RE:Nechepso

Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Verf. eines großen astronom. Werkes
Band XVI,2 (1935) S. 21602167
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Nechepso [...] tere Überlieferung der griechisch-mittelalterlichen Zaubertexte nicht eingegangen zu sein scheint.

[K. Preisendanz.] [2161] καὶ Ἀοκίηπιοῦ (Reitzenstein Poimandres 119 versteht συνηδρευοαν so, daß ,Petosiris und N. sich über eine ältere Literatur miteinander beraten bzw. sie kommentieren'; falsch jedenfalls die Änderung in συνίδρυσαν). Ähnlich Firmic. III 1, 1 (N. und Petosiris secuti Aesculapium et Ha-nubium, quibus potentissimum Mercurii numen istius scientiae secreta commisit (ähnlich Maneth. V 1ff.). IV 3, 5 omnia quae Aesculapio Mercurius et Chnubis (einhnus uix, corr. Reitz.) tradide-1 runt, quae Petosiris explicavit et N. (vgl. III pr. 4).

In frg. 1 erzählt N. von einer nächtlichen Vision, in der er die Bewegungen der Gestirne erblickt und sich an der Schönheit des gestirnten Himmels berauscht; das gehört mit ähnlichen Stellen bei Poseidonios eng zusammen (Reitzenstein 4). Dazu mag man frg. 33 halten, das aber nicht in denselben Zusammenhang gehört, wo Petosiris, ,der mit vielen Scharen von Göttern und Engeln verkehrt hatte', eine Zauber- 2 formel mitteilt, durch die man Ananke herbeirufen kann; das ist echt ägyptischer Zauber (vgl. auch Val. 241, 14). Eine (natürlich fiktive) Geheimhaltung deutet Lyd. de ost. 6, 16 an, und darauf könnten sich auch manche der Klagen über Dunkelheit (u. S. 2166, 15) beziehen; vgl. etwa Kroll De orac. chald. 59, 2. Dieterich Mithraslithurgie 52.

Der Inhalt war viel reichhaltiger, als es die auch schon ziemlich ausgiebigen direkten Zitate i erkennen lassen; er enthielt den Kern des später gangbaren Systems der Astrologie. Wo die uns erhaltenen Systematiker zusammenstimmen, wird man ihre Lehre meist direkt oder indirekt auf N. zurückführen können. Einen Anfang zur Wiederherstellung des Systems hat K. Darmstadt Quaestiones apotelesmaticae (Diss. Breslau 1916) gemacht; leider ist die Arbeit in den Anfängen steckengeblieben. Direkt bezeugt sind uns Lehren über die Größe der Planetenbahnen (frg. 2, dazu ¹ Kroll Die Kosmologie des Plinius 23), die uns N. von wissenschaftlicher Astronomie berührt zeigen; von den Sota frg. 3 (wo wir das ägyptische System mit Bouché 207 auf N. zurückführen dürfen); von den Aufgangszeiten der Zeichen, die N. aber nur für das erste Klima, das von Alexandreia, gegeben hatte (Honigmann Die sieben Klimata, Heidelb. 1929, 42). Sie war eng verknüpft mit der Berechnung der mensch-lichen Lebensdauer (frg. 17, Bouché 403). Vorgetragen war ferner die Lehre von der Hepta-zonos, der Anordnung der Planeten nach den Umlaufszeiten (deren Kenntnis auch frg. 2 vor-aussetzt) - auch das ein Beweis für astronomische Kenntnisse (o. Bd. VII S. 2557). Daß sie von N. eingeführt wurde, möchte man vermuten, und es wird überdies durch Thrasyllos (s. d.) bestätigt, der sich dafür auf N. beruft (Catal. VIII 3. 100, 19). Dies spricht auch für Bolls Vermutung (o. Bd. VII S. 2572f.; vgl. Hb. Jahrb. XXXI [1913] 114), daß die Einführung der Planetenwoche dem N. zu verdanken ist. Doch scheint es, daß ihr letzter Ursprung in Babylon zu suchen ist; Orig. Ceis. VI 22 führt sie auf die persische Theologie zurück, und Lyd. de mens. 21, 1. 23, 17. 33, 2 Wü. schreibt sie Zoroaster und Hystaspes (s. Suppl.-Bd. VI) und den Chaldäern zu (Cumont Rev. Hist. Rei. CIII 54). Behandelt [2162] war ferner die Wirkung der Finsternisse und der sie begleitenden Erscheinungen (frg. 60., zu ergänzen aus CataL VII 1320.), die Kometen (frg, 9–11), der Sothisaufgang (frg. 12), die Lehre von den Dekanen (frg. 13), die mit-der latro-mathematike eng verknüpft war (frg. 28), die Stellung des Mondes bei Geburt und Empfängnis (frg. 14), der κλήρος τῆς Τύχης (sors Fortunae, frg. 19), der μὴν χρηματιστικός d. h. der sich für 0 ein Unternehmen eignende (frg. 20, vgl. 21), und

