65) Q. Minucius Thermus, Q. f. L. n. (Fasti Cap.), hat seine Laufbahn als Anhänger des P. Scipio Africanus zurückgelegt und ist vielleicht auch in der geschichtlichen Überlieferung je nach der Stellung, die sie zu Scipio einnahm, verschieden behandelt worden. Als Kriegstribun Scipios in Afrika 552 = 202 wird er, übrigens ohne Praenomen, lediglich in der verfälschten Darstellung dieses letzten Feldzuges des Hannibalischen Krieges (vgl. darüber u. a. De Sanctis Storia dei Romani III 2, 601ff.) zweimal ehrenvoll erwähnt. Erstens soll er einen an Hannibal gesandten Lebensmitteltransport abgefangen und die libyschen Begleitmannschaften zur Hälfte niedergemacht, zur Hälfte gefangen haben, je gegen 4000 Mann (Appian. Lib. 36 E. Frontin. strat. I 8, 10); zweitens soll er bei Zama mit auserlesenen Mannschaften von Scipio seinem bedrängten linken Flügel zu Hilfe geschickt worden sein (Appian. Lib. 44). Die Teilnahme des M. an dem afrikanischen Feldzug ist wahrscheinlich nicht erfunden, sondern geschichtlich. Im folgenden J. 553 = 201 war M. Volkstribun und vertrat zusammen mit seinem Kollegen M.’ Acilius Glabrio, einm andern Gefolgsmann Scipios, dessen Interessen gegenüber dem neuen Consul Cn. Cornelius Lentulus (o. Bd. IV S. 1358,45ff.). Sie verhinderten zunächst, daß er noch als Nachfolger Scipios im Oberbefehl nach AfriCa gehen durfte (Liv. XXX 40, 9–11), und dann brachten sie, als er im Senat die Genehmigung des von Scipio mit Karthago abgeschlossenen Friedens hintertrieb, die Frage unmittelbar an die Tributkomitien, und zwar wiederum mit bestem Erfolg (ebd. 43, 1–4; vgl. Mommsen St.-R. I 282, 5. II 643. III 344. 1170, 2. 1172, 2). Ein weiterer Parteigenosse der Scipionen war Ti. Sempronius Longue (u. Bd. II A S. 1434): Mit diesem zusammen bekleidete M. 556 = 198 die curulische Ädilität (Liv. XXXII 27, 8), wurde er 557 = 197 auf drei Jahre zum Triumvir für die Anlage von Seekolonien gewählt (ebd. 29, 3f.) und gelangte er 558 = 196 zur Praetur (ebd. XXXIII 24, 2), die gleichzeitig auch dem Glabrio zuteil wurde. M. erhielt Hispania citerior zur Provinz und ein anderer Kollege, Q. Fabius Buteo (o. Bd. VI S. 1761, 21ff.) Hispania ulterior; jeder von ihnen empfing eine Legion, 4000 Latiner und Bundesgenossen zu Fuß und 300 zu Pferd und hatte schleunigst auf seinen Posten abzugehen (Liv. XXXIII 26, 1. 3f. 43, 8). Denn von ihren Vorgängern war in der diesseitigen Provinz C. Sempronius Tuditanus (u. Bd. II A S. 1440) nach einer schweren Niederlage einer tötlichen Wunde erlegen (Liv. XXXIII 25, 9), und war M. Helvius (o. Bd. VIII S. 224 Nr. 4), der Statthalter der jenseitigen Provinz und der gegebene Vertreter des Statthalters in der diesseitigen, selber ein kranker Mann. Aus dieser Sachlage, daß notgedrungen Helvius die beiden Provinzen bis zum Eintreffen der neuen Praetoren verwalten mußte,
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erklärt es sich, daß Appian. Ib. 39 den M. als Nachfolger des Tuditanus und des Helvius bezeichnet, und daß Valerius Antias (frg. 35 Peter) bei Liv. XXXIV 10, 5 ihn als solchen des Helvius bezeichnete, obgleich dessen eigentliche Provinz die jenseitige gewesen war. Die Ansicht, daß M. nicht Hispania citerior, sondern in der Tat Hispania ulterior verwaltete, ist bisher allgemein abgelehnt worden (s. z. B. Nissen Krit. Untersuch. 155. Wilsdorf Leipz. Stud. I 81. 