RE:Laelius 3
| Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft | |||
|---|---|---|---|
| |||
| C. cos. 140 v. Chr., Sohn von Nr. 2, Freund des jüngeren Scipio Africanus | |||
| Band XII,1 (1924) S. 404–410 | |||
| Gaius Laelius (Konsul 140 v. Chr.) in der Wikipedia | |||
| GND: 102396892 | |||
| Gaius Laelius in Wikidata | |||
| Gaius Laelius bei Trismegistos | |||
| Bildergalerie | |||
| Register XII,1 | Register l | ||
| |||
3) C. Laelius, war der Sohn des gleichnamigen Nr. 2 (Cic. Phil. XI 17; vgl. Cato 77) und war in ähnlicher Weise mit dem jüngeren Scipio Africanus befreundet, wie sein Vater mit dem älteren. Daß er an Jahren dem 569 = 185 geborenen Scipio (o. Bd. IV S. 1440) voranging, und zwar nicht unbedeutend, ist an sich wahrscheinlich, weil er der Sohn des einen der beiden älteren Freunde war und Scipio der, wenngleich nicht 50 leibliche Sohn des Sohnes des andern; es wird überdies durch Cic. rep. I 18; Lael. 15 ausdrücklich bestätigt. War also L. um 564 = 190 geboren – was angesichts des Alters seines Vaters eher zu tief als zu hoch gegriffen ist –, so hat er die curulischen Ämter nicht zu dem gesetzlich zulässigen frühesten Termin, sondern erheblich später erlangt; obgleich bereits sein Vater zur Nobilität emporgestiegen war (vgl. auch die Anerkennung seiner Ahnen Cic. de or. II 286), 60 wurde ihm wahrscheinlich der Zugang zu der öffentlichen Laufbahn durch den Adel erschwert und erst durch den jüngeren Freund Scipio eröffnet. Deswegen gehen die frühesten Nachrichten seiner Lebensgeschichte nicht auf seine politischen Beziehungen (wertlos Cic. Lael. 101), sondern auf die literarischen, auf den Verkehr mit dem Dichter Terenz, der in Rom bis 594 = 160 wirkte, und mit den athenischen Philosophen, [405] 405
haeiius
die dort 599 = 155 als Gesandte weilten. Von Terenz sagt Cic. ad Att. VII 3, 10: Cuius fabellae propter elegantiam sermonis putabantur a C. Laelio scribi, und läßt Lael. 89 den L. von ihm als seinem familiaris sprechen; die mannigfachen Vermutungen der antiken Gelehrten über den Anteil, den L. sowie Scipio und andere homines nobiles an den Komödien des Terenz gehabt haben sollen, gehen aus von dessen eigenen Worten im Prolog der 594 = 160 aufgeführten Adel-1 phoe (15ff.) und liegen vor in Suetons Vita Te-rentii. Ihre Erörterung gehört in die Literaturgeschichte; für die Lebensgeschichte des L. kommt nur die eine Anekdote in Betracht, die dort mit der Quellenangabe eingeführt wird: Nepos (vir. ill. frg, 12 Peter) aueiore certo com-périsse se ait, weil sie drei Tatsachen voraussetzt, daß L. dem Terenz schon 591 = 163 nahestand, zur Zeit der Abfassung des Heautontimo-rumenos, daß er damals bereits verheiratet war, und daß er ein Landgut bei Puteoli besaß. Von diesen drei Tatsachen laßt sich die frühe Heirat des L. wahrscheinlich machen durch Plut. Cato min. 7, 2: ἐν πολλοῖς οἷς ἐβίωαε χρόνοις μίαν ἤν ἔγημεν ἐξ ἄρχης γνοῦς γνναῖκα, und dadurch, daß seine jüngere Tochter schon 613 = 141 verheiratet war (Appian. Ib. 67, s. Nr. 30). Eine Besitzung des L. bei Puteoli ist sonst nicht bezeugt, sondern nur eine bei Formiae (vgl. den gemeinsamen Aufenthalt mit Scipio auf seinem ί Formianum Cic. rep. I 61 und, was dasselbe ist, ad Caietam de or. II 22, daraus Val. Max. VIII 8, 1); doch kann die Angabe des Nepos ganz zutreffend sein. Wenn L – und natürlich schon sein Vater – in dem halbgriechischen Küstengebiet