RE:Theodoros 49

Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
korrigiert  
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Bischof von Mopsuestia
Band V A,2 (1934) S. 18811890
Theodor von Mopsuestia in der Wikipedia
GND: 118621688
Theodor von Mopsuestia in Wikidata
Theodor von Mopsuestia bei Trismegistos
Bildergalerie
Register V A,2 Register th
Link für WP   
* {{RE|V A,2|1881|1890|Theodoros 49|[[REAutor]]|RE:Theodoros 49}}        

49) Bischof von Mopsuestia, gest 428 n. Chr. Die Chronologie dieses bedeutenden Bischofs und Theologen ist leider nur annähernd zu bestimmen. Geboren in Antiochia als Sohn vornehmer und begüterter Eltern – ein Bruder von ihm, Polychronios, war später Bischof von Apamea – wurde er Bischof von Mopsuestia (Cilicia secunda), ist als solcher durch die Synode von Konstantinopel um 29. 9. 394 bezeugt. Nach Johannes von Antiochien (bei Facundus, pro. def. 2, 2 Migne L. LXVII 562) soll er 45–50 Jahre in der Kirche Lehrer gewesen sein, und nach Theodoretos KG V 40, 2 ist er 36 Jahre Bischof gewesen. 428 war er noch am Leben als Nestorios über Mopsuestia nach Konstantinopel reist (Euagrius KG I 2 S. 7, 22 Bidez-Parmentier), bald danach muß er gestorben sein. Damit käme man für den Beginn seines Episkopates auf 392. Das paßte zur Subskription von 394. Die vielfachen Erwähnungen T.’ bei den Zeitgenossen und in den späteren Kämpfen um die von ihm vertretene Theologie sind an Berichten über Einzelheiten seines Lebens unergiebig (alles Material ist gut zusammengestellt bei Tillemont XII 433ff. und Fritzsche bei Migne G. LXVI 11 A, vorzüglich kritisch besprochen von Lοofs Realenzyklopädie f. prot. Theol. u. Kirche XIX 598ff. Über die allerdings im ganzen belanglosen Nachrichten bei den Orientalen über T. vgl. F. Haase Altchristl. KG nach Orient. Quellen 375f. Dagegen finden sich interessante Nachrichten in einer Nestoriosvita Revue de l’Orient chrétien 2. Sér. 5 (1910) 1ff.). Mit den großen Mitgliedern der antiochenischen Schule, Diodor und Chrysostomos, aber auch mit Basilius d. Gr. ist T. von Jugend verbunden. T. genießt mit Chrysostomos den Unterricht des Libanios (Barhadbešabba [ca. 600] Patr. or. 9, 504 weiß, daß T. bis zum 15. Jahre bei Basilius Unterricht nahm). Was Philoxenos von Mabbuq über T.’ Jugend und seine frühe Kameradschaft mit Nestorios erzählt, darf nicht viel Vertrauen beanspruchen, vgl. Revue de l’Orient chrétien VIII [1903] 624ff. Chrysostomos ist es auch, der T. [1882] veranlaßt, Mönch zu werden (Barhadbešabba verlegt dies Ereignis in das 16. Lebensjahr). Zwei Briefe des Johannes Chrysostomos ad Theodorum lapsum (Migne G. XLVII 277–316), die als echt betrachtet werden müssen (vgl. Loofs), geben davon Zeugnis, daß T. von der Welt noch einmal so stark angezogen wurde, daß er das Kloster verließ, aber bald dem Zureden seines Freundes Chrysostomos nachgab und zurückkehrte. In den 80er Jahren ist T. wohl durch Flavian v. Antiochien in seiner Vaterstadt Presbyter geworden, um nach einer großen Auseinandersetzung mit den Macedonianern in Anazarbos 392 zum Bischof von Mopsuestia aufzurücken. Er sollte wohl Nachfolger des Diodor in Tarsus werden, doch wußte dies Theophilos von Alexandrien zu verhindern; allerdings übersieht man die Gründe zu diesem Vorgehen des Alexandriners nicht ganz klar. Um 420 ist Iulian von Eclanum, der kluge Verfechter der pelagianischen Lehre, mit T. in Verbindung getreten. Dies Zusammentreffen veranlaßte T. zu einer besonderen Schrift über die im pelagianischen Streit verhandelte Frage. T. ist im Frieden mit der Kirche gestorben. Nur einmal erfährt man, habe sich Widerspruch gegen die von ihm vorgetragenen Gedanken erhoben, und gerade in Antiochien selbst anläßlich einer Predigt T.’, vgl. Acta conc. oec. I 1, 1 8. 94, 28. Die großen und folgenschweren Streitigkeiten und Auseinandersetzungen über seine Theologie wurden von Gegnern seiner Theologie in Syrien entfacht und von den Alexandrinern gern aufgenommen. Erst die 5. Synode 553 hat dann unter Iustinian die sog. drei Kapitel, die ein besonderes Anathem gegen T. enthielten, angenommen. Sein Leben widmete T. einer großartigen theologischen Schriftstellerei, er kommentierte mit einem in der alten Kirche unerhörten kritischen Scharfsinn fast die ganze Bibel und widmete den theologischen Fragen seiner Zeit eine große Anzahl von Schriften, in denen er in völlig selbständiger Weise an der Lösung der theologischen Probleme mitarbeitete. In der Prägnanz und Konsequenz seiner Gedanken wird er von keinem Vorgänger übertroffen. Der Gegensatz gegen die alexandrinische Theologie ist ein Grundzug seines Denkens, allerdings gehen T. und die Antiochener auch von ganz anderen Voraussetzungen aus. T. ist für eine Anzahl erlesener Geister des 4. und 5. Jhdts. der Führer und Anreger gewesen, ja die ganze nestorianische Kirche beruft sich auf ihn als den Theologen und Schrifterklärer, den Mephaškana, schlechthin.

