2) Serena, Nichte des Kaisers Theodosius I., Tochter seines älteren Bruders Honorius (Claud. laus Serenae 96. Zos. IV 57, 2. V 4, 1; s. o. Bd. VIII S. 2277, 43) und der Maria (Claud. laus Ser. 69), jüngere Schwester der Thermantia (Claud. laus Ser. 118), geboren in Spanien (Claud. laus Ser. 69. 114; de nupt. Hon. 40. Fescenn. 2, 27) wohl kaum später als 370, eher noch ein paar Jahre früher, da ihre ältere Tochter Anfang 398 schon heiratsfähig, also mindestens 12 Jahre alt war (s. o. Bd. VIII S. 2279, 60). Nach dem Tode ihres Vaters wurde sie von Theodosius nicht rechtlich, wohl aber tatsächlich adoptiert (Claud. laus Ser. 104. Vict. epit. 48, 18; vgl. Mommsen Gesammelte Schriften IV 517) und nach seiner Thronbesteigung (379) zu ihm in den östlichen Reichsteil berufen (Claud. laus Ser. 111ff.). Sie soll sein Liebling und allein imstande gewesen sein, seine jähen Wutausbrüche zu besänftigen (Claud. laus Ser. 133ff.). Nach der persischen Gesandtschaftsreise des Stilicho, die in das J. 383 fällt (Seeck Gesch. d. Untergangs d. antiken Welt V 69. 453), also wohl 384, wurde sie mit ihm verheiratet (Claud. de cons. Stilich. I 69ff. laus Ser. 179ff. Zosim. IV 57, 2. V 4, 1. Olymp. frg. 2 = FHG IV 58), weswegen er sich adfinis divi Theodosii Augusti (Dessau 1278 = CIL VI 1731)[1] oder progener divi Theodosii (Dessau 1277 = CIL VI 1730)[2] nennen konnte; in der letzteren Inschrift ist der divus Theodosius nicht der Kaiser, sondern dessen gleichnamiger Vater. Die Hochzeit fand in Konstantinopel statt (Claud. in Ruf. II 97; de cons. Stil. I 86). Ihr ältestes Kind Maria dürfte 385 oder wenig später geboren sein, da es schon 398 mit Kaiser Honorius verheiratet werden konnte (s. Maria); im J. 389 wurde ihr ein Sohn Eucherius geboren (s. o. Bd. VI S. 882, 47) und zwar in Rom (Claud. de cons. Stil. III 176ff). S. muß also, obgleich sie hochschwanger war, den Kaiser dorthin begleitet haben. Später gebar sic noch die Aemilia Materna Thermantia (Dessau 8952 = CIL XV 7152),[3] die nach dem Tode der Maria 408 mit Honorius verheiratet wurde (Zosim. V 28. 35, 3. 37, 5. 6. Olymp. frg. 2 = FHG IV 58; vgl. Claud. de nupt. Hon. 339; de cons. Stil. II 359). Alle Glieder ihrer Familie sind aufgezählt bei Dessau 800. Am Hofe des Theodosius wirkte sie durch ihren Einfluß auf den Kaiser den Feinden des Stilicho entgegen (Claud. laus Ser. 225–236) und verschaffte diesem ein ganz ungewöhnlich schnelles Aufsteigen (Seeck V 270). Der Knabe Honorius, der um die Zeit ihrer Hochzeit oder wenig später geboren war (s. o. Bd. VIII S. 2277.
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60), wurde ihrer Obhut anvertraut (Claud. de nupt. Hon. 41; carm. min. 47, 14). Wie sie 389 bei seinem Einzüge in Rom (s. o. Bd. VIII S. 2278, 1) anwesend gewesen war, so begleitete sie ihn auch im Winter 394/5 aus Konstantinopel nach Italien, als er dorthin berufen wurde, um die Herrschaft über das Westreich anzutreten (Claud. de VI cons. Hon. 92ff.). Damals besuchte sie Rom zum zweitenmal und raubte dort einer Statue der Göttermutter ein prächtiges Halsband, um es sich selbst anzulegen (Zosim. V 38, 3). Als sie 398 ihre ältere Tochter Maria mit dem Kaiser vermählte, soll sie aus Furcht, daß diese noch nicht reif zum Gebären sei, ihm ein Mittelchen beigebracht haben, das ihn zeugungsunfähig machte (Zosim. V 28; vgl. Philostorg. XII 2). Sie nahm jetzt eine ganz beherrschende Stellung am Hofe von Mailand ein. Claudian redet sie mit regina an (laus Ser. 5; epist. ad Ser. 57; carm. min. 46, 14) und rühmt: sub pedibus regitur terra fretumque tuis (epist. ad Ser. 36; vgl. Zosim. V 28, 3: τοσαύτην δυναστείαν). Zum Schlusse begann sie, auch im Gegensatze gegen ihren Gatten Politik zu machen. Er dachte wahrscheinlich daran, wenn Honorius kinderlos sterbe, seinen Sohn Eucherius zum Nachfolger zu machen (s. o. Bd. VI S. 882, 62). Zu diesem Zwecke suchte er das Westreich möglichst scharf vom Ostreiche zu trennen, wo in Arcadius und seinem Sohne Theodosius II. andere Erben bereit standen (Cod. Theod. VII 16, 1 mit der Anmerkung Gothofreds), und war, nachdem Maria gestorben war, einer zweiten Ehe des Honorius abgeneigt. S. dagegen, die sich in der Rolle der kaiserlichen Schwiegermutter sehr wohlgefiel, veranlaßte 408 die Verheiratung ihrer zweiten Tochter Thermantia mit dem Kaiser (Zosim. V 28) und wirkte auf eine Annäherung an das Ostreich hin (Zosim. V 29, 8). Endlich veranlaßte sie 408 Honorius, gegen den Willen Stilichos, der ihn dem Heere fernhalten wollte, aus Rom nach Ravenna zu reisen (Zosim. V 30, 2). Doch nach der Hinrichtung Stilichos (22. Aug. 408) wurde auch sie in seinen Sturz hineingezogen. Der Kaiser schied sich von Thermantia und schickte sie der Mutter nach Rom zurück (Zosim. V 35, 3. 37, 5. 6), und diese wurde, als Alarich die Stadt belagerte, unter der Anklage, sie ihm verraten zu wollen, hingerichtet (Zosim. V 38, 1. 2. 39, 1. Olymp. frg. 6 = FHG IV 59). Claudian rühmt ihre literarische Bildung (laus Ser. 146ff.) und gibt ihr das Beiwort docta (carm. min. 45, 3), mit dem man schöngeistige Frauen zu bezeichnen pflegte. Sie vermittelte ihm eine vorteilhafte Heirat in Afrika, wofür er sich in einer poetischen Epistel an sie bedankte (carm. min. 31). Außerdem schrieb er ein Lobgedicht auf sie, dessen Schluß aber fehlt, vielleicht weil er durch seinen frühen Tod verhindert wurde, es zu vollenden (carm. min. 30), und fertigte die Begleitverse zu den Geschenken, die sie den kaiserlichen Brüdern überreichte oder überreichen ließ (carm. min. 45–48; carm. min. append. 4).