p. 134, 8 M., dazu Rehm Herm. XXXIV 258ff. Ptol. synt. VII 5. Hygin astr. II 8 p. 42 Bu. Martian. Cap. VIII p. 838; vgl. auch Ptol. tetr. [2444] AK J AUU3 2*44
19 = Boll Abh. Akad. Münch. XXX S. 11 und Hephaest. I 4 p. 70, 13ff. E). In dem System, das die Bilder in nordsüdlicher Richtung gruppiert und jedenfalls auf Hipparch zurückgeht, steht er zwischen Lyra und Pfeil (Hipparch bei Rehm a. O. 256. Boll Bibl. Math. II 186, 5. Gemin. III 8 p. 38, 15 Man. Manil. I 324ff., dazu Moeller Stud. Manil., Dies. Marb. 1901, 32. Als angrenzende Sternbilder nennt Arat Lyra, 10 Kepheus und Pegasus (269ff.), eine falsche Astro-thesie gibt Anon. II p. 104 M., er stellt K. zwischen Heniochos und Perseus.
Auf dem Globus des Eudoxos ging der rechte Flügel an die rechte Hand des Kepheus, der obere Teil dieses Flügels lag auf dem arktischen Kreis (Arat. 279. Hipparch. p. 18, 12. 112, 7. 114, 1 Man. Teukros p. 96 Boll), der Kolur ging durch den rechten Flügel (dagegen Hipparch. p. 116, 8. 118, 1ff. Man.). Der linke Flögel lag ïObei den Füßen des Pegasus (Arat. 281. Hipparch. p. 18, 14 Man.), und zwar auf dem nördlichen Wendekreis, ebenso der Nacken und Hals (Arat. 487. Hipparch. p. 20, 11. 104, 26Man). Weitere Einzelheiten wie Schwanz, Füße und Schnabel scheint Eudoxos nicht besonders hervorgehoben zu haben (vgl. auch Boll Sphaera 70). Arat erwähnt den Kopf, Hals und den Schwanz (272ff. 487f. 598) und nennt den K. ἐνδιόωντι πότην ὀρνίθι ἐοικώς (278, ähnlich Arat. lat. p. 233 M. OCic. Arat. 49. Avien. II 643). Die auf Globen übliche Darstellung, wonach der Kopf dem Horizont, also dem Pfeile zu gerichtet ist (vgl. Hygin. astr. III 7 p. 84, 6 Bu.), verläßt allein die Astro-thesie bei Vitruv. IX 6, 3; er läßt den linken Flügel über der Kassiopeia und den Schwanz nach dem Pegasus zu liegen, dazu Thiele 54.
Hipparch nennt die Lage folgender Sterne: den an der Spitze des Schnabels = ß oder Mbireo (Ideler 75. Ambronn Sternverz. 129 n. 6308),) den auf ihn folgenden an der Kehle - ἡ; auf dem rechten Flügel δ θ ὶ κ, und zwar an dem Gelenk d, den südlichsten θ, den mittleren i, den nördlichsten und am meisten nach Westen zu x; auf dem linken Flügel erwähnt er zwei Sterne, den an der Spitze = ζ und am Gelenk - ἐ. Der hellste = a oder Deneb (d. h. Schwanz der Henne, Ideler 79), liegt am Schwänze, mitten im Körper ein weiterer heller = y. Ferner nennt Hipparch zwei Sterne im linken Fuße, den südlichsten A und den nachfolgenden o (Bayer legt beide in den Schwanz). Der Stern μ, der in der modernen Astrothesie zum Schwanz gerechnet wird, steht nach Hipparch im südlichen Vorderfuß des Pega
sus. Im ganzen zählt er 12 Sterne auf, nach dem Sternkatalog hat er aber 14 in das Sternbild einbezogen (Boll Bibl. math. II 186, 5); vermutlich hat er drei Sterne am Kopfe notiert, dem ἠγούμενος ἐν αὐτῶ καὶ ἔπ' ἄκρου τοῦ ρύγχους = β entspricht nach seinem Sprachgebrauch der ἐπόμενος , den Ptolemaios synt. VII p. 58, 7
Heib, nennt, und zu dem ἐπὸμενὸς (τῶν) ἐν τῶ ἄριστερω πόδι = ρ fehlt der ἤγονμενος, er scheint demnach drei Sterne im linken Fuße erwähnt zu|
