RE:Scrinium
| Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft | |||
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| zylindrischer Kasten für Urkunden und Manuskripte | |||
| Band II A,1 (1921) S. 893–904 | |||
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| Register II A,1 | Register s | ||
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Scrinium, ein zylindrischer Kasten, wie er auf antiken Denkmälern wiederholt dargestellt ist (Daremberg-Saglio Dict. IV 1124), gewöhnlich aus dünnen, gebogenen Holzplatten gemacht (PHn. n. h. XVI 229. Joh. Lyd. de mag. III 35), in Bibliotheken, wo man die S. numerierte, auch aus Stein (Dessau 7629 = CIL VI 9885),[1] bestimmt, Buchrollen (Dig. XXXII 52 § 3. Plin. n, h. VII 108. Ovid. trist. I 1, 106; ex Pont. I 24. 6( Mart. I 2, 4. XIV 37), Manuskripte (Hör. sat. I 1, 120; epist. II 1, 113. Suet. Nero 47, 2. Mart« I 66, 6. IV 33, 1. VI 64, 10), Briefe und Urkunden (Sallust. Cat. 46, 6. Sen. de ira II 23, 4. Plin. n. h. VII 94. Val. Max. VI 5, 6. Plin. ad Trai. 65, 3. Hist. Aug. Alex. 31, 1. Iuven. VI 278), ausnahmsweise auch andere Gegenstände (scrinium unguentorum Plin. n. h. VII 108. XIII 3) [894] aufzubewahren. Vor Diocletian kommt das Wort ausschließlich in dieser Bedeutung vor, so noch bei Ulpian (Dig. XXXII 52 g 3. Wenn es bei Vict. Caes. 20, 33 von Papinian heißt: qum ferunt illo temporis Bassiani scrinia curavisse, so ist das Wort hier anachronistisch gebraucht). In dem Scriniarius, der Freigelassener eines Privatmanns ist (Dessau a. O.), werden wir daher wahrscheinlich den Bibliothekar desselben zu erblicken haben. Unter Nero erscheinen auch kaiserliche Freigelassene mit den Titeln scriniarius ab epistulis (Dessau 1671 = CIL X 527)[2] und scriniarius a libellis (Dessau 1675 - CIL VI 8617);[3] sie werden die Urkunden der betreffenden Kanzleien zu ordnen, zu registrieren und anfzubewahren gehabt haben. Aber da sie zu keiner anderen Zeit erwähnt weiden, scheint man diese untergeordnete Tätigkeit früher und später Sklaven übertragen zu haben, die nicht als Beamte galten.
Seit Diocletian auf eine feste Residenz verzichtet und die Kaiserhöfe zu Wanderlagern umgestaltet hatte, mußten die Koffer, in denen man die unentbehrlichsten Schriftstücke auf den Reisen mitführte, zu den Mittelpunkten der kaiserlichen Kanzleien werden und gaben ihnen daher den Namen, der bald auch auf die Kanzleien der Beamten übertragen wurde. Zum erstenmal ist das Wort s. in dieser neuen Bedeutung im J. 313 nachweisbar (Cod. Tbeod. VI 35, 1), und schon im J. 318 (Cod. Theod. 1 16, 3; über die Datierungen s. Seeck Regesten 82, 34. 57, 32) erwähnen die Kaiser neben den scrinia nostra auch die scrinia eminentissimae praefecturae (vgl. Cod. Theod. XI 28, 13). Merkwürdigerweise aber werden diejenigen, welche in den S. des Kaisers dienen, niemals scriniarii genannt, sondern in der Regel durch irgendeine Umschreibung bezeichnet, wie obsecundatores sacrorum scriniorum (Cod. Theod. VI 26, 3), in scriniis palatii militantes (Cod. Theod. VI 26, 8), qui intra nostra scrinia se devoverit (Cod. Theod. VI 35, 14), qui in scriniis laboraverunt (Cod. Theod. VI 26, 1), am häufigsten qui in sacris scriniis militant (Cod. Theod. VI 26 Überschrift, 5. 6. 7. 10. 15. 16. Nov. Val. 3, 4). Will man sie mit einem Wort bezeichnen, so nennt man sie memoriales nach dem vornehmsten S., auch wenn sie diesem nicht angehören (memorialis cuiuslibet scrinii Nov. Val. 19, 3; memorialium scrinia Cod. Theod. VIII 4, 21; memoriales de scriniis diversis Not. dign. oc. X 6; vgl. Cod. Theod. VI 35, 2. Epiph. haer, 71, 1. Ambros, epist. 20, 7 = M igne L. 16, 996). Der Titel scriniarius erscheint für die unmittelbaren Helfer des Herrschers selbst zu gemein und bleibt denjenigen vorbehalten, die irgendwelchen Beamten dienen (Cod. Theod. VIII 1 Überschrift), so den Praefecti praetorio (Cod. Theod. XI 5, 3. Joh. Lyd. de mag. III 85), den Magistri militum (Cod. Theod. VIII 1, 15. Not. dign. or. V 73. VI 76. VII 65. VIII 60. IX 55), dem Comes sacrarum largitionum (Cod. Theod. VI 30, 7. Not. dign. or. XIII 31; occ. XI 97), dem Comes rerum privatarum (Not. dign. or. XIV 13; occ. XII 36. Nov. Theod. V 3), dem Proconsul Asiae (Not. dign. or. XX 16), dem Consularis Syriae (Joh. Lyd. de mag. III 36), dem Dm Libyae (Cod. Theod. VIII 1, 16), den Comites thesaurorum (Cod. Theod. V 11I 7, 14). Es ist [895] zu beachten, daß diese Zeugnisse sich fast alle auf den östlichen Reichsteil beziehen; im westlichen finden sich scriniarii nur bei den Comites sacrarum largitionum und rerum privatarum (Not. dign. occ. XI 97. XII 36; unsicher Dessau 8728 = CIL XV 7178).[4] Dies weist darauf hin, daß nach der Teilung des Reiches, d. h. nach dem J. 395, irgendeine Änderung in der Organisation oder auch nur in der Titulatur eingetreten ist; doch welcher Art sie war, vermag ich nicht zu erkennen.
