RE:Schlange

Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Tierart (zoologisch)
Band II A,1 (1921) S. 494557
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Schlange (zoologisch). Die S. spielten im Leben der Völker des Altertums eine so bedeutende Rolle wie keine andere Tierordnung mit Ausnahme der verschiedenen Haustiere. Hat es doch nicht nur zahlreiche Schriften über sie, sondern sogar Monographien über mehrere Gattungen [495] gegeben. Es können deshalb hier nur die wichtigsten Steilen der klassischen Literatur herangezogen und nach ihrer Bedeutung gewürdigt werden.

I. Allgemeines

a) Namen

Die zusammenfassende Bezeichnung für alle S. ist im Griechischen δφις, das die alten Lexika mit dem Stamm ὄπ - sehen zusammenbringen: παρὰ τὸ δπτω - ὀπτικὸν γὰρ τὸ ζφον - ἡ παρὰ τὸ Ἰὸς καὶ ἐν ὑπερθέοει δις καὶ πλεονασμφ τοῦ φ δφις - δ γὰρ δφις ἀνεφγμένους ἔχει τοὺς ὀφθαλμούς - ἡ ὡς ἄν εἰπης ὁ φησας ἤγουν τῆ γυναικὶ λαλήσας - ἐλάληαε γὰρ τῆ Ἔνα, Ètym. Gud.; vgl. u. H 12 unter δράκων. Nach dieser Etymologie, die jedoch nicht gesichert ist, wäre es also das Auge der S., an dem wohl die Starrheit des Augapfels besonders auffiel, das den Anlaß zur Benennung der Tiere gab. Das Junge heißt ψάκαλος (Aelian. hist. an. VII 47) oder ψάκαλον (Hesych.). Ὄψεις καὶ ἔχιδναι, das nicht selten bei Galen und Simeon Seth erscheint, heißt 20 wohl S., und zwar besonders Vipern. Bei Homer und Äsop ist δράκων der allgemeine Name, besonders für große S.; nur II. XII 208 steht δφις (202 und 220 δράκων); und Hesiod. Theog. 322 setzt im selben Verse δφις und δράκων gleich, ebenso v. 825. Was Paus. VIII 8, 5 über δράκων und δφις bei Homer sagt, ist unhaltbar. Ὄφις heißt auch das schlaffe männliche Glied, Arist. Lys. 759; Eccl. 909. - Die lateinischen Namen anguis und serpens sind vom Siehzusammenringeln und 30 bogenförmigen Kriechen hergenommen; sie werden völlig gleich gebraucht (anguis: omnium serpentium genus, Isid. orig. XII 4, 1), doch haben einzelne Schriftsteller eine Vorliebe für dieses oder jenes Wort: so braucht Livius serpens nur einmal, anguis dagegen häufig; Columella spricht oft von serpentes, während man anguis nur einmal bei ihm liest; Plinius hat anguis 40-, serpens 360mal. Da dies auch noch bei Celsus und Seneca und nie, wo es sich um abergläubische Vorstellungen handelt 40 (in diesem Sinne übrigens auch hydra), jenes mehr bei Dichtern vorkommt, könnte man vielleicht annehmen, serpens sei der wissenschaftliche, anguis der volkstümliche Ausdruck gewesen; doch bedeutet anguis häufig die große, würgende S. (der Etymologie entsprechend). Bei Vegetius fehlt serpens ganz. Außerdem gibt es im Lateinischen noch die Wörter coluber und colubra, die von colere (Grundbedeutung: sich drehend herumbewegen, Kel-1 e r Antike Tierwelt II 304 hält sie für Ver- 5( stümmelungen von σκολόπενδρα) abzuleiten sind und für alle S., giftige wie ungiftige, hauptsächlich jedoch für kleinere gebraucht werden; die lateinischen Glossare erklären es als δφις, χέραυδρος, κεγχρίνης δφις, serpens. Bei Plinius fehlt dieses Wort, kommt aber bei Dichtern von Plautus bis Apuleius nicht selten vor. - Mit δφις zusammengesetzte Wörter zählt Pape 34 auf, und selbst die spröde lateinische Sprache hat zehn von anguis abgeleitete Vokabeln auf- 6( zuweisen, ein Zeichen, wie eingehend der Volksgeist sich mit diesen Tieren beschäftigte. In die romanischen Sprachen ist anguis nicht eingedrungen, dagegen heißt die S. litauisch angis. Unter den ägyptischen Hieroglyphen gibt es mehrere, die S. darstellen, ein Name ist z. B. xxx. Im Hebräischen gibt es außer xxx noch mehrere allgemeine Benennungen für S. [496]

b) Gestalt

Die S. können eine ungeheure Länge erreichen - vgl. u. II 12–14 - (Arist. περὶ μακροβώτητος 5 p. 466 b 20), und zwar gilt dies in noch höherem Grade von den Weibchen, als den Männchen (hist. an. IV 11 p. 538 a 27). Sie haben die Farbe der sie umgebenden Natur, Plin. n. h. VIII 85. Paus. IX 21, 6; bei den Dichtern heißen sie recht häufig blaugrau («υάνθος, caeruleus): Hom. II. XI 26. 39, Enn. frg. 28. Verg. Aen. II 380; Georg. IV 482. Sil. It. II 584. Ihr Körper ist lang, gestreckt und mit Schuppen bedeckt, Arist. part. an. IV 1 p. 676 b 6. Plin. n. h. XI 228. Verg. Georg. III 426. Aelian. hist. an. XI 37. Sil. It. XIII 644. Die Füße fehlen ihnen, Arist. part an. IV 11 p. 690 b 14; hist. an. I 5 p. 490 b 25. Tertull. de anim. 10; doch vgl. u. II 25. Ihr Blut ist kalt, Theokr. XV 58. Verg. Ecl. VIII 71. Die Natur ihrer Knochen ist knorpelig, Arist. part. an. II 9 p. 655 a 20; ihre Wirbel sind dehnbar, IV 11 p. 691 b 32. Die Zahl der Rippen soll nach hist. an. II 17 p. 508 b 2 dreißig (Tage im Monatl) betragen, ein Irrtum, der von Plin. n. h. XI 207 und dem Paradox. Vatic. Rohdii 8 wiederholt wird und in 300 (ungefähre Tage im Jahrei) zu ändern ist; das wäre der Durchschnitt: die Zahl der S.-Rippen schwankt zwischen 180 und 450. Den Kopf können sie gut nach hinten biegen, Arist. hist. an, II 12 p. 504 a 14; part. an. IV 11 p. 691 b 32; einen Nacken besitzen sie nicht, 29. Ihre Zähne bezeichnet der Forscher hist. an. II 17 p. 508 b 2 als Reißzähne. Es sind nach Plin. n. h. XI 163 im Oberkiefer zwei, die rechts und links stehen, sehr lang sind und bei den Gift-S. eine dünne Röhre besitzen, aus der das Gift ausfließt; dieses sei nichts anderes als die Galle, die durch Adern unter dem Rückgrat zum Munde geleitet werde. Einige Schriftsteller behaupteten, es sei nur e i n Giftzahn vorhanden, der beim Biß, weil er gekrümmt sei, i einwärts gebogen werde; andere sagten, er falle dabei aus und ersetze sich wieder. Die Zähne des Unterkiefers sind zahlreich und säge- oder kammförmig, 160. Das Fleisch ist μανός (dünn, locker, spärlich), Arist. part. an. III 8 p. 671 a 20. Statt der Nasen, die vor dem Munde liegen (II 16 p. 659 b 2), haben sie nur foramina, Plin. n. h. XI 158; die Augen sind ohne Lider, Apoll. Rhod. IV 128. Die Zunge ist dünn, lang und schwarz (Luc. Alex. 12) und kann weit vorgestreckt werden; sie I ist an der Spitze gespalten (trisulca et vibrans Plin. n. h. XI 171, auch Ovid. met. III 34 très linguae und Verg. Aen. 475 und Georg. III 439 Unguis trisulcis; alles wohl Mißverständnisse des τριχώδες bei Arist. part. an. II 17 p. 660 b 8) und ihre Spitzen so dünn wie ein Haar, hist. an. II 17 p. 508 a 19. Gal. III 881. Daß die S. weder Venen noch Arterien haben sollen, hat Plin. n. h. XI 220 jedenfalls aus einem Wunderschriftsteller übernommen. Das Herz ist) klein, lang gestreckt und nierenähnlich. Arist. hist. an. II 17 p. 508 a 30. Die Luftröhre ist sehr lang: ihr Anfang befindet sich unmittelbar am Munde, so daß die Zunge darüber zu liegen scheint, 17. Die S. atmen durch Lungen, π, ἀναπνοῆς 10 p. 475 b 19; diese sind meist einseitig, durch einen faserigen Gang geteilt, sehr lang und vom Herzen weit entfernt (mst. an. II 17 p. 508 a 32), schwammig und blutarm (VIII 4 p. 594 a 8). Die Speiseröhre [497] ist sehr dünn und lang, 21. II 17 p. 508 a 18. Der Magen sieht wie ein geräumiger Darm aus; darauf folgt ein langer und dünner, bis zum Ende einfacher (also kein Blind-) Darm, 28. Aelian. hist. an. VI 18. Über die Eingeweide im allgemeinen sagt Arist. part. an. IV 1 p. 676 b 7: Τὰ σχήματα τῶν σπλάγχνων ἔχουσι μακρὰ καὶ τοῖς τῶν ἄλλων ζφων ἀνόμοια διὰ τὸ καθάπερ ἐν τύπῳ τὰ σχήματ’ αὐτῶν πλασθήναι διὰ τὸν τόπον. Die S. besitzen eine Galle (21. Aelian. hist. an. V 31), die derjenigen der Fische ähnlich ist und am Darme sitzt, Arist. hist. an. II 17 p. 508 a 35; eine lange und einfache Leber, eine kleine und runde Milz, 34. Eine Blase haben sie ebensowenig (part. an. III 8 p. 671 a 21. IV 13 p. 697 a 13) wie Brustwarzen, 11 p. 691 b 37. Auch die Hoden fehlen ihnen, 13 p. 697 a 11; hist. an. II 17 p. 508 a 12; gen. an. I 7 p. 718 a 18; anders Aelian. hist. an. V 31. Statt deren haben sie zwei von dem Zwerchfell aus sich erstreckende Gänge zu beiden Seiten des Rückgrats, die oberhalb zu einem Gange zusammentreten. Sie füllen sich zur Zeit der Begattung mit Samenflüssigkeit, und beim Druck darauf fließt weißer Same heraus, Arist. hist. an. III 1 p. 509 b 14. Der Eierstock ist lang und zweihörnig, II 17 p. 508 a 13; er nimmt seinen Anfang unten von einem einfachen Gange und erstreckt sich als dessen Fortsetzung zu beiden Seiten der Wirbelsäule, als ob auf jeder Seite ein Gang läge, bis zum Zwerchfell. Die Eier liegen reihenweise darin, III 1 p. 511 a 18; sie hängen aneinander wie Halsbänder, V 34 p. 558 a 30; sie sind lang und weich, Aelian. hist. an. V 31.

c) Verbreitung und Lebensweise

Es gibt unzählig viele S. (Plin. n. h. VIII 85. Arnob. II 59), besonders in Indien (ὠδίς δφεων Aelian. hist. an. XII 32. Strab. XV 706. Megasth. frg. 47) und Afrika (Diodor. III 36). Die Inseln Ophiusa in der Propontis (jetzt Afsia) und im Mittelmeer (jetzt Formentera) mögen vom Reichtum an diesen Reptilen so benannt sein, vgl. Plin. n. h. XXXV 202. III 71. Frei von ihnen sei Kreta ([Arist.] mir. ausc. 83 p. 836 b 27. Aelian. hist. an. V 2) und Astypalaia (8. Arist. frg. 318 p. 1532 b 4. Antig. hist. mir. 11), die Balearen und Pityusen (d. h. Ebusus), Plin. n. h. XXXV 202. Auf der Insel Sardinien gibt es wenigstens keine Gift-S. - S. sind Land- und Wassertiere; der größere Teil lebt auf dem Lande, nie auf Feldern, wo Psoralea bituminosa wächst, XXI 152; der kleinere im Süßwasser, noch weniger im Meere, aber auch hier nicht in großer Tiefe, Arist. hist. an. II 14 p. 505 b 5. Sie bewegen sich von vier Punkten aus (I 5 p. 490 a 31, näher erläutert περὶ πορείας Ι p. 707 b 26: Σημεῖον δεξιάν πρόσθιον ἔῳ' ὄδ A, ἀριστερὸν Ἴῳ’ ὄδ Β, ὀπίσθιον δεξιὸν ἔῳ’ ου Γ, ἀριστερὸν ἔῳ' ὅν D), und zwar sehr schnell (Aelian. hist. an. VI 18; ,sie gleiten dahin¹ Aemil. Macer carm. 8). Das Beiwort αἰόλος bedeutet ursprünglich .sich schlängelnd', z. B. Hom. Il. XII 208; später .listig¹, z. B. Nonn. Dion. XII 328. Vgl. Cic. carm. 19, 4 cervice micantem. Während der vier kältesten Monate halten sie (in Erdlöchern, Arist. hist. an. VIII 15 p. 599 b 1) Winterschlaf und nehmen während dieser Zeit keine Nahrung zu sich, a 31. Wenn sie wieder ans Tageslicht kommen, reiben sie sich die Augen an Fenchel und schaben sich mit Wacholderdornen, Plin. n. h. VIII 99. Dann [498] häuten sie sich (Arist. hist. an. V 17 p. 549 b 26; [mir. ausc.] 66 p. 835 a 28. Gal. XI 144. Tibull. 1 4, 35), nachdem sie Fenchel auch gefressen haben, Plin. n. h. VIII 99; und zwar löst sich die Haut zuerst von den Augen ab, dann von dem übrigen Kopfe; im ganzen dauert die Häutung, die zu Beginn des Frühlings geschieht, 24 Stunden, Arist. hist. an. VIII 17 p. 600 b 28. Aelian. hist. an. IX 16. Ihre Haut sieht man nicht selten 10 zwischen Dornen hängen, Luer. III 614, IV 58. Verg. Georg. III 437. Ovid. ara am. III 77. Die Angabe an der von Aubert-Wimmer übrigens als unecht erklärten Stelle Arist. hist. an. II 17 p. 508 b 7, daß abgehauene Schwänze der S. (nach 3 auch die Augen) wieder nachwüchsen (Plin. n. h. XI 264. Sanchun. bei Euseb. praep. ev. I 7), beruht wohl auf einer unrichtigen Verallgemeinerung der Beobachtung der Regeneration des Schwanzes bei Eidechsen. Ihre Stimme ist ein Zischen, IV 9 p. 536 a 6; stridens Stat. Theb. I 599; sibila Sil. It. II 587. Sen. Oed. 727. Sie sind Fleischfresser, brauchen aber wenig Nahrung, Theophr. frg. 171, 9. Haben sie ein Tier gepackt, so verschlingen sie es, wie es ist, indem sie sich abwechselnd zusammenziehen und ausdehnen, entziehen ihm alle Säfte und lassen es unzerstückelt wieder abgehen. Sie ergreifen, was sich ihnen irgend darbietet: Mause (Aesop. 345), kleine Vögel, z. B. junge Schwalben (418), Sandvipern (doch wenn sie von denen gefressen haben, nehmen sie Dosten danach, [Arist.] hist. an. IX 6 p. 612 a 37) und Eier, VIII 4 p. 594 a 8. Sie können lange dursten und hungern, sind aber sehr gierig nach Wein und süßen Getränken und haben wegen ihrer gespaltenen Zunge auch einen doppelten Genuß davon, part. an. II 17 p. 606 b 6. IV 11 p. 691 a 6. Tut man aber Teufelsdreck in den Wein, dann lassen sie davon ab, Plin. n. h. XXII 106. Nach Ael. hist. an. VI 18 richten sie sich hoch auf und lassen die Speisen in den Magen rutschen, können sie den Geruch der Raute nicht vertragen ([Arist.] hist. an. IX 6 p. 612 a 35. Ael. hist. an. IV 14. An-tig. hist. mir. 41; dagegen fressen die Vipern gerade nach Theophr. c. pl. VI4,7 Raute und Knoblauchsgamander) und haben einen Widerwillen gegen Ibisflügel, Aelian. hist. an. I 38. II 38. Geop. XIII 8, 5. Ebenso fliehen sie die Eschen, ja sogar deren Schatten; Plin. n. h. XVI 64 behauptet selbst gesehen zu haben, daß eine S., die zwischen Eschen-50 blätter und Feuer gelegt wird, sich lieber ins Feuer stürzt. Die S. umschlingen sich bei derBegattung mit einander zugekehrten Bauchseiten (Arist. hist an. V 4 p. 540 a 33) und kommen schwer wieder voneinander Ios, weil sie in Ermangelung festhaltender Geschlechtsteile ihren Schleim bei der Umklammerung benutzen, gen. an. I 7 p. 718 a 27. Einige riechen hierbei widerlich, Aelian. hist. an. IX 44. Daß sie sich gegenseitig umschlingen, soll nach Plin. n. h. XXIX 54 die Veranlassung für einige 60 Völker gegeben haben, ihre Heroldstäbe mit S. zu zieren, die jedoch keinen Kamm auf dem Kopfe haben dürfen. Die meisten 8. legen Eier (XI 22®), und zwar auf einmal alle (Arist. hist an. III 1 p. 511 a 19) in die Erde, die im nächsten Jahre meist ohne mütterliche Bruttätigkeit auskommen, V 34 p. 558 a 30. Sie leben sehr lange, περὶ μακροβιότητος 5 p. 466 b 20.

d) Gefährlichkeit.

Daß sehr viele S. [499] wegen ihres Giftes auch den Menschen gefährlich werden können, war den Alten selbstverständlich seit den ältesten Zeiten nur zu bekannt. Die Gebissenen sterben nach Blutverlusten aus Mund, Nase und ganzem Körper, Gal. XIV 234. Nur Wahnsinnigen und Kindern kann es einfallen, sie anzufassen, sagt Arist. eth. Eud. III 1 p. 1229 a 18; und selbst Zeus nimmt kein Gescheide von ihnen an, Aesop. 153. Φθοροποιον γὰρ τὸ ζλρον καὶ Ἀναιρετικὸν ἐξ ἐαυτου, sagt Philo leg. alleg. III 23. Vgl. Horat. carm. III 10, 15. Ovid. met. XI 56; Ib. 481. Stat. Theb. I 600; silv. I 4, 103. Sil. It.II 584ff. VI 181. Mart. Cap. IV 328. Sen. de ir. II 31 empfiehlt freilich sie lieber zu zähmen als zu töten. Doch finden wir hier, wie so häufig, Übertreibungen, und harmlose Nattern hat man von giftigen Ottern nicht immer zu unterscheiden gewußt. So hält Cic. Ac. II 38 an der Stelle, wo er fragt, warum Gott wohl die S. geschaffen habe, auch dieRingelnatterfür ein giftiges Tier; auch Verg. Georg. III 435 läßt sich denselben Fehler zuschulden kommen, wo er von der Gefährlichkeit der verschiedenen S. für den Landmann spricht; auch Aen. II 378 und 471 redet er von der Furcht vor diesen Tieren. Daß S.-Gift, verschluckt, nichts schadet und man auch S.-Fleisch ohne Gefahr genießen kann, weiß Ceis. V 27, 3; ferner behauptet er, man könne einer von Gauklern betäubten S. bequem die Hand ins Maul stecken und mit ihrem Speichel befeuchten. § 10 heißt es, der Biß sei am giftigsten, wenn die S. oder der Mensch nichts gegessen habe. Am schönsten schildert Hom. II. III 33ff. die Furcht des Menschen vor diesen Tieren:

,So wie ein Mann, der durch das Unterholz
Des Bergwalds wandert, plötzlich jäh erschrickt,
Wenn er die S. dicht vor sich erblickt,
Und rücklings wankt, ging er auch vorher stolz,
Zusammen fährt er, sein Gesicht erbleicht,
So Paris jetzt vor dem Atreiden weicht.‘

Ebenso die Gefährlichkeit und Gereiztheit der S. XXII 93ff.:

,So lauert tückisch auf den Wandersmann
Des Dickichts S. dort vor ihrem Nest,
Die gift’ge Säfte nährt im düstern Tann;
Nun geifert sie, ihr Blick nicht von ihm läßt,
Sich furchtbar ringelnd blickt sie starr ihn an.‘

Nachgeahmt von Verg. Aen. II 379ff. 471ff. Vgl. Aelian. hist. an. VI 4. Man benutzte die Giftigkeit der S. zur Verteidigung: so erzählt Sil. It. I 322, daß die Karthager mit S.-Gift bestrichene Pfeile gegen Sagunt geschleudert hätten, und Nep. Hann. 10, daß dieser Feldherr im Kriege gegen Eumenes eine Menge in irdenen Gefäßen aufbewahrte S. während der Nacht auf dessen Schiffe bringen ließ, wodurch die Matrosen verwirrt wurden und flohen. Die S. auf dem Helikon sollen nach Paus. IX 28, 1 deshalb nicht giftig sein, weil sie kein Gift fressen. Von einem Phönizier hat derselbe Reisende sich aufbinden lassen, daß in dessen Heimat die S. nach dem Genüsse gewisser Wurzeln wütender würden (vgl. Arist. frg. 334 p. 1534 a 18); dieser Mann habe selbst einen Menschen gesehen, der, vor einer solchen S. auf einen Baum geflohen, nur von weitem von ihr angehaucht, gestorben sei. Aristoxenos erzählte nach Aelian. hist. an. VIII 7, daß ein Mann, der eine S. mit den Händen erwürgt habe, ohne von ihr gebissen zu sein, doch starb und seine Kleider [500] nach kurzer Zeit zu faulen begannen. Bekannt ist die Geschichte von Philoktet, der wegen eines eiternden S.-Bisses auf Lemnos ausgesetzt wurde, Hom. Il. II 723. Soph. Phil. Ovid. trist. V 2, 14. Darüber, daß der Kaiser Heliogabal große Mengen S. unter das Volk schüttete und sich freute, wenn recht viele gebissen wurden, braucht man sich nicht zu wundern, Hist. aug. Hel. 23. Pherekydes von Syros soll an S., die aus seinem Körper herauskamen, gestorben sein, ein Mißverständnis des Plin. VII 172, da Diog. Laert. I 118, Aelian, var. hist. IV 28 und Suidas von Läusen (wohl Kleiderläusen, den Verbreitern des Flcckfiebers) sprechen. Dic 8. sollen von einem inneren Triebe gezwungen werden, zu dem, den sie einmal gebissen, stets wieder zurückzukehren, Nigidius bei Plin. n. h. XXIX 69. Schweine fressen S., ohne Schaden zu nehmen, XI 279. Manche S. schadeten nach der Meinung der Alten nur den Fremden, nicht den Einheimischen, 20 so besonders die bei Tiryns, in Syrien und Mesopotamien, [‌Arist.] mir. ausc. 149 p. 845 b 9. Aelian. hist. an. IX 29. Plin. n. h. VIII 229. Bezeichnend für die Denkweise des angehenden Mittelalters ist die Stelle des Theod. Prisc. II 26: ,Einige meinen, daß S.-Bisse die Ursache der Wasserscheu seien. Doch den Ursprung einer Krankheit genau zu untersuchen, ist überflüssig; denn was nützt es den Kranken, zu wissen, weshalb sie es sind?‘

e) Mittel gegen Schlangenbiß

Die antike Lite-30 ratur darüber ist ungeheuer (erhaltene Schriften sind gesperrt gedruckt). Apollodor der Iologe (Bd. I 8. 2895 Nr. 69): λόγος θηριακός (das grundlegende Buch schon für Nikander) und περὶ θανάσιμων φαρμάκων. Nikander: θηριa κ a f à λ ἐ ξφρ μὰ κ a und die Elegie ὀφιακά, von der drei Fragmente erhalten. Epainetos (Bd. V S. 2672 Nr. 9): θηριακά, ein erhaltener Auszug herausgegeben von Rohde Rh. Mus. XXV1H 264ff. Herakleides vonTarent (Bd. VIIIS. 494 Nr. 54): 40 θηριακά, Sostratos: περὶ βλητων ἡ δακέτων, Andromachos der Ältere (Bd. I S. 2153 Nr. 17): περὶ Γαλήνης (dies Mittel verdrängte das ältere des Mithridates und wurde später Theriak genannt, s. u. II 18 g). Andromachos der Jüngere (Bd. I S. 2154 Nr. 18): περὶ φαρμάκων ὀκενασίας. Aemilius Macer (Bd. I S. 567 Nr. 86): theriaca. Damokrates (Bd. IV S. 2069 Nr. 8): περὶ ἀντιδότων, Asklepiades ὁ Φαρμακίων (Bd. II S. 1633 Nr. 43): θηριακά, Archigenes (Bd. II S. 486): 50 περὶ ἰοβόλων θηρίων καὶ δηλητηρίων φαρμάκων, Aelius Promotus (Bd. I S. 528 Nr. 117): περὶ Ἰοβόλων θηρίων καὶ δηλητηρίων φαρμάκων (noch nicht veröffentlicht). Galen: περὶ θηριακῆς πρὸς Παμφιλἀνόν und περὶ θηριακῆς πρὸς II ἴσωνα XIV 210–310 Kühn. Philumenos: περὶ ἰοβόλων ζφ ὧν καὶ θεραπείας CMG X 1, 1 (das wichtigste und eingehendste der herausgegebenen Werke über unseren Gegenstand. 60 auf dem ein großer Teil dieser Abhandlung beruht: es fußt auf Apollodor und Sostratos und auf einigen weniger bekannten Iologen wie Hermas [‌Bd. VIII S. 722 Nr. 3], Numenios, Philinos und Polyeides). Ps.-Dioskurides: περὶ Ἰοβόλων, Aetios von Amida: περὶ ἰοβόλων (XIII 1–44 des Tetrabiblon). Paulus von Aigina: περὶ Ἰοβόλων (V 1–26 des Hypomnema). Auch andere Ärzte beschäftigen sich [501] in ihren therapeutischen und pharmakologischen Schriften mit dieser Frage.

