RE:Laelius 2
| Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft | |||
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| cos. 190 v. Chr., Freund des älteren Scipio Africanus | |||
| Band XII,1 (1924) S. 400–404 | |||
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| Register XII,1 | Register l | ||
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2) C. Laelius. war C. f. C. n. (Fasti Cap. C*. f. Gell. XVI 4, 2) und dankte sein Aufsteigen in die römische Nobilität seiner Verbindung mit dem älteren Scipio Africanus. Dessen.Leben erstreckte sich etwa von 519 = 235 bis 571 = 183.
Ï0 Der ungefähr gleichaltrige L. ist ihm bereits in jungen Jahren nahe getreten und bis zu seinem Tode mit ihm in Beziehung geblieben (Polyb. X 3, 2: ἀπὸ νέου μετεοχηκώς ἄντω παντὸς ἔργου καὶ λόγον μέχρι τελευτῆς, vgl. sein Zeugnis als das τῶν ὀνμβεβιωκότων ebd. 3, L 9, 1); er hat dann mehr als zwei Jahrzehnte später, also als ein Siebziger, dem Polybios Material für seine Darstellung Scipios geliefert. Aber die beiden Anekdoten aus Scipios Jugend, von der Rettung JO seines Vaters am Ticinus und von seiner Bewerbung um die Ädilitat (Polyb. X 3, 3ff. 4, 1ff.) sind erwiesenermaßen unrichtig (vgl. u. a. Hesselbarth Krit. Untersuch, zur dritten Dekade des Liv. 399–406. Ed. Meyer S.-Ber. Akad. Berl. 1916, 1071–-1075. 1081Î); also hat L. entweder damals, vor dem spanischen Feldzuge, den jungen Scipio noch nicht gekannt und über seine frühesten Erlebnisse nur die umlaufenden Gerüchte weitergegeben, oder sein Gedächtnis 40 war bereits so geschwächt, daß er die Tatsachen vergessen hatte, oder er hat absichtlich die geschichtliche Wahrheit umgestaltet und die Dinge in ein anderes Licht gerückt; jedenfalls ergibt dies kein günstiges Vorurteil für seine Glaubwürdigkeit. Am besten konnte er Auskunft geben über das, was er wirklich mit Scipio zusammen erlebt hatte, den zweiten punischen Krieg in Spanien und in Africa. Was da bei Polybios auf ihn zurückgeführt werden kann, hat besonders 50 Laqueur (Herm. LVI 131–225) im einzelnen nachzuweisen gesucht; seine überfeine analytische Methode geht von Voraussetzungen aus, die sich die wenigsten zu eigen machen können, und erzielt Ergebnisse, die jenseits der Grenze des wirklich Erkennbaren liegen..Polybios hatte Scipios Auftreten in einer Weise erzählt, welche des Laelius Beifall nicht fand: er läßt sich den jungen Griechen kommen und übergibt ihm sein reiches Material, das dieser dementsprechend ver-60 wertet⁴, – das ist eine Vorstellung, die wohl allein ihr Urheber .auch nur natürlich’ findet (L a q u e u r a. O. 217 Anm.); .der junge Grieche⁴ ist beiläufig ein Mann von 40 Jahren, der im öffentlichen Leben kaum weniger erprobt und erfahren war. als der getreue Gefolgsmann Scipios selber. Die erste Gelegenheit, bei der L. hervortrat, war der kühne und glückliche Handstreich gegen Neukarthago im Frühjahr 545 = [401] 4U1
wenus
209, mit dem Scipio die Reihe seiner glänzenden Erfolge eröffnete. Das Gelingen seines Planes beruhte auf der Überraschung des Feindes und auf dem pünktlichen Ineinandergreifen der Operationen von Landheer und Flotte. Die Flotte führte L. (o èl τοῦ στόλον Polyb. X 9, 4, vgl. 12, 1) als Praefoctus classis (Liv. XXVI 48, 7 und 14, vgl. 1), was vereinzelte Autoren mit Unrecht leugneten (ebd. 49, 4: plerique Ladium praefuisM elafw, xunl qui M. Iunium βάσην™ L (Jicanh s. o. Bd. X S. 1093, 20); es wird auf ihn selbst zurückgehen und im wesentlichen richtig sein, daß er allein von dem Oberfeldherrn in seine Absichten eingeweiht war (Polyb. 9, 1. 