RE:Lepus
| Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft | |||
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| Hase, Tierart | |||
| Band XII,2 (1925) S. 2079–2082 | |||
| Bildergalerie | |||
| Register XII,2 | Register l | ||
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Lepus [...] [2080] [2081] [2082] kannten, in riesigen Mengen erhaltenen kleinsten Kupferstücke der Provinz Judäa heranziehen, die den Kaisernamen und das Kaiserdatum, in einer der Staatsklugheit des Augustus, unter dem die Prägung beginnt, alle Ehre machenden Rücksicht auf das jüdische Bilderverbot aber nie das Kaiserbild tragen (Hill S. 248–268 Taf. XXVIIIf., Gewicht unter Augustus and Tiberius bei der üblichen sehr unsorgfältigen Justierung meist von IV2-21/4 g schwankend, unter Claudius und Nero etwas höher, um 2-3g; ähnliche prägte im J. 6 = 42/3 n. Chr. gleichfalls massenhaft Herodes Agrippa L: Hill S. 236f. Taf. XXVI 1. 2), und in ihnen sei es das L., sei es den κοθράντης erblicken.
Jbepus, griech. λαγωός (Hom.), att. ἰαγώς und λαγώς, ion. und dor. Aaydç, siz. λεπορις verwandt mit lepus, Dieses Wort bedeutet nach Prellwitz schmächtig, dünn, nach den schmächtigen Lenden des Hasen, vgl. lepidus. -? λαγωός nach Schwyzer K. Z. XXXVII 146–150 (bei Prellwitz) für (o)Aay-dws-dç) ,Schlappohr⁴ aus λαγαρός, engl. stack schiaff und οὓς. Schrader ist geneigt, λαγώς mit λεβηρίς »Kaninchen* zu λοβά ,Ohrläppchen*, lat. legula (auris) in Zusammenhang zu bringen. Aus I. entstanden ital. lepre f., rum. iepure m., rtr. lépur, lëvra, prov. lebre-s, frz. lièere, cat. lebra, span, liebref., ptg. lebre (Prellwitz Et. W. d. griech. Spr. Walde Lat -et. W.². Körting Lat.-rom. W. Schrader Beallex.). Dichterisch ist πτώξ πτώσσω sich ducken (Hom. Il. XXIII 310 mit λαγωός, ohne dies ΧΥΠ 676). Bei den Lakedämoniern wurde der Hase ταχίνας, der schnellfüßige, genannt (Ael. VII 47), W· ποῦς ,der Rauchfuß* öfter bei Aristoteles, auch bei Pollux (V 68) und Athenaios (IX 402 e). Plinius (IX 57) unterscheidet den dasypus vom I. Die Kreter nannten I. κεκήν ,den Springer*, die gleiche Bedeutung hatte ski. çaçd. Der deutsche, keltische und preußische Namen »Hase* soll der ,graue* (casnus, canus) heißen (Keller). In den Pfahlbauten und Höhlen Europas finden sich Überreste von L. vulgaris, Abbildungen zeigen die ägyptische und assyrischen Denkmäler. Den Bekennern der Religion des Zoro-aster. ebenso wie den Israeliten galt das Fleisch des I, als unrein, während es bei Griechen und Römern eine Lieblingsspeise war. In der Ilias und Odyssee wird λαγωός nur viermal erwähnt, und zwar zweimal ohne Beiwort, einmal mit dem Beiworte πτώξ. An der vierten Stelle findet sich πτώξ substantiviert mit dem Zusatz πόόας ταχύς (Hom. Il. XVII 676). Er gilt als das Bild der Furchtsamkeit. Wie der Hase laut klagend vor den verfolgenden Hunden läuft, so Dolon vor Diomedes und Odysseus (Hom. II. X 360). Hier ist auffallend, daß der Dichter den Hasen »schreiend* fortlaufen läßt; kreischende Töne läßt er wohl nur hören, wenn er lebend von den Hunden erfaßt wird. Sein Feind ist der Adler, vor dem er sich im dichten Strauche niederduckt (daher πτώξ), ohne indessen seinen scharfen Blicken zu entgehen (Hom. Il. XXII 308–10). Auch gejagt wird er (Od. XVII 295). Xenophons Schilderung des Hasen (cyn. V 13) ist die des fein beobachtenden Jaegers: Der Hase ist so gebaut, daß er zugleich stark und schnell- [2080] haltsorte den Berghasen λ. ὄρειος, Feldhasen λ. πεδινός und Sumpfhasen 2. ἔλειος, nach der Haarfarbe den dunkeln ἐπίκερκος und den blonden ἐπίξανθος, der erstere ist größer, hat eine größere Blässe vor der Stirn, mehr Schwarz an der Spitze der Löffel. Auch durch die Färbung der Augen (grau und blau) und die Zeichnung der Blume sind sie verschieden. Am schnellsten sind die Berghasen, die vermöge ihrer behaarten 40 Läufe auch auf steinigem Geröll gut laufen können, verhältnismäßig am wenigsten flink sind die Sumpfhasen. Die kleinere Art kam auf den meisten griechischen Inseln, besonders den unbewohnten, wo die Hasen vor Menschen und Raubzeug sicher waren, in großer Menge vor. Auf die heiligen Inseln, wie Delos, durften Hunde nicht hingebracht werden. In der kleineren Art sieht O. Keller (Antike Tierwelt I 212) eine Abart von L. vulgaris, den auch in 50 Italien und Spanien verbreiteten rötlich gefärb