die ganze Lehre von den καταρχαί (o. Bd. X 8.2484): vgl. CataL 1138; die Aspekte (Catal. VI 62), die Lebensdauer (frg. 16f.), die Klimakteres (frg. 23, s. o. Bd. XI S. 844), die Macht des οἰκοδεσπότης (frg. 24), die Nativität der Welt (frg. 25). Von der Sphaera barbarica d. h. einer Liste der nichtgriechischen (babylonischen und ägyptischen) Sternbilder behauptet Finnic. VIII 5, N. habe sie nicht gekannt; es zeigt sich aber, daß sie das JO Sternbild Eileithyia kennen, und das diskreditiert Firmicus’ Behauptung (Boll Sphaera 374). Jedenfalls würde diese Mischung babylonischer und ägyptischer Elemente zu allem, was wir von N. wissen, gut passen. Denkbar wäre auch, daß er der Schöpfer des Tierkreises, d. h. seiner astrologischen Verwendung, ist, soweit hier von einer Schöpfung die Rede sein kann; die Einteilung der Zeichen (und Planeten) in männlich und weiblich, Tages- und Nachtreihen usw. wird auch 30 auf ihn zurückgehen. Was von der Mikrokosmosidee (hominem ad naturam mundi formatum Fir-mic. III pr. 4) wirklich bei N. stand und wie weit der Mystizismus bei ihm reichte (Cumont Bull. Acad. Belgique 1909, 280), ist schwer zu sagen, und die Kausalitäten sind hier noch unklar (Gundel bei Boll Sternglaube 167). Ähnlich steht es mit der astrologischen Geographie, von der N. sicher mindestens den Kern hatte (Heph. Theb. 47, 20 Eng., dazu Boll Stud. über 40 Ptolem. 188, 2).

Einen breiten Raum nahm die latromathema-tike (o. Bd. IX S. 802) ein, die im 14. Buche stand. Dieser Sachverhalt ist dadurch verdunkelt worden, daß man in frg. 35 i3' durch die Cardinal- statt durch die Ordinalzahl auflöste (Catal. VIII 4. 255, 17 ist keine Gegeninstanz), wodurch selbst Cumont in die Irre geführt wurde (Rev. Phil. XLI 102). Es ist das Buch, das der um J. 60 n. Chr. schreibende Thessalos (s. d.) in 50 Alexandreia auffand (Catal. VIII 3. 135, 13. Ebd.

Ylli 4, 2530.); es enthielt θεραπείας ὄλου τοῦ σώματος καὶ παντὸς πάγους κατὰ ζωδιον διὰ λΙΦων τε καὶ βοτάνων (verwandt die hermetischen Schriften o. Bd. VID S. 797 Nr. 9f.; vgl. über die Kyraniden o. Bd. XII S. 127) und ist wohl in dem Traktat des Thessalos stark benutzt. Hier waren nicht nur astrologische Lehren vorgetragen, sondern auch Heilmittel behandelt (frg. 30 –32. 35); bemerkenswert ist, daß einzelne Teile 60 der ζφδιά direkt auf den Körper einwirkten, z. B.

die dunklen Partien der Fische Blindheit u. dgl. verursachten (frg. 27). Benutzung bei Hermes (o. Bd. VIII S. 798): Heeg S.-Ber. Akad.Berl. 1911, 995; bei Aetios: Wellmann Herm. XLII 535.

Mehrfach begegnet in astrologischen Sammelhandschriften ein κύκλος Πετοσίρεως, von dem Bouché 539f. nach Berthelot Collection des alchimistes grecs I 88. 90 zwei Zeichnungen [2163] abdruckt; dazu gehört der Brief des Petosiris au N. frg. 37fi. Hier wird der Name des Kranken in seinen Zahlenwert verwandelt, durch 29 (Mondzahl) geteilt und aus dem verbleibenden Rest erschlossen, ob und wie der Kranke genesen wird (vgl. Hippol. IV 14). Ob dieser Brief zum alten Bestände gehört, kann man bezweifeln; denn so fest man auch in Ägypten an die Zauberkraft des Namens glaubt, so weist doch wohl diese Methode auf späteren griechischen Ursprung (Kroll Mitt. Schles. Ges. f. Volkskunde XVI 187). Vgl. dazu Boll Bb. Jahrb. XXXI (1913) 130.

