RE:Lysippos 6
| Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft | |||
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| Von Sikyon, Erzgießer | |||
| Band XIV,1 (1928) S. 48–64 | |||
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6) L. von Sikyon, Erzgießer. Das Ethnikon läßt er auf Signaturen auch außerhalb Sikyons öfter weg, den Vater, den wir auch aus anderen Quellen nicht kennen, nennt er nie. Als Zeit gibt Plin. n. h. XXXIV 51 die 113. Olympiade (328), die Epoche Alexanders d. Gr., den er porträtiert hat. Keines der Werke ist mit Sicherheit vor 0 Alexander datiert (vgl. nr. 29. 30. 33; das früheste bekannte ist dessen Knabenbildnis nr. 18). Überlebt hat L. den König sicher: er hat noch mindestens bis 318 gearbeitet (zu nr. 21; vgl. auch 31. 45. 35); aber seine Tätigkeit bis gegen Ende des Jahrhunderts (nr. 24 nach 311?, nr. 8 304?) ist nicht sicher zu beweisen, obwohl durchaus möglich. Ob die Bezeichung γέρων bei Agathias (zu nr. 28) auf alter Überlieferung beruht, mag dahingestellt bleiben. Im übrigen wissen wir über 1 das Leben L.s nichts. Duris von Samos berichtete (Plin. XXXIV 61), er sei zuerst Handwerker, Erzarbeiter gewesen und habe, ohne zu einem Meister in die Lehre zu gehen, die Künstlerlaufbahn eingeschlagen auf einen Ausspruch des Eupompos (s. o. Bd. VI S. 1285 Nr. 2) hin, die Natur müsse man nachahmen, nicht einen Künstler. Vielleicht hat in der ursprünglichen Fassung der Anekdote Eupompos die Antwort gar nicht persönlich dem L. gegeben, sondern dieser berief sich) nur darauf; erst später brachte man die berühmtesten Künstler von Sikyon direkt zusammen. Chronologische Schlüsse erlaubt die Geschichte nicht. Duris ist als Gewährsmann an sich nicht vertrauenerweckend. Richtig wird an der Sache sein, daß L. keiner alten Künstlerfamilie angehörte und daß er, wenn er auch das Technische in der Werkstatt eines Erzgießers gelernt haben muß, sich nicht als Schüler zunächst der Weise eines Meisters anschloß; er sollte ja die Gmnd-¹ lagen seiner Kunst umgestalten. Auch über sein Ende haben wir eine Anekdote: Petron. 88: Ly-sippum statnae unius lineamentis inhaerenlem iwpia exstinxil. Er habe also so lange mit der Durchbildung einer einzigen Statue sich abgegeben, daß er darüber im Elend verkommen sei. Auch diese Geschichte ist sehr unwahrscheinlich, obwohl L. auf die Einzelausführung außerordentliche Sorgfalt verwandte (s. u.). Jedenfalls darf man nicht glauben, sie durch die andere Nachricht (Plin. XXXIV 37; vgl. 62) zu widerlegen, er sei nachweislich äußerst fruchtbar gewesen: vom Honorar eines jeden Werkes habe er nämlich ein Goldstück zurückgelegt; in seinem Nachlaß hätten sich dann 1500 Goldstücke gefunden. Einem solchen Geschichtchen wird man doch noch weniger Kredit geben.
Allerdings werden uns verhältnismäßig viele Werke von L. genannt. Für alle ist Bronze als [49] 49 Lysippos
Material anzunehmen, für die meisten (nr. 1–4, 6–9. 11–16. 18. 19. 21–23. 26. 27. 36–38. 40) direkt bezeugt. Ein Meister wie L. ist natürlich viel herumgekommen, doch wird er auch von den auf auswärtige Bestellung übernommenen Arbeiten viele in seiner Werkstatt in Sikyon ausgeführt haben. Außer in seiner Vaterstadt selbst (nr. 2, 13. 27. 11?) standen Werke von ihm in Argos (3), Olympia (11? 25. 29–33: vgl. zu 34), Korinth (6. 41. 42), Megara (4. 5), Athen (12. 26. 28?) 1 Boiotien (9. 7. 35), Delphi (21. 8?), Aitolien (43), Akarnanien (17), Thessalien (34), Makedonien (22), Lampsakos (39), Rhodos (44. 8?), Tarent (1. 14; vgl. A. J. Reinach Neapolis I 28, dessen Berechnung von L.s Aufenthalt in Tarent zwischen 315 und 306 nicht gesichert ist). L. mag Alexander nach seinem Übergang nach Asien (334) noch nach dem Leben porträtiert haben (Picard Rev. arch. XVII 1911, 267): er kann sehr wohl 324 in Babylon gewesen sein. 2
Von Werken des L. werden in unserer Überlieferung genannt: 1. Zeus auf der Agora von Tarent, kolossal, an Größe (vor dem des Nero) nur dem Koloß von Rhodos nachstehend (Strab. VI 278); 40 cubiti(= 17,76m) hoch (Lucilius v. 525 Marx; vgl. Cichorius Unters, zu Lucilius 25). Er konnte angeblich mit einer Hand bewegt werden, ohne daß ihn Stürme erschüttern konnten, deren Gewalt durch eine in der Nähe aufgestellte Säule gebrochen wurde (Plin. XXXIV 40). Wegen seiner g Größe (Plin.) oder aus religiösen Bedenken (Liv. XXVII 16, 8) nahm ihn Fabius Verrucosus (s. o. Bd. VI S. 1826, 12) bei der Einnahme von Tarent (209) nicht mit fort. Aus Livius ist zu schließen, daß Zeus kämpfend, d. h. wohl mit dem Blitz dargestellt war; jedenfalls ist er stehend zu denken, O verbeck Kunstmythologie I 57. 2. Zeus auf der Agora von Sikyon, Paus. II 9, 6 (die mitgenannte Artemis ist nicht als Werk des L. bezeichnet), wahrscheinlich ebenfalls stehend. Over-/ beck 58. 3. Zeus Nemeios auf der Agora von Argos, stehend: Paus. II 20. 3 (wo Uqôv wahrscheinlich interpoliert ist, die Stiltue stand also auch hier unter freiem Himmel). 4. Zeus in Megara in einem Tempel, dessen Inhaber Paus. I 43, 6 nicht angibt, der aber wohl als Zeus erraten werden soll; ebenda standen (5.) Musen von L. Overbeck 58. Zu diesen Statuen zieht Loewy Athen. Mitt. X 145 vermutungsweise eine in Megara gefundene zweistufige Basis aus grauem Marmor von über 2 m Länge, mit Weihinschrift des Theramenes, Sohnes des Timoxenos, und Signatur des L. (ἰΛοώι) IG VII 38. 6. Poseidon, in oder bei Korinth. Lucian. Iupp. trag. 9 (die Behauptung, die Korinther hätten ihn wegen ihrer damaligen Armut aus Erz, nicht aus Gold machen lassen, ist nicht als historische Notiz zu nehmen). Identisch könnte er mit einer der von Paus. II 1. 7 und 9 erwähnten Poeeidonstatuen sein. Auf der Basis der einen waren die Dioskuren in Relief dargestellt 7. Dionysos auf dem Helikon, Paus. IX 30, 1 (allein der Dionysos wird als Werk des L. bezeichnet, der Text ist vollkommen in Ordnung, nur drückt sich Paus. nach seiner Art etwas verschroben aus). Dieselbe Statue kann der von Lucian. Iupp. trag. 12 genannte Dionysos des L. aus Erz sein. 8. Als berühmtestes Werk des L. nennt Plin. n. h. XXXIV 63 [50] Lysippos 50
das Viergespann mit Helios der Rhodier. Den nächsten Satz fecit et Alexandrtim magnum mul-tis operibus a pueritia eius orsus hat man als Einschiebsel betrachten wollen und das folgende quam, statuam usw. auf den Helios bezogen. Doch kann es auch an die Notiz über Alexander anschließen (s. u. nr. 18). Das Viergespann will Po mt o w (Syll.8 441) mit dem .goldenen Wagen* identifizieren, den das Volk der Rhodier nach Del-) phi geweiht hat: die Basis ist zum Teil erhalten.