Innerhalb der S. rückte man nach dem Dienstalter auf (Cod. Theod. VI 26, 11. 14. 17) und konnte für Urlaubsüberschreitung und andere Vergehen dadurch bestraft werden, daß man einer bestimmten Anzahl Hintermänner nachgestellt wurde (Cod. Theod. VII 12, 2), ganz nach den gleichen Grundsätzen, wie bei den Agentes in rebus (s. o. Bd. I S. 777, 27). In den vornehmsten S., den kaiserlichen, die dem Magister officiorum untergeben sind (Not. dign. or. XI 13 –16; occ. IX 10–13. - Cod. Theod. VI 26, 6. 11. 17 sind daher an den Magister officiorum gerichtet), bezeichnet der Titel exeeptor einen niedrigen Rang (Cod. Theod. VI 26, 16), die höchsten bekleiden der Melloproximus (Cod. Theod. VI 26, 16. 17) und der Proximus (Cod. Theod. VI26,11.17), der offenbar danach benannt ist, daß er dem Magister scrinii am nächsten steht. Denn dieser geht nicht aus dem S. hervor, sondern wird von außen her an dessen Spitze gestellt. Der Proximus scheint anfangs solange im Amte geblieben zu sein, wie es dem Kaiser gut schien. Doch schon vor dem J. 379 war bestimmt, daß er nach drei Jahren abdanken müsse, um das Aufsteigen der Hintermänner zu beschleunigen (Cod. Theod. VI 30, 3. 14. 26, 6), und dieser Zeitraum wurde 396 im östlichen Reichsteil auf zwei Jahre (Cod. Theod. IV 26, 6. 30, 14), 397 im westlichen auf ein Jahr herabgesetzt (Cod. Theod. VI 26, 11), und diesem Beispiel folgte man 416 auch im Orient (Cod. Theod. VI 26, 17). In beiden Reichsteilen sollte das Ausscheiden des Proximus und das allgemeine Vorrücken seiner Hintermänner am Geburtstage des Kaisers stattfinden (Cod. Theod. VI 26, 11. 17).
Die Beamten der kaiserlichen S. nehmen an den Sitzungen des Consistoriums nicht regelmäßig teil, da hier die Protokollierung nicht ihnen, sondern den Notaren obliegt (s. Notarii), aber sie werden oft zu diesen geheimen Verhandlungen hereingerufen, um die Aufträge, die sich ausilinen ergeben, entgegenzunehmen (Cod. Theod. VI 26, 5). Denn ihre Aufgabe ist es, die Briefe des Kaisers zu stilisieren (Cod. Theod. XI 16, 14. Not. dign. or. XIX; occ. XVII), also auch die Gesetze, die ja meist in Briefform abgefaßt wurden (Cod. Theod. VI 26, 3. Rufin, h. e. XI 16. Sozoro. VII 13, 5). In diesem Sinne bezeichnet Victor (Caes. 20, 33) anachronistisch den Juristen Papinian als Vorsteher der kaiserlichen S., und der Quaestor sacri palatii, der die Gesetze zu formulieren hat, entnimmt den S. seine Gehilfen nach eigener Wahl (Not. dign. or. XII 6; occ. X 6). Da der Brief als Kunstform gilt, werden meist literarisch bewährte Männer zu Leitern der S. ernannt, wie der Redner Eumenius (s. o. Bd. VI S. 11091, die Historiker Eutropius (s. o. Bd. VI 8. 1522) [896] und Rufius Festus (s. o. Bd. VI S. 2257), der Sophist Nymphidianus (Eanap. vit. soph 497)-Nicht nur ihr eigenes Amt, sondern auch das ihrer Untergebenen ist daher von dem Glorienschein umstrahlt, den das sinkende Altertum allen literarischen Leistungen zuerkannte (Cod. Theod. VI 26, 1. 14. Nov. Val. 27, 1. Symmach. epist. VII 60, 2), was in der Steigerung ihres Ranges und ihrer Privilegien deutlich hervortritt.Zu Anfang des 4. Jhdts. sind die Magistri scriniorum noch viri perfectissimi (Dessau 1459 = CIL V 8972),[5] gehören also dem Ritterstande an, und um das J. 355 kann es noch als Beförderung gelten, wenn ein Magister memoriae zum Vicar ernannt wird (Dessau 4152 = CIL VI 510;[6] über die Zeit s. Amm. XV 5, 4). Doch im J. 372 werden die magistri scriniorum über die Vicare erhoben (Cod. Theod. VI 11), d. h. sie stehen mit dem Titel vir spectabilis den 20Proconsuln gleich und werden ihnen demgemäß in der Notitia dignitatum vorangestellt (or. XIX; occ. XVII), weil hier bei gleichem Range das Hofamt dem Provinzialamt vorgeht. Die Proximi sind im J. 381 viri clarissimi haben also schon senatorischen Rang, werden aber bei Abgang den Vicaren gleichgestellt, also zu viri spectabiles erhoben (Cod. Theod. VI 26, 2), und erhalten im J. 386 diesen Rang schon beim Antritt des Proximats (Cod. Theod. VI 2, 23. 26, 4.10.11.17).Der Titel eines comes tertii ordinis wird ihnen anfangs als persönliche Gunst verliehen (Cod. Theod. VI 26, 10; vgl. 17); seit 416 ist die Würde des comes secundi ordinis regelmäßig mit ihrer Rangstufe verbunden (Cod. Theod. VI26,17. 18). Den folgenden Altersstufen vom Exceptor bis zum Melloproximus wird 410 der Clarissimat verliehen (Cod. Theod. VI26,16), nachdem sie vorher viri perfectissimi gewesen waren (CIL VI 8620).[7] Sie alle haben das Recht, ungehindert in die 40 Amtslokale der Statthalter einzutreten und neben ihnen Platz zu nehmen (Cod. Theod. VI 26, 5. 7. 16). Auch wer es nicht bis zum Exceptor gebracht hat, wird seit dem J. 396 nach zwanzigjährigem Dienst bei seinem Abgänge mit consu-larischem Range in den Senat aufgenommen (Cod. Theod. VI 26, 7–9). Dazu wird denjenigen, welche aus den S. hervorgegangen sind, von den Leistungen, denen die Senatoren unterliegen, ganz oder teilweise Immunität gewährt (Cod. Theod.VI 2, 23. 26, 3. 7. 8.12-15. XI16,14,18,1). Was aber das Wichtigste ist, wer nach einem Gesetz vom J. 326 zwanzig Jahre in den S. gedient hat (Cod. Theod. VI 27, 1; über die Datierung s* Seeck Regesten 42, 40), nach einem Gesetz vom J. 362 fünfzehn Jahre (Cod. Theod. VI 26, 1. 7. 35, 14. Nov. Val. 3, 4), der ist von den Pflichten des Decurionats befreit, auch wenn er durch Geburt ihm angehört.
