RE:Metilius 20

Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Secundus, P. cos. desig(natus) 123 n. Chr., vermutl. kurz daruf cos.
Band XV,2 (1932) S. 14021405
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20) P. Metilius Secundus, Consular der Zeit Hadrians. Sein Name lautet in der ihm in Alsium errichteten, nur durch Abschriften des nicht vollständigen Textes bekannten Inschrift CIL XI 3718[1] = D e s s. I 1053 P. Metilius P. f. Cla(udia) Secundus¹, auf dem Steine folgte PON......: seit Jos. Klein (Fasti cos. 61) oder vielmehr 50 schon seit Borghesi (Oeuvr. IV 153) sieht man hierin die ersten Buchstaben eines zweiten Cognomens (Pontianus?) und lehnt die Ergänzung ponftifici] ab (so z. B. Dessau z. Inschr. und Prosop. imp. Rom. II M 391), fraglich ob mit Recht; denn in keinem der vielen epigraphischen Zeugnisse, die von Secundus erhalten sind, begegnet ein zweites Cognomen, auch nicht in den von ihm selbst gesetzten Inschriften (s. u.); der Cursus honorum mußte keineswegs unbedingt 60 mit dem Consulat beginnen, auch aus der Zeit des Secundus fehlt es nicht an Belegen dafür, daß die Bekleidung des Consulates an ihrer Stelle in der Ämterfolge angeführt war (vgl. Dess. I 1005. 1026. 1046. 1056), in unserem Falle demnach (da die Anordnung absteigend ist) nach der cura operum locorumque publicorum. – P. Metilius Secundus nennt er sich selbst in den von ihm dedizierten Inschriften CIL VIII 2591[2] [1403] 1403

Metilius

= Dess. II 3229. CIL VIII 17844[3] und Bull. arch. du com. d. trav. hist. Compt. rend. 1920 Mars p. XVII. Denselben Namen führt er in den Arvalakten und auf den Meilensteinen.

Secundus’ Vater hieß Publius (s. o.). Vielleicht darf man in dem Suffectconsul im J. 91 P. Met......seinen Vater erblicken (s.Nr. 11); weniger wahrscheinlich ist, daß P. Metilius Sa-binus Nepos sein Vater war, eher der jüngere Bruder des Vaters (s. Nr. 19). Secundus war ohne Zweifel italischer Abstammung, wofür auch seine Tribus Claudia spricht; vermutlich stammte er aus der Transpadana, vielleicht aus Novara, das der Tribus Claudia zugeteilt war (K u b i -tschek Imp. Rom. trib. discr. 121); dort hat sich auch die Weihinsehrift eines Sklavenpaares seiner familia gefunden (CIL V 6503;[4] in Mailand errichtete C. Metilius Secundus, wohl ein Verwandter des unseren, dem Hercules einen Altar, CIL V 5767).[5]

Die Inschrift aus Alsium enthält die Ämterlaufbahn des Secundus; wie Ritterling erkannt hat, war diese auch in einer Ehreninschrift verzeichnet, die ihm in Ariminum errichtet wurde, aber nur in einem kleinen Bruchstück erhalten ist (CIL XI 384;[6] vgl. Add. p. 1234). Er begann, wie üblich, mit dem Vigintivirat als tri[um-vir......7, und zwar monetalis, nicht kapitalis (vgl. Brassloff Österr. Jahresh. VEH 1905, 68), wurde hierauf tribunus mililum der Legio X Gemina (in der Inschrift ist nur .... Geminae p(iae) f(idelis) erhalten, die Beinamen p. f. beweisen, daß die Ergänzung [leg. VII], die auch Dessau z. Inschr. und Prosop. imp. Rom. a. O. übernommen hat, unrichtig ist (vgl. Ritterling o. Bd. XII S.1640; nach Ritterling Österr. Jahresh. X 1907, 310, 19 diente er als Militärtribun in zwei Legionen). Die X Gemina hatte wahrscheinlich gerade in dieser Zeit (bald nach 107 n. Chr.) ihr neues Standlager in Vindobona bezogen (s. o. Bd. XII S. 1683); vielleicht war sein Oheim P. Metilius Nepos damals zugleich sein militärischer Chef (s. Nr. 19). Die weiteren von ihm bekleideten Stellungen waren: sevir equitum Romanorum, [‌quaestor] Imp. Cae-saris Nervae Traiani Äug. G[e]rmanic[i Dacici Parthiei?] (obwohl die Inschrift nach Traians Tode gesetzt ist, gibt sie ihm die Titulatur, die er bei Lebzeiten geführt hat), trib(unus) [ple-bis], praetor, leg[atus] Aug(usti) leg(ionis) [X]l Cla(udiae) p(iae) et f(idelis) (die Legion lag damals wohl schon in Durostorum in Moesia inferior; vgl. o. Bd. XII S. 1698). Ob Secundus das Kommando der 11. Claudischen Legion noch unter Traian oder erst unter Hadrian führte, ist unbekannt, doch das Letztere vielleicht eher anzunehmen (s. u.). Noch zu Lebzeiten Traians ist Secundus in das Kollegium der Arvalbrüder aufgenommen worden (fratri Arvali CIL XI 3718,[1] fratri [Arv.] XI 384), in welchem er der Kollege seines älteren Verwandten (Oheims?) war (s. Nr. 19). Im Todesjahr Traians (117) finden wir ihn als Magister der Priesterschaft (CIL VI 2076).[7] Auch am 3. und 7. Januar 118 nahm er an den Kulthandlungen teil (CIL VI 2078[8] = 32374), dagegen wird er in den zeitlich folgenden, zum Teil ziemlich vollständig erhaltenen Protokollen dieses Jahres und der beiden fol- [1404] Metilius