Nach den Formen der Inschrift scheint sie noch ins 4. Jhdt. datiert werden zu können (doch vgl. B o u r g u e t Rev. arch. VII (1918) 221). Wäre die an sich wahrscheinliche Ansetzung auf 304 (Befreiung von Demetrios) und die Beziehung auf L. gesichert, so wäre das für die Chronologie des Künstlers wichtig. Aber Helios auf dem Wagen kann auch in Rhodos selbst und schon vor 304 aufgestellt worden sein. 9. Eros in Thespiai. Er 0 wird nur von Paus. IX 27, 3 erwähnt und tritt neben dem (ausdrücklich von Pausanias als älter bezeichneten) Eros aus Marmor des Praxiteles, der als einzige Sehenswürdigkeit der Stadt bezeichnet wird, ganz zurück. Er ist aller Wahrscheinlichkeit nach erst nach Wiederherstellung von Thespiai (338) aufgestellt worden. 10. Einen weiteren Eros des L. hat Frickenhaus Jahrb. d. Inst. XXX 127 durch eine ansprechende Konjektur erschlossen: bei Kedrenos comp. hist. p. 322 ed. Paris, wer-;Q den unter den Kunstwerken, die 476 beim Brande des Lauseion in Konstantinopel zugrunde gingen, genannt: πα'ὶ ἡ Σαμία Ἤρα ἔργον Λυσίππου καὶ Βουπάλου τοῦ Χίον καὶ Ἔρως τόξου ἔχων πτερωτὸς Μυνδόῦεν ἀφικόμενος: setzt man ἔργον Λυσίππου nach ἀφικόμννος, so erhält der Eros (wie die mitgenannten Werke) seinen Meister und die Doppelautorschaft für die Hera wird beseitigt. 11. Kairos. Vgl. Larner o. Bd. X S. löllff., wo die Zeugnisse (außer dem frühen guten des Po-10 seidippos nur späte, in ihrer Glaubwürdigkeit zweifelhafte) ausführlich besprochen, aber nicht ganz richtig gewertet sind. Er stand (trotz Kallistratos) wahrscheinlich nicht in Sikyon, da Po-seidippos die sikyonische Herkunft des Künstlers ausdrücklich angibt, was bei ihm (anders war es bei der Signatur) nur Sinn hat, wenn die Statue sich an einem andern Ort befand. Kult des Kairos kennen wir nur in Olympia. Von der Taubheit des Kairos sprach man, weil an der Statue 50 die Ohren nicht sichtbar waren (s. unter Lyson).
Im übrigen s. u. 12. Satyr in Athen. Plin. n. h. XXXIV 64. Mehrfach hat L. Herakles dargestellt (s. o. Suppl.-Bd. III S. 1114, 42): 13. Eine Statue auf der Agora von Sikyon (vgl. nr. 2) nennt Paus. II 9, 8. Ob Lukian. Iupp. trag. 12 diese oder eine andere Heraklesstatue des L. meint, ist ungewiß. 14. Kolossalstatue des sitzenden Herakles auf der Akropolis von Tarent (vgl. nr. 1). Als Sitz dient der Korb, den Herakles zum Weg-60 schaffen der Erde bei der Reinigung der Augeias-ställe gebraucht hat (Robert Heldensage 466, 3. Lippold Jahrb. d. Inst. XXXVII 15); über ihn hat er das Löwenfell gebreitet Das rechte Bein ist ausgestreckt, das linke gebeugt, darauf der Arm gestützt der Kopf ruht in der Hand: Herakles trauert über die Unwürdigkeit seines Dienstes, die ihm bei diesem Athlos am schwersten zum Bewußtsein kommt. Der Daumen hatte den [51] 51 Lysippos
Umfang eines Menschen in der Hüfte, der Unterschenkel Mannshöhe. Nach der Einnahme von Tarent 209 v. Chr. nahm Fabius Maximus (vgl. zu nr. 1) die Statue weg und weihte sie auf dem Kapitol. Von da kam sie 325 n. Chr. unter dem Consul Iulianos (o. Bd. X S. 92 Nr. 32) nach Konstantinopel, wo sie zuerst bei der Basilica hinter dem Milion, dann im Hippodrom aufgestellt war. 1204 schmolzen sie die Lateiner ein. Strab. VI 278 (mit Schot). Plin. n. h. XXXIV 40. Plut. Fab. IC Max. 22. ὑαραστάσεις σύντομοι χρονικαί (Preger Script, orig. Constant. I p. 41) c. 37. Constant. ManasseTxaoi; I (Sternbach Östen. Jahresh. VI 75, 26, vgl. S. 82). Suid. s. Βασιλική. Anon. im Anh. zu Codinus Exc. de ant. Const. p. 167, 21 ed. Bonn. Nik. Chon, de Alexio p. 687 Bonn.; de signis Const. p. 858 Bonn. 15. Herakles Epi-trapezios. Martial (IX 44 und 45) und Statius (silv. IV 6) beschreiben (um 94/95 n. Chr.) eine noch nicht einen Fuß hohe Statuette des Hera- 20 kies, die als Tischaufsatz diente, im Besitz des Dichters Nonius Vindex, mit der Inschrift Λυσίπ3ῖου. Ob es ein echtes Werk, ein Original des L. war, möchte man bezweifeln, gerade wegen der sonstigen Reichhaltigkeit der Sammlung des Vindex, wo man (anscheinend allerdings unsignierte) Arbeiten von Myron, Praxiteles, Phidias, Apelles bewundern konnte. Bedenklich ist auch die Geschichte der Statuette: ihr erster Besitzer war, hieß es, Alexander d. Gr., der sie auf seinen 30 Feldzügen mitführte, dann kam sie in die Hände von Hannibal, dann in die des Sulla. Picard Rev. arch. XVII 1911, 257 (der mit Unrecht leugnet, daß auch Martial Hannibal und Sulla als Vorbesitzer nennt und meint, daß Statius nur Martial paraphrasiere und vielleicht mißverstehe) knüpft an den Beinamen ἐπιτραπέζιος an, den die Statuette in der Überschrift des Gedichtes des Statius trägt, und schließt aus Hesych s.
Βύφράόης Πάταικος ἐπιτραπέζιος und Γιγγρῶν ... 40 Πάταικος ἐπιτραπέζιοςθ ol δὲ Αἰγύπτιον Βρακλέα, der Epitrapezios sei ein tyrischer Herakles gewesen, von L. 332 nach der Einnahme von Tyros für Alexander, vielleicht mit dessen Porträtzügen, geschaffen. Ein tyrischer Herakles hätte natürlich auch für'Hannibal eine besondere Bedeutung gehabt. Auch ist im Hause der phönikischen Poseidoniasten auf Delos ein Herakles des gleichen Typus (s. u.) gefunden; aber die ganze Kombination ist doch unsicher. An der 50 Tradition wird richtig sein, daß L. den Epitrapezios für Alexander als Tafelaufsatz anfertigte, daß auch Hannibal und Sulla einen solchen (aber nicht denselben) mit sich führten, und der des Vindex wird wohl eine Kopie gewesen sein. Herakles saß auf einem Felsen, über den das Löwenfell gebreitet war, die Rechte hielt den Becher, die Linke die Keule, der Blick ging aufwärts, der Ausdruck des Gesichtes war mild.