Als allgemeine Mittel gegen alle S., um die es sich in diesem Abschnitte nur handelt, empfiehlt Nikander Ther. 550 an erster Stelle Lauch und dann noch eine ganze Reihe anderer Dinge; in alex 13 nennt er besonders Akonit, 201 Brennessel (Diosc. IV 93. Plin. n. h. XXII 31) und 524ff. ein Gemisch aus Rettich und Kupferoxyd. Das Mittel des Dorotheos steht bei Gal. XIV 187. Das Ausbrennen der Bißwunde zieht Philumenos 3 in allen Fällen vor, 6 bespricht er die Vorsorge des Ausräucueins, um die S. zu vertreiben, und führt aus Archigenes Hufe und Haare von Ziegen an, die angebrannt werden sollen; ferner ein zusammengesetztes Mittel des Arztes Philinos. Auch ein vorheriges Einsalben des Körpers mit ölen (besonders scharf riechenden, wie Zedern-, Wacholder- usw«) ist von Nutzen, 7, 1–2. Wird man nun aber, ohne es vorher bedacht zu haben, auf dem Felde oder im Walde von einer S, gebissen, so hat man folgendes zu tun: An Ort und Stelle muß man die Wunde aussaugen, aber möglichst vorher etwas essen und den Mund mit Wein ausspülen, auch während des Saugens ein Schlückchen Öl im Munde behalten. Weder Mund und Zahnfleisch dürfen verwundet, noch die Zähne kariös sein. Ist man zu Hause angelangt, streicht man ein Gemisch von Asche (Plin. n. h. XX 95) und Essig auf. Ist die Verwundung schwerer, kann man auch zur Ader lassen oder Schröpfköpfe aufsetzen, ja - was noch sicherer ist - das Fleisch rings herum ausschneiden; sind es Finger oder Zehen, sie einfach abhauen, Philum. 7, 3–5. Verschiedene Pflaster, 6. In Ägypten war folgendes Sitte: Dort hatte man bei der Ernte, wo S.-Bisse leicht vorkommen konnten und wirklich vorkamen, einen Topf siedenden Peches und Strippe bereit; wurde nun jemand am Arm oder Bein gebissen, dann wurde die Strippe in das Pech getaucht und ein- bis zweimal etwas oberhalb der Wunde scharf zugeschnürt; nach einiger Zeit riß man sie herab und legte dann Zwiebel oder etwas Ähnliches auf; dies sollte sicher helfen, 7–9. Andere Pflaster, 10. 11–12 wörtlich: fZichone, Baumheide und Bärenschote in Essig getrunken, helfen bei allen Bissen giftiger Tiere, ebenso Asphalt und grüne Platanenblattkügelchen zu einem Brei gekocht; auch Kreuzdorntee, Osterluzei-und Mannstreuwurzel (Diosc. III 21. Plin. n. h. XXII 18) und gekochte Lorbeeren gegessen, öfterer Genuß von Pfefferkörnern, Raute, Dill (ἄνηθον, soll wohl ἄνησσον heißen; vgl. Diosc. II 56 und Plin. n. h. XX 195), Knoblauch, Zwiebeln (Diosc. II 151, Plin. n. h. XX 40) und sehr scharfem Pökelfleisch, Dostentee mit einem Schuß Wein getrunken, schließlich Fenchel-, Polei-, Minzen- und Schnittlauchsaft (Diosc. II 149. Plin. n, h. XX 45) in süßer Milch geschlürft. Dies wäre aus dem Pflanzenreich; aus dem Tierreich nimmt man mit Nutzen folgendes: Man esse Hennengehirn, trinke Hasenlab in Wein und ebenso 6822 mg Bibergeil. In gutem Rufe steht auch ein gedörrtes Wiesel; man nimmt es aus, hält es übers Feuer und läßt es im Schatten austrocknen; auch von ihm werden 6822 mg in Wein gegeben*. Auch Abführ-, Harn-und Schweiß treibende Mittel werden §§ 13–14 empfohlen und beschrieben. Gegen Blutverlust ist ein Mittel des Hermas gut, Kap. 8. Kap. 9 handelt [502] über Lebensweise und Pflege Gebissener: ,Die Speisen seien herb, abführend, blähend, berauschend, d. h. Knoblauch (Simeon Seth 101, 8 ed. Langk.), Zwiebeln, Pökelfleisch, Pfeffer (Diosc. 11 159), Rettich, Wein. Jede Bewegung und viel Schaukeln bei Tag und Nacht ist gut? Kap. 10 enthält in §§ 1–5 noch drei Gegenmittel, in §§ 6 –9 zwei Pflaster. Bei Paulus von Aigina und Aëtios von Amida, die den Phflumenos ausgeschrie-10 ben haben oder auf derselben Quelle beruhen, steht nichts Neues. Plinius hat folgende Heilmittel: Storax XII 81, Mutterharz 126; man trinkt Eschen-und legt die ausgepreßten Blatter auf die Wunde, XVI 64. Um die Kriechtiere zu vertreiben, soll man an einem überdachten Misthaufen einen eichenen Pfahl einrammen, XVII 57 (aus Varro r. r. I 38, 3 über Colum. II 14, 6). Rübsamen in Wein soll man trinken oder die Wunde damit bestreichen, XX 18; ebenso in Essigwasser abgekochte Borke, 23. Sehr wirksam ist Mohrrübe; wer die gegessen hat oder nur bei sich tragt, wird von keiner S. angegriffen; ist man gebissen, dann wird sie mit Wagenschmiere aufgelegt, 81 (Diosc. III 52). Ferner Kopfsalat 51, Lattich 62 (Diosc. II 136), Mangoldwurzel 69 und der Saft des Krautes 70, Weißkohl 94 (Diosc. II 120), Meerzwiebel 100 (Diosc. II 171), megarische Zwiebeln in Essig 106, abgekochter Saft vom Waldspargel 110 (Diosc. II 125), Petersilie zum Trinken und Einreiben 118 30 (Diosc. III 66), gefleckter Schierling 132, Melisse 145 (Diosc. III 35), Pfefferminz 150 (Diosc. III 34), Psoralea bituminosa XXI 152 (Diosc. III 109) und Wacholder XXIV 54. XXV 99–102 als wichtigste Stelle wörtlich: ,Wasserampfer, die Wurzel sämtlicher Opopanaxarten (Diosc. III 48–50) in Wein, Blüte und Samen von Opopanax Chironium (Diosc. III 50 ἡ ρίζα καὶ ἡ κόμη) getrunken oder mit Wein und öl eingerieben, besonders der sog. Ochsen-Majoran, von der Wurzel der Himmels-40 leiter (Diosc. III 8) oder des Klebkrauts (Diosc. III 90; vgl. Plin. n. h. XXVII 32) 13,644 g in reinem Wein, zilizischer Gamander (Diosc. III 97), Milchlattich, Knoblauchsgamander in Wein, besonders gegen große S., entweder getrunken oder eingerieben, und zwar Saft oder Blätter oder Tee; vom Großtausendgüldenkraut 3,411 g Wurzel in 136, 5 ccm Weißwein, Enzian (Diosc. III 3) besonders gegen große S, grün oder trocken 6,822 g mit Pfeffer und Raute in 273 ccm Wein; auch vor Lysi-50 machia thyrsiflora fliehen sie (Diosc. IV 3); sie wird in Wein den von der schwarz-weißen Brillen-S. Gebissenen gegeben; auf den Biß wird mit sehr gutem Erfolg Fuchsschwanzbetonie aufgelegt; denn die hat solche Kraft, daß S., in einen Kreis solcher Blüten eingeschlossen, sich zu Tode peitschen; bei Bissen werden 3,411 g des Samens dieser Pflanze in 136, 5 ccm Wein oder 10,233 g gemahlener Same in 545, 8 ccm Wasser gegeben; von der Wurzel der kantabrischen Winde, Origanum dictamnus (Diosc. 60 III 32, 2) oder der großen Osterluzei 3,411 g in 273 ccm Wein, aber häufiger einzunehmen. Dies nützt auch eingerieben in Essig; ähnlich die runde Osterluzei, die man auch über dem Herde aufhängt, um die S. aus den Häusern zu vertreiben. Auch vom Bastardmohn gibt man 3,411 g der Wurzel in 136, 5 ccm Wein und läßt dies trinken.‘ Man soll auch eine Salbe aus Salbei und Öl herstellen und damit die Wunde einreiben, XXVI 31; oder [503] Schwalbenwurz nicht nur trinken, sondern auch einreiben 35 (Diosc. III 92). Alle diese Angaben des Plinius über Heilpflanzen stammen aus Sextius Niger, den ja auch Dioskuridesfür sein Werk zugrunde gelegt hat; wo dieser also abweicht, haben wir vielleicht Krateuas vor uns; daß dies nur sehr selten der Fall ist, zeigen die wenigen fehlenden Parallelstellen (o. Diosc. usw.)*, manchmal nennt der griechische Forscher allerdings nicht S., sondern Skorpione, giftige Spinnen oder tolle Hunde, gegen die das betreffende Mittel anzuwenden sei; außerdem hat er noch folgende Mittel: Die Blätter des Streifenfarns in Wein genossen, auch für Haustiere, III 107; wenn jemand die purpurrote Frucht von Lithospermum fruticosum zerkaut und dann einer S. ins Maul speit, wird diese sterben, IV 25 (nach Lucr. IV 622 frißt sie sich dann selbst auf); ferner hilft Echium rubrum (27) und Alraun (75, 5). Hierzu kommen nun noch einige Ammenmärchen, die bei ernsthaften Schriftstellern fehlen: So erzählt Plin. n, h. VII 15 nach Krates und Varro, am Hellespont bei Parium habe ein Volk gelebt, die sog. Ophiogenen (über ihre Entstehung s. Aelian. hist. an. XII 39), die ebenso wie die Marser (Sil. It. VII 495) - über deren Göttin Angitia s. d. Bd. I S. 2191 - durch bloße Berührung den S.-Biß heilen konnten; und Agatharchides ist ihm Gewährsmann dafür, daß die Psyller in Afrika in ihrem Körper einen Stoff gehabt hätten, dessen bloßer Geruch die S. einschläferte. Den Römern halfen sie durch ihre wunderbaren Fähigkeiten auf einem Feldzuge (Lucan. Phars. IX 924ff.): Erst bestrichen sie die Wunde mit ihrem Speichel, und dann murmelten sie Zauberformeln, nach denen das Gift gewöhnlich wich. War es schon zu tief eingedrungen, so sogen sie es aus. Sie konnten schon durch den bloßen Geschmack feststellen, welche Art S. gebissen hatte. Dies Volk hatte die Gewohnheit, die Neugeborenen giftigen S. vorzuwerfen, und wenn diese flohen, waren jene von echter Herkunft; vgl. u. II 20 d. ,Übrigens¹, fährt Plinius fort, ,tragen alle Menschen etwas den S. Verderbliches in sich, nämlich ihren Speichel, vor dem jene Tiere wie vor siedendem Wasser flüchten; dringt er in ihren Rachen, so sterben sie, vorzüglich, wenn er von einem nüchternen Menschen herrührt.¹ Dasselbe behauptet Plin. n. h. XXVIII 35 und fügt 38 hinzu, die Ophiogenen seien eigentlich auf Cypern zu Hause; von da sei ein gewisser Euagon als Gesandter nach Rom gekommen, von den Konsuln in ein Faß voll S. geworfen, aber nur beleckt worden. Seine Familie sei daran zu erkennen, daß sie im Frühjahr einen giftigen Geruch habe; nicht nur ihr Speichel, sondern auch ihr Schweiß sei wirksam. § 40 folgen noch Ohrenschmalz und zerstoßene Menschenzähne als erprobte Mittel. XXIX 62 behauptet er, daß frischer, in Wein gekochter Schafmist oder zerschnittene Mäuse nicht zu verachten seien, und 71, daß im äußersten Notfälle Auflegen von S.-Eingeweiden oder Essen gekochter Vipernleber helfe. Raubvogelfedern, verbrannt, vertreiben S.; wer Raubvogelherzen bei sich trägt, ist vor ihnen sicher, 74. Frisches Tauben- oder Schwalbenfleisch, auch die Asche verbrannter Uhubeine mit Bleiwurz ist zu empfehlen, 81; ebenso Fledermaus-blut mit Disteln gemischt, 83. Ceis. V 27, 3, der auch die Fähigkeit der Ophiogenen realistisch [504] aufzuklären sucht, hat dieselben natürlichen Hauptvorschriften wie Philumenos, also Abbinden des Gliedes usw.; nur ist er der Ansicht, daß die Wunde, im Falle keine andere Hilfe möglich ist, unbedingt ausgesogen werden müsse; dann solle man den Menschen an irgendeinen warmen Ort tragen und so legen, daß der verletzte Körperteil nach unten hängt. Ist weder jemand zum Aussaugen noch ein Schröpfkopf da, muß man so viel 10 Gänse-, Hammel- oder Kalbsbrühe essen, bis man sich übergibt, und ein noch warmes halbes Küken mit der inneren Seite auf die wunde Stelle legen. All die schönen pflanzlichen Mittel, Pflästerchen, Tränke und Mischungen fehlen bei Celsus völlig. Galen hat wenig allgemeine Mittel, Pallad. r. r. I 35, 11, Simeon Seth 36, 18 ed. Langk. und Aelian. hist. an. II 9 empfehlen, Hirschgeweih zu reiben und die Späne anzuzünden (das könnten die S. nicht riechen und verzögen sich) oder Geierflügel zu 20 räuchern, I 45. Weiter nach dem Mittelalter hinein werden die Arzneien immer ungeheuerlicher: so empfiehlt Simeon Seth 36, 25, Schamglieder zu essen. Derselbe Arzt nennt 70, 22 Saft von Myrtenblättern (vgl. Diosc. I 112), den man bis zu Va 1 trinken soll; die Myrte heißt bei ihm μυροινόκοκκος. Über das Fernhalten der S. vom Vieh-h o f sprechen die Geoponica in dem Abschnitt περὶ ὄφεων XIII 8, der den Florentinus zum Verfasser hat. Hier heißt es in § 1: ,S. werden sich auf dem 30 Hofe nicht einfinden, wenn man Wermut, Beifuß oder Eberraute (Diosc. III 24) herumpflanzt. Sind sie aber da, dann vertreibt man sie, indem man Lilienwurzeln, Hirschhorn oder Ziegenhufe verbrennt (Pallad. I 35, 11)*. §§ 2–3 handeln über alle Kriechtiere. §§ 4–5: ,S. werden dem Taubenschlag nicht lästig fallen, wenn man an die vier Ecken die vier Buchstaben des Namens Adam schreibt: wenn er Türen hat, auch auf diese. Demokrit (B 300, 8 Diels) sagt, eine S. werde be-40 wegungslos, wenn ein Ibisflügel auf sie geworfen würde, und sterbe, wenn man Eichenblätter auf sie streue und ein Nüchterner ihr ins Maul spucke.* § 6 Mittel des Apuleius, § 7 des Tarantinus, § 8 des Florentinus. Garg. Mart. 13 empfiehlt Brunnenkresse zum Einnehmen und Ausräuchern. Was man zu tun hat, wenn ein Haustier gebissen ist, sagt uns der alte Cato r. r. 102: man soll nämlich 68, 2 ccm Schwarzkümmel oder Myrrhendolde in 243 ccm altem Wein verreiben, dies durch die Nase eingießen und auf die Wunde Schweinemist legen. vgl. Diosc. III 68. 79. Durch Gesang will S. der liebenswürdige Tibull. I 8, 20 verscheuchen, ebenso Verg. Ecl. VIII 71; vgl. Aelian. hist. an. VI 33.

f) Kämpfe mit Schlangen

Die S. kämpfen - oder spielen? - mit einem Affen auf einem pom-peianischen Wandgemälde, Helbig nr. 5; einem Panther auf einem Ornament bei Keller Tiere des klass. Altert. 152; mit Füchsen ([‌Arist.] hist. an. IX 1 p. 610 a 12), Wieseln (612 a 29. Aesop. 345. Plin. n. h. X 204) und Schweinen (ebd.). Elefantenhauch lockt sie aus ihren Verstecken, XI 273. Eine S. sich gegen eine Maus aufbäumend und diese bannend bei H e 1 b i g Pomp. Wandg. 1606. Tzetz. ad Lycophr. 103 schildert den interessanten Kampf mit Igeln, bei der die S. sehr häufig den kürzeren zieht; nach Opp. hal. II 359ff. tragen die Igel Teile der besiegten S. auf ihren Stacheln herum. Mit einem Ichneumon [505] kämpft eine S. bei Keller Münzen und Gemmen XVI 6, XXIII 10. Sehr oft wird der Kämpfe zwischen S. und Hirschen gedacht, die nach dem Genüsse von S. durstig werden, Simeon Seth 36, 1 ed. Langk,; eingehende Schilderung bei Opp. cyn. II 233ff.: Der Hirsch lockt die S. durch heftiges Einziehen der Luft aus der Höhle heraus; fauchend und zischend erscheint sie. Aber der Hirsch packt sie ohne Umstände und kaut sie ruhig, ohne sich um ihr Zappeln zu kümmern; 2510.: καὶ κε τάχ’ οἰκτείρειας ἀπηνέα περ μάΧ ἐόντα ὤμηστηρα ρι~ φέντα πολυτμήτοιαι φόνοισιν, Dasselbe bei Plin. n. h. VIII 118. XXVIII 149. Mart. XII 29, 5. Aclian. hist an. II 9. VIII 6. Ambros, hex. III 9, 40. Plut. soll. an. 24 leitet das Wort ἔλαφος sogar von Ἴθις ὄφεων ab; nach Hrab, Maur. CXI 204 Migne fressen die Hirsche die S. zur Heilung. - Prachtvoll lebendig ist die Schilderung bei Hom. II. II 3080., wo sich eine gewaltige S. an einem Ahorn emporringelt, auf dessen schwankem Ast eine Sperfingsmutter mit ihren acht unfiüggen Jungen nistet. Die S. ergreift erst diese und erhascht schließlich auch noch die Alte, die ihre Kleinen zwitschernd umfliegt. Nicht minder präch' tig die Erzählung des Kampfes zwischen einem Adler und einer S. XII 2020. Den Troern, die zum Kampfe vorgehen wollen, erscheint von links ein Adler, der eine blutige S. in den Klauen trägt; doch sie zappelt noch und beißt ihren Peiniger in den Hals, so daß er sie fallen läßt und von Schmerzen gequält entflieht; seine Jungen warten vergeblich auf Futter. Anders verläuft der Kampf bei Verg. Aen. XI 7510., da der Adler die S. besser gepackt hat, daß sie nicht beißen kann; ebenso bei Ovid. met. IV 862. 7120. Cic. de leg. I 1. Die ältesten griechischen Münzen aus der ersten Periode von Siphnos zeigen bereits S. im Kampfe mit Adlern, Keller Tiere d. klass. Altert. 247; auch solche aus Elis (Cat. Brit. Mus. V B 31) und Chalkis, Eckhel Doctrina numm. I 2, 323. Eine rührende Geschichte erzählt Aelian. hist. an. XVII 37 nach Aesop. 120: Erntearbeiter schickten einen Mann zum Wasserholen aus; dieser traf einen Adler, der von einer S. hart bedrängt wurde und dem Tode nahe war. Der Mann nahm seine Sichel, hieb die S. tot, schöpfte sein Wasser und kehrte auf das Stoppelfeld zurück; hier vermischten sie das Wasser mit Wein und tranken. Als er nun auch selbst den Becher an die Lippen setzte, kam der Adler wieder herbeigeflogen und riß ihm den Trank aus den Händen. Der Schnitter war natürlich empört und schalt den Adler undankbar; doch wie er sich umblickte, sah er seine zehn Genossen in Todes-zuekungen. Das Wasser war vergiftet gewesen. Auch der S.-Bussard macht sich an 8., [‌Arist.] hist. an. IX 1 p. 609 a 24. 36. p. 620 a 18; ebenso andere Falken, Aelian. hist. an. X 14. Ferner sollen sich Raben, freilich nur in der Not, an ihnen vergreifen, Aesop. 207. Der Ibis frißt S. und verdaut sie schnell, Aelian. hist. an. X 29. Diod. I 87. Cic. nat. deor. I 101. Ein Reiher läuft auf eine S. zu bei Keller Münzen und Gemmen XXII 6. Der Storch nährt seine Jungen mit S., Iuven. XIV 74. - Die Schildkröten sollen den 8. überlegen sein: sie fressen sie ([Arist.] hist. an. IX 1 p. 612 a 24), doch kauen sie hinterdrein Dosten (Plin. n. h. VIII 98. Aelian. hist. an. III 5) oder Raute, VI 12. Das Chamäleon ärgert die S., indem es ihr mit einem [506] starken Stück Holz im Maule entgegen geht, so daß die S. es nicht fressen kann, IV 33. Daß ein Kampf mit Heuschrecken ([‌Arist.] hist. an. IX 1 p. 612 a 34) nicht einfach als Unsinn abzuweisen ist, hat Gossen in dem Art. Heuschrecke (o. Bd. VIII S. 1383) glaublich zu machen gesucht. Wie eine Wespe eine S. beunruhigt, lesen wir Aesop. 393. Sie selbst suchen dagegen die Bienen heim, Aelian. h. a. I 58. Man. Phil. an. pr. 31, 3. Nichts soll ihnen so zuwider sein wie Krebse, Plin. n. h. ΧΠΙ1 54.

g) Anwendung in der Heilkunde.

Apotheker hielten sich Gift-S. für ihre Zwecke. Arist. Kist. an. VIII 4 p. 594 a 23. Im allgemeinen wurden Mittel aus 8., ohne daß die Art genau angegeben wurde, ziemlich selten verschrieben, vgl. Plin. n, h. XIX 111. Die Haut, in Essig gekocht, sollte gegen Zahnschmerzen (Gal. XII 342), Ohrenschmerzen (Diosc. II 17), Buhr, Hartleibigkeit (Plin. n. h. XXX 57) und Krampfadern gut sein (81) und auch sonst helfen, Gal. XIV 241. Pallad. IV 10, 3. Bei Epilepsie mußte man sie nach dem Bade mit Erdpech und Lammfett zusammen nehmen, Plin. n. h. XXX 81. An den Unterleib gebunden, erleichtert sie die Geburt; man gab sie auch in Wein mit Weihrauch ein; anders hätte sie Fehlgeburt bewirkt, 129. Nach dreitägigem Genüsse vertreibt sie auch den Flecktyphus, 144. Der Stock, mit der einer S. ein Frosch abgetrieben ist, lindert die Wehen, 129. Knochen ziehen Ge-30 schosse aus Wunden, 122; man brauchte sie auch zum Liebeszauber, Prop. III 6. 28. Große Zähne, ans Gesicht gebunden, stillen den Schmerz beim Zahnen der Kinder, Plin. n. h. XXX 136. Das mit der linken Hand der lebenden S. herausgenommene Herz muß man an kranke Stellen binden, XXIX 100. Das Fett benutzten schon die Hippokratiker zu einem Umschlag, um die Empfängnis möglich zu machen, περὶ ἀφόρων VIII 433 L. Das rechte Auge einer lebenden S. bindet man gegen Schnupfen 40 an, Plin. n. h, XXIX 131. S.-Asche mit Rosenöl ins gesunde Ohr geträufelt, heilt das andere kranke, XXX 24. Findet man eine S. zwischen zwei Wagenspuren und schneidet ihr Kopf und Schwanz ab, so hilft sie gegen geschwollene Drüsen, 37. Man aß auch S.-Fleisch: es sei trocken, mäßig wärmend und wirke drückend auf die Haut, so berichtet Orib. II 731 D.-R.; nach Plin. n. h. VII 27 wirkt es lebenerhaltend, was man an den Leuten auf dem Athos sehen könne, die sich davon ernährten. Vgl. 50 Plaut. Stich. 321: Quid istic inest? - Quas tu edes colubras! Die Amazonen nährten sich von S.. Etym. Gud. s. !Α.μάζονες, Die Pythia nannte die Spartaner ὀφιοβόροῦς (odet ὄφιοδειρους). weil sie ihre zahlreichen S. aßen, Plut. Pyth. or. 24. [Arist.] mir. ausc. 24 p. 832 a 18. Doch niemand wird einem Menschen eine S. geben, der ihn um einen Fisch bittet, Matth. 7. 10. Lukas 11, 10. Wenn man das Vieh das ganze Jahr lang gesund halten will, muß man S.-Haut, Salz und Spelt mit Quendel 60 zusammenreiben und mit Wein vermischt den Tieren in den Schlund gießen zur Zeit, wenn die Trauben reifen. Wenn man Staub von S.-Spuren ausstreut, kehren die Bienen in die Körbe zurück, Plin. n. h. XXX 148; vgl. Cato r. r. 73. Wenn die Granate ihre Blüten verlor, wickelte man S.-Haut um den Stamm, Pallad. IV 10, 3; einem verdorrten Pfirsichbaum hängte man eine solche in die Krone, XII 7, 4. [507]

h) Fabeln, Erzählungen und Sprichwörter.

Vgl. A. Marx Märchen von dankbaren Tieren, Stuttg. 1889. Die Sage erzählt, als Teiresias einmal auf dem Berge Kyllene zwei S. in Begattung sah, habe er die eine verwundet und sei zur Strafe in ein Weib verwandelt worden, Phleg. mir. 4. Aesop erzählt unter anderen folgende Fabeln: Eine S. tötete das Kind eines Bauern. Dieser wollte sie erschlagen, verfehlte sie jedoch und traf nur einen Stein. Da wollte er sie herausrufen, sie kam aber nicht, 96. Ein anderer Bauer nahm eine erstarrte S. an seine Brust, um sie zu erwärmen, aber sie biß ihn, so daß er starb, 97. Hierher stammt das unten erwähnte Sprichwort. Der Schwanz der S. wollte eines Tages voranschreiten; die übrigen Glieder wehrten sich dagegen. Er setzte es aber durch und führte den Körper, bis er in einer Schlucht zerschmettert wurde. Sich windend flehte er den Kopf um Rettung an, aber es war umsonst, 844. Dann die Fabel vom Krebs und der S., die Freundschaft miteinander geschlossen haben, die aber in die Brüche geht, 346. v. Wilamowitz Lesebuch S. 6 Nr. 30 hat die alte dorische Fassung: Ο καρκίνος ὤδ’ ἔφα, χαλί) τὸν δφιν λαβῶν εὐθνν χρὴ τὸν ἰταῖρον ἔμμεν καὶ μὴ ὀκολιὰ φρονεῖν. Eine S., die von vielen Menschen getreten wurde, beschwerte sich bei Zeus. Der aber sprach: .Wenn du den ersten gebissen hättest, hätte kein anderer gewagt, dich zu berühren¹, 347. Pythagoras durfte natürlich nicht sterben, ohne eine rühmliche Begegnung mit einer S. gehabt zu haben; es wurde verkehrte Welt wie so oft in dem Leben dieses Wunder-mannes; er biß die S. und tötete sie, Apollon, hist. mir. 6. Wenn eins S. sich um einen Weinstock ringelte, so sollte dieser sauer werden, Geop. VIII 15, 7. Fiel eine S. vom Dache ins Impluvium, so war es eine böse Vorbedeutung, Ter. Phorm. 707; ebenso wenn sie sich am Altar heraufringelte, das Feuer löschte und die Opfer fraß, Ovid. fast. II 711. Gran. Lie. IX 12. Als Tarquinius Superbus gerade Kolonisten aussenden wollte, kam eine S. aus einer hölzernen Säule hervor; darum befragte er das delphische Orakel durch seine beiden Söhne und Brutus, Liv. I 56, 4. Viele derartige Wunderzeichen finden sich in dem Buche des Iulius Obsequens, Bei der Vertreibung des Tarquinius Superbus soll eine S. gebellt haben, Plin. n. h. VIII 153. Als Sulla im Bundesgenossenkriege in der Gegend von Nola opferte, sah er plötzlich eine S. aus dem Altar hervorschlüpfen. Bei seinem AngriS auf die Samniten war er vom Glücke begünstigt, Val. Max. I 6, 4. Anders ging es dem Tib. Gracchus während seines Prokonsulats in Lukanien; als er opferte, stürzten zwei S. aus einem Schlupfwinkel hervor, fraßen die Leber des Opfertieres und verkrochen sich wieder. Bei einem zweiten und dritten Opfer zeigte ?ich dasselbe. Bald darauf erfolgte des Gracchus Tod, 9. Licinius Macer erzählte, die Muränen seien nur weiblichen Geschlechtes und empfingen von S., Plin. n. h. XXXII 14; vgl. II 18 b gegen Ende. Wenn das Rückgrat eines Menschen verfault, dann entwickeln sich nach Ovid. met. XV 389. Plut. Cleom. 39. Aelian. hist. an. I 51 S. daraus, und zwar nur aus Skeletten von Verbrechern. ‚Entweder ist das Ganze nun bloß eine Fabel, oder wenn es wirklich wahr ist, dann hat meiner Meinung nach jener schlechte Mensch [508] dadurch, daß er Vater einer S. wurde, den gerechten Lohn für seine Lebensweise davongetragen.‘ Antig. hist. mir. 96 meint, es geschehe nur dann, wenn der Mensch kurz vor seinem Tode den Geruch einer verendeten S. eingeatmet hat; dafür führt er ein Epigramm des Archelaos an. Wem 8. die Ohren auslecken, versteht die Sprache der Vögel wie Melampus, Plin. n. h. X 137. Porphyr. de abst. III 5. Dasselbe kann erreicht werden, wenn man 10 eine aus dem Blute gewisser Vögel entstandene S. ißt, Plin. n. h. XXIX 72. S. merken im voraus, wann Hungersnot, Krankheit und Erdbeben entstehen werden, aber auch ihr eigenes Ende und ein fruchtbares Jahr, Aelian. hist. an. VI 16; wenn ein Haus kurz vor dem Einstürze steht, wandern sie aus, XI 19, Die Geschichte von einem Menschen, der S.-Eier gegessen hat, Schmerzen bekommt und von einer Muräne gerettet wird, steht 34. Es träumte einmal jemand, er verlasse seinen Leib, wie 20 die S. ihre Haut; am folgenden Tage starb er, Artemid. V 40. Im J. 90 n. Chr. gebar eine Frau in Tarent S., Phleg. mir. 24, Der Peripatetiker Klearch sagte, die Argiver töteten nie eine S., Aelian. hist. an. XII 34. - Das Sprichwort ,eine S. an seinem Busen nähren* entstammt der oben erwähnten Äsopischen Fabel 97 und wird schon von Theogn. 599fi. auf den treulosen Geliebten angewandt:

,Nein, es entging mir nicht, wie den Pfad zum Nachbar du schlichest
Lange schon, und wie du meinst, heimlich vor mir; doch ich sah’s.
Fahre dahin, du den Göttern verhaßter, treuloser Geselle,
Den als ringelnde Schlang’ kalt ich am Busen genährt.‘

So sagt auch Klytaimestra kurz vor der Ermordung durch ihren Sohn, Aisch. Choëpb. 928: Oï 'γω τεκονσὰ τόνδ' ὄφιν ἐθρεψάμην. Ein anderes 40 Sprichwort ist τὸ σύφαρ τοῦ ὄφεως θηρευειν Luc. Herm. 79 und bedeutet: dem Geringeren nachjagen und das Wertvolle dabei unberücksichtigt lassen, also: Er sieht den Wald vor Bäumen nicht. Plaut. Merc. 761 sagt jemand: Uxor tua quam dudum dixeras te odisse aeque atque anguis t sie haßt dich wie den Tod. Ähnlich Horat. epist. I 17, 30: angue peius vitabit chlamydem. Petron. 45, 9 führt das Sprichwort colubra restem non parit an, das bei Georges durch ,der Apfel fällt nicht weit vom Stamm‘ übersetzt wird.

i) Mythologie und Kult.

Literatur. J. Chr. Koch De cultu serpentum apud antiquos: in Thesaurus Dissertationum, ed. J. Chr. Martini. Tom. II P. I 1765, 75 (Lipsiae 1717). J. Mähly Die S. im Mythus und Cultus der classischen Völker, der Naturforsch. Gesellschaft von Basel zur Feier ihres 50j Bestehens gewidmet von der historischen Gesellschaft, Basel 1867 Darem-berg-Saglio Dict. d. ant. II 403ff. Furt-60wängler Die Sammlung Sabouroff, Kunstdenkmäler aus Griechenl. I (Berlin 1883–1887) 16ff. Wake Serpent-Worship, London 1888. E. Rohde Psyche 5. e, Tübingen 1910. E. Küster Die S. in der griech. Kunst und Religion (= RGW XIII 2. Heft), Gießen 1913.

Der außerordentlichen Rolle, die die S. in Mythologie und Religion des Altertums spielte, suchte man durch verschiedene ,Deutungen‘ beizukommen: [509] diese waren teils natursymbolisch (Blitz; Wasser: H. Bertsch Weltanschauung, Volkssage und Volksbrauch 1910, 57ff.), teils metaphysisch und ethisch: S * als Bild des schaffenden Genius, der ewigen Verjüngung und Erneuerung (Häutung!) u. dgl. Auch antike Spekulationen wurden wieder aufgenommen: an späte Symbolik anknüpfend, erblickte man in der in Kreisform daliegenden S, das Bild der ,ewigen Zeit ohn’ Anfang und Ende, (Aion!), von der Paradieses-S. ausgehend hielt man sie für das ,böse Prinzip¹. Mähly a a. O. 7f. 10. 29, 8. Preller-Jordan Röm. Mythol.s 385. Küster 60. 74, 1. Unstatthaft ist es, die ägyptischen, jüdischen, griechischen, römischen Vorstellungen zu vermengen und zu einem einheitlichen Bild zu verbinden. In den großen Hauptstrom der griechischen S.-Vorstellungen sind vielmehr im Laufe der Zeit die andersartigen der Römer (genius) und der Orientalen (Paradieses-S. u. dgl.) eingedrungen; zu einer Herleitung der griechischen Anschauungen aus dem ägyptischen S. Kult (Herod. II 74) besteht kein Anlaß. Gemeinsam ist allen diesen und noch vielen andern Völkern nur der Ausgangspunkt, der Eindruck nämlich, den der unheimliche Charakter der S. auf den primitiven Menschen macht, ihr lautloses Dahingleiten, ihr rätselhaftes Verschwinden und Erscheinen, ihr faszinierender Blick, dem man zu Unrecht besondere Sehschärfe zuschrieb (s. o., Küster 57f.), ihr schneller und tödlichwirkender Angriff, Die meisten Völker alter und neuer Zeit haben unabhängig voneinander mit dem unheimlichen dämonischen Tier religiöse Vorstellungen verbunden. Für die Griechen war die S. in erster Linie das Tier der geheimnisvollen Erdentiefe. (Die Erde als Mutter der S. und Würmer: Herod. I 78. Artemid. On. 13, 106. Plin. n, h. VIII 59. 84. Aelian. nat. an. II 21. Aikman frg 60 B). ,Die seltsam beharrliche, sein Leben tausendfach fördernde und tausendfach gefährdende Tierwelt empfindet der urtümliche Mensch bei aller Vertrautheit als etwas Rätselvolles und Fremdes .,. Vielleicht bergen sich dunkle Gewalten in jenem Raubtierpelz oder Federkleid? Wohin kein Mensch dringt, in die Himmelshöhen der Götter, schwingt sich der Adler auf, und in den Schlünden und Schluften der Erde, wo die Unterirdischen hausen, verschwindet die S.‘ (0. Crusius Fragmente aus der Geschichte der Fabel Vif., Sonder-Abdr. aus: Buch der Fabeln, herausg. von C. H. Kleuckens, Leipz. 1913). In der Tiefe walten die Dämonen, die die Kräfte des Erdbodens ausüben, einerseits böse Gase, Nebel, Stürme, Vulkane, anderseits gute Gaben, wie Quellen, Heilkräuter, Fruchtbarkeit, Schätze, Träume usw. (Vgl. über y*7 und χθῶν v. Wilamowitz Eur. Her.² II 266). Und solche geheimnisvollen Gewalten glaubt man in den S. inkarniert. Man muß sich davor hüten, hier den Begriff des Fetischismus im engern Sinn hereinzutragen; bei diesem sind die Tiere, Steine u. ä. selbst die Götter und Dämonen. Daß es sich nur um Inkarnationen handelt, geht daraus hervor, daß man dieselben chthonischen Mächte auch in anderen Gestalten verkörpert sich dachte. Es sind vielmehr theriomorphe Vorstellungen von den Unterirdischen. Vgl. O. Kern [510] Über d. Anfänge d. hellen. Religion (1902) 18. M. W. de Visser Die nicht menschengestaltigen Götter der Griechen (Leiden 1903) 157ff. Es muß eine Zeit gegeben haben, in der man an vielen Punkten der griechischen Welt chthonische Götter und Dämonen in Gestalt von S. verehrte. In historischer Zeit läßt sich kein reiner ,Schlangenkult‘ dieser Art mehr nachweisen; aber mannigfach zurückgedrängt und antropomorph beeinflußt finden sich doch noch allenthalben zahlreiche Spuren jener alten Tierreligion. Wir stellen zunächst die bezeichnendsten Vertreter zusammen.

