RE:Onatas 1

Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Erzgießer aus Aigina
Band XVIII,1 (1939) S. 408411
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Onatas. 1) Sohn des Mikon, von Aigina, Erzgießer. Der Vatersname lautet in der erneuerten Inschrift von nr. 1 Smikon, was auch im Epigramm von nr. 4 und 7 hergestellt werden kann, während bei dem von nr. 5 Mikon durch das Metrum gesichert ist. Die Heimat ist in den Epigrammen des O. und bei Pausanias stets genannt, fehlt wie der Vatersname bei nr. 8. Erz ist überall, auch wo nicht angegeben, als Werkmaterial anzunehmen. Für die Datierung geben Anhaltspunkte nr. 8: vor 480, 7: nicht vor 467, und 4: vor 463. Von den ‚vielen‘ Werken, deren sich O. im Epigramm von nr. 5 rühmt, kennen wir: 1. Kolossaler Apollon in Pergamon, von Paus. VIII 42, 7 mit Bewunderung genannt. Dieselbe Statue könnte der von Antipater (von Thessalonike) in dem Epigramm A. P. IX 238 gepriesene, als Erzwerk des O. bezeichnete βούπαις Apollon sein. Die Basis für die Neuaufstellung scheint (Fabricius) erhalten: Inschr. v. Pergamon nr. 48; kaum mit Recht bezweifelt von Reisch[409] Österr. Jahresh. IX 221. Wahrscheinlich war die Statue ein Beutestück von der Einnahme von Aigina 210 v. Chr. - 2. Schwarze Demeter in der Höhle von Phigalia. Nach Paus. VIII 42 hatte O das alte Xoanon, das zu seiner Zeit lange verbrannt war, im Auftrag der Phigaleer, nach alter Nachbildung oder Nachzeichnung und nach Traumgesichten in Bronze erneuert. Das Xoanon zeigte Demeter auf Felsen sitzend, mit schwarzem bis zu den Füßen reichendem Chiton, auf der einen Hand einen Delphin, auf der andern eine Taube. Sie hatte Kopf und Mähne des Pferdes, Schlangen und andere Tiere waren am Kopf angebracht. Der älteste Manin den Pausanias befragte, erzählte, daß drei Generationen vor ihm ein Fels vom Dach der Höhle gestürzt sei und das Bild zerschmettert habe. Wie viel von der Geschichte glaubhaft ist, muß dahingestellt bleiben: unmöglich wäre nicht, daß O. wirklich das groteske Mischwesen neu gestaltet hätte, v. Wilamowitz Glaube d. Hell. I 402. - 3. Hermes, Weihgeschenk der Pheneaten in Olympia, gemeinsame Arbeit des O. und des Kalliteles (s. d. o. Bd. X S. 1749) Paus. V 27, 8. Der Gott trug den Widder unter der Achsel; er war bekleidet mit Chiton, Chlamys und Kyne. 4. Herakles, Weihgeschenk der Thasier in Olympia. Paus. V 25, 12f. Die zehn Ellen hohe Bronzestatue stand auf einer ebenfalls ehernen Basis, mit Epigramm des O. Die Statue ist vor 492, der Unterwerfung von Thasos durch die Perser oder wahrscheinlicher nach der Befreiung 478 geweiht (doch ist nicht überliefert, daß sie Siegesdenkmal war, wie Bd. V A S. 1315, 17 angenommen), natürlich vor der athenischen Eroberung 463. 5. In Olympia stand auch eine große Gruppe des O., Weihgeschenk der Achaier, Paus. V 25, 8, vor der Ostfront des Zeustempels, wo die Basis (ohne Inschrift) gefunden ist, in Form eines Kreissegments. Darauf standen die neun achaiischen Helden, die um den Zweikampf mit Hektor Iosen, mit Lanzen und Schilden gerüstet. Nur unter der Statue des Agamemnon stand der Name, von rechts nach links geschrieben; des Idomeneus Helm war von einem Hahn bekrönt, auf seinem Schild stand das Epigramm des Künstlers (Hiller v. Gaertringen Hist. griech. Epigr. 25 Anm.). Die Statue des Odysseus hat Nero nach Rom entführt. Gegenüber diesem Bathron stand auf einer besonderen Basis Nestor, mit dem Helm, der die Lose enthielt. Zu dieser eigenartig ,naiven‘ Gruppierung vgl. Bulle Ant. Plastik (Festeehr. Amelung) 48. - 6. Eine weitere Gruppe des O. stand in Delphi, Weihgesohenk der Tarantiner nach dem Sieg über die Peuketier: Paus. X 13, 10. Mitarbeiter war Kalynthos (s. o. Bd. X S. 1772). Weiteres s. Suppl.-Bd. IV S. 1409 Nr. 108. Daux Pausanias à Delphes 151. Zur Linksläufig-keit des (zugehörigen?) Inschriftrestes vgl, Nr. 5. 7. Anathem für den Wagensieg des Hieron von Syrakus in Olympia (468), Viergespann mit Lenker von O., zu beiden Seiten Knaben auf Rennpferden von Salamis (s. d. Nr. 1 o. Bd. X S. 1532, 64), nach 467 von Hierons Sohn Deinomenes aufgestellt. Paus. VI 12, 1 und VIII 42, 8, wo die Epigramme des Deinomenes und des O. (gleichlautend mit dem von nr. 4; Hiller v. Gaertringen Hist. griech. Epigr. 43) [410] nachgetragen sind. - 8. Weihgeschenk auf der athenischen Akropolis, aus dem ,Penserschutt‘, jedenfalls vor 480, IG² I 503. Kirchner Imagines inscr. Atticarum Taf. 7, 16. Pfeiler von pentelischem Marmor, auf der Schmalseite das Epigramm der Weihung des Timarchos an Athena für ein Gelübde seiner Mutter, auf der Breitseite die Künstlerinschrift (O. ἐποιεσεν ohne Zusatz). Die Basis trug vielleicht Pferd oder Reiter aus Bronze.