16. Eine andere Statue, dessen Ort nicht genannt 60 wird, zeigte Herakles ohne jedes Attribut – Keule, Fell oder Köcher – trauernd, doch wohl auch sitzend. Die Erklärer – nicht sicher, ob nach Absicht des Künstlers – sahen hier den von Eros bezwungenen und entwaffneten Gott: Epigramm des Tullius Geminus (Consul 18 n. Chr., s. o. Bd. VII S. 1051 Nr. 5) Anth. Plan. IV 103, nachgeahmt von Philippos Anth. Plan. [52] Lysippos 52
IV 104. Das Epigramm des Geminus war auf einer verschollenen Basis (Loewy Inschr. gr. Bild. 534) wiederholt, die offenbar eine Kopie dieser Statue getragen hat. Identifikation mit dem Tarentiner Koloß nr. 13 (Heyne. Furtwängler S.-Ber. Akad. Münch. 1902, 436) ist nicht nötig. 17. In Alyzia in Akarnanien waren im Heraklesheiligtum die θθλοί des Herakles, doch wohl in der Zwölfzahl, von L.; schon vor Strabon (X 459) hat sie ein römischer Befehlshaber unter dem Vorwand, sie seien an dem verlassenen Ort zu sehr versteckt, nach Rom entführt. – Eine größere Anzahl von Porträts des L. wird uns genannt. Namentlich hat er Alexander d. Gr. oft dargestellt. Alexander ließ sich vornehmlich (Cic. ad fam. V 12. 13) oder ausschließlich (Arrian. anab. I 16. 7. Val. Max. VIII 11 ext. 2, vgl. auch Himer. Ecl. XXXI 2. Plut. Alex. M. 4) von L. und Apelles porträtieren, nach einer anderen (aus der einfacheren erst herausgesponnenen ?) Tradition (Horat. epist. II 1, 2391Γ. Plin. VII 125. Plut. mor. 335 B. Apul. fior. 7 p. 8, 15 Helm [wo ans Versehen Policle-tus statt L. steht]) gab er sogar einen förmlichen Befehl, daß ihn niemand außer L., Apelles und Pyrgoteles darstellen dürfe. Damit stimmt überein, daß die von anderen Künstlern erwähnten Bildnisse des Königs in die Zeit Philipps bezw. in die Anfangszeit der Regierung Alexanders oder in die Zeit nach seinem Tode gesetzt werden können. 18. Auch L. hat Alexander schon als Knaben porträtiert. Diese Statue (so muß Plin. XXXIV 63 wohl trotz der Härte der Konstruktion verstanden werden [vgl. zu nr. 8]) ließ Nero vergolden, dann, als dadurch die Schönheit des Werkes geschädigt schien, wurde das Gold wieder entfernt und trotz der dadurch entstandenen Beschädigungen erschien die Statue ohne die Vergoldung wertvoller. 19. Von Statuen Alexanders aus seiner Regierungszeit werden zwei besonders erwähnt, die eine zeigte den König zum Himmel aufblickend, den Hals nach der (linken) Seite wendend (Plut. mor. 335 B; ausgeschrieben von Tzetz. chil. XI lOOff.); er stützte wohl die Lanze auf: denn dieses Attribut, ein reales und wirklich eigentümliches, rühmte L. als einen Vorzug seines Alexander gegenüber dem Blitz, den Apelles dem König gegeben hatte (Plut. mor. 360 D) – ähnlich der Gedanke eines auf die Statue gemachten Epigramms (des Asklepiades? Anth. Plan. IV 120): ,ich habe die Erde, Zeus behalte du den Olymp¹. Ob ein anderes Epigramm (von Poseidippos, Anth. Plan. IV 119. Himer, orat. XIV 14) auf dieselbe Statue geht, ist zweifelhaft. Den Alexanderstatnen L.s rühmte man nach, daß neben der Wendung des Halses und dem .Flüssigen¹, »Feuchten' (διάχνακ und ὑγρότης, d. h. Sanftheit, Milde, vgl. Marshall Arch. Jahrb. XXIV 92ff.) der Augen, Dingen, die auch spätere Nachahmer trafen, auch die Mannhaftigkeit, das Löwenmäßige im Blick zum vollen Ausdruck kam. Plut. mor. 335; vgl. Alex. M. 4. 20. Eine überlebensgroße Statue Alexanders zu Pferd, jedenfalls auf dem Bukephalas, hat Caesar umarbeiten lassen, indem er den Kopf des Königs mit seinem eigenen vertauschen und wohl auch die Vorderbeine mit den seinem Leibpferd eigenen gespaltenen Hufen versehen ließ; er weihte sie auf [53] 53 Lysippos
seinem Forum vor dem Tempel der Venus Geni-trix. Stat. silv. 1 1, 8 Plin. n. h. VIII 155 und Suet Caes. 61, die das Pferd ebenfalls erwähnen, wissen von L. als Künstler nichts, behaupten, es sei für Caesar geschaffen worden. Doch ist die Nachricht des Statius, für die es genug Analogien gibt, nicht zu bezweifeln. Vgl. Roscher Ber. Sächs. Ges. XLIII (1891) 99ff. (kein Beweis, daß die »Panzerstatue Caesars auf seinem Forum Plin. XXXIV 18 damit identisch 1 war). Vollmer Statius 228. 21. Ein Alexan-derporträt enthielt auch die Löwenjagd in Delphi, die L. gemeinsam mit Leochares (s. o. Bd. XII S. 1993) gearbeitet hat. In Syrien hatte Krate-ros an einer Löwenjagd Alexanders teilgenommen; zur Erinnerung stiftete er die Gruppe; dargestellt war der mit dem Löwen kämpfende König, Kra-teros, der ihm zu Hilfe kommt, und die Jagdhunde. Der Anteil der beiden Künstler ist nicht sicher zu sondern, jedoch möchte man das Por- 2 trät Alexanders dem L. (den Plinius allein nennt) zuweisen. Die Gruppe stand in einer besondern Kammer nördlich der Tempelterrasse neben dem Aufgang zum Theater. Es sind nur Reste der Umfassungsmauer (nicht der Basis) erhalten. Auf der Rückwand das Weihepigramm; aus diesem geht hervor, daß die Gruppe erst nach dem Tode des Krateros (321) von seinem gleichnamigen Sohne, bezw. da dieser selbst erst 321 geboren war, in dessen Namen geweiht war. Plut. Alex. * 40. Plin. n. h. XXXIV 64. Geyer o. Suppl.-Bd. IV S. 1047. Courby Fouilles ‘. Delphes II 237ff. Pomtow Delphica III 18lff. Poulsen Delphi 591ff. 22. Dagegen gehörte wahrscheinlich kein Alexander zu den Reiterstatuen der am Granikos gefallenen Hetären. Nach Ari-stobul (Plut. Al. M. 16. Arrian. anab. I 16, 7. Iustin. XI 6, 13 [wo die Zahl verdorben ist]), waren es 25; sie standen in Dion. Nach der von Plin. n. h. XXXIV 64 und Vell. Pat. 111, –3 benutzten Quelle hat sie (die Zahl wird nicht angegeben) von dort Metellus (168 v. Chr.) nach Rom gebracht und in seiner Porticus auf dem Marsfeld, die später zur Porticus Octaviae umgestaltet wurde, aufgestellt. Nur in dieser späteren Tradition findet sich die Behauptung, die Statuen seien porträtähnlich gewesen, was schon wegen der Schwierigkeit, authentische Bildnisse der Gefallenen zu erhalten, bezweifelt werden muß. Die Angabe des Velleius ut ... et ipsius quoque (statuam) iis interponeret, ist wohl Mißverständnis einer Bemerkung wie Arrian a. a. O., der bei Nennung des L. hinzufügt: δσπερ καὶ Ἀλέξανδρον μόνος προκρίνεις ἐποίει. 23. Die Statue von Alexanders Freund Hephaistion wurde nach Plin. n. h. XXXIV 64 teils dem L., teils dem Polyklet zugeschrieben. Plinius, der nur den älteren Polyklet kennt, weist die zweite Möglichkeit ab, während man jetzt (Loeschcke Arch. Ztg. 1878, 10ff.), gestützt auch auf die thebanische Inschrift (s. u. nr. 35), in Polyklet einen jüngeren Homonymen, sieht, dessen Werk dem berühmteren, für Alexander in erster Linie tätigen L. zugeschrieben wurde. Es wäre auch denkbar, daß Plinius zwei Statuen des öfter porträtierten Hephaistion zu unrecht identifiziert tat. Die Statue desL. kann natürlich auch nach dem Tode des Hephaistion (324) ausgeführt sein, [54] Lysippos
