RE:Maximus 40

Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Neuplatonischer Lehrer des Kaisers Iulian
Band XIV,2 (1930) S. 25632570
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Maximus

gelehrt und dort auch Libanios zu seinen Schülern gehört habe, läßt sich aus den von Seeck Die Briefe des Liban. (Texte u. Unters, z. Gesch. d. altchristl. Lit. XXX [1906] 208) dafür angeführten Stellen (Lib. ep. 659, 4f. 775, 1. 1383, 1) nicht mit Sicherheit erschließen. Wohl aber wurde er, wie aus diesen Stellen hervorgeht, von Libanios hoch geschätzt und war auch durch persönliche Freundschaft mit ihm verbunden. Dafür, daß er auch als Rhetor wirkte, wäre Lib. epist. 659, 4 (Μάξιμοθί δὶ ὅν οὐκ ἐμαράνθη τὸ χρημάτων λόγων) kein Beweis (vgl. zum Gebrauche von λόγοι Lib. epist. 665, 4). Jedenfalls steht er Lib. epist. 309, 3 als Lehrer der Philosophie dem Libanos als Lehrer der Rhetorik gegenüber (vgl. auch Lib. ep. 665, 2). Die Libaniosbriefe 665 aus dem J. 361 und 1451 aus dem J. 363 setzen seinen Tod voraus.

RE:Maximus 40

40) Der neuplatonische Lehrer Kaiser Iulians.

Quellen. Ein besonderer Artikel in Euna-pios’ Βίοι φιλοσόφων καὶ σοφιστῶν (im folgenden zitiert nach der Ausg. Boissonades im Wester-mannschen Philostratos [Paris 1849]), Ammianus Marcellinus, Iulian. Libanios, Themistios, Zosi-mos, dazu die Kirchenväter Sokrates, Sozomenos und Theodoretos. Über den hierher gehörigen Suidasartikel s. u. Die Quellenbelege sind für die einzelnen Lebenstatsachen zusammengestellt bei Seeck Die Briefe des Libanios, zeitl. geordnet, Texte und Unters, z. Gesch. der altchristl, Lit. XXX (1906) 208ff. Für die Briefe des Iulian und die Reden und Briefe dçs Libanios s. auch die Register der Ausgg. von Bidez-Cumont und Förster. Libanios und die Iulianbriefe zitiere ich nach diesen Ausgaben, Iulians übrige Schriften nach Hertlein. Aus der neueren Literatur kommen für M s Verflechtung in die Zeitgeschichte neben Seeck Die Briefe usw. und Gesch. d. Unterg. d. ant. Welt IV, Berl. 1911, namentlich G. R. Sievers Das Leben d. Liban., Berl. 1868, und J. Geffcken Kaiser Iulianus, Lpz. 1914, Der Ausg. des gr.-röm. Heident, Heidelb. 1920, in Betracht.

Eunap. 473, 17 berichtet, daß er mit M. νέος ἔτι χηοαιφ συνειύγχανε. Sieht man einmal von der Formelhaftigkeit dieser Wendung (s. Philol. Wochenschr. 1921, 356) ab, so wird man, da Eunapios’ Geburt nach 478, 38ff. 493, 35f. auf etwa 346 zu bestimmen ist, die des M. spätestens ins zweite Jahrzehnt des 4. Jhdts. zu setzen haben. Ein noch früherer Ansatz – spätestens zu Anfang des Jahrhunderts – ergibt sich daraus, daß M. zur Zeit seines ersten Einflusses auf Iulian (351/2 nach lui. epist. 111 p. 172. 7f. B.-C.) bereits γέρων war (lui. Misop. 455, 23. 456, 4). Seine Begegnung mit Sosipatra, die in seine Jugendzeit fällt – er ist stolz ὡς ὅν ἤδη θεαῖς ὀμίλων, wird von der Seherin mit ω τέκνον angeredet und erhält von ihr moralische Lebens-aoweisung (Eunap. 47o, 2. 15ff.) – gibt soweit ich sehe chronologisch nichts aus. Als Ephesier wird M. von Amm. Marc. XXIX 1, 42 und Socr. hist. eccl. III 1, 16 bezeichnet. Von seinem Bruder Nymphidianos sagt Eunap. 497.24, er stamme aus Smyrna. Möglich ist, daß dort die Heimat der Familie war und die Angabe von Ephesos als Vaterstadt des M, darauf zurückzuführen ist, daß er dort zur Zeit des folgenreichen ersten Zusammentreffens mit Iulian seinen Wohnsitz hatte. Ebenso könnte aber auch bei Nymphidia- [2564] Maximus 2564-

