RE:Lambaesis

Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Ortschaft in Afrika
Band XII,1 (1924) S. 539541
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Lambaesis [...] [540] [541] Lambaesis (so wahrscheinlich der Nominativ, allerdings durch CIL VIII 18[1] 226 nicht ge-2C nügend gesichert; Gen. Lambaesis CIL VIII 2528.[2] 2598. 2600. 2776. 18 227, Acc. Lambae-sem 2662, Abi. a Lambaese 10 236. 10 238. Inkorrekte Schreibungen zahlreich, z. B. Abi. Lam-bense CIL XIII 3162[3] I v. 24; inkorrekt auch die einzige erhaltene griechische Schreibung Λάμβαισα Ptolem. IV 3, 29; zum Namen vgl. La-masba, Lambafudi, Lambiridi, Lamig-gigi, Lamsili, Lamsort-, sämtlich kaum eine Tagereise oder weniger entfernte Ortschaften, 30 desgl. Lamfoct- und Lambdia in Mauretanien, Lamzelli nicht genauer bekannter Lage), Ortschaft in Afrika, am Nordabhang des Mons Aurasius (s. o Bd. II S. 2426), von den nächsten größeren Hafenorten Rusicade und Hippo Regius reichlich 100 bezw. 150 Millien entfernt, fast 1200 m über dem Meeresspiegel (die Nurdfront des großen Lagers 1172, die Südseite 1190 m, vgl. Cagnat Armée d’Afrique 456. 459 A.), in der Nähe des Ausgangspunktes des durch die 40 Schlucht von El Kan tara (Calceus Herculis, s o. Bd. III S. 1345) nach der Wüstenregion führenden Wegs. Entdeckt wurde die Stätte im J. 1725 durch den französischen Naturforscher Peys-sonnel, der unter anderem die den Stadtnamen enthaltende Inschrift CIL VIII 2695[4] dort notierte und seine Beobachtungen dem damals in Algier lebenden englischen Kaplan Th. Shaw mitteilte, durch den sie bekannt wurden (Shaw Travels 1738, 117 und X, der den Ort Tezzoute nennt). 50 Seit 1844 gehört die Stätte den Franzosen, die dort das Dörfchen Lambèse angelegt haben. Im Altertum erhielt die Örtlichkeit Bedeutung dadurch, daß anscheinend gegen Ende von Traians oder Anfang von Hadrians Regierung die einzige Legion Afrikas, die III Augusta, von einem weiter östlich gelegenen Orte, wahrscheinlich direkt von Theveste (vgl.de Pachtere Comptes rendus de l'Académie des inscr. 1916, 282) dorthin verlegt wurde, wodurch sie die Haupt- 60 stadt des der Verwaltung des Legionslegaten unterstellten Teiles von Afrika, der Provinz Numidien des 3. Jhdts., wurde. Das älteste erhaltene datierte Denkmal ist ein von dem wahrscheinlich 121–123 die Legion kommandierenden P. Metilius Secundus gesetzter Votivstein (CIL VIII 2591).[5] Am 1. Juli 128 hat dann dort der damalige Kommandant Q. Fabius Catullinus die [540] Legion- dem Kaiser Hadrian vorgeführt. Die Ansprache Hadrians ist inschriftlich aufgestellt worden und zum Teil erhalten (CIL VIII 18[1] 042; neue Bruchstücke bei Dessau 9133–9135 mit Anm.). Von dem Legionslager hatten sich bedeutende Reste oberhalb und unterhalb der Erde erhalten, die letzteren durch frühere unsystematische und neuere sorgfältige Ausgrabungen aufgedeckt, gänzlich verloren ist nur der südwestliche Teil) dadurch, daß auf ihm unter der Präsidentschaft