O. wird in unserer Literatur nur von Antipater und Pausanias genannt. Dieser fand offenbar auch keine kunsthistorische Quelle für ihn, setzt die Lebenszeit nach der Hierons auf eine Generation (VIII 42, 7 scheint γενεᾷ. für γενεαῖς richtig emendiert) nach den Perserkriegen an und kommt so auf Gleichzeitigkeit mit Hegias und Hageladas. Aber die aiginetische Schule spielt in der kunst-historischen Literatur überhaupt eine geringe Rolle, da sie nach der Katastrophe von 456 keine Fortsetzung fand. Wir dürfen trotzdem erwarten, den Spuren eines so angesehenen und gesuchten Meisters in der monumentalen Überlieferung zu begegnen. Hinweise auf seine stilistische Eigenart haben wir nicht: denn wenn Paus. V 25, 13 sagt, O. sei trotz seiner Zugehörigkeit zur aiginetischen Schule keinem Attiker nachzustellen, so hängt das mit seiner besonderen Vorstellung von aiginetischem Stil zusammen (vgl. Blümner z. St.). Wir können nur annenmen, daß O. als Hauptvertreter der aiginetischen Schule in ihrer letzten Phase einerseits irgendwie mit der aiginetischen Kunst vom Anfang des 5. Jhdts. (Giebel vom Aphaiatempel) zusammenhängt, andererseits die Stilstufe etwa der Skulpturen vom Zeustempel von Olympia erreicht hat. Nach äußeren Indizien können wir kein Werk in Nachbildung nachweisen. Der Apoll (nr. 1) scheint auf pergamenischen Münzen nicht vorzukommen, der Versuch von H. Thiersch (GGN 1928, 144), ein aiginetisches Münzbild (Brit. Mus. Cat. of Coins, Attica etc. Taf. XXVI 4–5) als Nachbildung zu erweisen, ist zu schwach begründet (die Münze stammt eher aus der Zeit nach der Herrschaft der Pergamener, die kaum den von ihnen entführten Apoll auf die Münze gesetzt haben würden; auf Aigina gab es noch andere alte Apollostatuen, vgl. Paus. II 30. 1). Die ‚olympische‘ Stufe ist auf Aigina durch die Sphinx vom ,Aphroditetempel‘ vertreten. Wie Furtwängler (Münch. Jahrb. d. bild. Kunst I 9) bemerkt hat, gehört diese zu der Gruppe von Werken, die eich um den sog. Apollon (vgl. nr. 1) auf dem Omphalos (Héron de Villefosse Mon. Piot. I 64. Ch. Karusos Ἀρχ. Δελτ. 13, 90. V. H. Poulsen Acta Archaeol. VIII 136) gruppieren. Dem Apoll ist nächst verwandt die verhüllte ‚Aspasia‘ (Amelung Röm. Mitt. XV 191; Arch. Jahrb. XLI 249. Poulsen 123), in einer Kopie als Europa bezeichnet (New York), vielleicht eine ‚dunkle‘ Demeter (vgl. nr. 2), an die sich ein Frauenkopf (Rom, Thermenmus.; Arch. Anz. 1928, 173) und eine durch originale Kleinbronzen (Spiegelstützen; Langlotz Frühgriech. Bildhauerschulen Taf. 25 b, 17 b) bekannte Frauenstatue anschließt. Verwandt ist außerdem in Gewandbehandlung und Haltung ein Hermes (vgl. nr. 3) mit Chlamys (sog. Phokion, Amelung Röm. [411] Miti. XV 193; Vatican, Helbig Führer³ 325. Brunn-Bruckmann 166. Furtwängler Ant. Gemmen Taf. 49, 6). Verwandt Statuetten (Terrakotten: Köster Ant. Terr. Taf. 18) des Hermes mit Widder wie bei nr. 3. Brunn Gesch. d. griech. Künstl. I 88. Overbeck Schriftquellen 421–428. 524. Klein Gesch. d. griech. Kunst I 347. Blümnerz St. des Paus. Bierb. Thieme-Becker, Allg. Lex. d. bild. Künstl. XXVI 17.