RE:Laevius 3

Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Dichter
Band XII,1 (1924) S. 452454
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3) Laevina (Martial. I 62, 1), beliebig ge wähltet Name für eine Frau, die so lange keusch 0 bleibt, als sie nicht einen Badeort aufsucht.

RE:Laevius 1

Laevius. 1) s. Egerius Laevius o. Bd.V S. 1982.

RE:Laevius 2

2) Laevius pauperem ait se ingentia munera fungi Lucil. 202 Mx.; ein sonst nicht bekannter Zeitgenosse des Dichters.

3) Laevius, Dichter, dessen Zeit sich nicht genau bestimmen läßt. Daß ihn Auson. Cento epil. S. 218, 16 P. antiquissimus und Prisc. GL 0II 281, 2 veiustissimus nennt, ergibt nichts; die Reihenfolge bei Gell. XIX 9, 7 (L, Hortensias, Cinna, Memmius) ist gewiß nicht chronologisch angelegt. Frg. 22 Lex Licinia introducitur, lux liquidula haedo redditur erwähnt eine vor J. 103 gegebene Lex sumptuaria, ohne daß wir doch wissen, wie lange nachher. Falls frg. 3 memi-nens Varro corde volutat der Reatiner gemeint ist, so hilft das bei dessen langem Leben auch [453] 453

Laevius

nicht viel. Eher fallt Büchelers Identifikation des L. mit L. Melissas ins Gewicht, der nach Suet. gr. 3 den Lutatius Daphnis (s. d.), den Freigelassenen des Catulus, per eavillationem nomi-nis Πανος ἀγάπη μά nannte (o. Bd. IV S. 2145); er war wohl wie Daphnis ein Libertas literatas, und auf einen Grammatiker weist die Art seiner Dichtung. In die Zeit vor den Neoterikern führt auch die Technik des troch. Sept. frg. 21. Das Gut des L. abzugrenzen ist nicht leicht, da er – wohl nicht erst immer von den Schreibern der Hss. – mit Naevias und Livius u. a. verwechselt wurde; in Bährens’ Sammlung, nach der ich zitiere, fehlen die beiden Phalaeceen bei Macr. sat. I 18, 16 (neuius Hss.). Seine Gedichte scheinen alle in einer Sammlung vereinigt gewesen zu sein; einerseits zitiert Charis. GL I 204 Eroio-paegnion VI (auch sonst Anführungen aus B. II –V), andererseits 288, 5 in Pterygio Phoenicis Laevii novissimae odes Erolopaegnion. Also werden auch die anderen Gedichte in dieser Sammlung gestanden haben; genannt werden Adonis, Al-cestis, Centauri, Helena, Ino (Io z. T. Hss.), Pro-tesilaudamia, Phoenix, Sirenocirca (was sowohl ,Circe als Sirene· als ,Sirene und Circe' bedeuten kann); ob auch die Polymeira (Prisc. I 258) zu dieser Sammlung gehörten, ist nicht sicher. Die einzelnen Bücher mögen mehrere Gedichte dieser Art vereinigt haben (s. Hb. Jahrb. XXXVII 95); das mag schon in Simias’ ποιήματα διάφορα βιβλία Α' (Said.) der Fall gewesen sein. Der Titel (παίγνια) bezeugt das Spielerische, das sich in Versmaß und Sprache zeigt, und das Erotische; es wurde wohl in den (schon nach diesem Gesichtspunkt ausgewählten) Sagen stark betont, aber L. redete auch von seiner Liebe (frg. 28 mea Vatiena amabo). Also etwas Ähnliches, wie wir es weniger raffiniert bei Catull c. 68 haben. Die Zubereitung eines φίλτρον schildert frg. 27 – ein recht eigentlich alexandrinischer Stoff. Auch Auseinandersetzung mit den Kritikern (viluperones) findet sich, die er subductisupercilicarptores nannte (frg. 7; hierher wohl auch 25. 13?). Eigenartig besonders frg. 4 (aus lib. V), wo Hektor den von Andromache ihm per ludum manu lascwola ac tenellula geflochtenen Kranz anredet. Also schon im Inhalt zeigt sich Anlehnung an die bizarrste Manier der alexandrinischen Poesie.

Noch mehr tritt das in der Form hervor. Die Metrik war die denkbar bunteste, und wie frg. 31 aas den Polymetra zeigt: omnes sunt dénis syUabis versi, mußte L. selbst dem Leser Hilfen geben, damit er dieses Kauderwelsch verstand. Der Hexameter (frg. 11? 13? 30) kam wohl nur vereinzelt vor; außer dem schon genannten Troch. Sept, und Phalaeceus, der dann ein Lieblingsvers der Neoteriker wurde, können wir nachweisen iambische Dimeter, öfters mit Synaphie, loniker (lange Periode frg. 22), Anakreonteen, Choliam-en (frg· 25), Anapästen, Reizianische Klauseln (weitere Vermutungen bei Leo 181, 2). Aus den Fragmenten der Alcestis und Protesilaudamia Behen wir, daß das Versmaß innerhalb der einzelnen Gedichte wechselte; der Titel Pterygion phoenicis zeigt, daß sich L. an Simias’ Pteryges anlehnte (Bücheler Jahrb. f. Philol CXI 306). Daß damit die Richtung gewiesen ist, in der sich die (natürlich nicht von Simias allein abhängige, [454] Laganici 454

sondern vielfältig, gewiß auch von Kallimachos beeinflußte) Dichtung des L. bewegte, zeigt ein Blick auf die überaus kunstvolle Sprache, die dem Metrum zuliebe vor den ärgsten Kühnheiten und Künsteleien nicht zurückschreckt, aber auch über das Versbedürfnis hinaus mit dem Sprachgut Fangball spielt und z. B. die kunstvollen Komposita ihres Vorbildes, der Technopägnien (s. d.), nachahmt; Gell. XIX 7, 4 hat eine Blü-lOtenlese solcher Bildungen gesammelt: foedi-fragus, pudoricolor (von der Morgenröte), trisae-clisenex und duleiorelocus von Nestor; graeilen-ticolor frg. 17 (Leo 182, 2).

Die Nachwirkung der Gedichte, mit denen L. gewiß eine neue römische Gattung begründet zu haben glaubte, war gering, weil die verstiegene Künstelei abschreckte. Die früheste der etwa 30 Erwähnungen ist bei Verr. Flacc. (Fest. 206): sie sind fast ausnahmslos durch die sprachlichen 20 oder metrischen Autoschediasmen veranlaßt, die spätere Grammatiker interessierten.

Die Fragmente bei L. Müller hinter seinem Catull S. 76. Bährens FPR 287 (nur mit Leos Epikritik zu brauchen). Literatur nennen Teuf -fei § 149, 4f. Schanz § 91. Am besten Leo Herm. XLIX 180. [W. Kroll.]