nos eine Vertauschung von Heimat und Wohnsitz vorliegen (vgl. Eunap. 473, 34). Selbstverständlich kann Smyrna für ihn auch beides gewesen sein. Bei Liban. or. 14, 32. 18, 155 (vgl. auch 13, 12) heißt M. schlechtweg Ionier. Seine philosophischen Studien machte er in Pergamon, wo die syrische Schule des Iamblichos durch Aidesios ihre Fortsetzung gefunden hatte. Mit diesem war er verwandt und gehörte neben Chrys-10 anthios, Eusebios und Priskos zu seinem vertrautesten Schülerkreise (Eunap. 469, 45f. 473, 35. 474, 7). Als nun Iulian nach erlangter Studienerlaubnis den Unterricht des weitberühmten Aidesios begehrte, verwies ibn dieser seines hohen Alters und körperlichen Leidens wegen an die jüngere Schulgeneration, und zwar, da Μ· in Ephesos, Priskos in Hellas abwesend waren, an Eusebios und Chrysanthios. Beide hörte der Prinz längere Zeit. Eusebios pflegte seine Vorlesung 20 mit einer Warnung vor den mit Sinnenbetrug und Kräften der Materie arbeitenden Zauberkünsten zu schließen und erzählte dem Schüler auf dessen Bitte um nähere Aufklärung von einer Produktion des θεατρικὸς θαυματοποιὸς Μ., in der er das Angesicht einer Hekatestatue nach Weihrauchspende und Preislied sich hatte beleben und die Fackeln in ihren Händen entzünden lassen. Sofort begab sich Iulian mit dem Rufe: ,Das ist der Mann, den ich suchte!* nach Ephesos (Eunap.

30 474, 3–4 75, 34). Hier*) führte ihn M. in die Phi Iosophie ein, und es entwickelte sich nun die bis zu Iulians Lebensende andauernde Freund schäft zwischen beiden Männern und eine überschwengliche Verehrung des Jüngers für den Meister, die später in der Sentimentalität des 26. Iulianbriefes und in der Hintansetzung aller höfischen Etikette durch den Kaiser beim Empfang des Lehrers inmitten einer Senatssitzung (Liban. or. 18, 155f. Amm. Marc. XXII 7, 3) ihren sehr 40 bezeichnenden Ausdruck fand» Was er M. verdankt, rühmt lui. or. 7 p. 304, 24ff., darunter auch den besänftigenden Einfluß auf sein stürmisches Wesen (vgl. auch Misop. p. 455, 23ff.**). Wenn Iulian 305, lOf. bemerkt: βιβλία ταῦτα ἀνεγίγνωσκον, ὀπόοα αὐτός (sc. καθηγεμῶν) Ôoκιμάαειεν, so hat man wohl in M. auch den Anreger von Iulians Iamblichstudien zu erkennen. Lie Bekehrung des Prinzen zur antiken Religion erscheint in heidnischer wie christlicher über-501ieferung als Wirkung seines Unterrichtes (Liban.