haben -, man könnte aber auch zu dem νοτιώτατος
ἐν ἄκρα τῆ ἄριστερω πτέρυγι = ζ den βορειότερος1
= Z in der Mitte des Flögels erwarten, also denj
linken Flügel wie auch bei Ptolemaios mit drei] [2445] 244ö JkJKUUB
Sternen notieren (die einzelnen Belege im astronomischen Index bei Manitius p. 867). Ptolemaios setzt in den Kopf und Hals 3 Sterne, je 1 in Brust und Schwanz, 4 in den rechten, 3 in den linken Flügel, 2 in den linken und 3 in den rechten Fuß, rechnet also im ganzen 17 Sterne in das Bild, außerdem stellt er dazu noch zwei nicht in das Bild einbezogene Sterne unter dem linken Flögel (synt. VII p. 58Î Heib.).
Genaue Positionsangaben gibt Hipparch für ' j5 = + 25° 20' Deklination und als Rektaszension = Steinbock 1 Va °, « - + 50° Steinbock 6 Va°» außerdem notiert er noch die Deklination von = 4- 31° und ί = 4- 23°. Nach Ptolemaios nimmt das Bild den Raum ein zwischen Steinbock 4° 30' (= ß) bis Wassermann 14° 30' (= ξ) und erstreckt sich in der Breite von 4-74° (x) bis 4- 44° (= ‘, die modernen Bezeichnungen nach der Übersetzung von Manitins) von der Ekliptik. Auf diesen astronomischen Berechnungen fußen eine Reihe z. T. ungenauer, z. T. für die Zeit des Autors umgerechneter Längenangaben bei Rhetor, cat. cod. astr. VII 210, 7 und 14. Anonym, vom Jahre 379 ebd. V 1, 198, 19. Theophil, ebd. 214, 5, exc. Paris, ebd. 219, 14; vgl. auch Ptolemaios bei Abü Ma’sar ebd. V 1, 167, 18 und 30, 168, 5, die Sternliste des Vatican. 1056 ebd. V 3, 130, 2f. und Ps.-Ptol. bei Boll Abh. Akad. Münch. XXX 82. Andere allgemein gehaltene Angaben finden sich bei Valens p. 12, 29 Kr. und im 2. Teukrostext p. 50, 23. 51, 15, dazu Boll 106.
Ptolemaios beschreibt außerdem noch im einzelnen die Lage der Sterne in der Milchstraße (synt. VIII 2 p. 170, 19ff. 173. 15ff. und 179, 9ff. Heib.). Sie teilt sich beim Schwanz des Schwanes in 2 Gürtel; auf dem westlichen Gürtel liegt der Schnabel, Hals. Brust, Schulter des rechten Flügels und das Ende des rechten Fußes; nach Ptolemaios läßt sich die Lage der einzelnen Sterne durch besondere Bildungen innerhalb dieses Gürtels genau feststellen; auf den modernen Sternkarten sind diese feinen Beobachtungen nicht im einzelnen nachzuweisen. Den Nordwestrand des östlichen Gürtels begrenzen die beiden Sterne in der südlichen Schulter und dem Flügel (b), sowie die beiden im südlichen Fuß (v‘; bei Littrow Atl. d. gest. Himmels Bl. 3 liegen beide, bei Heis Ati. cael. Taf. VII ? außerhalb dieses Gürtels). Am Südwestrand steht das Ende des linken Flügels, in dem Gürtel selbst liegen die beiden nicht in das Bild einbezogenen Sterne (auf den Karten bei Littrow und Heis Tab. V liegen ζ τ σ außerhalb). An der Kurve nach der Vereinigung beider Gürtel liegt das linke Knie (ς) und in dem anschließenden dichteren Teile sind die Sterne des rechten Fußes und des Schwanzes. Sonst wird auf die Lage des Schwanes in der Milchstraße kein Wert gelegt, die übrigen Angaben begnügen sich nur mit der Erwähnung dieser Tatsache, vgl. German. 465. Manil. I 687. Maneth. II 1J0. Claudian. XXVni 173f. Hygin. astr. IV 7 p. 105, 9 Bu.
