RE:Lerche
| Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft | |||
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| Vogelart | |||
| Band XII,2 (1925) S. 2082–2085 | |||
| Bildergalerie | |||
| Register XII,2 | Register l | ||
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Lerche [...] [2083] [2084] [2085] Lerche (Familie Alaudidae). Nach dem Vorkommen können den Alten folgende L.-Arten 10bekannt gewesen sein: 1. Hauben-L. (Galerida cristata L.), 2. Feld-L. (Alauda arvensis L.), 3. Heide-L. (Lullula arborea L,), 4. Kalander-L. (Melanocorypha calandra L.), 5. Kurzzehen- oder Stummel-L. (Calandrella brachydactyla Leisi.). Aus den Notizen antiker Autoren ist jedoch nur eine Unterscheidung der Hauben-L. einerseits und der unbeschopften L.-Arten anderseits zu erkennen. Auf die Hauben-L. weist vor allem der Name; denn sie heißt nach ihrem auffälligen Schopfe 20 bei den Griechen κόρνδος und κορύδαλος (von κόρῦς = Helm), bei den Römern galerita und galeritus (überVarianten und weitere Namen s. u.); freilich mögen andere L.-Arten, vor allem die Feld-L. unter diesen Namen mit verstanden sein. Unterschieden werden zwei,Arten¹ nur bei [Arist.] hist an. IX 25 p. 617 b20: Die eine hält sich am Boden auf (ἐπίγειος) und hat einen Schopf [Hauben-L.], die andere lebt gesellig (ἀγελαία), ist ähnlich gefärbt wie die erstere, doch kleiner 30 und hat keinen Schopf; sie wird gegessen [diese Angaben passen, abgesehen von der Größe, die an die Heide-L. denken läßt, auf die Feld-L.]. Auf die Feld-L. zu beziehen ist wohl Marc. med. 29, 30, die einzige Stelle, wo des Gesanges gedacht wird, mit dem das Vöglein das Menschenherz erfreut. Für die Behauptung Sittls Archiv f. lat. Lei. II 478, daß cassita bei Gell. II 29 auch die Feld-L. bezeichne und schon zur Zeit des Ennius, aus dem Gellius die Fabel von der 40 L. anscheinend entnahm, bezeichnet habe, liefert die Fabel keinen Beweis; denn die einzige Angabe ,habitat nidutaturque in segetibus*, worauf sich Sittl stützen kann, trifft doch auf die Hauben-L., auf die der Name deutet, ebenso zu wie auf die Feld-L. Ebensowenig haltbar sind Sittls Ausführungen a.a. O.479, durch die er das von ihm erschlossene caliandra als Bezeichnung für die Kalander-L. zu erweisen suchte. Möglicherweise verbirgt sich diese in Südeuropa häufige L.-Art 50 unter dem μαλακοκρανεύς bei [Arist] hist. an. IX 22 p. 617 a 32ff. Freilich ist die Beschreibung dort so wenig brauchbar, daß man unter diesem Namen auch den Gimpel oder eine Würgerart vermutet hat. Bei Plinius, der die L. galerita und alauda nennt, sind L.-Arten nirgends unterschieden; wie aus n. h. XI 121 hervorgeht, meint er bestimmt die Hauben-L., auf die auch alle im folgenden erwähnten Stellen bezogen sind.
