RE:Marius 16
| Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft | |||
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| C. Der falsche Marius, gab sich als Enkel des C. Marius aus | |||
| Band XIV,2 (1930) S. 1815–1817 | |||
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| Register XIV,2 | Register m | ||
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16) C. Marius, der falsche Marius. Appian. bell. eiv. III 8 beginnt den Bericht über ihn: Ἀμάτιος ἤν i Ψευδομάριος· Μορίου γὰρ νπεκρίνετο υἰωνος εἶναι καὶ διὰ Μάριον ὑπερήρεσκε τῷ δήμῳ. Daraufhin wird seit Sigonius bei Liv. ep CXVI das hsl. chamates verbessert: G. Ama-Hu», humillimae sorti» homo (vgl. ep. XLIX von [1816] Marius 1815
dem falschen Philippos: Andriscus ... ultimae sortis homo), qui se C. Mari filium ferebat, cum apud credulam plebem seditiones moveret, neca-tus est. Die Angabe C. Mari filius ist ebenso wie die bei Nic. Damasc. v. Caes. 14, 32: ὁ λεγόθ°θ ‘‘ Μορίου παῖς (insofern ungenau, als der Betrüger nicht den Kimbernsieger für seinen Vater ausgab, sondern dessen gleichnamigen
Nr- ⁶ Mai· K 15, 1: C. Marium 0 Vu consulem arum sibi vindicando. Appian.), so daß er als seinen mütterlichen Großvater den Redner L. Crassus in Anspruch nahm (Cic. ad Att. XII 49, I. XIV 8, 1). Val. Max. IX 15, 1 nennt ihn Herophilus oeularius medicus (schlechtere Lesart: aequarius medicus; daher o. Bd. VIII S. 1104 Nr, 1: ,Augenarzt* = S. 1110 Nr. 5; ,Pferdearzfi). Cic. Phil. I 5 spricht verächtlich ™R faffifavus m, qui in Mari nomen infuserai; ähnlich ist auch der falsche Gracchus, L. Equi-0 tius (Bd. VI S. 322f.), an den bereits Val. Mar. als an ein Gegenstück erinnert, bei Appian. I 141 ὄραπετης εἶναι νομιζόμενος. Vielleicht sind die scheinbar verschiedenen Angaben dahin zu vereinigen, daß der Abenteurer ein ehemaliger Sklave war, der als Arzt nach einem berühmten Vertreter des Faches (Bd. VIII S. 1104ff.) benannt war, was öfter vorkam (vgl. F r i e d 1 ä n -der Sittengesch. Roms» IV 201), und dazu den römischen Namen seines früheren Herrn annahm.
) Er trat 709 = 45 während des spanischen Krieges als Enkel des alten Marius auf und gewann bei dem niedere Volke großen Anhang (Liv. Appian. [s. o.]), so daß et coloniae se veterano· rum complures et municipia splendide collegiaque fere omnia patronum adoptarent (Val. Max.). Mitte Mai wandte er sich als C. Marius C.f.C.n. in einem längeren Schreiben an Cicero, der darüber ad Att. XII 49, 1 berichtet: Agere mecum per cognationem, quae mihi secum esset, per
- eum· Marium, quem scripsissem, per eloquentiam L. Crassi avi sut, ut se defenderem, causamque suam mihi perscripsit; Cicero verwies ihn an Caesar, der ja auch sein Verwandter und jetzt der alleinige Gebieter sei. Dieselbe Antwort erteilte ihm der noch vor dem Dictator aus Spanien heimkehrende junge Großneffe Caesars, C. Octans, der spätere Augustus (Nic. Damasc. v. Caes. 14, 32f. mit Jacobys Kommentar): Obgleich einige Frauen der Familie den angeblichen M. anerkannt hatten, hatte die Mutter des Octavius, Atia, ebenso wie ihre Schwester, ihm die Anerkennung verweigert (ähnlich die überlebende Schwester der Gracchen seinerzeit dem falschen Gracchus s. Bd. VI S. 322, 58ff. II A S. 1445, 47ff.); jetzt kam M. mit großem Gefolge dem Octavius auf dem laniculum entgegen und forderte, gestützt auf seine Anhänger, Begrüßung als Verwandter; der Jüngling gab die taktvolle und ausweichende Antwort, daß Caesar das Haupt der Familie und des Staates sei, und daß dessen Entscheidung sein eigenes Verhalten bestimmen werde. Sogar nachdem der Dictator selbst in Rom eingetroffen war, drängte sich das Volk um den Betrüger, so daß jener ihn zur Vermeidung größeren Ärgernisses aus Italien verbannte (Val. Max.). Die Notiz bei Plut. Caes. 51, 2, daß dem Caesar ἡ Ἀμαντίου φιλαργνρία zum Vorwurf gereicht habe, ist von Ed. Meyer Caesars Mon-
[1817] 1817
Marius
archie 374, 2 mit Unrecht auf M. = Ἀμάτιος bezogen worden; sie geht nach Cichorius (Röm. Stud. 245ß.) vielmehr auf C. Matius (s.d.). Kurz nach Caesars Ermordung tauchte M. wieder in Rom auf und fand die Gelegenheit günstiger als je, um eine politische Rolle zu spielen (Val. Max.). Schon am 12. April 710 = 44 schrieb Cicero aus Funda (ad Att. XIV 6, 1): Sxspecto quid de Mario, quem quidem ego sublatum rebar a Caesare; dann am 15. April aus Fonniae (ebd. 1 7, 1): Posiridie Idus Paullum Caietae vidi, is mihi de Mario et de re publica sane pessima, und an demselben Tage aus Sinuessa (ebd. 8, 1): De Mario probe (ernsthaft), etsi doleo L. Crassi ne-potem (ironisch). M. warf sich als Verwandter des ermordeten Caésar zu dessen Rächer auf; er bedrohte mit den Banden seiner Anhänger die Caesarmörder (Appian. III 3. 6) und den ganzen Senat (Val. Max.); er errichtete an der Stätte, wo die Leiche verbrannt war, einen Altar und führte hier die göttliche Verehrung des Toten ein (ygl Mommsen Histor. Schr. I 182, auch Heinen Klio XI 133f.). Darauf machte in jenen Tagen um den 13. April der Consul Antonius unter Zustimmung seines Kollegen Dola-bella und zur Befriedigung des Senats mit M. kurzen Prozeß, ließ ihn festnehmen und ohne Untersuchung im Gefängnis erdrosseln, was freilich bei dem niedern Volke lebhafte Erbitterung und Unruhe erregte (ausführlich Appian. III ί 3–0 vgl. 18. 57. 142. 235; kürzer Cic. Phil. I 5 [s. Herm. XLVII 173]. Liv. ep. CXVI. Val. Max.).