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gewiß war es Auftrag Alexanders. 24. Ähnlich ist das Porträt des Seleukos zu beurteilen. Eine im 15. Jhdt. in Rom vorhandene, jetzt verschollene Basis trug die Inschrift Σέλευκος βασιλεύς | Λύσιππος ἐποίει (Loewy Inschr. gr. Bildh. 487. IG XIV 1206. Hülsen Röm. Mitt. XVI 171, 39); sie hat wohl nur unter einer Kopie gestanden. Wir wissen also nicht, ob die Bezeichnung des Seleukos als König genau ist, was für die Da-0 tierung (nach 311) entscheidend wäre. Nun hören wir nicht nur von einem Seleukos des Bryaxis (o. Bd. III S. 917, 17), sondern auch von einem des Aristodemos (Bd. II S. 929, 36), der wie L. auch einen Aesop geschaffen haben soll (s. u. nr. 28). Auch hier könnte L. den weniger bekannten Zeitgenossen in der Tradition verdrängt haben; aber Seleukos hat wohl noch mehr Statuen erhalten als Hephaistion. 25. Unbekannt ist Pythes von Abdera, von dem Pausanias VI 1014, 12 in Olympia unter den Athletenstatuen
zwei Statuen erwähnt: ἐποίησε μὲν Λ, ἀνέθεσαν ὄε ol στρατιωταὶ δὺο εἰκόνας – danach waren wohl beide Statuen von L. Pausanias vermutet in Pythes einen Söldnerführer o. dgl. Neben diesen Porträts nach dem Leben stehen solche von Berühmtheiten der Vergangenheit. 26. An authentische Überlieferung der Züge konnte L. anknüpfen bei der Statue des Sokrates. Sie stand im Pompeion zu Athen, Diog. Laert. II 43, wo 50 offenbar infolge Zusammenschiebens der Tradi
tion es so lautet, als sei die Statue ganz bald nach dem Tod des Sokrates aufgestellt worden. Nicht zu bezweifeln ist, daß sie von Staats wegen errichtet war und zwar als eine Art Sühne für die ungerechte Tötung. 27. Ganz auf seine Phantasie angewiesen war dagegen L. gewiß bei der Statue seiner heimischen Dichterin Praxilla (Ta-tian. adv. Gr. p. 34,’8 Schr.), die über 100 Jahre vor ihm gelebt hatte. Wahrscheinlich stand das 40 Werk in Sikyon: in einer Zeit, wo alle Städte
wetteiferten, ihre literarischen Größen auch monumental zu ehren, wollten auch die Sikyonier nicht zurückstehen. Falls der Dichterin schon im 4. Jhdt. die später unter ihrem Namen gehenden Trinklieder zugeschrieben wurden, könnte die Statue identisch sein (Förster Rh. Mus. XL 637) mit der von Plin. XXXIV 63 genannten temulenta tibicina. Jedenfalls ist dies keine ,Genre*figuT, sondern eine bestimmte Persönlich-öOkeit. Die Änderung Klein s .tubicina* ist will
kürlich. 28. Eine halbmythische Gestalt endlich war Aisop. dessen Statue nach dem Epigramm des Agathias Anth. Plan. IV 332 (6. Jhdt. n. Ohr.) L. (.γέρων*) ,vor* (ἔμπροσθεν) den Sieben Weisen geschaffen hat. Daß dies ἔμπροσθεν hier sagen will, L. habe dem Aisop den Vorzug als dem Würdigeren gegeben, die Weisen also nicht dargestellt, hat Förster (Rh. Mus. XL 637) gezeigt; vgl. Lippold Griech. Portraitstatuen 60 74. Einen Aisop kenne wir auch von Aristo
demos, und Visconti hat (Iconogr. Grecque I p. 167, 2) angenommen, das Werk sei von diesem auf L. übertragen worden. Die Statue stand nach Vermutung von Pomtow (Delphica III 154) in Delphi, wo eine Signatur des Aristodemos gefunden worden ist: in Delphi, wo Aisop ermordet worden sein sollte, hatte man Veranlassung, ein Sühnebild aufzustellen. Andererseits [55] 55
Lysippos
behauptet Phaedrus II epit. Aesopi ingenio [var. Aesopo ingentem] staiuam postiere Attiei. Es könnte die Statue des L. doch von der des Aristodemos verschieden gewesen und in Athen gestanden haben, Bernoulli Gr. Ikonogr. I 54. Hausrath o. Bd. VI S. 1714, 12. – Der Tradition der argivisch-sikyonischen Schule folgend hat L. eine größere Anzahl von Siegerstatuen geschaffen. Auch diese galten nicht alle noch Lebenden. Fünf werden in Olympia genannt. 29. Pulydamas von Skotussa hat 408 in Olympia im Pankration gesiegt. Seine von L. gearbeitete Statue ist also erst nach seinem Tode errichtet worden, wann, läßt sich nicht bestimmen, da Skotussa zwar 367/6 zerstört wurde, jedoch bis 322 bewohnt war, die Familie des Pulydamas zudem später irgendwo anders existieren konnte, und vielleicht gerade als Denkmal des einstigen Ruhmes ihrer Vaterstadt die Statue aufgestellt hat; sie galt in Wirklichkeit weniger dem olympischen Sieg als den sonstigen Taten des Riesen, die im (verlorenen) Epigramm genannt und zum Teil an der hohen Basis in noch erhaltenen Reliefs (Olympia III 209ff. Taf. LV 1–3) dargestellt waren: man sieht darauf, wie Pulydamas einen Löwen des Olymps im Ringkampf überwindet, auf der Gegenseite, wie er auf dem erlegten Tier ausruht, auf der einen Langseite, wie er in Gegenwart des Perserkönigs (Dareios II.) und der Frauen seines Hofes einen Perser (mit ἀκινάκης ?) auf den Schultern trägt: drei der »Unsterblichen* soll er zugleich überwunden haben, Paus. VI 5 (vgl. VII 27, 6). Die Statue galt später als heilkräftig gegen Fieber, Lucian. deor. conc. 12 (vgl. Weinreich Antike Heilungswunder 142). 30. Umstritten ist die Frage, ob die Aufstellung gleich ïach dem Sieg oder später erfolgt ist, bei der Statue des Troi-los, Sohnes des Alkinoos aus Elis, der 372 als Hellanodike mit dem Zweigespann, in der folgenden Olympiade mit dem Fohlenviergespann gesiegt hatte, Paus. VI 1, 4. Das Epigramm (auf Bronzetafel, die Signatur des L. muß auf der verlorenen Steinbasis gestanden haben, Inschr. v. Ol. V 166) gestattet, über 368 herabzugehen, ja, obwohl Troilos darin in erster Person redet, auch über seine Lebenszeit. 31. Sicher nach dem Tode errichtet war die Statue des Cheilon von Patrai, eines Ringers, der im Kriege gefallen war. Für die Zeit seiner olympischen Siege hat Pausanias (VI 6, 4) keine Daten gefunden, seine Angaben entstammen dem von ihm mitgeteilten Epigramm. Die Vermutung, er sei im Lamischen Krieg gefallen, gibt er später (VII 6, 5) als Mitteilung eines Exegeten von Patrai an. Ist sie richtig, so gehört die Statue in die spätere Zeit des L., nach 322. 32. Nicht zu bestimmen ist die Zeit des Kailikrates aus Magnesia a. M., zweimaligen Siegers im Waffenlauf, Paus. VI17,3. 33. Der Name eines Siegers im Pankration aus Stratos in Akarnanien, Sohnes des Philandridas, ist bei Paus. VI 2, 1 nicht mehr erhalten. Der Versuch von Hyde De Olymp. statuis 25, Philandridas selbst einzusetzen, ist zu gewaltsam. Die Zeit sucht Hyde auf 372 oder 368 zu bestimmen, da keine der in dieser Gegend der Al-tis aufgestellten Statuen über die Mitte des 4. Jhdts. herabreiche, 364 schon besetzt ist und [56] Lysippos 56
