RE:Libs

Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Alter Windname
Band XIII,1 (1926) S. 141143
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Libs [...] [142] [143] Libs (auch Ups von den Römern geschrieben), gr. h'y, verwandt mit λείβω (Boisacq s. λείβω). Von den Alten wird der Name fast immer von Λιβύη, ΛΙβυς abgeleitet (so [‌Arist.] àk θέο. p. 200, 24 R.), während Λίβῦς von Uy kommt nach andern (Dion. Per. 231? Eustath. zu Dion. Per. 175. GGM II p. 247, 28). Entsprechend der üblichen Etymologie wird der Name von den Römern ‘ seit Varro (Reitzenstein Hermes XX 520. Kaibel ebd. 618) mit afrieus wiedergegeben (s. o. Bd. I 8. 718. Vitruv. 16, 5. 11. Plin. n. h. II 119. Sen. nat. quaest. V 16, 5. Carm. de vent. PLM V 70, 24. Windsäulen aus Rom und Gaeta ist L. ein sehr alter Windnamen, mag er uns auch erst im 5. Jhdt, in der Literatur begegnen: IG XIV 1308. 906. Inschr. von Dugga CIL VIII Sappl,[1] 4 nr. 26652. Scheibe von Aquileia Rehm S.-Ber. Akad. München 1916, 3 Fig. 10).

Die Verbindung von L. mit Λιβύη kann alte Volksetymologie sein. Auch anderes spricht dafür, daß wir es mit einer alten, volkstümlichen Bezeichnung zu tun haben, die nur eben von der griechischen Meteorologie erst berücksichtigt vurde, seitdem man über dtn Kreis der vier Kardir alwinde hinausging. Vorher war für ihn ’m System kein Platz, denn L. ist immer der [142] 'BIOS).'


nächste südliche Seitenwind zum reinen West, dem ζέφυρος, gewesen. Aber für das Alter von Begriff und Name spricht der Kult des L. in Methana, den Paus. II 34, 2 schildert, und spricht die Selbstverständlichkeit, mit der L. von Herodot (II 25) angeführt wird. Der L. hat auch seinen ganz bestimmten Charakter von allem Anfang an. Schon bei Herodot a. a. O. ist er ein typisch feuchter Wind; so dann auch bei Aristot. (met.) II6 p. 364 b 18. 25); bei | Theophr.] de sign.

20 wird sein Wehen um die Tag- und Nachtgleiche (die herbstliche, wie aus Aristot. met. II 6 p. 364 b 2 zu erschließen ist) als Vorbote von Regen erklärt (ὑγρός heißt er ebd. § 36), und Theophr. de vent. 51 verzeichnet einen populären Merkvers aus der Gegend von Knidos und Rhodos, wonach er Bewölkung und Aufklaren in raschem Wechsel bringt. Spätere Schriftsteller betonen fast noch mehr den stürmischen, auch Gewitter 0 bringenden Charakter des L. (Sen. nat quaest.

V 16, 6 furïbundus ac ruens, während Plin. n. h. II 126 umidus ... Italiae bietet. Beides vereint bei Sueton p. 231, 3ff. R. [aus Isidor]). Als wild gehört er geradezu zum Apparat rhetorischer und poetischer Schilderung (Theocr. 9, 11. Luc. navig. 8. Römische Historiker und Dichter können sich in der Häufung von Epitheta wie protervus, praeeeps, celer, trux [Hör. ep. 16, 22; c. I 3, 12. 14, 5; Africae procellae c. III 29, 57. Sil. It. III 0 658. Weitere Belege Thes. ling. lat. I 1255f.] nicht genug tun). Als gefährlich für die Seefahrt hält er auf dem Relief des Windeturms in Athen das ἰίφλαστον eines Schiffes in den Händen. Wenn Horaz ihn auch pestilens nennt (c. III 23, 5), so läßt das auf eine Auffassung schließen, die mit dem L. den Scirocco meinte. Daß sie vereinzelt neben der obigen hergeht, hat man vielleicht auch aus Pausanias a. a. O. zu erschließen, wenn es dort heißt, daß der L. die Weinstock-0 triebe vertrocknen macht. Völlig einheitlich durchgeführt ist diese Charakterisierung aber erst bei Corippus, der in der Johannis den africus mit den stärksten Ausdrücken als Glutwind bezeichnet (VI 272. VII 323. 355. 370. VIII 84): das ist im Lokalkolorit wohlbegründet.

Wie zu erwarten, begegnet L. gleich in der ältesten Windrose, der altionischen achtstrichigen (Rehm 3Π.), aus der bei [Hipp.] περί tßb. 3, 14 eine siebenstrichige gemacht ist. Er weht 50 vom winterlichen Sonnenuntergang her; so wird es auch im pap. Eud. (p. 299, i87 W.) gemeint sein. Die Stelle zwischen ζέφυρος und νότος behauptet er in dem auf gleichseitiger Kreisteilung beruhenden achtstrichigen System hellenistischer Zeit (Rehm 72 Fig. 11) und rückt dem ζέφυρος wieder näher, etwa auf die Stelle wie im altionischen System, in der zwölfstrichigen Rose, deren eisten Entwurf wir bei Aristoteles haben (met. II 6 p. 363 b 19); dabei rechnet ihn Aristoteles aber 00 ausdrücklich zu den südlichen Winden (p. 364 a 16). Er bleibt an dieser Stelle im System des Timo-sthencs (Agathem. GGM II 473, 4. Rehm 47ff. mit weiteren Belegen) und behauptet sich dort bis in die spätesten Zeiten (Adamantios bei Rose Anecd. I p. 35, 10. 49, 10). Das Mißverständnis Kaibels (592), daß L. bei Favorin-Gellius Nord-westwind sei, ist längst richtiggestellt (Rehm a. a. O. 90). [143]

L1DU1

In den Parapegmen wird der für den Schiffer so bedeutsame Wind erst auffällig spät berücksichtigt, einmal (Ptol. 23. Choiak) von Eudoxos und Dositheos, wenn hier nicht etwa Kontamination mit den ,ἈΙγύπτιοθ vorliegt; schlecht bezeugt sind auch die Ausführungen aus Demokrit (Lyd. da mens p. 295, 7. 296, 4 Wachsmuth), Dagegen erscheint L. häufig, llmal, aber nicht in den Sommermonaten, eben bei den ,Ägyptern* (vgl. über sie Hellmann S.-Ber. Akad. Berlin 1916, 332ff. und bes. Boll B. ph. W. 1916, 710), und 9 mal, aber nur z. T. an entsprechenden Tagen, bei Columella, einmal bei Varro (Lyd. de mens. p. 298, 3), vereinzelt auch bei Polem. Silv. Die älteren Parapegmatisten haben eben alle Zwischenwinde – doch wohl grundsätzlich und gänzlich – ignoriert.

Ganz für sich steht der volkstümliche Sprachgebrauch in Ägypten. In den Papyrusurkunden ist L-, wie es scheint ausnahmslos, an die Stelle von ζέφυρος getreten und bezeichnet somit bei der häufig (s. z. B. Mittels·Wilcken Pap.-K., jur. Teil nr. 252ff.) vorkommenden Aufzählung der Angrenzer von Grundstücken den Westen schlechtweg. Das hat einerseits Ptolemaios in der Tetrabibl. und in der Synt. (VII 4 p. 74, 12. VIII 4 p. 189–193 Heib, passim) übernommen, andrerseits die spätere Literatur der Astrologen und Zauberbücher (Belege bei Rehm 62, 1).

[Rehm. ]
  1. Corpus Inscriptionum Latinarum VIII, 0.