Das große literarische Werk T.’, das die Bewunderung der Zeitgenossen erregte, ist nur in wenigen Trümmern auf die Gegenwart gekommen. Auch die kritische Sichtung der vielfachen Fragmente ist erst in den letzten Jahrzehnten aufgenommen worden, besonders angeregt durch die Entdeckung orientalischer Übersetzungen. Was bis um die Mitte des 19. Jhdts. an griechischen und lateinischen Fragmenten bekannt war, findet man bei Migne G. LXVI zusammengetragen. Aber gerade nach diesem Zeitpunkt fällt die Entdeckung der lateinischen Übersetzung der Kommentare zu den kleinen Paulinen und erst seitdem hat man mit der Erschließung der orientalischen Quellen für die Geschichte der alten Kirche die [1883] orientalische Überlieferung der Fragmente und Schriften T.’ zu sammeln begonnen. Für den praktischen Gebrauch folge hier eine Übersicht über die bisher bekannten Bruchstücke. Für die Reihenfolge der Aufzählung ist die Liste des Nestorianers Ebed Jesu (gest. 1315/16, bei J.-S. Assemani Bibl. or. Clem.-Vat. III 1, 30ff.) maßgebend, die neben der Liste in der Chronik von Seert (Patr. or. 5, 289ff.) aus dem 13. Jhdt., wo sich nur sehr wenige Abweichungen finden, die vorzüglichste Quelle für die Kenntnis der Schriftentitel T.’ darstellt Was sonst bekannt geworden ist, wird nach der Liste des Ebed Jesu namhaft gemacht. Die Abweichungen der Chronik von Seert von Ebed Jesu werden jedesmal notiert.

1. Commentarium in librum Geneseos tribus edidit tomis ad magnum Alphaeum summa elaboratum methodo et speculatione. Die Chronik von Seert nennt den ganzen Pentateuch. Dem widerspricht die Angabe bei Photios Bibl. cod. XXXVIII, wo nur eine 7 (!) Tomoi umfassende ἑρμηνεία τῆς κτίσεως genannt wird, gegen die sich Johannes Philoponos wendet. Tatsächlich decken sich die bei diesem in seiner Schrift τῶν εἰς τὴν Μωύσεως κοσμογονίαν ἐξηγητικῶν λόγοι ζ (hrsg. v. W. Reichhardt, Lpz. 1897) erhaltenen recht zahlreichen Fragmente aus T.’ Kommentar sehr oft mit den syrischen (Sachau Theodori Mopsuesteni fragmenta syriaca, Lpz. 1869, S. 1–21) und den in Sirmonds-Schultzes Druck von Theodorets Quaestiones in Genesim qu. 208. (I 29–32 Schultze = Μigne G. LXVI 636 B, jedoch bei Theodoret länger; I 47 = LXVI 636 B; 43 = LXVI 640 B; 53 = LXVI 641 B; I 55 = LXVI 641 C; es bedarf noch einer Untersuchung, ob und in welcher Hs. diese Fragmente ebenso wie die Diodors erhalten sind), sowie in den Katenen und anderswo vorkommenden Fragmenten, gesammelt bei Μigne G. LXVI 633–646. Wenn die Zitate in den Katenen zu recht bestehen, so scheint auch T. die übrigen Bücher des Pentateuch kommentiert zu halben (vgl. Μigne G. LXVI 647). Das geht wohl auch aus einigen Fragmenten in einer Art Katene zu den Perikopen der Nestorianer aus dem 10. Jhdt., dem Gannat Buššame, hervor, wo auch Exegetica zu Genesis, Numeri und Deuteronomium begegnen, vgl. Vosté Rev. bibl. XXXVII (1928) 27. Demnach ist wohl Photios’ Notiz nur aus Johannes Philoponos geschöpft. Im übrigen vgl. Fritzsche bei Migne G. LXVI 34 AB.