Gleichzeitigkeit mit der Statue des Troilos (nr. 30), die er 368 setzt, wahrscheinlich sei. Die Argumentation ist unsicher: im Gegenteil könnte man schließen, die Statue des Akarnanen sei, da sie als Fremder unter lauter Spartanern steht, erst später eingeschoben worden. Von Siegerstatuen, die in der Heimat aufgestellt waren, kennen wir zwei durch Inschriften. 34. In Phar-salos ist die Signatur des L. (Λ Y LIPP · - · ·) 10 erhalten unter zwei Epigrammen, von denen das eine wahrscheinlich Daoehos, Tetrarchen von Thessalien (s. o. Suppl.-Bd. I S. 338, 16), als Weihenden (nach 338 n. Ohr.) nannte, das zweite dessen Urgroßvater Agias anredet und seine Siege im Pankration – einen in Olympia, je fünf nemeische, pythische, isthmische – feiert Der olympische Sieg fällt sicher vor 408, vielleicht 444 (Th. Klee Zur Gesch. d. gymnisch. Agone 74f.). Die Statue ist also etwa ein Jahrhundert 20 nach dem Sieg gesetzt. Das zweite Epigramm ist wiederholt – mit der Abweichung, daß hier nur drei pythische Siege verzeichnet sind – auf der Basis einer Statue in Delphi. Diese gehört zu einer Serie von Marmorstatuen, einem Familienmonument, das wiederum Daoehos, der selbst mit dargestellt war, geweiht hat (Syll.⁸ 274). Preuner (Ein delph. Weihgeschenk) hat das pharsalische Denkmal für das ältere erklärt, andere, zuletzt Wolters (S.-Ber. Akad. Münch. 30 1913, 4, 40ff.) suchen die Priorität des delphischen zu erweisen. Preuner (Arch. Jahrb. XXXV 68, 1) betont mit Recht, daß das Epigramm die pythischen Siege ganz anders hervorheben müßte, wenn es für Delphi verfaßt wäre; andererseits hat Wolters recht, daß die Hervorhebung der pharsalischen Herkunft in Phar-salos selbst keinen Sinn hat. Vielleicht ist also das Epigramm für einen dritten Ort erdacht, für Olympia: an der Spitze steht, daß Agias als 40 erster Thessaler in Olympia im Pankration gesiegt hat. Die Rivalität mit Pulydamas (nr. 29) ist offenkundig. Die olympische Statue müßte schon vor der Zeit des Pausanias entfernt worden sein: vielleicht war auch sie ein Werk des L. Alle drei Statuen mögen ungefähr gleichzeitig sein; die Differenz in der Zahl der pythischen Siege erklärt sich wohl daraus, daß man zwei davon nicht zu belegen wußte und deshalb in Delphi nicht zu verzeichnen wagte. Wir sind 50 nicht zu der Annahme genötigt, daß auch die
Statue in Pharsalos zu einem Familiendenkmal gehört habe. Vgl. noch Philippart Rev. Belge de Philol. et d'Hist. III 3 (mir nur bekannt aus Phil. Woch. 1924, 1193). – 35. Signatur von Theben, von der Statue des Korveidas, Siegers im Pankration der Knaben, mit Epigramm und Weihinschrift des Vaters. Die Statue ist vielleicht erst nach dem in dem Epigramm anscheinend erwähnten Tode des Siegers errichtet. Sie stand mit anderen auf 60 einer gemeinsamen Stufe von schwarzem Marmor, neben ihr auf dem gleichen Block die des Timo-kles mit Signatur des Polykleitos. Auch hier ist der Tod des Siegers im Epigramm berichtet. Nach den Schriftformen gehören die Inschriften in die Zeit nach dem Wiederaufbau Thebens 316. Sie könnten aber die Erneuerung von älteren sein, der Sieg des Korveidas müßte also, da das Pankration der Knaben 346 eingefühlt wurde [57] 57 Lysippos
und damals ein anderer gesiegt hat, 342 oder 338 fallen (Klee Zur Gesch. der gymn. Agone 85). Die Statue des Timokles, der in der 371 gestifteten Basileia gesiegt hat, muß von einem jüngeren Polyklet sein, vielleicht einem dritten, dem die Statue des Hephaistion (nr. 23) gehört. Loewy Inschr. gr. Bildh. 93. IG VII 2533. Breun er Delph. Weihg. 22. 27. 36. Plinius XXXIV 62 nennt als erstes unter den Werken des L. den Apoxyomenos – die populäre Be-1( Zeichnung, die PHnius durch destringens se übersetzt. Neben diesem Motivnamen ist der Name des Athleten (es kann auch ein in athletischem Motiv dargestellter Heros gewesen sein) verlorengegangen. Agrippa hatte die Statue in Rom vor seinen Thermen aufgestellt. Tiberius brachte sie in seine Privatgemächer, mußte sie aber auf Verlangen des Volkes wieder an den alten Platz stellen. 37. Plinius XXXIV 64 erwähnt allgemein Viergespanne multorum generum, 2 gewiß meist solche für Wagensiege an den großen Wettspielen. 38. Eine Gruppe in der Art der des Krateros (nr. 21), aber nicht notwendig dieselbe, muß die Plin. XXXIV 63 ohne nähere Angaben angeführte Jagd gewesen sein, zu der auch wohl die davor genannten Hunde gehörten. Auch einzelne Tierbilder des L. werden erwähnt: 39. Einen gefallenen Löwen nahm Agrippa (vgl. nr. 36) aus Lampsakos und stellte ihn in Rom bei seinen Theimen im Garten zwi-3 sehen dem Stagnum und dem Euripus auf; vgl. Jordan-Hülsen Topogr. von Rom I 3, 580. Hülsen Thermen des Agrippa 32; vgl. Anm. 1. Der Löwe war wohl ein Grabdenkmal für eine Schlacht, wie die Löwen von Knidos und Chairo-nea. 40. Ein lediges Pferd (πώίος) des L. beschreibt Philippos Anth. Pal. IX 777: Stolz steht es da, mit stechendem Blick, den Hals zurück-gebogen, die Mähne gesträubt. Unsicher ist, ob wir mit diesem ein Pferd identifizieren dürfen, 4 das später im Hippodrom von Konstantinopel stand (Mich. Psellos Anth. App. III 267 (Dübn.). Nicet Chon, de Sign. Const. 861 ed. Bonn.): es hob den einen Vorderfuß, wovon Philippos nichts sagt; Künstler wird nicht genannt. Bei einigen Signaturen läßt sich über das Werk nichts ermitteln. 41. 42. Zwei Basen, nur mit der Signatur, aus Korinth, die eine aus Sandstein, die andere aus dunkelblauem Marmor, mit Einlaß-spuren der Füße: der linke war etwas vorge-1 setzt. Die Schriftformen sind verschieden, Am. Journ. of arch. I Ser. VII 29ff. 43. Basis von Thermon, die Signatur nach den Buchstabenformen relativ früh. Die ursprüngliche Weihinschrift ist nicht mehr vorhanden, der Stein um 250 v. Chr. neu verwendet worden, Sotiriadis Del-tion I 1915, 55 nr. 33. Pomtow Jahrb. d. Inst. XXXII 133. 44. Lindos. Näheres nicht bekannt, Blinkenberg und Kinch Explorât, arch. de Rhodes IV 24 nr. 36. 45. Endlich wird noch – durchaus glaubwürdig – von einer handwerklichen .Erfindung* des L. berichtet. Als Kassan-der um 316 Poteidaia neu als Kassandreia gründete, stellte L. ihm zu Gefallen ein für den Versand des dort verhandelten mendäischen Weins geeignetes Tongefäß her. – Wenn Procop. bell. Goth. IV 21 bei einem ehernen Stier auf dem Forum Pacis auf Pbeidias oder L. als Künstler [58] Lysippos ö«
rat, so ist das natürlich keine Überlieferung von irgendwelchem Wert. Über den Gnom. Vatic. (Wien. Stud. XI 362) 399 dem L. zugeschriebenen Demos vgl. den Art. Lyson.