Die drei ältesten der kaiserlichen Kanzleien, 60 die schon lange vor Diocletian, wenn auch nicht unter dem Namen scrinia, bestanden haben, sind die scrinia memoriae, epistularum und libellorum. Ihre Beamten galten dem Range nach als gleich; aber da sic ganz regelmäßig in dieser Reihenfolge aufgezählt werden (Not. dign. or. XI 13–16. XIX; occ. IX 10–13. XVII. Cod. Theod. VI 26, 1. 4. 7. 12. 16, 17. 35, 1. 3. XI 16, 14) und es um die Mitte des 4. Jhdts. vorkommt, [897] daß ein Mann vom ‘magister libellorum zum magister epistularum und dann zum magister memoriae befördert wird (Dessau 4152 = CIL VI 510),[6] wird die Memoria doch wohl höher geschätzt sein, als die Epistulae, und diese höher als die Libelli. Einen Magister epistularum Graecarum gibt es nur im östlichen Beichsteil (Not. dign. or. XIX 5. 12), wo er zuerst unter Kaiser Iulian nachweisbar ist (Eunap. vit. soph. 497); doch besaß er wohl kein eigenes S., sondern war auf das s. epistularum angewiesen. Denn in den Aufzählungen der S. kommt auch in der Notitia dignitatum orientis (XI13-16) und in orientalischen Gesetzen niemals ein s. epistularum Graecarum vor (Cod. Theod. VI 26, 17: in tribus soriniis memoriae epistularum libellorumque; vgl. 26, 1. 4. 7. 12). Umgekehrt gibt es für die dispositiones keinen Magister von gleichem Bange und gleicher Art, wie die anderen magistri scriniorum, wohl aber ein S. Doch läßt sich dieses nicht vor dem J. 397 nachweisen (Cod. Theod. VI 26, 10. Not. dign. or. XI 16; occ. IX 11); im J. 362 scheint es noch eine Abteilung des s. memoriae gebildet zu haben (Cod. Theod. VI 26, 1).
Die Kompetenzen der einzelnen S. klar zu scheiden, ist mit dem vorhandenen Quellenmaterial nicht möglich; auch dürften sie vielfach ineinandergeflossen sein. So heißt es von allen Magistri scriniorum mit einziger Ausnahme des magister epistularum Graecarum, daß sie Bittschriften zu bearbeiten haben (Not. dign. or. XIX 7. 9. 11; occ. XVII 11–13), und der Quaestor wählt sich seine adiutores unterschiedslos aus allen S. (Not. dign. or. XII 6. X 6), Gleichwohl stellen wir hier zusammen, was uns über jedes einzelne bekannt geworden ist.
