RE:Livius 29
| Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft | |||
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| Salinator, C. cos. 188 v. Chr., Sohn von Nr. 33 | |||
| Band XIII,1 (1926) S. 888–890 | |||
| Bildergalerie | |||
| Register XIII,1 | Register lf | ||
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29) C. Livius Salinator war Sohn von Nr. 33 (M. f. M. n. Fasti Cap.) und als Altersgenosse des M. Cato (Cic. Cato 7) ungefähr 520 = 234 geboren. Eine Verteilung aller auf ihn bezüglichen Nachrichten auf zwei verschiedene Homo-20nymen und Zeitgenossen (u. a. bei Mommsen St.-B. I 538f., 2) ist ungerechtfertigt (vgl. Bardt Die Priester der vier großen Kollegien 11f. Münzer Röm. Adelsparteien 232f.). Im J. 543 = 211 wurde L. in das Kollegium der Pontifices aufgenommen, zu derselben Zeit wie M. Servilius Pulex Geminus (Bd. IIA 8. 1805ff.) in das Kollegium der Augures (Liv. XXVI 23, 7). Mit diesem Servilier zusammen bekleidete er 550 = 204 die curulische Aedilität (ebd. XXIX 38, 7) 30 und 552 = 202 die Praetor (ebd. XXX 26, 11), in der er Bruttium mit zwei Legionen erhielt (ebd. 27, 7. 41, 1). Im makedonischen Kriege war ihm anscheinend im J. 555 = 199 die Führung der Flotte bestimmt; aber er konnte sie erst im Herbst übernehmen, als sein Vorgänger L. Apustius mit den meisten der Schiffe aus dem aegaeischen Meere nach Korkyra zurückgekehrt war, und mußte sie im Frühjahr 556 = 198 bereits wieder seinem Nachfolger L. Quinctius 40 Flamininus abtreten, als er eben erst bis nach Same auf Kephallenia vorgestoßen war. Dieser Tatbestand ergibt sich daraus, daß Livius die Unternehmungen des Apustius unter dem J. 554 = 200, an dessen Ende jener das Kommando Übernommen hatte, vollständig erzählt, daß er dann in dem kurzen Jahresbericht von 555 = 199 überhaupt nicht von der Flotte spricht und daß er, um das Versehen zu verschleiern, beim J. 556 = 198 den Kommandowechsel und die Person 50 des L. ganz kurz berührt (XXXII 16, 2f.: L. Quinctius... Corcyram travecius, postquam profectam inde classem audivit, nihü moran-dum ratus, cum ad Samen insulam [so!] ad· secutus esset, dimisso Livio, cui successerat, tarde inde ad Maleum... pervenit). Es war jedenfalls eine Unfreundlichkeit gegen L., daß der Senat ihm die Möglichkeit einer rühmlichen Betätigung von vornherein abschnitt und sie auf Betreiben des neuen Consuls und Oberfeldherrn 60 T. Flamininus vielmehr dessen Bruder zuschob (Liv. vgl. Röm. Adelsparteien 119); dabei hat wahrscheinlich Haß gegen den Vater und Geringschätzung der fremden Mutter des L. auf Seiten des hohen Adels mitgewirkt (s. Nr. 33). Erst nachdem er im J. 561 = 193 unter dem Consul L. Cornelius Merula (o. Bd. IV S. 1407 Nr. 270) die Schlacht bei Mutina gegen die Boier durch den stürmischen Angriff der von ihm befehligter [889] 889 Livius (Salinator)
