RE:Timaios 9

Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Astrologe
Band VI A,1 (1936) S. 1228
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9) Astrologe, der eine Zeitlang viel benutzt wurde. Vett. Valens hat aus ihm ein Kapitel περὶ γονέων (II 31) mit schwachen Spuren der gehobenen Ausdrucksweise, die Valens IX pr. an T. hervorhebt (Kroll zu 102, 24). Dort heißt es nach dem Zitat aus Kritodemos’ ὅρασις (ο. Bd. XI S. 1928): ἄλλως τε καὶ ὁ Τίμαιος καὶ … οὗτοι μὲν οὖν καλλονῇ λόγων ἐνεχθέντες καὶ τερατολογία οὐ κατὰ τὰ ἐπαγγέλματα τὰ ἔργα ἐπέδειξαν. Ferner nennt ihn Antiochos (Suppl.-Bd. V S. 2) Catal. cod. astrol. VIII 3, 116, 3 für χρηματίζοντα ζώδια, d. h. für die Stellen der Dodekatopos, die Einfluß haben; wenn auf den Text Verlaß ist, so hatte er sich bereits auf Hermes berufen (o. Bd. VIII S. 797ff.). Durch Palchos kennen wir 30 ein Kapitel Τιμαίου Πραξίδου περὶ δραπετῶν καὶ κλεπτῶν, ediert Catal. cod. astrol. I 97, wo hinter Πραξίδου wohl Πραξιδίκου steckt (s. d. u. vorläufig Crusius Philol. N. F. XI 642. v. Wilamowitz Herm. XXXIV 634), ursprünglich vielleicht Τ. ⟨ἐκ τῶν⟩ Πραξιδίκου (oder Τ. ⟨ἢ⟩ Πραξ.?). Dann würde sein Werk schon einen Anthologie-ähnlichen Charakter getragen haben wie das des Valens.

Dieser T. dürfte identisch sein mit dem, den Plin. n. h. II 38 für die altbekannte Tatsache anzuführen für nötig befindet, daß die Venus sich nur 46° von der Sonne entfernt. Ob er auch für das Vorhergehende benutzt ist, worin sich chaldäische Lehre findet (W. Kroll Die Kosmologie des Plinius. Breslau 1930, 10), läßt sich nicht mit Sicherheit sagen. Plinius nennt ihn zweimal mathematicus; er führt ihn V 55 für die Nilschwelle an, und zwar läßt er die Sonne gerade zur Zeit der Sommerwende durch ihre große Kraft das Wasser an sich ziehen (s. d. Art. Nilschwelle), betont also auch hier den siderischen Einfluß (Kroll 65f.). XVI 82 läßt er die Blätter der Bäume abfallen, wenn die Sonne im Skorpion stehe, woran die Giftigkeit dieses Zeichens die Schuld tragen soll. Tzetzes nennt ihn, kennt ihn aber natürlich nur aus abgeleiteten Quellen. Suidas nennt unter den Schriften von T. Νr. 4 μαθηματικά und περὶ φύσεως; ersterer Titel (freilich recht unbestimmt) könnte auf die astrologischen Schriften unseres T. gehen.

Die Zeit ist dadurch ungefähr bestimmt, daß Plin. n. h. V 55 bereits Polemik gegen seine Ansicht kennt; daß die erhaltenen Kapitel das übliche System voraussetzen (o. Bd. XVI S. 2163), und vielleicht auch durch die Berufung auf Hermes also wohl erstes vorchristliches Jahrhundert. Vgl. Kroll Kosmologie 10f.