Die Katasterismen verwenden wie Hipparch 14 Sterne, und zwar markieren sie Kopf, Hals (je 1 Stern), rechten und linken Flügel (je 5 Sterne), Leib und Sterz (je 1 Stern; vgl. cap. XXV p. 31, 23ff. Oliv., p. 144 Rob.). 9 Sterne [2446] nennt Arat lat. p. 234, 18 M. als Gesamtsumme, er zählt aber in der Schilderung des Bildes die 14 Sterne der Katasterismen auf; Hygin. astr. III 7 p, ‘4, 7 Bu. gibt 13 Sterne für das Bild, es fehlt der Stern im Schwanz. Nach dem Schol. Germ. Bern. p. 236, 8 Br. und Beda de sign. p. 588, 25 M. steht der helle Stern (a) in genitalis da aber beide sonst die Astrothesie der Katasterismen verwenden, ist diese Angabe wohl nur eine ungeschickte 10 Übersetzung der gebräuchlichen Bezeichnung κατὰ τδ ὀρθοπύγιον.
Als Vogel erscheint K. auf dem Farnesischen Globus mit gedrungenem Hals (Thiele Tat III und IV. Thiele dagegen will p. 29, 10 den Typ eines Schwanes darin finden; als Vogel ist er auch im cod. Vat. gr. 1087 abgebildet, vgl. Rehm S.-Ber. Akad. Münch. 1916, 3 p. 39 Fig. 3). Wann zuerst auf den Globen das Bild des Schwanes aufkam, ist schwer zu ermitteln. Auffallend 20 ist es, daß Hipparch den Stern y in die Mitte des Leibes stellt, das setzt einen Vogel mit langem Halse voraus, nach Ptolemaios steht dieser Stern in der Brust. Die Katasterismen sprechen zuerst bestimmt von der Gestalt eines Schwanes: τὸν τύπον τοῦ κύκνου ἔθηκεν ἐν τοῖς ἄοτροις (p. 31, 19 Oliv.). Vielleicht war auf dem Globus, den Manilius oder seine Vorlage benutzte, der Vogel bereits als Schwan abgebildet, denn er wendet überwiegend olor zur Bezeichnung an 30 (vgl. auch Möller a. O. 29), Seine Lage in der Milchstraße scheint auf den Globen nicht besonders angemerkt worden zu sein (vgl. Leon-tins de sphaerae Arat. constr. p. 564, 12. M.), auch der Globus des Atlas Farnese berücksichtigt diese nicht. In der Abbildung des cod. Voss, wird er halb laufend, halb fliegend als Schwan im Moment des Auffliegens dargestellt, hier sind 21 Sterne verwertet (Thiele 114f. mit weiteren Belegen, dazu S. 42 und Bethe Rh. Mus. XLVIII 40106. Sari a. O. 158 s. cygnus.). In der Neuzeit gibt Bayer im ganzen 32, Littrow 24, Heis 40 benannte Sterne dem Bilde; dagegen werden ihm auf den modernen populären Sternkarten meist nur 6 Sterne zugewiesen, während der Katalog von Heis z. B. 197 Sterne aufzählt.