Python

Der Orakeldämon des vorapollinîschen Erdorakels zu Delphi, an dessen Stelle später Apollon mit seiner Mantik trat. Das ist ausgedrückt in der Kultlegende, Apollon habe den bösen Pythondrachen erlegt, und dieser sei dann unter seinem Tempel begraben worden. Hom. 20Hymn. in Apoll. II 300ff. Aesch. Eum. 1ff. Apollod. I 4, 1. Rohde Psyche 5.6 ( 132ff. Die rationalistische Deutung auf eine Sanierung des Ortes schon Antipater Stoicas bei Macrob. Sat. I 17, 67. - Auch in Gryneia bei Myrina (AiolisJ hat Apollon sein Orakel an die Stelle eines älteren gesetzt, dessen S.-Dämon er besiegt hatte. Serv. Ecl. VI 72.· oraculum Apollinis, qui serpentem ibi occidit. Strab. XIII 3. 5 p. 622: Ἰερὸν Ἀπόλλωνος καὶ μάντεων ἀρχαῖον. L. Weber 30 Philol. LXIX (1910) 218f. - Echidna. Eigentlich ein Nomen appellativum, das Fern, zu ἔχις (s. u. 17a); an verschiedenen Orten hatte man einen Erddäinon, den man einfach ,Schlange' hieß. Vor allem in den vulkanischen Gegenden von Kleinasien, so im phrygischen Hierapolis, nach der S. auch Ὄφωρνμη genannt. Das Hauptzeugnis steht in den Acta Philippi (Acta Apost. Apocrypha ed. A. Lipsius et M. Bonnet II 2 p. 41), der legendäre aber das Historische deut-40 lieh verratende Bericht über des Apostels Philippus Kampf gegen den dortigen S.-Kult. Auch hier ein altes Erdorakel; aber Apollon ist nicht imstande, es gänzlich zu verdrängen; die Echidna mit ihren S. bleibt neben ihm bestehen und erringt sogar in späterer Zeit wieder die Oberhand. L. Weber Philol. LXIX (1910) 178ff. Küster a. a. O. 91. Eine Echidna bei den Arimern (wo nach Hom. Il. II 781tf. Typhon lebt) beschreibt Hesiod. Theog. 295–305: fern von Göttern und 50 Menschen lebt sie in einer Höhle als πέλωρον ἀμήχανος halb Jungfrau, halb S.; aber der Name zeigt, daß sie ursprünglich ganz schlangenge-staltig gedacht wurde. Eine andere Echidna in Arkadien, die vorübergehende Menschen raubt, und die Argos πανόπτης erschlägt, Apollod. II 1, 2, 2. - Hydra. Ganz ähnlich der vorigen, heißt sie einfach ,Wasserschlange¹; sie ist der böse Dämon des lernäischen Sumpfes und seines Gifthauches; Herakles erlegt sie. Das hat ur-60 sprünglich nur die Verdrängung des finsteren Glaubens bezeichnet; spätere Umdeutung auf die Entwässerung des lernäischen Sumpfes, v. Wila-mowitz Eur. Her.² I 62. II 41. Älteste Darstellung als S. mit sechs Köpfen, Walters Catalog of the Bronces of the Brit. Mus. Append. Fig. 87. nr. 3205. - Typhon (Typhoeus). Ursprünglich der Erdgeist der vulkanischen Gegend Kilikiens, der Stürme (Hesiod. Theog. 869ff.) [511] und vulkanische Erscheinungen verursacht. Pind. Pyth. I 15ff. Aesch. Prom. 351: τὸν γηγενὴ τε Κιλικίων οἰκήτορα ἄντρων. Apollod. I 6, 3, 1. Hesiod. Theog. 82 1f. Hom. II. II 781ff. Menschlich gebildet mit S.-Füßen (und Flügeln wegen der Stürme). Von Zeus besiegt und unter den Ätna geworfen. - Kerberos, Hund mit S., aber ursprünglich eine Hades-S. Immisch Roscher Myth. Lex. II 1119ff. - In Thessalien wird ein Ἰερὸς δφις verehrt, der die gefährlichen S. tötete. - Kychreus, ein schlangengestalteter Erdgeist in Salamis, autochthoner erster König und Stammheros (Paus. I 36, 1. Apollod. III 12, 7); Verehrung in Salamis: Plut Sol. 9. Er erscheint auf den Schiffen der Athener als S. vor der Seeschlacht bei Salamis. Trennung zwischen dem Heros und der S.: Kychreus erlegt die die Insel verwüstende S.: Diod. IV 72, 4. Kychreus zieht die S. auf, Eurylochos erlegt sie: Hesiod. frg. 132 Bz. bei Strab. IX 393. Aufnahme in Athen (Plut Thes. 10), im Demeterku.lt (Strab. IX 393). Rationalistische Deutung Plut. de sera num. vind. 6. - So si polis, Schutzheros von Olympia, dem vorigen ähnlich, jagt in S.-Gestalt die einfallenden Arkader in die Flucht. Paus. VI 20, 5. - Kekrops, der alteinheimische attische S,-Dämon und Stammesheros der ältesten eingeborenen Bevölkerung; ursprünglich schlangen-gestaltig (Aristoph. Vesp. 438: ω Κέκροψ ἤρως ἄναξ, τὰ πρὸς ποδῶν Δρακοντίδη κτλ, Etym. M. 287, 14. Suid. s. δράκαυλος), später halb Mensch halb S. Er ist γηγενῆς und begründet das attische Autochthonentnm (der attische Urmensch; v. Wilamowitz Aristot. und Athen II 128); ein Rest seines Kults hat sich erhalten im Kekropion. - Erechtheus-Erichthonios, uralter lokaler Erdgeist und Stammgott, in einer Höhle des Burgfelsens von Athen hausend. Später von Athena zurückgedrängt, aber nicht völlig verdrängt; er haust unter ihrem Tempel im Boden in S.-Gestalt; er ist die ,Burgschlange¹ der Akropolis (Aristoph. Lys. 759: οἰκουρος δφις), die allmonatlich mit einem Honigkuchen gefüttert wird (Herod. VII! 41). Die Kultlegende stellt das Verhältnis so dar, daß die Erde ihn geboren hat, Athena ihn aufzog und in ihrem Tempel niedersetzte (II. II 546ff.); später läßt man ihn in dem Athenatempel begraben sein (Clem. Alex. Protr. 29 B. Apollod. III 14, 7, 1), oder sieht in ihm den Hüter des Tempels. Philostr. Imag. II 17. Schol. Aristoph. Lys. 760. Rohde Psyche 15.6 I35f. Küster 98ff. - Meilichios, alter chthonischer Gott, bis zum Anfang des 4. Jhdts. als gewaltige S. verehrt, besonders im Peiraieus. Später übernimmt Zeus als Ζευς Μειλίχιος den Kult, der nun im Lauf der Zeit eine Milderung und Vermenschlichung erfährt. Rohde 15.6 273, 1. Küster 105ff. - Trophonios, ein chthonischer Orakelgott, der bei Lebadeia in Boiotien in einer Höhle haust. Er wohnt da in S.-Gestalt (SchoL Aristoph. Nub. 508. Suid. s. Τροφώνιος); S. sind ihm heilig (Paus. IX 39, 3). Legenden erklären, warum Trophonios an sein Lokal gebunden in der Tiefe haust. Rohde Psyche 15.6 115. 120f. 133, 1. - Asklepios, ursprünglich ein thessalischer Ortsdämon, der Heilung und Orakel spendet. Macrob. Sat. I 20, 4: Apollodorus in libris quibus titulus est περὶ ὄεων scribit quod [512] Aesculapius divimtionibzis et auguriis praesit. Er hat sich immer mehr in der Richtung zum Heilgott hin entwickelt; auch seine Mantik tritt ganz in den Dienst dieser Aufgabe (Incubation). Daß er in alter Zeit als S. gedacht wurde, ist nicht überliefert, läßt sich aber mit Sicherheit erschließen einerseits aus seiner chthonischen Natur, anderseits aus der Rolle, die die 8. später in seinem Kult spielt. Als S. führen ihn die 10Translationslegenden (s. u.) ein; 8. werden in seinen Heiligtümern gehalten, in Epidauros (Paus. II 28, 1. Aristoph. Plut. 732ff. Hör. sat. I 3, 27), Kos (Herondas IV 90f.), Rom usw. (über diese S.-Art παρεία s. u. 11 26 c; eine rationalistische Erklärung bei Plin. n. h. IV 22). Als der Gott anthropomorph gedacht wurde, wurde die S. sein Attribut. Sehr häufig in der bildenden Kunst schlingt die S. sich um den Stab des Asklepios (der S.-Stab des Hermes, das Kerykeion, ist entstanden 20 aus der dekorativen Ausgestaltung der Verknotung der Zaubergerte; Preller-Robert Gr. Myth.⁴ 412f.). Küster 136. Im Gegensatz zu Tropho-nios, der immer an seinen Sitz in Lebadeia gebunden blieb, hat der Asklepioskult sich von seinem thessalischen Lokal Iosgelöst und weithin ausgebreitet. Für die Übertragungen des As-klepioskults hat sich eine Translationslegende ausgebildet, in der die S. (d. i. der Gott selbst) als ,weisendes Tier' auftritt. Legende von Epidauros Limera Paus. III 23, 6f, von Sikyon Paus. II 10.. 3, von Rom Liv. Epit. 11. Ovid. met. XV 669ff. 722ff. Aug. civ. Dei X 16. Arnob. VII 44. Val. Max. I 8, 2. Plut quaest. Rom. 94. Vgl. E. Schmidt Kultübertragungen (RGW VIII 2) 81ff. Rohde Psyche5.fi I 141f. v. Wilamo-witz Isyllos 95ff. lOlf. Küster a. a. O. 133fi. - Nymphen: χθόνιαι Apoll. Rhod. II 504; schlangengestaltig auf rf. Vase, Philol. LVII (1898) 513.

Alle diese Gestalten gehören einem vorhomerischen, vielleicht zum Teil vorgriechischen Glauben an, der dämonische Mächte in therio-morphen Bildungen verehrte und die Geister der Erdentiefe in S, verkörpert sah. Es scheinen ursprünglich sehr unbestimmte Bildungen gewesen zu seih, die in gleicher Weise über die guten wie die schlimmen Kräfte der Erde walteten: im Lauf der Zeit scheinen dann Differenzierungen eingetreten zu sein. Vielleicht ist der Gegensatz, 50 in den diese Mächte später zu den homerischen Gestalten gestellt wurden, schuld daran, daß wir bei manchen jetzt nur mehr die düstern und unheilvollen Eigenschaften sehen, wie bei Typhon und Hydra; denn die ihnen nahestehenden Python und Echidna stellt anderseits ihre Mantik neben die den Menschen wohlgesinnten Orakeldämonen, wie Trophonios und Asklepios. Bei Asklepios hat dann die Heiltätigkeit immer mehr die Mantik überwogen. Wieder bei anderen (Erechtheus, 60 Ketrops) hat man später vor allem das Auto-chthonentum (γηγενείς) betont. Die Auseinandersetzung der homerischen Götter mit den S.-Dä-monen hat zu sehr verschiedenen Ergebnissen geführt Viele der alten Gestalten sind gänzlich aus dem religiösen Leben verschwunden, und nur die Sage wußte noch von ihnen Kenntnis zu geben, so die lernaische Hydra und die arkadische Echidna, Typhon, die Giganten. (Hierher [513] gehört die Nachricht bei Paus. IX 19, 3 über einen ὄφεως κεφαλή genannten, mit Steinen eingefaßten Platz an der Straße Theben -Glisas; eine S. hat hier einst ihren Kopf aus der Erde herausgestreckt und Teiresias hat ihn ihr abgeschlagen.) Andere haben sich im Kult mehr oder weniger halten können; der Pythondrache gilt wenigstens als im Apollontempel begraben; die phrygische Echidna hält sich neben Apollon und drängt ihn sogar schließlich wieder zurück; Erechtheus-Erichthonios haust im Tempel der Athene als deren ortshütende Burg-S.; Meilichios verbindet sich mit Zeus, wird aber dabei stark verändert. Asklepios breitet sich sogar, nachdem er völlig vermenschlicht ist, weithin aus. Im ganzen betrachtet haben die homerischen olympischen Mächte überall sich durchzusetzen vermocht; aber sehr häufig ist ihr Sieg kein vollständiger geworden: sie haben die alten chtho-nischen S.-Dämonen nur zurückgedrängt, sich unterworfen und angegliedert, nicht aber vernichtet. Die umwohnenden Verehrer haben offenbar an ihren Lokalgöttern zäh festgehalten; es ist gewiß kein Zufall, daß diese so oft in Zeiten der Not und Bedrängnis wieder auftauchen und zwar gerade in ihrer alten Gestalt als S. (z. B. Kychreus vor der Schlacht bei Salamis, Sosipolis bei den Eleern). Derselbe Kampf zwischen dem Alten und dem Neuen spielt sich ab in den Vorstellungen, die man von der äußern Erscheinung dieser Mächte sich macht und die sich in der bildenden Kunst wiederspiegeln: der Anthropomorphismus dringt vor, ohne doch völlig sein Ziel zu erreichen: am meisten gelingt ihm dies bei Asklepios, der völlig menschlich nach der Art der olympischen Götter gebildet wird und die S. nur als Attribut beibehält. Andere Wesen, wie Python und die phrygische Echidna, bleiben immer S. Bei anderen wieder, wie bei Typhon, Erechtheus u. a., läßt sich beobachten, wie aus der S.-Bildung im Lauf der Zeit eine Mißgestalt, halb Mensch, halb S., wird; die S.-Füßigkeit wird schließlich ein konventionelles Zeichen, durch das man γηγενείς bezeichnet.

Ganz anders ist das Bild, das in Legende und Dichtung von diesen Verhältnissen gegeben wird; hier legt ein primitives historisches Denken sich Konstruktionen zurecht, die das Bestehende in einem Sinn erklären, nach dem die neuen Mächte immer und überall Sieger geblieben sind. Es sind dabei verschiedene Sagenτόποι immer von neuem verwendet worden. Zunächst der Typus der Bekämpfung und Erlegung des einzelnen Ungeheuers durch einen Gott oder Heros. Für den letztem Fall ist das klassische Beispiel Herakles und die lemäische Hydra; ihm reihen sich an Argos und die arkadische Echidna, Eury-lochos und die Kychreus-S., Teiresias (s. o.), die Erlegung des Python und der Echidna durch Apollon u. a. Weitere Drachenkämpfe sind nach diesem Typus in der antiken Dichtung gestaltet und bis in die mittelalterliche ist das Motiv weiter-gegeben worden. Daneben steht der Typus der Titanomachie: die olympischen Götter insgesamt ziehen gegen das Heer der schlangenfüßigen γηγενείς zu Felde. Typhon wird dabei von Zeus niedergerungen; mit der Zeit werden immer mehr der alten Dämonen in diesen Kampf eingefügt. [514] Hier zeigt sich bereits, wie das für die homerischen Vorstellungen charakteristische ordnende Prinzip auch die alten Lokaldämonen ergreift. Noch mehr tritt dieses Prinzip in einem weiteren, mit dem Titanenkampf zusammenhängenden Sagentypus in Erscheinung, der die alten Mächte von ihren Lokalen Ioslöst und sie alle zusammen in der Unterwelt, speziell im Tartaros, ansiedelt (Verg. Aen. VI 285ff.; s. u. zu Arist. Ran. 143). Endlich hat dieser ordnende Trieb auch die Herkunft der Ungeheuer zu erklären versucht, und zwar durch genealogische Konstruktionen; den Ausgangspunkt bildet Hes. Theog. 295ff. (Echidna, Typhon, Kerberos, Hydra, Chimaira). Kekrops und Erechtheus wurden der athenischen Königsgenealogie eingefügt. So zwingt der große von dem homerischen Götterreich ausgehende Ordnungsprozeß mit der Zeit alle diese ursprünglich lokalen Gewalten in seinen 20 Bann und gliedert sie sich als niedere Mythologie an. Festzuhalten ist dabei, daß stets religiöse Gegensätzlichkeiten, nicht aber natursymbolische Anschauungen den Ausgangspunkt bilden. Die Götter und Heroen verrichten nicht Sanierungsarbeiten an Orten mit Sümpfen oder vulkanischen Erscheinungen, sondern sie bekämpfen die dort wohnenden, ihnen feindlichen Dämonen. Die Geschichten konnten gar nicht von der Beseitigung des lernäischen Sumpfes oder des del-SOphischen Erdgases berichten, da diese Erscheinungen ja immer noch fortbestanden.

Seelenschlange

Die S. als Erscheinungsform der Seelen von TotenundHeroen. Vgl. Küster a. a. O. 62ff. O. Waser Die äußere Erscheinung der Seele in den Vorstellungen der Völker, zumal der Griechen. Archiv f. Religionswissensch. XIV (1913) 354ff. L. Malten Das Pferd im Totenglauben. Arch. Jahrb. XXIX (1914) 179ff. (0. Seiffert Die Toten-40 schlänge auf lakon. Reliefs, Breslau 1911, bestreitet mit Unrecht, daß der Tote oder Heros jemals als S. gedacht worden sei). Da die Grenze zwischen Heroen und gewöhnlichen Toten nicht fest zu ziehen ist, so müssen die Zeugnisse, von denen hier nur die wichtigsten angeführt werden können, für beide zusammen behandelt werden.

1. Seelen-S. im oder beim Tumulus (Omphalos). Arch. Jahrb. VI (1891) Tat 4. Athen. Mitt. XVI (1891) 379. Gerhard VasenbilderIII 50(1847) Taf. 198. Harrison Prolegomena to the Study of Greek Religion (Cambridge 1903) S. 329 Fig. 98. Journ. hell. stud. XIX (1899) 219 Fig. 4. S. 228f. Fig. 9 und 10. Seelen-S. am Grabhügel bei der Opferung der Polyxena: Overbeck Gallerte her. Bildwerke (1853) Taf. XXVII 17 (= Roscher Myth. Lex. III 2735 Abb. 11). Grabhütende S.: Arch. Jahrb. VI (1891) Taf. 4.

2. S. in Gräbern angemalt. F. v. Stryk Etruskische Kammergräber. Münchener 60Dies. (Dorp. 1910) 37. Vermiglioli Sepolcro dei Volunni in Perugia (1833/34). Hiller v. Gärtringen Thera II (Berl. 1903) 251.275 Taf. III.

3. S. allein auf Grabrelief. Ath. Mitt. II (1877) 319 nr. 21.

4. S. um den Grabaltar sich windend, um zu der Totenspeise zu gelangen: Sam Wide Grabesspende und Totenschlange, Archiv, f. Religiouswissensch. [515] XII (1909) 221ff. Küster a. a O. 42ff. 66ff.

5. Toten-S. an klazomeniechen Tonsarkophagen: Küster a. a. O. 47.

6. Heroenreliefs: Seelen-S. beim Heros oder heroisierten Toten; z. B. spartanisches Heroenrelief aus Chrysapha, abgeb. bei Furtwängler Die Sammlung Sabouroff (Berl. 1883 –1887) I Taf. 1. Heroenrelief des Χ]ίλων (vgl. Paus. III 16, 4) bei Gg. Karo Arch. f. Reli-gionswissensch. XVI (1913) 264. Vgl. auch Küster a. a. O. 75» der 8. 69, 1 darauf hinweist, daß die sepulkrale 8. nie auf attischen Grabreliefs, dagegen häufig auf attischer Kleinkunst, besonders Grablekythen vorkommt. Hier ist auch beizuziehen eine bei Gerhard Ges. Abh. I (1866) 235 Taf. XXIII zusammengestellte Denkmälergruppe: Baum mit Athenaidol und Schild, am Stamm S., links Krieger, rechts Nike, die S. mit einem Ei fütternd; also Denkmal für tote Krieger.

7. S. auf den sog. Totenmahlreliefs: die S. deutet nur mehr symbolisch an, daß es sich um einen Toten handelt. Relief in Triest: S.-Ber. Akad. Wien 1872 Taf, 1 und 2. Abgeb. bei Malten a. a. O. 187. Weitere Beispiele bei Küster a. a. O. 67, 1. 68, 1. 2. 80ff.

Die Identifizierung der 8. mit der Totenseele hat man herzuleiten versucht ans der Vorstellung vom ,Seelenwurm¹, d. i. aus dem Glauben, daß 8. (und Würmer) die Leichen verzehren und dadurch die Seelen in sich aufnehmen. Hörnes Urgeschichte d. bild. Kunst in Europa (1898) 80. Küster a. a* O. 63 (unter Hinweis auf Plin. n. h. VII 172. X 188. Mayh.; vgl. o. I. d und h. Plut. Cleom. 39. Ovid met. XV 389f.). Aber diese Zeugnisse behandeln nur die Entstehung von S. aus Leichen, deuten jedoch keinen Zusammenhang zwischen den S. und den Seelen der Verstorbenen an; die Vorstellung vom ,Seelenwurm* läßt sich in der älteren griechischen Kultur nicht nachweisen. Zu äußerlich ist die Vermutung Schraders (Sprachvergleichung und Urgeschichte II³ 428L), daß die fortschlängelnden Bewegungen an die halb unter, halb über der Erde gedachten Geister erinnern mochten. Den richtigen Weg zur Lösung schlägt Küster a. a. O. 62. 65 ein, wenn er die Assoziation des in die Erde eingehenden Toten mit der in der Erde hausenden S. betont. Wir haben oben an Echidna, Hydra, Typhon, Python, Meilichios, Trophonios u. a. beobachtet, daß eine frühe Zeit sich Erdgeister als S. dachte, und daß die schlangenartige Bildung bei ihnen geradezu als Kennzeichen des Chthonischen anzusehen ist. Wenn wir nun auf alte Vorstellungen treffen, die den Totenseelen S.-Gestalt geben, so ist der Schluß nicht von der Hand zu weisen, daß man diese Seelen den Erdgeistern gleich oder ähnlich sich dachte. Ein Glaube, der die Seelen der Verstorbenen in die Luft entfliegen ließ, stellte sie sich als Vögel, Fledermäuse, Schmetterlinge, geflügelte Eidola vor; umgekehrt lag es für eine Anschauung, die die Totenseele im oder beim Grab in der Erde weiterleben ließ, nahe, die Seelen in S.-Gestalt verkörpert sich zu denken. Rohde vermutet (Psyche 15.6 39f,)( daß das Hadesreich, die Versammlung aller Toten an [516] einem Ort der Tiefe unter einem Herrscher fern ab von den Städten der Menschen, erst ein j Produkt der ordnenden Phantasie ist, ein Gegenstück zu den olympischen Wohnungen der oberen Götter. Zu Ende gedacht führt diese Überlegung auf einen vorhomerischen Volksglauben, der die Seelen allenthalben in der Erde bei ihren Gräbern weilen ließ, also gerade auf die Vorstellung, auf die auch die Erklärung der Toten-S. hinführte. In den homerischen Gedichten kommt die Grab-S. nirgends vor; die Vorstellung vom Totenreich ist hier voll ausgebildet und für alle spätere Dichtung maßgebend geblieben. (Diese Anschauung von einem ,Hadesreich( verwendet nicht die Vorstellungen der Seelen-S. sondern die der geflügelten Eidola; die Aristoph. Ran. 143 genannten ὄφεις in der Unterwelt sind die dorthin verlegten schlangengestaltigen Ungetüme wie Chimaira, Gorgonen, lernäische Hydra, Skylla; vgl. Verg. Aen. VI 285ff. Hor. carm. II 17, 13ff.) Dagegen hat diese Anschauung nie im Kult sich durchzusetzen vermocht. Wie dieser stets nur Totenopfer an Gräbern kannte (P. Stengel Die griechischen Kultusaltertümer 3, München 1920, 147), so halten die mit ihm zusammenhängenden Denkmäler (s. O.) an der Toten- und Heroen-S. fest. Den Toten selbst hat man in S.· Gestalt in Gräbern, auf Tonsarkophagen, auf Grabreliefs abgebildet (s. O. S. 514f. unter 2. 3. 4.); auch die S., die um den Grabaltar sich windet, oder am Opfergefäß emporsteigt (s. o. S. 514‘ unter 4), ist der Tote selbst, der sich die Opferspenden holt. Die sog. Heroen-reliefs zeigen das Zunehmen anthropomorphe! Bildung: der Tote ist in menschlicher Gestalt dargestellt, hat aber seine Seelen-S. hinter sich. Schließlich ist diese nur noch das Zeichen, das angibt, daß es sich nm einen Verstorbenen bandelt; sie wird irgendwo auf der Darstellung als Symbol angebracht oder zu dem Toten in genrehafte Beziehung gesetzt (so auf den Totenmahlreliefs). Diese Entwicklung zeigt, wie die zu-nehmende Vermenschlichung die theriomorphe Bildung der Totenseele allmählich zurückgedrängt hat. Und wenn schließlich auf solchen Darstellungen der Tote die S., also eigentlich seine eigene Seele füttert, so macht diese widersinnige Zusammenstellung offenbar, daß man sich der eigentlichen Bedeutung der S. nicht mehr bewußt war. So hat man später auch die Grab-S. als die Hüterin des Grabes aufgefaßt; | Plin. n. h. XVI 234 Mayhoff vom Grab des Scipio Africanus maior: subest specus, in quo manes eius custodire draco traditur. Bei Verg. Aen. V 84ff. kommt Anchises in S.-Gestalt aus seinem Grab hervor und holt sich die Opferspenden; aber Vergil läßt den Aeneas in der S. nur genium loci oder famulum parentis erblicken. Dieselbe Entwicklung in der Kunst wie 60 die Seelen-S. haben Pferd und Hund als Totentiere durchgemacht; schließlich wurden sogar alle drei Tiere zusammen als Merkmale des Sepul-kralen neben den Toten gestellt. Vgl Malten a. a. O. 226. Was er hebt a. a. O. 387 hervor, | daß die Seelen-S. ,in christlicher Bildersprache auffallend wenig hervortiitt*; dies ist begreiflich, da ja die S. durch Genesis 2 für die Christen bereits als Symbol des Bösen vergeben war. [517]

Beispiele der rächenden Seelen-S. auf Vasenbildern: Hauser Archäol. Jahrb. VIII (1893) 98. Raoul-Rochette Monuments inédits d’ant. (1833) Taf. 40, 2; weitere Beispiele bei Küster a. a. O. 71f., der auch auf die Entwicklung der rächenden Seele zur Erinys hinweist, die mit 8. ausgestattet ist. - Der als S. erscheinende ἄγαθος δαίμων ist ursprünglich die zum guten Geist seines Hauses gewordene Seele des Hausvaters; vgl. Rohde Psyche⁵.⁶ I 254, 2.

S. im späteren Volksglauben.

Wir haben bisher beobachtet, wie man in der griechischen Welt von alter Zeit her ehthonische Geisier-wesen, seien es Götter oder Dämonen, seien es die Seelen der Verstorbenen, in S. inkarniert glaubte und wie diese Vorstellungen auf der ganzen Linie einem abschwächenden und anthro-pomorphisierenden Prozeß sich unterwerfen mußten, an dessen Ende die 8. vielfach nur ein Akzidens, bestenfalls ein Diener der Macht war, die sie ursprünglich verkörperte. Es sind deutliche Anzeichen dafür vorhanden, daß man in den 8. der Heiligtümer und Gräber nicht mehr immer nur den Gott oder den Toten erblickte, sondern daß man sie häufig nur als dämonische Tiere mit religiöser Scheu ansah und hegte. Bedenkt man ferner, daß der theriomorphe Glaube der Vorzeit zunächst nicht einzelne S.-Exemplare ausgesondert und für göttlich erklärt, sondern wohl in allen S. ursprünglich Geister der Erdentiefe vermutet haben wird, so wird es bei der Konstanz gerade solcher ältesten Gedanken erklärlich, daß man auch bei dem Zurücktreten der alten Kulte nicht aufgebört hat, in den 8. ganz allgemein mit besonderen Kräften ausgestattete Wesen zu erblicken. Theophrast läßt (Char. 16) den religiös ängstlichen Menschen sofort da ein Heiligtum errichten, wo er auf eine 'S. gestoßen ist. Alle Vorstellungen, die wir in der bisherigen Entwicklung mit S. verbunden angetroffen haben, wirken in dieser halbreligiösen Sphäre nach, so die 8. als hütendes, orakelgebendes, Schrecken erregendes Wesen, und ihre Verwendung in Sage und Legende. 8. im Märchen s. Ih o. S. 5O7L Küster a. a. O. 124f. S. als strafende Tiere von Göttern entsendet zum Herakleskind, zu Laokoon (Apollod. Ep. Vat. 5, 18). S. in Verwandlungssagen z. B. Ovid. met. 11, 56ff. und in dem sehr häufigen Motiv, daß eine Person in der Gegenwehr sich in drei Gestalten, meist Löwe, S. und Feuer (oder Wasser) verwandelt (Periklymenos bei Hes. frg. 14 Rz = Schol. Apoll. Rhod. I 156; Proteus: Hom. Od. IV 385ff.; Acheloos: Soph. Trach 12ff. Ovid. met. IX 63; Dionysos: Eur. Bacch. 1018; Silenos). - S. in Sternbildern Boll Sphaera (Lpz. 1903) 102. 113f. 258. - Schon in der Dichtung kommen hütende S. vor: eine S., die das Chryseheiligtum in Lemnos hütet, beißt den Philoktet (Soph. Phil. 265ff. 1328); quellhütende S. Küster a. O. 156f.; endlich der Hesperidendrache Ladon, der die goldenen Äpfel bewacht, und der kolchische Drache beim goldenen Vließ; die schatzhütende S. Phaedr. IV 19. Küster a. a. O. 120. Schließlich der wohl von römischen Anschauungen (genitis¹) beeinflußte Gedanke bei Serv. Aen. V 85: Nullus locus sine genio, qui per anguem plerumque [518] ostenditur. - Als chthonisches Tier besitzt die 8. die Gabe der Mantik; wir haben oben (s. 8. 508f.) gesehen, wie diese Eigenschaft bei einzelnen S.-Dämonen in den Vordergrund trat, die zu Orakeldämonen wurden (Trophonius, Asklepios). Das S.-Wunder in Aulis Hom. II. II 805ft. S. als »weisendes Tier* (Paus. III 23, 7. VIII 8, 4. Philostr. Her. 706). S. in Träumen s. u. II 17 i (Artemid. On. II 13, 106. IV 67, 243. Küster 10a. a. O. 132). 8. als Vorzeichen, z. B. in der aus der Admetgeschichte (Apollod. I 9, 15, 2) auf Sempronius Gracchus und Cornelia übertragenen Erzählung von den 8. auf dem Brautbett (Piin. n. h. VII 122. Val. Mai. VI 1). Eine vom Hausdach herabfallende S. bedeutet Unglück (Ter. Phonn. 705ff.). - 8. bei der Erzeugung oder in der Kindheit großer Männer: Alexander d. Gr. Plut. Alei. 2. Liv. XXVI 19, 7. Luc. dial. mort. XIII 1; der Schauspieler Roscius Cic. de div. I 79; Scipio Africanus Maior und Augustus Gell. noct. att. VI 1; Nero Tac. ann. XI 11; Aurelian Hist. Aug. Aur. 4, s. auch Ih o. S. 507f. - Daß die S. im niederen Aberglauben keine geringe Rolle spielten, wird niemanden in Erstaunen versetzen; s. u. II 12e und 13 d. Als Schrecken erregendes Tier und selbst mit dem bannenden Blick begabt, eignet sich die S. ganz besonders für Amulette, Eur. Ion 23. 1427ff.; aus 8. hergestellte Amulette G. Kropat-30 Scheck De amuletorum apud antiquos usu capita duo, Greifsw. Diss. 1907, 23. Lobeck Aglaoph. 582. S. am Gorgoneion, s. o. Bd. VII S. 1627. 1650ff. S. unter den apotropäischen Symbolen der sog. Votivhände (Sabazioshände) O. Jahn Über den Abergl. des bösen Blicks bei d. Alten, Ber. über d. Verh. d. kgl. sächs. Ges. d. Wiss., phil.-hist. CI. 1855, 98. Blinkenberg Arch. Studien (1904), 66ff.

