RE:Kyklos

Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Literar. t.t.
Band XI,2 (1922) S. 23472435
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Kyklos [...] [2348] [2349] [2350] [2351] [2352] [2353] [2354] [2355] [2356] [2357] [2358] [2359] [2360] [2361] [2362] [2363] [2364] [2365] [2366] [2367] [2368] [2369] [2370] [2371] [2372] [2373] [2374] [2375] [2376] [2377] [2378] [2379] [2380] [2381] [2382] [2383] [2384] [2385] [2386] [2387] [2388] [2389] [2390] [2391] [2392] [2393] [2394] [2395] [2396] [2397] [2398] [2399] [2400] [2401] [2402] [2403] [2404] [2405] [2406] [2407] [2408] [2409] [2410] [2411] [2412] [2413] [2414] [2415] [2416] [2417] [2418] [2419] [2420] [2421] [2422] [2423] [2424] [2425] [2426] [2427] [2428] [2429] [2430] [2431] [2432] [2433] [2434] [2435] Kyklos. Im allgemeinen literarischen Sinne bedeutete dieser Ausdruck bei den Alten so viel als Zusammenfassung und Darstellung einer Reihe von Begebenheiten oder Tatsachen, etwa das, was 30 wir heute Abriß oder Enzyklopädie zu nennen pflegen, vgl. Welcker Der epische Cycl. I² 42. Dabei macht es keinen Unterschied, ob es sich um poetische oder prosaische Form handelt. Insbesondere wurden gern Darstellungen, die inhaltlich bis zu einem gewissen Grade zusammenhingen, also sich sozusagen zu einem Kreise oder Ringe schlossen, in dieser Art bezeichnet. So hat der Schüler des Isokrates, Asklepiades von Tragilos - vgl. W e nt z e 1 o. Bd. II S. 1628 - die bei den40 Tragikern vorliegenden Mythen in einheitlicher Abfolge in seinen τραγωδούμενα. behandelt: die alten Sagen in bestimmtem Zusammenhang enthielt das mythographischeWerk des Dionysios (vgl.S c h wa r t z De Dionys. Scytobrach., Bonn 1880) mit dem Beinamen d κυκλογράφος', in diesem in Prosaform abgefaßten κύκλος (vgl. v. Wilamowitz Hom. Unt. 360) war auf die Quellen (Paraphrasen nach Epen) gewisser Gruppen von Mythen hingewiesen, wie ἐν τῶ πέμπτω μέρει τοῦ κύκλου (Clem. Protr. 50 14) auf den Raub des Palladion, oder im sechsten Buche auf das Kyklopenabenteuer des Odysseus (Athen. XI 481 E). Es war dies ein förmliches Corpus der Heldensage, eine Enzyklopädie der im Epos behandelten Mythen. Daher konnte man es kurzweg als κύκλος zitieren, wie Schol. Hom. Od. II 120 ,ὡς ἐν τῶ κύκλῳ φέρεται (es betrifft die Genealogie des Argos). Vgl. Schwartz o. Bd. I S. 2882ff.

Speziell der Ausdruck ἐπικὸς κ., der als Termi- 60 nus technicus - meist für gelehrte Kreise bestimmt, v. Wilamowitz Hom. Unt. 359 - erst in später Zeit vorkommt, wiewohl er schon vor der alexandrinischen Epoche geprägt und gebraucht worden sein mag, galt als Bezeichnung einer Gruppe von Epen. Nach Proklos bei Photios, Allen Hom. Op. V S. 96, 33 würde dieser epische Ring ein unermeßliches Gebiet umfassen, indem - [2348] beginnend mit der Verbindung des Uranos und der Ge - die Götter- und Heldensage bis zum Tode des Odysseus durch, die Hand seines Sohnes Tele-gonos inbegriffen wäre, d. h. es ist hier offenbar wegen der Gleichartigkeit und Kontinuität des Inhalts der ganze Bereich der epischen Sagenkreise verstanden, ein κύκλος ἐκ διαφόρων ποιητῶν σῦμπληρούμενος (Photios S. 97, 5f. Allen). Die ποιήματα wurden geschätzt ,οὐχ ὄντω διὰ τὴν I ἀρετὴν ὡς διὰ τὴν ἀκολουθίαν τῶν ἐν αὐτῶ (ἀντοῖς Hartmann) πραγμάτων: es kam also auf den Zusammenhang und die Abfolge der Begebenheiten an. Neben diese weitere Bedeutung des Ausdruckes ἐπικὸς κ. trat eine engere, insofern man unter diesem Begriffe nur bestimmte Gruppen von epischen Dichtungen verstand, die ältere heroische Poesie, die sich an die homerische anschloß. Diese hat im Auge Clemens Protr. II 30, 5 (I 305, 33 Stählin): κυκλικοὶ δὲ καλούνται ποιηταί ol τάκύκλῳ τῆς Ἰλιάδος ἡ τὰ πρώτα ἡ τὰ μεταγενέστερα ἔξω (Schwartz, überliefert ἐς) αὐτῶν τῶν Ὀμηρικῶν συγγράψαντες. Es wären also kyklische Dichter solche, die in ihren Werken das, was vor oder hinter der homerischen Poesie liegt, behandelten, indem sich die betreffenden Erzählungen wie im Kreise rings um die Ilias reihten; auf den eigentümlichen Ausdruck κύκλω τῆς Ἰλιάδος macht v. Wi 1 a m o w i t z Hom. Unt. 357 besonders aufmerksam. So tritt der κ. ἐπικός in begrenzterem Sinne neben die homerische und hesiodische Dichtung, wie es im Schob Hephaist. 126, 20 Consbruch heißt: δείγμα δὲ (der hexametrischen Poesie) ἡ Ὄμηρον ποίησις καὶ 'Ἠσίοδος καὶ ὁ κύκλος πας: ähnlich wird neben Ilias und Odyssee unter den sonst auf Homer bezogenen Dichtungen bei Proklos Chrestom. S. 102, 6 Allen auch der κ. genannt: οἱ μέντοι γὲ ἀρχαίοι καὶ τὸν κύκλον ἀναφέρουσιν εἰς αὐτὸν [Homer] *). Dieser ,Ring‘ ist ebenso gemeint bei Athen. VII 277 Σοφοκλῆς ἔχαιρε τῶ ἔπικω κύκλω, ὡς καὶ δλὰ δράματα ποιήσαι κατακολουθῶν τῆ ἐν τούτω μυροποιία. Demgemäß wurde dann auch der Ausdruck κυκλικὸς ποιητῆς für den Verfasser eines der Epen geläufig: so gilt nach Schol. Clem. Protr. II 30, 5 (I 305, 34 St.) der Urheber der Kypria als εἰς .. τῶν κυκλικῶν; das Schol. Eurip. Andr. 10 nennt τὸν τὴν πέρσιδα συντεταχότα κυκλικὸν ποιητήν; bei Clem. Strom. I 398 ist von οἱ τοῦ κύκλου ποιηταί die Rede.

Dieser epische K. umfaßt Dichtungen des the-banischen und troischen Sagenkreises; eine der bedeutsamsten, die Thebais, führt häufig die Bezeichnung κυκλική. Sie verherrlichten das Heldenzeitalter des griechischen Volkes, das vierte der hesio-dischen Geschlechter. Die Definition bei Clemens widerstreitet dem nicht, insofern die thebanische Heldenzeit vor der troischen liegt und einzelne der Kämpfer vor Troia schon an dem Epigonenzuge teilgenommen hatten. Inwieferne auch die Titano-machie (kyklische Theogonie) einzuhziehen ist, wird unten erörtert.

Trotz gewisser Vorzüge konnten die im κ. ἐπικός zusammengefaßten Dichtungen den Ruhm der großen homerischen Epopöen nicht erreichen. Man erkannte, daß, wiewohl jene zum Teil ebenfalls [2349] dem Dichterfürsten zugeschrieben wurden, doch ein starker Unterschied bestand, sie also in Wirk* lichkeit den Anspruch als homerisch zu gelten nicht verdienten: ein Vergleich mit den klassischen Schöpfungen konnte nicht zu ihrem Vorteil ausfallen. So kam es, daß mit den Ausdrücken κ. und κυκλικός die Vorstellung von etwas Minderwertigem, Banalem oder Trivialem verknüpft werden konnte (v. Wilamowitz Hom. Unt.355f.), wie aus den bekannten Worten des Kallimachos Anth. Pal. XII 43 ἐχθαίρω τδ ποίημα τὸ κυκλικόν oder des Horat. ars pœt. 136 nec sic incipias, ut scriplor cyclicus olirn ersichtlich wird. In ähnlichem Sinne sagt Pollianos Anth. Pal. XI 130 τοὺς κυκλίοῦς τούτους τοὺς ,αὐτάρ ἔπειτα¹ λέγοντας μισω, wobei er also über die stilistische Form spöttelt. Tatsächlich liest man Theb. frg. 2 A. u. K., v. 1–5 dreimal αὐτάρ im Eingänge dreier aufeinander folgender Sätze, v. 3 in der Formel αὐταρ ἔπειτα.

Über den Inhalt und Umfang der gemeiniglich dem K, zugezählten Epen sind wir bei der Knappheit und Unzulänglichkeit der Quellen leider nur unvollkommen unterrichtet. Volle Sicherheit geben nur die geringen Überreste der Dichtungen selbst, soweit sie im Wortlaute oder in allgemeinen, den Inhalt betreffenden Angaben bei alten Schriftstellern erhalten sind. Aber auch diese stammen nicht immer aus der unmittelbaren Kenntnis der Werke selbst, sondern in manchen Fällen aus zweiter Hand. Wenn noch Pausanias X 31, 2 behauptet, die Kyprien gelesen zu haben (... ἐπιλεςάιιενος ἐν ἔπεσιν otÔa τοῖς Κυπρίοις), so ist das nicht wörtlich zu nehmen: seine Kenntnis beruht vielmehr auf einer Beschreibung der Gemälde des Polygnotos in der delphischen Lesche der Kni-dier, der aus dem K. schöpfte (v. Wilamowitz 339). Ebensowenig wird man aus der Bemerkung des Athenaios II 35 C ὁ τῶν Κυπρίων τούτο φησὶ ποιητῆς, ὄστις ἄν εἰή, mit der zwei Verse des Gedichts eingeleitet werden (frg. 13 A. = 10 K.), schließen dürfen, daß der Schriftsteller den Originaltext eingesehen hat; eine ähnliche Formel schickt er XV 682D den Versen frg. 4 A. = 3 K. der Kyprien voraus: λέγει δ' οὐν ὄστις ἐστιν ὁ ποιήσας αὐτὰ ἐν τῶ a ὀντωσί. Auch hier hat er nicht aus der Urquelle geschöpft.

Nicht zu unterschätzen sind weiter bei dem Versuche der Rekonstruktion Stellen aus älteren Dichtern, die augenscheinlich die kyklischen Epen benutzt haben, wie namentlich Pindar und die Tragiker; von jüngeren kommt gelegentlich Lykophron hinzu.

Eine sehr willkommene Ergänzung erfährt die literarische Überlieferung durch die monumentale. Wie der Bilder-K. des Theon von Samos (Plin. n. h. XXXV 144) die kyklischen Dichtungen illustrierte, wissen wir freilich nicht, aber es entschädigt uns eine reiche Fülle von Vasenbildern und plastischen Darstellungen.

Zunächst ist manches zu gewinnen aus alten Vasengemälden des sf. und auch des strengen rf. Stils, soweit sie auf epischer Grundlage fußen. Je älter die Bilder, desto wertvoller sind sie, da dann von einer Beeinflussung durch die lyrische und dramatische Poesie nicht gesprochen werden kann. Welche Gesichtspunkte bei der Bewertung solcher Darstellungen maßgebend sind, haben besonders Robert Bild u. Lied 11 ff. und A. Schneider [2350] Der troische Sagenkreis in d. ältest. griech. Kunst 186ff. dargelegt; dazu vgl. Luckenbach Verhältnis d. griech. Vasenbilder zu d. Gedichten d. ep. Kyklos, Jahrb. f. Philol. XI Suppl.-Bd. 491 ff. Eine ganz genaue Wiedergabe der epischen Szenen ist nicht zu erwarten. Es kann nicht vorausgesetzt werden, daß der Künstler stets vom Wortlaute der Dichtung abhängig ist: ist er doch in seiner Formensprache nicht denselben Gesetzen unter-10 worfen wie der Dichter, die Mittel seiner Darstellung sind andere. Auch mußten die Maler sich bis zu einem gewissen Grade ihre künstlerische Freiheit wahren, indem sie, wenigstens in Nebendingen, selbstschopferisch vorgingen. Dazu kommt, daß die Kunsthandwerker nicht immer eine tiefergehende Kenntnis der epischen Tradition besitzen mochten (Gruppe Griech. Myth. I 11). Deshalb muß man bei der Beurteilung der Vasenbilder mit Umsicht und Bedacht vorgehen, um nicht in die dich-20 terische Überlieferung etwas hineinzutragen, was bloß Zugabe des Malers oder Umgestaltung des Mythos ist, soweit diese durch den Zwang der künstlerischen Formensprache bedingt war.

Wie die Darstellungen auf Vasen, so sind auch Beschreibungen von Gemälden, denen kyklische Epen als Substrat dienten, von nicht geringem Werte: dies gilt besonders von den Bildern des Polygnotos in der Lesche zu Delphoi, seiner Iliu Persis (Paus. X 25ff.) und Nekyia (Paus. X 28ff.); 30 vgl. nebst der erklärenden Ausgabe des Periegeten von Hitzig - B1 ü m n e r III 2, 754ff. besonders Noack Iliu Persis, Gießen 1890. Robert Die Nekyia des Polygnot, Halle 1892; Die Iliupersis des Polygnot, Halle 1893. Schreiber Die Wandbilder des Polygnot in d. Halle der Knidier zu Delphi, Abh. d. sächs. Gs. d. Wiss. XVII 1897, 1 ff. Weizsäcker Polygnot’s Gemälde in der Lesche der Knidier zu Delphi, Stuttgart 1895.

Von plastischen Darstellungen sind vor allem 40 die sog. homerischen Becher zu nennen: es sind meist halbkugelförmige tönerne Trinkgefäße mit mythographischen Reliefs, denen Beischriften in Form kurzer Hypotheseis beigegeben sind. Zum Teil bis ins 3. Jhdt. zurückreichend, wie Robert in seiner trefflichen Monographie Homer. Becher. Berlin 1890, 19f, 62ff. nach wies, bieten sie neben Szenen aus den homerischen Epen auch solche aus den kyklischen. Wenn sich auch die Annahme Robert s 68, die Verfertiger der Becher hätten 50 aus der Kenntnis der Gedichte selbst heraus gearbeitet, schwer wird aufrecht erhalten lassen, so lagen ihnen doch gewiß Hypotheseis daraus vor, die sich mehr oder minder getreu an die Urquelle anschlossen. Ein gutes Beispiel hiefür bietet das Berliner Exemplar bei Winter Arch. Jahrb. XIII Taf. 5 (s. unter Ilias mikra).

Für einzelne Szenen der thebanischen wie der troischen Epen kommen Teile der Friese auf dem Heroon von Gjölbaschi-Trysa in Betracht, die in 60der Publikation von Benndorf-Niemann besprochen sind. Gelegentlich sind auch andere Denkmäler, wie Urnen (Körte Urne etruscbe) oder Aschenkisten (Schlie Darstellungen des troischen Sagenkr. auf Aschenkisten, Stuttgart 1870) und Sarkophage von einigem Werte.

Schließlich sind die sog. Tabulae Iliacae zu nennen, kleine Reliefs, welche Darstellungen aus der Heldensage auf Grund literarischer Berichte [2351] oder Hypotheseis bieten, unter Beifügung kurzer pinakographischer Angaben. Sie sind gesammelt von Jahn Griech. Bilderchroniken, herausg. von Michaelis, Bonn 1873, mit Reproduktion der einzelnen Stücke. Für die kyklischen Gedichte sind besonders wichtig die jetzt im Capitolinischen Museum aufbewahrte Tab. Iliaca, bei Jahn Taf. I, und Mancuso La tabula Iliaca d. Mus. Cap., Mem. d. Accad. d. Lincei XIV 1911 662ff. mit phototyp. Tafel; die Beischriften auch im CIG 1 XIV 1284; weiter das Marmor Borgianum (Taf. VI K 2), die Inschriften auch CIG XIV 1285, außerdem Szenen zur Aithiopis Taf. III D 1. Auf der capitolinischen Tafel findet sich ein Distichon:

........θεοδ)ωρηον μαθὲ ταξιν ὀμήρου ὄφρα δαεις πασης μετρον ἔχης σοφίας.

Das erste Wort ist nach Taf. III C 2 θεοδωρηος ἡ τέχνη ergänzt. Davor will Mancuso 730 τέχνην τὴν setzen. Diesen Theodoros hält Michaelis 92 für den Erfinder des Kunstzweiges, 2i Robert Hom. Bech. 67 und Anm. 10 für den Fabrikanten der Kunstwerke, für den Künstler Bie n-kowski Röm. Mitt. VI 201, während v. Wila -m o w i t z Hom. Unt. 333 es dahingestellt sein läßt, ob damit der Träger der Firma oder der disponierende Grammatiker gemeint sei. Wenn auch auf der Tab. Iliaca (CIG XIV 1284) Szenen aus der αἰ(θ)ιοπις κατὰ ἄρκτινον τὸν μιληotov oder der ἴλιας ἡ μικρὰ κατὰ λέσχην πυρραιον dargestellt sind, so schöpften die Verfertiger 3( solcher Tafeln, die zum Teil aus der Zeit um Christi Geburt stammen, nicht unmittelbar aus den Dichterwerken selbst, sondern aus mythographischen Kompendien, vgl. Jahn-Michaelis Vorrede VI. v. Wilamowitz a. a. O.

Bloß für die kyklischen Epen des troischen Sagenkreises kommen zu den bereits angeführten Quellen als wichtige Beihilfe hinzu die Inhaltsangaben und literarischen Notizen, die in den Überresten der Chrestomathie des Proklos enthalten 40 sind. Uber den Wert oder Unwert dieser Mitteilungen hat in neuerer Zeit ein lebhafter Meinungsaustausch stattgefunden, auf den hier in möglichster Kürze hingewiesen werden muß. Wahrscheinlich ist Proklos der Neuplatoniker des 5. Jhdts., von dem es in dem ihn betreffenden Artikel bei Suidas (auch bei Allen Hom. Op. V 94, 3f.), heißt: ἔγραφε πάνν πολλά, φιλόσοφα καὶ γραμματικά. Immisch Beitr. z. Chrestom. d. Proclus u. z. Poetik d. Altert., Festschr. f. Gom-50 perz, Wien 1902, 237ff. holt für diese Ansicht Argumente aus den Beziehungen zwischen der Chrestomathie und den Prokloskommentaren. Für die Autorschaft des Philosophen tritt ebenso ein Stein De Procli chrestom. gramm. quaest. selectae, Bonn 1907. Einen Grammatiker des 2. Jhdts. wollte in Proklos Welcker Der ep. Cycl. F 3 erkennen, da der Philosoph Allegorie und Meditation vereine, die Chrestomathie aber Nüchternheit verrate. W. Schmid Rh. Mus. II. 159ff. sieht in dem Ver-60 fasser einen Stoiker des 2. Jhdts., der kurz vor Hermogenes gelebt habe. Uber die Disposition und grammatisch-literarhistorische Bedeutung der Schrift sprach sieb Kaibel aus, Abhandl. Götting. Ges. N. F. II 4 (1898).

Für die Überlieferung der Chrestomathie kommt in Betracht ein Auszug bei Photios Cod. 239, worin nebst allgemeinen Beobachtungen über die [2352] Arten der Poesie auf die wichtigsten Vertreter des Epos und auch auf den ἐπικός x. kurz eingegangen wird. Ein besonders wichtiger Teil der Schrift pflegte in mittelalterlichen Handschriften nebst einem Bios Homers als grammatisch-literarhistorische Einleitung dem Texte der homerischen Ilias vorangeschickt zu werden. Dies geschieht in dem berühmten Codex Venetus A = Marc. 454, bei A11 e n U¹: es sind Inhaltsangaben der einzel-Onen kyklischen Gedichte; vgl. Comparetti Facsimile-Ausgabe, Leyden 1901, praef. S. VfL; der Bericht der Kyprien, welcher voranging, fehlt jetzt in dieser Handschrift, ist aber in einigen anderen Codices erhalten, deren ältester Repräsentant der Scorialensis 509 ßl 12 des 11. Jhdts. ist, bei Allen E², Über diese Handschriften mit der Hypothesis der Kyprien vgl. Allen Hom. Op. V 93 und 1870. Die Abfolge der Blätter im Venet. A, die in Unordnung geraten sind, und den richtigen) Zusammenhang besprach vor Comparetti Wissowa Herm. XIX 198ff., vgl. Hiller Jahresber. XXVI 128f. Die Auszüge aus Proklos stehen außer bei Welcker Der ep. Cycl. II² 4930. und Jahn-Michaelis Griech. Bilder-ehr. 930. bei Kinkel EGF I 160., und zwar auf die einzelnen Epen verteilt, zusammenhängend bei Allen Hom. Op. V 930., nebstdem auch in D i n -d o r f s Schol. in Hom. Il. I S. ΧΧΧΙθ.

Mit Proklos stimmen die den troischen Sagen-) kreis betretenden Abschnitte III-V aus der auf den vatikanischen und sabbaitischen (Jerusalemer) Bruchstücken beruhenden Epitome des [Apollodor] vielfach überein. Wagner hat in seiner Apollodorausgabe, Leipzig 1894, 2380. durch Wahl verschiedener Drucktypen den Consensus bezw. die Abweichungen in übersichtlicher Weise veranschaulicht. Das Verhältnis der beiden Schriften erörtert außer Wagner Proklos und Apollodoros, Jahrb. f. Phil. CXLV 2410. jetzt besonders H a r t-» mann Unters, über d. Sagen vom Tod des Odyss.. München 1917, 190. Bei [Apollodor] walten nur mythographische Interessen vor, er bietet bloße Sagenerzählung: daher ist manches Detail, das in Proklos¹ Exzerpten vorliegt, weggelassen, und anderseits wieder Sagenzüge (wie z. B. Epit. VI 27 Iphigeneia in Tauris) eingefügt, die Proidos aus der epischen Tradition nicht kennt. Im allgemeinen aber gehen viele Angaben auf gemeinsame Quelle zurück, eine Tatsache, die für die Beurteilung der Herkunft der Proklosauszüge von Wichtigkeit ist.

Die Proklosexzerpte erfordern wohlerwogene Kritik, denn es steht heute fest, daß sie nicht etwa aus den Gedichten selbst geschöpft sind. Vielmehr beruht die Berichterstattung auf mancherleiZwischen-gliedern. Es sind dies aller Wahrscheinlichkeit nach ausführliche Hypotheseis, welche letzten Endes auf Auszügen aus den einzelnen kyklischen Epen beruhen, die einst mit größerer oder geringerer Sorgfalt hergestellt wurden, vgl. v. W i 1 a m o -w i t z Hom. Unt. 331. Im Laufe der Zeit erfuhren dann diese Bearbeitungen selbst wieder gewisse Umgestaltungen und Interpolationen.

