RE:Melampus 8
| Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft | |||
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| Grammatiker | |||
| Band XV,1 (1931) S. 399–404 | |||
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8) [...] [400] [401] [402] [403] [404] 399 Melampus
Akarnanen, der den Spartanern "bei Thermopylai den Untergang vorhersagt, und dessen Epigramm von Simonides er VII 228 mitteilt, als Melam-podiden. Daraus, daß noch in dieser Zeit Seherfamilien sich von M. ableiteten, erklärt Dümmler 197, 1 die vielen Varianten der M.- Sage.
RE:Melampus 2
2) Erscheint als einer der drei Dioskuren und Sohn des Atreus neben Alkon (o. Bd. I S. 1579) und Tmolos in der Liste bei Cic. nat. deor. III 53; vgl. über ihre Herkunft BobethlO De indicibus deorum, Lpz. 1904.
RE:Melampus 3
3) Begleiter des Herakles und Vater des Kissens und Gyas bei Verg. A en. X 320, vielleicht mit Nr. 3 identisch-
RE:Melampus 4
4) Heros Eponymos von Melampeia in Lydien nach Xanthos frg. 25 (FHGI 43). Vater des Pro-gasos nach Steph. Byz. s. Προγάσεια.
RE:Melampus 5
5) Schriftsteller und ἰερογραμματεῦς, schrieb nach Artemid. III 28 ein Buch περὶ τεράτων καὶ σημείων. [Goebel.] 20
RE:Melampus 6
6) Verfasser einer Schrift περὶ παλμῶν μαντική sowie von περὶ ἐλαιῶν τὸν σώματος. In beiden wird ein König Ptolemaios angeredet. Beide sind herausgegeben von S y 1 b u r g Aristo-telis varia opuscula (Frankfurt 1589) und von Franz Scriptores physiognomiae veteres (Altenburg 1780); erstere außerdem von Diels Abh. Akad. Berl. 1907. C. E. Ruelle La palmom-antique, Rev. de philol. XXXII (1908) 137ff. Christ-Schmid II D 228, 2. [Raeder.] 30
RE:Melampus 7
7) Hund des Aktaion; 5 gl. Fragm. adesp.
RE:Melampus 8
8) Dieser Grammatiker gehört zu den sieben unter ihren Verfassernamen bekannten Erklärern*) der τέχνη γραμματική des Dionysios Thraî (s. Cohn o. Bd. V S. 977–983. Gudeman o. Bd. VII S. 1793–1796), nämlich Choiroboskos, aus dem 6. Jhdt. (s. Hoerschelmann 39–76. Hilgard S. XVI. XXIVf. Cohn o. Bd. III S. 2363–2367), sodann in weiterem zeitlichen 40 Abstand Heliodoros (s. Hilgard S. XIV-XVIII), Porphyrios, Gregorios (ebd. XXI), Stephanus (s. Gudeman u. Bd. ΠΙΑ S. 2399–2401), Diomedes und Melampus (s. Hoerschelmann S. 6–37. HilgardS.X-XIII). Scholien des letztgenannten zu § 1–8. 11. 19–20 finden sich unter der Aufschrift Μελάμπ ὄδ ὁ ς γραμματικου ἐρμηνεία τῆς τέχνης Διονύσιον τὸν Θρθκός in einem cod. Vindobonensis gr. 240 (= F), im cod. Hauniensis 1965 (= K), ohne Titel und am Schluß 50 (ab S. 64, 13) verstümmelt im cod. Vatic. gr. 1766. [400] Melampus
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Genau dieselbe Scholienmasse, meist durch Bei-Schriften gekennzeichnet, ist ferner in einem umfangreichen cod. Vaticanus gr. 14 (c. 13. Jhdt.) überliefert, der aber auch andere Dionysiosscholien enthält (C = Σν bei Hilgard). Eine Vergleichung dieser Hss. führte zunächst zu dem sicheren Ergebnis, daß auch § 5. 7–10 und Schluß von 11 ebenfalls dem M. zugeschrieben werden müssen und daß die große, durch kein äußeres Merkmal gekennzeichnete Lücke (§ 12 – 18) schon in dem Originalcodex des M. vorhanden war. Dieser völlig aufgeklärte Tatbestand (für alles Einzelne verweise ich auf Hilgard a. O.) wird nun stark durch folgenden Umstand wieder verdunkelt. Diejenigen Partieen des M. in Συ zu § 1–6, die mit denen in F genau überstimmen, kehren nämlich in einem Cod. Barroccianus 116 wieder und zwar mit der Überschrift Διομήδους σχολαστικου εἰς τὴν Διονύσου τέχνην und derselbe Name kommt auch in Beischriften des cod. Mar-cianus 