or. 12, 34. 13, 12. 18, 18, wo bei den τοῦ Πλά- [2565] 2565

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τωνος γεμοντες wohl in erster Linie an M. neben Chrysanthios und Eusebios gedacht ist; Socr. hist. eccl. III 1, 18 p. 372a M. Sozom. V 2, 16 p. 1216b M.), und ohne Zweifel hatte er auch an den späteren Bestrebungen seines Schülers zur Wiederherstellung des Götterkultus erheblichen Anteil (vgl. Liban. ep. 694, 4f.), wogegen eine stärkere Beteiligung an den im engeren Sinne politischen und den militärischen Maßnahmen des Kaisers nach Eunapios bei Suid. s. Ὑπαίθριον kaum wahrscheinlich ist. Nach der Thronbesteigung berief ihn Iulian nach Konstantinopel, und schon mit diesem Rufe begann noch in Kleinasien für ihn eine auch auf seine philosophische Gattin überstrahlende Glanzzeit des Ruhmes und der Gunstbewerbung, die ihn dann am Herrschersitze selbst zu Hoffahrt in Lebenshaltung und Verkehrsformen, vielleicht auch, wie nach seinem Sturze geglaubt wurde, zu unrechtmäßiger Bereicherung verleitete (Eunap. 476,43ff. 477, 13ff. 478, 46. Gegen das Bereicherungsgerücht Liban. or. 18, 287). Auf Widersacher, die ihm schon zu dieser Zeit erstanden, läßt Liban. ep. 694 (aus dem J. 362) schließen. Den Feldzug gegen Persien machte M. im Gefolge des Kaisers mit – einen ihm aus Antiocheia entgegengesandten Willkommensgruß enthält Liban. ep. 694 – und war bei dessen Tode zugegen (Eunap. 478, 17f. Amm. Marc. XXV 3, 23). Die christliche Reaktion unter lovians kurzem Regiment blieb für den Philosophen ohne schlimme Wirkung (Eunap. 478, 25), wohl aber erfolgte eine Wendung zu seinen Ungunsten unter Valen-tinian und Valens. Eine Krankheit, an der beide lange darniederlagen, führten sie auf heimlichen Zauber zurück, wie das Gerücht ging, um dadurch gegen Iulians Freunde Mißgunst zu erregen (Amm. Marc. XXVI 4, 4). Die Untersuchung ergab nichts Belastendes, aber die Hasser ließen nicht ab, die Menge gegen die Männer des iulia-irischen Kreises aufzureizen. Für Valentinian lag ein Grund zur Verfolgung des M. im besonderen darin, daß dieser ihn unter Iulian wegen Religionsfrevels denunziert hatte (Zosim. IV 2, 1f.). M. wurde zu seiner Rechtfertigung an den Hof gebracht. Das Toben der Masse in den Theatern und die Drohungen der Soldateska mischten sich mit den Hetzreden der einzelnen vor dem Thron, und das Ergebnis war die Verhängung einer ungeheuren Geldstrafe (Eunap. 478, 44ff., vgl. Themist. or. 7 p. 99d 100a). Zu ihrer Erlegung wurde M. nach Asien entsandt, vermutlich weil er dort von Hause aus begütert war (Eunap. 478, 48, vgl. 473, 30). Unerträgliche körperliche Torturen gingen zur Seite, die in ihm den Gedanken an Selbstmord reifen ließen. Seine Frau kaufte das verlangte Gift und tötete sich selbst damit, M. aber trat von seinem Vorhaben zurück (Eunap. 478, 49ff., vgl. Lib. or. 18, 287). Die Erlösung brachte durch gewaltsame Vertreibung der folternden Soldaten der Proconsul Asiae Klearchos. der seine eigene Gunst bei Valens benutzte, um auch M. wieder zu Ehren zu bringen. Noch in Asien hielt dieser einige Epideixeis, wohl in Anknüpfung an sein Schicksal, und kehrte dann zn dem gewohnten philosophischen διαλέγεσθαι zurück. Daß die Epi-deixeis nicht zündeten – ὅν γὰρ ἔεφυκει πρὸς θεατρον bemerkt Eunap. 480, 6f. – hinderte nicht [2566] Maximus 2566

den Stimmungsumschwung zu seinen Gunsten. Nachdem er in kurzem auch wieder zu Reichtum gekommen war, zog er im alten Glanze wie zu Iulians Zeiten in Konstantinopel ein und verhalf, von aller Welt gefürchtet oder verehrt, auch der Theurgie zu neuem Aufschwung (Eunap. 480, llff.). Aber gerade der wiedergewonnene Ruhm wurde ihm zum Verhängnis. Als Autorität in Sachen der Mantik wurde er über den Sinn eines zweifelhaften 10 Orakelspruches befragt – es handelte sich um die dem Theodorosprozesse zugrunde liegende Weissagung – und prophezeite nun unter anderem dem Valens einen Tod ohne Grab und Grabes-ehren. Er wurde in Antiocheia, dem damaligen Aufenthaltsorte des Kaisers, einem für ihn günstig verlaufenden Verhör unterzogen, dann aber doch durch den blutgierigen Proconsul Festus (vgl. o. Bd. VI S. 2257) im J. 372 hingerichtet (Eunap. 480,17ff., der Z, 52ff. die Bewahrheitung 20 der Orakeldeutung hervorhebt, Amm. Marc. XXIX

1, 42. Zosim. IV 15, 1).