4f. Liv. 42, 5f.; vgl. Siï. Ital. XV 217Π.). Nach der Gewohnheit, den Anteil der Bundesgenossen an römischen Siegen möglichst zu verschweigen, ist von der Mitwirkung der Schiffe und ihrer Besatzungen in dem Kampfbericht kaum die Rede (Erwähnung der praefecti narium Liv. 43, 1); 2 aber aus guter römischer Tradition stammt erstens ein Bericht über den Wettstreit zwischen den römischen Legionssoldaten und den bundes-genössischen Seeleuten über den Siegespreis, wobei L. als Anwalt und Schiedsrichter für die Schiffsmannschaften eintrat (Liv. 48, 6–13; vgl. Röm. Adelsparteien 92. Laqueur 190), zweitens die Angabe, daß Scipio den L. persönlich mit sich selbst gleichstellte und mit den höchsten Auszeichnungen bedachte (Liv. 48, 14. Sil. Ital. ‘ XV 258ff.). Nach der beachtenswerten Ansicht von Haakh in der alten Realencyklopadie gehörte L. selbst zu den xocii, die die Flotte stellten; es war nach dieser Anschauung eine kluge Politik Scipios, die Bundesgenossen für Rom und für sich zu gewinnen. Die guten Dienste, die ihm L. hier im Anfang seiner Siegeslaufbahn geleistet hat, sind vielleicht nicht die Folge einer bereits bestehenden Freundschaft zwischen beiden, sondern der Beginn und die Begründung ihres * dauernden Bündnisses, dem ideale Gefühlsseligkeit gänzlich fremd war und nur die Gemeinsamkeit der realen Interessen zugrunde lag. Nach der Einnahme von Carthago Nova übertrug Sci-pio dem L. die Sorge für die vornehmsten Gefangenen (Polyh. 18, L Liv. 51. 1) und schickte ihn darauf mit ihnen und mit der Siegesbotschaft auf dem kürzesten Wege zur See nach Rom (Polyb. 19, 8. Liv. 51, 2): hier erstattete L. Ende des Jahres erst dem Senat und dann dem Volke Bericht und kehrte nach kurzem Aufenthalt nach Spanien zurück (Polyh. 37, 6. Liv. XXVII 7. 1
-4. 17. 1). Bei der Eröffnung »les neuen Feldzugs von 540 = 20* war er wieder beim Heere und nahm an der Schlacht bei Baecula teil (Polyh. 39. 4. Liv. 18. 15–18). Auch in den beiden folgenden Jahren war er auf dem spanischen Kriegsschauplatz als Legat Scipios in beständiger Tätigkeit (Liv. XXVIII 28, 14) in der Schlacht bei Carmona (Appian. Iber. 25. 20). bei der Belagerung von Illiturgi (I iv. XXVIII 19. 9. 17). al> Führer der Flotte bei der nicht zum Ziel·· gelangenden Unternehmung gegen Gades (ebd. 24, x. 30. 3 31, 2) und bei der Bekämpfung dis Ilergetenhäuptlings Indibilis (Polyb. XI 32, 2ff. 33, 2ff. Liv. 33. 3. 11: vgl. auch seine Einführung in ausgeschmückten oder erfundenen Episoden des spanischen Krieges bei Sil. It. XV [402] uaçuuo.
274–282. 451–470. XVI 575–501). Eine wichtige und gefährliche Mission übernahm er 548 = 206 zu dem Könige der Masaesulier Syphax nach Africa, knüpfte mit ihm die ersten Verhandlungen über ein Bündnis an und geleitete dann Scipio zu ihm, um es zum Abschluß zu bringen (Liv. XXVIII 17, 7–9. 12. 16. Appian. 29L). Im nächsten J. 549 = 205 folgte er, jetzt in der Tat unzertrennlich, dem zum Consul ge-0 wählten Scipio auf das neue Feld seiner Tätigkeit. Fr übernahm zunächst wieder als Prac-fectus classis den Befehl über die Seemacht (Liv. XXIX 25, 5) und führte einen Beutezug von Sizilien an die afrikanische Küste aus. Seine Landung in Hippo Regius verbreitete weithin Furcht und Schrecken, brachte ihm reichen Gewinn und führte zur Verbindung mit Massinissa (ebd. 1, 14. 3, 6–4, 10. 6, 1. 24, 5. 33, 9). Beim Übergänge Scipios nach Africa 550 = 204 0 leitete er den ganzen Transport und deckte insbesondere auf der Fahrt den linken Flügel (25. 5. 10). Dann trat er wieder für den Krieg zu Lande als Legat dem Oberfeldherrn zur Seite und leistete ihm vorzügliche Dienste. Nachdem er während des Waffenstillstands persönlich an der Auskundschaftung der feindlichen Lager teilgenommen hatte (Frontin. strat. I 1, 3. 2, 1; vgl. Polyb. XIV 1, 13. Liv. XXX 4, 1-–3; mit der ersten Anekdote Frontins von der Geistes-