Alle diese Beobachtungen über die religiöse 40 Bedeutung der 8. reichen nicht aus, um die Rolle der S. in den griechischen Mysterien zu erklären. Die Legende knüpfte die S. der eleusinischen Demeter an Kychreus an (Strab. IX 398); aber das ist sekundär. Über die Verwendung der S. im eleusinischen Kult ist nichts bekannt. In den Sabaziosmysterien vollzogen die Frauen eine hl. Hochzeit mit dem Gott, indem sie eine wirkliche oder aus Gold gefertigte S. unter dem Gewand» durchzogen (Arnob. adv. nat. 50V 21. Pringsheim Arch. Beitr. zur Gesch. des eleusin. Kults, Bonner Diss. 1905, 59). Vop den griechischen Vorstellungen führt keine Linie zu diesem Gebrauch. Ihn wie die Verwendung der S. überhaupt wird der Sabazioskult mitgebracht haben.

Deutlich beobachten können wir das Eindringen fremder S.-Vorstellungen in die griechische Welt nur in einem Fall, bei den Römern mit ihrem schlangengestalteten genius. Fernzuhalten 60 ist hier die griechische Vorstellung von der »Seelenschlange*. Vielmehr liegt bei den Römern die Gewohnheit zugrunde, S. als beliebte Haustiere zu halten (diese wieder hat ihren Ausgangspunkt in der Tatsache, daß gewisse S.-Arten gern in Symbiose mit dem Menschen leben). Und zwar ist die ,Hausscblange‘ heilig dem genius des Hausherrn, Wissowa Kultus u. Relig. d. Röm.³ 175ff. Als Haustier gehört sie dem Machtbereich des [519] im Haus waltenden genius an, sie vertritt ihn und zeigt seine Gegenwart an, Wissowa a. a. O. 27. Erscheint sie am Ehebett, so hält man sie für glückbringend, Plin. n. h. XXIX 4, 22. Ihr Erscheinen zeigt die Anwesenheit des genius an, ihr Tod den des Familienhauptes. In S.-Gestalt naht der genius sich der Hausfrau, Gell. noct. att. VI 1, 3. Liv. XXVI 19, 7. Tiberius füttert eine zahme S.; als er sie eines Tages von Ameisen zerfressen findet, sieht er darin eine Warnung, sich vor der Menge zu hüten (Suet. Tib. 72). 8. als Symbole des genius an Häusern gegen Verunreinigung; Pers. 1, 113: pinge duos anguis; pueri, sacer est locus, extra meile! Overbeck Pompeji 4 324. 327. 341. 343. 380. 382. M au Pompeji in Leben und Kunst² (Leipzig) 1908, 279f. Die römische Vorstellung vermischt sich mit der griechischen: Verg. Aen. V 95 ist in eine griechisch gedachte Beschreibung der Toten-S. der Begriff des genius eingeführt. Die Bona Dea (eigentlich Fauna) der Römer wird schon früh identifiziert mit der griechischen Damia. Macrob. Sat. I 12, 25f. berichtet,· daß mit ihrem Tempel eine Apotheke verbunden war und daß dort S. gehalten wurden, wie in den griechischen Asklepieia. Über die Aufnahme des Asklepios in Rom im J. 293 s. u. S. 549f. Wie bei den S. der Iuno Sospita zu Lanuvium und ihrer Jungfrauenprobe griechische und italische Einflüsse gegeneinander abzuwägen sind, läßt sich schwer entscheiden (Aelian. hist. an. XI 6. Prop. IV 8, 3ff.). Ähnliche Gebräuche bei Aelian. nat. an. XI 2 und Ach. Tat. VIII 6 (s. u. II 14 d). - Über die marsische Göttin Angitia (Serv. Aen. VII 759) vgl. Roscher Myth. Lex. I 1, 351; s. o. Bd. I S. 2191.

Jüdische S.-Vorstellungen treten durch die Septuaginta in die griechische Welt ein: vor allem die Paradieses-S. und die von Moses in der Wüste aufgerichtete eherne S. Philo beschäftigt sich mehrfach mit dem Gegenstand (u. a. de opif. mundi 86; leg. alleg. II 18ff.). Die Teufels-S. als ,Prinzip des Bösen¹ übernehmen von den Juden die Christen; einen merkwürdigen S.-Dienst üben die gnostischen Sekten der Ophiten im 1. Jhdt. n. Chr. aus; vgl. R, Lichtenhan Art. Ophiten in Haucks Realencycl. f. prot. Theo! u. Kirche XIV (1904) 404–413.

S. im Sarapiskult. Die in Sinope geholte Sarapisstatue ist eigentlich ein Pluton mit Kerberos und S. (Plut. de Is. et Os. 28). Isis und Sarapis als menschenköpfige S., ein merkwürdiges Kunstwerk der Sammlung Mordtmann in Konstantinopel, abgeb. in Roschers Myth. Lex. s. Sarapis S. 377f.

S. im Mithraskult. Eine S. leckt das Blut des Stiers auf, den Mithras getötet hat; sie ist von dem bösen Geist geschickt, um das segensreiche Werk des Mithras zn hemmen, Wissowa Kultus u. Bel. d. Römer² 371. Fr. Cum ont Die Mysterien des Mithra² (Lpz. 1911) 123; Textes et Monuments relatifs aux mystères de Mithra I (1899) 188–198. Über mitbrischen Aion, einen löwenköpfigen Gott, der von einer S. umwunden ist, vgl. Cumont Die Mysterien des Mithra 97. Wissowa a. a. O. 372.

Ein gallischer Gott, gedacht als widderköpfige 8. im Arch. f. Religionswiss. XIX (1918 –1919) 24. - Die Langobarden erwiesen einer [520] aus Gold geschmiedeten S. göttliche Ehren: bestiae simulacro, quae vulgo vipera nominatur, flectebant colla (Vita S. Barbati, Acta SS. Bd. V 19. Februar p. 139). - Drachenfahnender Daker auf der Traianssäule; vgl. Cichorius Die Reliefs der Traianssäule, ILTextbd. (Berl 1896) 114. 120.

Die Notizen über die Ophiogeneis am Helles-pont (Strab. XIII 588. Cass. Dio LI 14, 3) und die Frage, ob hier ein Rest von Totemismus vor-10liegt, behandelt Küster a. a. O. 100ff.

k) Die Schlange in der Kunst

Schon im vorigen Abschnitte mußten einige wichtige Darstellungen von S. aus Anlaß mythologischer Vorstellungen erwähnt werden; es wird hiermit darauf verwiesen. Aus reinem Interesse an der Tierwelt hat der antike Mensch wohl selten zum Meißel oder Pinsel gegriffen; noch am ehesten scheint es in der homerischen Zeit der Fall gewesen zu sein, wo Mensch 20 und Tier noch ein innigeres Zusammenleben führten.

Ob die Fig. 226 in der Zeitschrift des Keplerbundes Unsere Welt 1911, 668, die ein langgestrecktes Tier aus Gourdan in Haute Garonne darstellt und aus der älteren Steinzeit stammt, eine S. ist. wie Stiegelmann meint, ist sehr fraglich, da sie eine Rückenflosse hat und am Schwanzende breit ausläuft; es mag also ein Aal sein. Dagegen setzt mit der ägyptischen Kunst eine häufige Bildnerei der S. ein, die sie in der charakteristischen 30 Gestalt, wie sie das Tier z. B. auf der Stele des Königs S. (Curtius Antike Kunst 27 Abb. 23) um 4000 herum zeigt, in der Hieroglyphe xxx d verewigt hat. Uber den babylonischen ,Sirrusch‘ s. unter Χεράστης nr. 19. Auf dem Brustpanzer Agamemnons. Hom. Il. XI 26 κυάνεοι δὲ δράκοντες ὀρωρέχατο προτὶ δειρην τρεις ἐκάτερ$) auch auf seinem Wehr-gehenk 39, Mit vielgewundenen S. ist der Schild Hippomedons geziert, Aisch. Sept. 495. Das Relief 40 von Chrysapha in Lakonien aus dem 6. Jhdt. wurde schon oben erwähnt. Der eherne Dreifuß, der nach der Schlacht bei Plataiai dem delphischen Apollon geweiht wurde, ruhte auf drei S., die wie ein Tau umeinandergeschlungen waren und auf deren Leibern die Namen der griechischen Staaten, die gegen die Perser gekämpft hatten, verzeichnet waren. Herodot. IX 81. Daremberg-Saglio Fig. 2529. Reisch o. Bd. V S. 1688. Wiederhergestellt bei Muzik und Perschinka Kunst und 50 Leben im Altertum S. 54 Fig. 2. Sehr häufig begegnen uns natürlich S.-Bilder auf den Medusenköpfen nicht nur in Skulpturen, sondern auch auf Vasenbildern, s. Ziegler Art. Gorgo Nr. 1 n. Bd. VII S. 1630ff. An der Nike der Athena des Pheidias war nach Plin. n. h. XXXVI 19 eine S. Die Schale des Myron, in der eine bronzene S. angebracht war, die Mart. VI 92 erwähnt, soll nach Friedländer z. d. St. nicht echt sein. Auf dem Friese des Zeusaltars zu Pergamon sind die Götter im Kampfe mit schlangenfüßigen Giganten. Berühmt ist ferner die Laokoongruppe. Von Askle-piosstatuen seien hier genannt die schöne aus dem 5. Jhdt. v. Chr., die bei MuHk und Perschinka S. 21 Fig. 2 wiedergegeben ist. Die Sala degli animali des Vatikan enthält ein Tiefrelief, auf dem eine sich um einen Eichbaum ringelnde S. zu sehen ist, Keller Tiere d. khss. Altert. 275. Als Verkörperung der Seelen Abgeschiedener [521] finden sich S. besonders auf sf. Vasenbildern, z. B. des Hektor (Hirsch De animarum apud antiquos imaginibus, Leipzig 1889, 1. 2. 4) und der Polyxena (Berliner Hydria, Furtwängler 1902), Als Genius loci sieht man die Tiere bei Muiik und Perschinka S. 95 Fig. 2 und S. 101 Fig. 2 (Larenheiligtum aus dem Hause der Vettier). Auf unzähligen Münzen 'sind sie abgebildet: hier ringeln sie sich um den Ölbaum (Luckenbach Abb. zur alten Gesch. Fig. 56), um ein Ei, sitzen auf einem Pferd, werden von Asklepios mit Vögeln gefüttert (Münzen von Trikka), sind überhaupt fast überall vorhanden, wo dieser Gott oder Hygieia dargestcllt sind. Diese sitzt oder steht, hält oder füttert eine oder mehrere S. mit allem möglichen, selbst mit Mohn: Eckhel HN z. B, Commodus nr. 766. Babelon II 224. 284. Auch mit anderen Gottheiten, Demeter, Hekate, Athena, besonders Kadmos (Keller Münzen und Gemmen XII 27 und dessen Bem. S. 41) sieht man sie. Mit einer Ziege III 11, mit Adlern IV 30. V 4. 5, mit einem Geier V 9, einer Eule V 20, einer Schildkröte VI 28; das Fällen eines Baumes hindernd (aus Myra) X 42; mit menschlichem Kopfe (aus Nikomedia) XII 28, geflügelt XII30-32. Über die Münzen von Ebusus s. H ü b n e r o. Bd. V S. 1904. Dann auf Gemmen: ein Löwe tritt auf eine S. XIV 45, Kampf mit Adlern XX 48. 49. Als besonders wichtig wird von Keller 139 die Gemme XXIII 4 bezeichnet, wo ein Mann eine S. übers Feuer hält. XXIII 7 ein S.-Beschwörer, XXIII 9 S. frißt ein Ei.

II. Die einzelnen Arten

Den Alten waren wohl die meisten in den Mittelmeerländern vorkommenden S.-Arten bekannt und wurden auch verschieden von ihnen benannt, wie die zahlreichen Namen erweisen. Doch es ist nicht immer leicht, diese mit den unsrigen gleichzusetzen, da die Beschreibungen oft lückenhaft, allerdings selten falsch sind. Eine Einigung der Forscher findet sich nur bei ἀσπίς und κεραστῆς; bei den übrigen gehen die Meinungen teilweise sehr weit auseinander; mit vielen hat sich überhaupt noch niemand beschäftigt. So ist denn die Aufgabe, die Arten zu deuten, keine kleine, doch erscheint sie seit der Veröffentlichung des Philumenos durch Wellmann, eines Buches, das wohl die besten antiken S.-Beschreibungen enthält, nicht mehr so ganz aussichtslos, wenngleich noch oft genug eine sichere Entscheidung nicht zu treffen ist. Siehe auch über Lueans Schlangenkatalog (IX 700ff.) II. Fritzsche Quaest. Lucaneae, Jena 1852. Die Reihenfolge ist die alphabetische.

1. Ἀγαθοδαίμων ist nach Hist. aug. Hel. 28, 3 eine ägyptische S., deren Biß nach Philum. 29 keine Entzündung hervorruft. Es ist also keine dem Menschen gefährliche Gift-S. Man könnte an die Katzen-S. (Tarbophis fallax Fleischm.) denken. Daß sie den Namen einer chthonischen Gottheit erhielt, ist nach den obigen Ausführungen nicht wunderbar. Vgl. auch Marx Märchen von dankbaren Tieren 102.

2. Ἀλμοῤῥοΐς und αἱμὸῤῥους. Mit diesen Namen bezeichnen Philumenos und die auf ihm oder seiner Quelle fußenden Galen. Ps.-Dioikurides, Paulus von Aigina und Aëtios Weibchen und Männchen derEfa (Echis carinata Schn.), deren Name übrigens deshalb hoch interessant ist, weil [522] sich in ihm der altägyptische, der als einzigen Konsonanten ein / enthielt, erhalten hat. Daß diese 8. gemeint ist, ist nach der folgenden Schilderung bei Philum. 21 wahrscheinlich: ,Diese Tiere haben eine graue Färbung und erreichen eine Länge von 20–30 cm. Ihr Schwanz ist dünn und mauseartig. Sie kriechen geradeaus und langsam und sind am ganzen Körper mit vielen weißen und schwarzen Punkten geziert. Sie sollen auch mit 10 ihren sehr scharfen Seitenschuppen bei der Bewegung ein rasselndes Geräusch hervorbringen. Die Ausführungsgänge des Weibchens liegen weiter unterhalb als die des Männchens.* Sodann gibt Philumenos eine Beschreibung der Wirkung des Bisses und medizinische Anweisungen. In § 6 führt er noch ein Mittel des Straton an; vgl. Gal. XIV 234. Diosc. eup. II 124, der Portulak und Wegerich empfiehlt. [Diosc.] de ven. an. 12. Paul. Aeg. V 16. Aët. XIII 23. Hierher ge-20 hört vielleicht auch, was Arist. hist. an. VIII 29 p. 607 a 24 von einer kleinen S. erzählt, die unter dem Silphium lebt.

3. Eine andere, wohl verwandte S. müssen Nic. ther. 282–319, Aelian. hist. an. XV 13 und die lateinischen Schriftsteller unter αἰμορροις und αἰμόρροῦς verstehen. Denn nach ihnen hält sich das Tier in bergigen Schlupfwinkeln auf, ist größer (30–40 cm), hat teilweise eine feurige Färbung, ist auf dem ganzen Rückgrat eingeschnitten und 30 hat zwei hornartige Auswüchse unterhalb der Augen, so daß der Kopf ein schreckliches Aussehen erhält. Sie kriecht seitlich ausbiegend. Die Folgen des Bisses werden ähnlich geschildert, nur kommen Herzkrämpfe hinzu. Diese S. könnte die Stülpnasenotter (Vipera latastei Boscà) sein; die Beschreibung würde zwar auch auf die Sandviper passen, doch kann es diese wohl nicht sein, weil sie von allen anders genannt wird (s. u. nr, 18). Als Gegenmittel gibt Ceis. V 27, 7 getrocknetes Teucrium 40 polium und etwas Raute, auch Psoralea bituminosa, Roßminze, Zimt und andere Dinge an, die jedenfalls von denen des Philumenos unter nr. 2 verschieden sind. - Nic. ther. 309 und Aelian. hist. an. XV 13 fügen den wissenschaftlichen Schilderungen noch eine Sage bei. Der Steuermann des Menelaos Kanobos sei von einer solchen S. getötet worden; da habe Helena ihr das Rückgrat gespalten, das seitdem die eigentümliche Gestalt habe, und den Zähnen das Gift entnommen; vgl. Schob 50 Nic. ther. 309. Plin. n. h. XXIV 117. NachLucan. Phars. IX 700 ist die haemorrhoïs dem Blute der Medusa entsprossen; v. 806 wird ein Soldat namens Tullus von ihr verwundet: aus der ganzen Haut floß sogleich eine rötliche, giftige Jauche; Augen. Mund und Nase füllten sich mit ihr. Lucan. der bei einer großen Reihe von S. erwähnt werden wird, hat seine zoologischen Kenntnisse aus des Aemilius Macer theriaca; leider hat er von ihnen nicht viel verstanden; vgl. Venant. Fortun. VIII 6, 195.

4. ü κ o v T ί a ς. Diese 8., die von ihrer pfeilschnellen Bewegung so benannt ist (Aelian. hist. an. VI 18), schildert dieser Erzähler VIII 13 folgendermaßen: ,Es soll eine Art Ringelnatter sein, aber größtenteils auf dem Lande leben und manchem Tiere auflauern. In wohlüberlegter Weise geht sie zum Angriffe vor; sie liegt verborgen an den Landstraßen oder kriecht auf einen Baum, ringelt sich hier zusammen und während sie den Kopf geschickt [523] verbirgt, beobachtet sie die Vorübergehenden ruhig; dann läßt sie sich auf diese herab, seien es nun Tiere oder Menschen. Sie schnellt sich von ihrem Ruheplatz fort und ist imstande, wenn nötig gegen 9 m weit zu springen; noch im Springen beißt sie sofort fest.¹ Hierzu tritt die Be-schreibung des Philum. 26, 1, der behauptet, ἀκοντίας und κεγχρίνης sei dasselbe: ,Diese 8. ist gegen 90 cm lang, geht von der dicken Gestalt in die dünne über, hat gelbgrüne Farbe, besonders am Bauche, so daß sie wie ein Hirsekorn gefärbt ist, weshalb einige sie auch κεγχρίας nannten (vgl. nr. 5). Andere behaupten, nicht deswegen werde sie κεγχρίας genannt, sondern weil sie am mutigsten ist, wenn die Hirse blüht. Beim Angrifi schleudert sie sich vor und sticht im selben Augenblick, weshalb man sie auch ἀκοντίας nennt.‘ Da toculus nichts als 'Übersetzung von ἀκοντίας ist, so haben wir unter diesem lateinischen Namen sicher dieselbe S. zu verstehen. Plinius n. h. VIII 85 sagt von ihr, sie schieße wie ein Wurfspieß von den Baumzweigen herab, und Lucan. Phars. IX 719, sie fliege; v. 823 schießt sie von einem alten Baumstamme herab und fährt dem Paulus mitten durch den Kopf; vgl. Nic. ther. 458ff. Gal. XIV 234. Luc. Philops. 12; dips. 3. Nur Ammian. Marc. XXII 15, 27 nennt von römischen Schriftstellern die S. auch aeontias. Alle Beschreibungen passen auf die in Italien und Griechenland in mehreren Spielarten vorkommende Zornnatter (Zamenis gemonensis Laur.); nur was Philum. 26, 2 über die Bißwirkung sagt, ist übertrieben. Vgl. den Vere des Venant. Fortun. VIII 3, 195: Vipera serps iaculus basiliscus haemorrhöis aspis, wo seps statt serps zu schreiben ist.

Ἀμμοβάτης s. διψάς.

5. Ἀμμοδύτης (lat. ammodytes). Außer einer Beschreibung bei Philumenos liegen nur kurze Erwähnungen bei Strab. XVII 803, nach dem sie in Ägypten vorkommt, Schol. Nic. ther. 490, Lucan. Phars. IX 716, der sagt, sie sehe wie der Sand aus, Solin. XXVII 33, lui. Valer. III 19 und Isid. orig. XII 4, 39 vor. Vielleicht ist die Levanteotter (Vipera lebetina L.) gemeint, doch können Verwechslungen mit anderen Ottern vorliegen. Die Worte des Philum. 22 lauten: ,Die S. ist gegen V 2 m lang - größer wird sie nämlich nicht - und hat die Farbe des Sandes; am Leibe ist sie durch schwarze Flecke gekennzeichnet. Sie hat einen harten Schwanz, der oben gespalten ist. Von einigen wird sie auch κεγχρίας genannt. Ihr Biß ist im allgemeinen immer tödlich. Das Tier kommt in schrecklichen Windungen heran, weshalb es aueh so [?] genannt wurde. Die Kranken haben Erbrechen, eine jauchige Flüssigkeit ergießt sich aus der Wunde, es entsteht eine Geschwulst, die nach kurzer Zeit von neuem aufbricht; dann stellen sich Kopfschmerzen und Schwindel ein. Erasistratos behauptet, es trete eine Beschädigung der Leber, der Blase und des Grimmdarms ein, und jede Sektion wird seine Meinung bestätigen. Der Tod tritt in drei, in manchen Fällen erst am siebten Tage ein; schmerzhafter ist er, wenn jemand von einem Weibchen gebissen ist.‘ Es folgen in §§ 4–7 Heilmittel. Von solchen S. wurden jedenfalls einige Soldaten des Ophelias gebissen und getötet, Diod. XX 42.

6. Ἀμφίοβαινα, lat. amphisbaena. [524] Diese S. wird von Philum. 27, 1 folgendermaßen gezeichnet: ,Sie ist am Schwanze nicht zugespitzt, sondern hat eine gleichmäßige Körperdicke, so daß man nicht unterscheiden kann, auf welcher Seite der Kopf und auf welcher der Schwanz sich befindet‘. Hesych gibt ebenfalls aus Sostratos’ περὶ βλητῶν eine genaue Beschreibung: Εἰδος δφεως μακροκέφαλονθ Ἰσόπαχυ (lies nicht ἰσόπηχυ wie M. Schmidt, sondern Ἰσοπαχή), τὴν οὐράν κολοβήν 10 ἔχον καὶ ταύτη πολλάκις τὴν πορείαν ποιούμενοι ὥστε τινάς ἄμφισβητειν, μὴ δὺο κεφαλας ἔχειν. λέγεται δὲ καὶ διὰ τοῦ μ ἀμφίσμαινα, Hiernach haben diejenigen modernen Forscher wohl recht, die eine Blind-S., und zwar das in Griechenland häufige Blödauge (Typhlops vermicularis Merr.) verstanden wissen wollen. Es ist sehr wahrscheinlich, daß sehr viele Angaben antiker Autoren über die τυφλιναὶ δφεις hieher zu ziehen sind (s. den Art. Krokodil Nr. 17). Was sonst noch von 20 ihr gesagt wird, kann die Deutung weder widerlegen noch bestätigen. Bei Plin. n. h. VIII 85 erscheint die S. als ein Wundertier mit zwei giftspeienden Köpfen; doppelköpfig nennt sie auch Lucan. Phars. IX 719; vgl. Aelian. hist. an. IX 23. Die Wunde eines von einem Blödauge Gebissenen ist nach Philum. 27, 2 schwer zu erkennen und sieht wie ein Bremsenstich aus; es findet eine ganz leichte, ungefährliche Anschwellung statt. Nic. ther. 372Ϊ. und aus ihm 30 Plin. n. h. XXX 85 und Aelian. hist. an. Vin 8 berichten, daß man mit einem Stabe, um den man eine Typhlopshaut gewickelt habe, allerlei giftige Tiere vertreiben knne; Plin. n. h. XXX 110 fügt noch hinzu, man könne auch Brandwunden mit solcher Haut heilen, und erzählt 128, daß Frauen, die tote S. dieser Art überschritten, eine Fehlgeburt tun würden. Im Lib. monstr. III 7 werden solche mit drei Zungen erwähnt. Gegen den Biß empfehlen Diosc. III 64 und Gal. XIV 216 Koriander.

Ι. Ἀσπίς, lat. aspis.

a) Namen und Spielarten. Daß der Name ἀσπίς aus hebt. JDX volksetymologisch verderbt sei, ist eine Behauptung von Lewy Semitische Fremdwörter 13, die sich mindestens nicht erweisen läßt, da die Bezeichnung ἀσπίς ebenfalls gut für die S. paßt. Bei Nichtfachschrift-stellern, wie Cicero, bedeutet aspis oft einfach Gift-S. Ägyptisch l|oä » von dem Verbum qW 50 ,aufsteigen* abgeleitet; sie hat wohl das Vorbild für die Hieroglyphe abgegeben. Es ist die Uräus-S. (Naja hajeL.), die in sehr vielen Spielarten erscheint, deren 16 die Ägypter und Phylarchos ausNaukratis in seinem Werke περὶ τῶν Αἰγυπτίων ἀσπίδων, das aus mindestens 12 Büchern bestand, unterschieden, Aelian. hist. an. X 31. XVII 5. Die Vulgata übersetzt das hebräische*E mitespi H'obXX16 steht g0 es neben HJÇN. Was Philum. 16 als drei Spielarten ansieht, sind vielleicht besondere Arten, die unter πτυάς und χελιδόνια behandelt werden; hier besprechen wir nur die ἀσπίς χερσαία. Dem Philumenos folgen in der Anschauung, es gebe diese drei Spielarten derüräus-S., Gal.XIV235. Solin. XXVII 31. Paul. Aeg. V 18. Mich. Glyk. ann. p. 58 D. Über ihre verschiedenen Farben spricht richtig Paus. 1X21. 6. Strab. XVII 823 unterscheidet nur zwei Arten. [525]

b) Gestalt und Lebensweise. Nach Philum. 16, 1–2 unterscheiden sich die einzelnen Arten beträchtlich an Größe, Farbe und Giftwirkung: Die Naja haje wird 1,35 m bis 1,75 m lang (vgl. Aelian, hist. an. XVI 39), doch findet man auch solche bis zu 2,20 m; mit der Größe steigert sich die Angriffslust. Ihre Farbe ist bald aschgrau, bald grünlichgelb, VI 38. Nikander, der nur unsere Art kennt und ther. 157 wie Lucan. Phars. IX 609 ihre Schuppen trocken nennt, gibt ther. 168ff. ihre Größe zu 1,75 m an und sagt, sie habe einen breiten Kopf, sei bald aschgrau, bald quittengelb und habe auf dem Kopfe zwei Rehwielenartige Verhärtungen (eine Verwechslung mit der Stumpfnasenotter oder Sand viper). Das Auge ist nach ihm ein wenig purpurglänzend (nach Plin. n. h. X 87 blöde), und ihr Nacken sträubt sich, wenn sie jemanden anfaucht. Sie hat vier hohle gekrümmte Giftzähne, μύχατος δὲ χιτῶν νμενεσσὶ καλύπτει, Nic. ther. 184. Diese letzten etwas unverständlichen Worte werden klar durch Aelian. hist. an. IX 4, der sagt, die Zähne der ägyptischen Brillen-S. seien mit äußerst feinen Häuten überzogen; beiße das Tier, dann schöben sich jene Häutchen zurück und das Gitt fließe heraus; später zögen sie sich wieder über die Zähne. Diese Schilderung paßt übrigens nicht nur auf diese Gift-S. Sie zischt (τρίζει), Hennes bei Stob. ecl. phys. I 952. Dem Psahnisten 58, 5 gilt sie für taub. Mit einschläferndem Auge blinzelt sie, träge aus der Furche herauskommend, eindringlich die Vorübergehenden an, Nic. ther. 166f. Ihre Heimat ist Libyen, Herodot. IV 191. Jes. XXX 6. Nach Plin. n. h. X 86 leben die Uräus-S. in treuer Ehe. Wenn ein Gatte getötet wird, so wird der andere von unglaublicher Rache erfüllt; er verfolgt den Mörder und findet ihn aus dem größten Gewühl heraus; nur durch Flüsse oder eilige Flucht kann man sich retten. Die S. gehen freiwillig nie in ein kaltes Land und bewohnen die Sandwüsten bis zum Nil, Lucan. Phars. IX 701. Über einen Schatten können sie sich aufregen, IV 724. Sen. ir. III 80, 1, Ihr schlimmster Feind ist das Ichneumon; schon [‌Arist.] hist. an. IX 6 p. 612 a 16 erzählt von den Kämpfen zwischen beiden und der Vorsicht, die jene beim Angriff bekunden; sie gehen nie allein auf die S. Ios und schützen sich gegen die Bisse durch einen Überzug von Lehm. Ein solcher Kampf ist dargestellt auf einem pompeianischen Mosaik bei Keller Ant. Tierwelt I Fig. 57. Nach Aelian. hist. an, VI 38 frißt das Ichneumon auch die Eier dieser S.; vgl. III 22. V 48. X 47. Ein Hund, der eine Schildviper anbellt, bei Keller Münzen und Gemmen XV 48; von Kämpfen mit Katzen spricht Diod. I 87. Auch große Skorpione sollen sich in Äthiopien an die Kriechtiere heranwagen, Aelian. hist. an. VIII 13.