Die in der Literatur erwähnten Werke des L. stellen natürlich nur eine kleine, teilweise zufällige Auswahl dar. Kein Original ist erhalten, Nachbildungen besitzen wir nur von einem Teil. Die Forschung muß daher weitgehend von) der Stilkritik Gebrauch machen. Die antiken Urteile über die Eigenart des L. (s. u.) sind dabei wertvoll, aber nicht ausreichend. Auszugehen ist vom Apoxyomenos (nr. 36), obwohl die Statue des Vatikan (Braccic nuovo 67. Helbig Führer d. Rom$23. Brunn-Bruckmann 281. 487; überlebensgroß, danach war das Original jedenfalls keine Siegerstatue in Olympia), die als Kopie nach ihm betrachtet wird, äußerlich nicht als solche bezeugt ist. Die Bedeu-)tung der Erfindung, die Übereinstimmung mit dem, was von L.s Stil überliefert ist, sowie mit Werken, die aus anderen Gründen auf ihn zurückzuführen sind, entscheiden für die Zuweisung. Sie wäre allerdings ausgeschlossen, wenn der Agias von Delphi (nr. 34) eine eigenhändige Arbeit des L. wäre oder seinen Stil auch im einzelnen wiedergäbe Es ist jedoch höchstens wahrscheinlich, daß sein Verfertiger, der kein Meister ersten Ranges war, das Werk des L. gekannt Ohat und in den Hauptzügen von ihm beeinflußt ist. Dafür, daß auch die anderen Statuen des thessalischen Weihgeschenkes etwas mit L. zu tun hätten, fehlt jeder Anhalt (Schober österr. Jahresh. XIX/XX 187). Dem Agias in der Stellung, in den Formen dem Apoxyomenos verwandt ist der noch knabenhafte Athlet (? überlebensgroß), Berlin 471. HelbigFührer d. Rom® 1381 (die dort genannten Köpfe Torltonia nach einem anderen lysipnischen Original). Am nächsten steht :0 dem Apoxyomenos der sandalenbindende Hermes (nach Christodor A. P. II 287ff. später in Konstantinopel), der oft kopiert worden ist (Furtwängler-Wolters Glyptothek nr. 287). Er stellt einen Fuß hoch auf, ein nicht erst von L. (K. Lange) in die Plastik eingeführtes Motiv. An den Apoxyomenos schließt sich ferner an ein als Einzelfigur erfundener, in den Bronzekopien der Villa von Herculaneum verdoppelter Ringer (Knabe, Neapel Guida 861/62. Brunn-Bruck-50 m a ἡ n 354. Lippold Kopien 129. 168; der von links gesehene G. 862 hat die ursprüngliche Kopfhaltung), sowie der unruhig sitzende, ebenfalls in einer herculaner Bronze bekannte Hermes (Neapel Guida 841. Brunn-Bruckmann 282. Lippold Kopien 129); ferner eine stark bewegte Statue, von der nur der (leicht bärtige) Kopf bekannt ist (Arndt La Glyptothè-que Ny-Carlsberg pl. 130/31). Sichere Nachbildungen besitzen wir vom Kairos (nr. 11), jedoch, 60 offenbar weil die rundplastische Nachbildung in
Marmor zu schwierig gewesen wäre, nur in Relief und auf Gemmen. Im Gegensatz zu Larner möchte ich Messer und Wage, durch die erst die ganze Bewegung Sinn bekommt, dem Original zuschreiben, dagegen mit Larner ihm die Kugel absprechen, trotzdem sie auf der vorkaiserzeit-lichen Gemme Furtwängler Antike Gemmen XLIII 50 vorhanden ist, deren Verfertiger aber [59] 59 Lysippos
auch das Bewegungsmotiv verändern mußte. Kallistratos und Himerios schildern den Kairos als heranwachsenden Knaben, Poseidippos sagt nichts über das Alter, und auf den Gemmen trägt er einen Bart, ebenso auf dem Relief Montferrand (Petersburg 87 D). Kieseritzky (im Katalog der Ermitage) erklärt die Zweifel an der Echtheit für unbegründet; nach den bisherigen Abbildungen läßt sich die Frage nicht entscheiden. Auf dem Relief in Turin (Arch. Ztg. XXXIII T. 1) hat Kairos keinen Bart; auch dieses kenne ich nicht im Original. Es bleibt also die Möglichkeit, daß der Kairos des L. bärtig war. Auf den Reliefs erscheinen gegenüber den Beschreibungen die Seiten vertauscht, das Messer in der Linken, die Gemmen wechseln. Die Hauptansicht war gewiß die von allen Nachbildungen gegebene, der vorgestreckte Fuß jenseits. – Der bogenspannende Eros (vgl. Helbig Führer³ 776), der in Haltung und Formen dem Apoxyomenos wie dem Kairos verwandt ist, wird wohl mit Recht ebenfalls auf L. zurückgeführt; der Kopf, als der eines Kindes natürlich ganz anders charakterisiert, beweist nichts dagegen. Die Gleichsetzung mit dem thespischen Eros (nr. 9) läßt sich allerdings nicht beweisen; eher kommt der von Myn-dos (nr. 10) in Betracht. Als Schöpfung des L. bezeugt ist der Herakles Farnese (Lippold Kopien 56. Brunn-Bruckmann 285) durch die Inschrift der Wiederholung im Palazzo Pitti (Brunn-Bruckmann 284. Loewy Inschr. gr. Künstl. 506. IG XIV 1254. Amelung Führer 106 [auch für die Echtheit der Inschrift]). Da der Typus auf einer Münze von Sikyon vorkommt, hat ihn Wolters (Bausteine² 1265) mit dem Herakles nr. 13 identifiziert. Die Verwandtschaft mit dem Apoxyomenos ist deutlich bei allen durch die kolossalen Verhältnisse,- die Charakterisierung des ausruhenden Herakles bedingten Verschiedenheiten. An den Herakles schließt sich an der ähnlich aufgelehnte bärtige Satyr mit dem Dionysos-kind (Helbig Führer³ 4), der mit dem athenischen Satyr (nr. 12) identisch sein kann. Im Kopf ist auch ein sitzender Silen (Capitol St. del Fauno Ila (Helbig³ 868, Einzelaufnahmen 2639/40; Milet L V 56 nr. 2) verwandt. Auch der tanzende Silen (Marsyas) Borghese (Helbig³ 1564. Brunn-Bruckmann 435) steht nahe; die starke Drehung kann man dem L. wohl zutrauen. Von dem Herakles von Tarent (nr. 14) 1 besitzen wir nur ganz späte, geringe Nachbildungen auf einem Elfenbeinkästchen des 10./11. Jhdts. in Xanten (Furtwängler S.-Ber. Akad. Münch. 1902, 435ff. Wulff Byzant. Kunst 612. Volbach Kat. d. röm.-germ. Centralmus. nr. 7, 71). Von dem Epitrapezios (nr. 15) haben wir keine deutliche Anschauung. Zwar gibt es eine größere Anzahl von Statuetten, deren Motiv ganz oder im wesentlichen dem entspricht, was uns über das Werk des L. berichtet wird (vgl. Weiζ· i säcker Jahrb. d. Inst. IV 105 (die Londoner Exemplare Brit. Mus. Cat. nr. 1725/26). Picard a. a. O. Torso Delos: Bull. hell. XLIV 296f. Bronze von Pompeii: 19ü2, 573); aber sie weichen in Einzelheiten stark voneinander ab, und ausgesprochen lysippische Formen-gebung läßt sich bei keiner feststellen. Versuche, Kopien aus der Serie der Heraklestaten [60] kysippos 60
von Alyzia (nr. 17) nachzuweisen, haben bis jetzt zu keinen greifbaren Resultaten geführt (vgl. Lippold Jahrb. d. Inst. XXXVII 5). Welchen von den auf korinthischen Münzen verkommenden Poseidontypen die Statue des L. (nr. 6) wiedergibt (Bulle Myth. Lex. III 2888), ist nicht sicher. Wahrscheinlich ist es nicht der mit aufgestütztem Fuß(Imhoof-Gardner Journ. hell, stud. 1885 pl. LI 53), dessen statuarische Nach-10 Bildungen (z. B. Eleusis Bulle Abb. 19) nichts
Lysippisches haben, ebensowenig wie die trotz des gleichen Grundmotivs von diesem ganz zu scheidende Statue des Lateran (Helbig Führers 1188. Brunn-Bruckmann 243), sondern der sitzende (Imhoof-Gardner pl. LI 52), wo die Beinstellung, der runde Rücken an andere ly-sippische Werke (Hermes Neapel) erinnern. Einen lysippischen Poseidontypus sieht Bulle in dem Kopf Chiaramonti 607 (Helbigs 106. Brunn-20 Bruckmann 140); dieser ist verwandt der
