RE:Labienus 6
| Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft | |||
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| T. Neffe des Q. Labienus Nr. 4 | |||
| Band XII,1 (1924) S. 260–270 | |||
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| Register XII,1 | Register l | ||
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6) T. Labienus war der Sohn eines römischen 0 Ritters gleichen Namens aus Cingulum in Pice-num (s. o.) und wurde nach dem J. 654 = 100 geboren (Cic. Rab. perd. 14. 25). Mit etwa zwanzig Jahren leistete er seinen ersten Kriegsdienst in Kilikien unter dem Proconsul P, Servilius 676 = 78 (ebd. 21) und war dabei kurze Zeit mit Caesar zusammen (vgl. Suet. Caes. 3), zu dem er dann wohl in der nächsten Zeit in immer engere Beziehungen trat, während seine Herkunft aus Picenum ihn in solche zu Pompeius Î0 bringen mochte. Als Volkstribun 691 = 63 (Ci$,.r „ Rab..perd. 4rl2,J7. 34. 38. Vell. II 40, 4) diente er durchaus der populären Opposition gegen das Senatsregiment (Cic. Rab. perd. 11–13. 14. 15) und besonders ihrem Führer Caesar (Suet. Caes. 12 ohne Nennung des L.), indem er die Anklage auf Perduellio gegen C. Rabirius erhob, der vor mehr als einem Menschenalter im J. 654 = 100 den aufrührerischen Volkstribunen L. Appuleius Saturninus erschlagen haben soll; als persönlicher 10 Beweggrund erschien die Rache für seinen Oheim
Q. Labienus Nr. 4, der damals mit Saturninus getötet worden war (Cic. Rab. perd. 6. 14); vielleicht stand ein jüngerer Bruder als Nebenkläger ihm bei (s. o.). Als Perduellionsduumvirn fällten Caesar und sein Gentile L. Caesar (o. Bd. X S. 191. 469) das Urteil: bei der Verhandlung der Klage vor den Centuriatcomitien kam es zu keiner Entscheidung, weil der Praetor und Augur Q. Metellus Celer durch Einziehen der roten Fahne 40 auf dem laniculum die Auflösung der Versammlung erzwang (Dio XXXVII 26, 1. 28, 4. vgl. 37, 2). Die Frage ist viel erörtert, ob die gegen L. gerichtete, unvollständig erhaltene Verteidigungsrede Ciceros pro C. Rabirio perduellionis reo ad Quirites bei dieser Gelegenheit gehalten worden ist oder bei einem von L. nachher eingeleiteten tribunicischen Multverfahren; seitdem sie von Von der Mühll o. Bd. I A S. 24f. im Anschluß an die herrschende Meinung in letzte-50 rem Sinne beantwortet worden ist, hat Ed.
Meye r in eingehender Darlegung (Caesars Monarchie 15. 543–557) die entgegengesetzte Ansicht vertreten. L. wird in Ciceros Rede wiederholt genannt (6. 11. 12. 17. 19. 20. 21. 22. 25. 28. 30. 35) und wegen der Wahl eines längst veralteten Strafverfahrens der Grausamkeit beschuldigt (11–13. 15. 17: vgl. Quint. inst. or. V 13, 20); auf den Inhalt seiner Anklagerede wird mehrfach hingewiesen (7. 8. 9; vgl. 33). In 60 seinem Tribunat brachte L. ferner je einen Gesetzantrag zugunsten des Caesar und des Pompeius ein. Das eine Gesetz führte die von Sulla abgeschaffte Besetzung der Priesterstellen durch eine Kombination von Selbstergänzung und Volkswahl wieder ein (Dio XXXVII 37, 1; ygl. Wissowa Religion u. Kultus d. Römer² 488), wovon die unmittelbare Folge die Wahl Caesars zum Pontifex Maximus war (vgl. Röm. Adelspar- [261] 261