2. Davidem quinque tomis exposuit ad Cerdonem fratremque eius. Der Psalmenkommentar ist nach eigner Aussage T.’ in seiner Schrift contra allegoricos (bei Facundus pro def. III 6 Migne L. LXVII 602 C) sein Erstlingswerk, geschrieben in seinem 20. Lebensjahre. Devreesse hat in einer scharfsinnigen Abhandlung (Rev. bibl. XXVII [1928] 3408. und XXXVIII [1929] 358.) gezeigt, daß eine nicht unbeträchtliche Anzahl der Katenenfragmente bei Migne (G. LXVI 6488.) nicht T., sondern vielfach Theodoret angehört, und daß der syrischen Überlieferung (vgl. die Angaben S. 340 Anm. 1 und S. 350) in den Kommentaren der Nestorianer nur dürftige Spuren des Psalmenkommentars aufweisen, die zur Rekonstruktion [1884] des Textes ungeeignet sind. Um so größere Bedeutung für die Wiederherstellung der Psalmenauslegung haben a) die lateinische Übersetzung in Cod. Ambros. C 301 inf. und in Cod. Univers. Taurin. F IV 1, 5–6, beide aus dem 8. Jhdt, die, wie die Nachprüfungen von Devreesse ergeben haben, eine genaue Übersetzung des griechischen Textes bietet, allerdings nur für Ps. 17–40; b) die griechischen Psalterkatenen, vornehmlich in Cod. Paris. Coisl. gr. 12, die Lietzmann S.-Ber. Akad. Berl. 1902, 334 für T. entdeckt hat und in Cod. Ambros. C 98 sup., auf die Μercati aufmerksam gemacht hat. Ich notiere noch ein bei Migne nicht gedrucktes Fragment aus dem 8. Psalm bei Leontius Migne G. 861, 1063 A/B. Devreesse hat gezeigt (Rev. bibl. XXXIX [1930] 362ff.), daß der Lateiner und die Katenen bessere Texte liefern als die Zitate bei den Gegnern T.’, also die Konzilsakten, Facundus und Iustinian u. a., und keineswegs das Vertrauen verdienen, das den Texten aus den Kämpfen des 6. Jhdts. noch Vosté Rev. bibl. XXXVIII (1929) 382ff. und 542ff. entgegengebracht hat. Zum ganzen vgl. Fritzsche bei Migne G. LXVI 27C8.

3. Duodecim prophetas commentatus est duobus tomis ad Mar Tyrium (ob Martyrium?); Chronik von Seert: Mar Touba. Der Kommentar zu den 12 kleinen Propheten ist wohl unmittelbar nach dem Psalmenkommentar abgefaßt worden und liegt als einzige Schrift T.’ vollständig im Urtext vor. Die maßgebende Hs. ist Cod. Vatic. gr. 2204 s. X; während Cod. Vatic. gr. 618 s. XVI, Cod. Vindob. suppl. gr. 10 s. XV, Cod. Vindob. theol. gr. 55 s. XVI und Cod. Vallicell. gr. 29 s. XVI nur Abschriften des Vaticanus sind, vgl. Vosté Rev. bibl. XXXIV (1925) 64. Nach Vatic. gr. 2204 hat A. Μai in Script. vet. nova coll. I 2 S. 418. und VI 1 S. 18. und Bibl. nova patr. VII den Kommentar gedruckt (nachgedruckt bei Migne G. LXVI 1248.), nachdem der ostpreußische Pfarrer A. v. Wegnern eine Ausgabe des Kommentars nach der Wiener Hs. als 1. Band einer Gesamtausgabe von T.’ Schriften 1834 in Berlin hatte erscheinen lassen. Fragmente in syrischer Übersetzung machte Sachau 22–27 bekannt. Vgl. Fritzsche bei Migne G. LXVI 40 Bff.

4. Samuelem uno tomo commentatus est ad Mar Marianum. Nichts erhalten, wie es scheint auch in den Katenen nichts vgl. Karo-Lietzmann S. 19 zu Cod. Vatic. gr. 331. Der Kommentar ist wohl nie vollständig gewesen, denn nach der Chronik von Seert II 1 c. 13 ist er erst von Elisa von Nisibis ergänzt worden. Vgl. Fritzsche bei Migne G. LXVI 38 D.

