Retiarii, Netzfechter, eine Gladiatorengattung, auf den Monumenten an ihrer Bewaffnung leicht kenntlich. Als Kleidung trugen sie eine Tunica (Suet. Cal. 30. Iuven. II 143. VIII 207) oder gleich andern Gladiatoren nur ein subligaculum, das auf den Monumenten sich gewöhnlich findet (Rev. arch. VIII 1851 Taf. 169 = Daremberg-Saglio II 2 Fig. 3578f.). Dagegen waren sie allein ohne Kopfbedeckung (Suet. Claud. 34. Iuven. VIII 203ff.). hatten aber etwa eine Kopfbinde, wie solche Galen de fasc. ' c. 23 XVIII a 797 beschreibt (Abb. Bull. Nap. IV Taf. 1). Zum Schutze diente ihnen überdies ein breiter Leibgurt, balteus (Rev. arch. a. a. O.), und Binden um die Beine (Daremberg-Sag-lio II 2 Fig. 3594). Da die r. des Schildes entbehrten, war ihr linker Arm von der manica, einer Art Ärmel aus Leder oder Metall, umhüllt. Von der manica erhebt sich auf Monumenten ein Stück bis über die Schultern, bisweilen (auf dem Mosaik von Bignor) in der Größe einest Flügels, womit sie ihr Haupt schützen konnten (Arch. Brit. XVIII,203. Rev. arch. V 562. VIII Taf. 169 = Daremberg-Saglio a. a. O. Fig. 3578). Henze n (Mus. Borgh. 113) erkannte darin den von Iuven. VIII 208 und Schol. erwähnten galerus, ebenso Garrucci (Bull. Nap. N. S. I 101. 103 tav. 7, 2. 4. IV tav. 1 mit Abb. von in Pompeii gefundenen galeri; vgl.
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Borb. IV Taf. 29, 1f. Rev. arch. V 8 Taf. 165. Caylus Rec. d'antiq. III Taf. 24, 2). Ein galerus ist wahrscheinlich auch der dritte neben Dolch und Dreizack dargestellte Gegenstand auf einem in Verona gefundenen Grabstein (CIL V 1,[1] 3466). Der galerus wurde indes nicht immer getragen, wie Darstellungen von r. zeigen (Rev. arch. VIII 1851 Taf. 169 = Daremberg-Saglio II 1 Fig. 3579. Henze n Mus. Borgh. Taf. 1. 3. 4). Die von Iuven VIII 208 genannte spira erklären die Scholien als eine Art Schnur, mit der die r. das geworfene Netz wieder zurückziehen konnten. Garrucci a. a. O. denkt sich diese Schnur einerseits am galerus, andererseits am Tau des Netzes befestigt, so daß sie vom erstem um die Brust der r. lief. Maier De glad. Rom. 30ff. halt die spira für das kreisförmig zusammengerollte Tau des Netzes (vgl. Fest. 444, 25 L. funis nauticus in orbem convolutus), das vor dem Wurfe an den linken Arm, wo sich der galerus befand, geführt werden mußte. Die den r. eigentümlichen Angriffswaffen sind Netz, Dreizack und Dolch. Das Netz, rete oder iaculum, wurde auf den Gegner geschleudert, um ihn damit einzuhüllen oder darin zu verstricken und so zu Falle zu bringen. Daher war es groß, so daß es den Gegner fast ganz bedeckte (Winckelmann Mon. incd. 197. Rev. arch. IX Taf. 183, 2. XVI 1852 p. 397. Arch. Brit. XVIII,203. Gori Inscript. III 99. Bull. Nap. 1853 tav. VII 12). Griechisch wird deshalb der r. δικτυοφόρος, δικτυοβόλος genannt (Gloss. Labb.). Da es auf den Monumenten oft fehlt, schloß Meier Athen. Mitt. 1890, 162, daß es nicht bei allen Kämpfen gebraucht wurde: nach Tsid. XVIII 54 trugen sie es verborgen. Die Waffe, die die r. auf den Monumenten am meisten kenntlich macht, ist die Thunfischharpune oder der Dreizack, fuscina (s. o. Bd. VII S- 405), tridens (Iuven. II 143. VIII 203. Suet. Cal. 30. CIL II 499.[2] III 2127.[3] V 563.[4] 1037. 3465. 4506. VI 10 169. 10 171. 