Bronze Forman-Loeb, die Sieveking (Bronzen Loeb 41ff. Taf. 17/18) für eine bessere Nachbildung dieses Typus erklärt hat. K. Lange 45 hat für seine Ansicht, daß der Poseidon des L. den Fuß aufgestützt habe, die Nachricht Ghiber-tis über eine Statue mit der Signatur des L. herangezogen, die in Siena zwischen 1334 und 1348 gefunden, 1357 als anstößig wieder entfernt wurde (Loewy Inschr. gr. Bildh. 476. Weitere 30 Literatur bei Klein 367, 1). Über das Motiv heißt es: et aveva in sulla gamba in sulla quäle ella si posava uno alfino. Lange nimmt an, der Delphin habe auf dem aufgestützten Bein gelegen. Doch ist diese Erklärung bestritten: man hat auch an eine Aphrodite mit Delphin als Stütze gedacht (Mahler Rev. arch. I 1903, 36, dessen Vermutung, die Venus Medici sei von L., allerdings unbegründet ist). Natürlich kann L. auch einen Poseidon mit aufgestütztem Fuß 40 gebildet haben, von dem wir keine Nachbildung
kennen. Die Haltung der Loebschen Poseidon-Bronze ist verwandt der der Bronzêstatue eines ,Diadochen‘ im Thermenmuseum (Helbig 1347), die starke lysippische Tradition verrät. Hier ist die eine Hand auf den Rücken gelegt wie beim Herakles Farnese. Ebenso bei dem auch sonst ähnlichen Zeus der Münze von Argos (Imhoof-Gardner pl. LIV K 28), die die Statue nr. 3 wiedergibt In Proportionen und Stellung ist 50 der lysippische Charakter noch deutlich bei den
Münznachbildungen des Zeus von Sikyon (nr. 2 ;
Imhoof-Gardner pl. LIII H 10), Dagegen kann der Zeus von Megara (nr. 4) nicht der altertümliche der Münzen (Imhoof-Gardner pl. L A 4) sein. Von den Porträts des L. ist der Sokrates von Bulle (Beil, der Münchner Neuest. Nachr. 1908 nr. 29) nachgewiesen worden in dem jüngeren Typus (Bernoulli Griech. Ikon. Taf. XXI), der das ältere, Anfangs des 4. Jhdts. ge->0 schaffene Porträt in seiner Wirkung steigert, ver
geistigt, ohne den Anschluß an den von L. selbst in eine vornehmere Sphäre gehobenen Silentypus aufzugeben – am nächsten ist der Silen Borghese (s. o.) verwandt. Die Statue ist vielleicht in einer Kopie in Frankfurt erhalten (Lippold Portraitstatuen 79, 1. 71, 1): unruhiges Sitzen mit vorgebeugtem Oberkörper. Die Verwandtschaft mit den lysippischen Silenen, die Bewegung, [61] 61 Lysippos
das Temperament erweisen als Werk des L. ferner den sitzenden borghesischen Dichter (Ny-Carlsberg 430. Brunn-Bruckmann 477), wahrscheinlich Alkaios (Lippold Portraitstat. 08). Dagegen ist die Zurückführung der öfter kopierten Berliner Tänzerin (Berlin 208) auf die temulenta tibidna (nr. 27) nicht gesichert; das Motiv ist dem borghesischen Silen verwandt.
Von denlysippischenAlexanderporträts kennen wir keines mit Sicherheit. Das einzige Inschrift-1 lieh beglaubigte und am häufigsten in Nachbildungen erhaltene Bildnis des Königs, der Alexander Azara (Bernoulli Die erhalt. Darstellungen Al. d. Gr. 21ff. Studniczka Ber. Sächs. Ges. LXIV 197; zu den Wiederholungen Louvre Cat. somm. 436, 334. Brit. Mus. 1859 kommt noch ein Kopf in Rom, Pal. Albani [Del Drago]), hat eigentlich wenig ausgesprochen Lysippisches, und wenn wir uns mit Winter (Arch. Anz. 1895, 162) die zugehörige Statue nach der Bronze im i Louvre (Cat. 370) vorzustellen haben, so hat auch diese keine engere Verwandtschaft mit anderen uns bekannten Werken des L. gehabt. Viel deutlicher ist der lysippische Charakter bei dem Kopf von Pergamon (Pergamon VII S. 147 Taf. XXXIII. Konstantinopel Mendel Cat. nr. 538); aber der mit diesem verwandte Alexanderkopf der Medaillons von Abukir geht wohl kaum (wie Thiersch Jahrb. d. Inst. XXIII 162 vermutet) auf L.s Alexander mit der Lanze, auch nicht auf ein Ge- mälde (Six Jahrb. d. Inst. XXV 147), sondern doch am wahrscheinlichsten auf Pyrgoteles zurück. Von der ganzen Figur gibt am ehesten die Bronze Nelidow (Wulff Alexander mit der Lanze) einen Begriff. Eine Nachbildung der Löwenjagd des Krateros (nr. 21) hat Löschcke (Jahrb. d. Inst. 1Π189) auf dem Belief einer Rundbasis aus Messene im Louvre (Cat. somm. 858) erkennen wollen; die Vermutung haben Wolters und Sieveking (Arch. Jahrb. XXIV 190) durch· Vergleichen mit den auf Leochares zurückgeführten Platten des Mausoleums gestützt (vgl. auch Studniczka Arch. Jahrb. XXXVIII/XXXIX 72): die Kombination bleibt unsicher (nicht erklärt ist die Wiederkehr des Beilschwingers als Herakles auf einer Tonform von Akragas (Rizzo und Petersen Röm. Mitt. XII 8. 270 Taf. XI). Nach dem Relief wäre der König von links zu Pferd, Krateros mit dem Beil von rechts auf den Löwen eingedrungen. Plutarch müßte die beiden verwechselt haben, da er den König im Nahkampf dem Löwen gegenübertreten läßt, während es nach dem Epigramm Krateros war, auf dem Relief aber nur einer zu Fuß kämpft. Über die Alexanderbildnisse L.s vgl. Waldhauer Über einige Portraits Alexanders d. Gr. (Diss. Münch. 1903) 60ff. Schreiber Stud. über das Bildnis Alexand. d. Gr. (Abh. Sächs. Ges. XXI, III) 17ff. Bernoulli Die erhalt. Darstellungen Alexanders d. Gr. 1. 141. 152. Für den Seleu-kos (nr. 20) käme allenfalls der von Wolters Röm. Mitt IV 32ff. auf Seleukos und vermutungsweise auf den des L. gedeutete Bronzekopf in Neapel (Guida 890. Arndt-Bruckmann 101/2. Delbrück Ant. Portr. 22) in Betracht; jedoch stammt dieses Bildnis anscheinend aus den späteren Jahren des Königs, die L. kaum erlebt hat, auch ist die Verwandtschaft mit dem Apoxyomenos nicht [62] VÄI
so schlagend, daß der Kopf nicht auch auf einen anderen Künstler zurückgehen könnte. Den Aesop (nr. 28) kann man sich sehr wohl verwachsen denken, aber die Statue eines Buckligen in Villa Albani (nr. 964; Helbig Führer® 1859. Arndt-Bruckmann 787–790), die man früher Aesop genannt hat, stellt wahrscheinlich einen Mann (Philosophen?) aus der Zeit Marc Aurels dar. Das einzige Werk, das wir zwar nicht von der .0 Hand des L., aber doch aus seiner Werkstatt besitzen, die Basis der Pulydamas-Statue (nr. 29), ist zu verstümmelt, um mehr über den Stil des Meisters zu lehren: was zu erkennen ist, Bewegungen und Proportionen, bestätigt, was wir sonst wissen; aber z. B. die Beste von Frauengestalten auf der Basis genügen nicht, um die Art, wie L. weiblichen Körper und Frauengewand dargestellt hat, zu erkennen. Zum Frauentypus des L. vgl. Hekler Münchner Arch. Stud. 197, 10178; ohne genügende Begründung). Versuche, irgendwelche Tierbilder, wie das mit der Kopie des Aporyomenes zusammen gefundene Pferd im Conservatorenpalast (Helbig Führer® 955, vgl. Schlözer Böm. Mitt. XXVIII 146f. 174) oder die verwundete Hündin Barracco (Helbig® 1140) auf L. zurückzuführen, können zutreffen, ohne daß es sich beweisen ließe.