5. Iobum duobus tomis ad Cyrillum Alexandrinum. Der Dedikation nach ein Alterswerk nach 412. Es sind nur einige Fragmente in den Akten des 5. Konzils erhalten, vgl. Migne G. LXVI 697ff. T. wollte den Hiob nicht zum Kanon gerechnet wissen, vgL Leontius Migne G. 861 1365/66, vgl. Rev. bibl. XXXVIII (1929) 391, Chabot Synodicon orientale S. 137f. (Versio S. 399). Sein Bruder Polychronius wird im Hiobkommentar erwähnt (Barhadbešabba, Patr. or. 9, 515). Vgl. Fritzsche bei Migne G. LXVI 46 C.

[1885] 6. Ecclesiasten uno libro exposuit deprecante Porphyrio. Der in syrischer Übersetzung erhaltene Kommentar wurde vor dem Weltkriege von H. v. Soden im Qubbet el hazne der Ommajadenmoschee in Damaskus gefunden, vgl. S.-Ber. Akad. Berl. 1903, 825, ist aber seitdem nicht wieder aufgetaucht, vgl. Vosté Rev. bibl. XXXVIII (1929) 383, 2. Fragmente sind nicht bekannt. T. rechnete den Prediger nicht zum Kanon, vgl. Rev. bibl. XXXVIII (1929) 393.

7. Isaiam quoque et Exechielem et Jeremiam et Danielem singulis tomis commentatus est. Von den großen Propheten ist merkwürdigerweise kein Fragment erhalten, vgl. jedoch in der Jesajakatene Karo-Lietzmann 341. Auf Spuren der Prophetenerklärung macht A. Μöhle in seiner Ausgabe des Jesajakommentars Theodorets (Mitteilungen des Septuaginatunternehmens V) S. XXV aufmerksam. Vgl. Fritzsche bei Μigne G. LXVI 40 A.

8. Matthaeum uno tomo explicavit ad Iulium. Fragmente in: Theodori episc. Mops. in Novum Testamentum comment. quae reperiri potuerunt coll. O. F. Fritzsche (Zürich 1847) 1–8. Syrische Fragmente bei Lagarde Analecta syriaca 107, 12–29. 108, 19–24, die sich nur teilweise mit den griechischen decken (vgl. Sachau 69). Ob die von Fritzsche gesammelten Fragmente zu einer sonst nicht bezeugten Markuserklärung gehören, ist noch zu untersuchen. Zu der Katene vgl. Karo-Lietzmann 571.

9. Lucam et Johannem duobus tomis ad Eusebium. Von dem Lukaskommentar sind Reste nur in den Katenen und in den Konzilsakten erhalten, zusammengestellt bei Fritzsche 10–18 (Migne G. LXVI 716).

10. Der Johanneskommentar ist syrisch vollständig erhalten und gedruckt: Commentarius Theodori Mops. in evangelium D. Johannem in VII partitus. Versio syrica iuxta codicem parisiensem CCCVIII edita studio J. B. Chabot. Tom. I Textus syriacus. Paris. 1897. Bis jetzt ist nur der syrische Text erschienen. Nach den Mitteilungen von Vosté Rev. bibl. XXXII (1923) 522B. hat Chabot eine mangelhafte Abschrift der einzigen Hs. benutzt. Vosté ist in der Lage, nach einer vollständigeren Kopie in Cod. Mus. Borgia syr. nr. 77 z. B. die interessante Vorrede zu dem Kommentar zu veröffentlichen, aus der hervorgeht, daß T. den Kommentar einem Bischof Porphyrius widmete. Ob die Vermutungen Vostés über den Porphyrios, in dem er den bekannten von Gaza aus der Vita Porphyrii des Marcus Diakonos wiedererkennen will, zutreffen, darf in Anbetracht des neuerdings erwiesenen romanhaften Charakters der Vita als zweifelhaft erscheinen. Wahrscheinlich fällt der Kommentar in die spätere Lebenszeit des T. Griechische und lateinische Fragmente bei Fritzsche 198., um etwas vermehrt bei Migne G. LXVI 728ff. Über die Zitate im Gannat Buššame vgl. Rev. bibl. XXXVII (1928) 3926., wo Vosté die Vermutung ausspricht, daß T. Joh. 21 als nicht echt betrachtet hat.

11. Actus apostolorum ad Basilium (Chronik von Seert: Eusie) uno commentatus est tomo. Erhalten ist ein kleines Fragment in den Akten [1886] des 5. Konzils. Dobschütz glückte es in Cod. Neapel. bibl. nat. II A a 7 s. XII den Prolog zu entdecken, publiziert in: The American Journal of Theology II 1898, 3536. Seine Identifikation darf um so berechtigter sein, als nach dem neuerdings erst zugänglich gemachten Zeugnis der Chronik von Seert der Kommentar einem Eusebius gewidmet war. Und schließlich begegnet der Prolog im Wortlaut auch im Gannat Buššame, ja bei Bar Salibi und Barhebraeus, vgl. Rev. bibl. XXXVII (1928) 396ff.