10184. IX 466), gleich dem des Neptun (Mart. V 24, 12. Arnob. adv. nat. VI 12. Isid. XVIII 54). Ausnahmsweise hatten sie auch eine Lanze, so auf einem Fresko des Amphitheaters in Pompeii (Garrucci Bull. Nap. N, S. I 1853 TaL VII 5 = Daremberg-Saglio II 2 Fig. 8578). Den von Val. Mai. I 7, 8 erwähnten Dolch zeigen die meisten Monumente (Rev. arch. 50VIII 116. V 562. Garrucci Bull. Nap. 1865 p. 134 Daremberg-Saglio II 2 Fig. 2887. 3578. 3582). Das Interesse an den Kämpfen der r. erweckte die geschickte Handhabung des Netzes, das sie am Anfang in der Rechten hielten, während sie in der Linken den Dreizack führten (Gori Inscr. III 99. Arch. Brit. XVIII,203). Ihre gewöhnliche Taktik war, den Gegner von sich fern zu halten und von weitem das Netz über ihn zu werfen (Isid. XVIII 54f. Artem. J0 oneir. II 32). Hatten sie den Wurf verfehlt, so zogen sie sich zurück (Iuven. VIII 206) oder suchten das Netz wieder an sich zu ziehen (Schol. Iuven. VIII 208. Isid. XIX 4, 2. Garrucci Bull. Nap. N.S. tav. I 104. Meier De glad. Rom. 28–31) und es abseits wieder wurfbereit zu machen. Daher bedeutet der r. nach Artem. oneir. II 3 eine Frau καὶ φυγάδα καὶ ρθστὰ τῷ βουλομένῳ πλησιάζουσαν. Daß die r. gefähr-
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liehe Gegner waren, beweist das Sprichwort ferula contra retiarium (Mart. II praef. 9). Die r. kämpften auch gregatim (Suet. Cal. 30), jedoch nicht gegeneinander, sondern gegen die Galli oder murmillones (Val. Max. I 7, 8. Quint. VI 3, 61 mit der Verbesserung von Leemans Rev. arch. IX 82), Samnites (auf dem Mosaik von Bignor, Nennig und dem Borghesischen) und die secutores (Isid. XVIII 56. Suet. Cal. 30). Mit den letztem führten sie Kämpfe bis in die späteste Zeit aus (Μ e i e r De glad. 22); die Gegner der r. erhielten sogar den Namen eontrarete (s. o. Bd. IV S. 1163. Friedländer Sitteng. II 537). Ein Kampf zwischen einem r, und secutor ist abgebildet auf einem in Griechenland gefundenen Relief (Athen. Mitt. 1890, 162. Daremberg-Saglio II 2 Fig. 3582). Der erstere, nur mit dem balteus bekleidet, hält in der Linken Dolch und Harpune dem von unten anstürmenden, mit Helm und Schild bewehrten Angreifer entgegen, mit der Rechten erhebt er eine andere Waffe. Der erhöhte Standort, eine Art Gerüst, soll dem r. wohl den Mangel an Schutzwaffen ersetzen. Der Ursprung der r. und ihrer Kampfesart ist ungewiß. Das Werfen des Netzes im Kampfe ist schon auf einer antiken Paste dargestellt (Welcker Alte Denkmäler II Taf. 16, 32). Nach Diodor XVII 43 gebrauchten die Tyrier gegen die belagernden Mazedonier Dreizacke und Fischernetze. Wenig wahrscheinlich ist, daß der Zweikampf des Phry-non und Pittakos (Diog. Laert. I 74) das Vorbild der r.-Kampfe gewesen sei, wie Polyaen. I 25. Fest. 284 und Strab. XIII 1, 38 p. 600 annehmen, der deshalb noch den Dreizack hinzufügt (Welcker a. a. O.). Harpune und Netz waren wohl dem Fischfang entlehnt (Arnob. adv. g. VI 12. Mart. V 24, 2). Daher der Name eines r. Aequoreus (CIL X 1927).[5] Auf einem galerus von Pompeii sind eine Krabbe, ein Ruder, ein Anker und ein Delphin dargestellt (Bull. Nap. N. S. 1853 Taf. VII 2). Jedenfalls erweckten die Waffen der r. die Vorstellung des Fischfanges. Daher ihr Spottlied an die murmillones: Non te peto, piscem peto, quid me fugi’ Galle? (Fest. 358, 8L. Meinecke Progr. d. Joachimth. Gymn. 1851). Meier De gladiatura Romana, Bonn 1881. Friedländer Sitteng. II 5341 mit Literaturangaben, ebenso Daremberg-Saglio II 2, 1585ff.