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teien 360). Das andere Gesetz, von L. gemeinsam mit seinem Amtsgenossen T. Ampius (o. Bd. I S. 1978Î.) eingebracht, gab dem Pompeius das Recht, bei Circusspielen die Triumphaltracht und bei Bühnenspielen die Amtstraoht und bei beiden einen goldenen Kranz anlegen zu dürfen (Vell. II 40, 4; ohne Namen der Antragsteller Dio XXXVII 21, 3f.; vgl. Mommsen St.-R. I 4381). Nach dem Tribunat hat L. anscheinend keine weiteren Ämter bekleidet, wurde aber von Caesar, dem das Vatinische Gesetz von 695 = 59 die Ernennung von Legaten mit propraetorischem Imperium für seine gallische Statthalterschaft verlieh, an erster Stelle auf einen solchen Posten berufen, den er während der ganzen Dauer der Statthalterschaft innehatte (Caes. bell. Gall. I 21, 2. Schol. Bern. Lucan. V 345 p. 167 Us. Plut. Caes. 34, 2; Pomp. 64, 3 [verschrieben θαθῶν]; vgl.Mommsen St.-R. II 657, 1. Vorausgegangene Bekleidung der Praetur, spätestens unter Caesars Consulat 695 = 59, vermutet J u 11 i a n Hist. de la Gaule III 186, 5). Schon im Frühjahr 696 = 58, als Caesar die gegen die Helvetier bei Genf eiligst errichteten Befestigungen verließ, um seine Truppen aus Oberitalien herbeizuholen, übertrug er dem L. seine volle Vertretung (Caes. bell. Gall. I 10, 3), und das ist zur festen Regel bei jeder Abwesenheit Caesars von Gallien geworden (Dio XLI 4, 3). Weil L. von Anfang an alle Feldzüge mitmachte, war nachher niemand genauer als er über die sämtlichen Verhältnisse in Caesars Armee unterrichtet (Caes. bell. civ. III 87, 2). Bei dem Übergange der Helvetier über den Arar (Saône) wurde der vierte Teil ihrer Streitkräfte, der Stamm der Tiguriner. getrennt von den übrigen noch auf dem östlichen Ufer angegriffen und mit leichter Mühe vollständig geschlagen. Caesar (bell. Gall. I 12, 2–7) berichtet dies ohne jede Erwähnung des L. (ebenso Dio XXXVIII 32, 4), aber Plut. Caes. 18, 1 und Appian. Cat. 1, 3. 15 heben so ausdrücklich hervor, nicht Caesar, sondern L. habe diesen ersten Erfolg errungen, daß man daran kaum vorübergehen kann. Wenn zugunsten Caesars bemerkt wird, daß er stets den Verdiensten des L. volle Gerechtigkeit widerfahren lasse (Dr u mann GR⁵ III 224, 1..1 u 11 i a n 207f., 4), so ist in diesem Falle wahrscheinlich doch von L. oder ihm nahestehender Seite später das Gegenteil behauptet worden; in jener Hervorhebung liegt eine Polemik. Als einen halben Monat später Caesar die Hauptmacht der Helvetier im Haeduergebiet einholte, schickte er den L. mit zwei Legionen, der Hälfte seiner Armee, bei Nacht, um eine Höhe in ihrem Rücken zu besetzen; der Plan, den Feind von zwei Seiten zu packen, scheiterte jedoch infolge der falschen Meldung der Aufklärungsmannschaft, die L. und die Seinen für Feinde hielten (Caes. bell. Gall. I 21, 2–22, 4). Während des folgenden Winters führte L. in Abwesenheit Caesars den Oberbefehl und überwachte die Bewegung unter den Beigern (ebd. I 54, 3. II 1, 1). Bei dem Feldzuge gegen diese im J. 697 = 57 übernahm er nach den Kämpfen an der Axona (Aisne) mit drei Legionen die Verfolgung der geschlagenen Feinde (ebd. II 11, 3). In der Schlacht gegen die Nervier am Sabis (Sambre) befehligte er dann den von der 9. und 10. Legion gebildeten [262] Labienus
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linken Flügel; er schlug die ihm gegenüberstehenden Atrebaten, überschritt den Fluß und nahm das feindliche Lager; von hier übersah er die gefährliche Situation und schickte die 10. Legion dem Caesar zu Hilfe in den Rücken der Nervier, wodurch der Sieg entschieden wurde (ebd. II 23, 1L ohne Nennung des L. 26, 4. Über die Lage des Schlachtfeldes s. K e u n e o. Bd. I A S. 1604). Im J. 698 = 56 empfing er die Auf-
10 gäbe, nur mit der Reiterei die Nordostgrenze Galliens zu decken, die Treverer, Remer und die übrigen Belger in Schranken zu halten und etwaige Versuche von Germanen, den Rhein zu überschreiten, zurückzuweisen (ebd. III 11, 1f.). Im Sommer des folgenden J. 699 = 55 nahm er an der Expedition nach Britannien teil (nicht genannt unter den zurückgelassenen Legaten ebd.
IV 22, 5f.) und wurde unmittelbar nach der Rückkehr mit den zwei Legionen, die sie ausgeführt
20 hatten, der 7. und der 10. (ebd. IV 22, 3. 25, 3.