Über Farbe und Größe der einzelnen Sterne wird folgendes bemerkt. Arat. 276ff. nennt das Bild selbst ἠερόεις... τὰ δὲ ol ἐπὶ τετρήχυνται ἀστράοίν ὄντι λίην μεγάλοις, ἀτάρ ὅν μὲν ἄφανροις, Cicero Arat. 49ff. Anon. II 637 folgen ihm darin. Dagegen bemerkt Hipparch, daß das Bild viele und helle Sterne enthält, der im Schwänze (a) sei sogar sehr hell und fast gleich hell wie der helle in der Lyra (p. 62, 21ff. u. ö. Man.). Außerdem erwähnt er noch den Stern in der Mitte des Leibes (y) als λαμπρός (p. 260, 20 Man.). Ptolemaios teilt die einzelnen Sterne in folgende Größenklassen ein: a 11, ß (2, 3 nach Heis S. 105, 2, 5 nach Ambronn 135 nr. 6615) 60 y d ‘ ‘ III, ἔηικ ‘v IV/HI, dazu noch r σ, # o¹ o ² IV, ὤ² φ V (synt. VII 5 p. 58ff. Heib.). Am meisten wird der helle im Schwänze erwähnt (s. u.); allgemein und unbestimmt: Genn. 279: multa... vacua... multa ignea rursus | aut medii fulgoris. Arat. lat. a. O.: astris quidem magnis ipsique non obscuri. Die Farbe einzelner Sterne wird nicht besonders hervorgehoben, wenn z. B. Manil. V 389 von dem olor aureus oder [2447] Germauicus 465 von dem candidus cygnus (v. 615 niveus cygnus) redet, so sind das im Grande nur dichterische Epitheta, die auf 'wirkliche Farbenangaben so wenig Anspruch machen können, wie z. B. V 367 bei Manilius: plumeus in caelum nitidis dar evdlat alis. Bestimmtere Angaben scheinen Cic. Ar. v. 412 rutila folgens pluma und Avien. II 637 os flagrans et guttura longe coruscans zu enthalten, man könnte an die rote Färbung einiger Sterne denken z. B. an ‘ mit Boll Abh. Akad. Münch. XXX 16. Durch die Untersuchungen Bolls 41ff. ist erwiesen, daß auch das Altertum die Farbe der wichtigsten Fixsterne durch die Zuteilung an bestimmte Planeten näher zu fixieren suchte. Das Primäre war, wie Boll aus einer bis jetzt noch nicht veröffentlichten Liste von Ps.-Ptolemaios nachweist, daß zunächst nur die Farbe des hellsten Sternes festgestellt wurde. Demgemäß wurde a cygni mit Merkur identifiziert. Nach Ptol. tetrab. I 9 und seinen AusSchreibern (vgl. Boll a. O.) gehört das ganze Bild zu Venus und Merkur; Boll hat durch seine glänzende Entdeckung sicher gestellt, daß dadurch die überwiegende Farbe der einzelnen Sterne als weiß und gelb betont wird; durch Vergleichung mit modernen Farbenbestimmungen wird dieses Resultat bestätigt (vgl. S. 41. 53. 61). Nur wenige Sterne (βεξ) zeigen die Färbung rötlich gelb, überwiegend ist die Farbe der Venus (weiß); Merkur ist daneben ge-‘ nannt, um wie auch bei anderen Sternbildern zum Ausdruck zu bringen, daß sich im Schwan eine Anzahl kleinerer Sterne befindet, deren Farbe sich nicht genau bestimmen läßt (S. 54f. und 76). Die Sterngruppen und Sternnebel des Bildes sind im Altertum nicht beachtet worden; immerhin ist es bemerkenswert, daß Ptolemaios synt. VII 5 p. 60, 4 Heib, den Stern im rechten Knie als νεφελοειδῆς bezeichnet.