Als ausgemacht kann gelten, daß einzelne Sagenzüge, die Proklos anführt, nicht wirklich in den Dichtungen enthalten waren. Ein unzweifelhafter Beleg hiefür ist der Bericht über die Fahrt des Alexandros mit Helene nach Troia (s. unter [2353] Kypria), wo dem Zeugnisse bei Proklos das eines so alten und vertrauenswürdigen Gewährsmannes wie Herodot (II 116) gegenübersteht. Hier ist der Proklosbericht durch Interpolation aus einer mythographischen Quelle entstellt, nicht etwa aus Hom. II. VI 2895.; vgl. Wentzel Neue phil. Rundsch. 1891, 354. Hartmann 24. Manches, was dem Proidos für den Verlauf der Erzählung nicht bedeutsam genug erschien oder diese störte, blieb weg (Wagner Jahrb. f. Phil. CXLV 255), wie die Geschichte von der Geburt der Helene in den Kyprien (Bethe Herm. XXVI 595) oder die auf die Tyndariden bezüglichen Mythen vom Raube der Leukippiden und von Helenes Entführung durch Theseus; ebenso vermißt man die Erwähnung der Οἰνοτρόποι (Kypr. frg. 20A. = 17K.). Auch der Umfang der einzelnen Epen ist bei Proklos nicht immer genau angegeben. Als letzte Begebenheit aus der Aithiopis wird der Waffenstreit angeführt: aber aus frg. 2 wissen wir ganz bestimmt, daß noch vom Selbstmorde des Aias die Rede war. Zu Ende des Berichtes über die kleine Ilias wird über die Einholung des hölzernen Rosses erzählt: aber sowohl aus Arist. poet. c. 23 wie aus einer ganzen Reihe von Fragmenten des Gedichtes geht hervor, daß im letzten Teile von der Einnahme Troias gehandelt war. Doch muß gleich bemerkt werden, daß Proklos offenbar nicht darauf ausging, den ganzen Umfang jedes einzelnen Gedichtes anzugeben, weil es ihm wesentlich darum zu tun war, den Verlauf des Krieges zu schildeïn und die Begebenheiten der Reihe nach darzustellen; vgl. K. O. Müller Kleine deutsche Schriften I 401. Schreiber Herm. X 302: war nun ein Ereignis in verschiedenen Epen behandelt (wie das Ende des Kriegs in der Iliupersis und Ilias mikra), so ging er Wiederholungen aus dem Wege.

Mit Rücksicht auf den Umstand, daß bei Proklos der Inhalt der Gedichte mit fremden Bestandteilen durchsetzt und auch ihr Umfang unrichtig angegeben ist, bezeichnete ihn Bethe Herm. XXVI 598 als unglaubwürdigen Zeugen, zumal bei ihm auch Züge oder Begebenheiten, die sich in den homerischen Gedichten finden, in diesem oder jenem kyklischen Epos erwähnt seien, wie das τέρας mit den Sperlingen (Hom. II. II 303) in den Kyprien oder die Beratschlagung der Troer über ihr Verhalten gegenüber dem hölzernen Rosse (Od. VIII 506). Dieser letztere Vorwurf ist insofern problematisch, als einzelne Sagenzüge immerhin aus Homer von den Kyklikern entnommen werden konnten, anderseits aber die Übereinstimmung sich durch Beeinflussung homerischer Stellen infolge der Übernahme gewisser Züge aus dem K. ergab, wie frg. 10 A. und K. der kleinen Ilias erweist. Ari-starch verwarf Od. IV 285fl. als aus dem K. entnommen, denn nach dem Scholion stammte Antiklos, vön dem hier die Rede ist, ἐκ τοῦ κύκλου.

Die Bedenken gegen die Zuverlässigkeit des Proklos verstärken sich scheinbar, wenn man gewisse Stellen ins Auge faßt, die so klingen, als wollte der Berichterstatter glauben machen, äs sei die Anfertigung der Auszüge aus den Gedichten von ihm selbst besorgt. Wenn man Wendungen begegnet wie in dem Berichte über die Kyprien (S. 103, 20 Allen) Νέατωρ δὲ ἐν π a ρ ἐκ ß ἄοει διηγείται αὐτῶ κτλ., so scheinen die Exzerpte wenigstens in stilistischer Hinsicht den Eindruck wirklicher Aus- [2354] Kymos mianomacmej zoo*

züge zu machen. Vollends sollte man aus Äußerungen wie (bei PhotiosS. 97, 8 Allen, vgl.Hartmann 8, 12 und 10) léyw de ὡς τοῦ ἐπικὸν κύκλον τὰ ποιήματα διασώζεται καὶ σπουδάζεται τοῖς πολλοῖς schließen, daß zu Proklos’ Zeit die Epen sich noch in den Händen der großen Menge befanden, er sie also noch kannte. Indes braucht man hierin nicht die Vorspiegelung falscher Tatsachen zu erblicken (Bethe Herm. XXVI 619) 10 oder einen Kunstgriff, um den Leser bezüglich des wahren Sachverhaltes zu täuschen. Die Sache erklärt sich einfacher, wenn man mit Hartmann lOff. annimmt, daß dem Proklos ein Traktat περὶ τὸν ἐπικὸν κύκλον vorlag, worin jene Wendungen berechtigterweise vorkamen. Das konnte geschehen, wenn diese Schrift selbst auf unmittelbaren Auszügen aus den Epen beruhte oder sich an eine ältere Quelle hielt, die so beschaffen war. Der Vorlage des Proklos stehen die Troika in der 20 apollodorischen Epitome so nahe, daß Wentzel

Neue phil. Rundsch. 1891, 354 und Bethe Henn. XXVI 593ff. erklärten, das, was Proklos gebe, stamme aus einem mythologischen Handbuche, welches dem im Auszuge vorliegenden [Apollodor] sehr ähnlich war (Bethe 612). Dieses große mythographische Handbuch, das auf Grund wissenschaftlicher Auszüge aus den Dichtungen bearbeitet gewesen wäre, nahm Bethe auch als Quelle anderer Kompendien an, die mythogra-30 phischen Auseinandersetzungen verschiedener

Schriftsteller zugrunde lagen (Quaest. Diod. mythogr. 80f.). Doch bestehen gegen die Annahme eines solchen erhebliche Bedenken. Gegen Bethe sprach sich aus Romagnoli Studi ital. IX (1901) 35ff. Das Handbuch lehnte gleichfalls ab Robert Oidipus I 547ff. mit der triftigen Begründung, daß man von einem so populären Werke, das doch in der Scholienliteratur genannt sein müßte, bei den Alten nichts vernehme. Be-40 sonders eingehend äußert sich über die Schwierigkeiten, die sich der Betheschen Hypothese entgegenstellen, Hartmann 130. Nicht bloß ein einziges Handbuch dieser Art werde es gegeben haben, sondern verschiedene ähnliche Schriften, die auf Hypotheseis und Paraphrasen beruhend, eine besondere Literaturgattung ausmachten.

Mit seinem Verdammungsurteile über Proklos, dessen Angaben (wie die der apollodorischen Epitome), nur dann auf die kyklischen Epen zurück-50 zuführen seien, soweit sie sich mit den erhaltenen Fragmenten vereinen lassen (Herm. XXVI 620). ist Bethe ohne Zweifel zuweit gegangen. Man darf den Proklos, wie auch Wentzel, der für dessen Mängel ein offenes Auge hat, betont, nicht in Bausch und Bogen verwerfen. Mit der nötigen Vorsicht benutzt und durch den Vergleich mit zuverlässigen anderweitigen Quellen kontrolliert werden die Angaben aus Proidos’ Chrestomathie nicht ganz zu mißachten sein. Wenn auch ihr Wert 60 ein bedingter ist, so sind sie bei dem Versuche der Rekonstruktion der Epen keineswegs zu entbehren.

Zum K. darf man im allgemeinen folgende Epen rechnen:

Titanomachie. Ein Epos aus der Göttersage, das wenigstens von einigen ebenfalls dem K. zugezählt ward. Philon von Byblos frg. 2, 28 FHG III 570 M. redet - neben Hesiod - auch von κυκλικοί als Verfassern von Φεογονίαι γιγαν- [2355] JL*.J ΛΛνά

τομαχίαι und τιτανομαχίαι: darunter kann -: trotz des Einspruches von Welcker D. ep. Cycl. I² 89 und Bethe Herm. XXVI 682 - auch jene Titanomachie inbegriffen sein, die bei etlichen jüngeren Schriftstellern und Scholiasten erwähnt wird. Es war nicht unangemessen, den Schilderungen der Kämpfe von Helden der Vorzeit, die vielfach als Göttersöhne galten, ein Gedicht über das Ringen kosmischer Gewalten voranzustellen. Da auch hierin ein Kampf - Götter wider die 11 Titanen - die Hauptsache bildete, so kann man nicht behaupten, die Titanomachie falle inhaltlich aus dem K. heraus (Bethe 631). Zudem ward darin, wie sich aus den Bruchstücken ergibt, geschildert, wie die Herrschaft des Himmelsgottes Zeus begründet ward, dessen Walten als Herr der Welt in verschiedenen der kyklischen Heldenlieder, insbesondere in den Kyprien, zur Geltung kommt. Wenn bei Proklos (Photios cod. 239. Hom. Oper. V 96, 33 All. = EGF I 1 K.; vgl. 2( [‌Apollod.] I 1 W.) bei Erwähnung des Einganges des ἐπικὸς κύκλος von der Verbindung des Uranos und der Ge und den aus ihr entsprossenen drei Hekatoncheiren und drei Kyklopen die Rede ist, so liegt offenkundig eine Erinnerung an Hesiod. Theog. 1470. und 139ff. vor, nur ist die Reihenfolge umgekehrt; es ist aber begreiflich, daß in der Quelle des Proklos an die hesiodische Dichtung, welche, wie es scheint, die Grundlage und den Ausgangspunkt des kyklischen Epos bil- 30 dete und selbst eine Titanomachie enthält, ange-kniipft war. Indes erfuhren die in der hesiodischen Theogonie niedergelegten Vorstellungen manche Umbildung, so daß die kyklische Titanomachie einen Übergang zu der sogenannten rhapsodischen Theogonie der Orphiker anbahnen mochte, vgl. Dietze Rh. Mus. LXIX 537. Man pflegt deshalb auch von einer Zyklischen Théogonie* zu sprechen.

Uranos erschien nach frg. 1 Allen und Kinkel 40 bei Philodem. περὶ εὐσ, 61 G., ergänzt durch Hom. Epim. bei Cramer Anecd. Oxon. I 75, als Sohn des Aither, also eines Lichtwesens, während ihn bei Hesiod Gaia als loov ἐθαύτθ gebiert, Theog. 126; in der rhapsodischen Theogonie der Orphiker fig. 48 und 52 Ab. ist Aither (nebst Chaos) als Sproß des Urprinzips Chronos gedacht, Dietze 532.

Aigaion, nach Hom. Il. I 403 bei den Göttern Briareos geheißen, der unter letzterem Namen als einer der Hekatoncheiren gilt, war in dem Ge- 50 dichte nach frg. 2 A. und K. in Schol. Apoll. Rhod. Arg. A 1165 ein im Meere hausender Sohn der Ge und des Pontos: als eine der Urgewalten in der Natur steht er den Titanen im Kampfe gegen die Olympier bei, während in der hesiodischen Titanomachie die Hekatoncheiren diesen überaus wirksame Hilfe leisten, ein Gegensatz, der für die kosmogenischen Vorstellungen keineswegs bedeutungslos ist; s. Malten o. Bd. VII S. 2798.

Auch von Helios war in dem Gedichte wieder- 60 holt die Rede: nach frg. 3 A. und K. (Schol. Townl. Hom.Il.XXni 295; vgl. Hygin. fab. 183) gab es in seinem Viergespann zwei männliche und zwei weibliche Rosse; nach frg. 7 A. = 8 (Addend. S. 312) K. bei Athen. XI 470 B war des λεβης gedacht, auf dem Helios über den Okeanos fuhr, vgl. Mimnerm. frg. 12, 5f. und Stesich. frg. 8, 1f.

Auf den Titanenkampf selbst bezieht sich zu- [2356] AyuvB mwrnacmej zwo

nächst frg. 4 A. und K. bei Athen. VII 277 D, aus der ἔκφρασις eines Kunstwerkes, wohl eines Schildes, den einer der Kämpfer nach Heroenart führte; vgl. auch v. Wilamowitz Hom. Unt. 336, der wegen des Ausdruckes % als Quelle des Athenaios ein Lexikon annimmt. - Einen Angelpunkt der Dichtung bildete offenbar die Siegesfeier der Olympier, bei welcher nach frg. 5 A. und K. - Athen. I 22 C- Zeus selbst in-) mitten eines Götterreigens erschien.

Eine gewisse Rolle scheint der weise Chiron gespielt zu haben, der δικαιότατος Κενταύρων. Er erschien hier, wie sonst Prometheus, als Förderer menschlicher Gesittung; nach frg. 6 A. und K. bei Clem. Strom. I c. 15, 73, 3 St. leitete er als erster das Menschengeschlecht zur Gerechtigkeit an δείξας) ὄρκους καὶ θυσίας ἰεράς (Koechly, ἰλαράς Cod.) καὶ ἀχήματ’ Ὀλύμπου. Dietze 535 versteht hier die Erscheinungen am Himmel,) die zur Mantik führen, so daß deren Beobachtung eine gerechtere Ordnung im menschlichen Leben ermöglicht. Keinesfalls ist - trotz Pannen, frg. 10, 1 Diels - eine Änderung zu ὀήματα, wie sie einzelne Gelehrte befürworteten, notwendig.

Vielleicht gehört auch die Notiz in Schol. Laur. Apoll. Rhod. Arg. A 554 (aus Lysimachos) = frg. 7 K., S. 111 A., vgl, v. Wilamowitz Hom. Unt. 345, 22) zu den Bruchstücken des Gedichtes. Unter Berufung auf eine Γιγαντομαχία wird dort i Chiron als Sohn des Kronos bezeichnet, der ihn in Roßgestalt mit der Okeanide Philyre zeugte. Betreffs der nicht seltenen Verwechslung der Giganten und Titanen vgl. Waser o. Suppl.-Bd. III S. 661. Ilberg Myth. Lex. I 1642. Anders Gruppe Griech. Myth. I 345, 7, welcher vermutet, daß die Titanomachie auch den Gigantenkampf als Fortsetzung enthielt; ähnlich Po hlen z Ilb. Jahrb. XIX 1916, 587. - Schließlich war nach frg. 8 A. = : 9 K. (Addend. 8. 312) bei Philodem. κερὶ εὐσ. 43 G. (der Text des Papyrus hier verstümmelt) von der Bewachung der Hesperidenäpfel in dem Gedichte die Rede.

Ein sehr altes Werk kann die kyklische Titanomachie nicht gewesen sein, da sie allem Anschein nach ein Zwischenglied der hesiodisehen Kosmogonie und der im 6. Jhdt. einsetzenden orphischen Dichtung darstellt (Dietze 537). Meist wird sie ohne Verfassernamen angeführt; d τὴν Τιτανομαχίαν γράψας frg. 1. 3. 6 oder ποιήσας frg. 7 A. = : 8 K. (S. 312); einfach d τὴν Τιτανομαχίαν frg. 8 A. = 9 K. (S. 312); gelegentlich erscheint Eume-los von Korinth - frg. 2 A. und K. im Schol. Apoll. Rhod. Arg. A 1165 und frg. 3 Hygin. fab. 183 - als Dichter genannt, während Athen, I 22 C und VII 277 D = frg. 5 u. frg. 4 A. u. K. ohne Quellenangabe zwischen Eumelos und ,Ark-tinos* als Verfasser schwankt und 277 D noch hinzufügt ? δστις δήποτε χαίρει ὀνομαζόμενος: an einer dritten Stelle XI 470 B = frg. 7 A. = 8 K. (S. 312), wo er als GewährsmannTheolytos’Horoi FHG. IV 515, anführt, schließt er sich diesem, der keinen Namen nannte, ohne weiteres an.

Läßt man das Gedicht als eines der kyklischen Epen gelten - Bethe 633 möchte es »vorläufig⁴ ausscbließen -, so kann man es, wie die Herausgeber tun, nicht etwa seines Alters wegen, sondern weil es Göttersagen behandelte, den Heldenliedern, die man im K. zusammenfaßte, voranstellen. [2357] Z3dï aywos (Uiaipoaeia)

Dies sind zunächst die thebanischen Heldenlieder.

Oidipodeia. In der ausführlichen Behandlung der Oidipussage (Od. XI 271ff.), wonach Epikaste αἰόρείθσι νόοιο sich ihrem Sohne Oidipus, der den Vater erschlug, vermählt und nach Enthüllung des Greuels sich erhängt, während er zunächst βλγεὰ πασχών* weiterlebt, wird nichts von einer Vorgeschichte berichtet; ebensowenig wird eine Nachkommenschaft des unseligen Paares erwähnt; vgl. Bethe Theban. Heldenl. 22. Wecklein S.-Ber. Akad. München 1901, 683. Robert Oidipus I 112f. Dieser Version gegenüber darf man nach vorhandenen Spuren auf den Bestand einer anderen schließen, Robert I 481 Ursprünglich befreite danach der Held, ähnlich wie Herakles oder Theseus im Dienste der Kultur, wenn auch auf beschränkterem Gebiete, sich betätigend, sein böo-tisches Heimatland von arger Bedrängnis, die in Gestalt der Φιξ ὀλοή (Hesiod. Theog. 326) oder nach der heimischen Dichterin Korinna frg. 33 B.⁴ auch des teumesischen Fuchses über die Kadmeier gekommen war. Es kann recht wohl ein altes episches Lied gegeben haben, welches nach einem lokalenMythos von desOidipus Heldentat berichtete, dem jenes Ungetüm unterlag, Bethe 19f. Eine willkommene Illustration zu dieser einfachen Sagenform bietet eine rf. attische Lekythos im Museum zu Boston, veröffentlicht durch Hetty Goldman Amer. Journ. XI (1911) 379 fig. 1, danach bei Robert Oidip. I 49 Abb. 14. Der Held Oidipus holt gegen die auf ihn Iosstürmende ungeflügelte Sphinx mit einer Keule zum Schlage aus; der Felsen des ΦΙκιον ὄρος ist angedeutet. Mit diesem ursprünglich schlichten Mythos ward nachmals die Rätsellösung verknüpft, Bethe 19f. Kroll Ilb, Jahrb. XV (1912) 173. Robert 1 56f.

In erweiterter Form fand die Sage epische Behandlung in der Oidipodeia; den Inhalt wenigstens im Umriß zu ergründen haben sich außer Welcker angelegentlich und verdienstvoll bemüht Bethe 22ff. und Robert I 150ff.; vgl. hiezu die eingehende Erörterung von Höfer Myth. Lex. III 700ff.

Nach der Borgiatafel, Jahn-Michaelis Griech. Bilderchron. S. 77 und Taf. VI K2 = CIG XIV 1292 II 11 (vermutungsweise ergänzt von v. Wilamowitz Hom. Unt. 334), soll dies Gedicht, wohl in seiner letzten Gestalt, 6600 Verse umfaßt haben - τ)ην οἰδιποόειαν .... ἐπῶν οὐσαν, Ρχ -. Nach den hieraus allein erhaltenen zwei Versen frg. 2 A. und K. im Schol. des Cod. Monac. 560 zu Eurip. Phoin. 1760 Schw. erkor die würgende Sphinx auch Kreons Sohn Haimon ,κάλλιστὸν τε καὶ ἴμεροεστατον ἄλλων* zum Opfer. Nebstdem erfahren wir aus Pausanias IX 5, 11‘ frg. 1 A. und K., daß gemäß seiner Quelle - wohl einem exegetischen Kommentar - Euryganeia, Tochter des Hyperphas, dem Oidipus vier Kinder geboren hatte (vgl. [‌Apollod.] III 55 W.). Diese Mitteilung ist an eine Polemik gegen die Annahme geknüpft, lokaste sei die Mutter der*vier Kinder gewesen, unter Berufung auf Hom. Od. XI 271 ff. Als weiteres Argument dagegen wird auf das Gemälde des Onasias im Tempel der Athene Areia zu Plataiai verwiesen, der die Euryganeia bei dem Bruderkampf ihrer Söhne betrübt anwesend sein ließ. Für beide erwähnten Sagenzüge wird die [2358] äyxios (uiaipoaeiaj

Oidipodeia als Quelle genannt, für Euryganeia d τὰ Ἔπη ποιήσας, θ ὈΙδιπόδια (ὈΙδιπόδειαν Por so ἡ, Οἰδιποδίαν Marckscheffei) ὀνομάζουσι, fürHai-mons Tod ol τὴν Οἰδιποδίαν γράφοντες, das sind diejenigen, denen man die Oidipodie zuschrieb; der Plural scheint die Unsicherheit der Autorschaft anzudeuten, wie im Schol. Hom. Il. XVI 57 οἱ τῶν Κυπρίων ποιηταί. Von einem Verfassernamen weiß bloß die Borgiatafel: als solcher wird Kinaithon 10 (aus Lakedaimon) - s. Rzach o. unter diesem Art. - genannt, dem auch andere kyklische Epen zugeschrieben wurden; andere Quellen mögen weitere Namen angeführt haben. Von einer Sicherheit der Überlieferung in dieser Hinsicht kann keine Rede sein.

Der Mangelhaftigkeit der literarischenTradition kommt die bildliche einigermaßen zu Hilfe; vgl. besonders Robert Oidip. I 54ff. Im Anschlusse an die Erwähnung von Haimons Tod ist vorauszu-20 setzen, daß das Wüten der Sphinx eingehender geschildert war, was denn auch durch alte Vasenbilder bestätigt wird. Auf einer Pelike des Her-monax im österr. Museum f. Kunst und Industrie (Klein Griech. Vasen mit Meistersign.² 201, 5. Robert I 54 Abb. 20) erscheint der in ftg. 2 erwähnte Kreon als Herrscher unter den thebani-schen Geronten vor einer ionischen Säule, auf der sich die Sphinx niedergelassen hat. Die Szene wird völlig klar durch Asklepiades von Tragilos Tragod. 80 frg. 21 im Schol. Eurip. Phoin. 45 Ἀσκληπιάδης Ôè λέγει τοὺς Θηβαίους εἰς ἐκκλησίαν καΦ ἐκάστην ἀθροίζεσθαι διὰ τὸ δυσαίνιγμα τῆς Σφιγγός, vgl. [‌Apollod.] III 53 W. Durch Tracht und Bewaffnung sticht unter den Versammelten Oidipus hervor, der als Wanderer von auswärts gekommen ist und offenbar die Kunde von der Bedrängnis vernimmt, die er bald zu bannen imstande sein wird, vgl. Höfer 724. Das Wüten des Ungetüms selbst wird wiederholt anschaulich vorgeführt, so 40 auf einer Lekythos der Pariser Nationalbibliothek de Ridder Catal. des vases peints de la bibl. nat. I 187 nr. 278 fig. 29, danach Malten Arch. Jahrb. XXIX 245 Abb. 35 und Robert Oidip. II 20 Abb. 5 - im Sprunge greift die Sphinx einen fliehenden Thebaner an -, oder auf einer Vase aus Gela, Monum. d. Line. XIX 1908, 99f. fig. 8, danach Malten 244 Abb. 33. Robert a. O. II 19 Abb. 4 - mehrere Jünglinge fliehen entsetzt vor dem Ungeheuer, während einer - 50 nach Art des Odysseus unter dem Widder - sich an ihr festgeklammert hat.