138), wird aber von De Sanctis IV 1, 446, 135 gebilligt, weil M. in Turdetanien gekämpft habe. Seine Waffentaten in Spanien werden nicht beim J. 558 = 196 verzeichnet, sondern von Liv. XXXIII 44, 4 im Anfang 559 = 195 in der Form seines eigenen Kriegsberichts kurz erwähnt: Litterae a Q. Minucio adlatae sunt, se ad Turdam oppidum cum Budare et Baesadine, imperatoribus Hispanis, signis conlatis prospere pugnasse; duodecim milia hostium caesa, Budarem imperatorem captum, ceteros fusos fugatosque. Wenn auch die Zahl der Gefallenen übertrieben groß ist und vielleicht nicht nur von M. selbst, sondern auch von Valerius Antias aufgebauscht worden ist, so steht außer Zweifel, daß M. im J. 559 = 195, nachdem er das Heer seinem Nachfolger P. Manlius übergeben hatte (Liv. XXXIV 17, 1), einen Triumph feiern durfte. Der Triumph ist außer bei Liv. XXXIV 10, 6f. (nach Antias; s. o.) noch in den Acta triumph. (CIL I² p. 48: Q. M[inucius...] | pr[ocos ...]) und in der Triumphaltafel von Tolentino oder richtiger von Urbisaglia (ebd. p. 75; vgl. Not. d. scav. 1925, 119f.: [Q. Minu]cius Thermus p[rocos ...]) bezeugt, aber leider ist in beiden nur der Name des M., nicht der seiner Provinz erhalten. Dieselbe Schwierigkeit wie bei ihm ergibt sich aber auch bei seinem Nachfolger P. Manlius (o. Bd. XIV S. 1160), denn dieser wurde gleichfalls nach Hispania citerior geschickt (Liv. XXXIII 43, 5), führte aber zuerst, ehe er unter das höhere Imperium des Consuls M. Cato trat, den Krieg in Turdetanien und gegen die Turdetaner (ebd. XXXIV 17, 1ff. 19, 1). Entweder waren in diesen ersten Jahren der Verwaltung Spaniens, etwa bis zu der Entscheidung des Senats im Falle des Helvius (ebd. 10, 5: quod alieno auspicio et in aliena provincia pugnasset), die beiden Kommandobezirke noch nicht so scharf wie später gegen einander abgegrenzt, oder der Schlachtort Turda des M. (= Turta bei Cato or. frg. p. 35, 18f. Jordan) und die Turdetaner als Gegner des Manlius sind verschieden von denen des Baetisgebietes (s. Schulten Numantia I 34) und sind in der diesseitigen Provinz unweit Sagunt zu suchen, was bei der ungemein häufigen Wiederkehr gleicher und verwandter Ortsnamen in Spanien (s. Schulten Herm. LXIII 288f.) keineswegs ausgeschlossen erscheint. 560 = 194 unter dem zweiten Consulat des Scipio Africanus und dem Consulat des Ti. Sempronius Longus beendete die 557 = 197 bestellte Dreierkommission für die Seekolonien ihre Arbeiten unter Teilnahme des M. und unter Leitung seines alten Genossen, des nunmehrigen plebeischen Consuls (Liv. XXXIV 45, 2). Mit Unterstützung dieser Consuln wurden für das nächste J. 561 = 193 zum Oberamt befördert
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ein Gentilgenosse Scipios, L. Cornelius Merola (o. Bd. IV S. 1407 Nr. 270), und sein Parteigenosse M. (Fasti Cap. Chronogr. Hydat. Chron. Pasch. [beide mit leichter Entstellung des Cognomens Thermus zu Hermus]. Nep. Hann. 8, 1. Liv. XXXIV 54, 1. 55, 1. Cassiod.). Wie im J. 557 = 197 den beiden Consuln C. Cornelius Cethegus und Q. Minucius Rufus (Nr. 55) Oberitalien, und zwar dem Cornelier Gallien und dem Minucier Ligurien zugewiesen worden waren, so geschah es auch jetzt im J. 561 = 193 bei ihren Geschlechtsgenossen (Liv. XXXIV 55, 5. 