Im Kalender des Euktemon und in der von ihm abhängigen Kalenderliteratur des Geminus, Clodius und der Quintilier fehlt K. Auffallenderweise steht in seinem Parapegma οἰστός statt δρνις an den Terminen, die nur für den Schwan in Betracht kommen können; auch in dem Parapegma von Milet findet sich diese Verwechslung (a. O. 104, vgl. auch A. Schmidt Hdb. d. griech. Chronologie 477ff. Rehm S.-Ber. Akad. Heidelb. IV [1913] 3, 28, 31. Boll ebd. II [1911] 1, 9). Rehm hat zuerst auf diese* sehr auffälligen falschen Angaben hingewiesen und daraus geschlossen, daß darin entweder ein älterer Name - etwa οἰωνός - steckt, der später nicht mehr verstanden wurde, oder daß der Schwan von Euktemon οἰστός genannt wurde (S.-Ber. Akad. Berl. a. O. 104, 6 und S.-Ber. Akad. Heidelb. a. O.). Beide Erklärungsversuche haben gleich viel für sich; aus dem Weitergebrauch in den Kalendern läßt sich schließen, daß das Sternbild tatsächlich ursprünglich οἰατός 6 oder auch ὁ Ἰστός (Mastbaum?), so lautet der Name meist in den Hss. (vgl. Bianchi 50), geheißen hat.
Das Sternbild muß in Griechenland etwa um die Zeit Euktemons das Augenmerk der Astronomen auf sich gelenkt haben. Ob der Name rein griechische Erfindung ist oder nach babylonischen Vorbildern geschaffen wurde, ist in- [2448] jajKUUS 22440
folge der mangelnden Erklärung der altbabylonischen Bezeichnung des Sternbildes nicht festzustellen; Schwan und Kepheus sind bei den Babyloniern zu einem großen Bilde vereinigt (vgl. die genauen Aufzeichnungen über die Auf-und Untergänge desselben bei Bezold S.-Ber. Ak. Heidelb. 1913 Abh. 11,27ff.). Bereits Eudoxus hatte ziemlich richtig die einzelnen Daten für den Auf- uud Untergang gegeben; nach ihm geht 10 das Sternbild auf mit den letzten Teilen des
Skorpion, zuerst erscheinen die Sterne auf dem rechten Flügel (#*x), der Rest kommt mit dem Schützen herauf (Hipparch. H 3, 1ff. p. 166, lOff. Man.). Arat übernimmt, wie Hipparch betont, die Angaben des Eudoxus, verlegt aber nach Hipparch den Aufgang nur in den Schützen. Dies stimmt aber nicht mit der Texttiberlieferung, denn Arat dehnt den Aufgang bis zum Steinbock aus, läßt allerdings ihn erst mit dem Schützen 20 beginnen (v. 691f. German. 679, 690. Avien II 1258); auf ihm fußen die ungenauen Angaben Man. V 361 (Schütze 30°), Firm. Mat. VIII 14, 3 (Schütze 10°), Anonym. II p. 120, 15 M. (Steinbock), Hygin. IV 12 p. 111, 27 (Steinbock), Martian. Cap. VIII 843 (Steinbock), Ptol. bei Abu Ma'sar p. 531 Boll und cat. cod. astr. V 1, 167ff. (Steinbock und Wassermann). Den Untergang hatte Eudoxus in den Aufgang von Jungfrau bis Wage bestimmt, er ist mit dem 30 Aufgang der Scheren beendigt; nach Hipparch sind diese Elemente von Arat richtig übernommen (II 2, 36 p. 152, 25ff. und p. 158, 19. Man. Arat. v. 599. 629. German. 615. 639. Avien. II 1153. Anon. II p. 116ff. M. Hygin. astr. IV 12 p. 110, 25. 111, 3 Bu. Mart. Cap. VIII 841f.; ein ganzes Zeichen zu früh, in den Aufgang des Löwen setzt den Untergang Valens 10, 3 Kr., dazu Boll Sphaera 69). Genauere Angaben über die Zeiten des Auf- und Unterganges gibt Hip-10 parch. Der Aufgang dauert 4² Stunden, zuerst geht der nördliche Stern des rechten Flügels (x) auf, zuletzt der südliche von denen im linken Flügel (C), gleichzeitig geht mit auf Wage 262 ° bis Schütze 22° (II 5, 7 p. 192, 1ff.). Der Unter gang dauert 36 Stunden, mit dem K. geht unter der Zodiakos von Wassermann 4/2° bis zum 14° der Fische; zuerst verschwindet der am Schnabel ÿ), zuletzt der nördliche des rechten Flügels (x, II 6, 7 p. 206, llff.). Der Spät-»0 Untergang wird bereits in dem Parapegmenfrag-ment von Milet zum 5. und 29. Tag des Wassermanns = 26. Januar und 19. Februar notiert, vielleicht war auch der Frühaufgang daselbst vermerkt (Rehm 755 und 105). Die Auf- und Untergänge gibt von a eygni für fünf geogr. Breiten Ptolemaios in den Phaseis (opp. astr. min. II p. CLXIII u. 15ff. Heib., die julianischen Daten in Wachsmuths Ausgabe Lyd. de estent. 212ff.), und zwar nach Idelers Be-Orechnung für das J. 137 n. Chr. (Abh. Akad.