Hauben-Lerche (Galerida cristata L.): 60 a) Namen. Die Angabe des Thesaurus Graecac Unguae von Stephanus, κόρῦς sei die gebräuchlichste Bezeichnung der Hauben-L., würde man für einen Druckfehler zu halten geneigt sein, wenn nicht unter den Übrigen Namen auf diesen verwiesen würde. Im Gegenteil, κόρῦς kommt überhaupt in der klassischen Literatur nicht vor. Das Tier hat sonst Namen genug; es heißt 5 und ἡ κόρνδος (so in den echten Schriften des Ari- [2083] stoteles) und κορυδός, ὁ κορύδα(λ)λος und κορνδα(λ)λός, ἡ κορνδα(λ)λις und κορνδα(λ)λίς, ἡ κορνδά(λ)λη und κορυδα(λ)λή, schließlich einmal bei Saidas κορύφαλος, also viele Möglichkeiten, nur gerade κόρῦς nicht. Κόρυδος (εἰς τις τῶν τροχίλων) bei Hesychios ist wahrscheinlich der Kiebitz. Die vielen Varianten geben natürlich den Grammatikern Anlaß, sich darüber auszulassen, welches die richtige Form sei. Arcad. p. 31, 18 und 54, 11 ist für die Betonung auf der letzten Silbe; Ammon. p. 84 sagt: κόρυδος καὶ κορυδαλος διαφέρει ’ κόρυδος μὲν γὰρ τὸ δρνεον, Κορυδαλος δὲ δῆμος Ἀθήνησιν' Phrynichos läßt sich p. 338 Lob. so darüber aus: Εὐβούλον τὸν κωμωδοποιου δράμα ἐπιγράφεται Κορυδαλος * ἄν δὲ τοῖς περὶ 'Ἀριοτοφάνην πετάμενος κόρυδον λέγε τὸ ζωον und am ausführlichsten Thom. Mag. p. 549: Κόρυδος καὶ κορυδαλος καὶ κορνδαλίς τδ ὀτρονθίον τδ ἔχον ἐπὶ τῆς κεφαλῆς ἀνεστηκότα πτερὰ ὤσπερ λόφον ’ ἔστι δὲ τδ μὲν κόρυδος Ἀττικόν. Πλούταρχος ἐν τῷ Περί, ἀδολεσχίας (11) ’ ,Κόρυδος ὤπται πετάμενος'. Τὸ δὲ κορυδαλος κοινόν, εἰ καὶ Εὐβουλος χρήται. Τδ δὲ κορνδαλίς ποιητικὸν ὡς Θεόκριτος (VII 23) ’ ,Ἐπιτυμβίδιοι κορυδαλίδες'. Vgl. ferner Schot. Ar. av. 472 ὕηλυκως εἰρηκὲ τὴν κορυδόν, Πλάτων δὲ (Euthyd. 291Β) ἄρσενικως. Abgeleiteter Eigenname bei Alkiphron II 23. III 34, 1 Κορύοων. - Der griechische Name wurde auch ins Lateinische übernommen (cory-dulus Marc. med. 29, 30. Serv. ecl. II 1; core-duius Placid. gloss. 20, 4); lateinisch heißt die Hauben-L. galerita (z. B. Plin. n. h. X 137. Ser. Samm. 580) und galeritus (Vairo de l. l. V 76); cassita Gell. II 29, 3. Sowohl der einheimische wie der fremde Ausdruck mußte später dem keltischen Worte alauda (vgl. Plin. n. kXI 121. Marc. med. 28, 50: avis galerita, quae Gallice alauda dieitur; auch dieses Wort bedeutet nach Glück Jahrb. f. Philol. XCIII 166f. die Be-schopfte) weichen, dessen Ausbreitung, wie Sittl Arch. f. lat. Lex. II 478 bemerkt, durch Caesars berühmte Alaudalegion (s. den Art. Alauda o. Bd. I S. 1295) gewiß sehr gefördert wurde, so daß es auch in die romanischen Sprachen überging (vgl. Holder AJtcelt. Sprachsch. I 75). Die Glossen setzen κορυδαλος gleich alauda, ardea (Reiher), bardala, galerita, pardala, parra. parrula (wahrscheinlich Kiebitz), sulpicia II 353, 49 (Goldhähnchen ?), upupa (Wiedehopf) und vatuita III 188, 40 (Seidenschwanz*?). Daraus geht hervor, daß man in späterer Zeit allgemein den beschopften Vogel darunter verstand.
b) Gestalt und Lebensweise. Die Hauben-L. ist ebenso groß wie ein Grünling ([Arist.] hist. an. IX 13 p. 615 b 33), ebenso groß und ebenso gefärbt wie die Feld-L., größer als ein Steinsperling (Gal. XII 360), unterscheidet sich aber von der Feld-L. durch einen Federschopf auf dem Kopfe ([Arist.] hist. an. IX 25 p. 617 b 20) wie der Pfau, Diosk. II 54, Sie lebt auch nicht gesellig und hält sich viel auf dem Erdboden ([Arist.] hist. an. IX 49 p. 633 b 2. Gal. XII 360), besonders auf Gräbern (Babr. 72. 25. Schol. Theokr. VII 23) auf; sie ist ein Erdbrüter ([Arist.] hist an. VI 1 p. 559 a 2; vgl. Babr. 88, 1). Auf Bäume setzt sie sich nie. [Arist.] hist. an. IX 8 p. 614 a 33; zu Mittag schläft sie, Theokr. VII 23. Irrtümlich ist die [2084] Meinung des Arist. hist. an. VIII 16 p. 600 a 21. daß die L. sich im Winter verkrieche, also einen Winterschlaf halte (vgl. Steier Zool. Annal. V 297); die gleichfalls unrichtige Angabe [IX] 1 p. 609 b 27, daß die L. dem Reiher die Eier stehle, beruht anscheinend nur auf unrichtiger Überlieferung; sie wäre richtig, wenn statt κορύδῳ die entsprechende Form von κόραξ stünde. Diel; sind Feindinnen der ἀκανθυλλίς (Distelfink), Aelian. 10 hist. an. IV 5; dagegen leben sie in Freundschaft mit dem ἀχοινίων (Rohrammer?), [Arist.] hist. an. IX 1 p. 610 a 9. Der Kuckuck legt seine Eier in ihre Nester, 29 p. 618 a 10. Aelian. hist. an. III 80. Um bösen Zauber von diesen abzuwehren, werfen sie das Gras Hundzahn (Panicum dacty-Ion) vor das Nest, I 35. Senf ist Gift für sie, VI 46.
