RE:Neophron

Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Aus Sikyon, Tragiker
Band XVI,2 (1935) S. 24322433
GND: 102400237
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Neophron bei Trismegistos
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Neophron [...] Neophron aus Sikyon stellt Suid. s. Νεόφρων ἡ Νεοφρῶν als einen Tragiker mit 120 Tragödien vor, der überdies nach Meinung einiger der eigentliche Dichter der Euripideischen Medea gewesen sein soll. Ferner galt N. als der erste, welcher den Παιδαγωγός auf die Bühne brachte und die Sklavenfolterung, letztere eine ausschließliche Angelegenheit der Komödie. Zu diesem sachlichen Widerspruch gesellt sich ein zeitliches Adynaton, 10 Den angeblichen Dichter der im J. 431 aufgeführten Medea läßt Suidas mit Alexander dem Großen zusammenkommen, der ihn dann als einen Freund des Kallisthenes, mit dem er die Iose Zunge gemeinsam hatte, zugleich mit diesem hinrichten ließ (s. o. Bd. X S. 1681ff.). Die letztere Aussage widerlegt Suidas selbst, der (s. Καλλισθένης) jenen Tragiker Nearchos nennt. Die große Zahl der Dramen des N. entzieht sich unserer Nachprüfung, wir besitzen lediglich 3 Fragmente einer einzigen 20 Tragödie Medea (s. o. Bd. VI S. 1255, Slff. XV S. 54, 42ff.)> aus der Schol. Eurip. Med. 666 (frg. 1). 1387 (frg. 3) 4 bzw. 5 Trimeter zitiert und Stob. ecl. 3, 20 (π. ὀργῆς) 33 (Νεόφρονος ἐν Μηδείρ) (III S. 545f. Η.) 15 Verse (frg. 2),

Fragment 1 läßt N. den Aigeus nach Korinth zur Medea kommen, weil ihm ein Orakel der Pythia geworden war, dessen Deutung er von Medea erhoffte.

Fragment 3 lehrt derselbe Scholiast, daß bei N. 30 Medea dem Iason prophezeite, er werde sich selbst auf die schändlichste Art δέρη βροχωτὸν ἀγχόνην ἐπισπάσας umbringen, eine Warnung für alle Zeiten (μυριας ἔῳ’ ἠμέρας), daß kein Sterblicher sich über die Götter erhebe: eine Todesart, die der Scholiast wohl in Anlehnung an N. als ξενικώτερον bezeichnet.

Das Fragment 2 bei Stobaios, das Hauptstück, ist einem Medea-Monolog entnommen, in dessen Eingang Medea ihren θυμός anredet: βούλευσαι, κακώς πριν ἐξαμαρτεῖν, während sie am Ende zur Tat zu schreiten entschlossen ist (v. 12): c5 χέρες, χέρες, πρὸς οἷον ἔργον ἐξοπλιζόμεσθα* φευ, τάλαινα, τόλμης USW.

Die Mystifikation bezüglich der Autorschaft der Euripideischen Medea als eines Werkes N.s hat ihren Ausgangspunkt bei einer Kritik, die Aristot. poet. 25. 1461b 21 an dem Auftreten des Aigeus, d. h. seiner Ankunft in Korinth, bei Euripides, geübt hat (Med. 666) und ebd. 15. 1545b 1 an der 50 λύσις ἀπὸ μηχανῆς anläßlich der Ermordung der Kinder statt ἐξ ἀντου τὸν μύθου (Med, 1310f.). Die erste der von Aristot. beanstandeten Euripidesstel-len ist bei Neophron in der Tat anders aufgebaut: dieses Zusammentreffen dürfte kaum anders zu erklären sein, als daß der jüngere Dichter sich die Belehrung des großen Meisters zunutze gemacht hat, was nun wiederum die Priorität des Euripides erweist. 8. auch E. Bethe Medea-Probleme S.-Ber. Sächs. Ges. LXX (1918) 5ff.So dürften dann auch die beiden andern Fragmente des N., sofern sie eine Abweichung gegenüber Euripides vermuten lassen, in bewußtem Gegensatz zu dem älteren Vorbild gedichtet sein, dessen Überlegenheit unzweifelhaft ist: fr. 3 bedeutet die Detaillierung der Todesart Iasons von Seiten des N. durch den Mund der Medea im Vergleich zu den Worten bei Eurip. Med. 1386. 1388 συ ὤσπερ εἰκός, κατθανὴ κακὸς κακούς, πικράς [2433] τελώντας τῶν ἴμων γάμων Ἰδῶν eine Verschlimmbesserung, nicht anders wie die Interpolation im Text des Eur. Med. 1387 yoü? κάρα ὄδν λενψάνῳ πεπληγμένος, der Hinweis auf die Schleifung des Iason zu Tode unter der Argo.