Campaniens ansässig und vielleicht heimisch waren, so wird ihre von altrömischem Wesen abweichende Art besser verständlich. Von den drei Mitgliedern der athenischen Philosophengesandtschaft des J. 599 = 155 war es der Stoiker Diogenes, der den L. am meisten anzog (Cic. de or. II 154f.; fin. II 24; Tusc. IV 5); in der Folgezeit trat er in enge Verbindung mit Panaitios, dem Haupt der stoischen Schule, und verbreitete deren Lehren in der römischen Gesellschaft (Cic. Mur. 66; rep. I 34; Brut. 101; fin. II 24, IV 23. Porphyr. zu Horat. sat. I 29, 14). Die Anfänge seiner politischen Laufbahn sind unbekannt; erst unter Scipios Consulat 607 = 147 diente er als dessen Legat im dritten punischen Kriege (Cic. rep. II 67; vgl. Lael. 103). Im Winter 607/8 = 147/6 führte er die eine der zwei zur Bezwingung von Nepheris entsandten Abteilungen (Appian. Lib. 126. Zonar IX 30; s. o. Bd. IV S. 1448), und im Frühjahr 608 = 146 überstieg er mit den Seinigen zuerst die Mauer, die den kreisrunden Kriegshafen Karthagos einschloß (Appian. Lib. 127, zur Topographie s. Oehler o. Bd. X S. 2183ff.). Die Angabe Iulians or. VIII 245 C, L. sei nach der Zerstörung Karthagos und der Unterwerfung ganz Afrikas als Siegesbote nach Rom geschickt worden, beruht gewiß auf Vermengung des L. mit seinem Vater Nr. 2. Zum Lohn für seine Leistungen im Felde erhielt L. die Praetur für 609 = 145 (Cic. Lael. 96). Er bekämpfte in einer noch später erhaltenen Rede mit Erfolg den Antrag des Volkstribunen C. Licinius Crassus, daß [406] Laeiius
die Priesterkollegien künftig nicht durch Kooptation, sondern durch Volkswahl ergänzt werden sollten (Cic. Lael. 96; Brut. 83. 295; nat. deor. III 5; rep. VI 2 aus Non. 398, 26, worauf auch eine Anspielung parad. 11). Wahrscheinlich war L., der sich so entschieden der Rechte der Priesterschaft annahm, damals selbst schon eines ihrer Mitglieder; er gehörte zu den angesehensten der Auguren (Cic. rep. I 63. III 42; Brut. 0 101; Lael. 7f. 77; nat. deor. III 5; Phil. II 83.
über Macrob. Sat. I 6, 13 vgl. Nr. 8) und hat selbst gelegentlich bei der Ergänzung dieses Kollegiums seinen Einfluß in sehr nachdrücklicher Weise ausgeübt (Cic. Brut. 101; vgl. Herm. XLIX 210ff.). Im weiteren Verlauf seines prae-torischen Amtsjahres 609 = 145 ging L. nach Spanien; dort hatte der eine Consul des Jahres, Scipios leiblicher Bruder Q. Fabius Maximus Aemilianus, den Oberbefehl gegen Viriatus über->0 nommen (o. Bd. VI S. 1792) und sollte vielleicht von L. als Statthalter der diesseitigen Provinz unterstützt werden. Aber das hohe Lob der kriegerischen Taten des L. bei Cicero (off. II 40: fregit et comminuit ferocitatemque eius ita repressiv ut facile bellum reliquis traderet; Brut. 84) ist stark übertrieben; denn erst der zweite Feldzug des Fabius von 610 = 144 hatte einen gewissen Erfolg, aber auch nur einen vorübergehenden 612 = 142 bewarb sich L. mit Unter-50 Stützung des damals die Censur verwaltenden
Scipio für das folgende Jahr ums Consulat, erlag aber dem Gegenkandidaten Q. Pompeius, was einen Bruch zwischen diesem und Scipio zur Folge hatte (Plut. apophth. Seip. Min. 8; vgl. Cic. Lael. 77; Tusc. V 54). Im nächsten Jahre erneuerte er seine Bewerbung mit besserem Erfolge, denn er wurde für 614 = 140 mit Q. Ser-vilius Caepio zum Consul gewählt (Cic. Brut. 161; Tusc. V 54; Lael. 96. Liv. ep. Oxyrynch. 40 LIV: [ C.] Laelio Salasso [vgl. Rossbachs adn.