1. Scrinium memoriae.
In der Notitia dignitatum (occ. XVII 11, vgl. or. XIX 6) heißt es: Magister memoriae adnotationes omnes dictat et emittit; respondet tamen et precibus. Wie schon oben (Bd. I S. 382) dargelegt ist, bedeute Adnotatio die Urkunde, durch die einem einzelnen ein kaiserlicher Gnadenbeweis gewährt wird. Daraus erklärt sich der eigentümliche Titel des Magister memoriae. Seine vornehmste Aufgabe ist, dem Kaiser in die »Erinnerung* zu rufen, was er versprochen hat und warum er gebeten ist (respondet precibus). Dazu stimmt es, daß ein kaiserlicher Brief einem Proximus des Officium Memoriae nachrühmt, er habe den Herrscher bei seiner indulgentia unterstützt und dazu beigetragen, ihm Liebe zu erwerben (CIL VI 8619),[8] und daß ein Aurelius Symphorus Augusti libertus officialis vetus a memoria et a diplomatibus genannt wird (Dessau 1678 = CIL XI 727);[9] denn die Diplomata des 3. Jhdts. sind den Adnotationes der späteren Zeit nah verwandt, ja fallen teilweise mit ihnen zusammen (s. o. Bd. V S. 1158). Namentlich wird erwähnt, daß Ernennungen zu Offiziersstellungen teilweise aus dem S. memoriae hervorgingen (Cod. Theod. I 8, 1. 2). Die älteste Erwähnung eines entsprechenden Amtes ist Dessau 1672 = CIL VI 8618;[10] hier wird ein Aelius Cladeus a memoria et cubiculo Augusti genannt, der, wie sein Name zeigt, ein Freigelassener Hadrians war. Seine Stellung war eine sehr bescheidene; denn er war zugleich [898] Kammerdiener (ά cubiculo), in welcher Eigenschaft er freilich am besten dazu geeignet war, den Herrscher schon gleich beim Ankleiden an die untergeordneten Kleinigkeiten der bevorstehenden Tagesgeschäfte zu ,erinnernd Dieselbe Verbindung findet sich dann auch unter Septimius Severus (Dio LIIVI 14, 2 von Kastor: ὄδτος ôè ἀνὴρ ἄριστος τῶν περὶ τὸν Σεονηρον Καισαρειῶν ἤν καὶ ἐπεπίστευτο τὴν τε μνήμην καὶ τὸν κοιτώνα) und ebenso unter Caracalla bei Marcius Festus (CIL XIV 3638),[11] der als τῶν ἀνελεύθερων φίλτατος des Kaisers bezeichnet wird (Herodian. IV 8, 4; vgl. o. Bd. VI S. 2255, 33). Bei diesem scheint der Name, der für einen Freigelassenen des Kaisers durchaus ungewöhnlich ist, darauf hinzuweisen, daß er in den Ritterstand erhoben wurde. So wurde das Amt ein ritterliches und erscheint später nicht mehr mit der Stellung eines Kammerdieners, sondern mit 20 dem höchsten Rechnungsamt verbunden, das ja die Gnadengeschenke des Kaisers durch ihren Einfluß auf die Finanzen sehr nah angingen (CIL XIV 2463:[12] Marco Aurelio Juliano a rationibus et a memoria). Die Erwähnungen des Amtes bei den Script, hist. Aug. finden sich alle an Stellen, die der Fälschung dringend verdächtig sind (Pese. Nig. 7, 4; Alex. Sev. 31, 1; Carus 8, 4), dürfen also nur mit Vorsicht benutzt werden.
Genügte anfangs ein Kammerdiener, um die 30,Erinnerung¹ des Kaisers zu schärfen, so umgibt ihn im 3. Jhdt. eine ganze Kanzlei (CIL VI 8619:[8] officium memoriae, Dessau 1678: vetus officialis. CIL XIV 4062:[13] ein siebzehnjähriger adlectue a memoria). Die Offizialen derselben mit einziger Ausnahme ihres Vorstehers scheinen noch bis auf Diocletian Freigelassene gewesen zu sein (a. a. O.); später werden sie erst Viri perfectissimi (CIL VI 8620),[7] um dann immer höher zu steigen, wie das oben schon dargestellt 40 wurde.
Es ist bezeichnend für den Geist der sinkenden Kaiserzeit, daß dies S., das nicht den staatlichen Interessen, sondern der Gunst und Gnade des Herrschers dient, im 4. Jhdt. zum vornehmsten von allen wird. Die Stellung eines Magister Memoriae ist daher oft die Vorstufe für die höchsten Ämter (Dessau 1255. 1279. Amm. XXVII 6, 14). Da sie oft mit literarischen Größen besetzt wird, beschäftigt man diesen Magister 50 nicht nur mit der Ausstellung von Adnotationes, sondern auch mit der Formulierung von Gesetzen (Rufin, h. e. XI 16. Sozom. VII 13, 5. 6).
2. Scrinium epistularum.
Die Notitia Dignitatum (or. XIX 8; occ. XVII 12) schreibt: Magister epistularum legationes civitatum et consultationes et preces tractat. Außer der Beantwortung der Bittschriften, die allen Magistri scriniorum gemeinsam ist, hatte also der Magister epistularum den Gesandtschaften, durch welche 60 die Städte ihre Wünsche dem Kaiser zu übermitteln pflegten, schriftlich Bescheid zu erteilen und die Reskripte abzufassen, durch welche Anfragen von Beamten oder Prozeßparteien über strittige Rechtsfragen entschieden wurden. Dieselbe Kompetenz besaß der ab epistulis schon zur Zeit des großen Caesar. Denn Pompeius Trogus erzählte von seinem Vater sub C, Caesare militasse epistularumque ac legationum, simul [899] et anuli curam habuisse (Iustin. XLIII 5, 12), und aus dem Ende des 1. Jhdts. wird uns von dem Grammatiker Dionysios berichtet: ἐπὶ τθν ἐπιστολῶν καὶ πρεσβειῶν ἐγένετο καὶ ἀποκριμάτων (Said. s. Διονύσιος Ἀλεξανδρεῦς). Die Geschichte dieses Amtes bis zum Ende des 3. Jhdts. ist schon von Rostowzew (o.Bd.VIS.210) genügend behandelt. Im vierten scheint sich nichts Wesentliches an ihm geändert zu haben, außer daß es aus der beherrschenden Stellung, die es vorher im kaiserlichen Hofhalt eingenommen hatte, durch den Einfluß des Magister memoriae in den zweiten Bang zurückgedrängt wird.
Magister epistularum graecarum eas epistulas, quae graeee solent emitti, aut ipse dictat aut latine dictatas transfert in graeeum (Not. dign. or. XIX 12). Daß er nur im Östlichen Reichsteil vorkommt und kein eigenes S. besitzt, ist schon oben bemerkt worden. Der Grund liegt ohne Zweifel darin, daß sich die Kaiser auch in Constantinopel, obgleich dort die griechische Sprache die herrschende war, für ihre Korrespondenz doch des offiziellen Lateins zu bedienen pflegten, also die Absendung griechischer Briefe Ausnahme blieb. Dies gilt freilich nur für die Zeit, in der die Notitia Dignitatum entstanden ist, deren orientalischer Teil wohl noch bis in das Ende des 4. Jhdt. zurückreicht. Später dürfte es anders geworden sein.