56, 3). Die Ligurer, wohl besonders die Apuaner, hatten sich erhoben, waren verheerend in das Gebiet von Luna eingefallen und suchten das Küstenland bis Pisae heim (ebd. 56, 2). M. ordnete umfassende Rüstungen an (ebd. 56, 3–7) und führte seine Truppen über Arretium nach Pisae, das bereits von großen Massen der Feinde eingeschlossen war (ebd. XXXV 3, 1f.) Sie ließen von der Stadt ab, und er wählte sie zum Stützpunkt seiner eigenen Operationen; aber der Krieg zog sich nun von 561 = 193 bis Ende 563 = 191 ohne größere Entscheidungen und Erfolge hin. Die Nachrichten von seinem Verlauf sind wenig ergiebig und wenig glaubwürdig, weil eine Darstellung des wechselvollen Kleinkrieges kaum möglich war, aber dafür einzelne Episoden breiter ausgemalt wurden. In seinem Consulatsjahr beschränkte sich M. auf den Schutz des Gebietes der Bundesgenossen, weil er zu seinen ungeübten Mannschaften kein rechtes Zutrauen hatte (ebd. XXXV 3, 3–4, 1); bei der bedrohlichen Lage wagte er es nicht, zu der ihm durchs Los zugewiesenen Abhaltung der Comitien von Pisae nach Rom zu reisen, sondern veranlaßte den Senat, seinen Kollegen dafür zu berufen (ebd. 6, 1–7). Gegen Ende des Jahres geriet er zweimal in große Gefahr (ebd. 11, 1). Der erste Fall wird mit wenigen Worten berichtet (ebd. 11, 2): Castra cansulis oppugnata aegre sunt defensa; jedoch ganz ebenso, nur ausführlicher heißt es auch beim J. 563 = 191, daß die Ligurer bei Nacht plötzlich sein Lager angriffen und hart bedrängten, bis sie am Morgen durch einen zwiefachen Ausfall, aber auch erst nach längerem Kampfe, unter Verlust von mehr als 4000 Toten vertrieben wurden (ebd. XXXVI 38, 1–4, vielleicht aus dem ebd. 6 zitieren Antias); vielleicht ist derselbe Überfall unter zwei verschiedenen Jahren berichtet worden. Die zweite Gefahr hatte M. Ende 561 = 193 zu bestehen, als er mit seinem Heere in einem Engpaß eingeschlossen wurde und das Schicksal der bei Caudium umzingelten Consuln vor sich sah; da gelang es seinen leichten numidischen Reitern, durch die Feinde hindurchzukommen, die nächsten Dörfer in deren Rücken in Brand zu stecken und dadurch die Ligurer zur Rettung des Ihrigen von den beherrschenden Höhen hinwegzulocken. Diese Episode wird anschaulich und lebhaft erzählt (Liv. XXXV 11, 2–13; daraus Frontin. strat. I 5, 16 und Oros. IV 20, 17), aber ohne alle Namen und Ortsangaben, und ist für M. keineswegs sehr rühmlich; sie könnte ihrem Tone nach ganz wohl in letzter Linie auf seinen Gegner Cato (s. u.) zurückgehen. Für 562 = 192 wurde dem M. die Verlängerung seines
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Kommandos und eine Verstärkung seiner Streitkräfte bewilligt (Liv. XXXV 20, 6). Er lieferte den Ligurern im Gebiet von Pisae ein glückliches Treffen und konnte nach ihrem nächtlichen Abzug sich ihres verlassenen Lagers bemächtigen (ebd. 21, 7–9). Aber der weitere Bericht, daß er nun auch in ihr eigenes Land einrückte, es verwüstete, einige Ortschaften und Burgen einnahm und reiche Beute machte (ebd. 21, 10f.), ist wieder nicht ganz unverdächtig, weil dasselbe noch einmal von dem Consul dieses Jahres L. Quinctius Flamininus gemeldet wird (ebd. 40, 4; s. Nissen 174). Aus dem J. 563 = 191, dem dritten seines Kommandos (ebd. XXXVI 39, 7) wird zwar nichts als die bereits erwähnte Abwehr eines feindlichen Angriffs auf das eigene Lager des M. erzählt (ebd. 38, 1–4; s. o.); dennoch heißt es, daß der damalige Consul P. Scipio Nasica (o. Bd. IV S. 1496), der getreue Vetter und Freund des Africanus, nach seiner Rückkehr aus Oberitalien der festen Zuversicht Ausdruck gab, M. werde in kurzem die Unterwerfung der Ligurer beenden und dann den wohlverdienten Triumph verlangen und erhalten (ebd. 40, 2), und Anfang 564 = 190 meldete dieser selbst, seine Aufgabe sei gelöst, und ganz Ligurien habe sich unterworfen. Nachdem er auf Befehl des Senats sein Heer ins Gebiet der Boier geführt und dem nunmehrigen Proconsul Nasica übergeben hatte (ebd. XXXVII 2, 5), traf er im Laufe des Jahres in Rom ein und erhob die Forderung auf einen zweiten