crit.] Obseq. 23. Cassiod. Frontin. de aquis I 7. Entstellt: Lellio Chronogr. Lacrio Hydat. Λακκαίου Chron. Pasch.). Während Caepio zum Kriege gegen Viriatus nach Spanien ging, scheint L. die Geschäfte in Rom und Italien geführt zu haben; deswegen läßt sich am ehesten hier sein Versuch einreihen, der wachsenden wirtschaftlichen Not des italischen Bauernstandes abzuhelfen. Das einzige Zeugnis ist Plut. Ti. Gr. 8, 50 5: Ἐπεχείρησε μὲν ovv τθ διορθώσει Γάίος Λαίλιος
δ Σκηπίωνος ἐταίρος, ἀντικρονσάντων δὲ τῶν δυνατῶν (vgl. daz” o. Bd. II A S. 1782) φοβηθείς τὸν θόρυβον καὶ πατσάμενος ἐπεκλήθη σοφός; im Parallelbericht Appians über die Geschichte des Ager publicus bis zur Reform des Ti. Gracchus ist die entsprechende Notiz ausgefallen (vgl. bell. civ. I 33: διόρθωσιν δ'ουκ ἔπινοουντες. 35: ὄνδε ἐλπίδα ἔχοντες ἐς διόρθωσιν, auch ἐπανόρθωσιζ Plut. a. O. 9, 3). Man hat diesen Plan des L. 00 in ein sonst nicht bezeugtes Tribunat oder in seine Praetui setzen wollen und hat über seinen Inhalt mancherlei Vermutungen aufgestellt', in Wahrheit bleibt bei der Kürze der einzigen Nachricht alles unsicher (vgl. Fraccaro Studi sull* età dei Gracchi I [Città di Castello 19141 76f.). Auf den Beinamen Sapiens spielte anscheinend C. Gracchus in seiner Rede für die von L. bekämpfte Lex Papiria im J. 623 = 131 an: Qui [407] 407
Laelius
sapientem eum faciet, qui et vobis el rei publicae et sibi communier prospiciat (Charis. GL I 196. 25; vgl. Häpke C. Gracchi or. frg. [Münchner Diss. 1915] 44f.); dann begegnet er bei Lucil. 1236 Marx: Laelius.....sophos Ule, was Cicero erhalten hat (fin. II 24) und was er vielleicht im Ohre hat bei seinem eigenen Ausspruch: C. Laelius, illius Sapientis pater (Phil. XI 17; vgl. auch Lucil. 418: Q. Opimius Ule, lugurthini pater huius. 412). Vor allem hat Cicero, der sich selbst gern mit L. verglich (s. u.), diesem den Beinamen Sapiens beigelegt, aber eine sichere Kenntnis von der Veranlassung und der ursprünglichen Bedeutung hat er schwerlich gehabt. In öffentlichen Reden, und zwar in solchen früherer Zeit deutet er zweimal darauf hin: leg. agr. II 64, wo der Gegenstand doch ein Eingehen auf den von L. gefaßten, aber wieder aufgegebenen Plan einer Agrarreform nahegelegt hätte, ist nur von der sapientia temperantiaque der Catones, Phili, Laelii im allgemeinen die Rede, und Mur. 66 wird mit den Worten: Quis C. Laelio comior, quis iucundior eodem ex studio isto, quis illo gravior, s a p i en t i o r? lediglich auf seine Neigung zur Philosophie, besonders zur stoischen hingewiesen. Lael. 1 beginnt: Q. Mucins..... solebat nec dubitare illum in omni sermone appel-lare sapientem; doch im Anfang des Dialogs wird dies definiert (6f., vgl. 9. 15. 