RE:Luftgöttin

Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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die Aurai als Gottheiten
Band XIII,2 (1927) S. 17121714
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Luftgöttin [...] [1713] [1714] poriicus für portus scheint unnötig) und Gärten mit der umgebenden Landschaft und der See, mit Staffage von Reisenden, Fischenden, Jagenden usw., oft mit kleinen humoristischen Zügen; an Außenwänden malte er auch Seestädte, die glänzendsten Effekte erzielte er mit den einfachsten Mitteln. Er nahm auf besondere Wünsche der Auftraggeber Rücksicht, hat also wohl auch getreue Abbilder wirklicher Villen gegeben. Der .0 schon im zweiten Dekorationsstil in die Wandmalerei eingeführten, im wesentlichen wohl aus ägyptisch-hellenistischen Ansätzen entwickelten Architekturlandschaft hat er - wenn man seinen persönlichen Anteil so groß annehmen will wie Plinius - einen spezifisch römisch-italischen Inhalt gegeben, wie er uns namentlich in den kleinen Landschaftsbildern des dritten Stils entgegentritt. Brunn Gesch. d. griech. Künstler II 315. Overbeck Schriftquellen 2384. Pfuhl Malerei Ï0 und Zeichnung d. Griechen II 884. 888. 897.

s. o. Bd. XII S. 623 und Art. Landschaftsmalerei. [1713] Six (Journ. hell. stud. XIII 135f.) publiziertes Vasenbild geltend, unter Zustimmung von Preller-Robert Gr. Myth. I* 630, freilich gegen die Einwände von Stephani Comp tes rendus 1862, 11, 2, Auch bei Pindar (Ol. II 78f.: μακάρων νάοος ὠκεανίδες ἄνραι περιπνέοιαιν) und Eur. Hek. 444 (πόντιας Αὐρά) erscheint Aura mit ihren Schwestern beseelt; in Orph. Argon. 338 werden die hurtigen Winde untermischt mit den gold-füßigen Lüften (ἄνραις μίγα χρυοεοτάροοις) ange-1 rufen; ebenso ist ihnen Orph. hymn. 81 gewidmet, der sie ποντογενεῖς Ζεφνρίτιδες nennt; bei Quint. Smyrn. I 684 f. melden die Aurai, die schnellen Töchter des Boreas, dem Ares den Tod der Penthesileia. Überhaupt ist die Schnelligkeit ihr charakteristisches Kennzeichen. Kein Wunder, daß eine windschnelle Gefährtin der Artemis, deren Liebe zu Dionysos verschieden erzählt wird (Nonn. XLVIII 242f. Etym. M. a. Δίνδυμον), ferner ein in Olympia siegreichesS Rennpferd des Korinthiers Pheidolas (Paus. VI 13, 9), ein Jagdhund des Aktaion (Hygin. fab. 181) sowie der Atalante (Poll. V 45; über andere Hunde dieses Namens auf Bildwerken s. Stephani 15), endlich sogar ein attischer Schnellsegler (CIA II 804) Aura heißt. Dagegen gilt der frischen Morgenluft der einladende, schmachtende Zuruf Aura, mit dem Kephalos auf der Jagd die Eifersucht seiner Gattin Prokris erregt, so daß sie ihn im Walde belauscht, aber als vermeintliches ί Wild seinem Pfeile zum Opfer fällt (Ovid. met. VII 835f.). Wieder eine andere Art der Personifikation wird bezeichnet durch den Ausdruck aura popularis (Hör. C. III 2, 20: arbitrio popularis aurae. Verg. Aen. VI 816: nimium gaudens popularibus auris. Liv. VI 11, 7; s. auch Cic. p. Cluent. 47: ventus popularis. 8en. H. F 169); vgl. Favor bei Mart. Cap. I 51 und vielleicht (?) auf einer Weihinschrift aus Köln (Orelli III 5820, wo aber Mommsen Pavori liest). Ein. Seitenstück zu den Wollen des Aristophanes bildeten die Ἄνραι des Metagenes (Kock Com. I 704f.), nochmals bearbeitet von Aristagoras (710f.); in Antiphanes' Aiolos (II 16f.) scheinen die Αὐραί zu Hetären herabgesunken zu sein, was an die Behandlung der Seltenen als meretrices in der alten Komödie erinnern mag; vgl. Myth. Vat. I 42. II 101. III 10.

Die einzige schriftlich bezeugte Darstellung der Aurai durch die bildende Kunst ist nicht erhalten: von Praxiteles waren einst vorhanden duae aurae velificanies sua veste (Plin. n. h. XXXVI 29). Erhaltene Bildwerke verdanken ihre Beziehung zu Aura nur mehr oder weniger sicherer Vermutung. Bald anmutig schwebend, bald dem lebhaft winkenden Aiolos fröhlich, aber sittsam mit angefaßten Händen entgegenschrei-tend, erscheinen die Aurai auf der schon erwähnten Vase im Britischen Museum (E 783. Myth. Lex. II 2150). Reicher ist der Beitrag, den zur Kenntnis der Aurai die Plastik liefert. In den angeblichen Nereiden an dem nach ihnen benannten Denkmal von Xanthos in Lykien vermutet Six a. a. O. 13lf. richtiger Aurai, die wie bei Pind. Ol. II 78 (s. o.) das Heroengrab umschweben. Auf dem aretinischen Phaethon-becher in Boston (Hartwig PbiloI.XII 1898, 48f). darf man in der geflügelten Frauengestalt über [1714] Lügens iacus

1 ί 1ῖ

dem thronenden Zeus und der Artemis vor ihm gewiß Aura erkennen; dagegen sind die drei Figuren, die man auf Phaethonsarkophagen als Aurai auffaßt (Wieseler Phaethon 60f.), wohl Heliaden (Knaack Myth. Lex. III 2197t). Ein Relief Colonna aus der Kaiserzeit (Matz Arch. Ztg. XXXIII 18f. Taf. 4) zeigt zwischen zwei durch Hörner einander entgegenblasenden Windgöttern mit Kopf- und Schulterflügeln ein Mäd-0 eben mit über dem Kopf bauschendem Gewände ;

es ist sicher Aura (Steuding Mythol. Lexik. VI); früher galt die Figur für Iris (M. Mayer II 339f.). Auf einem Relief der einstigen Ara Pacis, jetzt in den Uffizien, und einem solchen aus Karthago, jetzt im Louvre (Jahn Arch. Ztg. XXII 177 Taf. 189, 1 und 2) sieht man die Erdgöttin mit zwei Kindern auf dem Schoß; rechts und links schwebt eine am Oberkörper nackte weibliche Gestalt, die das Gewand oder den 10 Schleier gewölbartig über dem Haupt wehen läßt; die rechte bedeutet das Wasser, die linke wird von einem Schwan getragen, der sie als L. kennzeichnet Schwäne sind es auch, die auf dem Wandgemälde der Roma im Palazzo Barberini zwei von ihnen getragene Mädchen (an den Pfosten des Sessels) als Aurae erkennen lassen (Arch. Ztg. XLIII Taf. 4. Myth. Lex. IV 160). Sonstige als Aurai gedeutete Bildwerke haben keinen sicheren Anspruch darauf. Über andere JO L., die Windsbraut Thyelle, die Harpyien, die altrömisehen Tempestates s. d. [Joh. Schmidt.]