489 (V = Σθ) und einem Neapolitanus Burbonicus II D 4 (N) sehr oft vor. In V und N begegnet ferner dreimal die Beischrift Διο~ μήδους καί. Στέφανον, letzterer aber niemals in Verbindung mit Μελάμπους, dagegen beruft sich Tzetz. ad Lycophr. v. 31 einmal in einer Kleinigkeit auf Στέφανος καὶ Μέλαμπος... ἄξιονσι usw. (s. dazu Stephanus a. O.). Aus dieser verblüffenden Diskrepanz *) erwächst ein schwieriges Problem, um mich der Sprache der Scholiasten zu bedienen**), das letzten Endes den ganzen Fragenkomplex nach dem Verwandtschaftsverhältnis dieser Scholienkompilationen untereinander und ihren Primärquellen umfaßt. Diese Untersuchung ist, wie ich auf Grund mancher Einzelbeobachtungen schließen mochte, keineswegs aussichtslos, aber eine auch nur teilweise befriedigende Lösung ist als condicio sine qua non nur von einer erschöpfenden Konkordanz des Inhalts und des Sprachgebrauchs zu erhoffen. Im allgemeinen soll darüber im Suppl.-Bd. V Art. Scholien (Dionysios Thrax) gehandelt werden, hier kommt es zunächst darauf an, die Doppelverfasserschaft (Melampus- -Diomedes) bei identischem Inhalt, wenn möglich, aufzuklären. Es sind dafür bisher meines Wissens zwei Vermutungen aufgestellt worden. L. Lange (bei Hoerschelmann 29), dem dieser wie auch Hilgard zustimmte, äußerte sich wie folgt: ,Auf mich machen diese Scholien des Melampus den Eindruck von Kollegienheften. Die Duplizität des Namens würde sich erklären, wenn man annähme, daß einer der Nachfolger des andern sei und das Heft seines Vorgängers benutzt habe. Es ist das freilich zunächst nur eine Vermutung, die aber um so mehr zu erwägen sein möchte als unzweifelhaft auch andere byzantinische Produkte Kollegienhefte sind/ [401] 401 Melampus
Diese Ansicht modifizierte Cohn (o. Bd. V S. 827) dahin ,es ist aber auch möglich, daß wir es hier mit Kollegienheften zweier Schüler eines unbekannten Lehrers zu tun haben'. Keine dieser Hypothesen hält einer näheren Prüfung stand. Die letztere wird allein schon durch die M. und Diomedes gemeinsame große Lücke ausgeschaltet, denn dieser postulierte Dozent kann unmöglich so überaus wichtige Partien der τέχνη in seiner ἐρμηνεία übergangen haben, auch ist es eben nicht 10 wahrscheinlich, daß durch einen höchst seltsamen Zufall jener schwere Verlust im Laufe der Zeit an derselben Stelle zwei Kommentaren zugestoßen sein sollte, die unter dem Namen zweier Verfasser überliefert waren. Endlich wäre unter der Voraussetzung der Nachschrift zweier Zuhörer die sehr weitreichende Übereinstimmung in Inhalt und Form sowie die identische Wiedergabe derselben Zitate und der paradigmatischen Teile geradezu eine psycholo· 20 gische Unmöglichkeit, was durch zahlreiche moderne Erfahrungen ausnahmslos bestätigt wird. Es genügt hier auf die zum Teil sogar stenographisch nachgeschriebenen Kolleghefte hinzuweisen, nach denen Vorlesungen Hegels und L. Traubes veröffentlicht wurden. Das zuerst erwähnte Bedenken fällt auch entscheidend gegen die Hypothese L a n g e ’ e ins Gewicht, da es nicht denkbar ist, daß M. die fehlenden Teile der τέχνη unberücksichtigt ließ, und wenn ein späterer Kol- 30 lege, nämlich der σχολαστικό: Diomedes, dessen Vorlesungen »benutzt* hätte, wie sich Lange stark euphemistisch ausdrückt, so ist es durchaus unwahrscheinlich, daß er die große Lücke gar nicht bemerkt haben sollte, da dies seinerseits auf eine völlige Unkenntnis der τέχνη selbst hinausgelaufen wäre; bestehen doch unsere Scholien aus Erklärungen, die sich an unmittelbar vorhergehende Lemmata des Textes anknüpfen. Dazu kommt ein weiterer, ebenso schwerwiegender Einwand. 