Daß auch die Lösung des Sphinxrätsels bereits in der Oidipodeia vorkam, dafür spricht das Innenbild eines prächtigen Gefäßes des Meisters ,mit der Ranke⁴ im Museo Gregoriano, bei Hartwig Meisterschalen 664 Taf. 73 (auch bei Robert Oidip. I 51). Der geflügelten Sphinx gegenüber, die sich auf dem Kapitell einer ionischen Säule niedergelassen hat, sitzt der bärtige ,Oidipodes* in 60 gemächlicher Haltung, den Petasos auf dem Haupte, einen Stab in der Hand, während er die andere sinnend unter das Kinn gelegt hat. Im Felde hinter der Sphinx eine Ranke, vor ihr in rückläufiger Schrift M TIA = *)«* τριζπον, Worte, die - gewissermaßen ans ihrem Munde kommend - den Anfang des zweiten Verses des Ainigma bilden, bei Asklepiades Tragod. frg. 21 (Schol. Eurip. Phoin. 50; vgl. Hypoth. Eurip. Phoin. 243, 20 [2359] Schw. Athen. X 456 B. Anth. Pal. XIV 64) toi Ôbtow ἐπὶ γης καὶ τετράπον, ου μία φωνή, | καὶ τρίπον, s. auch [‌Apollod.] III 54 W. Diod. IV 64, 3, hiezu Ohlert Rätsel u. Rätselspiele d. alt. Griech.² 24f. Auch noch andere ältere Darstellungen nehmen auf die Rätsellösung Bezug, vgl. I Iber g Die Sphinx in d. griech. Kunst u. Sage, Lpzg. 1896. Höfer Myth. Lex. III 7196. und bes. Ilberg ebd. IV 13696.; desgleichen deuten sie Stellen in Dichtungen noch recht 1 früher Zeit an, wie Epicharm. frg. 149 K. Pind. Pyth. IV 264 rav Οἰδιπόδα σοφίαν, frg. 177, 4 αἰνιγμὰ παρθένον ἴζ ἄγριον γνάθων.

Auch das Ende der Würgerin wird im Epos vorgekommen sein: freilich, ob ihr Oidipus darin nach der Lösung des Ainigma den Garaus machte - Eurip. Phoin. 1507 und Schol. Eurip. Phoin. 26 - also ein Anklang an die ursprüngliche Gestaltung der Sage, der zufolge der Held das Ungetüm mit Gewalt bezwang (betre6s der bildlichen 2 Darstellungen des Motivs Höfer 718L), oder ob sie sich selbst tötete (vgl. die Hypoth. Aisch. Hepta und Schol. Eurip. Phoin. 50), läßt sich nicht ausmachen.

So war der Mythos von der Sphinx, der über den syrischen Orient aus Ägypten gewandert war - hierüber trefflich Ilberg Myth. Lex. IV 13386. und 13636. - in dem Gedichte bereits mit der Oidipussage eng verknüpft worden.

Der Preis der Rätsellösung bestand in der Über- 3( nähme der Herrschaft im Lande und in der Hand der Königin Euryganeia, mit der nach frg. 1 Oidipus vier Kinder erzeugte. Ob nach der Entdeckung der Greuel, die natürlich im Epos geschildert war, die Erzählung bis zum Kampfe vor Theben geführt wurde, wie man nach Paus. IX 5, 11 (Gemälde des Onasias) vermuten könnte, ist sehr zweifelhaft. Denn mit Recht hat Corssen Die Antigone d. Soph., Berlin 1898, 22 darauf aufmerksam gemacht, daß in der polemischen Bemerkung, die der Perie- 4C get aus seiner Vorlage übernahm, das doppelte Zeugnis der Dichtung selbst und des Malers gegen eine solche Annahme spricht. Wäre Euryganeia auch im Epos in derselben Situation über den Kampf ihrer Söhne trauernd geschildert gewesen, so war die Berufung auf Onasias nicht weiter nötig. Recht wohl aber konnte der Maler einer anderen poetischen Quelle (Thebais?) folgen. Ebenso läßt sich nichts Sicheres darüber sagen, ob den Abschluß des Gedichts der Tod des Oidipus und 50 etwa die Leichenspiele (vgl. Hom. Il. XXIII 679f.) bildeten mit einem AusWick auf die weiteren unheilvollen Schicksale des Labdakidenhauses.

Große Schwierigkeiten ergeben sich bei dem Versuche, die Vorgeschichte des Mythos in der Oidipodeia festzustellen. Sie würden vereinfacht, wenn man dem Sammelberichte beruhigt folgen könnte, der im Schol. zu Eurip. Phoin. 1760 mit Berufung auf den sonst unbekannten Peisandros enthalten ist (seine Bruchstücke stellte Robert 60 Oidip. II 63, 22 in dankenswerterweise zusammen). Scheinbar liegt hier eine geschlossene Erzählung des Oidipusmythos vor; sie wurde deshalb von Bethe Theb.Heldenl.12f. für die Rekonstruktion des Epos in Anspruch genommen. Indes stecken verschiedene Elemente darin, welche namentlich Robert I 1506. einer sorgfältigen Analyse unterzog. Da von der Ehe mit der Jungfrau Eury- [2360] ajmub jvimpoueiaj ζῦου

gane, dann von den hieraus entsprossenen Kindern sowie von dem Wüten der Sphinx und Haimons Tod die Rede ist, also Sagenzüge berührt werden, deren in den beiden erhaltenen Fragmenten, wenn auch nicht in eben derselben Weise, gedacht wird, so wäre man zunächst allerdings versucht, auch die weiteren Angaben in dem Scholion auf die Oidi-podeia zurückzuführen. Dies tat Bethe 15, s. o. Bd. III S. 2499, bezüglich des Berichtes über den 0 Frevel des Laios, den er als Erfindung des Verfassers des Epos ansah. Es wird erzählt, wie Laios sich gegen die Ehegöttin Hera verging, indem er in unnatürlich sinnlicher Begier zu Chry-sippos, dem jungen Sohn des "Pelops, entbrannte, den er raubt und schändet. Aus Scham habe der Jüngling sich selbst umgebracht. Laios, durch Teiresias veranlaßt, die Göttin Hera, welche die Sphinx sendet, zu versöhnen, wird auf der Fahrt zum Opfer von Oidipus getötet. Weiters wird Ovon der Rätsellösung sowie von der Enthüllung des Unheils berichtet.

Schon Welcker D. ep. Cycl, II² 316, 13 und Overbeck Gall.her.Bildw.I 4 waren der Anschauung, daß das Chrysipposmotiv ([‌Apollod.] III 44 W., vgl. Eurip. Chrys. Argum. TGF 632 Na. Cic. Tusc. IV 33, 71. Aelian. var. hist. II 21. Vasenbilder bei Overbeck I 5fl. Tat I 1 und 2. Robert Athen. Mitt. XXIX 108fL Taf. 11 und 12) erst nachepischer Tradition an-) gehöre. Insbesondere aber wies Robert Oidip. I 151ff. (hauptsächlich 157) in einer scharfsinnigen kritischen Zergliederung des oben erwähnten Scholions die Unzulässigkeit der Annahme Bethes nach: denn hier werden heterogene Begebenheiten, ChrysipposRaub und das Auftreten der Sphinx, in einen kausalen Zusammenhang gebracht. Die Schuld des Laios wird eher in der Mißachtung eines Spruchs des Apollon (oder Teiresias, wie Robert 69 vermutet) bestanden > haben, der ihm verbot, ein Kind zu zeugen, vgl. Pind Ol. II 72f. ἐν Πυθώνι χρησθεν παλαίφατον, Soph. Oid. Tyr. 711ff. Eurip. Phoîn. 17S. [Apollod.] III 48 W. Diese Version wollte Bethe 161 erst für dieThebais in Anspruch nehmen. Im Rausch (Eurip. Phoin. 21 Hypoth. Eurip. Phoin. 394, 14 N. [Apollod.] a. a. O.) oder infolge Begehrens der Gattin (Aisch. Hept. 750ß. Hypoth. zu Eurip. Phoin. 394, 11 N.) zeugt Laios gleichwohl den Unglückssohn.

Nicht auszumachen ist, welcher Sagenform das Epos hinsichtlich der Aussetzung des Kindes folgte, ob der im Schol. Eurip. Phoin. 28 erwähnten, sicherlich älteren (Bethe 72), die auch in parallelen Legenden anderer Völker zu finden ist (Höfer Myth. Lex. III 744) - das Kind wird in einem Kasten ins Meer geworfen und findet am Strande angeschwemmt bei Periboia und Polybos Aufnahme, was auf einem homerischen Becher bei Robert Hom. Bech. 76 dargestellt ist - oder der nachmals in der Tragödie geläufigen, wor-nach das Kind am Kithairon ausgesetzt und dann aufgefunden wird.

Ausgeschlossen ist für das Gedicht der in dem Nachtrag des Euripidesscholions (bereits von Wecklein S.-Ber. Akad. Münch. 1901, 671 als fremder Zusatz bezeichnet) vorliegende Sagenzug, demzufolge Oidipus nach lokastes Tod und seiner Blendung eine zweite Ehe mit der Jungfrau Eury- [2361] gane einging, aus der vier Kinder entsprossen. 7- Abgesehen davon, daß auch der einfache Mythos in der vbtvia der Odyssee nichts von einer zweiten Heirat weiß, würde, wenn die zweite Gattin vor der Ehe eine Jungfrau war, die Voraussetzung der Blutschande fehlen, die für das düstere Geschick der Nachkommenschaft in der Sage bestimmend war. Mit Recht betont R 0 b e r 11110, man müsse ein Epos ungeheuerlich finden, in dem derartige Vorgänge möglich wären: nach Blutschande und ' Selbstmord der Gattin und Mutter sollte der unselige Held eine neue Ehe eingehen und vier Kinder zeugen! Wie geschäftig übrigens die ursprünglich einfache Sage ausgesponnen wurde, ersieht man aus Pherekydes frg. 48 im Schot Eurip. Phoin. 53 (vgl. Höfer 727): darnach erzeugt Oidipus mit lokaste zwei Söhne, die gegen die Minyer fallen, dann mit der zweiten Gattin Eury-gane die Geschwisterpaare Eteokles und Polynei-kes, Antigone und Ismene, und schließlich nimmt ' er gar noch eine dritte Frau Astymedusa. Über diese Brechungen des Mythos Robert Oidip. I 109.

Ein sehr altes Gedicht war die Oidipodeia, soweit wir eine Vorstellung von ihr haben, keineswegs: doch kann ihr, wie oben angedeutet, ein schlichteres episches Lied vorausgegangen sein, in welchem die Bezwingung der Sphinx durch die Heldenkraft des Oidipus erfolgte. Das Lokalkolorit weist auf Entstehung des Epos in Böotien, wo der epische Sang seit Hesiodos eine Pfiege-stätte fand, Bethe 142f.

Thebais. Dies im Altertum hochberühmte Gedicht, das im Laufe der Zeit eine ähnliche Entwicklung und Umformung erfahren haben mag, wie Ilias und Odyssee, wird nach diesen beiden Epopöen in einem offenbar überkommenen Kunsturteil bei Pausanias IX 9, 5 zuhöchst eingeschätzt: ἐγω δὲ τὴν ποίησιν ταύτην μετὰ γὲ Ἀλιάδα καὶ τὰ ἔπη τὰ ἐς 'Ὄδυσσεα ἐπαινω μάλιστα, Wiederholt wird es - neben der einfachen Bezeichnung Θηβαίς - Zyklisch¹ genannt, wie bei Athen. XI 465 E (frg. 2 K. und A.) ὁ τὴν κυκλικὴν Θηβαιδὰ πεποιηκώς, im Schol. Laur. Soph. Oid. Kol. 1375 (frag. 3 K. und A.) ὁ τὴν κυκλικὴν Θηβαιδὰ ποιήσας, Asklepiades FHG III 299 im Schol. - cod. Ambros. C 222 inf. - zu Pind. Ol. VI 15 (frg. 5 K. und A.) ἐκ τῆς κυκλικῆς Θηβαιδος; gelegentlich mag dies behufs Unterscheidung von der jüngeren Thebais des Antimachos oder anderer geschehen sein. Einmal (frg. 7 A. und K. bei Paus. IX 18, 6) wird ein Abschnitt des Gedichts eigens angeführt: τὰ ἐν Θηβαιδὶ ἔπη τὰ ἐς τὴν Παρθενοπαίου τελευτήν, ähnlich wie in älteren Homerzitaten Einzelpartien, z. B. bei Herod. II 116 ἐν Διομήδεος ἀριστείη oder bei Plat. Kratyl. 428 C die Λιταί erwähnt werden.

Nach dem Agon Hom. und Hes. 245 Rzach hätte das Gedicht, wie auch die Epigonoi - mau erkennt die Schablone - 7000 Verse umfaßt, was Roscher Abh. sächs. Ges. XXIV 1, 23, 9 als den sieben sagenhaften Toren Thebens an-gepaßt ansieht. Es könnte sich hierbei nur um jene Gestalt des Epos handeln, die es nach mancherlei Veränderungen im Mutterlande erhalten hat In seiner ursprünglichen aus den Bruchstücken nicht mehr erkennbaren Form, sicherlich in Kleinasien bei den griechischen Siedlern er- [2362] wachsen (v. Wilamowitz D. Ilias u- Hom. 340, 1), mag es von mäßigem Umfang gewesen sein, wie die ältesten Heldenlieder überhaupt. Daß es zu diesen gehört, erhellt aus der Tatsache, daß verschiedene Motive der poetisch verarbeiteten thebanischen Sage bereits auf die Hias einen wahrnehmbaren Einfluß geübt haben, vgl. Dümmler Kl. Schr. II 21. Usener bei Bethe Theb. Hel-denl. 65. Friedländer Rh. Mus. LXIX 318, 10 zusammenfassend Robert Oidip. I 205. v. W i –1 a m o w i t z D. Ilias und Hom. 340 bezeichnet es sogar als wahrscheinlich, daß die ursprüngliche Thebais alter war als die Ilias, und ähnlich hat M ü 1 d e r D. Ilias und ihre Quellen, Berlin 1910, 57ff. den thebanisch-argivischen Sagenstoff der ,Sieben* mit als Quelle und Vorlage für die Komposition der Ilias angesehen: ,Ilios ein neues Theben*. Doch wäre es unvorsichtig, alle Andeutungen, die sich hinsichtlich der thebanischen 20 Sage in den homerischen Epen vorfinden, auf die Thebais zurückzuführen, man darf ihren Einfluß auf die troischen Mythen, wie Friedländer 318, 1 angemerkt hat, nicht zu sehr überschätzen. Anderseits freilich wäre es verkehrt, wollte man wie Niese Die Entwiekl d. hom. Poesie 204f. annehmen, das Gedicht beruhte, wie die kyklischen Epen überhaupt, nur auf der Ausgestaltung und Ausführung homerischer Andeutungen und Keime; vgl. Bethe 176f.Wie der Ilias, so lag offenbar auch den thebanischen Epen die Erinnerung an historische Fakta zugrunde: ein Feldzug der Argiver und ihrer Bundesgenossen gegen die mächtigen Kad-meier und ein späterer Vergeltungskrieg für den Fehlschlag des Unternehmens, Begebenheiten, welche der Erinnerung der aus der Festlandsheimat nach Kleinasien ausgezogenen Argiver und Böoter nicht entschwunden waren, vgl. I m -misch Klaros, Jahrb. f. Phil. Suppl.-Bd. XVII 40 209. v. Wilamowitz D. Ilias u. Hom. 340.

Bezüglich der thebanischen Heerfahrt der Sieben sowie des Epigonenzuges bemerkt Pausanias, wohl nach einer Hypothesis (Bethe 123) zusammen-fassend: ἐποιήθη δὲ ἐς τὸν πόλεμον τούτον καὶ ἔπη Θηβαις IX 9, 5.

Voraus lagen der Thebais, die den ersten Zug umfaßte, wohl ähnlich wie den homerischen Epen, kleinere einfache Heldenlieder aus dem thebanischen Sagenkreise, wie z. B. Weck lein 8.-50 Ber. Akad. Münch. 1901, 663 an eine uralte Τύδεια denkt. Vielleicht ist an einer oder der anderen Stelle der Hias und Odyssee sogar noch ein Niederschlag aus derlei Liedern neben solchem aus einer alten Fassung der Thebais zu vermuten. An Hinweisen auf den thebanischen Sagenkreis mangelt es ja nicht, wie II. V 800ff. IV 365ff. XIV 114f.; Od. XI 326f. XV 244ff. Natürlich hat man ein Recht, solche Andeutungen bei dem Versuche einer Rekonstruktion des Inhaltes der 60Thebais zu benutzen, vgl. Friedländer 318ff., wenn man auch nicht zugeben muß, daß der Dichter der Ilias selbst an der Thebais teil hatte (v. Wilamowitz D. Hias u. Hom. 375). Finsler Hom. I² (1918) 66 hält Homer, den Dichter der Ilias, einen Ionier aus Smyrna, über haupt auch für den wahrscheinlichen Verfasser der Thebais.

Als homerisch galt das Gedicht übrigens schon [2363] Mw ALJUVO lUüUiWJJ

dem Kallinos von Ephesos frg. 6 bei Pθus. IX 9, ὁ τὰ θ θιὴ ταντά (d. i. die θηβαις) Καλλινος ἀφικόμενος αὐτῶν ἐς μνήμην ἔφηοεν Ὄμηρον τὸν ποιήοαντα εἶναι. Καλλίνῳ δὲ πολλοὶ καὶ ἄξιοι λόγον πατὰ ταῦτα ἔγνωσαν. An dem literargeschicht-lichen Zeugnis des Kallinos ist ebenso wenig zu rütteln, wie an ähnlichen anderer alter Dichter, wie des Archilochos frg. 153 B.⁴ über den Margites oder des Stesichoros frg. 67 B.⁴ betreffs der pseudo-hesiodischen Aspis. Der bezügliche Versuch Hillers (Rh. Mus. XLII 325) ist mit Recht von Crusius Phil. LIV 723 zurückgewiesen worden. Das Zeugnis des Elegikers ist ohne Zweifel ein wichtiges Kennzeichen sowohl der Hochschätzung, die das Epos wegen seiner Vorzüge dazumal genoß, wie für die Bestimmung der Abfassungszeit. Lange Zeit hindurch hielt man an der Überzeugung fest, Homer selbst sei der Verfasser. Das homer-feindliche Verbot des Kleisthenes von Sekyon bei Herod. V 67 bezüglich der Rhapsodenagone hat ί nach Welckers scharfsinniger Beobachtung (vgl. auch Bergk Griech. Lit. II 61. V. W i 1 a -m o w i t z Hom. Unt. 352. Crusius Phil. LIV 724) die Anerkennung Homers, der nach des Tyrannen Meinung Argos und die Argiver zu sehr preise, als Dichters der Thebais zur Voraussetzung; wollte er doch auch den Kult des Argivers Adrastos verdrängen. Die Bedenken Scotts Class. Phil. XVI 1921, 23 fallen nicht sehr ins Gewicht. Homers Autorschaft wird auch sonst, wie im Agon Hom. 3 und Hes. 243f. Rz. hervorgehoben. Nachmals freilich kam die grammatische Forschung zu dem Ergebnis, daß es nicht angehe, das Gedicht dem Dichterfürsten zuzuschreiben, und so wird in jungen Quellen nur mehr vom ,Verfasser der kyklischen Thebais* ὁ τὴν (κυκλικήν) θηβαιδὰ πεποιηκώς (ποιήσας γράψας) gesprochen (Athen. XI 465 E = frg. 2 A. u. K. Schol. Laur. Soph. Oid. Kol. 1375 = frg.3 A. u. K._ fApollod.] I 74 = frg. 6 A.

u. K.) oder endlich nur der Titel des Epos genannt 4t ohne Verfasserangabe (Paus. VIII 25, 8 = frg. 4 A. u. K. Schol. cod. Ambr. C 222 inf. zu Pind. Ol. VI 15 = frg. 5 A. u. K. Paus. IX 18, 6 = frg. 7 A. u. K.).

Den Eingang der Dichtung frg. 1 A. u. K. hat uns der Agon 246 Rz. bewahrt: Ἄργος ἄειδε, θεά, πολυδίψιον · ἔνθεν ἄνακτες .., womit auf die Bedeutung, welche die Handlung für Argos besaß, und zugleich auf deren Ausgangspunkt hingewiesen war. Dort erschien nach einer Sagenversion, die 50 zweimal bei Eurip., Hiket. 133ff. und Phoin. 408H., vorliegt, in der Halle des Landesherrn Adrastos einst des Nachts Tydeus und Polyneikes, der erste wegen einer Blutschuld aus der Heimat vertrieben, der andere als gebannter Flüchtling. Während sie in Streit geraten, erkennt Adrastos an den Schildzeichen (Eber und Löwe), daß die beiden ihm nach einem Orakel zu Schwiegersöhnen bestimmt sind, und vermählt ihnen seine Töchter. Diese Aventiure trägt episches Gepräge an sich, so daß man darin 60 einen Teil der Vorgeschichte des thebanischen Kriegszuges erkennen könnte. Auf eine einfachere Version weist ein sf. Vasenbild in Kopenhagen, veröffentlicht durch Abeken Ann. d. Inst, 1839. 255f., vgl. Heydemann Arch. Ztg. XXIV 130ff. Taf. CCVI 1. Robert Oidip. I 196 f. und 197 Abb. 35. Adrastos auf einer Kline lagernd ist von seiner Familie umgeben; bei einem neben einer [2364] weiblichen Gestalt sitzenden Manne, der als Schutz* flehender aufzufassen ist, steht der Name Tydeus beigeschrieben. Wahrscheinlich handelt es sich um die Ankunft dieses Helden allein, da Polyneikes gar nicht dargestellt ist; die Freier können als nacheinander erschienen gedacht werden. Und so hat Robert 198 diese Fassung als die einfachere auf die Thebais bezogen. Eine strikte Entscheidung ist nicht zu fällen, da die eben erwähnte 10 Szene auch auf einem besonderen thebanischen

Epyllion beruhen konnte.