bundesgenössisehen Reiterei entschieden hatte (Liv. XXXV 5, 8–10), wagte er es, sich für das folgende Jahr 562 = 192 um das Consulat zu bewerben, aber ohne Erfolg (ebd. 10, 3). Statt dessen übernahm er 563 = 191 zum zweiten Male die Praetur (ebd. 24, 6 ohne Angabe der Iteration) und erhielt wieder das Kommando der Flotte, das ihm jetzt im Kriege gegen Antiochos bessere Frucht bringen sollte, als seinerzeit in dem gegen Philipp (ebd. XXXVI 2, 6. 14. 3, 14; nicht ganz in Übereinstimmung mit 42, 1). Er ging bei Beginn der guten Jahreszeit von Rom mit fünfzig Deckschiffen in See, zog die Kontingente der unteritalischen Griechen und der Karthagei an sich und traf um die Zeit der Thermopylen-schlacht in Korkyra ein; nach Verheerung der zu den Aetolern haltenden Inseln Kephallenia und Zakynthos fuhr er um den Peloponnes herum und vereinigte im Peiraicus mit seinen Schiffen die seines Vorgängers A. Atilius Seranus (o. Bd. II S. 2096 Nr. 60) und die von Eumenes geführte pergamenische Flotte (ebd. 42, 1–7. Appian. Syr. 22). Nun setzte er sich mit 81 Deckschiffen und einer Anzahl kleinerer Fahrzeuge gegen Asien in Bewegung, wurde aber durch widrige Winde eine Weile bei Delos festgehalten (Liv. 42. 8–43, 2. Iustin. XXXI 6, 7. Appian. a. O.); er brachte damals nach dem Beispiel des Atilius dem Apollon einen goldenen Lorbeerkranz als Weihgeschenk dar (Ραίου Λιβίον Ῥωμαίου ἀνάῦιμα Schatzmeisterurkunde Dittenb. Sylt² 588 Z. 86 [nicht wiederholt Sylt⁸] = Dessau 8765 Anm.). Nachdem die Hauptmacht der Pergamener zu dem Geschwader gestoßen war, nahmen die Verbündeten in Stärke von 105 gedeckten und 50 offenen Schiffen Stellung bei Korykos zwischen Chios und Ephesos und eröffneten den Angriff auf die feindliche Flotte, die an Zahl der Schiffe schwächer war und von dem rhodischen Verbannten Polyzenidas geführt wurde (Liv. 43, 11–13. Appian.). Die Vorhut bildeten zwei karthagische Schiffe, von denen das eine genommen wurde; nun griff L. die beiden siegreichen Fahrzeuge des Gegners mit seinem Admiralschiff an und enterte sie; der Kampf wurde allgemein und wandte sich zuerst auf dem linken Flügel zugunsten der Verbündeten, dann auch auf dem rechten, wo Eumenes kommandierte; 13 der königlichen Schiffe wurden genommen und 10 in den Grund gebohrt, während der eigene Verlust sich auf jenes eine karthagische Schiff beschränkte; den übrigen feindlichen Fahrzeugen gelang, dank ihrer größeren Leichtigkeit und Schnelligkeit, die Flucht in den sicheren Hafen von Ephesos (Liv. 44, 1–45, 4. Iustin. 6, 8f. Appian.). Infolge des Sieges konnte die römisch-pergamenische Flotte ihre Vereinigung mit der rhodischen unter Pausistratos bewerkstelligen; sie boten dem Poly-zenidas eine neue Schlacht an, aber er nahm die Herausforderung nicht auf. Daraufhin kehrten die Pergamener und die Rhodier heim, und L. bezog die Winterquartiere bei Phokaia (Liv. 45, 5–8. XXXVII 32, 9, von wo aus er einen Teil seiner Truppen an einem Raubzuge des Eumenes während des Winters teilnehmen ließ (Liv.XXXVH 8, 7). Auf die Kunde, daß die neuen Oberfeldherren, der Consul L. Scipio und sein Bruder P. Scipio Africanus, den Landkrieg nach Asien [890] Livius (Salinator) 890