L. ist immer zu den allergrößten Meistern der Plastik gerechnet worden. Von den ,Later-10 culi Alexandrin? (Diels Abh. Akad. Berl. 1904) um 100 v. Chr. an erscheint er in Zusammenstellungen mit Polyklet, Pheidias, Myron usw. (Cic. de or. III 7, 26. Auctor. ad Herenn. IV 6, 9. Vitruv. III praef. 2. Colum. I praef. p. 21. Suid. s. χειρουργοί und ἀγαλματοποιοί); bei Varro r. r. III 2, 5 allein als Vertreter der Plastik mit dem Maler Antiphilos. Nur selten fehlt er, so stets bei Lukian. der ihn überhaupt nur zweimal, in der Schrift Ζεὺς τραγφδούμενος (o. zu 40nr. 6. 7. 12), nennt: vgl. Blümner Arch. Stud.
zu Lukian 32. Der strenge Klassizismus, dem die Werke des 5. Jhdts. als vollkommen gelten, sträubte sich offenbar gegen seine Anerkennung.
L. scheint nicht wie so viele seiner Zeitgenossen, wie schon Polyklet, selbst über seine Kunst geschrieben zu haben. Die von ihm berichteten Äußerungen sind daher nicht ohne weiteres als authentisch zu betrachten, und ein Ausspruch wie der im Gnomol. Vatican (Stern-50 b a c h Wien. Stud. XI 62) 400 angeführte über eine schlechte Statue: sie sei schwer zu verurteilen, denn wegen der Menge der Fehler wiese man nicht, wo anfangen, ist wohl ursprünglich autorlos. Aber aus der Schule des L. ist Xeno-krates hervorgegangen, der noch gute Tradition verwerten konnte. Was L. nach seiner Ansicht gewollt und erreicht hat, referiert anscheinend (nach Varro) Plin. n. h. XXXIV 65: L. erscheint hier als der Vollender der Plastik. Das Haar 60 wußte er erst wirklich wiederzugeben, die Köpfe bildet er kleiner als die ,Alten*, die Körper zierlicher und ,trockener,* um so den Statuen größere Schlankheit zu verleilien: die Proportionen veränderte er ganz systematisch, aus den quadratae staturae, dem Mittelmaße wird eine künstlerisch wirksamere Gestalt: die Alten, war sein Wort, bildeten die Menschen wie sie sind, er, wie sie erscheinen (der Ausdruck ist ganz klar, in der [63] 63 Lysippos
Kontroverse zwischen Kekulé und Schöne Arch. Jahrb. VIII 39ff. Arch. Anz. 1898, 181ff. behält Schöne recht). Bis in die kleinsten Einzelheiten erstreckt sich die Berechnung. Dabei werden die Alten, d. h. Polyklet, nicht gering geschätzt. L. konnte den Doryphoros seinen Lehrmeister nennen, Cic. Brut. 296: von Polyklet lernte er, ein Proportionssystem konsequent aus-zubanen. Wenn er sich noch so sehr von dem freimachte, was er bei seinen Vorgängern als Unvollkommenheit empfand, als Künstler lernte er doch von ihnen (Varro 1.1. IX 18). Im Vergleich mit seinem Sohne Euthykrates nennt Plin. XXXIV 66 (wieder nach Xenokrates) Constantia und eie-gantia als Vorzüge, die er zu vereinigen wußte. Mehr ein Laienurteil gibt Quinet, inst. XII 10, 9, wenn er ihm Lebenswahrheit Méritas) wie dem Praxiteles zuschreibt, und Properz III 7, 9, der die Beseeltheit seiner Statuen rühmt.
Auch wir haben von den Werken L.s noch soviel Anschauung, daß wir versuchen können, das antike Urteil nachzuprüfen und zu ergänzen. Hier sei nur auf einige Punkte hingewiesen. In den Aufgaben, die er übernahm, ist L. ganz Kind seiner Zeit: Die Gottheiten, die er vor allem darstellt, sind Zeus, das Vorbild der Könige, und Herakles, der alle Gefahren trotzig und aus eigener Kraft bestehende Held, beides Gestalten, die für die Alexanderepoche ganz neue Bedeutung bekommen. Ebenso ist charakteristisch der rein als begriffliches Wesen aufgefaßte Kairos. Bildnisse schafft er zunächst wieder von den irdischen Herrschern, dann von .Berühmtheiten' der Vorzeit, denen auch einige der Athleten zuzurechnen sind. Athletenstatuen boten, da auch bei lebenden die zufälligen Porträtzüge in der Regel ausgeschaltet waren, für die eigentlich künstlerischen Probleme, die Durchführung des ' neuen Körperideals die dankbarsten Aufgaben. Aber L. steckt gegenüber Polyklet, der nur den jugendlichen Körper gelten läßt, die Grenzen weiter: auch für die fetten, ganz unathletiechen Formen älterer Männer interessiert er sich. Die Frauen treten zurück; es laßt sich nur – vor allem nach der Antiochia seines Schülers Eutychides – vermuten, daß er auch in der Gewanddarstellung neue Wege ge sucht hat.
Den Eindruck des voll Körperlichen, die Verschmelzung der verschiedenen Ansichten erreicht L. durch Rundung der Einzelform wie durch kompositionelle Mittel, Übergreifen der Anne, Drehung des Körpers u. dgl. Dabei wird doch eine Hauptansicht, eine Art von Reliefwirkung herausgearbeitet: auch der gegen den Beschauer vorgestreckte Arm des Apoxyomenos dient nur als Richtlinie, als Maßstab für die Tiefenausdehnung.
Charakteristisch für L. ist die Geschlossenheit der Komposition, bei der alle Linien wieder in sich zurückzulaufen scheinen (vgl. Krahmer Röm. Mitt. XXXVni/XXXIX 147. 157; nur darf man den Begriff der Konzentration nicht zu eng fassen, auch Statuen, bei denen einzelne Richtungslinien in den Raum hinauszugehen scheinen, wie der Zeus von Argos (nr. 3), der Alexander Nelsdow, der ,Diadoch‘ des Thermenmuseums, gehören hierher; Krahmers ,offene Form'ist ein Phantom). Wesentlich ist, daß keine Seite, keine Richtungsaxe einseitig bevorzugt wird: so schei- [64] Lysis
det zwar auch L. Stand- und Spielbein, aber die Last erscheint viel mehr auf beide Beine verteilt, wenn sie nicht überhaupt eine Unterstützung außerhalb der Figur bekommt. Dieses ,Nervöse* zeigt sich dann auch in dem oft weit in die Ferne gehenden Blick.
Bei alledem, was wir aus den Nachrichten und Nachbildungen zu erschließen versuchen, ist nicht zu vergessen, daß von den Feinheiten des 10 Bronzegusses, die gerade bei L. wie bei Polyklet besonders gerühmt werden, uns keine Anschauung geblieben ist. Ein »Vollender* der griechischen Plastik ist er gewiß gewesen. Nach ihm kommt kein Meister von annähernd gleichem Bang.
L. hat zahlreiche Schüler gehabt. Wenn er wirklich »Autodidakt* war, so ist wohl auch sein Bruder Lysistratos (s. d.) durch ihn ausgebildet worden. Als Schüler genannt werden seine Söhne Boidas (s. o. Bd. III S. 594, 7), Daippos (o. Bd. 20IV S. 2013, 58) und Euthykrates (o. Bd. VI S. 1507, 48), außerdem Phanis (s. d.), Eutychi-des (o. Bd. VI S. 1532, 34. Suppl.-Bd. III S. 458, 22) und Chares (o. Bd. III S. 2130, 15).
Brunn Gesch. der griech. Künstler I 358. Overbeck Schriftquellen 1443–1512.· Klein Gesch. d. griech. Kunst II 346. K. L a n g e Das Motiv des aufgestützten Fußes 1979. E. Loewy Lysipp und seine Stellung in der griech. Plast. 1891. Collignon Lysippe. Cultrera Mem. 30 Acc. Line. XIV 177. Waldhauer Lysipp, Berl. 1923 (russisch; mir nicht zugänglich).