Louis Napoleons eine große Strafanstalt (Pénitencier) erbaut wurde. Westlich von diesem haben sich Reste eines kleineren Lagers gefunden, das nur vorübergehend benützt und bald aufgegeben worden zu sein scheint, hier stand ein Hadriansdenkmal, an dessen Fuß die oben erwähnte und andere Ansprachen des Kaisers zu lesen waren (vgl. Héron de Villefosse Strena Helbigiana 1899, 122, Festschr. f. Hirsch-Held 1903, 192). Vgl. jetzt besonders Cagnat

Les deux camps de la légion III Auguste à Lambèse d’ après les fouilles récentes, in den Mémoires de l'Académie des inscr. et b.-L 38, 1, 1908; ders. Armée romaine d’Afrique, 2. Ausg. 1913, 441ff.; auch v. Domaszewski N. Heidelberger Jahrb. IX 1899, 148ff. Von früheren Schriften noch wichtig W i 1 ma n s Die röm. Lagerstadt Afrikas, Comment. Mommsen 1877, 190ff. Abb. des bedeutendsten über der Erde erhaltenen Restes, des sog. Prätoriums (vielmehr der monumentalen Eingangshalle der Prätoriums), häufig z. B. bei G seil Monuments de l’Algérie I 1908, 80ff. Etwa 1 km östlich vom Lager entstand eine bürgerliche Niederlassung, die unter Pius - darauf deuten die Namen der Curien - Stadtrecht und zu unbestimmter Zeit, vielleicht nicht viel später das lus Latii erhielt (CIL VIII 18[1] 218); sie heißt auf Inschriften aus der Zeit des Com-modus (CIL VIII 18[1] 247) und Septimius Severus Municipium (CIL VIII p[6] 1093). auf einigen eher älteren Aurelia Lambaesis (CIL VIII 2949.[7] 4306). Die Bürgerschaft war in Curien gegliedert, deren (zehn) Namen uns sämtlich bekannt sind (CIL VIII p. 283.[8] 1723). Die Ämter und Priester-tümer waren die üblichen, Quaestur, Duovirat, Quinquennalität; Pontificat, Augurât, Kaiserprie-stertümer (CIL VIII p. 1093.[9] Rev. arch. 1911 II p. 487 nr. 99).

Von dem Schicksal der 3. Legion, die bekanntlich im J. 238 zur Strafe dafür, daß sie an Maximinus Thrax festgehalten und die beiden alten Gordiane niedergeworfen hatte, aufgelöst worden war (in das Legionslager wurden zunächst Abteilungen des Heeres der Provincia Mauretania Caesariensis gelegt) und erst 253 wieder hergestellt wurde und in ihr altes Lager von L. zurückkehrte, scheint die Stadt L. nicht gelitten zu haben; sie wurde vielmehr in jener Zwischenzeit zur Kolonie erhoben (Cyprian. ep. 59. 10; dann oft auf Steinen aus der Zeit Diocletians und Constantins). Dagegen muß die Verlegung der numidischen Provinz Verwaltung nach dem jetzt Constantina genannten Cirta der Stadt Schaden gebracht haben (die Legion stand dort noch unter Diocletian, CIL VIII 2572.[10] 2576. 2577; Mél. de l'Ecole fr. de Rome XVIII 1898, 458; ob der später allein erhaltene Rest der Legion, der als Tertioaugustani in der Notitia Dignita- [541] tum Oec. V 254. VII 151 aufgeführt wird, noch in L. gelegen hat. ist unsicher); Denkmäler der christlichen Zeit fehlen so gut wie ganz. Doch ist auch noch unter Valentinian und Gratian (364–388) in L. gebaut worden (CIL VIII 2656.[11] 2722. 18 328).