c) Gefährlichkeit. Als unheilbar bezeichnet den Biß der Uräus-S. bereits Arist. hist. an. VIII 29 p. 607 a 22 und fügt hinzu, daß man ihr tödliches Gift benutze. Dieselbe Meinung von der Wirkung haben Andromachos bei Gal. XIV 33. Damokrates ebd. 90. Plin. n. h. X 85. XXIX 65. Aelian. hist. an. I 54. II 24. Gal. IV 779. Philum. 16, 3–5 schildert die Wirkungen eines Bisses so: Jm allgemeinen sehen die Bißstellen wie Nadelstiche aus; es sind zwei oder vier, beim Weibchen vier. Anfangs stellen sich noch keine Schmerzen [526] ein. auch blutet die Wunde nicht, man müßte denn das Tier mit Gewalt abreißen. Allmählich folgen Krämpfe, Fahlwerden des Gesichtes, kalter Schauder, anhaltendes Gähnen, Zufallen der Augenlider, Seitwärtskrümmen des Nackens, Kopfschmerz, Schlaffheit des Körpers, Schlaftrunkenheit, unveränderter Puls, schließlich der Starrkrampf. Der Tod tritt in 2–3 Stunden ein⁴. Nach Plin. n. h. XXIX 65 wirkt das Gift nicht so stark, wenn eine 10 veraltete Wunde oder Narbe getroffen wird. Genossen soll das Gift überhaupt nicht schaden: daher könne man von einer Schildviper getötete Tiere ruhig essen. Vgl. Gal. de temp. III 3 p. 97, 21 Helmreich: Ο τῆς ἀοπίδος ἰὸς ὅν τὴν Ἴσην ἴχει δνναμιν ἡ τῶ δέρματι μόνον ὀμιλήσας ἡ εἰσω μετάληφθείς, Am schlimmsten ist der Biß, wenn die S. vorher einen Frosch gefressen hat, Aelian. hist. an. IX 15. Keine Schildviper tötet eine andere durch ihr Gift, Gal. VII 745; auch erzählten die 20 ägyptischen Priester, sie verschone die Guten, und Isis schicke sie zu den Verbrechern zur Vollstreckung des Todesurteils, Aelian. hist. an. X 31. Die in Alexandria zum Tode Verurteilten ließ man, um ihnen unnötige Schmerzen zu ersparen, von einer Uräus-S. beißen, Gal. XIV 235. Den Juden galt die Galle besonders für giftig, Hiob XX 14. Deut. XXXII 33. Vgl. auch Cic. fin. II 59.

d) Mittel gegen den Biß und Verwendung in der Heilkunde. Philum. 16, 30 6–8: ,Wenn es geht, muß der gebissene Körperteil amputiert werden, andernfalls das Fleisch rings herum bis zum Knochen ausgeschnitten, damit die vergifteten Teile ausgestoßen werden; was man noch läßt, muß man mit dem Brenneisen ausglühen. Sogleich sind folgende einfache Heilmittel anzuwenden: Gib den schärfsten Essig zu trinken, bis du seine Wirkung merkst; denn das Gift hat ebenso wie das des βασίλιοκος [hierunter versteht der Forscher keinesfalls ein sagenhaftes Tier, sondern 40 irgendeine Agame (Eidechse), denen man von jeher Giftigkeit angedichtet hat] das Blut in den Arterien sehr verdickt. Auf die Wunde lege Tausendgüldenkraut, das du mit Myrrhe und Opium verrieben hast, oder Senf- und Leinsamen in Essig? In § 9 folgt noch ein Mittel des Numenios. Für die gute Wirkung des Essigs, den auch er hauptsächlich empfiehlt, führt Ceis. V 27, 4 als Beweis folgenden Fall an: Ein Knabe, der von einer Uräus-S. gebissen war, wurde wegen der großen Hitze, die 50 gerade herrschte, von unerträglichem Durste geplagt. Da er nun in jener Gegend kein Wasser zu entdecken vermochte, so trank er eine Flasche Essig, die er zufällig gekauft hatte, aus und wurde so vom Tode errettet. Gal. VIII 197 erzählt: ,Das Abbinden des Gliedes hat mir gute Dienste beim Bisse ägyptischer Brillen-S. geleistet. Die meisten Menschen haben zwar zu dieser Heilmethode kein lechtes Zutrauen; sie sehen den nahen Tod vor Augen, und da scheint ihnen ein Arzt, der keine 00 Medizin eingibt, ein Kurpfuscher. Und doch ist es gerade umgekehrt. Als ich in Alexandria studierte, wurde ein Landmann unfern der Stadt in einen Finger gebissen; er band sofort das verletzte Glied am Mittelhandknochen so fest er konnte ab, eilte dann zu seinem Hausarzte in die Stadt und forderte ihn auf, den ganzen Finger an der Verbindung mit dem Mittelhandknochen abzuschneiden, in der Hoffnung, noch einmal davon zu kommen. Und es [527] glückte ihm auch, ohne daß er noch irgend etwas anderes dazu tat.* Nach Plin. n. h. XXI 182 ist die Pflanze Physalis Alkekengi (Blasenkirsche) den Schildvipern so verhaßt, daß ihre tödliche Kraft sofort betäubt wird, wenn man ihnen die Wurzel jenes Krautes entgegenhält; auch Lupinen nennt er XXI 154. Ebenfalls soll verbranntes Arum italicum die S. vertreiben oder betäuben; wenn man sich mit dem öle dieser Pflanze oder mit Lorbeeröl einreibt, bleibt man von ihnen unbehelligt, XXIV 148. Diese. II 167. Das beste Mittel sei aber der von Varro noch im 83. Lebensjahre empfohlene Urin eines von einer Uräus-S. gebissenen Tieres, Plin. n. h. XXIX 65. Die Ägypter wandten Osterluzei an, Diosc. III 4; diese Pflanze nannten sie nach Kobert Arzneikunde vor 18 Jahrhunderten 23 ,schiangenwidrig‘. Eine ganze Reihe von Mitteln des Antipater zählt Gal. XIV 160. 173. 176 auf; vgl. Aelian. hist. an. II 5. Butter fordert Diosc. m. m. II 72, 2, Clematis viticella IV 7 und 7–8 Wanzen II 34, ebenso eup. II 125, wo noch Essig, dauerndes Wachsein, Schläge, Bewegung des Körpers und warme Umschläge erwähnt werden. Teucrium polium hieß nach m. m. III 110 RV φευξαοπίδιον. Wenn eine Aspis auf dem Hühnerhofe erscheint, soll man ihr nach Geop. XIII 8, 10 Physalis Alkekengi entgegenhalten, und sie wird einschlafen. Wenn Hühner Wanzen gefressen haben, sind sie an dem Tage vor der S. sicher, und ihr Fleisch ist den gebissenen Menschen heilsam, Plin. n. h. XXIX 61. Die Psyller erlitten keinen Schaden vom Schildvipernbiß (Sext. Emp. Pyrrh. I 14, 82. Varro bei Priscian. gramm. II 527, 7), und die Marser sollen diese S. zu medizinischen Zwecken gehalten haben, Gal. XI 143. Die Haut, in Honig gerieben, wandte man zur Verschärfung der Sehkraft an, XIV 242; besonders mit dem Fett des Tieres verschmiert, gegen Augenkrankheit der Zugtiere, Plin. n. h. XXIX 119. Auf Kröpfe legte man Aspisasche mit Stiertalg, XXX 37.

e) Der Tod des Demetrios von Phaleron und der Kleopatra. Der bekannte athenische Staatsmann Demetrios Phalereus wurde schlafend von einer Uräus-S. in die Hand gebissen, Hermipp. bei Diog. Laert. V 78; nach Cic. Rab. Post. 23 scheint es, als ob er dazu gezwungen worden sei. Bekannter ist der Tod der Kleopatra, der am ausführlichsten von Hut. Ant. 72–87 geschildert wird. Schon nach der Schlacht bei Aktium am 2. September 31 v. Chr., als die ägyptische Königin den Untergang ihres Reiches voraussah, begann sie, mit Verbrechern Versuche über das am schnellsten und schmerzlosesten wi ßende Gift anzustellen, und fand, daß das Gift der Schildviper ohne Zuckungen eine Betäubung hervorrufe, die zu einem sanften Tode führe. Am 1. August 30 hatte dann Antonius durch Selbstmord geendet, und Kleopatra beabsichtigte das gleiche, um nicht in die Hinde des Augustus zu fallen und in Rom im Triumphe aufgeführt zu werden. Sie schmückte den Sarg des Geliebten mit Kränzen und speiste verschwenderisch. Während der Mahlzeit brachte ihr jemand ein Körbchen mit Feigen, unter denen eine Brillen-S. versteckt war. Als sie das Körbchen öffnete, rief sie: ,Ei, da ist sie ja!‘ und hielt ihr den entblößten Arm zum Bisse hin. Andere erzählten, die S. sei in einem Wasserkruge aufbewahrt gewesen; Kleopatra habe sie mit einer [528] goldenen Nadel so lange gereizt, bis sie herausgesprungen sei. An ihrem Körper zeigte sich keine Wunde, und es war auch keine S. im Zimmer zu sehen; nur draußen wollte man einige Spuren im Sande entdeckt haben, und manche behaupteten auch, zwei winzige Stiche an ihrem Anne gesehen zu haben. Auch Augustus war fest von dieser Art ihres Todes überzeugt, denn er ließ bei seinem Triumphe ein Bild jener Königin mit einer am Arme hängenden Schildviper auf führen. Zwei Dienerinnen starben mit ihr desselben Todes. Dasselbe bei Mart. IV 59. Cass. Dio LI 94, 823f. Gal. XIV 235. Aelian. hist. an. IX 11. 61. Vell. Paterc. II 87. Tertull. mark 4. Nach Suet. Oct. 17 ließ Augustus zum Aussaugen der Wunde Psyller kommen.

f) Verehrung und Gaukelkünste. Die ägyptischen Könige trugen, wie Aelian. hist. an. VI 38 richtig bemerkt, auf ihren Diademen bunte Aspis-S., und das Zeichen dieser Viper ist den Hieroglyphen zugleich ein Determinativ für Göttin. Als Sinnbild der Erhabenheit sieht man es eingemeißelt zu beiden Seiten der Weltkugel an den Tempeln. Wegen der unheimlichen Macht ihres Giftes gelangte diese S. leicht zu hoher Verehrung, und ihre Tötung wurde schwer bestraft, Cie. Tusc. V 78. Besonders die Spielart namens Thermuthis wurde für unsterblich gehalten und umwand die Stirn der Isis wie ein Diadem. In jedem Tempelwinkel baute man ihr Wohnungen und fütterte sie mit Kälberfett, Aelian. hist. an. X 31. Keller Münzen u. Gemmen 93. Weiter berichtet Phylarch. de Aeg. asp., daß diese S. wegen der sorgsamen Pflege der Menschen zahm und zutraulich wurden: mit kleinen Kindern zusammen großgezogen, taten sie ihnen nichts und kamen, wenn man mit den Händen klatschte, aus ihren Schlupfwinkeln, Nach Tisch stellten die Ägypter eine süße Weinsuppe hin, und ließen die S. sich an ihr erlaben, auch küßten sie sie, ohne je Schaden zu nehmen. Wenn jemand spät abends nacn Hause kam, klatschte er ebenfalls; da taten die klugen Tiere das Gegenteil von dem, was sie sonst in diesem Falle zu tun pflegten, sie zogen sich zurück und konnten nicht getreten werden, Aelian. hist. an. VII 5. Man kann diese Erzählung des Phylarch vielleicht als übertrieben, doch kaum als völlig erfunden ansehen. Die Möglichkeit, die Aspis abzurichten, ist seit den ältesten Zeiten der Geschichte erwiesen; denn keine andere war die, in welche sich des Moses wunderbarer Stab verwandelte, Exod. IV 3. VII 15. Vgl. darüber die Historia serpentis aënei eines gewissen Buxtorf, die Böttiger Kleine Schriften I 99 erwähnt. Auch den klassischen Völkern waren die Gaukelkünste der Ägypter bekannt. Aelian. hist. an. IX 62 erzählt eine Geschichte, die sich im J. 94 v. Chr. in Rom zugetragen haben soll. Damals trat ein Mann mit einer Uräus-S. auf, von der er sich in den Arm beißen ließ; dann sog er das Gift aus und wollte sich den Mund mit Wasser spülen, gewahrte aber zu seinem Schrecken, daß das bereitgestellte Gefäß umgestoßen war. Er starb nach zwei Tagen an den Folgen der Blutvergiftung, doch ohne den geringsten Schmerz. Mund und Zahnfleisch waren in Fäulnis geraten.

Das Volk der Psyller legte nach Lucan. Phars. IX 928 die neugeborenen Kinder den Schildvipern vor, um ihre Echtheit zu prüfen: die echten ergriffen [529] sie furchtlos und spielten mit ihnen. Die Römer vertrieben solche S. auch im Handel, 705. Eine zahme ist bei Helbig Pomp. Wandg. 5 dargestellt, wie ein Pavian mit ihr spielt; auch Keller Antike Tierwelt Fig. 109f. hat Aspis-S. Plin. n. h. XI 163 meint, solchen seien die Giftzähne ausge-broehen. Eine höchst anschauliche Schilderung der modernen S.-Beschwörer lese man bei Brehm Tierleben⁴ V 443 nach. Bei Aelian stehen noch zwei Wundergeschichten; IV 54 berichtet er, daß ein junger Gänsehirte eine Uräus-S. zur Geliebten habe, die ihm im Schlafe erschienen sei, ihn vor Nachstellungen gewarnt und so gerettet habe. XI 32 folgt die Erzählung von einem Weinbauern, der beim Rajolen eine Aspis mitten entzwei schneidet. Der eine Teil kriecht aber weiter, und das hat eine Lähmung der Gehirnnerven bei dem Landmann zur Folge. Wo er geht und steht, sieht er die zerschnittene S., nachts kann er nicht schlafen, und Schmerzen hat er, als ob er gebissen würde. Endlich bringen ihn seine Verwandten in den Tempel des Sarapis, wo er Heilung findet. Plin. n. h. X 208 erzählt nach Phylarch. frg. 27 von der liebevollen Gesinnung dieser sonst wütenden 8. Eine solche habe für gewöhnlich an der Tafel eines Ägypters gespeist und Junge bekommen; eins davon habe den Sohn des Wirtes totgebissen. Darüber sei sie so betrübt geworden, daß sie ihr Kind getötet habe und nie wieder in dem Hause erschienen Sei. Bemerkenswert ist noch das Epigramm bei Overbeck Pompeji⁴ 480, das in S.-Windungen an den Eingang eines Privathauses der Nolaner Straße angeschrieben ist und sich jedenfalls nur auf einen Kautschukmann bezieht:

Serpentis lusos si quis sibi forte notarii, Sepumius invenis quos facit ingenio,

Spectator scaenae sive es studiosus equorum, Sic habeas lances semper ubique pares.

Was mit von der Aspis Gebissenen unter der Konstellation Ζνγος νπὸ Ταύρον, Ἀφροδίτη νπὸ ἔαντης geschieht, sagt Vett. Val. p. 127, 18 Kroll.

g) Volksmund. Ein Vogelsteller wollte Drosseln fangen; als er eine auf einem hohen Baume sitzen sah, nahm er seine Leimruten vor und merkte nur noch auf das, was in der Höhe vorging; da biß ihn eine Uräus-S., Aesop. 171. Menander hat zwei Redensarten, die sich auf diese S. beziehen: Γνναῖχ¹ ὁ διδάσκων γράμματ' ὅν καλώς ποιεί, ἀσπίδι δὲ φοβερὴ προσπορίζει φάρμακον, comp. Men. et Phil. p. 363, und Τὸς πέφνκεν ἀσπίδος κακὴ γννή, monost. 201. Luc. pseudol. 23 sagt, es sei besser, eine Schildviper zu küssen, als manchen Menschen, und Tertull. adv. Marc. III 8: Aspis a vipera mutuatur venenum, κατὰ τὴν ἐναργὴ παροιμίαν, ὡς ἀσπίς παρ' ἐχίδνης Ἰὸν δανειζόμενη, Epiphan. adv. haeret. I 23, 7. Otto Sprichwörter 373. Bei den christlichen Schriftstellern finden sich noch andere volkstümliche Redensarten der Art: so reden die Anhänger des Athanasius von einer arianischen Aspis, Cassiod. hist. IV 24. Vgl. ferner Hieron. apol. adv. Ruf. III 22: Lustrari monasteria et inter sanctorum choros aspides latere perspexi.

Βασιλίσκος ist entweder ein Fabelwesen und gehört daher nicht in die Naturkunde, sondern die Mythologie (behandelt von Wellmann Bd. III S. 100) oder eine Agame (behandelt in dem Art. Krokodil). [530]

8. Die Aspisart bei Kurion auf Cypern, deren Gift nur im Sommer wirkungsvoll sein soll, wie [‌Arist.] mir. ausc. 142 p. 845 a 11 sagt, ist auf Grund dieser Angabe nicht bestimmbar; vielleicht ist die Kaspische Natter oder Ratten-S. (Zamenis mucosus L.) gemeint.

9. Die ἀσπίς des Strab. XV 706 ist wohl die indische Brillen-S. (Naja tripudians Merr.),

10. Die boa der römischen Schriftsteller, die 10 zuerst von Varr. sat. Men. 329 erwähnt wird, ist nach ihren Mitteilungen wohl die Streifennatter (Coluber quattuorlineatus Lac.). Was bei Paul. ex Fest. p. 30 steht (bava serpens est aqua-lilis, quam Graeci νδρον vocant, a qua icti obturgescunt), strotzt von Fehlern; alles andere dagegen läßt sich auf die genannte S. vereinigen. Nach Solin. II 33 leben die Tiere in Kalabrien; Polemius Silvius zählt sie in seinem Tierkataloge unter die Verwandten der Ringelnatter, und Plin. 20 n. h. VII! 37 sagt, sie nähre sich anfangs von Kuhmilch, woher sie ihren Namen habe. Das ist nun zwar von der in Italien häufigen Streifennatter neuerdings nicht beobachtet worden, aber die dalmatinischen Bauern behaupten es nach Brehm Tierleben⁴ V 365 noch heute auf das bestimmteste und stellen ihr deshalb nach; Eier weiß sie jedenfalls zu schätzen, eine vielen anderen S. ungewöhnliche Nahrung, Sie wird nach Plinius ferner so groß, daß man in dem Magen einer zu Claudius’ 30 Zeiten getöteten ein ganzes Kind fand; das ist natürlich unmöglich; immerhin ist die S. mit bis zu 2 m Länge eine der größten der Mittelmeerländer. Bei Hieron. vit, Hilar. 39 ist aus dem Kinde schon ein Ochse geworden. Was dagegen Isid. orig. XII 4, 28 sagt (persequitur greges armentorum et bubalos et plurimo lacte riguis se uberibus innectit et sugens interimit), würde jeder Bosniake heute von seiner kravorcica (Kuhmelkerin) ebenfalls behaupten. Nach Plin. n. h. XXX 138 glaubten 40 manche Leute, sie habe einen Stein im Kopf, den sie bei Gefahr ausspeit. Ihre Galle hilft gegen Augenschwäche, XXIX 122. Gegen aufgesprungene Haut verwandte man ihr Fett, XXX 69. Die zalime S. des Tiberius (Suet. Tib. 72) war nach Keller Antike Tierwelt II 299 vielleicht eine Streifennatter.

11. D iip ἄς, lat. dipsas.

a) Name und Gestalt. Kretisch hieß die S. δίβας oder δίψας nach Hesych und Artemid. II 50 13; jener erklärt den Namen durch ἔχις, ὕδρα. Eins von beiden muß falsch sein; wie sich herausstellen wird, das letzte. Dazu paßt dann, daß Anth. Pal. VII 172 διψάς neben ἐχίδνη als artunterscheidendes Merkmal steht. Auch ἀμμοβάτης wurde sie genannt, ferner μελάνουρος (sehr charakteristisch für das Tier), κεντρίς und κανσων. Aelian. hist. an. VI 51. Philum. 20, 1; schließlich noch κέδρινης, Schol. Nic. ther. 334. Das Ἐ]Ίε gQ ffin: (feurige S.) Deut. VIII 15 wird von der Vulgata mit dipsas wiedergegeben. Auch über diese S. gibt es wie über die Uräus-S. eine Monographie aus dem Altertum, die sogar erhalten ist: Lukian περὶ διψάδων. Daß es keine der jetzt Dipsas genannten Arten sein kann, beweist die große Giftigkeit, die ihr zugeschrieben wird, und die häufige Erwähnung. Trotzdem kann es eine in Griechenland selbst auffällige Art ebensowenig sein, denn [531] Aristoteles kennt sie nicht. Außerdem behauptet auch Lukian ausdrücklich, daß sie bei den Garamanten zu Hause sei. Philum. 20, 3 gibt an, daß auch dem Straton diese S. unbekannt war. Nach den gleich folgenden Beschreibungen ist es sehr wahrscheinlich, daß wir es mit der Avicennaviper (Cerastes vipera L.) zu tun haben; der Linnésche Gattungsname ist unglücklich gewählt, da von einem Horne bei dem Tiere nicht die Rede ist. Philum. 20, 1 schildert sie so: 1 ,Ihre Länge beträgt etwa Va ‘î sie erstreckt sich vom Dicken zum Dünnen; sie ist am ganzen Körper mit schwarzen und gelben Punkten besprenkelt und hat einen außerordentlich dünnen Kopf? Die ausführliche Beschreibung bei Lukian bringt nichts wesentlich anderes hinzu; ξηρή nennt sie Androm. bei Gal. XIV 33. Nic. ther. 334 sagt, sie sei der Sandviper außerordentlich ähnlich (sehr wichtig), nur etwas kleiner, und habe einen schwarzen Schwanz (bedeutsames Kennzeichen deri Avicennaviper). Über die Größe spricht in derselben Weise auch Aelian. hist. an. VI 51 und gibt die Angabe des Sostratos wieder, sie sei weiß mit zwei schwarzen Streifen am Schwänze. Ihre Heimat sei Afrika und Arabien. Nach Lucan. Phars. IX 610 leiden die Tiere mitten im Wasser stehend Durst (eine völlig verfehlte, nur aus dem unter c Gesagten erklärbare Auffassung des Wortes διψάς); vgl. 718. Lukian hat uns auch das Epigramm auf eine von einer solchen Viper getöteten Mann auf-1 bewahrt.

b) Giftwirkung und Heilmittel. Philum. 20, 2: ,Nach dem Bisse schwillt die Stelle an und entzündet sich wie bei anderen S., doch hinzu kommt ein brennender Durst, deswegen wird der Kranke wie in Fieberhitze nach Wasser schreien und größere Mengen davon zu sich nehmen, ohne daß weder durch Harnen noch Schwitzen, noch Erbrechen etwas abgeht. Er stirbt also aus zwei Gründen: entweder von zu heftigem Durst geplagt, ' wenn er nichts trinkt, oder wenn er etwas trinkt, an Überladung, wie die Wassersüchtigen*. Selbst der Genuß des Fleisches dieser S. soll tödliche Wirkung äußern, Gal. VII 135, Daß der Biß jedenfalls gefährlicher als der der Sandviper ist, sagen Aelian. hist. an. VI 51 und Nic. ther. 335, der 338 noch hinzufügt, daß eine Herzentzündung folgt und die Lippen ganz trocken werden. Sehr ausführlich ist auch die Schilderung bei Lucan. Phars. IX 722. Antip. Sid. in Anth. Pal. VII 172 spricht von einem Vogelsteller, der unversehens von einer Dipsas überrascht wurde, die ihm ihr Gift unter den Knöcheln ins Fleisch träufelte; vgl. Mart. III 44, 7. Sil. It. III 313, Solin. XXVlf 31. Als Heilmittel gibt Philum, 20, 3–4 dieselben wie bei von der Sandviper Gebissenen an. Eine auf diese S. bezügliche Sage erzählen Schol. Nic. ther. 343 und Aelian. hist. an. VI 51.

12. J x ὤκ

a) Namen. Genetiv δράκοντος; lat. draco, Genetiv draconis. Deminutiv griech. δρακόντιον, lat. dracunculus. Es gibt im Griechischen 30 von δράκων abgeleitete Wörter. Hebräisch VJF, was aber auch andere Ungeheuer bezeichnet. Die Etymologie wird von den Griechen meist richtig angegeben (von δερκομαί), Das Etym. M. sagt: διὰ τὸ δράσθαι κακώς ἡ λυμαῖνεσθαί ἡ καρὰ τὸ δερκω τὸ βλέπω, ἐξ ου καὶ δορκάς καὶ δ δεύτερος ἀόρι- [532] στό? ἔδρακον. Vgl. Porphyr. de abst. III 8 p. 197 Nauck: ΤΙς μὲν γὰρ ἀνθρώπων τοοοντον βλέπει δοον ὁ δράκων, δθεν καὶ τὸ βλέπειν δρακέῖν λεγοισιν οἱ ποιηταί (er nimmt also die umgekehrte Entwicklung an, selbstverständlich falsch). Bei Dichtern hat δράκων sehr oft das Beiwort αἰόλος, wie es denn bei Homer überhaupt die allgemeinste Bezeichnung für S. ist, und man ist versucht, anzunehmen, daß Riesen-S. früher ein weiteres Gebiet der Verbreitung hatten als jetzt; vgl. Aelian. hist. an. II 21. Beim echten Aristoteles kommt der Name δράκων nicht vor. Die Epidaurier nannten dies Tier anders, da sie sich δράκων für die Äskulap-S. vorbehielten, Paus. II 28, 1. Nicht selten werden alle ungiftigen S. unter diesem Namen zusammengefaßt, meistens sind aber Riesen-S. zu verstehen, d. h. zuerst wohl die indische Tiger-S. (Python molurus L.), die die Griechen jedenfalls früher als die afrikanischen kennen gelernt haben und der sie ihre Sagen verdanken, wenngleich sie auch von jenen viel erzählen.

b) Gestalt und Lebensweise. Die Riesen-S. enthalten kein Gift, Plin. n. h. XXIX 67. Philum. 30. Ihr Fleisch ist hart, Gid, VI 727. Sie hören und sehen am besten von allen Tieren (X 48. XV 21) und wachsen sehr schnell. VI 63. Besonders beschäftigte die Alten die gewaltige Länge der Tiere, und es ist nicht ver-wunderlich, daß sie sie ins maßlose übertrieben und den S. noch andere Dinge andichteten. Die Größe der indischen Riesen-S. geben Kleitarch θ τῆ περὶ τῆς Ἰνδικῆς bei Aelian. hist. an. XVII 2. Nearch bei Arrian. Ind. 15. Strab. XV 706. Diod. XVII 90 auf 16 Ellen (7,40 m) an; doch sagten die Inder selbst, es gebe noch größere. Aristobul hat keine gesehen, die über 4,20 m gemessen hätte; auch die, welche Strabon bei einer Tierschau sah, war nicht größer; und diejenige, die indische Gesandte dem Kaiser Augustus schenkten, 40 maß 4V2®b Strab. XV 719. Dagegen erzählt Paus. II 28, 1 von S. von lSVs m Länge, und Megasth. frg. 47 behauptet, sie würden so groß, daß sie Hirsche und Ochsen verschlingen könnten. Ja One-sikritos bei Strab. XV 698 versteigt sich sogar zu der Behauptung, in dem Lande des Abisares zwischen Indus und Hydaspes seien zwei Riesen-S., die eine 36 m, die andere 62 m lang, gehalten worden. ,Man sollte diesen Mann*, sagt Strabon, ,nicht den Obersteuennann, sondern den Oberlügenmeister 50 Alexanders nennen.* Vgl. Aelian. hist. an, XVI 39. Eine ähnliche Geschichte von einer 31 m langen S., deren Augen so groß wie ein makedonischer Schild gewesen seien und die nicht anzugreifen Alexander sich verpflichtet habe, wird XV 21 erzählt. Taxilas zeigte nach Max. Tyr. VIII 6 Alexander d. Gr. eine dem Dionysos heilige S. von 148 m Lange - wie man sieht, werden sie immer größer -, die in einem von einer hohen Mauer umschlossenen Gehege gefüttert wurde und die 60 Rinder und Schafe der Inder fraß. Auch auf der Insel Chios soll eine riesige S. gehaust haben, die bei einem Waldbrande umkam, Aelian. hist. an. XVI 39. Über die Vorliebe für Eier spricht Plin. n. h. X 132 und die gut beobachtete Art und Weise, wie sie sie bewältigen: sie zerdrücken sie durch Krümmung des Körpers und husten dann die Schalen wieder aus, oder wenn sie noch jung sind, umschlingen sie das Ei und schnüren es so fest zusammen, [533] daß es wie mit einem Messer durchgeschnitten erscheint. Bei Überschwemmungen flüchteten sich die S. in die Häuser der Inder, weshalb man die Lagerstätten in der Höhe anbrachte, ja selbst zuweilen auswanderte, wenn sie überhand nahmen, Strab. XV 706. Was sonst noch erzählt wird, sind zum großen Teil Fabeleien. Wenn die S. Obst fressen wollen, erzählt Aelian. hist. an. VI 4, schlürfen sie vorher den Saft von Picridium vulgare, damit ihr Leib nicht anschwillt. Im Frühling wird ihnen ganz schlecht, dann fressen sie Lattich, Plin. n. h. VIII 99. Aus dem Gehirne stellte man den Draehenstein (draeontia, draeontias, draconitis) her, der aber dem lebenden Tiere abgenommen werden mußte, sonst konnte man ihn als Edelstein nicht gebrauchen, XXXVII 158. In Arabien sollen die Tiere sich unter Balsambäumen lagern und von deren Saft ernähren; durch Klappern mit Hölzern vertreiben die Bewohner die Tiere, aber bringen sie nicht um, denn die Wunden sind ungefährlich, Paus. IX 28, 8–4. Nach Aelian. hist. an. II 21 gab es in Phrygien S. von 17³/4 m Länge, die im Hochsommer vormittags aus ihren Höhlen kamen und die Vögel hypnotisierten, so daß sie von selbst in ihren Bachen flogen; gegen Abend lauerten sie den Herden auf. Das Märchen vom Hypnotisieren wird bekanntlich heute noch geglaubt.

c) Kämpfe. Der indische Elefant ist nach den Angaben der alten Schriftsteller (besonders Plin. n. h. VIII 32fl. Aelian. hist. an. VI 21 f. Philo de aet. münd. 24) der bitterste Feind der Riesen-S. Während die Dickhäuter in aller Ruhe die Zweige der Bäume abweiden, winden sich die Kriechtiere, deren Schwanzende um den Baum geringelt ist, mit ihrem Kopfe heran, stechen den Elefanten zuerst die Augen aus und schlingen sich dann um ihren Nacken; indem sie dann von beiden Seiten scharf anziehen, erwürgen sie ihren Feind. Soweit Aelian; Philo fügt noch hinzu, daß sie den Elefanten das Blut aussaugen. Diese sind nicht imstande, sich gegen die S. zu wehren, sondern schlagen nur ohnmächtig mit ihrem Rüssel umher und fallen schließlich vor Schwäche und Blutverlust zu Boden, bewirken aber durch ihre Schwere, besonders auf hartem und steinigem Boden, auch den Tod ihrer Peiniger. Nach Plinius suchen sich die Dickhäuter an Bäumen und Felsen zu reiben oder mit dem Rüssel die Schlingen zu lösen; aber die S. fahren, ihnen in die Nase und beißen in die Augen. Auch sollen die S. auf das angeblich kalte Blut (es ist ja in heißen Gegflüden wirklich oftmals beträchtlich kälter als das der S.) der Elefanten lüstern sein und sie in die Ohren beißen, wo sie sich nicht verteidigen können. Dann saugen sie den ganzen Elefanten aus, der, alles Blutes beraubt, zu Boden stürzt. Vor dem Adler dagegen haben die Riesen-S. Furcht und verkriechen sich, wenn sie das Geräusch seiner Flügel vernehmen, Aelian. hist. II 26. Schol. Spoh. Ant. 126; auch mit Schwänen vertragen sie sich nicht, Aelian. hist. an. V 48.

d) Zuneigung zu Menschen. Hauptsächlich bei Aelian. hist. an., der VI 17 von einer riesigen S. in Judäa erzählt, die sich in ein junges Mädchen verliebt hatte. Eine ähnliche Geschichte steht Kap. 63 von einem arkadischen Knaben, dessen Gespielin eine junge Biesen-S. war, die ihn später, als er einmal im Walde von Räubern [534] angefallen wurde, rettete; vgl. Plin. n. h. VIII 61. Eine sehr lange Geschichte von dem Makedonier Pindos, die aiu dasselbe hinausläuft, steht Aelian. hist. an. X 48. In dasselbe Gebiet gehört auch, was VIII 11 Hegemon «v τοῖς Δαρδανικόίς μέτροις über den Thessalier Aleuas berichtet. Nach Plin. n. h. X 132 trichterten Drachen dem Melampus durch Belecken der Ohren die Kunst ein, die Vogelsprache zu verstehen (erinnert an die nor-10 dische Sage von Sigurd, der nach dem Genüsse von Fafnirs Herz dieselbe Wissenschaft besitzt), und Demokrit soll erzählt haben, es gebe Vögel, aus deren Blut S. entständen, die man essen und dadurch zum Verständnis der Vogelsprache gelangen könne.

e) Aberglauben. Wenn man eine Riesen-S. im Traume erblickt, so bedeutet sie einen König, die Zeit, Reichtum oder alle Götter. Kommt sie heran oder gibt etwas oder spricht und deutet an, daß sie nicht wütend ist: das ist sehr vorteilhaft; tut sie das Gegenteil, so ist es sehr schlimm. Schlingt sie sich um jemanden herum und würgt ihn, so bedeutet es Not und Gefangenschaft, für Kranke den Tod, Artemid. II 13. Eine Frau träumte, mit einer Riesen-S. schwanger zu gehen: der Knabe, den sie gebar, wurde ein großer und berühmter Redner; denn die S. hat eine doppelte Zunge, wie sie auch jener haben muß, IV 67. - Über die Verwendung einzelner Körperteile zu 30 abergläubischen Zwecken berichtet Plin. n. h. XXIX 67, der diese Mittel selbst für albern hält.

f) Mythologie. S. die besonderen Artikel: Wagner Art. Drakon Nr. 6 und 7 o. Bd. V S. 16460., Cumont Art. Dracones sancti o. Bd. V S. 1634f. und den Art. Drakon in Roscher Myth. Lex. Alle Sagen über geflügelte Drachen gehören nicht hierher, da sie sich auf Baumechsen beziehen, die in dem Art. Krokodil 40 behandelt sind.