40 Ich weiß zwar nicht, auf welche Indizien hin gerade die Scholien des M. auf Lange den Eindruck von Kollegienheften machten. Unsere Scholien bedienen sich durchaus der traditionellen Scholiastensprache und Ausdrücke wie z. B. ἐμάθομεν, μεμαθήκαμεν (so auch Choiroboskos II 192, 25, ὤζ ἐν τῆ τέχνη Διονυσίου μεμαθήκαμεν, Heliodorus S. 71 u. ö., M. und Diomedes S. 23. 49), Ἰστέον, ἄξιον ζητήσαι, ζητήσειε ἄν τις, δεὶ εἰδέναι, διὰ τὶ δὲ εἰπομεν, τὶ οὐν ἔστι τόνος; 5( πώς und ähnliche belebende Fragen, λοιπὸν δεὶ νῦν τὴν ζήτησιν ... ἠμάς γνώναι, φημὶ δὲ, Ἴδον νῦν USW. begegnen uns bei M. auf Schritt und Tritt, sei es wörtlich oder in ganz ähnlichen Wendungen, in den Scholienkonglomeraten nicht nur des Dionysius Thrax, sondern auch in anderen Scholien-corpora wieder. Sie sind daher in Quellenfragen nach keiner Seite hin beweisend, kommen doch alle derartigen Floskeln ebenso oft auch da vor, wo es sich zweifellos nur um ὑπομνήματα handelt, 6( nicht um Interpretationen ἀπὸ φωνῆς, wie der technische Terminus lautet. In den Scholien zu Dionysios Thrax kann ich überhaupt nur eine Stelle anführen – die Indices versagen in diesen Dingen vollständig –, die ebenfalls eine Deutung auf einen mündlichen Vortrag allenfalls zuließe, nämlich Heliodorus S. 78, 24 μὴ ἀκούων, ω τὰν... ταραχθῆς, wenn sich der Verfasser nicht [402] Melampus 402
hier an jemanden wendet, zu dessen Nutz und Frommen er sein ὑπόμνημα bestimmt oder dem er es dediziert hatte. Gegen eine Nachschrift ἀπὸ φωνῆς sprechen endlich auch längere Ausführungen, wie der ganze Anfang (S. 10–22), der, wie sich leicht zeigen ließe, in der uns vorliegenden Fassung niemals von einem Zuhörer nachgeschrieben oder von einem Dozenten ex cathedra vorgetragen sein konnte. Dasselbe gilt z. B. auch von 32–34 mit längeren tabellarischen Übersichten und von der unten zitierten Stelle *). Wir haben es hier nicht mit einer ἀκρόασις, sondern mit einem von vornherein schriftlich abgefaßten ὑπόμνημα σχολαστικόν zu tun.
Da die Zuweisung mancher Scholien an M. der Sicherheit entbehren, glaubte Hoerschel-mann 18–26 ein ausschlaggebendes Kriterium für dessen Verfasserschaft in der relativen Häufigkeit einiger stilistischen Wendungen in den handschriftlich bezeugten Melampodea entdeckt zu haben. Er fand den gewichtigen Beifall Hilgards, der noch φημὶ δὲ hinzufügte, und m. W. bisher überhaupt keinen Widerspruch, so daß die Gefahr besteht, daß das betreffende Ergebnis zur unausrottbaren communis opinio wird. Ich muß daher auf die Sache etwas näher eingehen. Es handelt sich in der Hauptsache um folgende Ausdrücke: αὐτό; (statt des weit üblicheren ὁ τεχνικός, Διονύσιος und des selteneren ὁ τεχνογράφος), ὡς εἰρηταὶ (προείρηται) und ἐπιφέρει. Die Beobachtung ist an sich richtig, ja die 12 Beispiele Hoerschelmanns für αὐτός lassen sich noch um 18 weitere vermehren. Wenn nun aber M. neben αὐτός auch ὁ τεχνικός, ὁ Διονύσιος, ὁ αὐτὸς Διονύσιος öfter anwendet, so findet sich andrerseits, was jene Gelehrten unerwähnt ließen, nicht nur wiederholt αὐτός, z. B. bei Stephanus und Helio-dorus, sondern sogar zweimal αὐτὸς ἐπιφέρει (He-liodorus S. 313, 35. 332, 30). Der Ausdruck scheint i also von M. zwar bevorzugt, ist ihm aber keineswegs eigentümlich, so daß weitgehende Schlüsse auf eine stilistische Originalität oder Selbständigkeit des M. nicht berechtigt sind. Vor allem hinfällig ist aber die auf den ersten Blick zwingende Folgerung, daß nun Diomedes der spätere und von M. sklavisch abhängige Abschreiber gewesen sein muß. Bei der durchgängigen Übereinstimmung zwischen beiden, auch in diesen Dingen, könnte mit demselben Recht das umgekehrte Ver-) hältnis angenommen werden, da wir über dieLebens- [403] 403 Melampus