100): Nicht wie von den früheren Römern M. Cato wegen seiner Vielseitigkeit oder L. Acilius wegen seiner Rechtskunde als sapiens bezeichnet wurde, sondern wegen der Vereinigung wissenschaftlicher Bildung mit natürlicher Begabung, in dem Sinne wie Sokrates bei den Griechen, als praktischer Philosoph habe L. den ehrenvollen Beinamen erhalten: diese Auffassung herrscht bei Cicero auch sonst überall in seinen philosophischen und verwandten Schriften (rep. III 5; Brut. 84. 211.213: nat. deor. III 5; fin. II 24. Tusc. IV 5. V 54: off. I 90. II 40. III 16; vgl. auch Schob Bob. Mil. 283 Or. = 118 Stangl) und schwebt dem Horaz bei der mitis sapientia Lacli vor (sat. II 1. 72). Qnintil. inst. or. V 10, 30 stellt das Kognomen Sapiens als gleichartig mit Magnus und Pius zusammen. Plin. paneg. 88 mit Frugi und Pius. In der Tat bietet die nächste Analogie der Beiname Frugi. der um dieselbe Zeit dem L. Piso wahrscheinlich ebenfalls von der Nobili-tät wegen seiner Haltung in der inneren Politik beigelegt wurde; auch wenn Plutarchs Angabe über die Entstehung des Beinamens Sapiens hoi L. nicht über jeden Zweifel erhaben ist. so ist es wahrscheinlicher, daß die Verständigkeit dos Realpolitikers damit anerkannt wurde, als die Weisheit des philosophischen Denkers. Auct. de vir. ill. 58. 7 behauptet, L. habe den Scipio auf der Gesandtschaftsreise an die Königshöfe des Ostens im J. 615 = 139 begleitet, und Cic. I ael. 103 sagt, er sei außer im Kriegsdienst (voj Karthago. s. o.) und bei Landaufentk 1t (auf dem Formianurn und sonst, s. o.) auch bei Reisen sein Gefährte gewesen, was sich damit vereinigen ließe; aber die Nachricht widerspricht allen übrigen Zeugnissen und ist daher unhaltbar (o. Bd. IV S. 1453: über die Zeit der Gesandtschafts reise Klio V 135f.). 616 = 138 vertrat L. in einem sich schon durch längere Zeit hinschleppon· [408] Laelius
408
den Sensationsprozesse die wegen Gewalttätigkeiten angeklagten Pächtergesellschaften, die in Bruttium die Nadelwälder ausbeuteten, konnte aber keine Entscheidung zu ihren Gunsten erzielen (Cie. Brut. 85–88; vgl. auch Herm. LV 429). Um den numantinischen Krieg mitzumachen. war L. wohl schon zu alt; dagegen nahm er teil an den durch Ti. Gracchus entfesselten inneren Kämpfen. Anfang 622 = 132 gehörte er 10 zum Consilium der Consuln bei der gerichtlichen
Verfolgung der Anhänger des gefallenen Tribunen (Cic. Lael. 37; daraus Val. Max. IV 7. 1: s. o. Bd. III S. 571 Nr. 1). 623 = 131 bekämpfte er gemeinsam mit Scipio den Antrag des Volkstribunen C. Papirius Carbo, der die Iteration und Kontinuation des Volkstribunats freigeben wollte (Cic. Lael. 96), und kam darüber in Streit mit C. Gracchus (s. o.; Andeutungen Cic. Lael. 39. 41). Man hat vermutet, L. sei infolgedessen 20 von den Gegnern beim Volke angeklagt worden.