Berl. 1816/17 167). Für Heliopolis (d. h. den Breitegrad von Niederägypten mit Boll S.-Ber. Akad. Heidelb. 1910 Abh. 1, 16ff.) gibt der Kalender des Antiochos, der auf den Angaben der Phaseis fußt, folgende Daten: Frühaufgang 21.Dezember (dazu Boll 32), Spätaufgang fehlt. Frühuntergang 5. September, Spätuntergang 6. Februar. [2449] Eine Sternsage wurde, wie bei vielen anderen Sternbildern der griechischen Sphäre, erst gebildet, als der Name an sich unverständlich geworden war. In den Katasterismen wird als αἰτιον die Sage der Nemesis herangezogen und zwar die Version der Tempellegende in dem attischen Rhamnus. Es ist das bekannte Liebesabenteuer, in dem Zeus nach mancherlei Verwandlungen endlich als Schwan die Nemesis bezwingt. An die Erweiterung dieser Sage durch Kratinos scheint die Sternsage sich angeschlossen zu haben, sie gibt zur Erklärung des Sternbildes als Grund an: θὰ τὸ μὴ μεταμορφωθηναὶ αὐτὸν, ἄλλ' οὐτως ἄναπτηναι εἰς τὸν οὐρανόν, καὶ τὸν τύπον τοῦ κύκνου ἔθηκεν ἐν τοῖς ἄστροις (p. 31, 16ff. p. 142 Rob., dazu Schol. in Arat. v. 273 p. 394 M. Arat. lat. p. 233 M. Anon. II p. 578 M. Hygin. astr. II 8 p. 44 Bu. Cosmas = Maass Anal. Erat. p. 5). Mit dem Sternbild des Adlers setzt Hygin. a. O. den Mythos in Zusammenhang; demnach läßt sich Iuppiter von der Venus als Adler verfolgen, er selbst flüchtet sich als Schwan in den Schoß der Nemesis und ergreift dann von ihr im Schlafe Besitz. In den beiden Sternbildern hat Iuppiter diese Verfolgung verewigt, das Ganze ist eine durchsichtige Umbildung des Leda-mythos, den bereits Euripides Hel. 17ff. schildert.