10 gegenwart des L. zu vergleichen eine ähnliche von Gustav Wasa in Dalekarlien 1520), führte er bei dem nächtlichen Überfall im J. 551 = 203 gemeinsam mit Massinissa die eine Hälfte des Heeres gegen das Lager des Syphax und steckte es in Brand (Polyb. 4, 2ff. Liv. 5, 4f.); dann nahm er nach dem Siege über die wieder gesammelten Gegner sofort mit Massinissa die Verfolgung des Syphax auf und brach in Numidien ein; Syphax wurde in der Nähe von Cirta in
10 einem Reitertreffen geschlagen und geriet in Gefangenschaft; Cirta wurde genommen· und Massinissa als Herrscher eingesetzt; schließlich wandte L., indem er dessen Vermählung mit Sophoniba vereitelte, noch eine neue drohende Gefahr rechtzeitig ab (Polvb. 9, 2ff. Liv. 9. 1. 11. 1 – 12. 10. 12, 21. 14,‘ 2f. Val. Max. IV 9 ext. 7. Oros. IV 18. 21. Diod. XXVII 7. Appian. Lib. 26. 28. Zonar. IX 12f.). Er wurde von Scipio aufs höchste ausgezeichnet (Liv. 15. 3) und
50 wiederum selbst mit dem gefangenen Könige als Siegesbote an Senat und Volk nach Rom geschickt (Liv. 16, 1. 17, 1–5. Zonar. IX 12. Oros.). Hier wohnte er den Verhandlungen mit den karthagischen Gesandten bei und kehrte mit ihnen Anfang 552 = 202 nach Africa zurück (Liv. 21, 11. 23, 6. 25. 9). Während er bis dahin Legat Scipios gewesen war, ist er für dieses Jahr zum Quaestor gewählt und ohne Losung durch einen Senatsbeschluß dem Scipio zugeteill 60 wurden (ebd. 33. 2); vielleicht war er erst jetzt oder kurz vorher ins römische Bürgerrecht aufgenommen worden (so schon Haakh a. O.). In dem letzten Feldzug von 552 = 202 führte er in der Entscheidungsschlacht bei Zama die römische Reiterei auf dem linken Flügel und trug wesentlich zu dem glänzenden Siege bei (Polyb. XV 9, 8. 12, 5. 14, 7. Liv. 33. 2. 16. 35, L Frontin. strat. II 3, 16. Appian. Lib. 41. [403] 403
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44- Zonar. IX 14. Sil. It. XVII 432–440). Auch jetzt erhielt er den ehrenvollen Auftrag, die Siegesnachricht nach Rom zu überbringen (Liv. 36, 3. Appian. 48. Iulian. or. VIII 245 C). Gerade diese ihm dreimal von Scipio erwiesene Auszeichnung zeigt vielleicht am meisten, wie große Verdienste er sich erworben hatte; sie werden weniger in der eigentlichen Heeriührung, als in der Vorbereitung der entscheidenden Schläge bestanden haben, obgleich auch gerade der Befehl über die Spezialwaffen, die Marine (vgl. noch Liv. 41, 2) und die Kavallerie, bei den wichtigsten Unternehmungen dem L. anvertraut worden war. Jedenfalls hatte sich seine Verbindung mit Scipio in diesen Jahren so befestigt, daß der ahnenlose Neuling, der möglicherweise sogar ein Neubürger war, jetzt im Vertrauen auf den Beistand Scipios die politische Laufbahn mit sicherer Aussicht auf Erfolg einschlagen konnte. 557 = 197 war L. plebeischer Aedil mit Μ.* Acilius Glabrio, ebenfalls einem Parteigenossen der Sci-pionen, und machte sich durch Freigebigkeit bei den Spielen und bei Stiftungen so beliebt (Liv. XXXIII 25, 2), daß er mit demselben Kollegen Für das nächste J. 558 = 196 zur Praetur befördert wurde (ebd. 24, 2), in der er Sizilien verwaltete (ebd. 26, 1). Für 562 = 192 bewarb er sich trotz der Unterstützung durch Scipio vergebens ums Consulat (ebd. XXXV 10, 3. 10) und wurde erst für 564 = 190 mit Scipios Bruder Lucius zusammen gewählt (Fasti Cap. Chronogr. Hydat. Chron. Pasch. Liv. XXXVI 45, 9. XXXVII I, 1. Eutrop. IV 4, 1. Obseq. 