Die christliche Gemeinde von L. muß zur Zeit der Statthalterschaft des dort residierenden Legaten eine erhebliche Bedeutung gehabt haben (Bischof J. 256 genannt, s. u.). Als Sitz des mit 1 den Rechten eines Provinzialstatthalters betrauten Legionslegaten muß L im 3. Jhdt. öfters der Schauplatz von Verurteilungen und Hinrichtungen christlicher Märtyrer gewesen sein: so werden nach den vertrauenswürdigen Acta SS. Mariani et lacobi (in O. v. Gebhardts Acta mar-tyrum selecta 134) eine Anzahl bei Cirta verhafteter Christen nach L. übergeführt, dort eingekerkert (c. 9; tune eos praesidi admotos Lam-besitanus carcer accepit), gefoltert und hinge- ‘ richtet (anscheinend unter Valerian). Aus L. selbst gebürtig soll nach den übrigens höchstens einen echten Kern bergenden Acten Act. SS. Iun. II 265, ein in Vaga verhafteter Märtyrer Mammarius, der in seiner Vaterstadt für das Christentum geworben hatte, gewesen sein. Märtyrer von L. auch Martyrolog. Hieronymian. ed. de Rossi-Duchesne (Act. SS. Nov. II) p. 24 unter dem 23. Februar. Tertullian ad Scap. 4 rühmt den praeses legionis seiner Zeit, daß er * bei Christen von Martern abgesehen und es bei dem Tod durch das Schwert habe bewenden lassen. Ein Bischof von L. nahm an der im J. 258 von Cyprian nach Karthago einberufenen Konferenz Teil (Sent, episc. nr. 6, in Hartels Cyprian p. 440). Aber schon unter einem der Vorgänger Cyprians scheint L. einen Bischof gehabt zu haben, der von seinen Kollegen als Häretiker verdammt worden war, vor dem aber doch noch Cyprian die römische Gemeinde warnte (ep. 59, 10. 36, 4). In den kirchlichen Dokumenten der folgenden Jahrhunderten erscheint kein Bischof von L. mehr. Auch bildliche und inschriftliche Denkmäler aus der Zeit der Herrschaft des Christentums fehlen so gut wie ganz.

Unter den Resten des alten L. sind die wichtigsten die römischen Inschriften, über 2000 an der Zahl, unter diesen die von der Legion (s. o.) und von Legionssoldaten gesetzten (CIL V11T p. 283ff. 1723ff.; neuerdings gefunden Dessau Inscr. sei. 9096–9102. 9133. 9188; Rev. arch. 1911 II p. 486 nr. 97–99. 1912 p. 458 nr. 17–19. 1913 p. 454 nr. 11. 12. 1920 II p. 356 –359 nr. 21–22. 34–38. Cagnat Journ. Rom. stud. IV 1914, 143 ein Zolltarif),

Abbildungen von Tempeln und Triumphbogen G seil Monuments de l’Algérie I 149. 159. 160. Vollständige Übersicht der erhaltenen Ruinen im Text von G s e 11 s Atlas arch. de l'Algérie BI. 27, 1 7, dort auch Gesamtplan der Stätte (Plan des Lagers bei Cagnat Les deux camps de la lég.) (s. o.), wodurch Cagnat s Guide de Lambèse 1893 überholt. Vgl. auch Cagnat Musée de Lam-bese (Musées de l’Algérie V) 1895. [Dessau.J

[Dessau. ]
  1. a b c d Corpus Inscriptionum Latinarum VIII, 18.
  2. Corpus Inscriptionum Latinarum VIII, 2528.
  3. Corpus Inscriptionum Latinarum XIII, 3162.
  4. Corpus Inscriptionum Latinarum VIII, 2695.
  5. Corpus Inscriptionum Latinarum VIII, 2591.
  6. Corpus Inscriptionum Latinarum VIII, 0.
  7. Corpus Inscriptionum Latinarum VIII, 2949.
  8. CORPUS INSCRIPTIONUM LATINARUM I2 ff. 283
  9. CORPUS INSCRIPTIONUM LATINARUM I2 ff. 1093
  10. Corpus Inscriptionum Latinarum VIII, 2572.
  11. Corpus Inscriptionum Latinarum VIII, 2656.