Polyneikes war durch unselige Verhältnisse aus Theben vertrieben worden, die vermutlich in dem Epos breitere Schilderung fanden, wie die erhaltenen Bruchstücke 2 und 3 beweisen. Der greise Oidipus wird von seinen herangewachsenen Söhnen bitter gekränkt. Polyneikes, der offenbar als der heftigere dargestellt war (wie bei Aischylos), setzt ihm nach frg. 2 A. u. K. bei Athen. XI 465 E ein 20 silbern Tischlein vor und füllt ihm einen goldenen Becher mit Wein. Als nun Oidipus diese Kleinode seines Vaters (frg. 2, ὁ ἰατρός solo τιμήεντα χέρα) erschaut, die ihn vorwurfsvoll an seine grause, wenngleich unwissentlich begangene Tat erinnern mußten (Welcker Der ep. Cycl. II² 334), gerät sein Gemüt in Wallung, und er schleudert schreckliche Flüche gegen beide Söhne, die von der rächenden Gottheit nicht ungehört blieben: nimmer sollten sie das väterliche Erbe in friedsamer 0 Eintracht teilen, sondern allzeit in Krieg und Streit liegen. In engem Anschlusse folgt diesen Stellen Aisch. Hepta 785fL, der Flüche gedenkt Eurip. Phoin. 66f., vgl. auch [‌Plat.] Alk. II 138 C. Noch weitere Kränkung kam hinzu: nach frg. 3A. u. K. senden die Söhne dem Vater statt des ihm als Fürsten gebührenden Rücken- oder Schulterstücks des Opfertiers ein geringeres, das Hüftenstück (Ἰσχίον), ,ἐ*λαθόμενοΙ ποτὲ εἰτὲ κατὰ ρρστώ· νην εἰτὲ ἐξ ὄτουονν', Krankhaft gereizt wirft der) Greis es im Jähzorn zur Erde und bricht in Klagen über die ihm angetane Schmach aus: seine Empörung steigert sich so sehr, daß er die Götter anfleht, die ungeratenen Sohne furchtbar zu strafen: gegenseitig sich mordend sollen sie zum Hades hinabsteigen (frg. 3, 4 χερσιν ὕπ' ἀλλήλων καταβήμεναι Αἰδος εἰσω). Dieser zwiefache Fluch bildet den Ausgangspunkt und die Grundlage für den Verlauf der epischen Handlung. Nach dem Vorbilde des Epos scheint die Situation Euripides । zu schildern Phoin. 874f. in den Worten, die er den Teiresias sagen läßt: doch dürfte er über die Thebais hinausgehen, wenn es heißt, Oidipus habe sogar das Haus nicht verlassen dürfen (vgl. 64). Daß der Greis im Epos als blind gedacht war. scheint, wie schon Welcker D. ep. Cycl. II² 337 - vgl. Weck lein 675 - bemerkte, aus der Wahl allgemeiner Verbalausdrücke für,wahrnehmen¹ hervorzugehen frg. 2, ὁ ἄνταρ δ γ' ὡς ψράσθη παρακείμενα πατρος ἔοιο | τιμήεντα γέρα; frg. 3, 1 ἰσχίον ὡς ἐνόησε; dazu kommt das Zeugnis des Aischylos Hepta 783f. (πατροφόνῳ χέρι τῶν κρεισσοτέκνων ὀμμάτων ἐπλάγχθη), der sich in den unmittelbar folgenden Worten eng an die Thc-hais hält. Auch bei Euripides ist Oidipus blind. Phoin. 61f. 327 (πρέσβυς ὀμματοστερῆς). Endlich sind auch die parodischen, eine Art Paraphrase der Thebaisstelle darstellenden Verse TGF adesp. 458 N.² zu beachten: 6 ὁ δὲ λαβῶν χέρι | ἔγνω ἔπα- [2365] 2365 Kyklos (Thebais) φήοας, 10 τυφλὸς ου rot ywoaer«; vgl. besonders Robert Oidip. II 67ff., 38.

Oidipus* Gattin war im Epos, wie es scheint, noch am Leben. Denn auf dem Gemälde des Ona-sias, das sich auf den ersten Zug gegen Theben bezog (Paus. IX 4, 2), war Euryganeia bei dem Tode ihrer Söhne zugegen.

Pur den weiteren Verlauf der epischen Darstellung sind die sich aus den Andeutungen in den homerischen Gedichten ergebenden Anhaltspunkte von Wert, vgl. Friedländer Rh. Mus. LXIX 318ff. Wenn nach der Epipolesis II. IV 376ff. Tydeus im Verein mit Polyneikes in Mykenai - allerdings vergeblich - Mannschaften zu gewinnen sucht, so setzt dies für die Thebais bereits den Zwiespalt der Söhne des Oidipus voraus. Andere Details betreffend die Voraussetzungen des Feldzugs hat, allem Anschein nach aus dem Epos, die mythographische Tradition bewahrt. Adrastos, Herrscher zu Argos, verspricht dem Polyneikes, der sein Schwiegersohn wird, ihn in die Heimat zurückzuführen, [‌Apollod.] III 59 W. Da der Seher Amphiaraos den schlimmen Ausgang des geplanten Zuges voraussah, weigert er seine Teilnahme, aber Polyneikes besticht [Apollod.] III 60f. (vgl. jedoch Hellanikos frg. 12 im Schob Eurip. Phoin. 71) des Sehers Gattin Eriphyle (bei Diodor. IV 65, 6 ist sie Adrastos* Schwester, wie auch Schot Hom. Od. XI 326. Hygin. fab. 73), mit dem von seiner Ahnfrau Harmonie ererbten Halsband, das von Aphrodite stammt (Paus. IX 41, 2), damit sie ihn veranlasse, gegen Theben zu ziehen. Daß dieser Vorgang in dem alten Epos ausführlich beschrieben war, kann nicht bezweifelt werden. Denn schon in der Nekyia der Odyssee ist von dem Gold die Rede, um das Eriphyle den Gatten verriet (XI 326f.), und das Scholion hiezu spricht genauer von dem Kleinod, dem 8ρμος der Harmonie (auch Platon polit. VIII 590 A ist das Juwel wohlbekannt). Willkommene Bestätigung bietet eine bildliche Darstellung, die offenbar auf die Thebais zurückgeht: auf der rf. Pelike im Museum zu Lecce, bei Furt-wängler-Reichhold Griech. Vasenmalerei II. Serie Taf. 66 B (Text hiezu II 27f.), danach Robert Oidip. I 209, erscheint Polyneikes als heimatloser Wanderer mit Pilos und Stab, das Schwert an der Seite, indem er der stolz aufgerichteten Eriphyle das Halsband darbietet. Ein weißgrundiges (früher falsch gedeutetes) Schalenfragment bei Robert I 371 Abb. 50 zeigt den schöngeformten Kopf der Eriphyle, die der nicht erhaltenen Figur eines als ΠοΙυνθΕΙΚΗΣ bezeichneten Helden gegenübersteht. Daß sie aber ihren Gatten wider seinen Willen zur Teilnahme an dem Zuge zu bestimmen vermochte, scheint im Epos ähnlich ausgeführt gewesen zu sein, wie es [ApoUod.] III 61 W. (vgl. Schot. Hom. Od. XI 326) auseinandersetzt. Denn schon Pindar Nem. IX 36ff. erwähnt diesen Sagenzug, vgl. auch das Scholion zu d. St.

Eine bedeutsame Szene muß die Ausfahrt des Amphiaraos dargestellt haben, des Edelsten der Argiverhelden, welcher in dem Gedichte die hervorragendste Stelle einnahm (weshalb Legras Les légend. Thébaines 147 meint .c'était en quelque sorte une Amphiaraïde‘). Ihre Bedeutung ist aus dem Berichte des Pausanias V 17, 7 über den untersten der fünf Friese der Kypseloslade sowie ins- [2366] JiyKios (ineoais) zwo

besondere aus dem berühmten korinthischen Krater in Berlin bei Furtwängler-Reichhold III Taf. 121 (Text III 2S-), danach Robert Oidip. I 224 Abb. 37, zu entnehmen. Dies Vasenbild deckt sich merkwürdig mit der Beschreibung bei Pausanias. In der Weise der alten Kunst sind zwei verschiedene Momente, die Abfahrt des Helden und seine Rachegedanken gegen die verräterische Gattin, gleichzeitig geschildert (Robert 10 Bild und Lied 14). Der Held, der schon den einen

Fuß auf den Wagen gesetzt hat, wendet sich - das gezückte Schwert in der Rechten - nach Eriphyle, die in der einen Hand das in naiver Weise übermäßig groß gezeichnete Halsband haltend mit der andern den Mantel vors Gesicht zieht. Offenbar willens, noch im Augenblicke der Abfahrt ihren Verrat zu strafen, wird der Held durch die flehenden Gebärden seiner Kinder, der Töchter Eurydike und Damovanassa, des Knaben Alkmaion 20 (bei dieser Figur fehlt der Name) und selbst des von der Wärterin Ainippa auf der Schulter getragenen kleinen Amphilochos veranlaßt, den Frevel der Gattin jetzt nicht zu ahnden. Ziemlich teilnahmslos verhält sich dem Vorgänge gegenüber das Gesinde, wie der Wagenlenker Baton, dem die Schaffnerin den Abschiedstrunk reicht, und der Stallbursche Hippotion; nur der auf dem Boden hockende Halimedes (s, Robert Herm. XXV 412, 2) schlägt sich an die Stirn, indem er, wie 30 Hauser bei Furtwängler-Reichhold vermutet, alles Unheil vorauszusehen scheint. Angesichts der überraschenden Ähnlichkeit der Darstellung auf dem Kypseloskasten und dem Berliner Krater darf man annehmen, daß diese ältesten Bilder sich im wesentlichen an die gemeinsame Quelle, das kyk-lische Epos, anschlossen. Hier sei auch ein attischer Kantharos des Britischen Museums bei Walters Journ. hell. stud. XVIII 290 PI. XVI (älter als das 5. Jhdt.) erwähnt. Ob Amphiaraos 40 im Epos vor der Abfahrt einem der Söhne den

Auftrag gab, später an der Mutter Rache zu nehmen, läßt sich nicht bestimmt sagen: immerhin erscheint für diese Frage eine sf. Amphora in Florenz (Thiersch Tyrrh. Amphor. Taf. III, danach bei Robert Oidip. II 83 Abb. 13) bemerkenswert: der Held, der noch nicht den Wagen bestiegen hat, drückt den Alkmaion an sich, vielleicht um ihn, wie Robert II 82 meint, an die Rache zu gemahnen. Solches nahm Welcker 50 D. ep. Cycl. II² 345 für die Abschiedsworte des

Amphiaraos an. Die älteste statuarische Darstellung der Ausfahrt erkennt Pomtow Klio VIII 196f. in der Haxmagruppe des Anathems in Delphoi, Paus. X 10, 3.

Wieviel der Heerführer nach der epischen Darstellung am Zuge teilnahmen, ist nicht bestimmt auszumachen. Wecklein 664 meint es seien ihrer sieben gewesen, und zwar wegen der sieben Scheiterhaufen bei Pind. ὌΙ. VI 15 = frg. 5, wo-60 bei aber der allein überlebende Adrastos (vgl. Friedländer 334) in dichterischer Freiheit nicht mitgezählt ist: vielleicht aber ward diese Ziffer im Zusammenhänge mit den angeblichen sieben Toren der Stadt, vor denen sich der Angriff vornehmlich abspielte, angesetzt, Schol. zu Pind. VI 23a (Drachmann I 159) ἐπτά yàp τάθο; ὀτρατενμάτων περὶ τὰς ἐπτὰ πύλας τῶν θηβῶν μάχην συνεστήσαντο; vgl. auch Fried- [2367] MW a

U.JMV0 |1UWAIBJ

landet 324. Robert Oidip. 1.236. Fest steht die Siebenzahl - wobei wieder von dem allein am Leben bleibenden Adrastos abgesehen wird - seit AischylosHepta 375–652 (vgl. Paus. II 20, 5), wo Tydeus, Kapanens, Eteoklos, Hippomedon, Parthenopaios, Amphiaraos und Polyneikes genannt werden. Statt Eteoklos wird bei Eurip. Phoin. 160 der Name des Adrastos angeführt. Einzelne Berichterstatter bezogen nach [Apollqd.] III 63 W. den Aetoler Tydeus und den Polyneikes nicht mit ein. Betreffs der plastischen Gruppe der Helden, die als Weihgeschenk von Argos nach Delphoi gestiftet war (Paus. X 10, 3), vgl. die treffliche Arbeit von Pomtow Klio VIII 186ff. und 324f.; über die in den verschiedenen, auch späteren Quellen vorliegenden Berichte, denen zufolge sich bis zu zwölf Namen ergeben, s. Gruppe Griech. Myth. u. Religionsg. I 528 und A. 1.

Als Oberfeldherr galt in der Thebais ohne Zweifel AdrastoSj den Pindar sowohl wie die Tragiker nach gleicher Vorlage als solchen bezeichnen. Auf das Epos bezieht v. Wilamowitz S.-Ber. Akad. Berl. 1903, 437, 3 auch den in Aisch. Hepta 49 berührten Sagenzug, wornach die Ar-giver an den Wagen des Adrastos Angedenken für ihre Lieben binden in der sicheren Hoffnung, daß sein gottentstammtes Roß Arion gewiß heimkehren werde.

Betreffs der Darstellung auf dem amykläischen Throne (Paus. III 18, 12), derzufolge Pronax von Amphiaraos getötet ward, dessen Leichenspiele die ersten nemeischen Agone gewesen wären - Bethe 171f. Höfer Myth. Lex. III 3118 läßt sich nicht sagen, ob sie auf einer in der Thebais berührten Überlieferung beruht. Ebenso zweifelhaft ist es, ob etwa die Erzählung von dem Abenteuer bei Nemea - Tod des Kindes Ophel-tes-Archemoros (Punzi Studi ital. XVIII 171ff.) und Stiftung der nemeischen Spiele [‌Apollod.] III 64 W. Hygin. fab. 74 - in dem Epos enthalten war, wie Welcker D. ep. Cycl. Π² 351f. annahm. Malten Arch. Jahrb. XXIX 205 möchte im Hinblicke auf die Leichenspiele bei Stat. Theb. VI 402 diese auf eine alte epische Quelle zuriickführen.

Hingegen wird die Botschaft des Tydeus nach Theben, von der in der homerischen Epipolesis II. IV 384 nach älterer Vorlage ausführlich die Rede ist (vgl. das Schol. zu d. St.), in einem alten thebanischen Heldenlied erwähnt worden sein, da sie ein eminent episches Motiv darstellt ‘ - vgl. des Odysseus Botschaft in der Ilias mikra -. Er überwindet im Wettkampfe alle Kadmeier und vollführt bei der Heimkehr noch die Heldentat, von fünfzig Reisigen, die man in einen Hinterhalt gelegt hatte, alle mit Ausnahme von Hai-mons’ Sproß Maion niederzustrecken. Unter Bezugnahme auf II. V 800ff., wo eine einfachere Schilderung des Wettkampfs gegeben ist, und auf die jüngere Erwähnung in II. IV 384 wird man nicht umhin können, diesen Sagenzug aus einem € thebanischen Heldengedichte abzuleiten, vgl. Friedländer 321 gegen Bethe 175; Legras44 ist entschieden der Ansicht, daß jene Episode aus der Thebais selbst in die Rias gelangte. Anders Robert Gr. Heldensage 932.

Auch der Genealogie des Tydeus war in dem alten Epos gedacht: denn nach frg. 6 A. und K. [‌Apollod.] I 74 W. war erzählt, daß sein Vater [2368] nyiuos μηβῦΜβ) zöoö

Oineus die Tochter des Hipponoos Periboia, die des Helden Mutter ward, nach der Einnahme von Olenoa als χέρας gewann.

In den Berichten über die Kämpfe vor Theben (zusammenfassend [Apollod.J III 73f. W.) treten einzelne Züge in den Vordergrund, die gewiß Gegenstand epischer Darstellung waren. Im wesentlichen spielte sich der AngriS an den sieben sagenhaften Toren der Stadt ab. Die alte 10 Kadmeia hatte nach der Periegese des Paus. IX 8, 5 drei Tore: über die Fragen der Befestigung der Stadt in archaischer Zeit und die dichterischen Vorstellungen, vgl. v. Wilamowitz Herm. XXI 106. XXVI 197. 228, mit Einschränkung jedoch Aisehyl. 1Q3; ferner Robert Herm. XLIÏ 93; Paus. als Schriftsteller 173f-, hierzu Oidip. II 86 A« 145. I 236. Allem Anscheine nach galt Theben schon in dem Epos als ἐπτάπυλος und die Siebenzahl der Tore blieb bei allen Nachfolgern 20kanonisch. Friedländer Rh. Mus. LXIX 323, 1 sucht in den sieben Toren den symbolischen Ausdruck für die Stadt mit mächtigem Mauerring. Vgl. noch Gruppe Burs. Jahresber. CLXXXVI 1921, 343f. Sollte die Vorstellung irgendwie mit der Befestigung der Kadmeia im Zusammenhänge stehen, so müßte eines der alten Tore der Feste als πεντάπνλον angesehen werden, wie Robert vermutete, Gr. Heldensage 909.

Eine besondere Rolle war in dem Epos dem SOTydeus zugedacht, dem Ἐρινύος κλητήρ, wie er bei Aisch. Hepta 574 heißt, der den Krieg mit veranlaßte. Da er von Melanippos auf den Tod verwundet ist, erbittet Athene für ihn bei Zeus die Unsterblichkeit. Mittlerweile fällt aber jenen Amphiaraos und reicht seinen abgehauenen Kopf dem Tydeus hin. In wildem Blutrausch schlürft dieser des Feindes Hirn. Da wendet sich Athene schaudernd ab und dem Helden kann Unsterblichkeit nicht mehr zuteil werden. So berichtete 40 Pherekydes frg. 51 im Schol. A zu Hom. II. V 126: da im Schol. Genav. hierzu bemerkt ist παρὰ τοῖς κυκλικοῖς, so kann nur die Thebais damit gemeint sein. Das Grause des Vorganges (Schol. A: tw [Μά] ὀὲ δίκην θηρος ἀναπτὺ* ξαντὰ ροφεῖν τὸν ἐγκέφαλον ὑπὸ θυμου, vgl. Schol. Lykophr. 1066) ist etwas gemildert im Schol. Genav. zu II. V 126 und im Schol. Pind. Nem. X 12. Eine Version bei [‌Apollod.] III 76 W. besagt, daß Amphiaraos aus Tücke, um dem 50 ihm verhaßten Tydeus zu schaden, ihm das Haupt des Gegners bringt, den Tydeus selbst noch nach seiner Verwundung getötet habe. Doch ist es nicht wahrscheinlich, daß diese Variante schon in der Thebais vorkam, Robert Oidip. 1 134. Aus wiederholten Hinweisen älterer Lyriker (Bakchyl. frg. 41 Bl.) und Dramatiker (Soph. frg. inc. 731, 5f. N.², nach Brunck vielleicht aus dem Stücke Ἀχαιῶν σύλλοχος, sowie Eurip. Meleagr. frg. 537 N.²) darf geschlossen werden, daß jene schaurige i0 Szene des alten Heldenliedes mächtigen Eindruck übte. Eine freie künstlerische Verwendung des Motivs will Robert Oidip. I 235 auf etruskischen Urnen (Körte Urne etrusche t XXI. XXII 1–5, auch bei Robert I 232 und 233 Abb. 42 und 43) sehen: eine Recke trägt ein abgeschlagenes Feindeshaupt, willens, es gegen die Verteidiger auf der Mauer zu schleudern (vgl. Hom. II. XIII 204f.). [2369] Sicherlich bildete auch der Angriff des Kapanens auf den Mauerring der Stadt einen Glanzpunkt der epischen Schilderung; in Werken der bildenden Kunst sowohl wie in den Schöpfungen der dramatischen Dichtung erscheint er als eine der meist ausgeprägten Heldengestalten des the-banischen Zuges. Der kopfüber vom Turme, an dem die Sturmleiter hängt, stürzende Held auf dem Friese von Gjölbaschi-Trysa bei Benndorf 190ff. des Sonderabdrucks, Taf. XXIV (Robert 10 I 226 und 235) geht möglicherweise auf Onasias’ Gemälde zurück; frei behandelt ist diese Szene auch auf etruskischen Urnen bei Körte Urne etrusche XXIII 7. XXIV 8. 9; auf dem letzteren Exemplar stürzt ein Verteidiger auf Kapaneus herab (auch bei Robert I 228 Abb. 39), auf einem andern in Perugia (Körte XX 9. R o -bert I 231 Abb* 41) neben ihm.

Für eine der Taten des Periklymenos während der Schlacht besitzen wir ein direktes Zeugnis in 20 frg. 7 A. und K. bei Paus. IX 18, 6: er tötete den Argiver Parthenopaios (mit einem Steinwurf nach Eurip. Phoin. 1157). Damit stimmt die Angabe des Schol. zu Eurip. Phoin. 1156, wo der Aristar-cheer Aristodemos als Gewährsmann genannt ist. Da bei Pausanias der betreffende Abschnitt des Gedichts eigens bezeichnet wird als τὰ ἐν Θηβαίδι ἔπη τά es τὴν Παρθενοπαίου τελευτήν, darf man eine ausführlichere Behandlung des Gegenstandes annehmen. 30

Der Zweikampf des unseligen Brüderpaares, an dem sich der Fluch des Oidipus erfüllte, war vermutlich in ähnlicher Weise geschildert wie die Monomachien in der Ilias und Aithiopis (vgl. u.); voraus ging wohl eine Herausforderung, vgl. Leutsch Theb. cyd. reliq. 61. Schon auf dem Kypseloskasten war der Wechselmord dargestellt: hinter dem in die Kniee gesunkenen Polyneikes, auf den Eteokles eindrang, stand - inschriftlich bezeichnet - die Ker: diese Szene ging wohl ebenso 40 auf das Epos zurück wie die ausführliche Schilderung bei Eurip. Phoin. 1404ff. Betreffs der Vasenbilder vgl. Walters Journ. hell. stud. XVIII (1898) 290. Auf dem Gemälde des Onasias in Plataiai (Paus. IX 5, 11) war, wie schon oben erwähnt, Euryganeia, die Mutter der beiden, voller Betrübnis bei ihrem Kampfe zugegen. Auch auf dem Friese von Gjölbasehi bildete der Zweikampf einen Angelpunkt der Darstellungen aus dem thebanischen Kriege, Benndorf 189 Taf.50 XXIV.

Von mächtiger Wirkung muß die Schilderung von Amphiaraos’ Niederfahrt gewesen sein, der, ursprünglich ein chthonischer Gott mit einem Orakel in Oropos (Kroil Ilb. Jahrb. XV [1912] 165), schon im Eingänge des Epos eine bedeutsame Figur darstellte. Das Geschick hatte, wie er vorausgesehen, gegen die Argiver entschieden. Von Penklymenos verfolgt sucht der Seher und Held auf seinem Wagen am Ismenos zu entrinnen: be- 60 vor ihn noch des Gegners drohender Speer erreicht, spaltet Zeus mit seinem Blitzt den Boden, in welchem er mitsamt Gespann und Wagenlenker versinkt, um in die Unsterblichkeit einzugehen. Es ist kaum zu bezweifeln, daß die prächtige Szene, wie sie Pind. Nem. IX 57ff. beschreibt, auf der epischen Vorlage der Thebais beruht, vgl. das Schol. zu d. St. und [‌Apollod.] III 77 W., [2370] fernerWe 1 cker D. ep. Cycl. IP 366. Robert Oidip. I 130. Auch die Künstler mußten sich durch diesen dankbaren Vorwurf angezogen fühlen. So erscheint der Vorgang bereits auf einer sf. Lekythos aus Eretria dargestellt, Wien. Vorlegebi. 1889 Taf. XI 8, auch bä Robert I 245 Abb. 44, nach altepischer Tradition. Andere Illustrationen bietet das Relief von Oropos bei Overbeck Her. Gall. I 145 Taf. VI 6, weiters eine etruskische Urne (Körte XXV 2, bei Robert II 89 Abb. 15), wo eigentümlicherweise Perikly-menos - aus Rücksichten der Symmetrie - nicht den Wagen des Amphiaraos verfolgt, sondern ihm entgegenfährt. Auch auf dem Friese von Gjölbaschi ist der Held (ohne Wagenlenker) versinkend dargestellt, vielleicht nach Onasias, Benndorf 190 und 197.