1404

genden Jahre nicht genannt, scheint sich demnach zu dieser Zeit nicht in der Hauptstadt befunden zu haben; dies könnte dafür sprechen, daß er damals das Kommando der Legio XI Claudia innehatte (s. o.), Ungewöhnlich früh erhielt er hierauf von Hadrian die (sonst in der Regel erst nach Bekleidung mehrerer praetori-scher Ämter verliehene) Statthalterschaft von Nu-midien, die zugleich die Anwartschaft auf den 10 Consulat erschloß: [legato] Imp, Caesaris Traiani

Hadriani Äug. [pro pr(aetore)] leg(ionis) III Aug(ustae) et exereitus Africani (CIL XI 3718;[1] entsprechend ist die Inschrift von Ariminum zu ergänzen; vgl. Fallu de Les sert Fast, d.prov. Afr. I 2, 342ff. C a g n a t L’armée Rom. d’Afr? 363. 697–701). In dieser Stellung finden wir ihn anscheinend bereits im J. 121 (CIL VIII 17844;[3] Hadrian zählt die fünfte tribunicia potestas, doch ist eos. VII ein seltsamer Irrtum und darum auch 20 die andere Angabe vielleicht nicht ohne Bedenken;

vgl. die Anm. im CIL) und noch im J. 123; in diesem Jahre erwarb er sich ein hervorragendes Verdienst um seine Provinz, indem er im Auftrag des Kaisers die wichtige (allerdings zum großen Teil durch das Gebiet der proconsulari-schen Provinz führende), noch heute streckenweise erhaltene Straße Karthago–Theveste durch die legio III Augusta anlegen ließ (vgl. CIL VIII 865.[9] 2092. Cagnat a. O.). Die an dem einen 30 Ausgangspunkt der Straße, in Theveste, aufgestellte Steinurkunde (CIL VIII 10]14[10] = 22173 = Dess. II 5835) und zahlreiche Meilensteine (mit den Angaben trib. pot. Vil cos. III in Hadrians Titulatur) bezeugen noch heute seine Tätigkeit (CIL VIII 2591.[2] 10048. 10062 [= 1278. 1294], 10067. 10080f. 10086. 10091f. 22007. 22018. 22022. 22036. 22039. 22040. 22042. 22050. 22063. 22071. 22125. 22129. 22173. Bull. arch. du com. d, trav. hist. 1923 p. CCVII). Weitere 40 Zeugnisse aus der Zeit seiner Statthalterschaft sind eine Statue, die er auf dem Forum von Tha-mugadi – als Legat und gleichzeitig als Patron der Kolonie – im J. 121 (s. o.) dem regierenden Kaiser setzte (CIL VIII 17844),[3] und Votivgaben, die er in seinem Hauptquartier Lambaesis dem Apollon als Heilgott stiftete (s. u.), vielleicht durch eine Erkrankung hiezu veranlaßt (zu CIL VIII 6964[11] s. u.).