32, 1), von dem Landungsplätze Boulogne ostwärts gegen die Moriner geschickt, die im Be-griö waren sich zu empören (ebd. 37, 1ff.); er unterwarf sie mit geringer Mühe, da die Sümpfe, die ihnen im vorhergehenden Jahre Schutz gewährt hatten, jetzt ausgetrocknet waren (ebd. 38, 1f.; über die Örtlichkeit Jullian 346, 2). Während der zweiten Expedition über den Kanal im J. 700 = 54 blieb L. wie in den Winter-
30 monaten als der bevollmächtigte Stellvertreter des Oberkommandierenden in Gallien; er hatte drei Legionen und 2000 Reiter und nahm sein Hauptquartier wahrscheinlich in Boulogne, um die Verbindung der Expedition mit dem Festlande zu sichern (ebd. V 8, 1); zum Ersatz für die starken Verluste der Flotte ließ er auf Caesars Geheiß sechzig Schiffe neu bauen (ebd. V 11, 4. 23, 4). Gallien war vollständig ruhig geblieben, so daß Caesar bei Beginn des Winters
40 die Truppen über einen weiteren Raum als sonst verteilte; L. kam mit der 4. Legion ins Gebiet der Remer, doch an die Grenze der einer Überwachung besonders bedürftigen Treverer (ebd, V 24, 2; vgl. 27, 9); der Posten war einer der wichtigsten und gefährlichsten; die nächsten Nachbarn waren Q. Cicero mit einer Legion im Gebiet der Nervier und Q. Titurius und L. Au-runculeius Cotta mit anderthalb Legionen in dem der Eburonen. Unrichtig ist die Annahme, daß
50 L. in diesem Herbst auf Urlaub in Rom gewesen wäre. Cicero spricht in einem Briefe an seinen Bruder (ad Q. fr. III 8, 2) von den tabellarii des L„ die Briefe zu den Nerviern mitnehmen könnten, da sie doch in dieselbe Gegend reisen: vorher ist die Rede von einer epistola, die Quintus erklärt Labieno dedisse, quia adhue non réitérai (ebd. 1); das unmögliche quia ist meistens in qui geändert worden, und das hat jene Annahme einés Aufenthalts des L. in Rom im Ok-
60 tober und November veranlaßt; darauf hin ist sogar (von Lehmann Wochenschr. f. klass. Philol. III 970) bei Cic. ad Q. fr. III 1, 22 dessen Name (Labieni anstelle des durchaus richtigen Labeoni, s. o. Labeo Nr. 1) fälschlich eingesetzt worden. Eine Reise des L. nach Italien ist in dieser Zeit zum mindesten ganz unwahrscheinlich, und ihre einzige Voraussetzung fällt dahin, wenn das hsl. quia bei Cic. ad Q. fr. III 8, 1 [263] 268
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nicht in qui, sondern in quae verbessert und auf epistola bezogen wird (so Rauschen Ephe-merides Tullianae [Diss. Bonn 1886] 65, weiter ausgeführt und nachdrücklich empfohlen von Sternkopf Jahrb. f. Philol. CLV 783L; vgl. auch Ilb. Jahrb.XXIII647.662). Einen Brief an L. erwähnt Cic. ad Q. fr. III 7, 2 in derselben Zeit; L. und Q. Cicero hatten eben als Nachbarn in den damaligen Winterquartieren dieselbe Postverbindung mit der Heimat. Beide sind nun 10 auch von demselben Schicksal bedroht worden, nachdem sich die Eburonen unter Ambiorix erhoben und dem Sabinus und Cotta mit ihren Truppen den Untergang bereitet hatten (s. o. Bd. I S. 1799. II S. 2555). Wenige überlebende Mannschaften retteten sich aus dieser Katastrophe durch die Ardennen zu L. (Caes. bell. Gall. V 37, 7, vgl. 47, 4), dessen Lager sich wahrscheinlich bei Mouzon an der Maas oberhalb Sedan, befand (vgl. Jullian 394f., 6). Während Q. 20 Cicero von den Nerviern eingeschlossen und hart bedrängt wurde, führte Indutiomarus (o. Bd. IX S. 1535f.) die Treverer bis auf drei römische Meilen (fast 42 km) an das Lager des L. heran, so daß dieser nicht wagte, aufzubrechen und Caesars Aufforderung zur Hilfeleistung gegen die Nervier nachzukommen (Caes. 46, 4. 47, 4f. 48, 1). Doch die Kunde, daß Q. Cicero von Caesar entsetzt sei, gelangte durch die Remer schnell hierher und befreite L. von jeder Sorge, sc denn die Treverer gaben den für den nächsten Tag geplanten Überfall seines Lagers auf und zogen sich zurück (ebd. 53, 1f.). Bald darauf erschienen sie von neuem im Felde. L. hielt sich in seinem festen Lager und berief hierher Reiterkontingente der treugebliebenen Nachbarstämme; er verlockte durch seine scheinbar ängstliche Zurückhaltung den Indutiomarus zu immer größerer Unvorsichtigkeit, brach dann eines Abends plötzlich mit der ganzen Reiterei hervor und er- 4( rang einen vollständigen Sieg, wobei Indutiomarus fiel (ebd. V 56, 5–58, 7; daraus Oros. VI 10, 10–12. Dio XL 11, 1f.). Nach kurzer Zeit, gegen das Frühjahr 701 = 53 hin, erregten die Verwandten des Indutiomarus einen neuen Aufstand und stellten den Treverea dafür den Beistand rechtsrheinischer Germanen in Aussicht; sie näherten sich dem Standquartier des L. bis auf 15 römische Meilen (über 22 km), machten dann aber Halt, weil er von dem gegen die Menapier 5 aufbrechenden Caesar außer dem gesamten Gepäck zwei Legionen zugeschickt erhielt und sie nun auch ihre Verstärkungen abwarten, wollten (Caes. VI 5, 6). L. ließ von seinem nunmehr drei Legionen zählenden Heere nur eine halbe zum Schutz des Lagers zurück und marschierte mit den übrigen und der Kavallerie ostwärts gegen den Feind; er lagerte eine römische Meile von ihm entfernt auf dem gegenüberliegenden Ufer eines kleinen Flußes (des Semois bei Izel 6 nach Jullian 398, 4L; Bedenken dagegen bei Kraner-Meusel17 zu Caes. VI 7, 2. 