Der einzige Adrastos entkam dem Verderben, doch ging vielleicht auch er in der ursprünglichen Sage zugrunde, Usener Kl. Schr. IV 234, vgl. Bethe Theb. Heldeul, 65. Malten 202. Auf seinem edlen Rappen Arion reitend enteilt er in zerschlissenem Gewand dem Getümmel nach frg. 4 A. u. K. bei Paus. VIII 25, 8 w θὲ τῆ θηβαῖδι.. Ἄδραατος ἔφευγεν ἐκ Θηβῶν ,εἰματὰ λυγρὰ φέρων σὺν Ἀρίονι κυανοχαίτη': sein Wagen war bei Harma zerbrochen, Schol. B zu Hom. II. II 499, das andere Pferd des Gespanns zurückgeblieben (Strab. IX 404); beide Rosse, εὐαινέτω ἴππω, Arion und Kairos, werden in Antimaehos’ Theb. frg. 25 K. erwähnt. Das Schol. A B zu Hom. H. XXIII 347, wo es von dem ταχὺς Ἵππος des Helden heißt, δς ἐκ ὑεόφιν γένος ἤεν, erzählt von der göttlichen Abkunft des dunkelhaarigen Rosses mit der Notiz ἡ Ἰστορία παρὰ τοῖς κυκλικοις, d. h. in der The-bais, die hier Quelle für die Homerischen Verse war, Bethe Theban. Heldenl. 90fi. Es ist wohl anzunehmen, daß auf die Herkunft des Arion, der auch in der pseudohesiodischen Aspis 120 κυανοχαίτης heißt (bei Stat. Theb. VI 479 ist er flavus, vgl. auch 279 rutilae igne iubae), vom Κυανοχαίτης (Poseidon), der ihn in Roßgestalt mit der Erinys an der Quelle Tilphossa in Böotien zeugte (Schol. Townl. zu d. St. οἱ δὲ ἐν τῷ κύκλω Ποσειδώνος καὶ Ἐρινύος), näher eingegangen war; vgl. auch Malten a. a. O. Vielleicht, meint dieser Gelehrte 205, sei auch die Mahnung des Rosses bei Stat. XI 441. (das bei diesem Dichter VI 402 das Beiwort praesagus führt), da Adrastos noch einen letzten Versuch zur Versöhnung der feindlichen Brüder macht, auf das alte Gedicht oder doch eine alte Sagenquelle hiezu zurückzuführen.

Dem verklärten Seher galt die Apotheose, die ihm durch Adrastos’ Mund zuteil ward: die schönen Worte bei Pind. Ol. VI 15, die nach Askle-piades FHG III 299 im Schol. zu v. 26 (I 160 Drachmann) der κυκλικὴ θηβαις frg. 5 A. u. K. angehörten: als auf sieben Scheiterhaufen die Leichen der gefallenen Helden lodern sollten, da habe der Sproß des Talaos etwa so gesprochen; ποθέω στρατιάς ὀφθαλμὸν ἐμάς | ἀμφότερον μάντιν τ' ἀγαμὸν καὶ δουρὶ μάρνασθαι *). Da die letzten Worte einen daktylischen Hexameter darstellen, wofern

75 [2371] man, wie schon Leutsch 63 vermutete (Bethe 58 und A. 19), μάρνασθαι durch das naheliegende μάχεσΦαι ersetzt, handelt es sich hier um ein fast wörtliches Zitat aus dem alten Gedichte. Nicht anschließen kann ich mich der von Robert Oidip. II 90, 170 gebilligten Vermutung von v. Wilamowitz Isyll. v. Epid. 163, 4, der v. 179 der homerischen Teichoskopie sei eine Nachbildung der Thebaisstelle, in der es im Vers-schlusse κρατερὸν τ' αἰχμητήν geheißen habe. 1 Während Welcker D. ep. Cycl. II² 367 (Rohde Psyche I⁵.⁶ 114, 2) die Meinung vertrat, jenes Nachwort sei eben angesichts der Leichenverbrennung gesprochen, glaubt Bethe 94f. (s.o.Bd.I 8.414), das vertrage sich nicht mit der Flucht des Adra-stos, zumal nach den Vorstellungen der Tragiker die Leichen der Gefallenen zum Fräße der Vögel und wilden Tiere liegen gebheben seien. Pindar habe (Bethe 98f.) den humanen Anschauungen seiner Zeit entsprechend eine Umbildung der Sage 2 vorgenommen: es werde Adrastos jenen Ausruf getan haben, als er Amphiaraos in dem Erdspalt versinken sah. Für den ersten Augenblick scheint diese Meinung sehr beachtenswert. Stünde es fest, daß die Scholiennotiz ,ὁ Ἀοκληπιάθης φησὶ ταῦτα εἰληφέναι ἐκ τῆς κυκλικῆς Θηβαιδος* sich bloß auf den letzten Teil der Pindarstelle beziehe, so könnte die Verbindung der Apostrophe des Adrastos mit der Szene vor den πυραί entfallen. Allein es kann ebensogut die ganze Stelle gemeint sein (Rohde 3 Psyche a. a. O. Wecklein 677). Abgesehen davon, daß die Überlebenden auf der Flucht kaum beisammen blieben, wie hätte Adrastos in der bösen Situation ,noch rasch eine kleine Lobrede auf den* - in der Erdkluft - »Verschwindenden improvisieren können*? Auf dies gewichtige psychologische Moment hat Corssen Die Ant. d. Soph. 26 vortrefflich hingewiesen. Dazu kommt, daß wie Robert Oidip. I 250 gut anmerkt, die mystische Entrückung des Amphiaraos, bei welcher der4( höchste Himmelsgott mit seinem Blitzstrahle mitwirkte, keinen Augenzeugen vertrug. Endlich sieht man nicht ein, warum Pindar den Ausdruck ποθέω gebraucht, wenn, wie Bethe 96 sagt, Adrastos ,in der höchsten Not spricht, die der Seher vorhergesagt hatte*; wohl aber begreift man die Wahl gerade jenes Verbums bei einem Ausruf vor dem Scheiterhaufen, auf dem der Leichnam des Vermißten nicht zu sehen ist, wiewohl man ihn dort zu finden glaubte, vgl. Corssen a. a. O. Man 50 wird deshalb jener Auffassung nicht beistimmen können. Die Sache stand vielmehr etwa so: Vom traurigen Blachfeld ist Adrastos glücklich entkommen - dort lagen die Leichen der Erschlagenen. Aber es mochte heroischer Sitte gemäß ein Versuch zur Unterhandlung mit den Siegern gemacht und geglückt sein, den Gefallenen eine Bestattung zu ermöglichen. Vielleicht war es die bezaubernde Rede des Adrastos (Tyrt. frg. 12, 8, vgl. Boeckh Pind. II 2, 155- Welcker D. ep. Cycl. Π²367.6θ Wecklein 677), die den Sinn der Thebaner umstimmte (anders [‌Apollod.] III 78f. W.). Dann werden ( θήβαισι) sieben πυραί geschichtet, wo die Leichen zu Asche werden sollen. Hier wird Adrastos gewahr, daß des Amphiaraos, den er unter den Toten wähnt, Leichnam nicht zur Stelle ist. Dem vermißten Helden, des Heeres Zierde, widmet er ehrende Worte des Nachrufs. Für die [2372] Annahme, schon in der Thebais sei, wie im Drama, von einem Verbote, die Leichen zu bestatten, die Rede gewesen. Hegt kein Anhaltspunkt vor.

Bereits bei Pherekydes FUG frg. 485m Schol. Eurip. Phoin. 53 wird von Antigone und Ismene, den Töchtern der Euryganeia, die hier des Oidipus zweite Gattin ist, gesprochen. Es bleibt die Frage offen, ob ihrer auch schon in der Thebais gedacht war. Eine besondere epische Erzählung kann der 0 Ismene gewidmet gewesen sein, deren Name sich mit dem des heimatlichen Baches Ismenos berührt: sie ist, wie v. Wilamowitz S.-Ber. Ak. BerL 1903, 437, 2 betont, eine bodenständige Heroine Thebens. Nach Mimnennos frg. 21 war Periklyme-nos, einer der ersten thebanischen Helden, Sohn des Poseidon, ihr Buhle. Tydeus tötete sie ,ἼπΙ κρήνης*, die dann nach ihr hieß, Pherekydes frg. 48 Schol. Eur. Phoen. 53*). Ob jedoch dieser Zug bereits in der Thebais vorkam, ist mit Sicherheit nicht zu ent-0 scheiden, da die bildliche Tradition nicht wohl zutrifft (vgl. auch Robert I 126). Auf einem korinthischen Vasenbilde des Louvre, jetzt am besten bei Robert I 122 Abb. 32 nach Photographie wiedergegeben (vgl. Bild u. Lied 21 und 19), ist Tydeus dargestellt, wie er der auf einem Lager hingestreckten Ismene das Schwert in die Brust bohrt, während ihr Buhle Periklymenos enteilt; dabei der Knappe des Tydeus Klytos zu Rosse. Wie Robert I 121 meint, hat sie wohl 1 als Priesterin und Tempeldienerin durch ihre Buhlschaft die Göttin Athene beleidigt und dadurch ihr Schicksal verschuldet. Auf Ismene bezieht sich auch eine Scherbe aus dem Perserschutt der Akropolis mit ihrem Namen, bei Richards Journ. hell. stud. XIII 1892/3 286 Taf. XI und Robert I 123 Abb. 33. Vgl. Bethe o. Bd. IX 2135f.

Bezüglich Antigones wollte Drachmann Herm. XLIII 67ff. und XLIV 628ff. annehmen, es habe die Bestattung des Polyneikes durch sie in I einem Kuppelgrabe, in welches sie dann selbst eingeschlossen ward ([‌Apollod.] III 78 W.), bereits epische Behandlung gefunden. Die angeführten Gründe hat Robert I 367 als kaum stichhaltig erwiesen. War die Verbrennung der Leichen in der Thebais erwähnt, wie es wahrscheinlich ist, so konnte von einer Bestattung des Leichnams durch Antigone ohnehin nicht die Rede sein.

Zweifellos enthielt das berühmte Gedicht gar manche dichterische Schönheit; einerseits Züge ¹ herber Größe, die auf hohes Altertum weisen, wie der grause Fluch des Oidipus, der wilde Blutrausch des Tydeus, der schaurige Wechselmord des unseligen Brüderpaares: daneben aber begegnet doch auch der Ausdruck menschlich edler Empfindung, wie die Worte des Adrastos, die er dem Andenken des Sehers Amphiaraos weiht. Welche Bedeutung dem Epos innewohnte, erhellt aus dem Einflüsse, den es bereits auf die jüngeren Abschnitte der Dias und Odyssee übte, und die Beliebtheit des epischen Stoffes bei Späteren: über jüngere Thebaiden Welcker Kl. Schr. I 395ff. Legras Les légendes Thébaines, Paris 1905. Wie viel die Lyriker der Dichtung verdankten, vermögen wir vor aUem an Pindar zu ermessen. Eine reiche Fundgrube an Stoff und Ideen bot sie nicht minder den [2373] großen Tragikern. Und auch die bildende Kunst schöpfte gern aus dem Born der thebanischen Sage.

Was die Sprache und Verstechnik der so kargen Reste (16 oder 17 Verse) des dichterischen Wortlautes anbelangt, lassen sich hieraus keine nennenswerten Folgerungen für die Abfassungszeit des Epos ziehen. Die Wirkung des Labialspiranten Digamma erscheint, wie im archaischen Epos bei diesem flüssigen und beweglichen Laute überhaupt, in der Senkung zweimal vernachlässigt, frg. 1 1 Wey ἄνακτεςθ vgl. Hom. Il. XXIV 449. 452 ποίησαν ἄνακτι, Od. XIV 438 ὕνμδν ἄνακτος u. a.; frg. 2, 4 δέπας ἠδέος οἰνου (in derselben Wendung Hom. Od. III 51 und sonst bei Homer wiederholt); doch nimmt man auch seine konsonantische hiatustilgende Kraft wahr in frg. 2, 6 μεγὰ οἱ, frg. 2, 9 ου ol, frg. 3, 1 βάλε εἰπὲ τε, Von Längungen vokalisch auslautender Kürzen vor folgendem einfachen Konsonanten in der Arsis ist bemerkenswert frg. 3, 3 Ad βασιλήι, vgl. Rzach N. Beitr. z. Techn. d. 2¹ Hex. 28. Die Form εὐκτό frg. 3, 3, sonst im alten Epos nicht belegt, stellt sich den nicht seltenen starken Aor. Med. mit nicht thematischer Bildung zur Seite. Vgl. auch Wackernagel Sprachl. Unters, zu Homer, Göttingen 1916, 181 f. v. Wi-1 a m o w i t z Hom. Unt. 366, 45.

Amphiaraos’ Ausfahrt. An zwei Stellen wird uns der Titel eines Gedichts genannt, in welchem speziell auf Amphiaraos Bezug genommen ist. Der ps.-herodotische Homerbios erzählt c. 10 3( (S. 7, 8f. der Vitae Hom. et Hesiod. ed. v. Wilam.), der Dichter habe in Neon Teichos beim Sattler Tychios nebst selbstgeschaffenen Götterhymnen auch Ἀμφιάρεω τὴν ἐξελασίαν τὴν ἐς Θήβας vorgetragen, womit also nur kleine Gedichte gemeint sein können; ähnlich wird von Hesych. Mil. bei Suid. (ebd. S. 34, 10 Wilam.) unter den auf Homer bezogenen Dichtungen Ἀμφιαράου Ἰξέλασις genannt. Möglicherweise findet sich noch ein leiser Anklang an diesen Titel im Schol. Soph. Elektr. 836 vor ... ,θὰ τὴν 4( Ἀμφιαράου «ξοδον*. Doch wird nirgends ein Bruchstück angeführt. Da in der Thebais die Ausfahrt des Amphiaraos einen wichtigen Abschnitt bildete, hat Welcker D. ep. Cycl. II² 347, weiter v. Wilamowitz bei Friedländer 382f. und D. Bias u. Hom. 399, 1 sowie Robert Oidip. II 80, 110 in jener Bezeichnung einen Nebentitel der Thebais gesehen, zumal an den beiden Stellen, wo das Gedicht genannt wird, der Thebais selbst keine Erwähnung geschieht, wäh- 50 rend anderseits im Agon Hom. u. Hes. 245f. Rzach², wo von der Thebais und den Epigonen die Rede ist, wiederum nichts von ,Amphiaraos Ausfahrt* bemerkt ist. Früher schon hatte Crusius Phil. LIV 725, 32 gemeint, ,der gespreizte Stilist* (Pseudoherodot) habe nur einen weniger gebräuchlichen Titel anzuwenden oder beizubehalten für gut befunden. Weiters ließe sich in diesem Namen ein Teiltitel des betreffenden Abschnitts der Thebais erkennen, wie Hiller Rh. Mus. XLII. 1887, 341, 60 vgl, Robert Oidip. I 219, oder endlich könnte eine selbständige Dichtung ähnlichennhalts, wie die Thebais, gemeint sein, wobei jedoch auf die Umstände, welche die Ausfahrt veranlaßten und begleiteten, gewiß besonderer Nachdruck gelegt gewesen wäre. Dieser letzteren Anschauung war Immisch Klaros 171, und Bethe unternahm es Theb. Heldenl. 43ff., eine Rekonstruktion des [2374] Gedichts zu versuchen (s. auch o. Bd. I S. 1898), das er zeitlich vor die Thebais setzen will. Darin sei der Auszug des Amphiaraos durch den Schiedsspruch, nicht Verrat, der Eriphyle veranlaßt gewesen; alle Helden, auch Adrastos, gingen vor Theben zugrunde. Auch die bei Antigonos von Karystos 25 vorliegenden als Homerisch zitierten Worte an Amphilochos (vgl. Bergk PLG⁴ II 139) möchte Bethe als dem Amphiaraosliede 0 entnommen ansehen 57, 16.

Epigonoi. Der Rachezug der Nachfahren der vor Theben umgekommenen Helden bildete den Inhalt eines weiteren Epos, der Epigonoi. Selbst wenn es keinerlei Sage dieser Art gegeben hätte, lag es nahe, das Motiv der Vergeltung für das Fehlschlägen des ersten Feldzuges auszuspinnen. Bereits in einem jüngeren Iliasabschnitt, der Epipolesis IV 406ff., wird die Eroberung der Stadt erwähnt. Als die uralte Thebais allgemach 0 eine jüngere Gestalt angenommen hatte, konnte ein Dichter an sie als Vorbild anknüpfend jenen Vorwurf ausführen. Das ältere Gedicht und sein Nachspiel wurde dann in späterer Zeit gewissermaßen als Einheit aufgefaßt und demgemäß mit einem gemeinsamen Namen belegt, wie in dem Schol. Laur. zu Apoll. Rhod. Arg. A 308 = frg. 4 A. und K., demzufolge οἱ τὴν θηβαιδὰ γεγραφστες von der durch die Epigonen erfolgten Weihung der Tochter des Teiresias, Manto, als ἄκροθΙνιον) nach Delphoi berichteten, also von einer Begebenheit, die erst nach Schluß des zweiten Zuges möglich war. Hier umfaßt also der Ausdruck θηβάίς beide Epen (nicht etwa gilt er soviel wie θηβαῖκά, wie Welcker I² 194 meinte); der Plural οἱ γεγραφότες aber kann auf die Mehrzahl der Verfasser (der beiden Gedichte) gehen und braucht nicht, wie sonst, die Unsicherheit betreffs der Autorschaft anzudeuten. Auch Paus. IX 9, 1 und 5 spricht von dem Doppelzug als dem πόλεμος, des-) sen beide Teile er kurz darstellt, worauf er hinzufügt: ἐποιήθη δὲ ἐς τὸν πόλεμον τούτον καὶ ἔπη Θηβαις; er wählt also eine Gesamtbezeichnung. Daraus folgt aber nicht, wie Leutsch Theb. cycl. reliq. 12 behauptete, ,unum carmen et The-baidem et Epigonos complexum esse‘. Denn wenn es auch im Eingangsverse der Thebais hieß 'Ἄργος ἄειδε, θεά, so war damit nicht gesagt, daß die epische Erzählung m'it einer Ruhmestat für die Argiver, der Einnahme Thebens, die erst in dem । zweiten Gedichte vorkam, schließen müsse. Ebensowenig folgt aus der Fassung des ersten Verses der Epigonoi frg. 1 A. und K. im Agon Hom. und Hes. 248 Rz.² vvv aW ὀπλοτέρων ἀνδρῶν ἀρχώμεθα, Μοῦοαι, der nach Aristoph. Fried. 1270, wo der Vers parodisch verwendet wird, dem attischen Theaterpublikum - zum Teil aus der Schullektüre - geläufig war, keineswegs, daß dies Gedicht von Haus aus mit der alten Thebais vereinigt war und deren zweiten Abschnitt bildete: vielmehr wird bloß die jüngere Dichtung von den Nachfahren mittels jenes einleitenden Verses in besonderer Art dem thebanischen Zug der Väter gegenüber gestellt. Man ging in diesem Paral-lelismus so weit, dem zweiten Epos genau so viel Verse zu geben, wie der Thebais, ἔπη ,ζ nach Agon 262 Rz.², wodurch offenbar eine ganz gleichmäßige zweiteilige Anlage gekennzeichnet werden sollte. [2375] JvyKios (iipigonoi)

Aber schon der älteste Zeuge, den wir kennen, Herod. IV 32 = frg. 3 A. und K, nennt die Epi-gonoi für sich, indem er zugleich seinem starken Zweifel an deren homerischem Ursprünge, der im 5. Jhdt. für die Thebais sonst durchaus feststand, Ausdruck gibt. Im Anschlusse an die Bemerkung, daß, wie bei Hesiod. auch bei Homer in den Epi-gonoi von den Hyperboreern die Rede sei, fügt er hinzu: εἰ δὴ τῶ ἐόντι γὲ Ὄμηρος ταῦτα τὰ ἔπεα (Ἐπιγόνους) ἐποίηοε. Hinsichtlich der im Agon 244f, Rz.² vorliegenden Nachricht 'Ὄμηρος ... ἔλεγε τὰ ποιήματα, πρώτον μὲν τὴν θηβαῖδα ... εἰτὰ Ἐπιγόνους ..., wornach es heißt φασὶ γὰρ τινες καὶ ταῦτα Ὄμηρου εἶναι, ist zuzugeben, daß dieser letztere Satz auf beide Gedichte bezogen werden kann, v. WilamowitzD. Ilias u. Hom. 399, 1. Crusius Phil. LIV 725 meinte, er gehe nur auf die Epigonen.

Des Eingangsverses scheint sich, wie aus dem Schol. Aristoph. Fried. 1270 hervorgeht ,ἀρχὴ τῶν .Επιγόνων Ἀντιμάχου¹, der Dichter Anti-machos von Teos nachahmend bedient zu haben, der nach Plut. Rom. 12 später als Olymp. 6, 3 lebte, vgl. Bergk Griech. Litg. II 42. v. W i 1 a -m o w i t z Hom. Unt. 346, 26. Bethe Theb. Heldenl. 36, falls nicht eine Verwechslung mit dem Kolophonier Antimachos vorliegt, in dessen Thebais auch die Epigonensage mit behandelt war (vgl. frg. 48, wo Diomedes spricht), wie neuerlich wieder Robert Oidip. I 183f. ausführte. Auch in diesem Falle wäre der Anfangsvers der Epigonoi in die spätere Dichtung mit übernommen worden. Unhaltbar ist jedoch Birts Versuch, die Schwierigkeit zu lösen, D. ant. Buchw. 451 A., welcher meint, es sei an ein verschollenes Gedicht Ἐπίγονοι des Kolophoniers Antimachos zu denken, vgl. Volkmann Über Hom. als Dichter des ep. Cycl., Jauer 1884, 13.