denn Festus führt eine Selbstverteidigung des L. vor dem Volke an; aber leider erlauben die Zitate keinen sichern Schluß. Bei Fest. 314: C. Laelius in ea, quam pro se dixit, sind die Worte des L. ausgefallen, war aber die Bede von einer Lex satura. Fest. 193: Laelius pro se apud popu-lum: Uti nobis terra marique simul obsidium facerent, scheint auf auswärtige Verwicklungen zu gehen. Bei Fest. 182 ist C. Laelius nur eine, θθ wenngleich wahrscheinliche Konjektur für das
hsl. Coelius pro se apud populum: Equnsquemihi sub feminibus occisus erat, oreas detraho inspectante L. Slertimo: nach dieser Stelle sprach L. von seinen Erlebnissen in jüngeren Jahren. Es ist also aus diesen dürftigen Resten nichts über Zeit und Anlaß zu entnehmen. (Ob eine Anspielung auf die Anklage vorliegt bei Cic. Tusc. V 55: Laelius si digifo quem attigisset, poenas dedis-set?). 625 = 129 nach Scipios Tode soll L. die 40 Leichenrede verfaßt haben, die ein Neffe des Vor
storbenen hielt, und zwar Q. Fabius Maximus (Schob Bob. Mil. 283 Or. = 118 St.), nicht Q. Tubero, wie Cic. de or. II 341 bei sonstiger Übereinstimmung versehentlich angibt fs. o. Bd. IV S. 1460. Uff.; über Beziehungen des L. zu dem Vater des Fabius s. o. beim J. 609 = 145). Wie lange L. den Scipio überlebt hat. ist nicht zu ermitteln. Er bat ein ziemlich hohes Alter erreicht (Plut. Cato min. 7. 2. s. o.). wird aber in 56 der Geschichte des C. Gracchus nicht mehr genannt; er hat das Erscheinen der ersten Satiren des Lucilius erlebt (erwähnt 593 Mx. nach der Vermutung von Cichorius Untersuch, zu Lucil. 108; s. Nr. 4). war aber schon lange tot. als dieser an einer späteren Stelle seiner gedachte (1236 Mx.. s. o.). Der Ruhm des L. bei derNach-»elt beruht vornehmlich auf seiner Freundschaft mit Scipio. Die Vorstellung von der Festigkeit, der Innigkeit, der ganzen Eigenart dieses Verθθ hältnisses hat Cicero in seinen jungen Jahren
von dem Schwiegersöhne des L. empfangen, der diesem besonders nahe gestanden hatte (Brut. 101; vgl. Lael. 8). von seinem eigenen Lehrer, dem Augur Scaevola: in reiferem Alter bat er dann dieses Bild immer mehr ausgestaltet und seinem persönlichen Wesen angepaßt, bis er es zuletzt in der seinem Freunde Atticus gewid-meten Schrift am schönsten und zugleich am [409] 409
Laelius
freiesten ausführte, in der Laelius el sapiens.... et amicitiae gloria ezcellens de amicitia loquitur. Lael. 5). Der altrömische Begriff der amicitia, der politischen Freundschaft (vgl. dazu Reitzenstein S.-Ber. Akad. Heidelberg 1912, 12, 16ff. Geizer Nobilität d. röm. Republik 83ff.) ist darin fast ganz verflüchtigt gegenüber Ciceros persönlicher Auffassung (dazu vgl. z. B. Sch τί ei -dewin Die antike Humanität 126ff.) und gegenüber der aus griechischer Philosophie stammen- 1 den Lehre; Hauptstellen für das Verhältnis zwischen Scipio und L. sind Lael. 15 und 103; vgl. außerdem 4. 8. 10. 25. 30. 51. 69. 102. Auf gute gleichzeitige Überlieferung, besonders auf Lucilius geht die Schilderung von der Ungezwungenheit und Einfachheit ihres geselligen Verkehrs zurück (Cic. de or. II 22. daraus Val. Max. VIII 8, 1; vgl. Lucil. 1235 Mx. aus Cic. fin. II 24. Horat. sat. II 1, 65. 72fL); sic bot dem Cicero den Hintergrund für den Dialog de re publica (I 18). Ciceros Interesse für L. bekundete sich schon Mitte 692 = 62 in dem Anerbieten an Pompeius. ut tibi multo maiori quam Africanus fuit ium me non multo minorem quam Laelius facile et in re publica et in amicitia adiunctum esse paliare (fam. V 9, 3): 695 = 59 wollte er im Briefwechsel mit Atticus für sich den Decknamen L. wählen (ad Att. II 19, 5. 20. 5); dann führte er in den Büchern de republica L. neben Scipio als den wichtig- « sten und anregendsten Teilnehmer an der Unterhaltung ein (vgl. dazu auch ad Att. IV 16, 2; ad Q. fr, III 5, 1; Lael. 14), während er ihm später in dem schon 605 = 149 spielenden Dialog Cato maior neben Scipio die bescheidene Rolle dos jungen Zuhörers zuteilte (3. 4.