12. Epistolam quoque ad Romanos ad Eusebium (Chronik von Seert: Athanasium) exposuit. In sehr umfangreichen Katenenfragmenten erhalten. Der Text ist jetzt herausgegeben von K. Staab Pauluskommentare der griechischen Kirche, Münster 1933 (Neutest. Abh. XV) 113–172, wodurch alle früheren Sammlungen antiquiert sind. Bei Facundus pro def. III 6 (Migne L, LXVII 101) ist ein einziges lateinisches Fragment erhalten.

13. Binas ad Corinthios epistolas tomis duobus dilucidavit et illustravit rogatu Theodori. Ebenfalls in Fragmenten in den Katenen erhalten, jetzt publiziert von Staab 172–200.

14. Eustratius (Chronik von Seert: Tratalis) postulavit expositionem quattuor epistolarum quas sum commemoratus; epistolae ad Galatos, et ad Ephesios et ad Philippenses et ad Colosseenses. Binas autem ad Thessalonicenses Jacobo efflagitante exposuit, epistolam ad Timotheum utramque explicavit ad Petrum (Chronik von Seert: Mauriq). Cyrino etiam deprecante exposuit epistolam ad Titum et ad Philemonem (diesen nach der Chronik von Seert an: Heudatus). Der Kommentar zu den kleinen Paulinen ist in einer lateinischen, wahrscheinlich dem 5. Jhdt. angehörenden Übersetzung unter dem Namen des Ambrosius erhalten. Der Text ist in einer mustergültigen Ausgabe von H. B. Swete T. episc. Mops. in epistulas B. Pauli commentarii, Cambridge 1880, 1882. 2 Vol. unter Heranziehung aller sonst bekannten Fragmente nach zwei bis dahin allein bekannten Hss. des 9.–10. Jhdts. vorgelegt worden. Kürzlich wurde in der Revue Bénédictine XXXIII (1921) 53f. auf eine dritte Hs., den Cod. Paris. (Bibl. nat.) lat. 17177 s. X aufmerksam gemacht, der Teile des Kommentars zu Tim. Tit. Philem. enthält. Vgl. auch die Besprechung der Sweteschen Ausgabe von Batiffol Annales de philosophie chrétienne N. S. XIII (1885) 284f. Aus dem Gannat Buššame teilt Vosté Rev. bibl. XXXVII (1928) 399f. viele Parallelen und Zitate zu T.’ Kommentar mit und glaubt sogar an einigen Stellen den Lateiner nach dem Syrer verbessern zu können.

15. Item epistolam ad Hebraeos ad eundem Cyrinum dilucidavit. Die Reste in den Katenen hat Staab 200–212 publiziert. Über die Fragmente im Gannat Buššame vgl. Rev. bibl. XXXVII (1928) 4156. Ein lateinisches Fragment in den Akten des 5. Konzils, vgl. Fritzsche 161, ein syrisches bei Lagarde Analecta syrica 108, 1–6 (vgl. Sachau 70, 6), ein griechisches bei Leontius Migne G. 86l, 1059 A/B (vgl. Canisius-Basnage Lectiones antiquae I 583–591 frg. nr. 36).

16. Exstat etiam eius liber de sacramentis et [1887] qui de fide inscribitur. Dieses Werk gibt die Ausführungen T.’ über das Symbol und die Sakramente vor den Katechumenen wieder und ist kürzlich in syrischer Übersetzung mit gleichem Titel wie bei Ebed Jesu zugänglich gemacht worden. A. Mingana Woodbrooke Studios V. VI. Cambridge 1932, 1933. Die bisher bekannten Fragmente stellte Swete II 323ff. zusammen, vgl. Fritzsche bei Migne G. LXVI 73 B. Es sei bemerkt, daß sich in Severus’ Antiochenus Philalethes ed. Šanda S. 19–20 (Versio S. 29, 24ff.) ein Zitat = Vol. 5 S. 204, 12 (Tranl. S. 88, 1) (= Swete II 326, 24ff.) findet. Nicht zum Werke gehört nach Ausweis des syrischen Textes das Symbol in den Akten der ephesenischen Synode von 431 (bei Swete II 327ff.) gegen Fritzsche bei Migne G. LXVI 73C, siehe jetzt unter nr. 38. Über den Inhalt vgl. Μinganas Vorreden und R. Abramowski Neue Schriften Theodors von Mopsuestia, Ztschr. f. neutest. Wiss. XXXIII (1934) 66ff. Zur Beschreibung der Liturgie: H. Lietzmann Die Liturgie des Theodor von Mopsuestia, S.-Ber. Akad. Berl. 1933, 915–936. Vgl. E. Amann La doctrine christologique de T. de Μ., Revue des Sciences relig. 14 (1934) 161.