Die geschichtliche Bedeutung des M. liegt wesentlich in seiner Stellung zu Iulian als dessen Lehrer und Förderer seiner neuplatonisch ratio-nalisiertenWiederbelebung des hellenischen Kultus, für die auch Mantik und Theurgie als Mittel der Glaubensstärkung und Propaganda von größtem Belange waren. Daß M. zu dieser Rolle neben einem imponierenden Äußeren (Eunap. 473, 19 if.) 30 durch Willensstärke und Tatkraft, nicht zum wenigsten auch durch den Ehrgeiz sich persönlich durchzusetzen, vorzugsweise geeignet war, lehrt eine Vergleichung mit den von Eunapios gezeichneten Charakterbildern anderer Philosophen der kleinasiatischen Schule. Aidesios war schon vor der iulianischen Reform ein alter Mann, aber auch in seinen jüngeren Jahren hatte sein Schüler Eunapios wenig von iamblichischem θειασμος verspürt, vielleicht, wie er bemerkt, infolge seiner 40 Scheu vor der antihellenisch christlichen Tendenz des konstantinischen Regiments (Eunap. 461, 42 ff.). Der nüchtern gelehrte Eusebios wollte von theurgischen Maßnahmen, die er mit den Kunststücken gewöhnlicher Prestidigitatoren auf die gleiche Stufe stellte, nichts wissen (Eunap. 474, 45ff.). Chrysanthios, in religiöser Schwärmerei zwar ein Genosse des M., war zaghaft. Die Berufung an den byzantinischen Hof, die ihn zugleich mit M. traf, lehnte er wiederholt, auch als der Kaiser 50 dringend wurde, wegen ungünstiger Vorzeichen ab und mußte sich von M. belehren lassen, daß man in solchen Fällen nicht zu weichen, sondern von den Göttern durch unablässiges Anliegen ihre Zustimmung zu erzwingen habe (Eunap. 474,35ff.; 476, 43ff.; 477, 40ff.; 500, 50ff.). Priskos war eine verschlossene Natur, die auch prinzipiell ein Heraustreten in den Meinungskampf abwies (Eun. 481,33ff) . Eunapios'Charakteristiken, entschieden eine Stärke des sonst nicht ohne Grund Vielge-60 schmähten, kommen hier dem geschichtlichen Verständnis sehr wesentlich zu Hilfe.

Aber M s Tätigkeit ging in seinem religiöspraktischen Wirken nicht auf. Wie zahlreiche Neu-platoniker eine abstruse, in Wunderglauben und Zauberwesen gipfelnde Mystik mit regem Sinne für ernste Wissenschaft verbanden, so auch M., und wir haben keinen Grund, das von Amm. Marc. XXIX 1, 42 (vgl. auch Eunap.475, 8) seiner Gelehr- [2567] 2567 Maximus}}

samkeit gespendete Lob als unglaubwürdig zu beanstanden. ïm mündlichen Lehrbetriebe glänzte er durch scharfe Disposition und dialektische Gewandtheit und überstrahlte dadurch die leichte, anmutvolle Darstellungsweise des Eusebios (Eunap. 474, 38 ff.). Damit vereinigt sich gut, daß er nachweisbar literarisch auf dem Gebiete der Logik arbeitete. Durch Simpl. in Categ, 1, 15f. K. bezeugt ist ein Kommentar zu Aristoteles* Kategorien, in welchem M. über eine bloße Erklärung derXan/yoß/ai hinaus auch auf die Probleme selbst einging* allerdings in nicht sehr tiefdringender Weise und zumeist in Übereinstimmung mit Alexander von Aphrodisias. In einem Kommentar zur Ersten Analytik könnte die Erörterung über die zweite und dritte Schlußfigur gestanden haben, auf die Amm. in Anal. pr. A p. 31,16ff. W. Bezug nimmt. Die Möglichkeit ist freilich nicht ausgeschlossen, daß es sich um eine von M. nur mündlich vorgetragene Ansicht handelt, über die Iulian in seinem Buche Περὶ τῶν τριῶν σχημάτων (Suid. s. v. Γουλιανὸς ὁ παραβάτης, lui. ep. 12 und p. 211 Bid.-Cum.) referierte. Daß Iulian für M. und andere Vertreter der gleichen Ansicht, denen sich M. anschloß, gegen Aristoteles und Themistios Stellung nahm, sagt Ammonios a. 0, ausdrücklich. Wenn Suidas in dem, wie sich zeigen wird, von Bedenken nicht freien Schriftenverzeichnis des M. nur ein ὑπόμνημα εἰς Ἀριστοτέλην (ohne Angabe des Gegenstandes) erwähnt, so ist das natürlich kein entscheidendes Indiz gegen einen Kommentar zur ersten Analytik neben dem Kategorienkom-mentar. Übrigens könnte eine Schrift über die Schlußfiguren, wenn auch vielleicht kein vollständiger Kommentar zur Analytik, unter den ἄλλα uw πρὸς τὸν αὐτὸν Ἰουλιανόν am Schlüsse des Sui-dasartikels begriffen sein. Sie wäre dann wohl dem Kaiser als eine der Unterlagen für die Entscheidung des Streites zwischen M. und Themistios überreicht worden. An der Identität des von Simplikios genannten M. (ὁ ἈΙδεσίου τοῦ Ἰαμβλιχείου μαθητῆς, mit dem des Ammonios ἀκροατῆς Ἰερίου τοῦ Ἰάμβλιχου ἀκροατου) zu zweifeln besteht kein Grund: aus der Zeit des M. sind uns zwei philosophische Traget des Namens Hierios bekannt, von denen er einen sehr wohl neben Aide-sios gehört haben kann*). [2568] Maximus