13. Unter den von den alten Schriftstellern häufig erwähnten Riesen-S. aus Afrika ist wohl zumeist die Assala (Python sebae Gm.) zu verstehen.

a) Gestalt. Sie ist es wahrscheinlich, die Philumenos und Nikander schildern; jener sagt im 30. Kap.: »Dieses Tier hat keine Giftzähne, tötet aber durch Stärke und Kraft; in größter Anzahl sind sie in Äthiopien und Lykien [Schreibfehler für Libyen] vorhanden. Ihre Färbung ist 50 unbeständig: sie sind bald schwarz, bald gelb, bald grau. Auch ihre Größe schwankt zwischen 2*4 und 1373 m; man sagt sogar, es gebe noch größere. Sie sind am ganzen Körper mit Schuppen bedeckt, haben große Augen und über diesen gewisse Erhebungen, die einer im Zorn gefurchten Stirnhaut gleichen; unter dem Kinn aber einen Auswuchs, den man Bart nennt [Phantasie]. Das Maul kann gewaltig weit aufgerissen werden, die Zunge ist lang, die Zähne groß, ähnlich den 60 Eberhauem. Sie können mit ihrem Biß die Knochen zerbrechen; die Behandlung von ihnen geschlagener Wunden gehört also nicht in ein Werk über giftige Tiere? Daß selbst ein so sachlich schreibender Mann wie Philumenos oder vielmehr seine Quelle an den Bart glaubt, beweist, daß er nie einen lebenden Python gesehen hat, und man braucht sich nicht über die Worte des Dichters zu wundem (Nic. ther. 441ff.): [535] Ἤτοι oy¹ ἄγλανρος μὲν ἐείδεται, ἐν δὲ γενείω ΤρΙοτοιχοὶ ἐκάτερθε περιστιχόωσιν ὀδόντες ’ II leva δ' ἐν ὀκννίοιοιν νπ? δέματα · νέρθε δὲ πώγων

Αἰεν νπ' ἀνθερεώνι χολοίβαφος. ὅν μὲν δ?' αἰτως

Ἐγχρίμψας ἤλγυνε, καὶ ἤν ἔκπαγλα χαλεφθή * Βληχρὸν γὰρ μνος oV ἀμυληβόρον ἐν χροὶ νύχμα Βιδεταὶ αἰμαχθέντος νπὸ κραντηρος ἀραιου.

Der letzte Satz ist richtig, wie man denn den Nikander wohl zu den naturwissenschaftlichen Schriftstellern rechnen kann; er hat gute Quellen, was er als Dichter hinzusetzt, übertreibt ja oft genug, bleibt aber meist wenigstens in der richtigen Fahrstraße. Die Größe der Assala gibt zu 30 Ellen (17³/4 m) an ὕλε‘ανθρο‘ ἐν τῶ περίπλω τῆς ἔρνθρας δαλάσσης bei Aelian. hist. an. XVII 1. In einem ägyptischen Papyrus des mittleren Reiches kommt in einem Reisemärchen eine ebenfalls gerade 17% m lange Assala vor, die einen Bart von 90 cm Länge hat und deren Schuppen mit Gold belegt sind und die Farbe von Lapis lazuli haben, Erman Ägypten 672. Keller Antike Tierwelt II 602. Jene Angabe des Alexander beruht also auf ägyptischer Sagengeschichte und hat keinen wissenschaftlichen Wert. Ebensowenig die übertreibenden Angaben über die am Flusse Bagradas erlegte S., deren Haut 33V2 m lang gewesen sein soll, Plin. n. h. VIII 37. Gell. N. A. VI 3. Val. Max. I 8, 19. Daß es S. von 44 m Länge gebe, glaubt Diod. III 36 nicht, ebensowenig, daß sie geringelt wie ein Hügel aussehen, da er in Alexandria selbst welche gesehen hat, die viel kleiner waren; daß sie Kühe mit Haut und Haaren fressen, erscheint ihm dagegen glaublich. Gras soll sogar auf ihnen wachsen, Strab. XVI 775; und während sie sich begatten, stinken sie fürchterlich, Aelian. hist. an. IX 44. Nichts anderes als Riesen-S. sind die von Nymphis ἐν τῶ ἐνάτω τῶν περὶ Πτολεμαίον λόγων so genannten Vipern aus dem Lande der Troglodyten, die 6²/a m lang werden sollen (so große Vipern gibt es nicht), XVII 3.

b) Jagd. Auszug aus Diod. III 36: Ptolemaios II. war ein großer Tierfreund, deshalb machten sich einige Leute auf, um ihm eine Riesen-S. zu verschaffen. Sie bemerkten ein Tier von ISVain Länge an einer Tränke. Meistens lag es zusammen-geroïlt; wenn aber ein durstiges Tier herankam, dann schoß die 8, darauf Ios und zerdrückte es. Die Leute hofften nun, mit Schlingen ihrer Herr werden zu können. Doch je näher sie kamen, desto furchtsamer wurden sie, eingeschüchtert durch den flammenden Blick, die spielende Zunge, das Gerassel der Schuppen und das schreckliche Gebiß. Schließlich warfen sie ihr aber doch den Strick um den Schwanz. Da zischte das Tier heran, verschlang den ersten und zermalmte den zweiten; die übrigen flohen. Doch gaben sie den Versuch nicht auf: sie verfertigten ein Binsengeflecht von der Form eines Fischerkorbes, verstopften die Höhle der S., wenn sie herausgekrochen war, mit Steinen und Erde und gruben in der Nähe des Lagers ein Loch, in das sie den Korb mit der Öffnung nach vorn legten. Als das Tier nun zurückkam, wurde es von einer Menge Jaeger und Hunde verwirrt gemacht und Schlüpfte schließlich in die erwünschte Höhle. Da zog man den Korb mit Stricken zusammen, holte ihn heraus und legte ihn auf Walzen. Nach vielen [536] Strapazen kam die S. in Alexandria an und wurde dem Könige geschenkt; durch Entziehung der Nahrung wurde sie gebändigt und schließlich außergewöhnlich zahm. Etwas anders berichtet die Sache Aelian. hist. an. XVI 39; er sagt, es seien zwei S. nach Alexandria gebracht, die eine von 6,20 m, die andere von 5, 75 m Länge, und zur Zeit des Ptolemaios III. drei von einer Größe von 4 m, 3,10 m und 2,70 m. Liv. XVIII 15 suppl. 10 Freinsh, erzählt, am Flusse Bagradas in Afrika habe eine riesige S. gehaust, die viele Soldaten des Regulus verschlungen oder erdrückt habe; mit Pfeilen konnte sie nicht erlegt werden. Also griff man zu schweren Geschützen, mit denen es nach mehreren Fehlschlägen gelang, das Untier zu erlegen. Die Legionen versicherten, sie wollten lieber Karthago erobern, als gegen eine solche S. kämpfen. Das Lager mußte verlegt werden, weil man es vor Blut und Gestank nicht aushalten konnte. Die 20 Haut und der Schädel wurden als Siegesbeute nach Rom gebracht und in einem Tempel aufbewahrt, woselbst sie nach Plin. n. h. VIII 37 bis zum numantinischen Krieg gezeigt wurden. Die Troglo-dyten jagten und verspeisten Riesen-S., Aelian. hist. an. IX 44.

c) Kämpfe. Das Ringen zwischen Riesen-S. und afrikanischen Elefanten schildert Diod. III 36. Die S. umringeln die Beine des Elefanten und machen ihm so jede Bewegung unmöglich; ihren 30 Hals erheben sie über den Rüssel des Dickhäuters und halten ihren Kopf dicht vor seine Augen. Durch das Flammende ihres Blickes machen sie ihn verstört: er stürzt zur Erde und wird aufgefressen. In Kap. 10 fügt er noch hinzu, daß mehrere S. sich mit einem Elefanten begnügen; ferner, daß die S. dem Elefanten nicht in die Uferlandschaften hinein folgt, weil sie das ebene Land scheut. Ein solclier Kampf ist dargestellt auf einem pompeiani-schen Wandgemälde bei Keller Antike Tierwelt 401 293 Fig. 96. Auch diese S. kämpfen nach Nic. ther. 448ff. mit Adlern.

d) Märchen. Aelian. hist. an. XI 17 erzählt von einer heiligen S. (δράκων ἱερός) in der ägyptischen Stadt Metelis, für die täglich in einem Turme Nahrung bereitgestellt wurde. Am nächsten Tage war die Nahrung regelmäßig aufgezehrt. Ein Diener, der die S. sehen wollte und sie überraschte, während sie fraß, mußte seine Neugierde dadurch büßen, daß er wahnsinnig wurde und 50 bald darauf starb. Hannibal sah vor seinem Zuge nach Italien eine riesige S. im Traume, die alles niederbrach: die Wahrsager deuteten dies auf die Verheerung Italiens, Liv. XXI 22. In dem Haine der Iuno Sospita bei Lanuvium befand sich eine Höhle, in der eine Riesen-S. hauste. Prop. IV 8, 3. Aelian. hist. an. XI 16. Wie Keller Antike Tierwelt II 288 meint, war sie ein Symbol der Ehegöttin; denn jährlich im Frühling wurde ihr von einer Jungfrau ein Opferkuchen darge-60 bracht die mit verbundenen Augen einherschritt und geleitet werden mußte. Wenn die S. von diesem Opfer genoß, war das Mädchen keusch, und das Jahr versprach fruchtbar zu werden. Andernfalls war es umgekehrt. Etwas Ähnliches erzählt Aelian. hist. an. XI 2 von einem heiligen Haine des Apollon zu Epirus. Es ist eigentlich eine Vermählung mit dem S.-Fetisch, ein alter Negerbrauch, von dem B o s m a n Reise nach Guinea (Hamburg [537] Natur 608 hat die Priester im Verdacht, an die Stelle des Fetischs zu treten. Vgl. auch Achill. Tat. VIII 6 und Charicles I 317.

14. D ρυῖνας könnte möglicherweise die Kreuzotter (Vipera berus L.) sein. Sie wird von Philum. 25 so geschildert: »Sie kommen in größerer Menge nur um den Hellespont vor und haben ihre Schlupfwinkel in den Wurzeln der Eichen, woher sie auch ihren griechischen Namen 10 haben. Sie haben einen unangenehmen Geruch; man spürt sie daher auch schon, wenn man sie noch nicht sieht. Sie sind etwa 90 cm lang [richtig; sonst gibt Philumenos die Maße meist zu klein an], etwas dick und am ganzen Körper mit harten Schuppen besetzt; innerhalb dieser soll die bronzeflügelige Fliege [vielleicht eineHypodermaart, deren Larven in den verschiedensten Tieren schmarotzen] hausen, die die S. tötet. Die Folgen des Bisses sind diese: eine dunkle Geschwulst, heftiger 20 Schmerz, weitere Verbreitung der Geschwulst, Ohnmachtsanfälle, Trockenheit des Körpers, Schlucken, galliges Erbrechen, Urinverhaltung, Sprachlosigkeit, Starrkrampf und Zittern, unter dem der Tod eintritt/ [Vgl. die Schilderung eines Kreuzotterbisses von dem Arzte Heinzel in Brehm Tierleben⁴ V 497f., die viele derselben Symptome bietet.] Ähnlich Nic. ther. 411ff. Im Traume gesehen, bedeuten sie Schlechtes, Artemid. II 13; in IV 56 wird das Gegenteil behauptet, wo über- 30 haupt βασιλίσκος und δρνίνας zu den Riesen-S. gerechnet werden. Ob die Notiz bei [‌Arist.] mir. ausc. 141 p. 845 a 1, wo von der Bereitung eines tödlichen Pfeilgiftes aus S. (ἐλΖόταή bei den Skythen erzählt wird, hierher zu beziehen ist, ist sehr fraglich. Vgl. Ovid. ex Pont. IV 7, 36. Auch was Plin. n. h. XXIX 52 von den sog. gallischen S.-Eiern erzählt, ist vielleicht als Kreuzotternknäuel zu deuten, bleibt aber fabelhaft genug.

15. *Ε λ oy kommt nur bei Philum. 28, 4, dem 40 noch nicht herausgegebenen Ael. Prom. f. 481 r, Aët. XIII 32 und Plin. n. h. XXXII 46 (nur der Name) vor. Bestimmbar ist sie nicht.

Η v υ δ ρ ἴς s. νδρά,

16. Ἔρπης scheint nach der Angabe des Phi-Ium. 19 eine besondere Art gewesen zu sein. Das Wort kommt sonst bei den Ärzten in der Bedeutung bösartige Flechte vor. In unserem Sinne sonst nur bei dem aus derselben Quelle schöpfenden Ael. Prom. f. 480* der diesmal auch der näheren Beschrei- 5( bung ermangelt, ferner bei Isid. orig. XII 4, 16 und Plin. n. h. XXX 116, der sagt, es sei ein Tier, quo praecipue sanantur, quaeeumque serpunt, mit dem man gar nichts anfangen kann. Philumenos behauptet, die Bisse dieser S. - denn eine solche ist es wohl, da sie in einem Atem mit dem πρηστήρ genannt wird - müsse man durch warme, feuchte Umschläge, Pflaster aus Gerstenmehl und Essig und durch Trinken von gemischtem Wein oder Essig heilen. Bestimmbar ist die S. nach 61 diesen Angaben nicht.

17. Ἔχιδνα und ἔχις.

a) Namen. Die Etymologie ist unsicher, vielleicht von ἔχειν herzuleiten; das Etym. Gud. sagt: 79« μόνη τῶν ὄφεων μὴ ὤοφορουσα τίκτει καὶ παρ' ἴαντω κατέχει καὶ ζωοφορουσὰ τίκτει, οὐκ ὠόν, ἀλία τέλεια τὰ ἰρπετὰ · tdw καρὰ τὸ ἔχις γίνεται ἔχια καὶ πλεονασμὲ τῶν συμφώνων γίνεται [538] ἔχιδνα, ἐν αὐτὴ τὸν Ἴον ἔχονσα. Daß ἔχις und ἔχιδνα zwei verschiedene S.-Arten bedeuten, ist nicht wahrscheinlich. Bei Aristoteles wenigstens läßt sich kein Unterschied der Bedeutung erkennen. Die Bezeichnung ἴχθνα kommt nur in der Tiergeschichte und auch hier nur zweimal vor, sonst gebraucht Aristoteles stets ἔχις; dieses hat nur einmal unter der ungeheuren Fülle des Vorkommens weibliches Geschlecht (bei Opp. cyn. 489 ἔχιν γολόεσσαν). Aelian. hist. an. X 9: *Εχιν ἐχίδνης οἱ μὲν τῶ διαφέρειν, οἰὶ μέντοι τῆ φύσει φασίν · τὸν μὲν γὰρ εἶναι ἄρρενα, τὴν δὲ ζήλειαν, οἱ δὲ καὶ τῆ φύσει διαφέρειν οἰονταί: ἀλλοῖον μὲν γὰρ τοντὸ εἶναι ζφον, ἀλλοῖον δ' ἐκείνο. Phiiu-menos behandelt ebenfalls ἔχις und ἔχιδνα zusammen und verbindet beide Wörter durch ein ἡ. In der späteren Literatur mag einige Verwirrung eingetreten sein, die durch die Tatsache begünstigt wurde, daß in Griechenland und Italien zwei sehr nahe verwandte Viperarten vorkommen, die Aspisviper (Vipera aspis Merr.) und die Sandviper (Vipera ammodytes L.). Die Sandviper ist in beiden Ländern verbreitet, dagegen kommt die Aspisviper zwar in Italien sehr häufig vor, in Griechenland aber ist sie, wenn sie Überhaupt vor-kommt, was Heldreich (Faune de Grèce) behauptet, Brehm in Abrede stellt, jedenfalls sehr selten. Die römischen Schriftsteller werden daher, wo sie nicht griechischen Quellen folgen, wohl die bei ihnen häufigere Art (Aspisviper) meinen, doch ist eine scharfe Scheidung schwer durchzuführen. Bei Plinius wird unter vipera - der echt lateinische Name ist für die lebendiggebärenden S. (vivipara) sehr bezeichnend - da, wo seine Angaben aus griechischen Schriftstellern, besonders Aristoteles, stammen, die griechische Art (Sandviper) zu verstehen sein. Wir behandeln hier alles, was nicht mit völliger Sicherheit auf die italienische Viper (Aspisviper) gedeutet werden kann; dies ( lese man unter nr. 35 nach. Hebräische Namen, die sich nicht scheiden lassen, sind "jEg> ä’©$‘ (nur Ps. 140, 4) und "Çg. Im Griechischen gibt es 23 mit ἔχις zusammengesetzte Wörter ohne die Eigennamen, z. B. Echion.

b) Gestalt und Lebensweise. Philu-menos verzichtet auf eine Beschreibung der allen bekannten Sandviper; dagegen steht sie bei Aët. XIII 21 und Nic. ther. 209ff. 223ff.: Ihr Kopf ist spitz, er hat einen hornartigen Aufsatz auf der) Nase; statt der Ohren hat sie nur Höhlungen (Plin. n. h. XI 137) und über ihre Zähne zieht sich Zahnfleisch, aus dem beim Beißen das Gift quillt, 164. Ihre Größe und Färbung schwankt, die Breite ist unbedeutend, sie endet in einen Mäuseschwanz, hat scharfe Augen, eine gespaltene Zunge, züngelt und ringelt sich. Im Frühling und Herbst streifen die Tiere ihre Haut ab, Arist. hist. an. VIII 17 p. 600 b 26; sie sind die einzigen S., die lebendig gebären. I 5 p. 490 b 25. Nach dieser Angabe muß also) Aristoteles unter ἔχιδνα alle Vipern verstanden haben oder er kannte eben nur die Sandviper; jedenfalls kann er ἔχιδνα und ἔχις nicht artlieh unterscheiden. Übrigens wußte der große Forscher schon, daß diese S. nicht eigentlich vivipar, sondern ovo-vivipar sind; denn er sagt III 1 p. 511 a 16: ,Nur die Viper [hier ἐχιςsubΊλsub wäre also ein Widerspruch mit I 5, wenn wir eine andere Art darunter verstehen wollten] gebiert lebendige Junge, nachdem sie zuerst [539] Eier in sich erzeugt hat, weshalb die Gebärmutter wie bei den Knorpelfischen aussieht¹. Ebenso V 34 p. 558 a 25: ,Aus dem im Körper erzeugten Ei kommt das lebendige Junge heraus. Das Ei ist einfarbig und weichschalig, eine Art Haut, die am dritten Tage birst. Mitunter fressen sich auch die Jungen von selbst durch. Die Viper legt ihre Jungen an einem Tage, eins nach dem anderen, im ganzen mehr als 20*. Vgl. gen. an. H 1 p. 732 b 23; part. an. IV 2 p. 676 a 36. Plin. n. h. IX 10 43. Das Lebendiggebären dieser S. hat zu Fabeleien Anlaß gegeben. So sagt Aelian. hist. an. I 24, daß das Weibchen von ἔχις nach der Begattung dem Männchen den Kopf abbeiße, daß aber die Jungen den Vater rächen, indem sie die Gebärmutter durchbeißen. Jedoch weist Aelian. hist. an. XV 16 selbst diese Meinung gegenüber Herodot. III 109 als unrichtig ab (vgl. Ant;g. Car. hist mir. 25) und hält mit Theophrast ein Platzen der Gebärmutter ähnlich wie bei der Seenadel für 20 wahrscheinlich. Wenn die Sandvipern nur einen Zweig von Quercus aegilops berühren, so erstarren sie, Sext. Emp. Pyrrh. I 58. Auf geistige Getränke sollen sie besonders erpicht sein; daher fängt man sie, indem man Gefäße mit Wein in die Dornenhecken setzt, denn wenn sie berauscht sind, lassen sie sich leicht greifen, Arist. hist. an. VIII 4 p. 594 a 5. Wenn eine Eidechse vertrocknet, soll sie sich in eine Sandviper verwandeln, frg. 328 p. 1532 b 28. Nicht minder soll 30 aus der Ringelnatter bei Trockenheit eine Viper werden, Theophr. hist. plant. II 4, 4. Auf einem verbreiteten Volksglauben beruht die Erzählung Opp. hal. I 554ff. von der Begattung des Muränenweibchens und Vipernmännchens. Dasselbe bei Aelian. hist. an. I 50. IX 66. Muräne und Viper in Verbindung als Tiere, deren Berührung in Fäulnis versetzt, nennt bereits Aisch. Choëph. 994; Suppl. 896. Vgl. noch Iuven. V 103: Vot anguilla manet longae cognata colubrae.

c) Kämpfe. Strab. XVII 812 schildert uns eingehend einen Kampf zwischen Ichneumon und Sandviper. Jenes ergreift die S. entweder am Kopfe oder beim Schwänze, zieht sie in den Nil und bringt sie so um. Nach Opp. ven. 430S. überlistet das Ichneumon die Viper auf folgende Weise: Nur der Schwanz und die Augen sehen aus dem Sande hervor; naht sich nun eine S., so bewegt das Ichneumon seinen Schwanz und neckt den Feind. Bäumt dieser sich auf, dann faßt cs mit den Zähnen die 50 Kehle dicht vor dem Sitze des Giftes. Übrigens erzählen andere Schriftsteller den Kampf zwischen Uräus-S. und Ichneumon genau so, so daß bei Strabon und Oppian die Möglichkeit einer Verwechslung vorliegt, zumal die Sandviper in Ägypten sehr selten ist; freilich kommt das Ichneumon auch in Vorderasien vor.

d) Verbreitung. Die Sandviper ist in mannigfachen Spielarten in ganz Südeuropa und Kleinasien zu finden, doch besonders häufig am 60 Fuße des Berges Skiron bei Athen, um Rhypes in Achaia, am Berge Korax an der Grenze von Aitolien und Oitaia, am schneereichen Aselenon in Lokris Ozolis. Größere Exemplare erzeugt Asien, hauptsächlich an den Felstrümmern des Bukarteros und einigen anderen nicht näher zu bestimmenden Örtlichkeiten, Nic. ther. 2140. Die Inselgruppe der Echinaden vor Akamanien hatte sicher von der [540] Menge der Vipern ihren Namen, Geogr. gr, min. II 448, 25. Nicht kamen sie angeblich vor in Klares bei Kolophon aus Scheu vor Apollon, der dort ein Orakel hatte; das bezeugt Nic. de serp. frg. 2 bei Aelian. hist. an. X 49:

Οὐκ ἔχις oiθè φάλαγγες ἀπεχόίες obii βαθνπληξ Ἄλσεσιν ἐνδιάει σκορπίος ἐν ΚλαρΙοις,

Φοίβος ἐπεὶ ρ’ αὐλέονα βαθνν μελίσσι καλύψας Ποιηρον δαπεδον ὕηκεν λκας δακίτων.

e) Gefährlichkeit. Klassische Stellen: Soph. Ant. 531. Eur. Ale. 310; Andr. 271; Ion 1262. Plat. Euthyd. 290 A. Demosth. XXV 96. Philum. 17, 1–2: ,Bei den vom Männchen oder Weibchen der Sandviper Gebissenen findet man zwei oder vier Stiche, breiter als bei der Uräus-B., aus denen zunächst Blut, dann blutiger, öliger und galliger Eiter fließt. Die Stelle schwillt an, wird heiß, blasenartig, rötlich, dann schwarzblau, worauf sie sich ausdehnt. Es findet sich sehr trockener Mund, brennende Hitze, Schwäche, durchgängiges Schaudern, bisweilen auch Erbrechen von Galle, Leibschneiden, Schwere des Kopfes und der Hüften, Drehen vor den Augen, Blässe, Schlucken, Fieber, Kurzatmigkeit, bleierne Farbe und kalter Schweiß. Der Tod tritt innerhalb von sieben Tagen, und zwar gewöhnlich schon am dritten ein, fast immer, wenn der Biß von einem Weibchen herrührte¹. Ausführlicher und etwas anders schildert Nic. ther. 235ff. die Folgen eines Bisses der Sandviper: Fettiger (bisweilen blutiger oder farbloser) Eiter läuft aus der Wunde, das Fleisch wird an der Bißstelle grüngelb, rötlich oder schwarzblau und schwillt an; es entstehen Blasen, als ob die Stelle verbrannt wäre, und alles wird jauchig. Allmählich verbreitet sich das Gift durch den ganzen Körper, der in hitziges Fieber verfällt. In der Luftröhre und am Zäpfchen entsteht hohles Schlucken. Der Mensch wird vom Schwindel ergriffen, und Schwere befällt seine Glieder und Weichen, seine Gedanken verdüstern sich. Vom Durste wird die Kehle trocken, Finger und Zehen werden starr, schließlich der ganze Körper. Häufig findet sich auch Galleerbrechen, während die ganze Haut gelb wird und kalter Schweiß aus den Poren rinnt. Bald sieht die Haut bleifarben, bald dunkel, bald bronzefarben aus. Gal. XVI 451 hat einen Menschen gesehen, der nach dem Bisse einer Viper eine lauchgrüne Farbe annahm. Vom Männchen Verletzte sollen in Krämpfe verfallen, vom Weibchen Gebissene nicht; in diesem Falle seien die Bißstellen weiß, in jenem schwarzblau, sagt Aelian. hist. an. X 9. Ochsen erliegen dem Gift (Ovid. rem. am. 421) wie Adler (Aisch. Choëph. 247). Wenn eine schwangere Frau eine Viper überschreitet, soll sie eine Fehlgeburt tun, Plin. n. h. XXX 128. Daß ein Biß ins Euter, an dem sofort gesogen wird, nicht der Mutter, sondern dem Jungen den Tod bringt, zeigt Polyainos in dem schönen Epigramm Anth. Pal. IX 1:

Λορκάδος ἀρτιτόκοιο τιῦηνητήριον ὄδθαρ Ἔμπλεον οἰδονσης πικρὸς ἔτνψεν ἔχις.

Νεβρὸς δ' Ἴομιγη θηλην ἀπάσε, καὶ τὸ δνοαλθες Τραύματος Ἴξ ὀλόου πικρὸν ἔβροξε γάλα.

Χλιδὴν δ' ἠλλάξαντο, καὶ αὐτίκα νηλίῖ μοίρα, Ἤν ἔπορεν γαοτήρ, μαστὸς ἀφεῖλε χάριν.