Es läßt sich also zeigen, daß das im Art. Ästrologie geschilderte System im wesentlichen bei N. vorlag; wenn dieser Artikel heute veraltet ist, so ist es nicht die Schuld des Verfassers, sondern des seitdem besonders durch den Catalogus codicum astrologorum graecorum (hier zitiert als Catal.) erheblich angeschwollenen Materiales, das auch auf N. neues Lucht geworfen hat.

Wenn auch die Namen N. und Petosiris schwindelhaft sind, so kann doch die Entstehung in Ägypten nicht bezweifelt werden; das zeigt außer dem Zusammenhang mit Hermes-Thot der Sothis, die Beschränkung auf die Breite von Alexandria und die wohl aus N. herzuleitenden ägyptischen Dekannamen (Bouché 232. Housman Manii. IV p. VI). Dazu kommt Folgendes. Während die Astrologie letzten Endes auf Babylon zurückgeht und Ägypten wenig mehr als eine Vermittlerrolle spielt, finden wir doch bei Vergleichung der wichtigsten späteren Autoren einen gewissen auf Ägypten weisenden kulturellen Untergrund; darüber hat W. K r o 11 Catal. V 2,143fi. Einiges zu ermitteln versucht. Wir finden z. B. die ägyptischen Katochoi (o. Bd. X S. 2533), die εἰσαγγελεῖς, die Strategen und Vieles, was zwar' nicht speziell auf Ägypten, aber doch auf eine hellenistische Monarchie hinweist; so die Könige und die βασιλείς βασιλέων, die βασιλικοὶ γραμματείς. Die Griechen haben das ziemlich unverändert beibehalten, Firmicus begreiflicherweise versucht, Bezeichnungen der römischen Kaiserzeit unterzuschieben (s. o. Bd. VI S. 2372).

Ob sich hinter den beiden Namen wirklich zwei Autoren verbergen und ob es nicht vielmehr einer war, der seiner Fiktion einer Entstehung in uralter Zeit dadurch ein Fundament gab, daß er N. und Petosiris sich gegenseitig anreden ließ, läßt sich nicht sicher ausmachen; ich neige zur Annahme eines Verfassers. Über seine Zeit hat nach früheren Versuchen W. Kroll Ilb. Jahrb. 1901, VII 572 gehandelt. Frg. 6 (vgl. 7. 10. 12) verrät einen geographischen Horizont, der ganz auf einen in Ägypten im 2. Jhdt. v. Chr. schreibenden Autor paßt: im Vordergründe des Interesses stehen die um das Ostbecken des Mittel-meeres gelegenen Länder; Italien wird selten genannt, Rom nur einmal (auch das von Boll Catal. VII 130 bezweifelt). Ob man Catal. VII 3. 163, 14 für das 14. Buch reklamieren kann, ist nicht ganz sicher. Dort werden Pflanzen aus Ägypten, Arabien, Asien und Syrien empfohlen (Ἰταλίας erweist sich durch die lateinische Übersetzung Catal. VIII 4, 261 als Interpolation). Von einzelnen griechischen Landschaften wird nur Euboia und Makedonien je einmal erwähnt. Das einmal zwischen Medien und Indien aufge- [2164] zählte Γερμανία ist in Ἀρμενία oder Καρμανία zu emendieren (auch bei Claudian. 18, 354 ist Carmani in Qermani verdorben). Es ist derselbe Länderkreis, der uns in der Dodekaoros entgegentritt (Boll Sphaera 297), In den Prophezeiungen spielen Ägypten und Syrien, zumal Kriege zwischen beiden Ländern, eine Hauptrolle. Wenn etwa im Widder gegen Morgen eine Sonnenfinsternis eintritt, so gibt es in Syrien Mord; die 10 Herrscher von Syrien und Ägypten verfeinden

sich, kommen nach IVa Jahren um, und andere treten an ihre Stelle (frg. 6, 66). Wenn es frg, 6, 101 heißt, in Babylon werde ein ἠγούμενος abfallen (wohl ursprünglich ein Satrap) und die Libyer würden ihren Herrscher töten, so ist mit Libyen wohl Kyrene gemeint. Auch der in Kypros landende fremde Fürst wird der König von Kyrene sein (frg. 6, 98); man denke an den Streit zwischen Philometor und seinem Bruder (Niese 20III 210; vgl. das von Oliverio Documenti dell*