Am ehesten verträgt sich mit den überlieferten Angaben die Anschauung, es habe nach dem Muster der Thebais ein jüngerer Dichter sozusagen als Fortsetzung derselben ein Epos Ἐπίγονοι geschaffen, das er schon im Eingänge selbst als Gegenstück bezeichnet. Die Zuteilung an den Verfasser der Thebais schloß schon Welcker D. ep. Cycl. Π⁵ 401 aus und trennte die Epigonen von ihr I² 192; ebenso scheidet die beiden Gedichte durchaus Immisch Klaros 152. Wie schon seinerzeit N i t z s c h Beitr. z. Gesch. d. ep. Poesie d. Gr. 449 die Epigonoi als eine schwache und viel spätere Nachbildung der Thebais erkannte, sah v. Wilamowitz Herm. XXVI (1891) 240 in ihnen ,ein ziemlich ärmlich erfundenes Nachspiel‘.

Über den Inhalt des Epos läßt sich nur im allgemeinen nach Diod. IV 66. [‌Apollod.] III 80ff. W. und summarisch Paus. IX 9, 2ff. etwas sagen. Die Söhne der Teilnehmer am ersten Zuge - κθηθέντες ἐπίγονοι [Apollod.] - vereinigen sich zu einem Rachekrieg. Die Namen der Helden sind in den Verzeichnissen nicht immer die gleichen (vgl. auch Schol. zu II. IV 404; betreffs der Epigonengruppe, die in Delphoi stand, Paus. X 10, 3 s. Pomtows Erörterungen Klio VIII 302ff. ls. u.], sowie Robert Herm. XXV 412). Die Führerschaft hatte vielleicht nach der Darstellung des Epos Aigialeus, Sohn des früheren Heerkönigs Adrastos, inne, der im Schol. zu Hom. Il. IV 404 [2376] an der Spitze der Helden genannt wird und in Eurip. Hiket. 1216 als στρατηλάτης bezeichnet ist, vgl. Immisch Klares 178. Bethe Theb. Heldenl. 110. Auch Alkmaion, Sohn, des Amphiaraos, zieht mit dem Bruder in den Krieg, durch die Mutter Eriphyle dazu bestimmt, die sich wiederum, diesmal durch einen πέπλος der Harmonie, von Thersandros, Sohn des Polyneikes, gewinnen ließ: vgl. auch Bethe o. Bd. VI 10 S. 461.

Vielleicht gehörte dem Gedichte die bei Pind-Pyth. VIII 39 (55) vorliegende Szene an, wornach Amphiaraos als weissagender Gott den Epigonen Sieg verkündet, seinen Sohn in der ersten Reihe erschauend, vgl. Boeck h Pind. II 2, 313. Welcker D. ep. Cycl.II²381. Friedländer 332 bezog die Stelle auf die Alkmaionis.

Während der Schilderung des Vormarsches, scheint es, ward die Sage vom teumesischen Fuchs 20 berührt, der das thebanische Land verheerte, W. Schultz Myth. Lex. V 4290.: darüber berichtet das frg. 2 A. und K. bei Photios Lex. (Suid. s. Τευμησιά) nach dem ἐπικὸς κύκλος; bei Anti-machos wird frg. 2 u. 4 der Berg, frg, 2 die Höhle daselbst erwähnt, vielleicht im Anschluß an die Epigonoi.

Vom Verlaufe des Feldzugs selbst wird wenig berichtet. Nach Paus. IX 9, 4 trafen die Heere bei Glisas, unfern der Kadmeia, aufeinander; die 30Thebaner erleiden eine Niederlage, Aigialeus fällt, wie Pind. Pyth. VIII 52 (73) den Amphiaraos weissagen läßt. Die Stadt wird aufgegeben (Hom. Il. IV 406 ἤμεις καὶ Θήβης ἔδος εἰλομεν ἐπταπύλοιο sagt der Sohn des Kapaneus). Lao-damas der König zieht mit einem- Teile seines Volkes nach Illyrien - dahin begaben sich die Thebaner, und zwar zu den Ἐγχέλεις nach Herod. V 61 -, während die Herrschaft Thebens Ther-sandros, des Polyneikes Sohn, übernimmt. Nach 40 anderer Version freilich wurde Laodamas von Aigialeus gefällt, Hellan. FHG I 4, 11. Paus. I 44, 4. Aus Dankbarkeit senden die Epigonen nach Paus. VII 3, 1 u. IX 33, 1 den Seher Teiresias mit seiner Tochter Manto, die in ihre Hand fielen, als Siegespreis nach Delphoi: unterwegs stirbt er an der Quelle Tilphossa (Paus. IX 33, 1), während Manto von Apollon nach Asien gewiesen wird. In Kolophon angelangt, vermählt sie sich mit dem ihr zuerst begegnenden Rhakios und begründet 50 das Orakel zu Klaros. Daß diese letzteren Sagenzüge in dem Epos enthalten waren, wissen wir aus dem auf Theon beruhenden Schol. zu Apoll. Rhod. Arg. A 308 = frg. 4 A. und K., und zwar durch die τὴν θηβαιδὰ γεγραφότες, wo beide the-banischen Züge gemeint sind. Immisch Myth. Lex. II 2328 will nicht die Sendung nach Klaros, sondern nur die Weihung nach Delphoi auf die Epigonen beziehen, indem er unter Θηβαις die thebanische Archäologie versteht.Welches etwa die weiteren in der Dichtung dargestellten Begebenheiten waren, ist schwer zu bestimmen. Es konnte genügen, wenn die Vollstreckung der Strafe an Eriphyle durch Alkmaion erzählt war, ein Motiv, das schon im Eingänge des Gedichtes angekündigt sein mochte [‌Apollod.] III 81 W. Alkmaions Schicksale nach dem Mut-termorde lagen doch von dem Thema des Epos weiter ab: auch die Odyssee befaßte sich nicht [2377] mit den letzten Geschicken ihres Helden nach der Heimkehr nach Ithaka.

Ein neues Bruchstück der Epigonen suchte p- Kirchhoff bei Nauck TGF 145* vgl. v. Wi-lamowitz Hom. Unt. 345, 26, aus dem Schob Soph. Oid. Kol. 378 zu gewinnen; hier werden zwei Hexameter aus dem Thamyras des Sophokles angeführt, die er den Epigonoi zuschreiben möchte, da der Titel ἐν ἐπιγόνους vor einem iambischen Fragment steht, das dann dem Tha-10 myras zuzuweisen wäre. Allein jene Hexameter können recht wohl aus einem Wettgesang (Agon) des Thamyras etwa mit den Musen stammen, vgl. Immisch Klaros 155 und Robert Oidip. II 92, 179. Die Jamben können dem sophokleischen Drama Epigonoi belassen werden.

Ebenso unsicher ist die Vermutung von Allen (am Schlüsse der Fragmentsammlung Hom. Oper. V 116), Aristophanes habe vielleicht die Verse Fried. 1282f. und 1286f., die nach dem parodisch zitier-20 ten Eingangsverse frg, 1 der Epigonoi angeschlossen werden, gleichfalls aus dem Epos entnommen.

Der Verfasser der Dichtung hatte zweifelsohne die alte Thebais stets vor Augen, denn das Epos von den ὀπλότεροι ἄντρες weist sehr greifbare Parallelen und bemerkenswerte Kontraste zu jener auf. Doch sind, um ein Wort Friedländers 328 zu gebrauchen, die Väter,viel schärfer herausgearbeitete Helden*.

Aigialeus, wenn er wirklich als oberster Füh- 30 rer bezeichnet war, ist der Sohn des früheren Herzogs Adrastos; Thersandros, der Sproß des Poly-neikes, besticht, wie einst dieser selbst, Eriphyle, so daß sich dieses Motiv geradezu wiederholt; das erstemal geschah es durch den ὄρμος der Harmonie, das zweitemal durch deren πέπλος. Im ersten Zuge finden alle Führer den Tod mit Ausnahme des obersten Adrastos: von den Epigonen bleiben alle am Leben, nur der Leiter des Zuges, der Sohn des Adrastos, fällt. Dem Seher Amphia- 40 raos auf Seite der. Argiver im ersten Feldzuge entspricht in den Epigonen der Seher Teiresias (mit Manto) bei den Thebanern: beide finden ifiren Ausgang, der eine wird auf der Flucht von der Erde verschlungen, der andere stirbt während des Auszuges aus Theben. Deutlich ist auch auf Kontrastwirkung hingearbeitet: der Angriff der Argiver bricht vor Theben zusammen, Polyneikes erreicht sein Ziel nicht, die Nachfahren aber siegen und Thersandros, Polyneikes’ Sohn, wird König 50 in Theben.

Für den größeren Zeitabstand der Epigonen gegenüber der Thebais in deren ursprünglicher Fassung fällt namentlich ein Umstand ins Gewicht, die Bedeutung des delphischen Orakels, das in der Thebais wohl nirgends erwähnt war. Als Ort der Entstehung des Gedichts darf vielleicht wegen des Hinweises auf die Stiftung des Orakels von Klaros, wo offenkundig eine Lokalsage mitspielt, die Gegend von Kolophon an- 60 genommen werden.

Von den Epigonoi scharf zu sondern ist das Gedicht Ü ix //atw νὶ ς (Ἀλκμεωνίς)subίλsub das nirgends als kyklisch.es erwähnt wird. vgl. Immisch Klaros 154. 209. Bethe 109ff. und o. B. I S. 1563. Welcker D. ep. Cycl. I² 195 hielt es für identisch mit den Epigonoi. Da es nach Alkmaion benannt war, darf man als Grundlage [2378] Kyklos, (Troische Heldenlieder) 2378 eine Sagenversion ansetzen, in welcher Älkmaion besonders in den Vordergrund trat, vgl. Friedländer 335. Somit war etwa von dem Mutter-morde des Älkmaion und seiner Entsühnung, vom Zuge gegen Theben nebst den weiteren Schicksalen des Helden in Aetolien und Akarnanien die Rede. Da nach [Apollod.l III 80 W. den Teilnehmern am zweiten Heereszuge vom Orakel der Sieg in Aussicht gestellt wurde, wenn man Alk-maion zum Führer bestimmte, so wird die dort vorliegende mythographische Erzählung wenigstens zum Teile auf die Alkmaionis Bezug haben. Nach dieser Fassung ward im Kampfe Aigialeus von Laodamas, Sohn des Eteokles. getötet, während dieser durch Alkmaions Hand fiel: demgemäß hätte das Gedicht eine Aristie des Älkmaion, dessen Namen es führte, enthalten. Betreffs der Rekonstruktion der Vorgeschichte vgl. Bethe 43ff.; weiter noch greift Friedländer 331 f. zurück. Die Fragmente, welche bei Kinkel EGF I 76ff. und 313 stehen, hat Immisch Klaros 192 unter Ergänzung durch das Schol. Eur. I 198 Schw. neu geordnet. Da bei Athen. VI 460 B für das Wort ποτήρια, das im frg. 2 K. der Alkmaionis vorkommt, der Iambograph Semonides als erster Gewährsmann angeführt wird, kann das Gedicht, zumal in frg. 3 von dem orphischen Zaγρεύς die Rede ist, kaum vor 600 entstanden sein, v. Wilamowitz Hom. Unt. 73, 2. Die Namen der Helden in der delphischen Epigonengruppe (Paus. X 10, 4) will Pomtow 323 aus diesem Gedichte geschöpft wissen.

Troische Heldenlieder. Die zweite große Gruppe der kykli sehen Epen betrifft den troischen Sagenkreis, steht also stofflich mit den homerischen Epopöen in näherem Zusammenhänge. Was die ἀκολονθία πραγμάτων angeht, so beziehen sich die Kypria wesentlich auf die Vorgeschichte des troischen Zuges, während die übrigen Gedichte im allgemeinen die Begebenheiten vom Schlüsse der Ilias bis zur Zerstörung der Stadt und weiters die Schilderung der Heimfahrt und letzten Schicksale griechischer Helden erzählten. Verkehrt jedoch wäre es zu glauben, daß die einzelnen Gedichte sich streng gesondert auf einen bestimmt umgrenzten Stoff beschränkten und ihre Verfasser sich ängstlich hüteten, eine Tatsache zu erwähnen, die etwa schon in einer anderen epischen Bearbeitung behandelt war. Keineswegs schlossen sich, wie schon K. O. M ü 1 -1er Kleine deutsche Schr. I 400 betonte, die Gedichte etwa so an, daß das eine dort den Faden aufnahm, wo ihn das andere fallen ließ. Mit Recht tadelt Bethe Herm. XXVI 594 eine Auffassung, die sich die kyklischen Dichter .wie eine Akademie organisiert denkt', welche die verschiedenen Teile des troischen Sagenkreises ,nach vorgezeichnetem Plan' bearbeitet hätte. Naturgemäß sind die homerischen Epen Muster und Vorbild, aber anderseits sind Spuren der Beeinflussung jüngerer Abschnitte der Ilias und Odyssee durch die kyk-lischen Gedichte verschiedentlich wahrzunehmen.

Die Grundlage bildet alte Sagentradition: von vornherein muß die Anschauung Nieses Entwicklung d. hom Poesie 26ff. und 1975., als wären die homerischen Gedichte allein die Quelle für die troischen des K., abgewiesen werden (Rzach Ztschr. f. d. österr. Gymn. 1886, 108). Er meinte, [2379] die Kykliker hätten durch die in den alten Epopöen gelegentlich begegnenden Andeutungen angeregt, aus eigener dichterischer Phantasie die epischen Erzählungen geliefert, so zwar, daß die darin enthaltene Sagengeschichte nicht etwa auf Volksüberlieferung beruhte, sondern das Ergebnis der Tätigkeit sammelnder, reflektierender und nachahmender Poeten wäre. Diese Hypothese, gegen die auch Thraemer Pergamos lOOf. Stellung nahm, erledigt sich durch die Erwägung, daß unter solcher Voraussetzung der gesamte alte Sagenborn der hellenischen Stämme durch Rias und Odyssee völlig erschöpft gewesen wäre und zudem den Verfassern der jüngeren Epen fast sklavische Abhängigkeit und Unselbständigkeit zugemutet würde. Damit ist nicht gesagt, daß dicht doch gewisse in den homerischen Dichtungen vorliegende Motive benützt und ausgestaltet werden konnten: dabei blieb der eigenen dichterischen Eingebung der Verfasser genugsam freier Spielraum. Sie sind ja, wie Christ S.-Ber. Akad. München 1884, 30 zutreffend bemerkt, nicht so phantasielos, ,überall nur von der Tafel anderer zu zehren⁴.

An die Höhe der klassichen Dichtungen reichten die troischen Epen des K. nicht heran: schon die fast erdrückende Menge und Mannigfaltigkeit der behandelten Mythen ermöglichten es nicht leicht, eine künstlerische Einheit, wie man sie in der ursprünglichen Anlage der Ilias und Odyssee zu erkennen vermag, zu erreichen. Vollendeteres 3 hätten die Verfasser nur schaffen können, wenn sie aus der Fülle des Sagenstoffes eine bescheidene Auswahl getroffen hätten; wie denn dessen Häufung speziell betreffs der Kyprien den Aristoteles Poet. c. 23 zu der Bemerkung veranlaßt: τοιγαροῦν ἐκ μὲν Ἰλιάδος καὶ 'Ὀδύσσειας μία τραγωδία ποιείται ἐκατέρας ἡ δὺο μόναι, ἐκ δὲ Κυπρίων πολλαί.

Voranzustellen sind dem Stoffe nach die K υ ποιά, die seit alters kurzweg so hießen, wie schon bei Herod. II 117 ἐν τοίσι Κυπρίοισι, bei 4ί Aristot. Poet. 23 τὰ Κύπρια, ebenso in den Volum. Hercul. coll. alt. VIII 105 (= irg. 2); oft τὰ Κύπρια ἔπη (τὰ ἔπη τὰ Κύπρια), aber auch τὰ Κυπριακά im Schol. Eurip. Hek. 41 = frg. 26 A., im Schol. Dionys. Thrax 472,1H.; das Schol. Clem.Alex. Protr. II 30, 5 Stählin spricht von d τὰ Κυπριακὰ ποιήματα γράψας, während im Schol. Eurip. Andr. 898 ὁ τὰς Κυπριακάς Ἰστορίας συντάξας erwähnt wird. Daß ein Ünterschied zwischen den Ausdrücken Κύπρια und Κυπριακά nicht besteht, 5( lehrt die Analogie von τὰ ἔπη τὰ Ναυπάκτια Paus. IV 2, 1. X 38, 11, sowie Ἴπη .. Ναυπάκτια ebd. II 3, 9 und der meist üblichen Bezeichnung Ναυπακτικά, die bei allen Schriftstellern vorkommt, die sonst Bruchstücke dieses Gedichts bewahrt haben, EGF Γ 199ff. Kink., vgl. v. Wilamowitz Die Ilias u. Homer 428, 2.

Der Name hängt mit dem der Insel Kypros zusammen. Als man in der Homerlegende ,Stasi-nos* aus Kypros zum Schwiegersohn des Dichter- 60 fürsten machte - Bios des Hesych. Mil. bei Suid. Vit. Hom. 33, 32 Wilam., der gelegentlich selbst als Kyprer (Salaminier oder Knossier) bezeichnet wird, Vit. Hom. 33. 17 Wilam. - habe er das Gedicht, wie schon Pindar frg. 265 (Aelian. var. hist. IX 15) aus einem Homerbios (Crusius Phil. LIV725) berichtete als Aussteuer für dessenTochter mitbekommen: und so sei das Werk, heißt es in [2380] 1XJ1UV9 IXJpilÄ ÄÖOU

der Chrestomathie des Proklos bei Phot cod. 239 (8. 97, 16 AU.), ,ὠὰ ψ αὐτὴ πατρίδα* Κύπρια benannt worden.

Frühe schon war das Epos wohlbekannt, wie aus den sehr alten Kunstdarstellungen, auf denen sich Szenen daraus vorfinden (Kypseloskaeten und Françoisvase), erhellt. In späterer Zeit, als man sich wissenschaftlich mit den Literaturbeständen beschäftigte, wäre, wenn die Angabe bei Proklos 10 (S. 102, 9 All.) auf Wahrheit beruht, eine Einteilung in elf Bücher vorgenommen worden. Doch ist nur einmal, bei Athen. XV 682 D frg. 4 A. = 3 K. von einem bestimmten Buche, dem ersten, die Rede.

Das dem Epos zugrunde liegende Motiv scheint eine Art teleologischer Gedanke des Zeus gewesen zu sein: er will, zufolge Proklos’ Exzerpt, nach Beratung mit Themis, vgl. Eurip. Or. 1649. Plat. polit. II 19 p. 379 E [‌Apollod.] Epit. III 1 W., wie Î0 in frg. 1 A. und K. (Schol. A min. zu Hom. Il. 15) dargelegt wird, die Erde von der zu großen Menschenlast befreien, zumal diese keine Gottesfurcht kennen; dies soll durch Heldenkämpfe geschehen, insbesondere durch den πόλεμος Ἰλιακός, frg. 1, 5 A. und K. Und so geschah es: vor Troia wurden viel der Recken gefällt, Jw 3* ἐτελείετο βουλή, frg. 1, 7, mit deutlichem Hinweis auf den Eingang der Hias.

Behufs Erreichung dieses Zweckes beschließt 0 Zeus zunächst, die Meergöttin Thetis, die sich aus Ehrfurcht vor Here seiner Liebe entzog (Volum. Here. coll. alt. VIII 105 = frg. 2 A.), mit einem sterblichen Helden, Peleus, zu vermählen, vgl. Reitzenstein Herm. XXXV 73ff. Da indes Thetis sich nicht so ohne weiteres einem irdischen Manne gesellen mochte - vgl. Hom. Il. XVIII 433 καὶ θλην ἀνέοος ἐννήν | πολλὰ μάλ* οὐκ ἔθελουσα -, stand es dem Peleus, der durch sie Vater des edelsten Helden werden sollte, wohl an, 0 sie durch eigene Kraft zu gewinnen und sich so der göttlichen Ehegenossin wért zu erweisen. Veränderlich wie die flüchtige Welle sucht sich das Meermädchen, das die Gabe besitzt, sich in verschiedene Gestalten zu verwandeln - wie andere Meerdämonen -, dem Peleus zu entziehen. Darauf bezieht sich die große Zahl der künstlerischen Darstellungen des Liebeskampfes, welche, da die Verwandlungsszenen sich für die bildende Kunst weniger eignen als für die Poesie (Robert Bild

I u. Lied 22Î.), offenbar auf sehr bekannter epischer Tradition beruhen. Das Schweigen des Proklosexzerptes ist nicht von Bedeutung. Eurip. Iph. Aul. 702 übt allem Anscheine nach gerade an dem epischen Berichte schneidige Kritik. Dies wird weit eher das kyklische Epos gewesen sein, als etwa die hesiodische Darstellung in den Ehoien frg. 80. 81. wie Gruppe Griech, Myth. u. Re-ligionsg. I 664, 1 annahm. Die Zahl der Belege, die bereits mit dem Kypseloskasten beginnen, Paus. V 18, 5. ist groß, vgl. Overbeck Her. Gall.1172f. Luckenbach Das Verhältn. d. griech. Vasenb. zu d. Gedichten d. ep. Kyklos, Jahrb. f. Phil. XI Suppl.-Bd. (1880) 577. A. Schneider D. troische Sagenkreis u. d. ältest. griech. Kunst (1886) 74ff. (bes. 83): eine systematische Zusammenstellung gibt Graef Arch. Jahrb. I 1886, 192ff., der übrigens (namentlich 196 u. 200) den Kyprien selbst den Liebeskampf abspricht. Die [2381] Verwandlungen werden an der Gestalt der Nereide angedeutet: so züngelte auf der Kypsele, während Peleus das Mädchen greifen will eine Schlange von ihrer Hand gegen den Helden; anderwärts sind Verwandlungen, die nacheinander erfolgten, in einem Momente zusammengefaßt, indem verschiedene Gestalten wie Löwe, Panther, Schlange, Feuerflamme, auf einmal an der Figur der Thetis sichtbar sind. Diese naive Art verblieb als Typus lange Zeit hindurch, Robert Bild u. Lied 22. Die Ausführung der Szene ist mannigfaltig: Peleus lauert der Nereide auf oder er holt sie aus der Schar der Genossinnen heraus, gelegentlich mit Hilfe seines Freundes, des Berggottes Chiron. Auf der schönen attischen Schale in München, in der Art des Duris, bei Furtwängler-Reichhold Griech. Vasenm. Taf. 24, Text I 1K, erscheint die Verwandlung in einen Löwen ange-deutet, der Peleus in den Arm beißt. Nach beiden Seiten enteilen Nereiden, um dem Vater Nereus von dem Binnen des Peleus Kunde zu geben.