3. Scrinium libellorum.
Unter den zahlreichen Bedeutungen des Wortes libellus scheint hier namentlich an die der Klageschrift gedacht zu sein; denn von dem Magister libellorum heißt es (Not. dign. or. XIX 11; occ. XVII 13): cognitiones et preces tractat, und sein voller Titel lautet: magister libellorum et cognitionum sacrarum (Dessau 4152 = CIL VI 510)[6] oder magister scrinii libellorum sacrarumque cognitionum, was übersetzt wird durch ἄντιγραφευς τοῦ ὑείον σκρινίου τῶν τε ὑείων λιβέλλων καὶ τῶν βασιλικῶν διαγνώσεων (Iustin. de confirm. digest. 9). Die Hauptaufgabe des S. besteht also darin, bei Ausübung der kaiserlichen Gerichtsbarkeit die Protokolle zu führen (Cod. Tust. III 24, 3 pr) und die Richtersprüche des Kaisers schriftlich zu formulieren, weshalb man gern angesehene Advokaten (Dessau a.O.: causarum non ignobilis Africani tribunalis orator et in consistorio principum; 1214: fisci advoeato per Italiam) oder gelehrte Juristen, wie Arcadius CharLius (Dig. I 11), zur Stellung eines Magister libellorum berief. (Auch bei Dardanus, über den Bd. IV S. 2179, 44 zu vergleichen ist, mag die Anrede vir ruditissime bei Hieron. epist. (29, 8 auf juristische Kenntnisse hinweisen). Ganz dieselben Funktionen aber hatte dieser Beamte auch schon, ehe er Magister genannt wurde, sondern nur a libellis hieß. Denn im 2. Jhdt heißt M. Aurelius Papirius Dionysius ἐπὶ βιβλειδίων καὶ διαγνώσεων τοῦ Σεβαστου und wird ausdrücklich als iurisperitus bezeichnet (Dessau 1455 = CIL X 6662),[14] und dieselbe Stellung bekleideten im 3. Jhdt. die berühmten Rechtelehrer Papinian (Dig. XX 5, 12) und Ulpian (Hist. aug. Pese. Nig. 7, 4). Wenn Tryphonianus (Dig. a. O.) schreibt: reseriptum est ab imperatore libellos agente Papiniano, so ist unverkennbar, daß er den a libellis als den eigentlichen Verfasser der kaiserlichen Rechtsentscheidung betrachtet. [900] Mit Sicherheit nachzuweisen ist das Amt nicht vor Nero (Suet Nero 49, 3; vgl. Dessau 1676 = CIL VI 8617);[3] denn bei denjenigen, die Friedländer Darstellungen aus der Sittengeschichte Ronis I⁸ 179 vorher als Inhaber desselben aufzählt, ist der Titel nicht genannt; ja Polybius wird bei Suet. Claud. 28 ausdrücklich als ab studiis bezeichnet, und die Verdienste, die Senec. cons. ad Polyb. 2, 5. 6, 3. 8, 2. 11, 5 10 ihm nachrühmt, sind durchaus literarischer, nicht juristischer Art, wenn man nicht etwa den Preis seiner iustitia anführen will. Der Satz (6, 5): audienda sunt tot hominum studia, tot disponendi libelli genügt jedenfalls nicht, um einen a libellis in ihm zu erkennen, weil das Wort libellus ja auch neben der technisch juristischen noch viele andere Bedeutungen hat. Noch weniger ist ὁ τὰ τῆς ἄρχης βιβλία Ôdntov bei Dio LXI 5, 4. LXVII 15, 1 auf dieses Amt zu beziehen, 20 weil die Libelli, die sein Titel nennt, keineswegs kaiserliche Bücher, sondern private Klageschriften j waren. So ist auch in der Titulatur der Spätzeit niemals von sacri libelli, sondern nur von sacrae cognitiones die Rede (Dessau 1459. 4152. Iust. de confirm. digest. 9|. Unter Nero bekleidet ein Freigelassener das Amt (Suet. Nero 49, 3). Vitellius überträgt es einem Ritter (Dessau 1447 = CIL XI 5028),[15] unter den Flaviern gelangt es wieder an die Freigelassenen des Kaisers (Dessau1674 = CIL VI 8614),[16] um seit Hadrian dauernd ritterlich zu werden. Nur sein Kanzleipersonal, wie der adiutor a libellis (CIL VI 8615),[17] besteht) auch später aus Freigelassenen, bis wahrscheinlich ( erst unter Diocletian auch dieses zu der Vor- ⁵ nehmheit aufsteigt, von der wir oben schon gesprochen haben. Doch bleibt auch noch unter dieser Regierung der Magister sacrarum cognitionum, der jedenfalls mit dem Magister libello-, rum identisch ist, ein vir perfectissimus (Des-sau 1459 = CIL V 8972).[5]