Triumph. Gleichzeitig und mit derselben Erwartung kam aus dem Osten Glabrio (ebd. 46, 1), sein ehemaliger Genosse im Tribunat, in der Praetur und in der Gefolgschaft der Scipionen. Diesem Proconsul, dem Sieger über Antiochos und die Aetoler wurde der Triumph anstandslos bewilligt, dagegen dem M. versagt. Die kurze Notiz des Liv. XXXVII 46, 2 wird erläutert durch die Titel und Reste von Reden Catos, des Wortführers der Scipionenfeindlichen Partei im Senat. Erhalten sind zwei Zitate, eines bei Fest. 286 und eines bei Priscian, mit der allgemeinen Aufschrift: Cato in Q. Thermum, fünf weitere, vier wieder bei Fest. (153. 193. 344) und eines bei Gell. XIII 25, 12, aus Cato in Q. Thermum de decem hominibus und endlich eines bei Gell. X 3, 17 aus Catos liber qui de falsis pugnis inscriptus est (teilweise auch bei Non. 187, 24). Dieses umfangreichste Stück handelt aber auch gerade, wie die de decem hominibus, über die widerrechtliche und grausame Mißhandlung und Hinrichtung von zehn ligurischen Stammeshäuptern durch M., der sie für ungenügende Lebensmittellieferungen verantwortlich machte; vielleicht ist daher doch eher mit Drumann (G. R.² V 116, 2) eine einzige Rede Catos anzunehmen, als mit Jordan (Catonis quae exstant LXXIIf. 39–42) und Malcovati (Orat. Rom. frg. I 30f. 167–169) die Unterscheidung von zweien. Die Inhaltsangabe de falsis pugnis beweist, daß Cato die Feldzugsberichte des M. in bezug auf ihre Zuverlässigkeit anfocht; vielleicht denkt daran Cic. Brut. 225: Plus enim certe attulit huic populo dignitatis ... qui non illustravit modo, sed etiam genuit in hac urbe dicendi copiam, quam illi, qui Ligurum castella expugnaverunt: ex quibus multi sunt ...
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triumphi. 565 = 189 trat M. mit seinem Verwandten Q. Minucius Rufus Nr. 55 in die Zehnerkommission ein, der die Neuordnung Kleinasiens übertragen wurde (Liv. XXXVII 55, 7). 566 = 188 traf die Kommission im phrygischen Apameia mit dem Oberbefehlshaber, dem Proconsul Cn. Manlius Vulso, zusammen; nachdem dieser hier in ihrer Gegenwart den Friedensvertrag mit Antiochos feierlich beschworen hatte, schickte er den M. als eines der angesehensten Mitglieder der Kommission zusammen mit seinem Bruder und Legaten L. Manlius Vulso (o. Bd. XIV S. 1223, 41ff.) nach Syrien, damit der König den entsprechenden Eidschwur vor ihnen ablege (Polyb. XXI 46, 1f., daraus Liv. XXXVIII 39, 1. Ungenau Appian. Syr. 39: ὤμνυ ... ὁ Ἀντίοχος ἐπὶ τοῦτο πεμφθέντι Θέρμῳ χιλιάρχῳ, wohl infolge einer Verwechslung des mehrdeutigen lateinischen legatus mit tribunus militum). M. kehrte zu Cn. Manlius Vulso zurück und war bei dessen Heere, als es auf dem Rückmarsch in Thrakien von räuberischen Eingeborenen angefallen wurde; er ist bei dieser Gelegenheit erschlagen worden (Liv. XXXVIII 41, 3. 46, 7. 49, 8), und zu den Vorwürfen, die dann 567 = 187 von der Scipionischen Partei im Senate gegen Manlius erhoben wurden, gehörte besonders der, daß er den Tod dieses vir fortis ac strenuus (ebd. 41, 3 = 49, 8) verschuldet habe. Dieses Urteil über M. ist das seiner Parteifreunde, das sich Polybios, der Gewährsmann des Livius, zu eigen machte. Sein Sohn ist möglicherweise L. Thermus Nr. 63. Den Tod des M. im Kampfe gegen die Thraker verherrlichte noch hundert Jahre später sein gleichnamiger Nachkomme Nr. 66 auf seinen Denaren, falls der hier dargestellte Barbar, vor dem ein römischer Krieger seinen niedergesunkenen Gefährten beschützt, wirklich durch den Hörnerschmuck seines Helmes als Thraker charakterisiert werden sollte.