Africa italiana I edierte Testament des Königs von Kyrene [Hinweis von Cum ont]). Öfter werden Kämpfe zwischen Hellenen und Barbaren in Aussicht gestellt; was für Barbaren gemeint sein können, zeigen die frg. 6, 147 genannten Galater (s. u.). Unter den in Syrien einfallenden Barbaren werden sich die Parther verbergen (frg. 6, 167). Alle diese Dinge passen gut auf das 2. Jhdt., und manches scheint bis etwa an 30 J. 125 heranzuführen; merkwürdig ist, daß

Bouché 367 aus astronomischen Erwägungen auf etwa dieselbe Zeit kam. Zu erwägen bleibt immer, daß N. bereits ältere babylonische Tafeln benutzt, wie Bezold-Boll (S.-Ber. Akad. Heidelb. 1911, 13. 38) gezeigt haben. Es heißt bei N. Catal. VII 133, 24: »Wenn sich die Sonne in den Zwillingen in der 1. oder 2. oder 3. Stunde verfinstert, so wird der Herrscher Asiens nach einem halben Jahre sterben; die Führer werden 40 vom Volke getötet werden und andere ihre Stelle einnehmen*; dazu vgl. die babylonische Tafel:, Wenn im Sivan (Mai-Juni) die Sonne sich verdunkelt, wird der König sterben und sein Sohn den Thron einnehmen/ N. hat also spezifisch Babylonisches auf sein Land und seine Zeit zuschneiden müssen, so gut es ging. Daraus mag sich das Fehlen der Römer erklären, falls man nicht bei den »Barbaren* an sie denken darf (z. B. frg. 6, 91 βαρβάρων στρατιάν πολεμησαὶ τοῖς Ήλλησι καὶ ἐλεῖν αὐτούς, vgl. Catal. VII 142, 11).

Nun steht Catal. VII 149, 4 der Satz Ἔλληνες πρὸς ἄδηλους πολεμήσουσιν, aus dem Boll ebd. 130 auf Abfassung vor J. 146 schließen möchte; vielleicht ist es am richtigsten, von Abfassung um 150 herum (mit Spielraum nach unten) zu reden.

Ein neues Moment in die Waagschale zu werfen scheint ein im J. 1920 bei Hermopolis gemachter Fund (Lefebure Annales du service des antiquités de l’Égypte XX 41. 207. Spie-60 gelb er g S.-Ber. Akad. Heidelb. 1922. Wre-

s z i n s k i Schriften d. Königsb. Gel. Ges. IV 2. 1927). Es handelt sich um das Grab eines Hohenpriesters des Thot; als Zeit ergibt sich aus den begleitenden Inschriften und Skulpturen das Ende des 4. Jhdts. v. Chr. Aus etwas späteren, etwa der Mitte des 3. Jhdts. angehörigen Graffiti lernen wir, daß das Grab, das einmal Ἰερόν genannt wird, damals besucht wurde; ein Be- [2165] sucher hat sich durch die Trimeter verewigt Πετόσειριν ἀνδω το(ν) κατὰ χθονὸς νέκνν, ννν θ ἐν θεοΙσὶ κείμενον μετὰ σοφῶν σοφό(ν). Die Möglichkeit ist nicht ganz abzuweisen, daß bei der Wahl des Namens Petosiris durch unseren Fälscher die Erinnerung an diesen hochangesehenen Priester mitgewirkt hat, wenn sich auch dafür in den Inschriften des Grabes kein weiterer Anhalt findet (Lefebure Le tombeau de Pet. L Paris 1924, 9 gegen Spiegelberg). S. auch Pie-1 per OLZ XXX 1048. XXXI 186.