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Zur Entscheidung, ob noch andere Schriften des M. bezeugt sind, bedarf es einer Auseinandersetzung mit dem Suidasartikel, welcher lautet: Μάξιμος Ἠπειρώτης ἡ Βυζάντιος, φιλόσοφος, διδάσκαλος Ἴουλιανον Καίσαρος τοῦ Παραβάτου, ἔγραφε Περὶ ἄλυτων ἀντιθέσεων, Περὶ καταρχῶν, Περὶ ἀριθμῶν, Ὑπόμνημα εἰς *Αριστοτέλην καὶ ἄλλα τινὰ πρὸς τὸν αὐτὸν Γουλιανόν, Ein Epeirote M. ist sonst nicht bekannt. Wenn hier der Lehrer Iulians 10 mit dieser Herkunftsbezeiehnung erscheint, so wird eine Verwechslung mit Priskos vorliegen, der von Liban. or. 1, 123; 14, 32 Epeirote, von Eunap. 474, 8 f. Thesproter oder Molosser genannt wird. Die beiden Männer bilden innerhalb der Umgebung Iulians ein enges, zusammengeschlossenes Paar und erscheinen in unseren Quellen nicht selten als einzige aus dem Kreise nebeneinander, so Lib. or. 14, 32 (mit Heimatsangabe). 34. Eunap. 478, 17. 29f. Ammian. Marc. XXV 3, 23. Suid. s. Ὑπαί2θ θριον. Dadurch wird eine Verwechslung der Herkunftsbezeichnung infolge eines Versehens innerhalb der in Suidas ausmündenden Tradition wohl verständlich. Der Epeirote M. darf also verschwinden. Bleibt der Byzantier. Der Ausweg, in ihm unsern M. mit Rücksicht auf dessen Leben und Wirken in Byzanz zu erkennen, ist verschlossen durch Socr. hist. eccl.III 1, 16: Μάξιμος ὁ φιλόσοφος, οὐχ ὁ Βυζάντιος ὁ Εὐκλείδου πατήρ, ἄλλ* ὁ Ἐφέσιος, ὅν ὕστερον ὡς μαγγανείας ποιοῦντα ὁ βασι3θ1ii; Οὐαλενπνιανὸς ἄναιρεθηναι ἔκελευσε. Es gab also nach dieser sehr bestimmten Angabe einen von dem Iulianlehrer verschiedenen Byzantier M., und bei Suidas sind beide konfundiert. Durch diese Konfusion wird nun auch seine Schriftenliste unzuverlässig und bedarf der Kontrolle. Der Kommentar ist durch die oben angeführte Simpli-kiosstelle als M.s Eigentum geschützt. Auch unter den übrigen Schriften ist keine, die schon dem Titel nach für M. unwahrscheinlich wäre. Daß 40 der Neuplatoniker eine symbolisierende Zahlentheorie aufgestellt und einen astrologischen Traktat (zum Gegenstände von Περὶ καταρχῶν vgl. Boll o. Bd. X 8.2484) verfaßt haben könnte, bedarf keines Wortes. Auch eine rhetorische Abhandlung Περὶ ἀλύτων ἀντιθέσεων wäre ihm angesichts der mehrfachen Verbindung rhetorischer und philosophischer Interessen bei Neuplatonikern, wie Synesios, Syrian, Damaskios, um so weniger von vornherein abzusprechen, als er Epideixeis 50 hielt und auf dem Grenzgebiete von Dialektik und Rhetorik seine Stärke hatte (Eunap. 480, 5f.,