5). Um die Treverer vor dem Eintrefien der Germanen zu einer Schlacht in einer ihnen ungünstigen Stellung zu reizen, gab er sich wieder den Schein der Furcht und trat den Rückzug an. Als die Treverer eilig und ungestüm über den Fluß setzten und nachdrängten, ließ er über- [264] Labienus 264
raschend die Seinen in bester Ordnung kehrt machen und ihrerseits zum Angriff übergehen; die Feinde wurden vollständig zersprengt und auf der Flucht von der Reiterei gänzlich vernichtet, so daß L. nunmehr die Treverer vollständig und endgültig niedergeworfen hatte (Caes. VI 7, 1–8, 9; daraus Frontin. strat. II 5, 20. Oros. VI 10, 16. Dio XL 31, 3–6. Anspielung auf diese schweren Kämpfe gegen die Treverer bei Cic. fam. VII 13, 2 von Anfang März; vgl. Sternkopf Ilb. Jahrb. XXIII 665), Nach dem zweiten Rheinübergang wandte sich Caesar im Herbst dieses Jahres gegen die Ebu-ronen und teilte seine neun Legionen in drei Korps von gleicher Stärke, von denen das eine unter L. im Gebiete der Menapier in der Richtung gegen das Meer hin zu operieren hatte (Caes. VI 33, 1, vgl. 5). Bei der großen allgemeinen Erhebung des J. 702 = 52 übertrug Caesar dem L. die selbständige Führung des Krieges an der Seine, wo Lutetia Parisiorum (Paris) der Mittelpunkt des Aufstandes war, und hier legte L. die glänzendste Probe seiner strategischen Begabung ab (vgl. besonders Caesars hohes Lob VII 59, 6: Tantis subito difftcultatibus obiectis ab animi virtute auxilium petendum vide-bat. Über den Feldzug Groebe bei Drumann-III 724f. J u 11 i a n 460–465 mit Angabe von Spezialliteratur 460, 4; über die Grundlage des i Berichts zutreffend Wendelmuth 32f., besonders über die Ermahnung, des L. an die Seinen VII 62, 2, verglichen mit VI 8, 3L). L. ließ den Troß in Agedincum (Sens) zurück (Caes. VII 62, 10) und rückte mit seinen vier Legionen, unter denen die 7. und 12. waren (ebd. 3f.), und einem Teü der Reiterei auf dem linken Ufer der Yonne und der Seine gegen Lutetia vor; etwa 30 km südlich davon, an der Grenze der Parisier, erschwerte das sumpfige Gelände an der Essonne
) den weiteren Marsch und sperrten dahinter die beträchtlichen Streitkräfte der Aufständischen unter Camulogenus den Weg (ebd. 34, 2. 57, 1__4). Nachdem L. zuerst versucht hatte, einen festen Weg durch die Sümpfe anzulegen, kehrte er in einer Nacht plötzlich um, überrumpelte auf Kähnen das etwa 20 km oberhalb auf einer Seineinsel gelegene Meclosedum (Melun), stellte hier die zerstörten Übergänge wieder her, führte die ganze Armee auf das rechte Ufer und nahm
) auf diesem den Vormarsch gegen Lutetia wieder auf; die Feinde steckten daraufhin Lutetia in Brand, brachen auch hier die Brücken ab und bezogen eine Stellung auf dem linken Ufer gegenüber von L. (ebd. 58, 1–6). Inzwischen. hatte Caesar, dessen Verbindung mit L. schon seit dem Aufstand der Haeduer sehr gefährdet war (ebd. 56, 2), bei Gergovia eine Niederlage erlitten, und die gefürchteten Bellovaker, der mächtigste der belgischen Stämme, rüsteten sich, der allgemeinen
0 Erhebung beizutreten (ebd. 59, 1f.). L. sah sich unter diesen Umständen genötigt, in möglichster Eile wieder auf seine Operationsbasis iurück-zugehen und sich den Weg dorthin mit List und Gewalt zu öffnen (ebd. 59, 3–6). Er teilte bei Nacht sein Heer so, daß er von der einen Legion die Hälfte im Lager ließ, die andere Hälfte mit vielem Lärm stromaufwärts ziehen und den Übergang versuchen ließ und inzwischen selbst in aller [265] 265