hiiiübertragen wollten, ging L. im Frühjahr 564 – 190 nach dem Hellespont und traf hier die Vorbereitungen für ihr a Übergang; er gewann Sestos (Liv. 9, 6–11. Appian. 23; vgl. Polyb. XXI 6, 7 Quelle von Liv. 9, 9) und begann die Belagerung von Abydos, als die Nachricht von einem Seesieg des Polyxenidas Über seine rho-diechen Landsleute ihn bewog, in die Gewässer von Samos zurückzukehren (Liv. 12,1–6. Appian.}}
10 25). Hier blieben die Verbündeten eine Zeitlang, ohne daß es zu größeren Unternehmungen kam (Liv. 12, 10–13, 12), und hier wurde L. durch den neuen Admiral L. Aemilius Regillus abgelöst (Liv. 2, 10. 14, 1ff.). In dem von diesem seinem Nachfolger berufenen Kriegsrat gab er als erster seine Stimme ab, und zwar für die Blockade der königlichen Flotte im Hafen von Ephesos, drang jedoch mit seinem Vorschläge gegen die abweichenden Ansichten der Bundesgenossen nicht}}
20 durch (Liv. 14, 4–7. Appian. 16). Er wurde mit nur 8 Schiffen nach Lykien entsandt, um Patara zu besetzen und so dem Geschwader, das Hannibal von Phoinikien heranführen wollte, den Weg ins aegaeische Meer zu verlegen. Indes der Plan mißglückte, und er kehrte über Griechenland, wo er die Scipionen noch in Thessalien zu treffen gedachte, in die Heimat zurück (Liv. 16, 1–17, 1). Noch vor Ablauf desselben Jahres 564 = 190 wurde er von Rom wieder nach dem}}
30 Osten geschickt, diesmal in diplomatischer Sendung an König Prusias von Bithynien; er erreichte dessen endgültigen Beitritt zu der Koalition gegen Antiochos (Polyb. XXI 11, 12. Liv. XXXVII 25, 13). Auf Grund der Verdienste im syrischen Krieg wurde L. jetzt für 566 = 188 zusammen mit M. Valerius Messalla zum Consul gewählt (Fasti Cap. Chronogr. Hydat. Chron. Pasch. Liv. XXXVIII 35, 1 7; daraus Obseq. 2 und Cassiod.; vgl. Cic. Cato 7}}: consularis). Sein
40 Name oder der seines Amtsgenossen ist im Anfang eines Briefes an die Delphier aus diesem Jahre einzusetzen (erhalten:...}} ὑΙ[ός, στρατηγὸς ὕπ[ατ]ος κτλ. Dittenb. Syll.³ 611; vgl. Hol-leaux Στρατηγὸς ἄκατος [1918] 159ff.). Er empfing Gallien zur Provinz (Liv. XXXVIII 35, 8f.) und legte wahrscheinlich im Boiergebiet, wo er sich fünf Jahre zuvor ausgezeichnet hatte, das seinen Namen bewahrende Forum Livi, jetzt Forli, an (Nissen Ital. Landesk. II 258. o. Bd. VII
50 S. 71, 18ff.). Obgleich er noch bis zum J. 584 = 170 lebte (Liv. XLIII11, 13), hat er es nicht zur Cenaur gebracht. Cic. Cato 7 führt ihn, der etwa 65 Jahre alt wurde, als unter den Beschwerden des Alters leidend an. Daß Liv. XLV 23, 11 in der Rede der rhodischen Gesandten im J. 587 = 167 den L. ebenso wie seinen ehemaligen Nachfolger im Flottenkommando L. Aemilius Regillus noch als lebend ansetzt, ist hinsichtlich beider Männer nichts als ein Ge-}}
60 dächtnisfehler, – in der frei komponierten Rede eines Historikers um so eher verzeihlich, da sogar in der wirklich gehaltenen Rede eines Anwalts dasselbe vorkommen konnte (Cic. Lig. 33 und ad Att XIII 44, 3; o. Bd. IV 8. 1226, 25ff). Für seine Nachkommenschaft vgl. den Stammbaum S. 813/14 mit Erläuterung 8. 8llt}}