ten mittelländischen Hasen, der an Größe unserem gewöhnlichen Hasen gleichsteht. Dieser letztere kam im Altertum im transalpinischen Gallien und in Makedonien vor. Die Römer (Varro r. r. III 12) kannten auch den kleinen weißen Alpenhasen L. variabilis (ital. bevro bianco, lepre Alpina), der im Sommer die Farbe des gemeinen Hasen hat, in den Übergangszeiten des Herbstes und Frühlings grau und weiß ge-60 fleckt, im Winter ganz weiß ist. Diese seltenen
Tiere wurden zu Neros Zeit dem römischen Volk im Zirkus vorgeführt und zu Tod gehetzt. Albinos soll es in Arkadien gegeben haben. Bei seiner großen Fruchtbarkeit, die übrigens von den alten Schriftstellern überschätzt wird (Xen. V 13), wurde er selbst da, wo man ihn wegen seines geschätzten Fleisches als das beliebteste Jagdwild-einführte, eine Landplage. Gegen den [2081] die Anpflanzungen in Gärten, Feldern und Weinbergen schädigenden Hasen suchten sich die Landleute auf jede Weise zu schützen. In dem durch seine blühenden gärtnerischen Anlagen berühmten Megaris wurden Hasen massenhaft erlegt und alsdann auf dem Markte des benachbarten Athen vorteilhaft abgesetzt. Über die Hasenjagd λαγωβολία - der Name ist dem λαγωβόλος Hasenknüttel entlehnt, mit dem man das in Schlingen und Netzen gefangene Wild erschlug - s. den Art. Jagd o. Bd. IX S. 583ff. Die irrige Vorstellung, daß der Hase mit offenen Augen schlafe, wird seit Xenophon von den meisten Schriftstellern des Altertums geteilt.
Das Fleisch des Hasen gehörte in Griechenland und Italien zu den beliebtesten Speisen. Die feine Kochkunst hatte dafür die verschiedensten Zubereitungsarten von gekochtem, gebratenem und vielfach gewürztem Hasen, von Hasenpfeffer und Hasenwürsten, die aus feingeschnittenem Hasenfleisch, gekochten Hühnerlebern und Eiern hergestellt wurden (Apic. VIII 395–407). Hasenpfeffer μίμακρυς war eine besondere Lieblingsspeise der Athener. Im übrigen wurden Vorderläufe und Ziemer als die besten Stücke angesehen. Nach dem Volksglauben sollte das Hasenfleisch, das als gesund und leicht verdaulich galt, nach sieben Tagen schön machen (Mart. V 29. XIII 92. Plin. XXVIII 260). Mit Bezug auf diese angebliche Eigenschaft des Hasenfleisches hat ein Dichter ein scherzhaftes Gedicht auf den Kaiser Alexander Severus, der täglich Hasenbraten zu essen pflegte, verfaßt, das der Kaiser seinerseits mit launigen Versen erwiderte (Hist. aug. Alex. Sev. 37f.). Im Tarif Diocletians kostete ein Hase bis 150 Denare = 3, 75 Mark, für ein Kaninchen belief sich der Preis nur auf 40 Denare. Um den Hasenbraten, das wohlschmeckendste Wildbret, das auf keiner gutbesetzten Tafel fehlen durfte (Iuven. V 167. Petron. 36), das ganze Jahr hindurch genießen zu können, wurden auf den größeren Landgütern, in der Nähe des Herrnhauses (villa urbana) Leporarien angelegt (s. den Art. Leporarium). - Auch das Fell des Hasen wurde benutzt. Mit Hasenhaaren (pilus leporinus) wurden Polster ausgestopft (Hist. aug. Alex. Sev. 19), auch zu Mützen wurden sie verarbeitet. Fast sämtliche innere Teile fanden zu medizinischen Zwecken Verwendung (Plin. XXVIII 177), das Tragen des sogenannten Hasensprungs (ein Knöchelchen am Hinterlauf) galt als Schutzmittel gegen Leibschmerz (Plin. XXIX 10). Junge Hasen (catuli bei Varr. III 12) wurden auch zuweilen eingefangen, um sie zum Vergnügen anfzuziehen (Calpurn. III 77. IX 67). Man liebte den possierlichen Langohr (auritus Verg. ge. I 308), dessen Namen auch zum Schmeichelwort geworden war (Plaut. Cas. 138: Meus pullus passer, mea columba, mi lepus mein Häschen). Aus der alexandrinischen Zeit stammt ein Epigramm auf einen Hasen, den langohrigen, schnellfüßigen Liebling der Hetäre Phanion, die den jung gefangenen Liebling auf ihrem Schoße hätschelt und ihn mit allerlei zarten Kräutern übermäßig füttert, so daß er vor der Zeit an Fettsucht eingeht (Mbleag. epigr. 120 Jac. bei Keller 216). In der bildenden Kunst werden [2082] oft Amoretten dargestellt, wie sie mit Hasen spielen, sie streicheln, tragen und küssen. Auch Bakchos und sein .Gefolge treiben ihren Mutwillen mit Hasen, dem Symbol harmloser Lebenslust und Verliebtheit. Literatur: Lenz Zoologie 1856. O. Keller Antike Tierwelt I 1909. Gossen o. Bd. VII S. 2477.