4. Scrinium dispositionum.
Der Kompetenzkreis dieses S. ist schwer zu bestimmen; denn wenn ' Cod. Theod. VI 26, 9 von seinen Beamten gesagt wird, sie seien diejenigen, a quibus dispositionum I nostrarum norma seriesque servatur, so lernen wir daraus nicht viel mehr, als aus dem Titel. Als Dispositiones des Kaisers werden Hist. aug. Alex. 45 zunächst seine Reisepläne bezeichnet: „lila die, illa hora ab urbe sum exiturus et, » 50«® di voluerint, in prima mansione mansurus; deinde per ordinem mansiones, deinde stativae, deinde ubi annona esset accipienda. Namentlich das zuletzt Genannte, an welchem Orte die Lebensmittel für den Herrscher und sein Gefolge bereitzustellen waren, erforderte jedenfalls längere Vorbereitungen. Die Ausarbeitung der kaiserlichen Reisepläne dürfte danach dem S. dispositionum obgelegen haben. Vgl. Cod. Theod VIII 5, 3. Hist. aug. Gord. 28, 2. 29, 2. Anim. XIX 11, 3.Doch werden auch die Bestimmungen über die Verpflegung Roms (Cod. Theod. XIII 5, 6. 10. Hist. aug. Aurel. 47, 4) und anderer Residenzen ¹ (Amm. XIV 7, 5), über die Auflage der Steuern (Cod. Theod. XI 16, 10. 20, 6 § 3. XVI 2, 15), über Verwendung der Amtslokale Cod. Theod. XV 1, 8), über Ernennung von Beamten Hist. aug. Alex. 45, 6) als kaiserliche Dispositiones bezeichnet.
Vielleicht war also die Aufstellung des täglichen [901] Arbeitsplanes für den Kaiser und seinen Hof die Aufgabe dieses S. Jedenfalls steht es fest, daß es nicht dazu berufen war, Schriftstücke abzu-fassen, bei denen auf den Stil Wert gelegt wurde. Cod. Iust. XII 19, 8: proximos sacrorum scriniorum, quos fides ac diuturnae observationis industria litterataque militia, comitem quin etiam dispositionum, quem probitas ac strenuitas merito commendat. Darin liegt doch, wie schon Gothofredus zu Cod. Theod. VI 26, 1 bemerkt hat, daß der Dienst im S. dispositionum keine litterata militia war. Daher wird auch nicht, wie bei den andern drei 8., eine literarisch oder juristisch bewährte Kraft als Magister an seine Spitze gestellt, sondern sein Vorstand geht, wie bei den anderen S. die Proximi, durch allmähliches Aufdienen aus ihm selbst hervor. Er führt den Titel anfangs Magister dispositionum (Cod. Theod. VI 26, 2), dann, um ihn von den ganz anders bestellten Magistri der anderen drei S. zu unterscheiden, primus dispositionum (Cod. Theod. VI 26, 14), nicht proximus, weil eben kein Magister vorhanden ist, dem er der „Nächste‘ sein könnte. Aber da ihm mindestens seit 397 regelmäßig die Würde eines Comes verliehen wird (Cod. Theod. VI 26, 10. 12. 14), anfangs wohl tertii ordinis (Cod. Theod.VI 26, 17), seit 426 secundi ordinis (Cod. Theod. VI26,18), wird er gewöhnlich Comes dispositionum genannt (Cod. Theod. VI 2, 23. VI 26 Überschrift. 12. 18. XI 18). An Ehren und Privilegien steht er nicht den Magistri, sondern den Proximi der anderen drei S. gleich (a. a. O.).
Im J. 362 scheint das S. dispositionum noch eine Unterabteilung des S. memoriae gebildet zu haben (Cod. Theod. VI 26, 1). Mindestens seit 381 ist es selbständig (Cod. Theod. VI 26, 2), doch steht es in der Notitia Dignitatum des Westreiches (IX 11) noch immer unmittelbar hinter dem S. memoriae, also an zweiter Stelle, obgleich es als nicht litterata militia an Würde und Ansehen auch hinter den S. epistularum und libellorum zurückbleibt. In der Notitia Dignitatum des Orients ist ihm dementsprechend die letzte Stelle zugewiesen (XI 16).
Bei jedem Beamten, der ein Officium besitzt, sollte man annehmen, daß es innerhalb desselben auch ein S. gegeben habe, und das umsomehr als die Richtersprüche in 8. aufbewahrt (Cod. Theod. XV 14, 8) und in ihnen der Codex Theodosianus als Quelle des Rechts niedergelegt wurde (Cod. Theod 11, 5. Gesta de recip. cod. Theod. 7). Doch in dem Verzeichnis der Duces Africae vom J. 534 werden in ihren Officia keine S. genannt (Cod. Just. I 27, 2) und auch in der Notitia Dignitatum erscheinen sie unter diesem Namen nur ausnahmsweise. Man könnte meinen, daß sie durch die Exceptores, die hier fast in keinem Officium fehlen (Seeck Notitia Dignitatum 304), dargestellt seien; denn solche finden sich in den kaiserlichen S. (Cod. Theod. VI 26, 16), und ein S. exceptorum begegnet uns bei dem Comes sacrarum largitionum (Cod. Iust XII 23, 7, 2. Cod. Theod. VI 30, 7. X 20, 18; vgl. Not. dign. or. XIII 32; occ. XI 98) und dem Comes rerum privatarum (Cod. Theod. VI 30, 5). Doch bei den Magistri militum des östlichen Reichsteils sind die Scriniarii ausdrücklich von [902] den Exceptores geschieden (Not. dign. or. V 73. 74. VI 76. 77. VII 65. 67. VIII 60. 61. IX 55. 56), und bei dem iustinianischen Praefectus praetorio Africae bilden diese eine Schola, kein S. (Cod. Inst. I 27, 1, 28). Worin der Unterschied besteht, ist mir freilich unklar. Auch bei den Numerarii, die in fast allen Officia vorkommen (Seeck Notitia Dignitatum 305), wird das inservire scriniis als ihre Aufgabe bezeichnet (Cod.Theod. VIII 1, 8). Übrigens ist Bedeutung und Kompetenz der einzelnen Ämter, die uns innerhalb der Officia genannt werden, noch so wenig aufgeklärt, daß sich auch Über ihre Kanzleien nichts Bestimmtes sagen läßt. Wir begnügen uns daher, die S., die unter diesem Namen ausdrücklich überliefert sind, in alphabetischer Reihenfolge aufzuzählen, wobei wir allerdings auf Vollständigkeit keinen Anspruch machen können.