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Stille die drei übrigen Legionen vier Meilen (6 km) stromabwärts führte, wohin sämtliche Fahrzeuge von Meclosedum beordert waren; ein Gewitter begünstigte den Übergang, so daß die längs des Flusses stehenden feindlichen Posten ihn nicht rechtzeitig merkten und meldeten (ebd. 60, 1–61, 1). Immerhin erfuhr der Feind im Morgengrauen, daß die Römer anscheinend an drei Stellen über den Fluß setzten, teilte auch seine Truppen in entsprechender Weise und griff an, als soeben alle auf dem linken Ufer angelangt waren. Der römische rechte Flügel, den die 7. Legion bildete, erfocht einen raschen Sieg; der linke, die 12. Legion, stieß auf hartnäckigen Widerstand unter der persönlichen Führung des Camulogenus. Aber nun schwenkte die 7. Legion ein, packte den Feind im Rücken und entschied die Schlacht. Die umzingelten Gallier fielen bis auf den letzten Mann, unter ihnen Camulogenus; ihre im Lager zurückgelassenen Reserven wollten in den Kampf eingreifen, wurden aber ebenfalls zersprengt; die Flüchtenden wurden teilweise noch von der verfolgenden Reiterei niedergemacht (ebd. 61, 1–9; daraus kurz Dio XL 38, 4). L. gelangte nun glücklich nach Agedin-cum und von da zur Vereinigung mit Caesar (ebd. 61, 10). Bei der Belagerung von Alesia hatte er in dem letzten verzweifelten Entsatzversuch der Feinde den schwersten Ansturm auszuhalten und war nahe am Erliegen, als Hilfe herbeikam (ebd. 86, 1f. 87, 3f.; vgl. Jullian 526. 528f., aber auch Kraner-Meusel17 z. d. St.). Nach diesem schlimmsten Kriegsjahr bezog L. die Winterquartiere bei den Sequanern mit einem Unterfeldherrn M. Sempronius Ruti-lus, einem großen Teil der Reiterei und zwei Legionen (ebd. 90, 4), der 7. (Hirt. bell. Gall. VIII 6, 3 verglichen mit 8, 2f.) und der 15. (ebd. 24, 3) und vertrat wie gewöhnlich den jenseits der Alpen weilenden Caesar. In diesem Winter suchte er durch Hinterlist einen der gefährlichsten Gegner aus dem Wege zu räumen, den Atre-baten Commius (o. Bd. IV S. 770Î.), doch wurde dieser nur verwundet und infolgedessen ein noch erbitterterer Feind. Caesar hat diese Episode übergangen, Hirtius sie nachgetragen (VIII 23, 4) und Dio (XL 43, 1f.) sie so dargestellt, als ob zuerst Commius dem L. eine Falle gelegt hätte; vermutlich hat Caesar sie absichtlich verschwiegen, weil sie für ihn und seinen Stellvertreter nicht ehrenvoll war, während Hirtius späterhin den Verräter L. nicht zu schonen brauchte (richtig Wendelmuth 35. Ed. Meyer Caesars Monarchie 250, 2). Im Frühjahr 703 = 51 hatte L. die 7. Legion für den Feldzug gegen die Suessionen (Hirt. VIII 6, 3) und die 15. nach dem cisalpinischen Gallien abzugeben (ebd. 24, 3), wurde dann aber mit zwei anderen gegen die ihm wohl bekannten Treverer geschickt (ebd. 25, 1) und schlug etwa im Hochsommer in einem Reitertreffen die Treverer und die mit ihnen verbündeten Germanen, wobei unter anderen feindlichen Führern der Haeduer Surus, der letzte Rebell seines Volkes, gefangen wurde (ebd. 45, 1). Im J. 704 = 50 schloß die große Heerschau im Trevererlande die gallischen Kriege ab, und wurde L. mit Caesars Stellvertretung in Ober-italien betraut, und zwar nach den Hss. bei Hirt. [266] Labienus
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VIII 52, 2, quo maiore commendatione conciliare-tur ad consulatum Der Sinn dieser Worte ist sehr umstritten (vgl. Kraner-Meusel17 z. d. St.); nur deswegen, weil von der Bekleidung der Praetur durch L. nichts, bekannt ist, seine Bewerbung ums Consulat für undenkbar zu erklären (so a. O.), geht kaum an; Mommsen R. G. III 375 hat die Stelle so verstanden, daß Caesar den L« darin fördern wollte. Eine ganz 10 sichere Deutung ist'kaum zu geben. L. hatte im Dienste Caesars ein großes Vermögen erworben; sein Reichtum gab vielen Leuten, ähnlich wie der des berüchtigten Mamurra, geradezu Anstoß (Cic. ad Att. VII 7, 6), obgleich er ihn auch für gemeinnützige Zwecke verwendete, z. B. seine Vaterstadt Cingulum auf eigene Kosten ausbaute (Caes. bell. civ. I 15, 2) und noch in Afrika im J. 708 = 46 einem tapferen Soldaten aus seiner gallischen Beute ein Geschenk machte (Val. Max. 20 VIII 14, 5). Infolge seines Verdienstes und seines Reichtums überhob er sich und wurde deshalb von Caesar kürzer gehalten; das ertrug er nicht und fürchtete noch Schlimmeres, so daß er sich beim Ausbruch des Bürgerkrieges von Caesar trennte und zu seinen Gegnern überging. Diese Begründung seines Parteiwechsels bei Dio XLI 4, 4 ist die einzige aus dem Altertum vorliegende, ist psychologisch durchaus wahrscheinlich und ist daher die berechtigte Grundlage für die an der 80 entsprechenden Stelle eingelegte Charakteristik bei Mommsen, dem die Marschälle Napoleons parallelen bieten. Caesar geht über den Verrat des L. stillschweigend hinweg; Cicero kannte den L. zu wenig, um etwas von den Motiven zu wissen. Nach Hirtius (bell. Gall. VIII 53, 3) war Caesar wiederholt vor den Bemühungen seiner Gegner um L. gewarnt worden, wollte aber nicht daran glauben; daß er persönlich durch diesen Freundschaftsbruch aufs tiefste getroffen wurde, steht 40 außer allem Zweifel (Cic. ad Att. VII 12, 5.
13, 1; fam. XVI 12, 4. Plut. Caes. 84, 2; Pomp.