Noch als Legat des exereitus Africanus wurde 50 Secundus zum Consul designiert: in der obenerwähnten, im J. 123 gesetzten Inschrift von Theveste wird er cos. desig(natus) genannt (die Worte cos. desig. stehen in Rasur, offenbar infolge eines Versehens), demnach hat er noch in diesem oder im folgenden Jahre den Suffect-consulat bekleidet.

Nach dem Consulat verwaltete er das (als Zwischenstufe zwischen Consulat und Statthalterschaft übliche) Amt eines curator operum loco-60 rumque publicorum, in Rom (CIL XI 3718[1] [zu Brassloffs Ergänzung [candidato], Wien. Stud. XXII 152, 5 liegt kein Anlaß vor]. 384) und wurde hierauf von Hadrian zum Statthalter einer consularischen Provinz ernannt: leg(ato) Augusti pro [pr(aetore)]......(XI 3718); der Name der Provinz ist leider nicht erhalten (die ersten, übrigens kaum richtig gelesenen Buchstaben des Inschriftfragmentes von Ariminum, CIL [1405] 1405

Metilius

XI 384, können sich nicht auf diese Legation beziehen). Gemäß den in dieser Zeit üblichen Normen der senatorischen Ämterlaufbahn kommen wohl Moesia inferior oder superior, Germania inferior oder superior oder Dalmatia in Betracht. Die consularische Legation war das höchste in der Ehreninschrift von Alsium angeführte staatliche Amt; von den Priesterwürden war außer der Arvalbrüderschaft noch, wenn die oben vorgeschlagene Ergänzung zutrifft, der Pontificat genannt. Als Frater Arvalis begegnet Secundus auch in einem zeitlich nicht genauer bestimm-baren Fragment der Arvalakten aus der Zeit Hadrians (CIL VI 2081[12] = 32378; die Zuteilung zum J. 122, die Henzen Acta Arv. p. CLXIIf., 192 vorschlug, ist unrichtig: in diesem Jahre befand sich Secundus in Africa; eher käme 124 oder 125 in Frage; vgl. o. Bd, XII S. 802 Nr. 15).

Secundus muß den Ruf eines vir militaris genossen haben; dies lehrt seine Ämterlaufbahn, die (abgesehen von den ordentlichen Magistraturen) hauptsächlich militärische Stellungen aufweist. Die Rückkehr zur Frömmigkeit, die für das Zeitalter der Antonine so charakteristisch ist, tritt uns bereits bei Secundus entgegen; in Lam-baesis fanden sich zwei Altäre, die er als Statt-halter im Heiligtum des Aesculap monitu Apol-linis und Apollini salutifero iussu ipsius dedizierte (CIL VIII 2591[2] = Dess. II 3229. Bull. arch. du com. d. trav. hist. Compt. rend. d. séances 1920 Mars p. XVII = Année épigr. 1920 nr. 37· unsicher ist, ob .... ndus leg. Au[g. pr. pr.], der Veneri Aug. in Cirta eine Kapelle stiftete [CIL VIII 6964],[11] Metilius Secundus ist); in Novaria setzte ein Sklavenpaar Hermes P. Metili Secundi et Germana dem Iuppiter einen Votivstein (CIL V 6503).[4] – In Alsium, wo sich seine Ehreninschrift gefunden hat, wird er begütert gewesen sein. [Groag·]

[Groag. ]
  1. a b c d Corpus Inscriptionum Latinarum XI, 3718.
  2. a b c Corpus Inscriptionum Latinarum VIII, 2591.
  3. a b c Corpus Inscriptionum Latinarum VIII, 17844.
  4. a b Corpus Inscriptionum Latinarum V, 6503.
  5. Corpus Inscriptionum Latinarum V, 5767.
  6. Corpus Inscriptionum Latinarum XI, 384.
  7. Corpus Inscriptionum Latinarum VI, 2076.
  8. Corpus Inscriptionum Latinarum VI, 2078.
  9. Corpus Inscriptionum Latinarum VIII, 865.
  10. Corpus Inscriptionum Latinarum VIII, 10.
  11. a b Corpus Inscriptionum Latinarum VIII, 6964.
  12. Corpus Inscriptionum Latinarum VI, 2081.