Dagegen bevorzugten einige Aratkommentatoren die Ledasage und schufen daraus eine Steinsäge für den Schwan, so German. 276ff. Schol. in Arat. v. 273 p. 394, 21 M. Hygin. astr. II 8 p. 45, 11 Bu. Cosmas a. O., dazu Rehm Herm. XXIII 264, 3. Dieselbe Variante hat auch Manil. I 337ff., er fügt aber hinzu: tergaque fidenti subiecit plumea Ledae. Wir kennen aber keinen Mythos, der die Leda durch den Schwan entführt werden läßt: Kalkmann Arch. Jahrb. I 1886, 243 und Möller a. a. O. 8 sehen hierin eine Reminiszenz des Dichters an Darstellungen der Aphrodite auf dem Schwan; es können aber auch Abbildungen, auf denen Leda von dem Schwane getragen wird, dem Dichter vorgeschwebt haben, vgl. Keller Die antike Tierwelt II 218, anders Malchin De auctor, quibusd. qui Posi-don. libr. meteorol. adhibuerunt, Diss. Rost. 1893, 51. Auch in den Worten non totus volucer (V 384) steckt nicht, wie Scaliger (ed. 1653) Adn. S. 395 meint, eine besondere Formulierung des Mythos, daß Zeus halb Schwan, halb Gott war bei der Episode mit Leda; der Dichter will hier ausdrücken, trotz der Metamorphose war er dort nicht ein reiner Vogel, sondern unter der Maske des Schwans war der Gott so, wie er auch sonst war (vgl, Möller a. O. 8, 5, anders Breiter in dem Kommentar S. 164). Als eine späte Erweiterung dieses Mythos dürfen wir die Variante bei Tzetz. Schol. Lyk. 511 p. 663 M. auffassen, daß Zeus als Stern der Leda nahte und mit ihr die Dioskuren zeugte; Clem. Rom. hom. V 13, II 183 Mi. behauptet, Zeus sei erst der Nemesis, die man auch Leda genannt habe, als Schwan erschienen und habe die Helena gesengt, später zeugte er mit ihr als Stern Kastor und Polydeukes. - Eine andere Version nennt das Bild den Vogel des Phoebus: οἱ μὲν λέγουσι κύκνον ὄντα καταστερισθηναὶ εἰς τιμὴν τοῦ Ἀπόλλωνος ἄτε μουσικὸν ὄντα Schol. in Arat. 273 p. 394, 18ff. M. Auch Germ. 275 deutet diese Variante an; sie scheint [2450] aber im Übrigen wenig Beifall gefunden zu haben, obwohl der Schwan dem Apollon heilig ist, vgl. Keller a. O. 214ff. - Später wird die Metamorphose des K., eines Freundes von Phaetbon (Verg. Aen. X 189. Hygin. fab. 154 p. 27, 16 Schm.) auf dieses Sternbild übertragen. Apollon verstirnt ihn (rnutatumque senem plumis) zum Zeichen seines Schmerzes über den Tod Phaethons und setzt ihn in die Nähe der Milchstraße mit 10 ausgebreiteten Flügeln (Claudian. XXVIII 170ff., dazu Schol. Verg. Aen. X 189. Knaack Quaest. Phaeth. = Philol. Unters. VIII 162; über die Übertragung der Κ.Sage auf den Leierspieler bei Michael Scotus Boll Sphaera 542). Auffallend ist es, daß die Mythographen zwischen Lyra und Cygnus keine Beziehung hergestellt haben. Gegeben war es, z. B. die Erzählung bei Platon, daß Orpheus in einen Schwan verwandelt wurde, mit dem Katasterismus der Lyra des Orpheus 20 zu verknüpfen. La Lande Astron. I 223 bemerkt zwar: quelques uns pensent quen mémoire de cet événement, on plaça dans le ciel le Cygne à côté de la Lyre d’Orphée, ich kenne aber aus dem Altertum hiefür keine Belege. - Keine besondere Sternsage fand die ägyptische Vorstellung des Sternbildes als θηρίον (Boll a. O. 106. 145, 2. 239), auch die naheliegende Kombination mit Kepheus oder Lyra zu einem besonderen Sagenkomplex fehlt bei Griechen und Börnern. - Er-30 wähnt sei noch die allegorische Erklärung des
Sternbildes als τὸ πυεύμα τὸ ἐν τῷ κόομῳ .,. τοῦ ὕειου ὄνμβολον πυεύματος bei Origen, phi-losoph. IV 49 p. 87 Mill.