1. S. Ab actis mit 10 Beamten, bei dem 20 iustinianischen Praefectus praetorio Africae. Cod. Iust. I 27, 1, 26.
2. S, arcae mit 20 Beamten, bei demselben. Cod- Iust. I 27, 1, 37. Ihm muß die Buchführung über die Einkünfte der praefectorischen Kasse obgelegen haben.
3. S. ab algento Cod. Iust. XII 23, 7, 16. Not dign. occ. XI 95. S. argenti Not. dign. or. XIII 29 unter dem Comes sacrarum largitionum. Es führte Buch über das ungemünzte Silber des 30 Schatzes, während das gemünzte in die Kompetenz des S. a miliarensibus fiel, s. nr. 21.
4. S. aureae massae Cod. Iust, XII 23, 7, 7. Not. dign. or. XIII 26; occ. XI 92 unter demselben; buchte das ungemünzte Gold.
5. S. auri ad responsum Cod. Iust. XII 23. 7, 11. Not. dign. or. XIII 27; occ. XI 93 unter demselben; buchte das gemünzte Gold, das zur »Antwort* auf Zahlungsforderungen bereit stand.
6. S. barbarorum Cod. Iust XII 20, 5. 29, 40 1, 1 - Nov. Theod. 21, 2 unter dem Magister officiorum des östlichen Reichsteils. Da es dafür bestraft wird, wenn in den Scholae palatinae das Avancement nicht ordnungsmäßig ist, muß es die Matrikel derselben geführt haben. Der Name würde sich also daraus erklären, daß die Scholae sich, wenn nicht ausschließlich, so doch vorzugsweise aus angeworbenen Barbaren zusammensetzten.
7. Primiscrinius beneficiorum Not. dign. or.XIV 10; occ. XII 82 unter dem Comes rerum privatarum, durch den die Schenkungen des Kaisers gingen (s. o. Βφ IV S. 666, 29); mit ihnen wird dies S. zu tun gehabt haben (vgl. Nov. Theod. 5, 3).
8. S. canonum. Es gibt deren zwei, eines unter dem Comes sacrarum largitiorum (Cod. Iust. XII 23, 7, 5. Cod. Theod. VI 30, 7. X 20, 13. 18. Not. dign. or. XIII 23; occ. XI 89), ein anderes unter dem Comes rerum privatarum (Not.dign. or. XIV 11; occ. XII 33). Wie der Name besagt, batten sie über die regelmäßigen Zahlungen, die für jenen die Untertanen im allgemeinen, für diesen die Pächter der kaiserlichen Domänen leisten mußten, Buch zu führen (vgl. o. Bd. III S. 1486).
9. S. chartularii Not. dign. or. XVII 10; occ. XV 11 unter dem Castrensis sacri palatii; vgl. o. Bd. III S. 2193. [903]
10. Scrinia comitisrerum privatarum (Cod. Theod. XI 20, 4 § 2. VH12, 2. Nov. Theod. 5, 3). Es gibt ihrer vier oder fünf, die unter den Nummern 7. 8. 15. 18. 31 besprochen sind.
11. Scrinia comitis sacrarum largitionum (Cod. Theod. VI2,13. 30, 7. VII 12, 2. Nov. Valent. 7, 1, 1). Die Notitia Dignitatum zählt ihrer neun, oder wenn wir die Exceptores mitrechnen, zehn auf, die unter den Nummern 3–5. 8. 15. 21. 23. 26. 33. 34 besprochen sind; in der Notitia Cod. Iust. XII 23, 7 kommt noch ein elftes (nr. 22) hinzu.
12. Seriniarii comitum thesaurorum. Cod. Theod. VIII 7, 14.
13. S. commentariensis mit zwölf Beamten unter dem iustinianischen Praefectus prateorio Africae (Cod. Inst. I 27, 1, 25), hatte wahrscheinlich das Gefängnisjournal zu führen (vgl. o. Bd. IV 8. 761).
14. Seriniarii ducis Libyae. Cod. Theod VIII 1, 16.
15. S. exceptorum, eins beim Comes sacrarum largitionum (Cod. Iust. XII 23, 7, 2. Cod. Theod. VI 30, 7. X 20, 18. Not. dign. or. XIII 32; occ. XI 98), ein anderes vielleicht beim Comes rerum privatarum (Cod. Theod. VI 30, 5).
16. S. fabricarum unter dem Magister officiorum. Cod. Iust. XII 20, 5.
17. S. largitionum comitatensium (Cod.Theod. VI 30, 7) s. nr. 11.
18. Primiscrinius largitionum privatarum steht unter den 8. des Comes rerum privatarum an letzter Stelle (Not. dign. or. XIV 13; occ. XII 35).
19. S.' libellorum, außer dem kaiserlichen gibt es auch eines unter dem Praefectus praetorio Africae mit sechs Beamten (Cod. Iust. I 27, 1, 27), das wohl auch zur Entgegennahme und Buchung von Klageschriften bestimmt war.
20. Seriniarii erscheinen bei den Magistri miEtum des orientalischen Reichsteils in allen Officia, welche die Notitia Dignitatum aufzählt (or. V-IX; vgl. Cod.Theod. Vin 1, 15), an ihrer Spitze primiscrinii qui numerarii fiunt. Doch fehlen diese bei dem Magister militum per Orien-tum und sind durch einen Adiutor ersetzt (or. VII 64). Im Westreich fehlen die Seriniarii, und nur bei dem Magister equitum praesentalis erscheint ein Primiscrinius (occ. VI 89).