| PeM | SeP durch Antistrophe der zweiten Prämisse auf die erste Figur, SaM | MeP) SeP reduziert werden müsse, um vollkommen zu sein, oder nicht. Der eigentliche Führer der Gegnerschaft gegen Aristoteles in diesem Punkte war der Andronikosschüler Boethos. An ihn schloß sich dann die ganze Kette der neuplatonischen 50 Logiker von Porphyrios über Iamblich zu Hierios, Maximos und Iulian und weiter zu Syrian, Proklos und den Alexandrinern Hermeias und Ammo-nios, während bezeichnenderweise der Spätperi-patetiker Themistios zur aristotelischen Orthodoxie zurückkehrte. Begründungen der einander entgegenstehenden Ansichten legt der Scholiast zur Ersten Analytik p. 157 a 14ff. Brandis dem M. und dem Aristoteles bezw. Themistios in den Mund. [2569] 2569

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474, 38f.). Aber es fehlen auch für die beiden erhaltenen Traktate Περὶ τῶν ἄλυτων ἀντιθέσεων und Περὶ καταρχῶν zur Zurückführung auf den Ephesier alle positiven, in Überlieferung oder Inhalt gegründeten Anhaltspunkte, wie sie bei der Verbreitung des Namens Maximos und der Wirrnis des Suidasartikels erforderlich wären. Die rhetorische Abhandlung (Rhet. Gr. V 577ff.W.) trägt, soweit die Überlieferung bekannt ist, nur den Namen eines Maximos ohne nähere Kennzeichnung, 10 und die Durchführung des Themas verrät mit keiner Spur den Platoniker. Auch für Περὶ καταρχῶν (letzte Ausg. v. A. Lud wich, Lips. 1877) läßt sich aus der defekten Überlieferung nur ein nicht näher bezeichneter Maximos als Autor zurückgewinnen, und auch die zahlreichen Auszüge in astrologischen Sammelhandschriften (vgl. die Indices zum Catal. cod. astrol. Graec.) führen nicht weiter. Auch die Schrift selbst weist nach den Ergebnissen neuerer Beurteiler seitKoechly auf 20 eine Zeit, die der des M. mehr oder weniger, nach einigen um Jahrhunderte, vorausliegt (vgl. L u d -wich S. VII. Kroll bei Seeck Die Briefe d. Lib. 210, 1. Riess o. Bd. II S. 1815). S. u. Nr. 44.

Alles in allem ist M. wie in seinem Wirken, so auch in seinem Wesen eine für das 4. Jhdt. bedeutsame Erscheinung. Es geschieht ihm Unrecht, wenn man ihn, wie vielfach üblich, kurzerhand als Schwindler abtut*). Daß das Christentum seiner und der nächstfolgenden Zeit ihm abhold 30 war und z. B. Theodoret hist. eccl. III 28, 2 in seiner Philosophie nur den Deckmantel für Zauberei und eine ruhmredige Weissagekunst erblickte, kann nicht wundernehmen. Aber das geschichtliche Urteil der Neueren sollte von höherer Warte aus erfolgen- Auch M. hat ein Anrecht darauf, mit Rücksicht auf Anschauungen und Maximen seiner Zeit und Umwelt gewertet zu werden. Ehrlicher Aberglaube und Zugänglichkeit für Suggestion gehörten in seinem Kreise wie in dem der 40 Gegner zum Zeitbilde und mußten auf Seiten des ausgehenden Heidentums um so üppiger gedeihen, als unter dem Drucke des erstarkenden Christentums die Sehnsucht, den alten Göttern Hilfe für die Aufrechterhaltung ihres Kultus abringen zu können, an Lebhaftigkeit zunahm. Soweit aber bei den Maßnahmen der Theurgie bewußte Täuschung vorlag, behalten die gerechten Bemerkungen Zellers Kl- Schr. II 85f., über den frommen Trug auf dem Gebiete literarischer Über- 50 lieferung auch für den frommen Trug des Theias-mos ihre Geltung: jedes Urteil hat hier die Mo- [2570] Maximus