Ähnlich ist das folgende des Tiberius Illustrius. Wenn jemand, der eben gebissen war, zu einem früher Gebissenen trat, so meinte man, verschlimmere sich dessen Zustand, Plin. n. h. XXVIII 31. [541] Es war dies um so gefährlicher, als die Verletzten den Drang fühlten, es nur solchen Leuten zu erzählen, die schon unangenehme Bekanntschaft mit Vipern gemacht hatten, Flat. symp. 217 E. Eine Viper tötet niemals eine andçre durch ihr Gift, Gal. VII 745; wenn sie Skorpione gefressen haben, ist ihr Biß besonders gefährlich, Arist. hist. an. VIII 29 p. 607 a 28. Wenn die Wespen auf Naxos Sandvipernfleisch fressen und dann jemanden stechen, ist ihr Biß schlimmer als der der S. selbst, 10 mir. ausc. 140 p. 844 b 35. Aelian. hist. an. V 16; auch Fliegenstiche verursachen unter gleichen Bedingungen Schmerzen, IX 15. Ob des Vergil coluber, der Schafe und Rinder vergiftet, Georg. III 418 auch die Sandviper ist, muß dahingestellt bleiben.

f) Heilmittel gegen das Gift. Schon Arist. hist. an. VIII 29 p. 607 a 28 gibt den menschlichen Speichel als Gegengift an, und Philum. 17, 3–8 führt eine fast endlose Reihe 20 von Mitteln an, die äußerlich und innerlich angewendet wurden. In § 9 folgt ein Mittel des Arztes Polyeidos, in 10 und 11 aus des Apollonios Mys Εὐπόριατα und in 12 aus Erasistratos (ἤ'ραψ«' πολλὰ πρὸς ἔχεοδηκτους). Auch die anderen erhaltenen δηριακοί geben die verschiedenartigsten Umschläge, Pflaster, Pillen, Getränke usw. zur Anwendung gegen den Biß dieser wirklich gefährlichen Gift-S. an. Es würde den zur Verfügung stehenden Raum ungebührlich über- 30 schreiten, sollten alle diese Medizinen erwähnt werden. Nic. ther. 509 empfiehlt Osterluzei, die im Altertum wie in der allerneuesten Wissenschaft wieder eine große Rolle spielt, also wirklich ein wertvolles Gegengift zu sein scheint. Dioskurides nennt in der mat. med. vor allem Cost-wurzel (I 16), Rettich (II 112), Meerzwiebel (171), Dürrwurz (III 121), Landburzeldorn (IV 15), Echium diffusum (24), gemeinen Holunder (173) und zweihäusige Zaunrübe (182). In der zusammen- 40 fassenden Übersicht eupor. II werden in Kap. 122 im ganzen 79 Tränke und im nächsten Kapitel 30 Pflaster angeführt. Bei Plinius lesen wir u. a. Thymus tragoriganum XX 176 und Lorbeer XXIII 152. Ob diese Mittel immer die gewünschte Wirkung hatten? Wir halten es mit Gal. VIII 198, der erzählt: ,Ich kannte einen Bauern, dem eine Sandviper in den Finger in der Nähe der Mittelhand biß. Sofort schnitt er sich mit der Hippe, die er gerade zur Hand hatte - er war ein Winzer - 5( den Finger an der Verbindungsstelle mit dem Mittelhandknochen ab und wurde gerettet, ohne einen Heiltrunk über die Lippen gebracht zu haben. Für die Vernarbung der Wunde wandte er die gewöhnlichen Mittel an¹. Doch hat auch dieser große Arzt es selbstverständlich nicht verschmäht, innerlich wirkende Mittel zu geben; denn nicht immer ist es möglich, den gebissenen Körperteil zu amputieren. So hilft seiner Meinung nach Echium diffusum (XI 813), lemnische Erde (XII 174) und 6 herber Wein (207). Ein Arzt vom Lande (τῶν ἐν ἀγροῖς τε καὶ κώμαις Ἰατρευόντων) - so behauptet er voller Spott - gab Ziegenmist in Essig (299). Im XIV. Buche werden dann noch eine große Menge von Heilmethoden fremder Ärzte angeführt, z. B. des Dorotheos 183, des Apollodoroe und eines Bauern 184, des Antiochos Philometor (von einem gewissen Eudemos in Versen gepriesen) 185, des [542] Herakleides von Tarent ἐννεαφάρμακοζ 186, eines Galliers, der sein Mittel dem Caesar empfahl, 189 und anderer 190. 203. Auch zerstoßene Vipern selber, auf die Wunde gelegt, sollen helfen, 246; besonders der Kopf derjenigen, die einen gebissen hat; ferner die Asche von Vipern, Plin. n. h. XXIX 69. Schwitzbäder dürften eher etwas Richtiges treffen, Gal. XIV 490. Hat man Viperngalle gegessen, so ist Ichneumongalle das beste Gegengift, XIX 746. Orib. IV 624ff. V 145 bietet nichts Neues. Simeon Seth p. 82, 13 Langk. ist ein Freund der Raute. Sind Haustiere von einer Sandviper gebissen, so tröpfele man ihnen den Saft von jschenblättem ein und verreibe den Rückstand auf der Wunde, Geop. XIII 8, 9. Wenn man, so erzählt Aelian. hist. an. II 24, einer Sandviper ins Maul spuckt, so verfault sie.

g) Anwendung in der Heilkunde. Schon [Hipp.] π. γυν. ß VIII 371 L. preist Vipem-haut gegen Flechten an. Der berühmte Theriak des Andromachos, der aus 61 Bestandteilen zusammengesetzt war und der sich eines solchen Ansehens erfreuen durfte, daß er erst in der Pharmacopoea Germanica vom J. 1882 zum ersten Male fehlt, enthielt als wirksamstes Mittel getrocknete Sandvipern. Der Hersteller beschrieb ihn in 174 elegischen Versen, die nur Gal. XIV 2ff. in seinem Buche περὶ ἀντιδότων erhalten hat. Er diente als Allerweltsmittel, aber hauptsächlich gegen S.-Bisse Sonst ist die wichtigste Stelle Diosc. II 16: ,Wenn man gekochtes Sandvipernfleisch ißt, bekommt man scharfe Augen, verliert seine Nervosität und die Überhandnehmenden Skrofeln. Man muß den S. die Haut abziehen, Kopf und Schwanz, die zu mager sind, abschneiden - wenn einige behaupten [Sextius Niger tat das], daß man dabei das Metermaß anlegen müsse, so ist das Unsinn - und das übrige nach Herausnahme der Eingeweide abspülen, klein hacken und in öl, Wein, etwas Salz und Dill »kochen. Einige sagen, wer solch Fleisch esse, bekäme die Krätze, was völlig unerwiesen ist; andere verbreiten wieder das Märchen, man werde alt darnach. Es wird auch ein Salz aus dem Fleische dieser S. hergestellt, das aber nicht so wirksam ist. Man läßt eine lebendige Sandviper in ein neues Tongefäß und schüttet dazu etwa x/2 1 Salz, zerriebene getrocknete Feigen und 0, 277 1 Honig, verschmiert den Deckel und röstet das Ganze, bis es verkohlt ist. Dann stößt man es zu feinem Pulver) und stellt es in die Hausapotheke; will man es benutzen, so fügt man des Wohlgeschmackes wegen etwas Nardenblüte oder Betelpfefferblätter hinzu¹. Plin. n. h. XXIX 70 schildert ähnlich die Herstellung des Hauptbestandteils des Theriaks; er hat aus Niger die je 55 mm, die man auf beiden Seiten abschneiden müsse, und fügt hinzu: ,Es muß besonders bemerkt werden, daß man die Theriak-pillen nur aus dieser Viper herstellen kann. Manche nehmeh auch das Fett aus und kochen es mit öl) bis zur Hälfte ein; von dieser Mischung werfen sie wieder, wenn sie es brauchen, 3 Tropfen in öl und salben sich damit; dann fliehen alle Tiere vor ihnen*. § 69 erzählt er, einige zerschnitten den Kopf und nähmen zwischen den Ohren ein Steinchen heraus, das die S., wenn sie erschreckt wird, verschluckt, und benutzen es in der Heilkunde. Wer einmal eine gekochte Vipernleber gegessen hat, wird nie wieder von einer S, gebissen, 71. Das Fett soll gegen den [543] grünen Star mit Erfolg benutzt werden, 122. Bei der viertägigen Malaria soll der Kopf in einem Leinwandläppchen oder das einer lebendigen S. herausgerissene Herz helfen, 98; der Kopf, verbrannt und in Essig genossen, auch bei Epilepsie, 106. Gal. X 995 sagt, daß die aus verbrannten Sandvipern hergestellten Salze gut für Entfettungen seien, und hebt XI 143 wie auch an anderen Stellen ausdrücklich die heilsame Wirkung des Vipernfleisches bei der schrecklichen Elephantiasis genannten Infektionskrankheit hervor und gibt nun die Zubereitungsweise ähnlich wie Dioskurides und Plinius an; nur meint er, man müsse 74 mm auf jeder Seite abschneiden. Die Funktion des Fleisches ist ihm eine erwärmende und trocknende, XII 311 –323, wo er ganz ausführlich über diesen Gegenstand spricht und außer vielen anderen Beweisen seiner Lehre besonders von einem an Elephantiasis Erkrankten erzählt: dieser war ausgesetzt worden und trank aus einer Schale, in der eine tote Sandviper lag; er wurde alsbald gesund. Wann man die Tiere jagen müsse, schreibt er XIV 45 vor: nicht wie so manche im Hochsommer, aber auch nicht im Vorfrühling, denn im Sommer ist ihr Fleisch dursterregend, im März trocken, kalt und nicht nahrhaft. Die beste Zeit sei dagegen der Mai, wie Andromachos lehre; schwangere dürfe man jedoch nicht nehmen. Es folgen auch hier Regeln für die Zubereitung, die 263–265 noch einmal wiederholt werden. Die weiche Haut der Sandviper hilft auch bei Haarschwund, 242. Ausgeschrieben sind die wichtigsten Galenstellen von Orib. V 612. 683. VI 470. 525. Auch Aretaios hat Mittel aus Vipern: gegen Epilepsie 311, Melancholie 323, Zuckerkrankheit 331 und Elephantiasis 343, weiß aber 183 von an dieser Krankheit Leidenden andere Dinge als Galen zu berichten. Zwar kannte er einen, der den Most aß, in den eine Viper gefallen war, und gesund wurde; ein anderer jedoch, der eine ganze Viper aufaß, verfaulte lebendigen Leibes.

h) Mythologie. S. Escher Art. Echidna o. Bd. V S. 1917ff, und von Sy bei in Roschers Myth. Lex.

i) In Fabel und Traum. Aesop. 145: ,Eine Sandviper glitt auf einem Dornenbündel in einen Fluß. Ein vorübergehender Fuchs, der sie sah, sagte: »Ein des Schiffes würdiger Patron!«⁴ 146: ,Eine Sandviper kam in eine Schmiede und bettelte die Handwerkszeuge an. Sie bekam auch; nur die Feile sagte: »Ich müßte ja verrückt sein, wenn ich dir etwas gäbe, da ich doch sonst nur zu nehmen gewohnt bin!«¹ Die 147. Fabel handelt von dem Kampfe zwischen Sandviper und Ringelnatter, in dem die Frosche jener beistehen wollten; die ganze Hilfe besteht aber im Quaken. - Im Traume gesehen, bedeuten Vipern viel Geld und reiche Heirat; Artemid. II 13 hat auch wahrge-nommen, daß sie Gutes anzeigen, selbst wenn sie beißen oder sich um den Träumenden ringeln. Ein Mann, der ein volles Weinfaß hatte, träumte, es wachse ein Ölbaum aus ihm heraus; Phoibos antwortete, alle, die von diesem Weine genössen, würden sterben, da eine Viper darin gestorben sei, IV 48.

la culus s. ἀκοντίας. Καυ σ ω v s. διψάς.

Ke7ZQl*$ und κεγχριδίας 8. ἄμμοδυτης. [544] Κεγχρίνης s. ἀκοντίας.

18. Κεγχρίς, nach den alten Lexika gleich θεγχριδίαςθ Plin. n. h. XX 245 nennt nur den Namen; nach Lucan. Phars. IX 712 eine am Bauche buntgefleckte S., die, wenn überhaupt eine bestimmte und von κεγχρίας verschiedene Art gemeint ist, nach diesen Angaben jedenfalls nicht bestimmbar ist.

K ἔντρΙνης und κεντρ ἴς s. δίψα».

10 19. Κεραστῆς.

a) Namen. Lat. cerastes, die Hornviper (Cerastes cornutus Forsk.): serpens, qui in capite cornua habet, Isid. orig. XII 4, 18. Bei dem Dichter Statius kommt das Wort an vier verschiedenen Stellen vor. Die ägyptische Hieroglyphe * für f stammt von dem Worte t> (männlich). VM (weiblich) - besonders plastisch hervortretend auf der hölzernen Schmink täfel aus dem Grabe des Hesire (4.Dynastie) bei Curtins Antike Kunst Abb. 103 -, koptisch ζΟΙ und ζθ) (vgl. o. nr. 2 Efa); und noch heute malen wir eigentlich, wenn wir den Buchstaben f schreiben, das Bild einer Hornviper: der Strich, der den Buchstaben durch schneidet, ist das eine, der obere Haken das zweite Horn. Das hebräische Wort ibïi Gen. II. 17 übersetzt Hieronymus mit cerastes, und im Arabischen bedeutet JL» vernutlich die nah verwandte Avicennaviper (nr. 11),

b) Gestalt und Lebensweise. Erwähnt wird die Hornviper schon von Herodot. IV 192, der ihr nur ein Horn zuschreibt, und Arist. hist. an. II 1 p. 500 a 4 aber ohne Namen. Philum. 18, 1 beschreibt sie ausführlich: ,Die Hornviper erreicht nach den Angaben der Iologen eine Länge von 45, höchstens 90 cm; ihre Farbe ist sandgelb, der Schwanz dünn. Auf dem Kopfe hat sie (als einzige S., Sext. Emp. adv. gramm. 226; log. 252) zwei Auswüchse, die man mit Hörnern vergleichen kann, nach denen sie ja auch Hornviper genannt wurde. Am Bauche ist sie mit in Reihen stehenden Schuppen versehen, mit denen sie beim Kriechen infolge der Reibung mit dem Sande ein rasselndes Geräusch hervorbringt; sie schlängelt sich seitlich und nicht geradeaus*. Das letzte behauptet auch Paus. VIII 4, 7. Die Schilderung des Philumenos ist völlig richtig; sie steht ähnlich bei Aelian. hist. an. I 57, der die Hörner mit den Fühlern der Schnecke vergleicht, nur daß sie nicht so weich seien. Nach Nic. ther. 258ff. hat die S. eine große Ähnlichkeit mit der Sandviper, nur daß sie eben gehörnt ist, und zwar bald mit vier, bald mit zwei Hörnern - vgl. Solin. XXVII 28 quadrigemina cornicula -. Sie verbirgt sich im Sande und lauert an Wegrändern den Vorübergehenden auf. Die Bewegung beschreibt Nikander ausführlicher und etwas anders als Philumenos; s. die Verse 264–270:Τῶν ἤτοι σπείρθσιν ὁ μὲν θοος ἀντία θυνεὶ Ἀτραπὸν ἴθειαν δολιχφ μηρύγματι γαστρός. Ἀντάρ ὁ γὲ σκαιος μεσάτω ἐπαλίνδεται ὄλχῳ, ὌΙμον ὀδοιπλανέων σκολιην τετρηχότι νώτω, Τράμπιδος ὀλκαίης ἀκάτῳ Ἴσος, ἡ τε θ’ ἄλμης Πλευρὸν δλον βάπτουσα κακοσταθεοντος ἄητεω EU ἄνεμον βεβίηται ἀπόκρουστος λιβὸς ὄνρῳ.

Durch die im Sande verborgenen Hörner locken sie die Vögel heran, Plin. n. h. VIII 85. Diod. III [545] 50. XX 42 sagt, sie seien sehr schwer von ihrer Umgebung zu unterscheiden und hätten vor Zeiten einen ganzen Landstrich unbewohnbar gemacht. Auch die heutigen Reisenden, die sich abends ums Lagerfeuer sammeln, wissen ein trauriges Lied von diesen heimtückischen Kriechtieren zu singen, Brehm Tierleben⁴ V 528. Nach Herodot. II 74 waren sie freilich einstmals harmlos, wurden von den Ägyptern verehrt und in dem Heiligtume des obersten Gottes begraben. Lucan. Phars. IX 716 nennt sie beweglich, was gerade für diese S. am wenigsten paßt. In Italien war man vor ihnen sicher, Prop. III 22, 27. - Die Hornviper hat mehrere Züge geliehen zur Gestalt des seltsamen babylonischen ,Sirrusch¹. Koldewey Das wieder erstehende Babylon 47 bringt zwei prächtige Abbildungen dieser »gehenden S/ vom Ischtartore in Babylon und fügt (48) folgende Beschreibung des Sirrusch bei: ,In die Augen fallend ist zunächst das Schuppenkleid und die großen Bauchringe des Schlangenkörpers. Auch der Kopf ist ganz der einer S., und zwar der in Arabien häufigen Hornviper. Denn er trägt zwei gerade emporstehende Hörner, von denen in der genauen Profilstellung des Reliefs nur eines sichtbar wird. Die Beine sind die einer hochläufigen Katzenart, etwa eines Gepard, die Hinterfüße von einem starken Raubvogel mit mächtigen Klauen und großen Hornplatten .... Es weht ein förmlich selbstschöpferischer Geist in diesem uralten Kunstgebilde, das an Einheitlichkeit des physiologischen Charakters alle übrigen Phantasietiere weit übertrifft/

c) Gefährlichkeit. Philum. 18, 2: ,Bei den von der Hornviper Gebissenen entsteht eine harte Geschwulst von der Größe eines Nagelkopfes; weinfarbige oder schwärzliche Flüssigkeit läuft heraus, und um die Stelle herum setzt sich gelbliche fest. Das Schamglied dehnt sich aus, die Gedanken verwirren sich, und das Augenlicht wird verdunkelt. Die Schmerzen der Gebissenen ziehen sich gewöhnlich bis über neun Tage hin*. Nach Nic. ther. 272S. entstehen auf der Haut Blasen, die wie die Eindrücke aussehen, die ein Platzregen auf mäßig weichem Sandboden erzeugt; sie bilden sich um die Bißstelle herum, sind aber schwer zu erkennen. Langwierige, doch nicht heftige Schmerzen treten zu beiden Seiten der Scham und in den Kniekehlen auf; mit dem Leben kommen nur wenige davon. Kailias θ τῶ δεχάτω τῶν περὶ τὸν Συρακόοιον Λγαθοκλεὰ λόγων erzählte nach Aelian. 'hist. an. XVI 28 von diesen S., sie seien zwar sehr gefährlich und verursachten den Tod von Menschen und Tieren, doch seien die Psyller vor ihnen gefeit; vgl. unter d.

d) Mittel gegen den Biß. Philum. 18, 3–5: ,Auch hier ist Abschneiden des verletzten Gliedes das beste; man tue es immer, wenn es möglich ist; sonst schneide oder brenne man rings herum bis auf den Knochen. Die Kranken werden auch durch dieselben Pflaster und Medizinen wie die von Sandvipern Gebissenen geheilt, besonders aber gebe man hier Bibergeil in süßer Milch, Rettichsamen in Wein (Diosc. II 112, 2) oder den Saft von Thapsia silphium in süßer Milch; reibe auch mit Bibergeil und öl zusammen ein. Feines Salz, das auf Zedernharz (Diosc. I 77, 2. Plin. n. h. XXXI 98) oder geschälte Zwiebeln mit Essig gestreut wird, bildet ein gutes Pflaster. Ferner werden [546] warme Essigumschläge auf die Wundstelle empfohlen, das Essen von rohem Rettich, Trinken von vielem Wasser und darauf folgendes Erbrechen: nach der Entleerung des Magens gebe man zuerst Gartenkümmel und etwas Myrrhe zu trinken, pausiere ein Weilchen und lasse dann von neuem Rettich und Schnittlauch essen und dazu immer größere Mengen verdünnten Weines trinken, dann wieder zum Brechen reizen. Nach dem Erbrechen muß 10 Dosten, dem man die Kronen abgeschnitten hat, in

Wein gegeben werden; man esse auch eine tüchtige altbackene Stulle mit Pökelfleisch und trinke ein Glas "Wein dazu, bis man die Wirkung auf Nieren und Blase merkt. Die Pflaster müssen öfter gewechselt werden*. Die Psyller heilten Hornvipernbisse nach Aelian. hist. an. 157 auf folgende Weise: Sie spülten sich den Mund mit Wasser aus, wuschen sich die Hände in anderem und gaben dem Gebissenen von beidem zu trinken; damit war der 20 Kranke für gewöhnlich geheilt. War die Krankheit aber schon sehr weit vorgeschritten, so legte sich der Psyller nackt neben den ebenfalls nackten Patienten und übertrug so seine Immunität auf jenen XVI 28. Nic. de serp. frg. 3:

Ἤκλυον ὡς Λιβύης Ψύλλων γένος οὐτὲ τὶ θηρῶν Αὐτοὶ κάμνονοιν μυδαλεησὶ τνπαις,

Οὐς Σύρτις βοοκεὶ υἰνοτρόφος, ευ δλ καὶ ἄλλοις Ἀνδράοιν ἤμυναν τύμμασιν ἄχθομενοις,

Ου ρίζας ἄρδοντες, ἐῶν θ ἀπὸ οὐγχροὰ γνίων.

Die moderne Lehre der durch wiederholte Vergiftung sich bildenden Antitoxine läßt manches in diesen Berichten, was noch vor wenigen Jahren als Märchen galt, glaublich erscheinen. Diosc. eup. II 122, 6 empfiehlt 6822 mg Sanddolde mit Myrrhe und Wein, Kap. 123, 2 weiches Pech mit Salz; Ceis. V 27, 7 getrocknetes Teucrium polium mit etwas Raute, auch Psoralea bituminosa, Roßminze, Möhrenwurz, Costwurzel, Cassia und Zimt; Plin. n. h. XXIII 67 Essighefe, XXIV 38 Pech mit Gerstengraupen; vgl. Sil. It. XV 681.

Κωφίας s. Krokodil. Μελάνουρος s. διφάς, 20. Μ υ ἄγ ρ ὁ ς. Hesych ὁ μυοθηρας, also die Ringelnatter, was nach den bestimmten Angaben des Nic. ther. 490 und Philum. 22 nicht haltbar wäre. Denn dieser sagt, es sei eine der ἀμμοδύτης sehr ähnliche Art, deren Bisse dieselben Folgen hätten und mit denselben Mitteln geheilt würden: man könnte demnach an die Spitzkopfotter (Vipera 50 ursinii Bp.) denken.

Μυοθήρας und natrix s. ὑόρα.

21. Ὀφείδιον, δφις σπιθαμιαιος. Eine kleine, nur spannenlange, sehr giftige S. in Indien wird von Ktesias frg. XVI (Lion) (= frg. XIII W. Reese Die griech. Nachrichten über Indien 10) genannt. Aelian. hist. an. IV 36 (δφις κατὰ σπιθαμὴν τὸ μήκος) schreibt Ktesias aus ohne ihn zu nennen. An beiden Stellen heißt es von dieser S sie habe keine Zähne und könne nicht beißen, 60 sei jedoch durch das Ausspeien ihres Giftes sehr gefährlich. Während diesen Berichten fabulose Angaben beigemengt sind (nach Ktesias soll das Gift auch im Schwänze sitzen), gibt Strab. XV 706 gestützt auf Aristobul, der am Zuge Alexanders nach Indien teilnahm, einen besseren Bericht über diese λεπτὰ ὀφείδια ου μείζω ὀπιθαμιαίων. Er sagt, keine indische S. sei so unangenehm und gefährlich (οὐτως ὀχλεῖν) wie diese. Sie versteckt [547] sich in Zelten, Gefäßen und Hecken. Die von ihr Gebissenen bluten unter Schmerzen aus allen Poren und sterben, wenn nicht sofort jemand zu. Hilfe kommt. Doch sei leicht zu helfen infolge der Heilkraft der indischen Wurzeln und Heilmittel. Mehrere neuere Forscher halten diese S. für den glatten Dreieckskopf (Ancistrodon [Tri-gonocephalus] rhodostoma Boie), der freilich nach Brehm nur in Hinterindien und Java vorkommt, auch etwas größer ist, als eine Spanne f/4 m). Nach der Größe kann auch die Bauchdrüsenotter (Doliophis intestinalis Laur.) in Betracht kommen. Ob bei Arist. hist. an. VIII 29 p. 607 a 33 mit der kleinen 8. (ὀφείδιον) in Indien, gegen die allein es kein Heilmittel gebe, die gleiche S. wie bei Ktesias und Strabon gemeint ist, ist nicht sicher (vgl. Reese a. O. 103). Doch stimmt anderseits die Nachricht des Nearch. bei Arrian. Ind. 15 insofern damit überein, als er sagt, es gebe in Indien bunte, sehr flinke S., gegen deren Biß noch kein griechischer Arzt ein Heilmittel gefunden habe; die Inder jedoch verständen es den Biß zu heilen. Deshalb habe Alexander indische Ärzte bei sich gehabt und jeder, der gebissen wurde, mußte zu ihnen ins Zelt kommen. Dagegen scheint die auf Kleitarch zurückgehende Beschreibung bei Aelian. hist. an. XVII 2 von einer indischen S., die bronzefarbene Binden vom Kopfe bis zum Schwanz habe, eher auf eine Schmuckotter (Callophis-Art) zu gehen, an denen Indien sehr reich ist. - Auf die Gefährlichkeit gerade der kleinen S. weist Strab. XV 706 (nach Nearch.) hin. [Acren.] Schol. Hör. epod. V 15 drückt es durch die Worte aus: Serpentes breves peiores sunt.

22. X) φ ἴς δ ἴπους. Daß gewisse S. noch Reste von Füßen haben (daher von den neueren Gelehrten Stummelfüßer genannt), scheint den Alten nicht entgangen zu sein. Schon Aisch. Suppl. 895 redet davon; mag das immerhin dichterische Phantasie sein, so lesen wir doch bei Arist. frg. 320 p. 1532 a 24 ἐν ταῖς ἐκλογαῖς τῶν ἀνατομῶν (über liefert von Apoll, hist. mir. 39), daß in Paphos zweibeinige S. gelebt hätten. Gerade, daß nur zwei Gliedmaßen genannt werden bestätigt, daß wirkliche Naturbeobachtung vorliegt, denn die Vorderbeine sind auch bei diesen Tieren schon gänzlich zurückgebildet. Auch Pammenes in seinem Buche περὶ θηρίων, von dem wir leider nur wenig wissen, behauptete das Vorhandensein der .Stummelfüße, soll allerdings auch nach Aelian. hist. an. XVI 42 von zwei Köpfen gesprochen haben. In Betracht käme die Sand-S. (Eryx iaculus L.), die einen sehr großen Verbreitungskreis hat, vor allem in Arabien, wo Aelian. hist. an. X 13 sie gesprenkelt nennt.

23. Υ) φ ἐς ὑαλάττιοι (ἔνυδροι). Daß Aristoteles See-S. kannte, ist sehr unwahrscheinlich; hist. an. II 14 p. 505 b 7 steht zwar, es gebe πολλὰ γένη τῶν ὑαλαττίων ὄφεων von verschiedener Farbe, die sämtliche in nicht allzu großer Meerestiefe leben. Allein Aubert-Wimmer und Dittmeyer haben diese Stelle mit Recht als unecht bezeichnet. Während an dieser Stelle nur bemerkt ist, daß der Kopf dieser S. dem des Meeraales gleiche, wird im unechten IX. Buche 37 p. 621 a 2 dieser Vergleich wiederholt, dazu aber noch gesagt, daß sie sich mit ihrer [548] spitzen Schnauze in den Sand einbohren. Hier liegt ohne Zweifel eine Vermengung mit Beobachtungen an einem Fische und zwar einer Muränen-Art vor. Aber auch auf die Angaben an der ersten Stelle ist eine Bestimmung nicht zu gründen. Nur vermutungsweise kann man vielleicht die im Persischen Golfe vorkommende zweifarbige See-S. (Pelamydrus piaturus L.) und die Streifenruder-S. (Distira cyanocincta Daud.) in Betracht ziehen. 10 An einer gleichfalls unechten Stelle VIII 20 p. 602 b 25 kommt δράκων in der Bedeutung See-S. vor: denn dieser δράκων greift Welse an. Die sog. See-S., das ständige Fabelwesen auch noch unserer Zeitungen, spukte bereits in den Kopien der Alten: sie nannten sie pistrix (abgebildet bei Keller Antike Tierwelt Taf. II 18) und gaben ihre Länge auf 9 m an, Mart. Cap. VI 699. Ebenso lang sind die weißen S. in dem abwechselnd bitteren und süßen See der Troglodyten, von denen Iuba 20 bei Plin. n. h. XXXI 18 erzählt.

Ἰερός s. πορείας.

24. Χφις Ἰνδικός. Strab. XV 719 erzählt von einer großen S., die indische Gesandte dem Kaiser Augustus zum Geschenke machten, Diod. XVII 90 von indischen S., die einen dicken Haarbusch auf dem Kopfe hätten. Aelian. hist. an. XVII 2 spricht (nach Kleitarch) von rötlichen sowie von silbern und golden glänzenden indischen S., die alle beißen und sofort töten. Be-30 stimmbar sind alle diese S. nicht, doch ist die Stelle bei Aelian deshalb bemerkenswert, weil sie zeigt, wie sehr das Heer Alexanders d. Gr. unter den Giftschlangen zu leiden hatte.

25. X) φ ἴς χλωρός des Nic. ther. 438 könnte vielleicht die glänzend saftgrüne, sehr giftige indische Kletterlochotter (Lachesis gramineus Shaw) sein.