c) Die L. als Speise und Heilmittel. Auf Heras Hochzeit gab es L; Epicharm 20 p. 237 L., vgl. Anaxandr. I 153, 65 K. Galen hat XII 360 ein ganzes Kapitel über die Hauben-L., in dem er alles wiederholt, was Forscher und Dichter vor ihm über das Tier gesagt haben; vgl. Abschnitt b und d. Er empfiehlt dann L.-Suppe bei Kolik, XIV 243 gegen dieselbe Krankheit L.-Braten. Dasselbe bei Diosk. II 54. Plin. n. h. XXX 62. Ser. Samm. 575. Plin. ium 59, 8–13. Mare. Emp. 28, 50. 29, 30. Act. II 182. Plinius fügt noch hinzu, einige rieten, das Tier in einem 30 neuen Gefäße mitsamt den Federn zu verbrennen und zu Asche zu verreiben, dann vier Tage hintereinander drei Löffel voll in einem Glase Wasser zu genießen; andere, das Herz der L. an den Oberschenkel zu binden (ähnlich Alex. Trail. II 377. 375, nur muß man nach ihm das Herz der lebenden L. entnehmen und es an den linken Schenkel binden); vgl. Plin. n. h. XXX 63.
d) Die L. in der Dichtung, Wie die L. zu ihrer Haube gekommen ist, erzählt eine alte 40 äsopische Fabel (211), die von Aristophanes in den Vögeln 471S. Theokr. VII 23. Gal. XII 360. Ammon. 84 nacherzählt bzw. benutzt ist. Die L. war das erste Wesen, das schon existierte, als es noch gar keine Erde gab. Als nun ihr Vater starb, ließ sie den Leichnam zuerst fünf Tage lang liegen, begrub ihn dann aber schließlich, um ihn vor Verwesung zu schützen, im eigenen Kopfe. Aelian. hist. an. XVI 5 erzählt dieselbe Sage vom indischen Hopf (θroy). Eine andere bekannte 50 Fabel ist Aesop 210. die von Babr 88 und Gell. II 29 wiederholt wird; sie erzählt von der L., die ihre noch nicht flüggen Jungen beruhigt, als diese den Bauern haben sagen hören, er wolle da-s Feld, in dem die Jungen sitzen, abmähen und dazu seine Verwandten und Freunde zur Unterstützung herbeirufen. Erst als er sich selbst mit seinem Sohne aufmacht, ist es nach der Lehre der alten L. Zeit, das Getreidefeld zu verlassen. Die 209. Fabel handelt von einer L., die sich in einer Sclilingc 60 fängt, die 340. ebenfalls. - Das Sprichwort ,Keine L. ohne Haube*, unserem ,Keine Rose ohne Dornen* »ntsprechend, wird zuerst von Simonid. frg. 68 B.⁴, dann besonders von Plutarch oft angeführt; noch bei Eunap. vit. Orib. p. 240 kann man es lesen. Ein anderes bei Gal. II 624: κορνδαλον μικρότερον im Gegensatz zum Elefanten. Ein drittes, wie unser ,Unter Blinden ist der Einäugige’Konig*, der den unscheinbaren Gesang [2085] der L. mit dem des Schwanes vergleicht, wird in verschiedener Fassung überliefert, Anth. Pal. V 306. IX 280. XI 195. - Kolonides in Messenien ist nach der Weisung, die eine L. den Wegsuchen-den gab, gegründet worden, Paus. IV 34, 8. Die Verwandlung der Hippodameia in eine Hauben-L. erzählt Anton. Lib. 7 (s. o. Bd. I S. 1146).