5. 6–9. 85: vgl. Lael. 11. 88). Es geht wohl auf Scaevola zurück, wenn L. als der geistig überragende der beiden Freunde hingestellt wird: Ingeni litterarum eloquenfiae sapienfiae denique,' etsi utriquc primas, priores tarnen Iubenter déférant La 1 io. was vor allem durch das eigene Zeugnis «1er beiden Männer bekräftigt werden soll (Cic. Bruf. 84): noch stärker ist die Behauptung. Scipio soi nur der νποκηιτιμ τῶν θοάζεων gewesen. aber L. der ποιητή:) Plut. praec. ger. reip. 11.5 gibt sie mit der richtigen Bezeichnung der Quelle: oi Σκπίωη βαπκαίνοντε; als Verleumdung Scipios, aber an seni sit ger. resp. 27. 7 mit ἰήατε καὶ ἰέγειν ἔνλουζ unter der gefährlichen Alaska der harmlosen Tradition (vgl. noch Iulian. or. VIII 244 C). Was davon zu halten ist. zeigt Ciceros Vergleichung der Beredsamkeit beider Freunde. Er stellt nämlich an die Spitze den Satz, sie seien zwar beide hochberühmt. aber L. noch mehr als Scipio (dicendi tarnen laus est in Laelio illustrier Brut 83). Doch sofort widerspricht er sich, da er die ihm vorliegende, besonders gefeierte Rede des L. über die Priesterbestellung vom J. 609 = 145 (s. o.) um nichts besser findet, als jede beliebige scipionische (ebd.. vgl. auch 295). Das erste Urteil hat er übernommen, und das zweite hat er sich durch eigene hektüro gebildet (vgl. 82). Von den zahlreichen Verteidigungsreden des L. (Cic. rep. III 42) waren außer der in eigener Sache gehaltenen (s. o.; dazu aus einem Wortwechsel mit einem Gegner Cm. de or. II 286) schwerlich welche [410] Laelius
4W
überliefert; aber das Zeugnis eines unparteiischen Zeugen, des P. Rutilius Rufus, über zwei von ihnen besagte deutlich, daß es dem L. an Überzeugungskraft und Leidenschaft gebrach (Cie. Brut. 86. 94). Gerühmt wird L. im allgemeinen als Redner wie als Politiker (Auct. ad Her. IV 7. 19. Cic. Verr. III 209; de or. I 58. 211. 215. II 154; Brut. 82ff. 295; Tusc. I 110. V 54. 56; top. 78; fam. IX 15, 2. Vell. II 9, 1. 17, 3). 0 und im besonderen werden von seinen rednerischen Vorzügen Reinheit und Feinheit (elegan-tia u. dgl. Cic. Brut. 211. 258. Quintil. inst. or. 1 1, 6; s. o. über seine Beziehungen zu Terenz), Milde und Anmut (lenilas Cic. de or. III 28. 45. Apul apol. 95. hilaritas Cic. off. I 108. suaritas Cic. rep. III 42. dulcis Brut. 83. 295), Schlichtheit und Altertümlichkeit (Cic. de or. I 255. III 45; Brut. 83, danach Tac. di al. 18. 25; s. auch Nr. 29) hervorgehoben, natürlich auch die lite->0 rarische Bildung (Auct. ad Herenn. IV 19. Cic.
Arch. 16; Brut. 84; Tusc. I 5). Die Freundschaft mit Scipio (erwähnt als fast sprichwörtlich auch bei Vell. II 127, 1. Val. Max. VIII 8, 1. Auct. de vir. ill. 58, 7; L. als ἐταίρος des Scipio regelmäßig bezeichnet bei Plut.) und den Genossen seines Kreises, zumal mit Terenz und mit Lu-cilius erweckte für L. vielfach ein günstiges Vorurteil, auch wenn man nichts Bestimmtes von ihm wußte (vgl. noch die Bezeichnung des Q. 10 Catulus als paee alter Laelius Cic. Tusc. V 56 und über seine materielle Lage Cic. Cornel, frg. II 9 aus or. 232. Apul. apol. 20); eine wohlwollende Überschätzung seiner geistigen Bedeutung ist bei Cicero kaum zu bezweifeln: aber das Bild der Persönlichkeit von diesen nicht ganz echten Zügen zu reinigen, reicht unser Material nicht aus.