17. Tomus unus de sacerdotio. Nichts erhalten. Ein Fragment in einem Traktat des Nestorianers Dadisho (gest. ca. 690), Woodbrooke Studies VII p. 95.

18. Duo de spiritu sancto. Nichts erhalten, vgl. Fritzsche bei Migne G. LXVI 62 A.

19. Tomus unus de incarnatione. Dieses bedeutendste Werk der antiochenischen Schule ist zwar von Addai Scheer 1905 in Seert in syrischer Übersetzung entdeckt, aber in den Wirren des Weltkrieges verloren gegangen. Es besteht so gut wie keine Hoffnung, daß diese unersetzliche Hs. jemals wieder auftaucht. Sie ist vernichtet mit anderen wertvollen Hss. in Seert. Ein ganz schwerer Verlust für die Kenntnis der Theologie um 400. Vgl. Vosté Rev. bibl. XXXV111 (1929) 383. Addai Scheers Bericht in Compt. Rend. 1909, 306. Es sind einige Fragmente aus dem umfangreichen Werk lateinisch, griechisch und syrisch erhalten, zusammengestellt bei Swete II 290–312. Lagarde Analecta syriaca 100–106, 27 (Sachau S. 28–57. 63ff.). Bei dieser Gelegenheit sei noch auf einige nicht verwertete Fragmente hingewiesen: a) Swete II 296, 29–36 = Severus Antiochenus Philalethes ed. Šanda 19 (Versio S. 28–29); b) Swete II 298, 10–19 = Severus 18 (Versio S. 28, 8ff.); c) ein Zitat aus Buch 8 Chabot Synodicon orientale 627; d) Swete II 310, 10ff. = Severus 18 (Versio S. 28,19); e) vielleicht gehört zu de incarnatione auch ein Zitat, das ich in den bekannten Texten nicht identifizieren kann: Severus 18–19 (Versio S. 28, 26ff.): f) ein Zitat aus Buch 8: Johannes Philoponos, Solutio dubiorum in Diaitete 9 (Opuscula monophysitica ed. Šanda 68 [110], vgl. Swete II 299,6). Über die Überlieferung der Schrift im übrigen vgl. Fritzsche bei Migne G. LXVI 55 A.

20. Ὑπὲρ Βασιλείου κατὰ Εὐνομίου, so Photios cod. 4; Ebed Jesu: et unum pro Basilio, vgl. Fritzsche bei Migne G. LXVI 60B. Die Schrift widerlegte die Angriffe des Eunomius [1888] gegen den Freund T.’ Basilius, der über den Streit mit Eunomius gestorben war. Ein Fragment ist bei Facundus erhalten, vgl. Swete II 322. Parmentier nimmt in seiner Ausgabe der Kirchengeschichte Theodorets S. XCI mit Recht an, daß die Schrift gegen Eunomius auch historische Nachrichten enthalten hat. Es sei hier bemerkt, daß die Notiz in Ps. Polydeukes Historia physica (bei Parmentier S. XCII) sich bereits in den Exzerpten aus der Epitome aus Theodoros Lectors Historia Tripartita findet (Cod. Barocc. gr. 142f. 218 a).

21. Πρὸς τοὺς λέγοντας φύσει καὶ οὐ γνώμῃ πταίειν τοὺς ἄνθρώπους, ἐν λόγοις ε (Ebed Jesu: 2 Bücher), Photios cod. 177, der ein ausführliches Referat über dieses für die Pelagianer eintretende Werk gibt. Wenn sich T. auf Seiten der Pelagianer stellt, so tut er das nur als Verfechter der überall in der orientalischen Theologie geltenden Ansichten über die Sündenlehre. Vgl. Fritzsche bei Migne G. LXVI 65B. Fragmente Swete II 332.

22. Περὶ τῆς ἐν Περσίδι μαγικῆς ἐν λόγοις τρισί, πρὸς Μαστούβιον ἐξ Ἀρμηνίας χωρεπίσκοπον, so Photios cod. 81 (Ebed Jesu: 2 Bücher). Von dieser Schrift ist nur die Notiz bei Photios erhalten, vgl. Fritzsche bei Migne G. LXVI 64 B.