Dieses Ergebnis läßt sich auch durch andere Erwägungen stützen. Die ersten, die N. und Petosiris nennen, sind Thrasyllos, der obenerwähnte Thessalos und Lukillios Anth. Pal. XI 164, für den Petosiris bereits die astrologische Autorität ist; ebenso für Iuv. 6, 581 (nach Nennung des Thrasyllos) capiendo nulla videtur aptior hora cibo nisi quam dederit Petosiris. Die Lehre von den Aspekten, einer der Kernpfeiler 2 des astrologischen Systems, kennt zuerst Panai-tios bei Cie. de div. II 89; sie stammt nicht aus Babylon, sondern aus der ägyptischen Astrologie und stand gewiß bei N. (vgl. Herm. LXV 6), Bei Manilius nimmt man auch Benutzung des N. an (o. Bd. XIV S. 1125), und er mag bei den regales animi des Orients, die zuerst die Geheimnisse des Himmels erkannten (141), anN.gedacht haben. Weiter führt folgendes. N. gehört mit der hermetischen Literatur über Astrologie zusammen, ί die, soweit sie damals bekannt war, o. Bd. VIII S. 797 aufgezählt ist (vgl. dazu Cumont Rev. Phil. LXII 63–108). Auch deren Entstehung wird in die für N. angenommene Zeit zu setzen sein (womit aber über das Alter des erhaltenen Corpus Hermeticum nichts ausgesagt sein soll). Beide knüpfen unmittelbar an die babylonische Astrologie an, indem sie deren regellose Lehren zu einem System ausbauen. (N. weist bei Val. 354, 2 selbst auf Vorgänger hin.) Wir konnten. das o. S. 2161, 59 in einem Falle nachweisen; ein zweiter wird durch die Benutzung der Salmeschi-niaka (Suppl.-Bd. V S. 843) geliefert, die für die Lehre von den Dekanen wichtig ist. Wir finden vielfach noch durchaus die altbabylonische Art der Voraussagung, die nur Weissagungen für Völker und Länder, nicht für Einzelschicksale kennt. Vgl. etwa noch frg. 12, 12 (von Sothis): ,Wenn der Stern groß und leuchtend aufgeht und der Nordwind weht, so verkündet er normales Ansteigen des Nil und auch sonst Günstiges, Gedeihen der Saaten und Fruchtbarkeit und für den König des Landes Sieg über seine Feinde? Auch die Prognostik der Finsternisse und Kometen be; wegt sich ganz in dieser Sphäre. - Ferner hat Boll darauf hingewiesen, daß Tarutius Firmanus (s. d.), ein Freund Varros, das Horoskop des Romulus und der Stadt Rom nach dem ägyptischen Kalender berechnete, also von ägyptischer Astrologie, vielleicht also von N., ausging (Sphaera 373). Möglich ist das erst nach Beros-sos und den griechisch schreibenden Schülern der Chaldäer wie Epigenes (o. Bd. VIS. 61). Es liegt also eine gewisse Wahrheit darin, wenn Lyd. de ost. 6, 13 den Petosiris zu einem Nachfolger Zo-roasters macht.

Über die Sprache ist schwer zu urteilen, da die Zahl der wörtlichen Zitate gering ist; meist [2166] referieren die Benutzer über N.s Ansicht mit eigenen Worten (wörtliche Wiedergabe bezeugt frg. 21, 98 = Val. 280, 9). Auffallend ist der Gegensatz zwischen trockenem sachlichem Ton und Partien in gehobener Sprache; die Erzählung der Vision in frg. 1 geht in Iamben über, und sie finden sich auch in frg. 24 und bei Val. 333, 2 59, 29; doch ist Usener (bei Rieß) in der Aufspürung von Versen zu weit gegangen. Das ge-0 hört in das Gebiet des ,Prosimetrum* (Immisch

Hb. Jahrb. 1921, 418; s. o. Bd. X S. 1712. XV 8. 892) und ist um so schwerer zu beurteilen, als wir zu wenig zusammenhängenden Text besitzen; griechische Lehrdichtung mag eingewirkt haben. Die Benutzer des N. klagen über seine Dunkelheit (VaL 124, 4. 351, 31. Firmic. VIII 2, 1 = frg. 16 istum tractatum Petosiris ... invido voluit stridore celare), und wir finden nicht selten gequälten und gekünstelten Ausdruck; vgl. etwa Val. !0 128, 25ff. 112, 18. 289, 36. 291, 12. 354, 2. Es scheint das Bestreben vorzuliegen, den trockenen Ton des Handbuches und die Monotonie der technischen Sprache zu vermeiden, ohne daß das immer möglich war.