Nachdem der Held das Meermädchen errungen, ward die Hochzeit festlich begangen, worüber frg. 3 - Schol. Hom. A min. zu II. XVI 140 - belehrt. Die Götter selbst nehmen teil und bringen dem neuen Paare ,εἰ τὸ Πήλιον' Geschenke dar, darunter Chiron einen Eschenspeer, μέλια εὐθαλῆς, den er selbst beschafft, Athene geglättet und Hephaistos zum Gebrauch hergerichtet hat. Warum man die Worte des Scholions Ἄφηναν μὲν ξέσαι αὐτό, Ἤφαιστον δὲ κατασκευάσαι nicht dem Epos zuschreiben dürfe, wie Bloch Myth. Lex. III 1838 meinte, ist nicht einzusehen. Es ist die Waffe, mit welcher der Held selbst und nachmals sein Sohn Achilleus tapfere Taten vollführt (vgl. Hom. II. XIX 39θῖΛ Wiederholt wird auf die Teilnahme der Götter bei der Hochzeit in den homerischen Gedichten Bezug genommen, wie II. XVI 11 84f. XXIV 62. Nach der letzten Stelle, die wohl auf den Kyprien beruht (Robert Bild u. Lied 125. Reitzenstein Index schol. von Rostock 1891/2, 76), spielte hierbei Apollon die Phorminx, Eine uralte, sehr eindrucksvoUe, künstlerische Darstellung des Götterzuges zur Hochzeit - offenkundig nach epischer Quelle - besitzen wir auf der Amphora des Klitias in Florenz: vor einem tempelähnlichen Bau, in welchem Thetis sitzt, empfängt Peleus die Gäste, voran sein Helfer Chiron und Iris; vgl. Furtwängler-Reichhold Griech. Vasenm. Taf. I und II, Text I 3. Gelegentlich beschränkte man sich auf eine einfachere Darstellung der Heimführung der Thetis: wie auf einer rf. Scherbe von der Akropolis, die Winter Arch. Jahrb. III 1888 dem Euphronios zuschrieb.

Den Streit der Göttinnen setzen frg. 4 u. 5 A. = 3 u. 4. K. voraus, es wird also die Angabe des Proklos, daß ein solcher beim Mahle auf Anstiften der Eris entstand, richtig sein. Dagegen gehört der Erisapfel einer jüngeren Sagenversion an, Fränkel Arch. Ztg. XXXI 1873, 38. Luk-kenbach 590. Sy bei Myth. Lex.J 1338. Die Göttinnen holen sich Entscheidung ihres Streites bei Paris. Jene Fragmente beziehen sich auf die Schmückung der Aphrodite durch die Chariten und Horen, die dann mit ihrem Geleite blumenbekränzter Nymphen und Chariten auf dem Ida erscheint.

Das Parisurteil selbst, welches vielleicht ur- [2382] sprünglieh in einem besonderen Gedichte behandelt war, Robert Bild u. Lied 234 (vgl. die Drei-schwesternsage mancher Völker, Ueener Rh. Mus. XXIII 362), wurde, zumal da es einen Kern-und Ausgangspunkt der Dichtung bildete, ein dankbares und beliebtes Motiv auch für künstlerische Darstellungen. Schon auf dem amykläi-schen Thron des Bathykles war es nach Paus. III 18, 12 zu finden - Ἔρμης δὲ παρ' Ἀλέξανδρον κριθησομένος ἄγει τὰς θεάς -, nicht minder auf der Kypseloslade, Paus. V 19, 5. Eine Übersieht der sonstigen vielen Bilder gibt A. Schneider 91ff. Es sind hauptsächlich drei Momente ins Auge gefaßt: der Zug der Göttinnen, mit ihrem Führer Hermes, zum Ida, ihr Erscheinen vor dem Hirten Paris und der ürteilsspruch. Auch der Zusammenhang des Vorganges mit dem Götterrate, in dem Zeus seinen Entschluß verkündet, wird gelegentlich angedeutet, indem, wie auf einer 20 Vase der Petersburger Ermitage, Stephani 1807.

Klein Arch. Jahrb. IX 1894, 251 als Zuschauer der Szene Zeus, Themis und Eris erscheinen. Ein schönes Beispiel altertümlicher Darstellung bietet die ionische Amphora in München bei Furtwängler-Reichhold Taf. 21 Text I 93ff. aus der ersten Hälfte des 6. Jhdts. Dem Hermes voran schreitet ein alter Mann als Abgesandter, den Furtwängler 95 für Priamos, Springer-Michaelis Handb. d. Kunstgesch. I⁸ 30161 für Zeus selbst halten (nach Zahn Mitt.

Arch. Inst. Athen 1898, 46, 2 Füllfigur), mit Kerykeion wie Hermes, dahinter die drei entsprechend charakterisierten Göttinnen, - Aphrodite in dünnem durchsichtigen Gewände, mit Schnabelschuhen, die Rechte erhoben -; Paris als Hirt gedacht mit einem Hund, die Herde wird durch drei Rinder angedeutet.

Später haben die Künstler den Moment des Eintreffens der Göttinnen auf dem Ida ins Auge 40 gefaßt oder eine anmutige Szene während ihres Verweilens daselbst dargestellt, Robert Bild u. Lied 44. Einen Beleg gibt die interessante attische Hydria in der Art des Meidias zu Karlsruhe, Furtwängler-Reichhold Taf. 30 Text I 141ff. Hier erscheint Paris phrygisch gekleidet, ein kleiner geflügelter Eros schwebt zu ihm, die Göttinnen hinter Hermes, Aphrodite sitzend mit kleinem Eros, Athene gerüstet, Here reich geschmückt, außerdem Klymene. In dem Raume 50 oberhalb erscheint links Zeus, der auf die Szene mit Teilnahme hinabblickt, dann Eris, weiter Euty-chia sitzend, und halb aufsteigend Helios mit vier Rossen. - Eine reiche Darstellung bietet eine attische Hydria in München, aus Alexandrien, bei Furtwängler-Reichhold Taf. 40 Text I 204ff., farbig mit Gold gehöht; hier lauscht oben neugierig Pan der Szene. Eine Nolaner Schale in Berlin. Overbeck Her. Gall. Taf. X 3, auch bei Türk Myth. Lex. III 1615, zeigt die Göttin-50 neu vor dem in einer Art Säulenbau sitzenden Paris mit den Symbolen der Gaben, die sie ihm in Aussicht stellten: Aphrodite in der linken Hand einen Eros, in der rechten einen Kranz, Athene einen Helm in der Rechten, Here einen kleinen Löwen als Sinnbild der Herrschermacht. - Auf einigen Gefäßen ist Paris leierspielend dargestellt: da dieser Zug bei seiner ländlichen Beschäftigung nicht fern liegt, war er vielleicht in der Dichtung [2383] eigens berührt (vgl. Hom. II. III 54 οὐκ ἄν τοὶ χραίσμη κίθαρις τὰ τε δθρ' Ἀφροδίτης | tf te κόμη τὸ τε εἰδος), vgl. D u h Arch. Ztg. XI S. 211 Taf. 11. Da mitunter Hermes den Paris festzuhalten sucht ( Schneider 102), erscheint es nicht unmöglich, daß dieser sich im Epos dem heiklen Urteilsspruch entziehen wollte.

Die außerordentliche Beliebtheit der epischen Szene äußerte sich auch in Darstellungen auf Sarkophagreliefs, Gemmen und selbst noch Münzen 1 der Kaiserzeit, Imhoof-BlumerArch.Jahrb. III (1888) 291.

Die Notiz im Exzerpt des Proklos - [‌Apollod.] Epit. III 2 -, Alexandros habe in den Kyprien der Aphrodite wegen ihres Versprechens, ihm Helene als Frau zu gewinnen (γάμον 'Ἐλένης), den Preis zugesprochen, ist um so weniger bezüglich ihrer Richtigkeit anzuzweifeln als - abgesehen von Vasenbildern wie der erwähnten Nolaner Schale - die kurze Erwähnung des Parisurteils bei Hom. 2 II. XXIV 29f. (von Aristarch mit v. 25–28 gestrichen) allem Anschein nach eine Reminiszenz aus den Kyprien darstellt.

Ob auch von Paris’ Jugend in dem Epos die Rede war, erscheint zweifelhaft, Robert Bild u. Lied 234; insbesondere ist es unerweisbar, daß für den Oinonebrief Ovids, wie Wentzel Epi-thal. v. Spiro u. Wentzel, Gött. 1890, LVII (vgl. auch Neue phil. Rundsch. 1891, 357) annahm, den letzten Hintergrund die Erzählung der Kyp- 3( rien darstelle, die für eine novellistische Dichtung die Quelle gewesen wäre, vgl. Ehwald Jahresb. LXXX 23.

Die weitere Angabe bei Proklos, es habe Aphrodite den Bau von Schiffen für die Fahrt nach Hellas veranlaßt und Helenos dem Paris die Zukunft verkündet, läßt sich nicht kontrollieren. Auf Geheiß der Göttin sei Aineias zur Mitfahrt bestimmt worden: tatsächlich erscheint dieser Held wiederholt auf Vasenbildern, welche die Entführung dar- 4( stellen (s. u.). Irgendwie hängt die bei Paus. X 26, 1 (= frg. 32 A.) vorliegende Nachricht. Aineias’ Gattin habe in den Kyprien Eurydike geheißen, mit der Erwähnung des Helden zusammen.

Neben der Weissagung des Helenos wird bei Proklos auch einer zweiten gedacht - καὶ Κασσάνδρα περὶ τῶν μελλόντων πρόδηλοι (bei [Apollod.] beide nicht erwähnt). Seitdem die Oxyrhynchos-bruchstücke (Pap. Oxyrh. 841) des VIII. Päans Pindars bekannt sind, wird man nicht bezweifeln 50 können, daß darin, wie Robert Herm. XLIX 317 erkannte, eine den Kyprien nachgebildete Szene vorliegt. Im Paean VIII 20 Sehr, kündet Kassandra, jetzt werde Kronion das der Stadt Bios längst bestimmte Unheil vollenden, das im Traume Hekabe sah, als sie Paris unter dem Herzen trug; vgl. auch Robert Oidip. II 132, 22.

Helene war nach dem Epos von Zeus mit der Nemesis erzeugt worden, frg. 7 A. bei Athen. VIII 334 B (= frg. 6 K.). worüber s. u. Da der erste θθ erhaltene Vers des Bruchstücks lautet τοὺς δὲ μετὰ τριτάτην Ἐλένην τέκε θαῦμα βροτοῖσι.... (τοὺς Korrektur von Meineke, überliefert τοῖς, nach dem Verse mit Welcker D. ep. Cycl. II² 514 eine Lücke anzunehmen, die ihn von den folgenden scheidet; das Subjekt zu τέκε ist Zeus), ging offenbar die Erzählung von den Dioskuren voraus, zu denen nach Proklos Alexandros kam. [2384] Mochten sie auch in der ursprünglichen Sage nicht mit Helene in geschwisterlicher Verbindung gestanden sein (Bethe o. Bd. V S. 1117), so haben sie doch ihren festen Platz in den Kyprien, und zwar galt hier Kastor nach frg. 6 A. = 5 K. bei Clemens Protr. II 80, 5 St. als der Sterbliche, also offenbar als Sohn des Tyndareos (und Ledas), Polydeukes als der Unsterbliche, somit Sproß des Zeus wie bei Pind. Nem. X 80 (150ff.) [‌Apollod.] .0111126 W. Inder homerischen Nekyia sind beide

Kinder des Tyndareos.

In einer größeren Episode wurde zunächst auf den Raub der Leukippiden Phoibe und Hilaeira, die nach frg. 8 A. = 7 K. bei Paus. III 16, 1 in den Kyprien als Töchter des Apollon galten (Leu-kippos als ihr Pflegevater) eingegangen. Der Mythos wird hier eine breitere Ausführung erfahren haben, da er schon in früher Zeit ein beliebter Vorwurf der Kunst geworden ist: bereits auf dem amy-0 kläischen Thron des Bathykles war die ἀρπαγὴ τῶν Λευκίππου θυγατέρων nach Paus. III 18, 11 dargestellt. Auch Polygnotos hat im Anakeion zu Athen das Sujet behandelt nach Paus. I 18, 1: eine jüngere Darstellung bietet der Fries von Gjölbaschi-Trysa, Benndorf Taf XVI S. 1595. Von Vasenbildern ist die Londoner Prachthydria des Meidias aus der zweiten Hälfte des 5. Jhdt. zu nennen, bei Furtwängler-Reichhold I Taf. 8, Text I M), auf welcher Zeus mit Be-) hagen dem Beginnen der Dioskuren zusieht. Über die Namen der Figuren vgl. Kretschmer D. griech. Vaseninschr. 208.

Der Umstand, daß die Dioskuren beim Raube der Helene nicht eingreifen, war wohl, wie auch ihr Fernbleiben vom Troiazuge (s. Bethe o. Bd. VS. 1117 u. 1130), damit begründet, daß sie mittlerweile den Kampf mit den Apharetiden zu bestehen hatten, dessen das Schol. zu Pind. Nem. X 62 (112) = frg. 9 K, oder 11 A. und das Exzerpt > des Proklos ausführlicher gedenkt. Von der hier erhaltenen Stelle der Kyprien ist Pindar a. a. O„ wenn auch der Lyriker im einzelnen abwich - Staehlin Phil. LXII 1903, 188ff.-, abhängig (vgl. auch Lykophr. 5355.). Bei dem Gastmahle, bei welchem Alexandros von den Dioskuren bewirtet ward (Proklos: ὑλλξανόροθ ξενίζεται παρὰ τοῖς Τυνδαρίδαις, vgl. Welcker D. ep. Cycl. II² 92), werden die Apharetiden zugegen gewesen sein und die Dioskuren verhöhnt haben, da sie die Leukippiden ohne Brautgeschenke entführten; vgl. Lykophr. 538–549, der für den Weiterverlauf der Erzählung und die Vervollständigung des Proklosberichtes zu beachten ist. Die Tyndariden bemächtigten sich hierauf einer Rinderherde ihrer Vettern, um sie dem Leukippos als Brautgeschenke zu bieten (Schol. Lykophr. 548), weshalb es bei Pind. Nem. X 60 (112) heißt: θδας ἄμφι βουοίν πως χολώνεις. In einer hohlen Eiche geborgen lauern sie, wie aus frg. 11 A. = 9 K. hervorgeht, den Apharetiden auf. Aber Lynkeus erblickt vom Taygetos aus die ganze Halbinsel des Pelops überschauend mit seinem durchdringenden Auge beide in der hohlen Eiche: frg. 11, 4f. A. εἰσιδέ ... δεινοις ὀφθαλμοῖοιν ἔσω κοίλης δονὸς ἄμφω - SO ist mit Gerhard Lect. Apoll. 145 und Nauck Mél. Gréco- Rom. IV 376 zu schreiben statt des überlieferten metrisch fehlerhaften ἔοω δρυὸς ἄμφω κοίλης. Kastor wird durch die Rinde des Baumes [2385] zööd AymoB ypnaj

hindurch von Idas durchbohrt: v. 7 hat etwa nach Abel zu lauten wfe Ä’ ἄρ '(Jfyz* στάς μεγάλη? δρῦν und vielleicht ist davor mit Ribbeck Rh. Mus. XXXIII 460f. eine Lücke anzunehmen. Den weiteren Verlauf der Erzählung der Kyprien dürfen wir wohl aus Pindars Bericht entnehmen: Die Apharetiden, von Polydeukes verfolgt, werfen des Aphareus Grabstein auf ihn, aber den Lynkeus fällt sein Speer, während Idas durch den Blitz des Zeus getötet wird. Proklos bemerkt nur ungenau, IC daß beide durch Polydeukes fallen. Den Dios-kuren verleiht Zeus, da Polydeukes, der den Bruder sterbend fand, gleichfalls den Tod wünscht, die θεερημέρος ἀΦαναβία, wie Pindar und Proklos übereinstimmend berichten. Von den Kyprien offensichtlich abhängig ist Hom. Od. XI 301–304, wo die beiden gleichfalls ἐτερήμερα sind, während es II. III 243 von ihnen heißt τοὺς δ* ἤδη κάτεχεν φυσίζοος ata, vgl.auch [‌Apollod.] III137W.

An Kastors Tod kann in den Kyprien, wie 20 Robert Hom. Becher 50 vermutete, der ältere Mythos vom Raube der Helene durch Theseus (Herod. IX 73. [Apollod.] III 128 W. Diodor IV 63) ἐν παρεκβάσει angeknüpft gewesen sein, in welchem die Dioskuren als Retter ihrer Schwester erschienen; diese Sage war nach frg. 10 A. (Schol. Hom. A min. zu II. III 242) παρὰ τοῖς κυκλικοις erzählt, d. i. in den Kyprien. Hieran schloß sich die bildliche Darstellung des Mythos auf dem Kypseloskasten, Paus. V 19, 3, und dem amy-30 kläischen Throne, Paus. III 18, 15. Ein homerischer Becher K bei Robert 46ff. zeigt Theseus, der die widerstrebende Helene auf einem Viergespann mit den Armen umfaßt hält, Wagenlenker ist sein Freund Peirithoos. Eine oben angebrachte Beischrift gibt Auskunft über die Szene; vgl. auch Wentzel Epithalamion, Gott. 1890. Bethe o. Bd. VII S. 2828f.

An den Besuch des Alexandros bei Menelaos in Sparta, von dem Proklos berichtet, wird sich in 40 einer Episode der Mythos von der Geburt Helenes angeschlossen haben. Im Gegensätze zu Hesiods Katal. frg. 73, wo sie als Tyndareos’ Tochter erscheint, war sie in den Kyprien Sproß des Zeus und der Nemesis nach frg. 7 A. = 6 K., die, in allerlei Tiergestalten sich wandelnd, sich ihm vergebens zu entziehen bemühte. Er nahte sich ihr schließlich in Gestalt eines Schwanes, worauf Nemesis ein Ei gebar: dieser Sagenzug ist in dem Bruchstücke nicht mehr erzählt, doch notwendig 50 vorauszusetzen und aus [Apollod.] III 127 W. und Lykophr. 88 zu entnehmen, vgl. auch Bethe o. Bd. VIIS. 2827 u. Rossbach, bei Roscher Myth. Lex. III 119. Furtwängler Die Sammlung Sabouroff, Berlin 1883, I 10 meint unter Berufung auf Isokrates Ἐγκώμ. Ἔλ. 59 (εἰς τοὺς Νεμεοεως κόλπους ἔφυγε), daß Zeus, wie attische und böo-tische Terrakotten des 5. Jhdts. zeigen, sich zu ihr geflüchtet hätte als Schwan, indem er sich von einem Adler verfolgen ließ. In derlei Terrakotten 60 - wie die in der Sammlung Sabouroff I Taf. LXXI 2 - Frau mit Kalathos und Schwab - erkennt Furtwängler 12 die rhamnusische Nemesis (vgl. auch Bethe über die Göttin von Rhamnus im Anschluß an attische Sage o. Bd. V S. 1120), nicht etwa Leda. Das Ei, das Nemesis gebar, fand Leda; illustriert ist der Vorgang wiederholt auf Vasen, wie auf dem Gefäße des Xenotimos [2386] äyjaoB (hypna) 2000

(Tyndareosvaae), Antik. Denkm, d. arch. Inst. I Taf. 59, wo das Ei, neben dem Zeus’ Vogel, ein Adler, sitzt, auf einem Altar liegt, davor Tyndareos, Leda, Klytaimestra, oder ein Vasenbild, das Hauser Arch, Jahrb. XI (1896) 193, 42 anführt: vor dem Ei der Nemesis stehen Leda, die Dioskuren, Tyndareos. Die Geburt der Helene aus dem Ei auf attischen Vasen bespricht Kefe ulé S.-Ber. Berl. Akad. 1908, 691ff. Erst nachmals ward wohl die Schwanlegende von Nemesis auf Leda übertragen, Furtwängler 11. In dem Fragment der Kyprien ist Leda nicht erwähnt, doch war sie vielleicht auch hier Pflegemutter Helenes, weshalb Ahrens Jahrb. f. Phil. XIII 106 im Anfangsverse dieses Bruchstückes (frg. 7 A.) für das überlieferte τέκε schreiben wollte τρεφέ, mit Leda als Subjekt.

Ob auch des Freiereides, den Tyndareos verlangte, schon in den Kyprien gedacht war, wie Bethe O. Bd. VII S. 2838 vermutet, muß dahingestellt bleiben.

Während der Aufnahme bei Menelaos in Sparta überreicht Alexandros der Helene Geschenke; dem Berichte des Proklos hier zu mißtrauen liegt kein Grund vor; als dann Menelaos nach Kreta verreist, führt Aphrodite die beiden zusammen: μετὰ τὴν μεῖξιν, die nach Hom. Il. III 445 jedoch erst auf der Insel Kranae erfolgt wäre, entfliehen sie unter Mitnahme von Schätzen des Nachts zu Schiffe. Die Schilderung der Entführung wird als ein Teil der Κύπρια ποιήματα ausdrücklich bezeugt im Schob zu Clem. Protr. I 305, 33 St.: περιεχεὶ δὲ ἀρπαγὴν Ἐλένης. Daß auch die Mitnahme des heiligen Pallasbilds aus Sparta, das nachmals Odysseus den Griechen wieder zurückgebracht hätte, in den Kyprien erwähnt worden wäre, wie Woerner Myth. Lex. III 1304 mutmaßt, läßt sich nicht bestimmt erweisen.

Begreiflicherweise wurde die Entführung Helenes’ als reizvolles Motiv aus den Kyprien von den Vasenmalern gerne dargestellt: so auf der Berliner Schale des Hieron nr. 2291, Furtwängler Beschreib. II 584ff. Hartwig Meistersch. 286. Robert Bild u. Lied 53, um die Zeit der Perserkriege gearbeitet, vgl. Leonard O. Bd. VIII S. 1525 nr. 18. Paris mit zwei Speeren bewehrt, den Petasos im Nacken, führt die zögernde Helene fort. Die Mittelgruppe bildete Aineias, sein Geleiter (den ihm nach Proklos Aphrodite mitgegeben), ebenfalls zur Reise gerüstet, der die erschreckt nacheilende Schwester Timandra abzuwehren sucht: in einer Gruppe rechts, vielleicht Zutat des Malers, bringt Euopis (Gespielin oder Dienerin) dem Tyndareos und Ikarios Kunde von dem Vorgänge. - Alexandros mit Helene sowie Aineias sind auch die Hauptfiguren auf dem Bilde des prächtigen Skyphos aus Hierons Atelier, gemalt vonMakron, beiFurtwängler-Reichhold Griech. Vasenm. II Taf. 85 Text II 125ff. Leonard O. Bd. VIII S. 1526 nr, 24. Hartwig Meistersch. 301, vgl. Robert Bild u. Lied 54ff., auch Weizsäcker Myth. Lex. III 1800. Aineias mit Speer und Schild, den Reisehut im Nacken, schaut auf Helene zurück, die im Gewände einer Braut von Alexandros fortgeführt wird, oben ein kleiner Eros; hinter ihr Aphrodite die Hände gegen Helenes Haupt streckend, die offensichtlich auf ihr Geheiß folgt; rechts als ihre [2387] Gehilfin Peitho, hinter welcher ein neugieriger Knabe, vielleicht Pleiethenes, Helenes und Mene-laos’ Sohn, nach frg. 9 A. im Schol. Eurip. Andr. 898. Wenn dort diesem Namen der des Nikostra-tos, wie der Helene Sohn bei Hesiod. Katal. frg. 99 Rzach hieß, gegenübergestellt wird, darf geschlossen werden, daß auch der erste Name (Plei-sthenes) einer epischen Quelle, den Kypria, entnommen ist; vgl. Reichhold a. a. O. II 126, 2, der gut bemerkt, daß durch Beigabe der Figur des Knaben, den sie verläßt, sich Helenes Schuld steigere: es kann auch dieser Zug schon in der Dichtung vorgekommen sein.