26. II a ρ ἐ ί a ς.

a) Namen. Der Dipthong in der Mitte ist 40 unsicher, ebenso der Akzent, denn es werden auch die Formen παρίας, παρούας, παρωάς und πάρωος angeführt. Das Wort ist herzuleiten entweder von πράος ,mild) πυρρός ,fuchsbraun⁴ (nach Aelian. hist. an. VIII 12) oder ὅτι μεγάλας παρειάς Ἴχει (fîesych., vgl. ἔχων τὰς παρειάς ἔπηρμενας Etym. Gud., δφις ἐστιν Ἀττικὸς ὁ παρίας, παρειάς ἔχων μεγάλας Eudem. bei Walz Rhet. gr. VI 384), alles gut auf die Äskulap-S. (Coluber longissimus Laur.) passende Eigenschaften; welche Éty-50 mologie die richtige ist, wird sich daher wohl kaum entscheiden lassen. Die Römer haben keinen besonderen Namen für das Tier; sie wenden daher ihr coluber als Bezeichnung kleinerer Haus-S. überhaupt an, Plin. n. h. XXIX 71 sagt anguis Aesculapii, Ovid. met. XV 670 serpens, Horat. sat. I 3, 27 serpens Epidaurius.

b) Gestalt, Lebensweise und Zähmbarkeit. Philum. 32, 1: ,Die S. findet sich in den syrischen Landen, und zwar in zwei Spiel-60 arten, einer bronzefarbenen und einer schwärzlichen [noch heute unterscheidet man diese Spielarten]. Ihr Biß ist nicht tödlich? Aelian. hist. an. VIII 12, der als Quelle Apollodor angibt, der für die Form παρούας eintrat, bezeichnet ihre Farbe als gelbbraun, nennt das Auge schön, den Mund zusammengedrückt und den Biß harmlos, weshalb sie auch dem menschenfreundlichsten Gotte geweiht sei. Sie kommt hauptsächlich in Attika [549] vor, ist ἄβλαβης μὲν ἀνθρώποις εἰς δηξιν, τῶν δ' ἄλλων ὄφεων ἀναλωτικός, Eudem. a. a. O. Phot. s. παρεῖαι ὄφεις. Plin. n. h. XXIX 71f. erzählt folgendes von ihr: ,Es gibt auch eine nicht giftige S., wenn sie es nicht durch den Hauch des Mondes wird. Wenn man dann gebissen wird, muß man sie lebend ergreifen, in Wasser zerstampfen und auf die Wunde legen. Sie steht auch in dem Rufe, sehr heilkräftig zu sein, weshalb sie dem Asklepios heilig ist. Demokrit bereitet ganz ungeheuerliche Mittel aus ihr, die bewirken sollen, daß man die Sprache der Vögel versteht. Sie sucht ihre Nahrung meist in den Häusern, und wenn man ihre Jungen nicht ausräuchert, kann man sich vor diesen Tieren gar nicht retten.* Vgl. KratinosTrophonios frg. 6 M. Demosth. ΧΥΙΠ 260 wirft dem Aischines vor, er habe bei bakchantischen Aufzügen Äskulap-S, gedrückt und über seinen Kopf geschwungen. In Pella war eine Verkaufsstelle für zahme Äskulap-S.: sie schliefen mit Kindern zusammen, ließen sich drücken und treten und sogen Milch aus menschlichen Brüsten, Luc. Alex. 7. Lucan. Phars. IX 721 weiß von dieser S. weiter nichts, als daß sie die Erde mit ihrem Schwänze furcht. Nach Horat. sat. I 3, 27 sehen sie so gut, wie die Adler. Paus. II 28, 1 behauptet, sie seien sehr zahm und kämen nur um Epidauros vor. Im Traume gesehen, bedeuten sie Prahler und unsichere Existenzen, Artemid. IV 46; überhaupt ist ihr Erscheinen vom Übel, II 13.

c) Kult. Insonderheit diese S. ist dem Asklepios heilig; schon als jugendlicher Gott pflegt er eie auf dem Berge Pelion, Schol. Nic. ther. 438. In seiner Hauptkultstätte wurden die Tiere gepflegt und liefen frei im Tempel umher, Paus. II 28, 1. Näheres über die mythologische Bedeutung der Vereinigung von Gott und S. s. o. Bd. II-S. 1681; die heilige S. in Titane war kaum eine andere Art. Bei Arist. Plut. 732H. pfeift Asklepios, und ein Paar mächtige S. kommen aus dem Tempel hervor, die unter eine Purpurdecke schlüpfen und dem Gott Plutos, der bis dahin blind war, die Augenlider lecken, daß er sehend wird. Wie der Asklepioskult nach Rom kam, darüber haben wir eine genaue Schilderung bei Ovid. met. XV 622–744 und Val. Max. I 8, 3 (vgl. noch Arnob. adv. nat. VII 44 magni agminis coluber und Oros. hist. III 22, 5 horridum illum Epidaurium colubrum), die ich hier im Auszuge wiedergebe. Rom wurde drei Jahre lang von einer Seuche heimgesucht, und niemand wußte zu helfen. Endlich fragte man die Sibyllinischen Bücher, und diese sagten aus, daß der Gott Äskulap geholt werden müsse. Man schickte nach Epidauros, wo die römischen Gesandten sehr freundlich aufgenommen wurden, und der Gott selbst gab seine Zustimmung zu verstehen. Man hatte nämlich des öfteren in der Stadt eine S. gesehen, und immer dann ereignete sich für Epidauros etwas Segensreiches. Sie zeigte sich nun während des Aufenthaltes der Römer wieder und bewegte sich langsam drei Tage lang durch die verkehrsreichsten Straßen, bis sie endlich auf den römischen Kreuzer kroch. Die Matrosen flohen vor ihr in die sichersten Winkel; aber das Tier kümmerte sich nicht darum, sondern kroch in die Kajüte des Gesandten Ogul-nius. Bald wurden die Römer belehrt, daß es ein Gott sei, den sie an Bord hatten, und segelten frohen Mutes ab. Sie landeten oft, aber nur in [550] Antium kroch die S. aus dem Schiffe heraus nach dem Äskulaptempel, wo sie wiederum drei Tage blieb. Dann fuhr das Schiff mit ihr weiter. An der Mündung der Tiber schwamm sie auf eine Insel, wo man ihr einen Tempel erbaute. So wurde Rom von der Seuche befreit. - Von Rom aus ist diese S. dann mit den Legionen in die entferntesten Teile des Reiches geschleppt worden; gehalten hat sie sich in wärmeren Talkesseln, deren Klima dem 10 ihrer südlichen Heimat entspricht, besonders in den uralten Badeorten Baden bei Wien, Baden-Baden, Ems und vor allem in Schlangenbad, das nach ihr benannt ist. Leider hat die Verfolgungswut, der die S. ausgesetzt sind, auch in jenen Orten diese S. schon fast ausgerottet. - Von einem religiösen Betrug und raffinierten Schwindel, den ein gewisser Alexander von Abonuteichos mit einer S. (wohl Äskulap-S. oder auch, wie Keller Ant Tierw. II 300 meint, eine Streifennatter, Ela-20 phis) trieb, die er für den wiedergeborenen Äskulap ausgab, erzählt Lukian in seinem ,Lügenpropheten* (ψενδομαντίς). Dem Schwindler gelang es, das gutgläubige Volk so zu täuschen, daß es für den neuen Gott, der den Namen Glykon erhielt und an dessen Inkarnation in einer von Alexander geheimnisvoll vorgezeigten S. die Leute fest glaubten, einen eigenen Kult schuf. Damit hatte Alexander seinen Zweck erreicht; denn er richtete nun eine Orakelstätte ein, die für ihn höchst ein-30 träglich war. Mit der Zeit verbreitete sich der Ruhm des Gottes Glykon über die engere Heimat; schließlich erhielt er den semitischen Namen Io, und die Stadt wurde mit Erlaubnis des Kaisers Antoninus Pius im J. 161 lonopolis (jetzt Ineboli) genannt. Münzen dieses Herrschers, des Lucius Verus und des Caracalla mit dem S.-Gott sind erhalten, Keller Münzen und Gemmen XII 28. Derselbe Gelehrte sagt in seinem Buche Die antike Tierwelt 301, daß der Glykonkultus sich, wie man aus Inschriften ersehe, bis nach Karlsburg in Siebenbürgen verbreitet hat.

d) Die Äskulap-S. in der Kunst. Im allgemeinen hat man wohl diejenigen S., die sich um den Stab des Heilgottes ringeln, als Äskulap-S. aufzufassen; s. darüber den Abschnitt X von Thraemers Art. Asklepios o. Bd. II S. 1690ff. Was Hygieia angeht, die häufig die S. speisend oder tränkend - namentlich auf Münzen - dargestellt ist, s. Tamborninos Art. H y g i e i a o. Bd. IX S. 93ff. Als Sinnbild der Ewigkeit stellte man die S. später dar, wie sie sich in den Schwanz beißt. Wie Keller Antike Tierwelt II 290 mitteilt, ist im J. 1910 auf dem laniculum zu Rom im AUcrheiligsten eines orientalischen Tempels eine vergoldete Bronzefigur entdeckt worden, die die mumienartige Gestalt einer sonderbaren Gottheit zeigt, die von einer S. in sieben Windungen umringelt wird; zwischen diesen Windungen lagen sieben Hühnereier. Ferner ist 60 S. 299 Fig. 112 eine schöne Votivstele aus Athen mit einer Äskulap-S. und in Fig. 113 S. 305 ein Armband aus Pompeii in S.-Form abgebildet, wie sie die Damen nicht nur damals gern trugen. Dies ist aus Overbeck Pompeji⁴ 622 Abb. 318 entnommen, der darüber folgendes mitteilt: Es ist aus gediegenem Golde und in dem Hause des großen Mosaiks gefunden worden. Der Kopf ist gegossen, die Augen sind von Rubin, und die Zunge wird [551] durch ein bewegliches Goldplättchen gebildet. Der spiralförmig geringelte Körper ist getrieben, die Zähne und Schuppen aufs feinste ziseliert. Die

xxx

obenstehende Figur soll eine Vorstellung davon geben. Man trug solche Bänder um Oberarm, Unterarm und Fuß. In Fig, 319 ist ein halbrund gearbeitetes Halsband in S.-Form zu sehen, ferner zwei Fingerringe, der eine ein vollständiges Tier, das den Kopf emporhebt, der andere ein zweiköpfiges. In seinem Buche Münzen und Gemmen hat Keller viele Äskulap-S. abgebildet; ich verweise besonders auf die Gemmen XXIII 6 und 1, wo Hygieia die S. wie gewöhnlich aus einer Schale fressen läßt.

27. Πελἰάς, nur bei Philum. 28. Ael. Prom. f. 480v und Aët. XIII 32. Philumenos sagt: τὰ σημεία παρὰ τοῖς ἀηριακοῖς ὄνχ εὐρον und gibt lediglich einige Rezepte gegen ihren Biß an. Aötios: ου γέγραπται παρὰ τοῖς ἀρχαίοις, ὡς δηλὰ πασιν ὄντα. Ersteres trifft zu; daß sie jedoch allgemein bekannt sei, ist unrichtig. Wir erfahren im Gegenteil so wenig über diese S., daß sie nicht zu bestimmen ist.

Pistrix s. ὄφις ἔνυδρος.

28. Πρηστήρ. Von dieser S. erfahren wir nirgends mehr als den Namen, den Hinweis auf die Gefährlichkeit und Wirkung ihres Bisses sowie verschiedene Mittel zu dessen Heilung. Es mag eine afrikanische Giftschlange sein; zu bestimmen ist sie nicht. [‌Arist.] mir. ausc. 130 p. 843 a 32 erwähnt die S., und Diosc. II 31 rechnet sie zu den Vipern (ἔχιδνα ἡ καλούμενη πρηστήρ). Nach Luc. Phars. IX 722 sperrt sie gierig ihren schäumenden Rachen auf. Die Folgen des Bisses erwähnt Aelian. hist. an. XVII 4, der VI 51 sie übrigens mit der διψάς gleichsetzt: ,Er macht die Gebissenen träge, dann schwach und asthmatisch; auch das Gedächtnis leidet, der Urin wird verhalten, die Haare fallen aus; dann folgt Atemnot, Krampf und ein schmerzhaftes Ende.‘ Bei Lucan. Phars. IX 791 heißt es von einem Soldaten, der von einer solchen gebissen wurde: feurige Röte brannte in seinem Gesichte und die Haut wurde gespannt: der Körper schwoll bald so an, daß man ihn nicht [552] mehr erkennen konnte, und niemand wagte, die Leiche auf den Scheiterhaufen zu legen. Als Heilmittel gibt Philum. 19, 2 Portulak an, gekochte gezuckerte Weinblätter, rohen Pökelfisch, ungemischten Wein und Erbrechen erregende Stoffe: Diosc. eup. II 142 und m, m. II 31 teilweise dasselbe; Plin. n. h. XXXII 46 sarda.

29. Πτυάς, kann die schwarzhalsige Spei-S. (Naja nigricollis Rhdt.) sein. Philum. 16, 2 gibt 10 ihre Länge auf 90 cm, ihre Farbe als aschgrau, grüngelb oder goldig glänzend an. Vgl. Gal. XIV 235. Paul. Aeg. V 18, die sie alle als der Uräus-S. sehr nahe verwandt bezeichnen, Strah, XVII 828 kennt sie nicht. Philum. 16, 4–5 schildert die Folgen des Giftes genauer: ,Bei den von der S. An-gespieenen werden die Augen schwach, das Gesicht schwillt an, das Gehör verliert sich; doch sind die Schmerzen nur gelinde und nicht ohne Lustgefühl, weshalb Nikander [ther. 188, der die verschiedenen 20 Najaarten zusammenwirft] schön sagt: »Schmerzlos verfällt er dem Tode«. Die Farbe des Kranken ist unverändert hellgrün, in der Magengrube sind geringe Schmerzen vorhanden, die Gesichtsmuskeln werden dauernd in die Höhe gezogen, die Augenlider sind wie im Schlafe bewegungslos, und der Tod tritt nach kaum vier Stunden ein? Vgl. Cinna bei Gell. N. A. IX 12, 12. Schon der Hauch dieser S. soll nach Aelian. hist. an. III 33. VI 38 - er nennt sie nicht πτυάς, sondern λίβυσσα ἀοπίς - blind machen (vgl. Porphyr. de abst. III 9 p. 199: oi 0’ ἐν Αἰγνπτφ ὄψεις πτνοματὶ ἔκτυφλονσι τὰς ὄψεις τῶν παρόντων und Mich. Glyk. ann. I p. 59), aber das gespieene Gift sei nicht so wirksam, wie das in den Körper eindringende. Dasselbe sagt Gal. I 664, der XIV 235 behauptet, die S. wisse genau die Entfernung bis zu ihrem Opfer abzuschätzen.

30. Σηπεδών und σἡψ. Da mit σήψ (lateinisch: seps) auch eine Eidechse (s. den Art. Krokodil) bezeichnet wurde, sind die Angaben der Autoren so verworren, daß an eine Bestimmung nicht zu denken ist.

a) Gestalt und Lebensweise. Philum. 23, 1: ,Die S. wird 90 cm lang und erstreckt sich vom Dicken zum Dünnen: sie läuft geradeaus [d. h. nicht in Windungen, also doch Verwechslung mit der Erzschleiche?] und langsam, hat einen breiten Kopf und einen zugespitzten Mund; am ganzen Körper ist sie mit hellen Flecken besprenkelt? Nach Nic. ther. 320ff. bewegt sie sich 50 geradeaus; ihre Farbe gleicht einem Teppich; der Kopf ist wuchtig, der Schwanz klein. Mißverstanden hat diese Stelle Aelian. hist. an. XV 18, der angibt, die S. laufe schnell und in kreisförmigen Windungen. Oder er unterscheidet σηπεόῶν von σήψ. Denn nur von dieser behauptet er XVI 40. sie habe vier Giftzähne im Unterkiefer, deren Höhlungen durch feine Häutchen verdeckt seien; ferner, sie verändere ihre Färbung nach der Umgebung. Doch dies ist offensichtlich aus 60 [‌Arist.] mir. ausc. 164 p. 846 b 14 abgeschrieben, wo als Heimat der S. der Berg Othrys in Thessalien angegeben wird. Paus. VIII 4, 7 sagt, der Arkader Aipytos habe einst von der Jagd eine S. mit nach Hause gebracht. ,Diese Art S. habe ich selbst einmal gesehen‘, fährt der Reisende fort; ,sie ist so groß wie eine kleine Sandviper, aschfarbig, mit nicht zusammenhängenden Punkten gezeichnet; der Kopf ist breit, der Hals dünn; sie [553] hat einen längeren Leib und einen kürzeren Schwanz und bewegt sich wie die Hornviper in schiefer Richtung.‘ Über die Art der Bewegung sind sich die Alten also durchaus nicht einig. 16, 2 fügt er lünzu, daß Aipytos an dem Bisse einer solchen Otter gestorben sei.

b) Gefährlichkeit. Philum. 23, 2: ,Wer von einer σήψ gebissen wird, bekommt zwei sichtbare Bißstellen, aus denen Blut und nach einiger Zeit übelriechender Eiter herausrinnt; dann stellt sich eine Geschwulst und mit ihr ein dumpfer Schmerz ein. Die leidenden Teile gehen in Fäulnis über und nehmen eine weißliche Schattierung an, die sich allmählich über den ganzen Körper verbreitet; überall fallen die Haare aus; der Tod tritt innerhalb von 3–4 Tagen ein? Nic. ther. 326 schildert die Wunde als schmerzhaft; das schwarze Gift verbreitet sich schnell über den ganzen Körper; die Haut schrumpft zusammen, und die Haare zerstreuen sich, wie der Pappus einer abblühenden Distel. Wenn die S. jemanden beißen, so bekommt er auch Durst; der Biß ist nicht grob und hitzig, aber bösartig,. [‌Arist.] mir. ausc. 164 p. 846 b 16. Auch was 151 p. 845 b 16 von der heiligen 8. in Thessalien gesagt wird, mag sich vielleicht auf diese Gift-S. beziehen: sie soll nicht nur durch Biß, sondern schon durch bloße Berührung alles vernichten, alle anderen Tiere sollen vor ihr fliehen; sie ist von mittlerer Größe und erscheint selten. Hist. an. VIII 29 p. 607 a 30 wird erzählt, daß vor einer kleinen S., welche man die Heilige nennt, die größten 8. flöhen. Sie wird eine Elle lang und ist δασυ ἰδεῖν (eine sonderbare Bezeichnung für das Aussehen einer S.: die Stelle ist übrigens schon von Aubert Wimmer mit Recht als verdächtig bezeichnet); die Bißstelle wird sofort im ganzen Umkreise faulig; vgl. mir. ausc. 23 p. 832 a 14. Lucan. Phars. 723 und 764. Im Traume bedeutet die S. nichts Gutes, Artemid. II 13; da aber IV 56 gesagt wird, sie verkünde reiche Heiraten, so ist an erster Stelle vielleicht wieder Erzschleiche gemeint.

c) Heilmittel gegen den Biß. Philum. 23, 2–4. Außerdem gibt Apollonios in seiner ‚Hausapotheke‘ folgende Spezifika an: ,Reibe die Bißstelle mit Butter und Honig ein, gib die Sahne von saurer Milch zu trinken, Zuckeressig, 136, 4 ccm eingekochten Fenchelsaft mit Wein oder die Wurzel von Opopanax Chironium in gleichem Maßverhältnis mit Wein. Von Vorteil sind auch mit Essig getränkte Schwämme, auf die Wunde gelegt.‘ Aus Strabon: ,Gib möglichst viel Portulaksaft zu trinken, reinen Myrtenwein oder Weinranken in Wein aufgelöst.‘ Plin. n. h. XXIII 152 empfiehlt Lorbeer. Nach [Arist.] mir. ausc. 151 p. 845 b 18 wurde eine solche S. von einem Weibe in Thessalien dadurch überlistet, daß diese Frau mit ihrem Sohne das Tier durch Beschwörungsformeln und Nachahmen ihrer Stimme in einen Kreis lockte, wo die S. dann erstarrte.

31. Σκυτάλη, lat. scytale, d. h. der Stock, bei Philum. 27 mit ἀμφίσβαινα zusammen genannt und als dieser völlig ähnlich bezeichnet, nur daß die σκυτάλη nicht rückwärts laufen kann. Nach Nic. ther. 384 ist sie so dick wie ein Stock. Luc. Phars, IX 717 sagt, sie häute sich im Tau. Für die in der Nähe von Chalkedon lebende Art gibt Soran nach Philum. 27, 3 dieselben Mittel [554] wie bei den Sandvipern an. Dieser selbst sagt, der Biß sei undeutlich und schade nichts. Plin. n. h. XXXII 54 hat als Gegenmittel Flußkrebse. Bestimmbar ist die S. nicht

32. Σπαθίουρος, nur bei Philum. 32, 2, Ael. Prom. f. 48b und Aët. XIII 31. Beschreibung: ,Der ὀπαθίουρος kommt in der Gegend von Chalkis (Chalkitis, Philum.) vor. Es ist ein oben dickes, nach dem Schwänze zu dünner werdendes 10 Tier (mit einem breiten Kopfe, fehlt bei Aeb); den Mäusen sehr feindlich (nach Wellmanns Konjektur, μιαιρέθιβτον Philum., καὶ μιερέθιστον Ael.). Ihr Biß ist nicht tödlich, sondern erzeugt nur eine Entzündung; man wende daher die gewöhnlichen Mittel an.‘ Da es nicht einmal sicher ist, ob überhaupt eine S. gemeint ist (Konstantinides in seinem Lexikon hält das Tier für eine Katze), so kann eine Deutung nicht versucht werden.

Τυφλῆνις, τυφλίας, τυφλίνης, τύφλωψ s. den Art. Krokodil (Eidechsen) a. Ende.

33. Ὕδρα und ὕδρος bedeutet griechisch die Ringelnatter, und zwar außer unserer Tropidonotus natrix L. auch die südosteuropäische (Tropidonotus bilineatus Jan.), wird aber selten genannt, da die Alten für giftlose kleine S. kein Interesse hatten. Lateinisch heißt sie natrix (daher deutsch Natter), oft bloß coluber, auch hydra und hydrus (jenes mehr als sagenhaftes Ungeheuer, dieses bei Dichtern überhaupt für S.), bei Plin. n. h. XXX 21 ἐνυδρίς und XXXII 82 colubra in aguis vivens. Indisch nach Edlinger Tiernamen 95 xxx Froschfresser (wohl eine andere Art). Die Ringelnattern haben einen vipernähnlichen Kopf (Schot Eur. Phoen. 1136) und die Milz an der Leber zu sitzen, Arißt. hist. an. II 17 p. 508 bl. Sie haben ihren Aufenthalt im Wasser und entnehmen diesem auch ihre Nahrung; aber sie atmen nicht durch Kiemen, son-40 dem durch Lungen, I 1 p. 487 a 23. Eine Ringelnatter ist es wohl, die Ktesias bei Aelian. hist. an. XVI 42 aus dem Flusse Argades bei Sittake schildert. Die S. sind schwarz, ihr Kopf jedoch weiß, ihre Länge 1% m; am Tage sind sie nicht sichtbar, sondern schwimmen unterhalb des Wasserspiegels, nächtens gehen sie auf Raub aus. Diese Beschreibung ist trotz der sich anschließenden Fabel brauchbar. Was dagegen Metrod. frg. 6 und Aelian. hist. an. II 21 von S. im Flusse Rhydakes in Pontus erzählen, daß die Wasser-S. so groß seien, daß sie Vögel aus der Luft schnappen könnten, wird schon durch den Zusatz ,wie hoch sie auch fliegen* als Erfindung entlarvt. Aus Dichtung und Wahrheit zusammengesetzt ist die Schilderung bei Verg. Georg. III 425–439: richtig die ringelnde Bewegung, die gesprenkelte Zeichnung, der Aufenthalt in Bächen, dje Nahrung (Fische und Frösche); falsch die Giftigkeit und die dreigespaltene Zunge. Ihr schlimmster 60 Feind ist das Wiesà. Raute können sie nicht vertragen. Sie selbst stellen den Mäusen nach (daher auch μνοθήραι genannt), [‌Arist.] hist. an. IX 1 p. 606 b 29. 6 p. 612 b 3; doch kann man die letzte Bemerkung auch auf Äskulapnatter oder Sandviper beziehen, vielleicht sogar mit größerem Recht, denn die Ringelnattern nähren sich hauptsächlich von Fröschen, wie Verg. a. a. O. und Aelian. hist. an. XII 15 ganz richtig darlegen. Die [555] charakteristische weiße Stirnbinde wird auch von den Alten erwähnt. Plin. n. h. XXX 21 erklärt ἐνυδρίς mit serpens masculus et albus, vgl. 25 angues candidi; er hält es für nicht wahrscheinlich, daß die weißen S. sich erst Mitte Juli häuten sollten. Zähne und Haut wurden auch in der Heilkunde benutzt. XXIX 72 bezeichnet er sie als schönste S., hält sie aber wie Vergil und Cic. Ac. II 38 für giftig. Auch bei Lucan. Phars. IX 720 verpestet sie das Wasser; vgl. Verg. Aen. VII 753. Sonderbar ist die Geschichte [Hipp.] Epid. V 86. V 253 L: ,Ein junger Mensch, der sich betrunken hatte, fiel nach hinten über und schlief ein; da glitt eine weiße S. in seinen Mund; und als er es bemerkte und nicht sprechen konnte, biß er zu und knabberte an der S. herum. Da bekam er gewaltige Schmerzen, brachte die Hände an die Kehle, als ob er erdrosselt werden sollte, warf sich zu Boden, verfiel in Krämpfe und starb.‘ Fabulos sind auch die Geschichten bei Aelian. hist. an. VIII 13 und XVI 38. Bei Trockenheit sollen sie sich in Vipern verwandeln, Arist. frg. 328 p. 1532 b 32. Theophr. h. pl. U 4, 4. Wenn man die Leber bei sich trägt, kann man sich vor ihrem Bisse schützen. Die Krokodiljäger tragen Fett und Galle der Ringelnatter bei sich, damit die Panzerechsen sich nicht an sie heranwagen, Plin. n. h. XXXII 53. - Von der lernäischen Hydra an spielt die Wasser-S. eine bedeutende Rolle in der antiken Sagenwelt; s. darüber Sittig Art. Hydra Nr. 1 o. Bd. IX S. 44ff.. Im Traume bedeutet sie Erkältung oder Schiffbruch, Artemid. II 13. Man gewöhnte die zutrauliche S. schon im Altertum ans Haus, wo sie dann der Mäusejagd pflog (cod. Vatic. 6925) und wohl auch als Schutzgeist gedacht wurde, denn der heutige albanesische Name vitoré bedeutet dies. Bei Keller Antike Tierwelt II 314 Fig. 116 ist eine Ringelnatter auf einer Dolichenushand, Münzen und Gemmen XXII 3 im Kampfe mit einem Storche. Sprichwörtlich sagte man ποικιλώτερος ὕδρας, Herodas III 89; es bedeutete nach [‌Diogen.] 372. 669 ἐπὶ τῶν θαυμαζομένων ,über die Hutschnur‘.

34. Ὕδρος und χέρσυδρος, lat. chersydrus. Unter diesen Namen verstehen Philu-menos und Nikander eine giftige See-S., die sich teilweise auch auf dem Lande aufhält. Dies trifit auf die Plattschwänzige Zeilen-S. (Laticauda lati-caudata L.) und eine nahe Verwandte (Laticauda colubrina L.) zu. Aelian. hist. an. XVI 8 sagt ganz richtig, daß sie einen platten Schwanz hat; doch hält er ihren Biß für nicht allzu gefährlich. Nach Lucan. Phars. IX 711 leben sie in den Syrten (da braucht er sie nämlich); in Wahrheit ist der Indische Ozean ihre Heimat; vgl. Serv. Verg. Georg. III 415. Die Schilderung bei Philum. 24 lautet wie folgt: ,Diese S. heißt deswegen χέρσυδρος: anfangs hat sie ihren Aufenthalt im Meere und wird νδρος genannt, dann geht sie aufs trockene, und man nennt sie χέρουδρος, Hier ist ihr Biß gefährlicher als im Wasser, denn da sie dort von feuchter Nahrung lebt, ist ihr Gift meist rein, was anders wird, wenn sie sich aufs trockene begibt. Sie sieht einer kleinen Uräus-S. ähnlich, nur daß ihr Nacken nicht breit ist, denn diese Eigenschaft besitzen eben nur die Najaarten. Die Wunde der von ihr Gebissenen verbreitert sich, es entsteht eine Geschwulst, anhaltender brennender Schmerz, die Stelle wird [556] schwarzblau und hefig. Schwindel- und Ohnmachtsanfälle treten auf, Mutlosigkeit und Erbrechen übelriechender Galle. Eigentümlich sind ferner eine schwankende Bewegung des ganzen Körpers, wie bei Leuten, die zuviel zu sich genommen haben, und ein brennendes Gefühl, das sich von der Wunde immer weiter ausbreitet. Der Tod tritt innerhalb von drei Tagen ein. Eine Heilung ist nur allmählich zu erwirken und gelingt in den seltensten 10 Fällen. Man wendet die gewöhnlichen Hilfsmittel an und speziell noch diese: zunächst die oben beschriebenen Gegengifte und dann 3411 mg Zypressen- und ebensoviel Myrtenfrucht. Diese stößt man klein und gibt sie in Zuckerwasser oder gesüßtem Wein; oder 6822 mg Osterluzei in 2, 73 1 gewöhnlicher Arzneimischung oder in verdünntem Essig; den Saft des Andorns, einen Tee von beiden mit Wein oder frischen Wachskuchen mit Essig. Auf die leidende Stelle muß man durch Öl erweich-20 ten Asbest, angefeuehteten Dosten oder fein geriebene Rinde von Eichenwurzeln und in Honig eingekochtes Gerstenmehl auflegen. Man benutzt auch die anderen Zugpflaster. Nic. ther. 359ft liegt eine Vermengung mit der Ringelnatter vor: denn nachdem er in poetischer Form den Verlauf der Krankheit ähnlich wie Philumenos geschildert hat, erzählt er, diese See-S. sei den Fröschen sehr feindlich, und fährt v. 367 fort:

Ἀλλ' ὄταν ὕδωρ
Σείριος ἀνήνησι, τρύγη θ ἐν πυθμενὶ λίμνης,
Καὶ τόθ’ ὄγ’ ἐν χέρσῳ τελέθει ψάφαρὸς τε καὶ ἄχρους,
Θάλπων ἠελίῳ βλοσυρὸν δέμας · ἐν δλ κελεύθοις Γλώσση ποιφύγδην νέμεται διψήρεας ὄγμους.

Daß er seine Kenntnisse aus Apollodor hat, beweist Aelian. hist. an. VIII 7, der diesen Iologen als Gewährsmann dafür angibt, daß man schon bei Berührung des χέρσυδρος (so ist statt χελνδρος zu lesen, das Hercher im Texte hat) an einer 40 fauligen Geschwulst sterbe; auch der Arzt, der einen solchen Kranken behandele, bekomme Pusteln an der Hand. Auch Aristoteles hat nach Aelian. hist. an. IV 57 bereits dasselbe ausgeführt und hinzugefügt, daß Gedächtnisstörungen, Blindheit, Raserei und sehr heftiges Zittern sich im Gefolge zeige, bis der Mensch am dritten Tage sterbe. - Wenn der Bemerkung bei Aelian. hist. an. XVI 8 von großen ὔδροι in stehenden Gewässern Indiens tatsächliche Beobachtung zugrunde liegt, kann die Boatrugnatter (Homalopsis buecata L.) gemeint sein.

35. Vipera, nur bei römischen Schriftstellern uns begegnend, bedeutet, wenn es nicht Übersetzung des griech. ἴχις oder ἐχώνα ist, die italienische Viper (Vipera aspis L.). Man kann bei der großen Ähnlichkeit der beiden südeuropäischen Vipern natürlich nicht immer mit Sicherheit feststellen, welche gemeint ist; daher ist alles Ungewisse bereit? oben unter nr. 7 behandelt. Verg. Georg. III 417 60 sagt von ihr, sie verstecke sich gern unter der Krippe des römischen Bauern und fliehe dann, wenn sie den Strahlen der Sonne ausgesetzt werde. Bei Mart. III 19 verbirgt sich eine in einem bronzenen Bärenkopf. Ihre Lagerstatt riecht schlecht, IV 4, 11. Von Vipern Gebissenen spielte man etwas auf der Flöte vor, Gell. N. A. IV 13. Veget. mul. II 143 behandelt die Frage, wa zu geschehen habe, wenn eine Viper ein [557] Tier gebissen hat. Er sagt: ,Das gewöhnlichste Mittel ist, Ameisenhaufen mit Wein zu vermischen und einzugeben oder wenigstens mit solchem Sande die Wunde einzureiben. Auch Maulwurfshügel sollen gut sein. Wenn unterwegs oder an Orten, wo Mangel an solchen Hilfsmitteln ist, der Unfall sich ereignet, zerstoße man 30 Pfefferkörner in 545, 8 ccm lauem Wein und lasse dies verschlucken; auch in Wein aufgelöste Satureja capitata soll helfen? V 78 spricht er sich noch dahin aus, daß man die noch warme Lunge eines Böckchens, Hahnes oder Lammes auflegen, auch Lauge aus der Asche der weißen Zaunrübe u. a. eingeben solle. Man zähmte auch diese Tiere, Mart. I 41, 7. ManiL astron. V 190. Es waren hauptsächlich Marser, die in der Kunst etwas leisteten, Gal. XI 143. Friedländer Sittengeschichte I 23. Sprichwörtlich ist Cic. har. resp. 50: Etiamne in sinu atque in deliciis quidam optimi viri viperam illam venenatam ac pestiferam habere potuerunt? von Clodius gesagt (eine Natter am Busen nähren); ähnlich viperam sub ala nutricare, Petron. 77, 1. Als Schimpfwort bei Iuven. VI 64 und Flor. IV 12, 87.

36. Χελιδονία, lat. chelidonia, ist vielleicht die Schwarzweiße Brillen-S. (Naja mela-noleuca Hall.), von den Griechen wegen der Farbenähnlichkeit mit der Schwalbe so genannt, Gal. XIV 235. Paul. Aeg. V 18. Philum. 16, 2 gibt ihre Länge zu 45 cm, Strab. XVII 823 gar nur zu 22 cm an; der Tod tritt 1–2 Stunden nach dem Bisse ein, Philum. 16, 4.

37. Χέλυδρος, lat. chelydrus, hauptsächlich bei römischen Schriftstellern, also trotz des griechischen Namens wohl eine in Italien lebende Wasser-S., die die Vipernatter (Tropido-notus viperinus Latr.) sein könnte. Sie ist nicht giftig, galt aber wohl wegen ihrer Ähnlichkeit mit der Viper dafür. Nach Verg. Georg. II 214 ist sie schwärzlich gefärbt und nagt gern an Kreide; III 415 gibt er an, daß man sie durch Anbrennen von Mutterharz ausräuchern könne. Nach Lucan. Phars. IX 711 dampft der Boden unter ihnen. Sil. It. III 316 spricht von medu-säischen S., vgl. Prudent. c. Symm. I 130. Heilung des Bisses nach Ceis. V 27, 8: ,Gegen den Biß der S. ist Möhrenwurz, der Saft von Thapsia silphium oder Porree in 272, 9 ccm Wein zu trinken und viel Bohnenkraut dazu zu essen. Auf die Wunde ist mit Essig versetzter Ziegenmist oder Gerstenmehl zu legen; auch Raute und mit Salz verriebene Katzenminze mit einem Zusatz von Honig.‘ - Was Nic. ther. 411 χέλυδρος nennt, könnte man dann auf die in Südosteuropa häufige Würfelnatter (Tropidonotus tessellatus Laur.) beziehen.

Χέρσυδρος s. ὕδρος.