64, 3; vgl. auch Lucan. V 345f.); er schickte ihm nach seiner Abreise sein Geld und Gepäck nach (Plut. Caes. 34, 3; Vorbild für Antonius Plut. Ant. 63, 3, o. Bd. V S. 1330, 60). Der offene Übertritt des L. auf die Seite der Gegner Caesars erfolgte nach dem Überschreiten des Rubico im Anfang 705 = 49 (Plut. Caes. 34, 2) Und wurde von Pompeius in der letzten in Rom 50 gehaltenen Senatssitzung am 17. Januar bekannt gegeben (Cic. ad Att. VII 11, 1), wohl nicht ohne die Absicht, den ungünstigen Eindruck der bevorstehenden Räumung der Hauptstadt durch eine gute Nachricht abzuschwächen (anders freilich Ed. Meyer Caesars Monarchie 288, 3). Am 22. Januar traf L. in Teanum Sidicinum m't Pompeius und den Consuln zusammen (Cic. ad Att. VII 13a, 3. 16, 1) und ging nach wenigen Tagen mit jenem zu den Legionen in Unteritalien 60 (ebd. 15, 3. 16, 2). Er wurde natürlich von den
Gegnern Caesars mit jubelnder Freude, und überschwenglicher Hoffnung begrüßt (vgl. Ciceros Äußerungen zwischen 21. und 27. Jan. ad Att. VII 12, 5. 13, 1 [Labienum ἠρώα iudico]. 13 a, 3 )Labienus vir mea sententia mojniwl; fam. XIV 14, 2. XVI 12, 4); doch schon nach einem Monat heißt es (Cic. ad Att. VIII 2, 3 vom 17. Febr.): In Labieno parum est dignitatis. wo [267] 267
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allerdings der Vergleich mit den alten Legaten des Pompeius in Spanien, dem Consular Afranius und dem Praetorier Petreius, eher an einen zu niedrigen Kang als an eine zu geringe Ehrenhaftigkeit denken lassen kann (gegen D r u -mann² III 383). L. teilte dem Pompeius die geheimen Pläne Caesars mit (Dio XLI 4, 2f.) und ermutigte ihn durch die Versicherung von dessen Schwäche (Cic. ad Att. VII 16, 2); in diesem Punkte gab er sich anscheinend einer 1 Selbsttäuschung hin, denn er kam in späteren Äußerungen wiederholt darauf zurück, Caesars Soldaten seien gar nicht mehr die erprobten Veteranen des gallischen Krieges (Caes. bell. civ. III 71, 4. 87, 2–5; bell. Afr. 16, 1f.). Er selbst vermochte es wohl, eine Schar von gallischen und germanischen Söldnern zu Pferd mit sich zu ziehen (bell. Afr. 19, 4. 6. 29, 2. 40, 3. 5L), aber nicht einmal das von ihm gestiftete Cingulum zum Widerstande gegen Caesar zu veranlassen 2 (Caes. bell. civ. I 15, 2). Und wenn er mit großen Hoffnungen zu Pompeius gegangen war (vgl. Ed. Meyer Caesars Monarchie 342), so erfüllte sich davon nichts, als daß er nun hier der erste der Legaten war. Als solcher leistete er im Januar 706 = 48 im Lager bei Dyrrachion vor allen anderen den Schwur, den Oberfeldherrn nicht im Stiche zu lassen und sein Geschick auf jeden Fall zu teilen (Caes. bell. civ. III 13, 3f.). Von vornherein stand er, der im Falle eines « Sieges Caesars am wenigsten auf Gnade zu rechnen hatte (Dio XLII 10, 3), auf dem Standpunkt, daß es nur Kampf bis zum äußersten geben könnte. Während die feindlichen Heere in den nächsten Monaten dicht nebeneinander amApsos lagerten und die alten Kriegskameraden unter den Mannschaften friedlich miteinander verkehrten, so daß Caesar diese Gelegenheit zur Anknüpfung von Verhandlungen benutzen wollte, wurden alle derartigen Bemühungen durch das Dazwischenfahren des L. vereitelt; er rief den Caesarianern zu. daß der Kopf ihres Führers der einzige Preis wäre, um den der Friede zu haben sei (Caes. III 19, 5–7 mit einer gewissen Unklarheit, so daß D r u m a ἡ ἤ² III 438 fast das Gegenteil herausliest). Nach dem Siege des Pompeius Mitte Juli hätte dieser nach Appian. bell. civ. II 259 Caesars Lager einnehmen und den Krieg mit einem Schlage beenden können, wenn ihm nicht L. vielmehr die Verfolgung der Fliehenden empfohlen hätte, und zwar θεον παράγοντος; der Zusatz weist auf einen Gewährsmann hin, der Caesar nahestand und dessen Ausspruch bei Suet. Caes. 36 und Eutrop. VI 20, 3 verwertete (vgl. Wendelmuth 47). Caesar selbst stellt hier L. an den Pranger, indem er berichtet (III 71 f 4). er habe sich von Pompeius die Gefangenen ausliefern lassen, habe sie erst vor aller Augen verhöhnt und dann hingerichtet: ostentationis, ul videbatur, causa, quo maior per-fugae fides haberetur. Nach der Verlegung des Kriegsschauplatzes soll er bei der Beratung vor der Schlacht bei Pharsalos im Anfang August nach Pompeius das Wort ergriffen und dargelegt haben, daß Caesar nichts mehr von seinen alten Kerntruppen übrig hätte (Caes. III 871–5 in direkter Rede): er schloß mit dem Schwur, den die anderen wiederholten, daß er nur als Sieger [268] Labienus
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ins Lager zurückkehren werde (ebd. 6. Plut. Pomp. 68, 1). In der Schlacht am 9, Aug. führte er die Reiterei (Plut. a. O.) und schlug trotz seines Schwures nach der Niederlage mit seinen gallischen und germanischen Reitern den Weg nach Westen ein, um sich durch die Flucht zu retten (bell. Afr. 19, 4. 6. Dio XLII 10, 3; ungenau nennt Appian. II 366 schon hier seineletzte Zuflucht Spanien). Er langte als erster 0 mit der Unglücksbotschaft in Dyrrachion an (Cic.