1. Cassiod. Gell. XVI 4, 2. Über die Wahl Geizer Nobilität der röm. Rep. 104f.). Die Verteilung der Provinzen wurde vom Senat vorgenommen, und zwar erhielt L. Italien, während sein Kollege in Begleitung des Bruders den Krieg gegen Antiochos übernahm. Der Hergang dabei ist kaum aufzuklären (s. o. Bd. IV S. 1472): Nach Cic. Phil. XI 17 (vgl. Val. Mai. V 5, 1) war dem Scipio die Provinz zugefallen, wollte aber der Senat sie ihm wegen seiner Unfähigkeit abnehmen und dem L. zuweisen, als Africanus durch sein Anerbieten, dem Bruder als Legat zur Seite stehen zu wollen, diese Schande abwehrte; nach Liv. XXXVII 1, 7–10 wünschten beide Consuln die Provinz – übrigens nach Cic. Asien, aber nach Liv. Griechenland – und schlug L., im Vertrauen auf seinen Einfluß im Senat, zuerst vor, diesem die Entscheidung zu übertragen; Scipio erklärte sich erst nach Beratung mit seinem Bruder einverstanden, und des Bruders Erklärung, er wolle als Legat mit ins Feld gehen, gab den Ausschlag für den Senatsbeschluß. Vermutlich beruhte alles auf geheimen Abmachungen, die vor der Wahl getroffen waren: L. war nicht nur vor zwei Jahren durchgefallen, sondern wahrscheinlich auch vor einem Jahre, wo sein ehemaliger Kollege M’. Acilius Glabrio als plebeischer Kandidat der Scipionen gewählt worden war; bei seiner dritten Bewerbung verschaffte der Beistand der Scipionen ihm den Sieg, aber er mußte sich verpflichten, keinen Anspruch auf das Kommando gegen Antiochos zu erheben. Vor der Öffentlichkeit und in den Annalen wurde natürlich von diesen Machenschaften nichts laut, sondern die Sache so dargestellt, als ob sie ganz ordnungsgemäß und [404] Laelius
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verfassungsgemäß verlaufen wäre; bei unbefangener Erwägung wird sich jeder mit Erstaunen fragen, woher wohl L., der Neuling und das Geschöpf der Scipionen, im Senat solchen Einfluß gehabt haben sollte (inultum L. in senatu poterat Liv.), daß jene ihn fürchten mußten. L. war als Consul und im folgenden J. 565 = 189 als Proconsul mit einem Heere in Oberitalien tätig und sorgte namentlich für dessen Besied-lOlung mit neuen Kolonisten; dazwischen kam er am Ende seines Consulatsjahres zur Leitung der Comitien nach Rom (Liv. XXXVII 2, 4. 46, 10–47, 2. 50, 13. XXXVIII 36, 2). Erst 580 = 174, längere Zeit nach dem Sturz der Scipionen-partei, ist er wieder in öffentlichem Dienst verwendet worden; er ging damals an der Spitze einer Gesandtschaft, deren weitere Mitglieder ein jüngerer Consular und sein alter Waffengefährte Sex. Digitius waren, zu König Perseus nach 20 Makedonien, kehrte aber Anfang des folgenden Jahres unverrichteter Sache heim (Liv. XLI22, 3. XLII 2, 1). 584 = 170 wurde er nochmals als Gesandter zu den keltischen Stämmen in den Ostalpen geschickt (Liv. XLIII 5, 10). Sein Leben muß sich mindestens noch ein Jahrzehnt länger erstreckt haben, da Polybios erst gegen 594 = 160 ihm nahegetreten sein und von ihm Aus kunft über Scipio Africanus erhalten haben dürfte (Ed. Meyer a. O. 1071. Laqueur a. O. 216). 30 Seine Freundschaft mit Scipio war sprichwörtlich
(Vell. II 127, 1. Val. Max. IV 7, 7 [mit unrichtigem Praenomen D.]. V 5, 1), und auch zur Bezeichnung eines tüchtigen und ehrenwerten, bescheidenen und gebildeten Mannes, der sich einen Platz unter den Mitgliedern der Nobilität wohl verdient hat, wird sein Name angewendet (Auct. ad Her. IV 19: vgl. Cic. or. 232; top. 78, wo eher an ihn als an Nr. 3) gedacht werden kann; Cato 77; ausgemalte Charakteristik Sil. It. XV 40 451ff.).