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tive zu berücksichtigen. Nun waren freilich die Beweggründe,des M. nicht durchweg lauter und ideal. Ruhmsucht und Machthunger beseelten ihn in starkem Grade und treten auch in der Darstellung seiner Schulgenossen, eines Eusebios (Eun. 475, 16) und Eunapios (477, 34ff. 478, 6ff.) deutlich hervor. Aber daß er im Grunde keine gemeine Natur war und religiös-sittlicher Ernst ihm nicht fehlte, dafür bildet doch die dauernde Freundschaft des redlichen und trotz mancher Fehlgriffe nicht blinden Idealisten luLan und seine Anerkennung der durch M. genossenen ethischen Förderung ein unverächtliches Zeugnis.

[K. Praechter.]

RE:Maximus 41

41) Prmg.d. i. Redelehrer (Flut. Συμπ. προβλ. 1X4, 1. 1, 1. Jeuckens Diss. philol. Argentorat. XII 378) am Gymnasium Diogeneion in Athen (s. o. Bd. V S. 734) während der Studienzeit Plutarchs beim platonischen Diadochen Ammo-nios (Συμπ. προβλ. IX 1, 1. Graindor Chronologie des arch. Athen. Acad. Belg. Mém. 2. sér. VIII 89), d. i. 66 n. Chr. Plutarch läßt den M. als Teilnehmer eines gelehrten Gastmahles auftreten, das sein Lehrer Ammonios unter Beiziehung vieler Gelehrter und ziemlich aller seiner Schüler den namhaften Lehrern an jenem Gymnasium gab, als er während seiner Strategie eine Prüfung der Schüler dort abhielt. Plutarch knüpfte da gewiß an wirkliche Vorgänge an: Ammonios wird nach der Inspektion im Diogeneion die bedeutenderen Lehrer eingelalen und die Tischunterhaltung so gestaltet haben, wie sie Plutarch schildert. Um nämlich zu vermeiden, daß auch Fachgenossen einander φΜλογὰ ζητήματα zur Beantwortung vorlegen (Συμπ. προβλ. IX 2, 1). ginger von der Gepflogenheit bei gelehrten Gastmählern, Fragesteller und Beantworter auszulosen (s. o. Bd. XIIIS. 2523,3·), ab und bestimmte, daß der Geometrielehrer dem Grammatiker und der Musiklehrer dem Redelehrer und umgekehrt gelehrte Streitfragen zur Beantwortung vorlegen sollen. Damit wurde der peirastisch-ihetorische Charakter der Unterhaltung gesichert und Fachwissenschaftlichkeit, die für die anderen Zuhörer zum Teil unverständlich und so langweilig gewesen wäre, vermieden (vgl. Arist. top. IX 11 p. 172 a 25; rhet. I 2 p. 1355 b 26). Plutarch dürfte ebenfalls getreu der Wirklichkeit berichten (Συμπ. προβλ. IX 1, 1), daß der Wetteifer und die Streitlust der disputierenden Lehrer im Laufe des Gelages zunahm. Diese Bemerkung macht das Eingreifen des Redelehrers M. (Συμπ. προβλ. IX 4, 1) verständlich. Der Elementarlebrer (γραμματιστῆς) Zopyrion macht sich Iustig über die spitzfindige, naturwidrige Kuriositatenjägerei (IX 3, 3) im Problem des Geometers Hermeias für den Grammatiker Protogenes (Mengis Stud. Gesch. Kultur d. Altert. X 5, 69). Offenbar im Unmut darüber will nun Hermeias dem Zopyrion eine Frage stellen; doch greifen die Anwesenden (IX 4, 1) ein und nun fragt der scheinbar unparteiische, da außer Kombination mit Zopyrion stehende, Redelehrer M. diesen ein weit hergeholtes, aber dem Studienkreise Zopyrions nicht fremdes, Problem aus Homer: an welcher Hand verwundete Diomedes die Aphrodite? Zopyrion bleibt die Antwort schuldig und so löst M. selbst nicht ohne scharfe Ausfälle gegen Zopyrion die