div. I 68) und suchte ihre Wirkung durch die Behauptung, daß Caesar selbst schwer verwundet sei, zu verringern (Frontin. strat. II 7, 13). Auch durch die Berufung auf Weissagungen, die den endgültigen Sieg des Pompeius in Aussicht stellten, wollte er den .Mut der Parteigenossen heben, erhielt aber von Cicero eine bittere Antwort (Plut. Cic. 38, 5 mit Anspielung auf die berühmten στρατηγήματα des L.). Auf Grund solcher !0 Nachrichten von dem Glauben des L. an Prophe
zeiungen hat Lucan. IX 549ff., der ihn sonst als eine Gestalt seines Epos nicht verwendbar fand, ihm den Rat an Cato zur Befragung des Ammonorakels in den Mund gelegt. L. ging zunächst nach Kyrene, das ihm die Aufnahme verweigerte, aber sie dem Cato nach wenigen Tagen gewährte (Plut. Cato min. 56, 2); er hat sich offenbar hier mit Cato vereinigt (vgl. Lucan. a. O.) und mit ihm auf dem beschwerlichen Marsch an den JO Syrten die Provinz Africa erreicht, wo er bis
zum Eintreffen Caesars hauptsächlich beschäftigt war, eine starke und leistungsfähige Kavallerie zu bilden, als deren Stamm er seine mitgebrachten Kelten und Germanen nahm und für die er an den eingeborenen Numidern das beste Material fand (bell. Afr. 19, 4. 6. 29, 2. 40, 3. 5f.). Der Streit der pompeianischen Führer um den Oberbefehl in Africa wurde von Cato zugunsten des nach Herkunft und Rang höchststehenden 40 Metellus Scipio entschieden (o. Bd. III S. 1227f.);
aber L. tritt in dem Bericht über den Feldzug so auffallend hervor, daß er wohl als der tatsächliche Leiter der Operationen, der ,Generalstabschef Scipios betrachte* werden darf (V e i t h bei Kromayer Ant. Schlachtf. III 2, 899–901; rückhaltlos angenommen von Delbrück Gesch. der Kriegsk.³1602f.). Er etieß zuerst am 4. Jam 708 = 46, wenige Tage nachdem Caesar bei Hadrumetum gelandet war, überraschend mit starker Macht, be-50 sonders mit einer weit überlegenen Reiterei, in der
Ebene bei Ruspina auf den Feind und hätte ihm beinahe das Schicksal bereitet, dem Crassus bei Karrhae erlegen war und erst vor kurzem Caesars Unterfeldherr Curio hier in Africa selbst (s. Bd. II A S. 874). Der Hauptbericht unterscheidet deutlich das erste Treffen, das L. lieferte (bell. Afr. 13, 1–17, 3), von dem zweiten, das der später herankommende Petreius lieferte (18, Î –19, 1), und fügt (19, 1–7) noch eine Art zu-60 sammenfassender Übersicht über Plan, Streitkräfte, Ergebnis der Pompeianer hinzu-, dagegen berichten Appian. bell. civ. II 399f. und Dio XLIII 2, 1–3 nur von einer Schlacht, in der L. und Petreius gemeinsam den Befehl führten, und sind schon deshalb weniger zuverlässig. Von der persönlichen Teilnahme des L. berichtet eingehend bell. Afr. 16, 1L: Er sprengte mit bloßem Kopfe an die Soldaten der 10. Legion [269] 269
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heran und reizte sie mit höhnischem Zuruf, bis ein Geschoß zwar nicht ihn selbst, aber sein Pferd in den Leib traf; übereinstimmend berichtet Appian, das Pferd sei am Bauche verwundet worden und habe ihn abgeworfen; von Petreius meldet bell. Afr. 19, 7 eine schwere Verwundung, und aus den beiden Angaben zusammen ist die verkürzte des Dio entstanden, sowohl L. wie Petreius hätte schwere Wunden davongetragen. Die Betrachtung Appians über Caesars Glück weist auf dieselbe Quelle hin wie die ähnliche bei den Kämpfen von Dyrrachion (s. o.). Über die ganze Schlacht vgl. Veith 764ff. 861. 889, der aber bell. Afr. 19, 1ff. nicht recht berücksichtigt und von seinen Vorgängern Wendelmuth 52–58 nicht kennt. [Jetzt auch Steinwender Klio XVII 204–220, der diesen ebensowenig kennt.] L. war trotz seines Sturzes in der Schlacht sofort wieder tätig. Er schaffte seine zahlreichen Verw’undeten nach Hadrumetum (bell. Afr. 21, 2) und führte seine übrigen Truppen dem jetzt mit der Hauptmacht eintreffenden Scipio zu (ebd. 20, 2. 