21. S. a miliarensibus unter dem Comes sacrarum largitionum (Cod Iust. XII 23, 7, 12. Not. dign. or. XIII 30; occ. XI 96) zur Buchung des gemünzten Silbers; vgl. nr. 3.
22. S. mittendariorum unter demselben (Cod. Iust. XII 23, 7, 6. Cod. Theod. VI 30, 7), wahrscheinlich zur Buchung der Geschenke, welche den Beamten bei ihrem Austritt aus dem Dienste gewährt wurden (vgl. Cod. Theod. VI 30, 23).
23. S. numerorum unter demselben (Cod. Iust. XII 23, 7, 3. Cod. Theod. VI 30, 7. Not. dign. or. XIII 25; occ. XI 91), wahrscheinlich zur Buchung der Geldgeschenke an die Truppen.
24. S. operum (τὸ τῶν ἔργων ὀκρίνιον) mit 20 Beamten unter dem Praefectus praetorio von Africa (Cod. Iust. I 27, 1, 36. Joh. Lyd. de mag. I 34), wohl bestimmt, die Fronden zu buchen, welche man von den Untertanen forderte.
25. S. palatina bezeichnen Cod. Theod. VI 2, 13 [904] die Kanzleien des Comes sacrarum largitionum,, s. nr. 11.
26. S, a pecuniis unter dem Comes sacrarum largitionum (Cod. Tust. XII 23, 7, 17. Not. dign. or. XIII 31; occ. XI 97) bucht das Kupfergeld des kaiserlichen Schatzes.
27. 8, praefectorum praetorio kommen in der Notitia Dignitatum unter diesem Namen nicht vor, doch zählt Iustinian bei der Einrich-10 tung dieses Amtes für Africa neben neun Scholae auch zehn S. auf, von denen die ersten vier, jedes mit zehn Beamten, einfach als s. primum, secundum, tertium und quartum bezeichnet werden (Cod. Inst. I 27, 1, 22. 23). Die anderen sechs s. nr. 1. 2. 13. 19. 24. 29. Bei diesem Amte übersetzt Johannes Lydus (de mag. 1Π 35) scriniarü durch χαρτοφύλακες, womit zu vergleichen ist, daß ihnen auch bei den Magistri militum die potestas chartarum zugeschrieben 20 'wird (Cod. Theod. VIII 1, 15). Sie haben die Delegatio auszuarbeiten, nach der die Steuern erhoben werden (s. o. Bd. IV S. 2431), für welchen Zweck nach den Ergebnissen des Census die Listen der Steuerpflichtigen ihnen einzureichen sind (Cod. Theod. XI 28, 13). Auch werden ihnen aus allen Provinzen Berichte über die Geschäftsführung der Statthalter zugesandt (Cod. Theod. I 16, 3),
28. Scrinia praefecti urbi nennen die Gesta 30 de recipiendo codice Theodosiano (7), und in seinem Officium erscheint ein Primiscrinius (Not. dign. occ. IV 25).
29. S. primiscrinii, quod est subadiuvae mit zehn Beamten unter dem iustinianischen Praefectus praetorio Africae (Cod. Iust. I 27, 1, 24).
30. Scriniarü erscheinen im Officium des Proconsul Asiae, ein Primiscrinius im Officium des Proconsul Africae (Not. dign. or. XX 16; oc. xvni 8).
31. Primiscrinius securitatum unter dem Comes rerum privatarum (Not. dign. or. XIV 12; occ. XII 34), wird die Sicherheiten, welche die Pächter der kaiserlichen Domänen für die Erfüllung ihrer Verpflichtungen stellten, gebucht und aufbewahrt haben.
32. Σκρινιάριοι τῆς ΣυρΙας (Joh. Lyd. de mag. III 36). Wenn der Consularis Syriae ein S. hatte, dürfen wir dasselbe wohl von allen Statthaltern wenigstens im östlichen Reichsteil annehmen.
33. S. tabulariorum unter dem Comes sacrarum largitionum (Cod. Iust. XII 23, 7, 4. Cod. Theod. VI 30, 7. X 20, 18. Not. dign. or. XIII 24; occ. XI 90).
34. S. vestiarii sacri (Not. dign. or. XIII 28; occ. XI 94), Scriniarü vestis (Cod. Iust. XII 23, 7, 13) unter demselben, muß die kaiserliche Garderobe gebucht haben.
Anmerkungen (Wikisource)
- ↑ Corpus Inscriptionum Latinarum VI, 9885.
- ↑ Corpus Inscriptionum Latinarum X, 527.
- ↑ a b Corpus Inscriptionum Latinarum VI, 8617.
- ↑ Corpus Inscriptionum Latinarum XV, 7178.
- ↑ a b Corpus Inscriptionum Latinarum V, 8972.
- ↑ a b c Corpus Inscriptionum Latinarum VI, 510.
- ↑ a b Corpus Inscriptionum Latinarum VI, 8620.
- ↑ a b Corpus Inscriptionum Latinarum VI, 8619.
- ↑ Corpus Inscriptionum Latinarum XI, 727.
- ↑ Corpus Inscriptionum Latinarum VI, 8618.
- ↑ Corpus Inscriptionum Latinarum XIV, 3638.
- ↑ Corpus Inscriptionum Latinarum XIV, 2463.
- ↑ Corpus Inscriptionum Latinarum XIV, 4062.
- ↑ Corpus Inscriptionum Latinarum X, 6662.
- ↑ Corpus Inscriptionum Latinarum XI, 5028.
- ↑ Corpus Inscriptionum Latinarum VI, 8614.
- ↑ Corpus Inscriptionum Latinarum VI, 8615.