Die Benutzung des Buches war eine starke; eine gewisse Konkurrenz bedeuteten, besonders wohl in der ersten Zeit, die hermetischen Schriften. Charakteristisch ist, daß der Epitomator der Tetrabiblos von Ptolemaios sagt, er sei genauer 50 als sein Vorgänger N. und Petosiris und Hermes (Catal. VIII 3. 93, 8). Gegenübergestellt werden Hermes und N. von Timaios (s. d.) bei Antiochos Catal. VIII 3. 116, 10 (vgl. Cumont ebd. 111, 2), der zu den ältesten Benutzern gehört; denn Cumont Mélanges Bidez = Annuaire de Philol. Orient. II'(1933) 135 zeigt aus dem, was von Antiochos erhalten ist, daß er keinesfalls ins 3. oder auch nur 2. Jhdt. n. Chr. gehört (Suppl. IV S. 32), sondern etwa zwischen 100 v. und 50 40 n. Chr. N.-Petosiris und Kritodemos (Bd. XI S. 1928) bei Valens 301, 26. Plinius nennt N. zweimal, benutzt ihn aber nicht direkt; Vermittlung durch Poseidonios oder Varro oder beide ist möglich (Herm. LXV 1Π.). Thrasyllos entnahm aus ihm die Heptazonos; die Notiz des Ärzteverzeichnisses in Cod. Laur. 73, 1 Thessalus ex Nechepso (Wellmann Herm. XXXV 370) zeigt, daß er auch von Medizinern als Autorität betrachtet wurde (Catal. VIII 4, 253). Ptolemaios 50 nennt ihn zwar nur einmal (frg. 15), legt ihn aber wohl meist seiner kritisch revidierten Astrologie zugrunde; so gibt er die δριὰ τῶν ἈΙγνπτίων, um sie zu verbessern (Bouché 207S.), und folgt ihnen, wie der Scholiast 111 bemerkt, in der Lehre vom κλήρος τῆς Τύχης (frg. 19 a; s. auch 3, 4. 14a und Bouché 288 [mit einigen Versehen]). Ein Ha.’ptvermittler seiner Lehren war Dorotheos von Sidon (s. Suppl.-Bd. IIIS. 412), wie wir teils selbst erschließen können, teils aus 60 Heph. Theb. fol. 115 v (cod. P) lernen καὶ τὰ ἐν τοῖς ἔπεαι Δωροθέου ἐκ τῶν Νεχεψω καὶ τῶν ἄλλων ἀννύετα ἐπιαυνάψωμεν. Ich notiere kurz Antigonos von Nikaia (Arzt!, s. Suppl.-Bd. V S. 2) und Antiochos von Athen (s. ebd., wo es Z. 45 jünger* statt ,älter* heißen muß), Hephai-stion von Theben (o. Bd. VIII S. 309), Firmicus Maternus und Iulianos von Laodikeia (o. Bd. X S. 13), der z. B, sein Kapitel περὶ καταρχῶν [2167] (Catal. I 138) paraphrasiert. Genannt wird er im 5. Buch des sog. Manethon (v. 10) und mag in dieser Kompilation öfter (vielleicht aber nur noch mittelbar) benutzt sein (o. Bd. XIV S. 1105f.). Die Araber scheinen ihn nur durch Vermittlung zu kennen.

Literatur. E. Riess Nechepsonis et Petosiridis fragm. magica, Bonn 1890. Von demselben: Fragmentsammlung Philol. Suppl. VI 325–394 (erneuerungsbedürftig). Bouché - Leclercq L’astrologie grecque (Paris 1899); vgl. das Register 646. Boll Sternglaube und Sterndeutung⁸ (von Gundel), Leipzig 1926. W. Kroll üb. Jahrb. VII (1901) 559; Mitt. Schles. Ges. f. Volkskunde XXXI 31. [W. Kroll.]

Das Werk Manethos über ägyptische Geschichte, das uns nur in Auszügen erhalten ist, nannte nach den Anszügen des Africanus und Syncellue als 2. König der XXVI. (Saiten-) Dynastie einen König N’, oder Nechepsost Sonst wissen wir von diesem König absolut nichts. Da der Astrolog niemals als König bezeichnet wird, so ist es mehr als fraglich, ob dieser recht hypothetische König und der Astrologe identisch sind.

S.Wiedemann Gesch. Ägyptens 600. Boll Sternglaube u. Sterndeutung ⁴ 96, wo Literatur über die evtl, ägyptischen Vorbilder der beiden Astrologen. [M. Pieper.]