23. Unus ad monachos. Nichts erhalten.

24. Unus de obscura locutione. Nichts erhalten.

25. Unus de perfectione regiminis. Nichts erhalten, vgl. Fritzsche bei Migne LXVI 65 C. Ein Fragment in einem Traktat des Nestorianers Dadisho, Woodbrooke Studies VII p. 109. Nach einer Nestoriosvita (Revue de l’orient chrétien 2. Sér. 5 (1910) 3, 23 (17, 34) hieß der Traktat: de perfectione disciplinae (sc. asceticae). T. behandelte in ihm unter Bezugnahme auf sein Leben als Mönch asketische Themen.

26. Quinque tomos composuit adversus allegoricos. Eine Schrift gegen die allegorische Methode des Origenes und die Alexandriner. Ein Fragment bei Facundus pro def. III 6 Migne L. LXVII 602 C; vgl. Fritzsche bei Migne G. LXVI 26 B.

27. Unus de assumente et assumpto. Mit Fritzsche bei Migne G. LXVI 62 B darf darunter wohl der in einer Anzahl von Fragmenten bezeugte λόγος κατὰ Ἀπολιναρίου (so auch die Chronik von Seert) verstanden werden. Fragmente bei Swete II 322ff. Dazu kommt noch a) Sachau S. 60; b) Patr. or. 13, 188.

28. Liber margaritarum in qua epistolae eius collectae sunt. Aus dem Briefcorpus sind nur Fragmente zweier Stücke erhalten, Swete II 338f. Vgl. Fritzsche bei Migne G. LXVI 72 C.

29. Sermo de legislatione. Nichts erhalten, vgl. Fritzsche bei Migne G. LXVI 73A.

Soweit die Schriften nach dem Katalog des Ebed Jesu. Die Chronik von Seert kennt außerdem folgende Titel:

30. Sur l’avènement de l’imposteur (de l’Anti-Christ). Nichts erhalten. Leontius adv. Nest. et Eut. III 28.

31. Lettre à un renegat. Nichts erhalten.

32. Explication de la doctrine d’ Arius. Nichts erhalten. [1889] Schließlich ist in syrischer Übersetzung ein Werk überliefert, das zunächst mit keinem der vorstehend genannten identifiziert werden kann.

33. Disputatio cum Macedonianis. In Cod. Mus. Brit. or. 6714 ist diese Schrift überliefert, die wohl eine Nachschrift oder nachträgliche Zusammenfassung einer im J. 392 in Anazarbos (Cilicia secunda) gehaltenen Disputation ist. Veröffentlicht: Patrologia orientalis IX 637–667. Die Subscriptio S. 667 lautet: τέλος τοῦ (sc. λόγου) περὶ τοῦ ἁγίου πνεύματος; vielleicht ist danach die Schrift mit nr. 18 zu identifizieren.

34. Liber mysticus. Bei Facundus pro def. III 2 (Migne L. LXVII 585 A) ist ein Fragment überliefert, das Facundus mit den Worten tertio decimo libro codicis quem mysticum appellavit einführt. Vgl. Swete II 332 und Fritzsche bei Migne G. LXVI 71 C.

35. Πρὸς τὰς κατὰ Χριστιανὸν κατηγορίας Ἰουλιανοῦ τοῦ παραβάτου. Der Titel wird in der Katene des Cod. Vatic. Palat. gr. 20 (Karo-Lietzmann 576) einigen Stücken vorangestellt. Tatsächlich enthält das erste Fragment eine direkte Bezugnahme auf Iulian. Man wird sich zunächst an den Titel der Katene halten und eine Schrift T.’ gegen Iulian als durch die Fragmente bezeugt hinnehmen. Die Zweifel von Fritzsche in: N-T. Commentariorum 10 und bei Μigne G. LXVI 50 B verschlagen nicht.

86. Einen Kommentar zum Hohenlied darf man wohl auch für T. annehmen, obwohl keinerlei Fragmente, auch nicht in den Katenen, erhalten sind. In den Akten des 5. Konzils ebenso wie bei Leontius (adv. Nest. et Eut. III 16, Migne G. 86l, 1865 D) finden sich Hinweise auf die Exegese des Hohenliedes, so daß ein Kommentar der gerade wegen seiner selbst von Theodoret nicht gebilligten Auffassung des Hohenliedes – T. hielt das ᾆσμα[WS 1] für ein Hochzeitslied – früh dem Untergang verfallen ist. Vgl. Fritzsche bei Migne G. LXVI 47 D und Rev. bibl. XXXVIII (1929) 394.