zeit dieser Scholiasten keinerlei Kunde besitzen, es sei denn, daß deren Tätigkeit erwiesenermaßen nach Choiroboskos fallen muß. Auch die relative Reichhaltigkeit und Gelehrsamkeit des Stephanus und Heliodorus, mit ihren erlesenen Zitaten (Aikman, Sappho, Stesichoros, Sophokles¹ Odysseus Akanthoplex, δ γὰρ παρὰ τῶ Θεοφίλῳ τῶ κωμικω Φεράποον ἐν τοῖς Ἀπόδημοι?, Euphorion) im Vergleich zu der auffälligen Dürftigkeit des M. und seines Zwillingsbruders Diomedes, die sich mit ganz verschwindenden Ausnahmen ausschließlich auf Homer beschränken, ergeben keine brauchbaren chronologischen Kriterien, da der handgreifliche Unterschied auf Kürzungen beruhen kann, die jene magistelli, je nach ihren didaktischen Zwecken, vorgenommen hatten. Aber auf ein, auch von mir seinerzeit übersehenes Zeitindizium (s. u. Bd. III A S. 2399), wenn auch nicht für M., so doch für Stephanus, mag hier nachträglich hingewiesen werden. In einem Ste-phanusscholion (S. 239, 12) wird unter einer Reihe paradigmatischer Beispiele auch folgendes angeführt: ποιος Στέφανος; δ ἰατρός. Nun kennen wir einen berühmten Arzt und Erklärer des Hippo-krates dieses Namens, dessen Zeit allerdings auch strittig ist, der aber doch wohl nicht früher als etwa um die Mitte des 7. Jhdts. angesetzt werden kann. Da nun dem Grammatiker schlechthin zahllose andere Persönlichkeiten für seinen Zweck hier zur Verfügung standen, so dürfte es mit der Wahl seines Namensvetters doch wohl eine besondere Bewandtnis gehabt haben. Er wird dessen Zeitgenosse, vielleicht auch ein Verwandter gewesen sein, in jedem Fall aber bietet das Zitat, wenn nicht einen terminus ad quem, so doch zweifellos einen solchen post quem. DoCh dies nur nebenbei.
Die meines Erachtens einfachste Lösung der oben behandelten Aporien scheint mir folgende zu sein. Die Scholien des M. und Diomedes sind eine genaue Abschrift, die auf ein gemeinsames Exemplar zurückgeht, das bereits die große Lücke aufwies und selbst schon ein Exzerpt aus einer Quelle darstellte, in dem der reichhaltige Stoff, besonders zwecks einer Elementarisierung des Inhalts, zurechtgestutzt war. Wenn ich dieser Erklärung den Vorzug vor einer anderen' Möglichkeit gebe, daß nämlich einer dieser ὕπομνηματιαται einen Vorgänger, sei dies nun M. oder Diomedes, abschrieb, so geschieht dies in der Überzeugung, daß dann doch wohl der Kürzungsprozeß wie in vielen analogen Fällen noch weitere Fortschritte gemacht hätte, als wenn zwei Grammatiker unabhängig voneinander ein und denselben älteren Gewährsmann kopiert hätten. Eine weitere Bestätigung dieser Ansicht erblicke ich darin, daß M. und Diomedes bei sonstiger Übereinstimmung doch gegenseitig kleine Zusätze und Lücken aufweisen (s. das Variantenverzeichnis Hilgards), die nur unter der Voraussetzung der hier angenommenen Entstehungsweise eine einwandfreie Erklärung ermöglichen. Den Namen des Verfassers der Vorlage des M. und Diomedes können wir freilich nicht erraten, es mag sogar ein Anonymus gewesen sein, was den beiden Abschreibern es jedenfalls etwas leichter gemacht hätte, ihre Apographa mit ihrem eigenen Namen zu versehen. Wenn nicht alles täuscht, haben sich ganz analoge Vor- [404] Melampus
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gänge in der Überlieferungsgeschichte der Rhe-tores Graeci, insbesondere der Scholien zu Her-mogenes, abgespielt, was hier nur eben angedeutet werden kann.