24, 1); vielleicht gehört in diese Tage die Erzählung über die Auszeichnung eines tapferen Reiters durch L. und Scipio (Val. Max. VIII 14, 5), die das Verhältnis zwischen ihnen als nicht ganz frei von Reibungen erscheinen läßt. Während seine gallischen und germanischen Reiter mit den Caesarianern in gelegentlichen Verkehr kamen (bell. Afr. 29, 2), unternahm L. einen erfolglosen Vorstoß gegen Leptis (ebd. 29, 3f.) und suchte darauf den des C. Con-sidius gegen Achulla (? Acylla?, vgl. Veith 823–825) mit seiner Reiterei zu unterstützen (ebd. 33, 5). In den Kämpfen bei Uzita wurde bei einer ersten Episode L. mit einem Teil der Reiterei abgeschnitten und vermochte sich nur dank der Aufopferung seiner Gallier und Germanen mit den Numidern ins Lager zu retten (bell. Afr. 38, 4–40, 6; vgl. Veith 797–800. 866f.). Bei einer zweiten Épisode legte er dem Caesar einen sehr geschickten Hinterhalt; aber durch die Unzuverlässigkeit seiner Leute wurde der Gegner darauf rechtzeitig aufmerksam gemacht und bereitete ihm selbst eine Niederlage, aus der er nur mühsam mit einem Teil seiner Reiter entkam (bell. Afr. 49, 3–50, 6; ungenau Dio XLIII 4, 5; vgl. Veith 800–802. 868f.). Unermüdlich lauerte er auf jede Gelegenheit, wo er mit seiner Reiterei Caesar Schaden zufügen konnte; bald überfiel er ihn beim abendlichen Rückmarsch ins Lager (bell. Afr. 52, 1–4), bald stellte er ihm bei den landeinwärts unternommenen Furagierungen eine Falle (ebd. 65, 3–66, 3. 69, 1–70, 6; vgl. Veith 805f. 821. 873), bald griff er ihn unterwegs an (ebd. 75, 4–7), bald lieferte er seinen Reitern Gefechte (78. 6, vgl. auch 61, 2), und wenn er in der Entscheidungsschlacht bei Thapsus am 6. April gar nicht erwähnt wird, so kann dies allerdings dadurch erklärt werden, daß er keine spezielle Aufgabe erhielt, weil er die Gesamtleitung batte (so Ve i t h 900). Aus der allgemeinen Niederlage der Pom-peianer rettete sich L. gleich Attius Varus nach Spanien und nahm hier im J. 709 = 45 an dem letzten Kampfe gegen Caesar teil (Dio XLIII 30, 4), wahrscheinlich auch hier in führender Stellung. Der Verfasser des bell. Hisp. 18, 2 er- [270] Labienus
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wähnt die Meldung eines Überläufers, daß Cn. Pompeius der Sohn und L. die von den Ihrigen in Ategua geübte Schreckensherrschaft mißbilligten; diese einzige Erwähnung in der Hauptquelle läßt doch darauf schließen, daß auch jetzt L. der maßgebende Führer neben Pompeius war. In der Schlacht von Munda am 17. März wird seine Tätigkeit von anderen Berichterstattern erwähnt; nach dem leider gerade hier lückenhaften Flor.
10 II 13, 83 schickte er dem gefährdeten Lager fünf Cohorten zu Hilfe, was Caesar als den Beginn der Flucht der Pompeianer ungesäumt auslegte und ausnutzte, und nach Dio ÄIII 38, 2 verließ er. als er eine Bewegung der Reiterei unter Bogud gegen das Lager bemerkte, die Schlachtordnung und wandte sich dorthin, was von den Pom-peianern selber als ein Rückzug betrachtet wurde und in seiner wahren Bedeutung erst erkannt wurde, als es zu spät war. Diese beiden Angaben
20 sind mit bell. Hisp. 31, 4 zu verbinden: L. führte den rechten Flügel und zog, da seine Reiterei im Anfang der Schlacht geworfen war, in Ermangelung anderer Truppen aus der Schlachtordnung selbst fünf Cohorten heraus, um sie schräg nach hinten gegen die Umgehung durch Bogud aufmarschieren zu lassen; aber diese Anordnung wurde von Freund und Feind in verhängnisvoller Täuschung als das Zeichen zur Flucht gedeutet (vgl. Klotz Ilb. Jahrb. XXIII 564f. 572L Gegen 30 das Bedenken Delbrücks Gesch. der Kriegskunst³ 1607 vgl. das von Wendelmuth 71, 1 angeführte Urteil Napoleons L, daß ,die Bewegung des L.... übrigens ganz am Orte war) im Original Précis des guerres de Cesar chap. XV 4, 2: Le mouvement de L., qui en soi était bon). L. selbst hat dann gleich Attius Varus im letzten Kampfe den Tod gesucht und gefunden; ihre Köpfe wurden vor Caesar gebracht, ihre Leichen bestattet (bell. Hisp. 31, 9. Vell. II 55, 4.
40 Oros. VI 16, 8. Appian. bell. civ. II 435). L. hinterließ einen bereits erwachsenen Sohn (Nr. 5). Das Urteil Drumanns (GR² III 213), daß er unter Caesar mehr als alle anderen leistete und gegen Caesar nichts, bedarf der Berichtigung; im ersten Teil des Bürgerkrieges, wo Pompeius den Oberbefehl hatte, trat L. zurück, aber in Africa und Spanien hat er, zumal als Reiterführer, Kühnheit, Verschlagenheit und Gewandtheit in hohem Maße bewiesen und dem Caesar viel
50 schwere Not bereitet. – Ganz ordentlich ist Wendelmuth T. Labienus, Marburger Diss. 1883.