In der Astrologie spielt K., wie auch die meisten Sternbilder außerhalb des Zodiakos, nur eine nebensächliche Bolle. Asklepiades von Myr-lea erwähnt ihn in dem Erhaltenen nicht (cat. cod. astr. V I, 188,15ff. Boll a. O. 543). NachManilius V 367ff. bedeutet K. im Horoskop Vogelfänger, 40 Vogelhändler oder solche, die Vögel zum Sprechen oder anderen Kunststückchen abrichten - eine durchsichtige simple Übertragung der im Namen liegenden Bedeutung; übrigens berücksichtigt Manilius nur die aus der Bezeichnung ὄρνις resultierende Deutung; was er über den Schwan sagt, scheinen mir persönliche Zusätze des Dichters zu sein, die mit der astrologischen Erklärung ursprünglich nichts zu tun hatten; vgl. auch Firm. Mat. VIII 14, 3. Andere Gesichtspunkte 50 betont Teukros; er berücksichtigt die Stellung des K. im Hypogeion beim Aufgang des 22° der Zwillinge (dazu Boll 106), er bedeutet hier ebenso wie der Schwanz des Ketos: ἀστάτους ταίς ψνχαῖζ, ὑπὲρ τὰ ἐαυτῶν μέτρα φαντσζομένους (bei Boll S. 44, 24ff.). Zum Steinbock und zum Schützen wird er ebenfalls als παρανατέλλων angegeben, bei ersterem könnte man an den Aufgang des K., also seine Bedeutung im Osten denken (s. o). Dagegen setzt die Angabe beim 60 Wassermann den Aufgang so spät an, daß hier jedenfalls Längenangaben mit Boll anzuneh-men sind; in diesen Zeichen bedeutet er ἠδυλάλους, ποιητάς, πρεσβευτάς (p. 50, 23ff.) und ἐπιμονὴν πραγμάτων (p. 51, 15ff.). Seine Stellung im Westen beim Aufstellen des Horoskops erwähnt Valens p. 10, 3 Kr., dazu Boll S. 69, ferner der Anonymus vom J. 379 = cat. cod. astr. V 1, 198, 18 und Firm. Mat. VIII 14, 3, aller- [2451] dinge mit den üblichen trüben Schicksalschlägen, die seine Tabellen der Untergänge ausfüllen, dazu Boll 401ff. - Ihrer Natur nach gehören die Sterne des Schwans zu den Planeten Venus und Merkur (Ptolem. tetrab. I 9 bei Boll Abh. Ak Münch. XXX 11, 14 und die weiteren Belege S. 41. 80, 32); besonders eingehend wurde das Verhältnis ά cygni zu den Planeten beleuchtet, er wurde ebenfalls mit beiden Planeten zusam-mengestellt (Merkurstern ist er nach Ps.-Ptolem. 1 bei Boll 82, 7). Seiner Natur nach gehört er eng zusammen mit den hellen Sternen von Jungfrau, Lyra, südlichem Fisch und Krone. Die Wirkung und das Temperament derselben ist gleichartig, darum werden sie gemeinsam nach der Einwirkung der einzelnen Planeten behandelt und von ihnen dieselbe Prophezeiung gegeben vom Ano-nymos des J. 379 cat. cod. astr. V 1, 198, 12ff., der sich eng an Ptolem. tetrat. III p. 166 ed. Melanchth. anschließt; vgl. auch Theophil, cat. 2( cod. astr. V 1, 214f. -Auffallenderweise werden ά und ω cygni in einer Liste des Vatic. 1056 = cat. cod. astr. V 3 p. 130, 3 zu den verderblichen Sternen gerechnet, denn beide stehen der Farbe nach näher den beiden Planeten, denen sie Ptolemaios zuteilt, es wäre also ein günstiges Prognostikon bei ihnen anzunehmen. Man kann mit Boll Abh. Akad. Münch, a. O. 85 eher an ß cygni denken, der der Farbe nach mehr zu Mars gehört; oder sollte hier irgend ein Zusam-3Ö menhang mit der Deutung bei Firmicus (s. o.) bestehen ?