Der wissenschaftliche Wert dieser M.-Diomedes-Scholien ist, ganz abgesehen von ihrer Lückenhaftigkeit, die sie mit den anderen Exzerptensammlungen teilen, nicht hoch anzuschlagen, worauf oben bereits hingewiesen wurde. Aber auch 10 der Inhalt ganzer Kapitel, wie z. B. des § 6 περὶ στοιχείου (S. 30–47), verglichen mit der Erörterung in den Scholia Vaticana (S. 182–204), reicht zur Bestätigung dieses Urteils aus und gibt uns zugleich einen Begriff von dem Reichtum der alten Primärquelle, deren Entstehung, um dies nebenbei zu bemerken, wohl nicht viel später als Apollonios Dyskolos und Herodian, die vielfach benutzt sind, anzusetzen sein wird.
Dazu kommt, daß charakteristische, indivi-20 duelle Züge, polemische Äußerungen u. dgl. bei M.-Diomedes, im Gegensatz zu Stephanus und Heliodorus, uns nirgends begegnen. Sie begeben sich jeden eigenen Urteils. Es scheint mir notwendig, diese auffällige Tatsache an einigen Beispielen anschaulich zu machen, und zwar bemerke ich, daß die von Heliodorus geübte Kritik einen stark polemischen Einschlag aufweist, während die des Stephanus mehr auf eine Verteidigung des Dionysios gegen seine Widersacher hin-30 ausläuft. Heliodorus S. 69, 9: ἀγνοεῖν μοὶ δοκεῖτε.
70, 29 μεμπτέος ἐστιν οὐτως ἀποφηνάμενος (S. 87, 29 πάλιν μέμψεως ἄξιος ὁ τεχνογράφος... ἔδει γὰρ ὄντως εἰπεῖν). 71, 9ff. 12ff. 29 οἷς ου χρὴ πείθεσθαι. 77, 24 τούτο οὐκ ἐδήλωσε, λέγομεν δὲ ἠμεῖς. 89, 8 πρὸς οὐς φαμεν ἠμείς. 90, 35 ἐψεύσατο τούτο εἰπῶν κτλ. (98, 13 ψεύδεται ὁ τεχνικὸς λέγων. 96, 11 τούτο καλώς εἶπεν ὁ νῦν ἐξηγήσεως τυγχάνων τεχνογράφος καὶ οὐκ ἔχομεν εἰς τούτο αὐτοῦ λαβεσθαί. 102, 18 ὁ δὲ (sc. ὄρος) τοῦ Διο4θ νυσίου ἐπταισμένος, ὡς ἐστιν ἐκ τῆς ἐξηγήσεως καταμαΦεῖν οὐτως- 105, 15. Dagegen Stephanus, Z. B. S. 167 πολλοὶ τῶ Διονύσῳ ψόγον προσάπτουσι λέγοντες κακώς εἰρηκέναι κτλ.... πρὸς οὓς φαμεν, ὅτι κακώς, ω συτοί, φατέ, ἀγνοούντες ὅτι κτλ. 204, 25 φασὶ τινες ου καλώς ἐν εἰσαγοηικὴ τέχνη περὶ μέτρων γράψαι τὸν Διονύσιον ... ἐν δὲ τεποίηκεν ὁ τεχνικός. Ob die sachliche Nüchternheit oder kritische Unselbständigkeit der M.-Diomedes-Scholien schon auf das Konto ihres ge-30 meinsamen Gewährsmanns zu setzen sind, was sehr wohl möglich, muß dahingestellt bleiben.
A. Hilgard De artis grammaticae ab Dio-nysio Thrace compositae interpretibus veteribus, Gymn. Progr. Heidelberg 1880. W. Hoerschel-mann De Dionysii Thracis interpretibus veteribus I (De Melampode et Choerobosco), Lpz. 1884, ferner die eingangs erwähnten Schriften und vor allem die grundlegende und mustergültige Scholienausgabe Hilgards in den Gramm. GOGraec. III (1901) 10–67 (Commentarius Melam-podis seu Diomedis) mit ausführlicher adnotatio critica und reichhaltiger praefatio. Daselbst werden auch (S. Vif.) alle früheren einschlägigen Arbeiten angeführt, die aber, von Hoerschelmann abgesehen, heute sämtlich veraltet sind und höchstens ein historisches Interesse beanspruchen können.
RE:Melampus 9
9) Angeblicher Astrologe, dessen Μέθοδος