37. Ein Opus historicum muß nach den Untersuchungen von Parmentier über T. als Quelle für Theodorets Kirchengeschichte (Theodorets Kirchengeschichte hrsg. von L. Parmentier S. XCIff.) angenommen werden. Ob allerdings, wie Parmentier glaubt, die historischen Nachrichten, die von T. bezeugt werden, nur dem Werk gegen Eunomius entnommen sind, scheint mir zweifelhaft, denn T. wird bei Nicetas Choniates als Gewährsmann für Nachrichten über die Geschichte des nicänischen Konzils genannt (vgl. Migne G. CXXXIX 1367B. 1376D). Das gleiche begegnet in dem anonymen nestorianischen kirchengeschichtlichen Fragment für die Synode in Seleucia im J. 359, vgl. Oriens Christianus I (1901) 91. Einer Notiz bei Swete II 323 zufolge ist einmal eine syrische Hs. einer Geschichte des nicänischen Konzils, verfaßt von T., gesehen worden. Um die historischen Fragmente aus dem Werk des T. zu sammeln, bedarf es einer über Parmentier in der bezeichneten Richtung hinausführenden Untersuchung.

38. Symbol. In Ephesus 431 wurde ein Symbol verlesen, das T. verfaßt hat. Maßgebende Ausgabe jetzt Acta conc. oec. I 1, 7 S. 97, 25–100,4. Vgl. Migne G. 861 1025 B.

[1890] 39. Μingana hat im Bulletin of the John Rylands Library vol. V (1919) nr. 3. 4, April bis November, aus einer syrischen Hs. der John Rylands Library: Select questions excerpted from the works of the blessed Theodore, the Interpreter herausgegeben. Einer eingehenden Untersuchung bedarf es noch, um festzustellen, wieweit tatsächlich die echten Schriften T.’ in dieser Schrift verwertet sind.

40. Liturgie. Unter dem Namen T.’ ist eine Liturgie erhalten, vgl. Bardenhewer III² 321. Leontius adv. Nest. et Eut. III 19, Migne G. 861, 1368 C.

41. Sachau hat S. 60ff. einige Fragmente zugänglich gemacht, die noch der Identifizierung, wenn sie möglich ist, bedürfen.

Schon aus der Zusammenstellung der Reste des literarischen Werkes T.’ geht hervor, daß die Sichtung des Materials noch keineswegs abgeschlossen ist. Vostés weitreichende Nachforschungen in der nestorianischen Literatur haben schöne Ergebnisse gezeitigt, andererseits hat Devreesse dargetan, mit welcher Vorsicht die ganze Überlieferung nicht nur bei den Nestorianern, sondern auch bei den Lateinern und Griechen zu überprüfen ist (Rev. bibl. IXL [1930] 362ff.). (Auch hier erweist sich eine Ausgabe der Schriftsteller rund um das 5. Konzil, aber vor allem des Leontius und Iustinian, als unumgänglich notwendig.) Aber nichtsdestoweniger wird es unerläßlich sein, die orientalische Überlieferung nach Spuren der Werke T.’ zu durchforschen. Z. B. läßt Theodor Bar Koni noch Ausbeute erhoffen, vgl. Baumstark Oriens Christ. I (1901) 178ff.

Literatur. Am besten immer noch O. F. Fritzsche De Theodori Mopsuesteni vita et scriptis, Halle 1836, abgedruckt bei Migne G. LXVI 10ff. Hier ist selbstverständlich mit Ausnahme von Ebed Jesu die ganze orientalische Überlieferung nicht verzeichnet. Diese hat jetzt Baumstark Gesch. d. syr. Lit. 102ff. bequem zusammengestellt. Ferner sei auf Swetes Einleitung zu seiner Ausgabe des Paulinenkommentars, und vor allem auf seinen ausgezeichneten Artikel in: Smith and Wace Dictionary[WS 2] of Christian biography verwiesen. Wertvolle Ergänzungen liefert Lοofs Realenzyklopädie f. prot. Theol. u. Kirche3 XIX 598. über die Exegese T.’ handeln: Η. Kihn Theodor von Mopsuestia und Iunilius Africanus als Exegeten, Freiburg i. B. 1880. L. Pirot L’oeuvre exégétique de Theodore de Mopsueste. Rom 1913 (Scripta pontificii instituti biblici VII). Die jüngsten, besonders ertragreichen Arbeiten sind oben jeweils genannt, besonders Vosté La Chronologie de l’aetivite lit-töraire de Theodore de Mopsueste, Rev. bibl. XXXIV (1925) 54ff.; l’oeuvre exégétique de Théodore de Mopsueste au IIe concile de Constantinople, Rev. bibl. XXXVIII (1929) 382ff. 542ff. Bardenhewer[WS 3] Gesch. d. altchristl. Lit. III3 312ff. In Harnacks wie Loofs Dogmengeschichten möge man über die theologiegeschichtliche Bedeutung T.’ nachlesen.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: ἄσμα
  2. Vorlage: Dictinary
  3. Vorlage: Bardenhever