Am dritten Tage landet Alexandros nach glücklicher Fahrt, εὐαέι τε πυενματὶ χρηῦάμενος καὶ θαλασαὴ λείθ wie Herodot II 117 aus den Kyprien berichtet (frg. 12 A. = 8 K.) mit Helene in Ilios. Anders Proklos: nach ihm hätte in der epischen Erzählung Here einen Sturm gesendet und Alexandros wäre nach Sidon verschlagen worden, das er einnahm. Doch ist es keineswegs ausgemacht, daß Proklos, mit dem im wesentlichen [‌Apollod.) Epit. III 4 W. übereinstimmt (nur bleibt hier Alexandros längere Zeit in Phönikien und Kypros), wie mehrere Gelehrte glaubten (Wüllner De cycl, ep. 73. Usener Rh. Mus. XXIII 344, 84. Robert Bild u. Lied 247. Bethe Herm.XXVI599), Hom.H.VI289ff. vor Augen hatte, denn dort wird vom Sturme der Here ebensowenig gesprochen wie von der Einnahme Sidons. Wohl aber ist, wie Wentzel Neue phil. Rundschau 1891, 355 näher feststellte, fremdes Eigentum in die Kyprienhypothesis eingedrungen und der Bericht auf Grund einer mythographischen Interpolation getrübt; vgl. Hartmann Unters, üb. die Sagen vom Tode des Odyss. 24.

Den Vorbereitungen zum Rachezug, den nach Proklos Menelaos, von dem Geschehenen durch Iris in Kenntnis gesetzt, mit Agamemnon beriet, gehört allem Anschein nach das frg. 13 A. = 10 K. bei· Athen. II 35 C an. Menelaos holt sich bei Nestor Rat: die Gnome vom Sorgenbrecher Wein, nachgebildet in den Theognidea 883, ist im Munde des trinkfesten alten Helden als Trostspruch für Menelaos aufzufassen. Wenn es dann bei Proklos heißt, Nestor habe ἐν παρεκβάσει auf eine Anzahl Begebenheiten hingewiesen, die sich auf einen traurig ausgehenden Liebesbund oder eine verwerfliche Liebschaft bezogen (Epopeus, Tod des Lykos, Oidi-pus, Herakles’ Wahnsinn, Theseus und Ariadne), * so paßt dies gut in den Zusammenhang. V. W i -lamowitz Hom. Unt. 149 nimmt eine Beein-flußung der homerischen Nekyia Od. XI 260ff. durch diese Stelle an. Da die Übereinstimmung keine völlige ist, erachtet sieThraemer Pergam. 130f. für zufällig. Ablehnend verhält sich auch Dümmler Kl. Schr. II 384 (= Rh. Mus. XLV 1890). Im Gegensätze zu v. Wilamowitz sah Blaß Interp. in d. Odyss., Halle 1904, 265 hier eine gewisse Anlehnung an die Odyssee bei den f Trostgriinden für Menelaos.

Verschiedene andere Helden wurden für den Rachezug gewonnen, wie bei Proklos zu lesen, darunter der sich wahnsinnig stellende Odysseus, der durch Palamedes’ List (mit Telemachos) schließlich doch dazu bestimmt wurde (vgl. [‌Apollod.] Epit. III 7 W. Soph. Ὄδνσσ, μαιν. TGF 232 N.²). Bethe Theb. Heldenl. 81 denkt auch an die [2388] Herbeiholung des Achilleus von Skyros - [‌Apollod.] III 174 W. Hygin. fab. 96.

In Aulis treffen die Teilnehmer des Zuges nach Proklos zusammen: seine Mitteilung, daß das auch bei Hom. Il. II 308ÏÏ. erwähnte τέρας von der Schlange und den Sperlingen in den Kyprien vorkam, braucht man nicht ganz zu verwerfen, da einzelne alte Sagenzüge diesen Dichtungen gemeinsam sein konnten, vgl. Noack Gott, geh Anz. 101892, 811.

Die erste Fahrt geht fehl: die Griechenflotte landete in Teuthranien, das man in der Meinung, es sei troisçher Boden, verwüstet, ἡ διαμαρτία τοῦ πλου. Paus. I 4, 6, Proklos u. [‌Apollod.] Epit. III 17 berichten darüber. Vermutlich liegt diesem Sagenzüge ein historisches, mit der Besiedelung der kleinasiatischen Westküste zusammenhängendes Ereignis zugrunde, und er stellt nicht etwa eine bloße Erfindung des Verfassers der Kyprien 20 dar, vgl. Thraemer Pergam. 149 u. 160S.: möglicherweise gab es ein altes Lied über die mit den Einheimischen in Mysien ausgefochtenen Kämpfe.

Beim Zusammenstöße der Griechen mit den Bewohnern des Landes am Flusse Kalkos (Paus. VIII 45, 7) tötet Telephos, ein Sohn des Herakles, Mysiens König, den Sohn des Polyneikes, Ther-sandros, mit eigener Hand, wird aber selbst durch Achilleus am Oberschenkel verwundet. Nach dem 30 Epos, auf welches Proklos den Mythos bezieht ([Apollod.] Epit. III 17) - es kann nicht wohl ein anderes sein als die Kyprien, deren Hypothesis er angibt, wenn wir auch kein wirkliches Bruchstück davon aus diesem Abschnitte besitzen -, scheint Pindar Olymp. IX 71 (107)ff. ihn zu erwähnen. Auf diesen Kampf am Kaïkos geht vermutlich die übermalte und lückenhafte Darstellung auf einem kelchförmigen Krater der Ermitage, vgl. Petersen Arch. Ztg. 1879, 9ff. und be-40 sonders Loewy Arch. epigr. Mitteil. IV 1880, 220ff. Wie Pindar meldet a. a. O. 74 (117f.)T erscheint Patroklos am Kampfe beteiligt. Diomedes trägt einen Gefallenen auf dem Rücken, vielleicht Thersandros; Patroklos zieht sich zurück: die Flucht der Griechen und die Verwundung des Telephos erscheint in einem Momente dargestellt, vgl. Robert Arch. Jahrb. II 1887, 250. Auch der Gegenstand des Innenbildes der rf. Sosias-schale im Berliner Museum, die Furtwängler 50 (Ant. Denkm. d. arch. Inst. I Taf. 10) dem Pei-thinos zuschreibt, geht vielleicht auf diesenKampf: der als Bogenschütze dargestellte Patroklos, durch einen Pfeil verwundet, wird von Achilleus verbunden, der sich auf derlei chirurgische Hilfe verstand (Hom. Il. XI 831); vgl. auch Brunn Troische Mise.. S-Ber. Akad. München 1880, 173.

Nach Proklos erfolgte dann die Fahrt des Achilleus nach Skyros und die Heirat mit Lykome-des’ Tochter Deïdameia. Wenngleich auch in der 50 kleinen Ilias frg. 4 A. und K, von der Fahrt des Helden ,ἀπὸ Τηλέφου* nach Skyros erzählt ward, so braucht die Angabe des Proklos nicht verdächtig zu sein, da mit diesem Sagenzuge das frg. 14 A. = 11 K. der Kyprien, bei Paus. X 26, 4 offenbar im Zusammenhang steht (vgl. Hitzig-Blümners Pausaniaskommentar III 2, 771). Darnach erhielt der Sohn des Achilleus und der Deïdameia von Phoinix den Namen Neoptolemos, [2389] Kyüos (Kypria)

βτί Ijjdhvf ἠλικίρ. Sri νέος πολεμεῖν ἤρξατο'; hierzu vgl. Weizsäcker Myth. Lex. III 3362. Diese Tatsache war natürlich in Form einer Pro-lepsis an die früher erwähnten Vorgänge angeknüpft.

Telephos, der auf eine Weissagung hin nach Argos kommt, wird daselbst, zumal er Führer eines neuen Zuges werden soll, geheilt. Die Heilung des Τηλεφειον τραύμα erfolgte nach Schol. Hom. H. I 59 durch den Kost des Speeres Achills, der ihn verletzte, wie die νεώτεροι ποιηταί, also die Kykliker, berichteten (d τρώσας καὶ ἰάσεrai), vgl. neben vielen anderen Stellen [‌Apollod.] Epit. III 20 W. und Schmidt Myth. Lex. V 284. Daß dies die epische Tradition, also der Kyprien, war, ist kaum zu bezweifeln, denn die bisher bekannte älteste Telephosdarstellung, eine in englischem Privatbesitz befindliche Schale des rf. strengen Stils aus Hierons- Atelier (nicht später als 470 gemalt) zeigt im Außenbild den Tele-phos, wie er allein ohne Orestes am Altäre gegenüber der Bedrohung durch die Griechen Hilfe erfleht, vgl. Pollak Zwei Vasenbilder a. d. Werkstatt Hierons, Leipzig 1900, 15. Taf. 1 (abgebildet auch bei Schmidt Myth. Lex. V 303 Abb. 13), ferner Höfer ebd. III 959. Gruppe Jahresb. CXXXVII 620f. Man darf hierin die ältere einfache Form der Sage sehen - auch bei Proklos ist von Orestes nicht die Rede -, während späterhin in der Tragödie Telephos sich des kleinen Orestes als Unterpfand bemächtigt und ihn bedroht, um hierdurch eine nachdrückliche Unterstützung seiner Forderung nach Heilung der Wunde zu gewinnen; vgl. Schol. Aristoph. Acharn. 332; über die Verwendung des Mythos im Drama J. Schmidt Myth. Lex. V 2865. Schon die zweitälteste Behandlung des Gegenstandes auf einer Pelike des Brit. Museums (Ende des strengen rf. Stils) - bei Pollak nach Photographie Taf. VI Text 8 - gibt Telephos mit dem kleinen Orestes, also nach der Tragödie.

Als die Griechen nun sich zum zweiten Male in Aulis versammelten, erregt, wie das Proklosexzerpt weiter meldet, Agamemnon durch sein übermütiges Verhalten bei einer Jagd den Zorn der Artemis (vgl. v. Wilamowitz Herm. XVIII 250f.), die durch Stürme das Auslaufen der Flotte hindert. In diese müßige Zwischenzeit fiel vermutlich die Erzählung von Palamedes* Erfindung des Brettspiels und der Würfel, denn der Umstand, daß derlei an sich inhaltlose Szenen auf Vasen altertümlicher Art begegnen, macht es wahrscheinlich, daß dies nach epischer Vorlage geschah. Mit Brunn Troische Mise. III S.-Ber. Akad. München 1880, 173 kann man in den wiederholten genrehaften Darstellungen zweier am Spiel beteiligten Helden einen künstlerischen Typus allgemeiner Art sehen, der dann durch Namengebung individualisiert wurde. Beispiele bei Robert Arch. Jahrb. III 62 u. Nekyia 57, 36. Auf das Epos weist die wahrscheinliche Bezugnahme Pin-dars in dem Threnos frg. 130, 15. Schr., wo es heißt, daß die Helden in der Unterwelt sich unter anderem auch am Brettspiel erfreuen: .. τοὶ θὲ πεοοοῖς, τοὶ δὲ φορμίγγεσοι τέρπονται, Meyer Arch. Ztg. XLIII 246. In der Nekyia des Poly-gnotos waren Aias der Salaminier, Palamedes und Thersites dargestellt κύβοις χρώμενοι παιδιὰ τοῦ [2390] Παλαμηδους τῷ εὐρήματα Aias der Jüngere stand dabei als Kiebitz, Paus. X 31, 1.

Auf Kalchas’ Weisung soll nach Proklos der Göttin Zorn durch die Opferung der Iphigeneia besänftigt werden, die herbeigeholt wird, als sollte sie dem Achilleus vermählt werden. In diesen Zusammenhang gehört das Bruchstück 15 A. = 12 K. im Schob Laur. Soph. El. 157, demzufolge Agamemnon vier Töchter besaß, darunter Iphigeneia 10 und Iphianassa, während deren bei Hom. Il. IX 145 nur drei genannt werden. Die künstlerischen Darstellungen der Opferung und der Rettung Iphi-geneias können als Zeugnisse für die epische Behandlung des Gegenstandes nicht herangezogen werden, da sie erst jüngerer Zeit entstammen.

Weiter war in den Kyprien nach Proklos erzählt, wie Philoktetes während eines Festes von einer Schlange gebissen und wegen Übeln Geruches der Wunde auf Lemnos zurückgelassen wurde (nach 20 [‌Apollod.] Epit. III 27 W. bringt ihn Odysseus auf Befehl Agamemnons dahin): in den Kyprien kam wohl das Wort ὕδρος vor (Prokl. ὕῳ’ ὕδρον πληγείς) und scheint von daher in die Ilias II 723, wo dieser Begebenheit gedacht wird, gelangt zu sein, Christ S.-Ber. Akad, Münch. 1884, 6.

Zu jenem Feste zu spät eingeladen, entzweite sich Achilleus, wie das Proklosexzerpt besagt, mit Agamemnon. Zwei in einem Louvrepapyrus (1. pa-pyr. grecs du Musée du Louvre II col. 2, 27, Paris 301866) erhaltene Verse = frg. 16A. = 13K. hat Lettonne Journ. d. savants 1838, 322 auf die Kyprien bezogen. Eine sichere Gewähr dafür haben wir jedoch nicht.

Bei der Landung am Strande der Troas fällt als erster der Griechen im Kampfe Protesilaos durch Hektors Hand, wie Proklos meldet. Dieser Bericht wird bestätigt und vervollständigt durch frg. 17 A. = 14 K. bei Paus. IV 2, 7, wonach der Held der erste war, der auszusteigen wagte. Ob etwa auch 40 das bei Ovid. Her. XIII 93ÏÏ. Hygin. fab. 103 erwähnte Orakel, welches demjenigen, der als erster das Land betrat, den Tod verkündigte, bereits in den Kyprien berührt war, läßt sich nicht feststellen. Als des Protesilaos Gattin wird in dem Bruchstücke Polydore, Tochter des Oineussohnes Meleagros genannt (sonst Laodameia). Ob ihre traurige Liebes- und Ehegeschichte (vgl. Türk Myth. Lex. III 3158) schon in dem Epos angedeutet war, ist nicht zu ermitteln. Auf epische 50 Tradition geht vielleicht die Darstellung der Landungsszene auf der Außenseite der Südwand des Heroons von Gjölbaschi-Trysa, Benndorf 204f. Taf.XXIVB. 15. s. Noack Ath. Mitt XVIII 313.

Darauf greift Achilleus ein, durch dessen Hand der Held Kyknos niedergestreckt wird, der Sohn des Poseidon; mit Proklos’ Bericht vgl. SchoL Hom. II. 138. (Paus. X 14. 1.) Wiederholt wird schon frühzeitig wie bei Pind. ὌΙ. II 90; Isthm. V 39 die Bezwingung des Kyknos neben anderen Großθθ taten (Sieg über Hektor und Memnon) des Achilleus gepriesen, was auf den Einfluß der epischen Tradition zurückzuführen ist.

Nach Bestattung der Toten und Verweigerung der Rückgabe Helenes und der entführten Schätze (vgl. Hom. Il. VII 350 Ἐλένην καί. κτημαθ δ.μ αὐτή | δώομεν) beginnt nach Proklos der Kampf um die Stadt, und die Plünderung der umliegenden Ortschaften. [2391] Den allerdings romantischen Zug, Achilleus habe begehrt die Helene zu schauen, worauf Aphrodite und Thetis, wie Proklos meldet (bei [‌Apollod.] Epit. nichts davon), die beiden zusammengeführt hätten, darf man den Kyprien zutrauen, vgl. Schol. zu Hom. II. III 340. Schol. Lykophr. 143 und 171. Welcker D. ep. Cycl. II² 146 sah darin einen der ersten Triumphe von Helenes Schönheit. Hingegen bezweifelt Bethe o. Bd. VII S. 2828, ob dieser Mythos in dem kyklischen Epos vorge-kommen sei.

Der weitere Bericht des Proklos, Achilleus habe die kriegsmüden Achaier, die sich nach der Heimat sehnten, zurückgehalten, erinnert an die ähnliche Situation in der Ilias, wo es Odysseus gelingt, die Unlust an weiterem Kampfe zu beseitigen. Dieser Umstand ist immerhin geeignet, einige Skepsis zu wecken, vgl, Bethe Homer I 212, 4.

Achilleus treibt dann nach Proklos dem Aineias Vieh fort und zerstört die Städte Lyrnessos und ‘ Pedasos (Hom. II. XX 92). Darf man bezüglich diese Berichtes wiederum Zweifel hegen, so wird der weitere richtig sein: im Schol. T zu Hom. Ἴ1. XVI 57 frg. 18A. = 15K. wird nach den Kyprien als die Stadt, aus der Achilleus die Bri-seis weggeführt, Pedasos bezeichnet, wogegen in der Ilias II 690 Lyrnessos als solche genannt wird.

Die weitere Erzählung von Troilos’ Tod gehörte unbedingt dem alten Bestände des Epos an. Der lakonischen Bemerkung bei Proklos καὶ Τρούλον 3( φονεύει (Achilleus) stehen Darstellungen archaischer Kunst gegenüber, aus denen man, wie Schneider 133 bemerkt, eine episch breit dargestellte Erzählung ablesen kann. Drei Szenen sind es, denen man auf einer erheblichen Zahl von Vasenbildern begegnet: das Auf lauern des Achilleus, die Verfolgung und die Tötung des Troilos, bezw. der Kampf um die Leiche; vgl. Overbeck Her. Gall. I 339. Schneider Hilf. Luckenbach Jahrb. f. Philol. Suppl. XI 6005. K1 e i n 40 Euphronios² 222S. Türk Myth. Lex. III 27235.

Polyxene, Priamos’ Tochter, hat sich zum Brunnen vor der Stadt hinausbegeben, um Wasser zu holen, von ihrem jungen Bruder geleitet, der in der Regel mit zwei Rossen auftritt, entweder um sie draußen zu tummeln oder zu tränken. Hinter einem Baum i liegt Achilleus im Hinterhalt. Als bezeichnendes ί Beispiel dieser Darstellung ist der archaische Lagy-nos des korinthischen Meisters Timonidafe in der ί Sammlung des Nationalmuseums in Athen zu 501 nennen, Klein Griech. Vas. m. Meistersign.² 29 v

nr. 2. Weicker Athen. Mitt. XXX 1995. v

Taf. VIII. n

In der Szene der Verfolgung jagt Achilleus den d vor ihm fliehenden Geschwistern nach, mit einem 1 Speere oder Schwerte sie bedrohend. Die Hydria, sj welche der Polyxene entfallen ist, liegt in der Regel hinter ihr, aber vor dem mit den Rossen folgenden P Troilos: es soll damit angedeutet werden, daß es d ihr noch gelingt, zu entrinnen. Einen interessanten 60 d Beleg gibt schon der zweite Fries der Amphora II des Klitias, Furtwängler-Reichhold Gr. kl Vasenm. I Taf. 11 Text I 55. Der Maler hat die ui Hauptszene der Verfolgung (Troilos auf einem au der Pferde im Galopp, daneben ein zweites lediges de Roß) durch eine Reihe anderer Figuren und son- SS stiges Beiwerk belebt und das Treiben am Brunnen zu sowie die Lokalität angedeutet: zugegen ist auch Ci [2392] ein bärtiger Apollon, dessen Heiligtum in der Nähe des Brunnenhauses gedacht war. Nadi rechts ist der Schauplatz durch die Stadtmauer von Troia begrenzt. Auf einem Steine sitzt da Priamos, dem Antenor herbeistürzend die Kunde bringt, während im Tore Hektor und Polites gerüstet erscheinen, um Hilfe zu bringen, da der Vorgang von der Mauer aus beobachtet sein mochte; vgl. Robert Bild u. Lied 16. Über die Gefäße mit der Ver-10 folgung, unter denen auch die Vase des Xenokles bei Klein Griech. Vasen mit Meistersign.² 81 nr. 13 zu nennen ist, vgl. im allgemeinen Schneider 121.

Die dritte Phase bildet in den Darstellungen der Tod des Troilos und der Versuch der Hilleleistung. Hieher gehört vor allem das Innenbild der hervorragenden Troilosschale von Perugia aus der Werkstatt des Euphronios bei HartwigD. griech. Meisterschal. Taf. LIX 1 Text 530, deren SO Zeichnung Hartwig unter Zustimmung von Robert o. Bd. VI S. 1223 dem Onesimos zuschreibt. Achilleus hat den jungen Troilos, dessen Kopf auffallend schmal ist, beim Schopfe gefaßt, um ihn mit dem erhobenen Schwerte zu töten. Die Szene geht nahe dem Altar des thymbräisehen Apollon, der durch einen dahinter stehenden Dreifuß gekennzeichnet ist, vor sich, vgl. [‌Apollod.] Epit. III 32. Die Pferde rennen davon. Es kann der Abschluß der gewöhnlichen Darstellung vor-) liegen: Polyxene ist bereits in Sicherheit und hat Lärm geschlagen: so wäre dann das Außenbild der Schale motiviert, Hartwig Taf. LVIII Text 536, das rüstende Troer zeigt, die dem Troilos zu Hilfe eilen wollen. Denn von einer Wahrnehmung des Vorganges von der Höhe der Mauer aus findet sich hier keine Andeutung. - Onesimos gibt die Szene auch auf einer Palennitanerschale Mus. naz. 1480, abgeb, bei Hartwig Text 539: Achilleus bohrt dem vergebens ihm in den Arm fallenden Troilos, dessen Roß verwundet gestürzt ist, das Schwert in die Schläfe. Ein asiatisch gekleideter Troer mit Streitaxt entflieht. Endlich wurde mitunter auch der Kampf um die Leiche des Jünglings daxgestellt, vgl. Overbeck Her. Gall. I 364f.: Klein Euphron.² 226 vermutet, daß Achilleus lie Leiche schließlich auf göttlichen Rat zur Be-jtattung auslieferte.

So hat die Troilosepisode zweifellos nach der msführlichen Schilderung des Epos eine vielfache künstlerische Illustration erfahren: hatte sie doch, vie Brunn S.-Ber. Akad. Münch. 1880, 175 her-orhob, eine Bedeutung für den inneren Zusam aenhang der Ereignisse insofern, als Achilleus urch seine Tat im Bereich des Heiligtums Apol-m’s dieses entweihte: der entrüstete Gott nimmt päter an dem Falle des Helden tätigen Anteil.

Gegen den Schluß des Exzerptes werden bei roklos einige andere Begebenheiten erwähnt, die ?r Erzählung der Dias vorausliegen: der Verkauf) 8 Lykaon nach Lemnos, den nach [Apollod.] Epit. I 32 W. Achilleus gefangen hatte, durch Patro-oe; weiters die Zuteuung der Briseis an Achilleus id der Chryseis an Agamemnon als Ehrengabe is der Beute, die man bei den Plünderungen in r Umgebung gemacht (vgl. [‌Apollod.] Epit. III !f.). Nach dem frg. 19 A. = 16 K. (Schol. min.

II. I 366) gab es eine Tradition, derzufolge die iryseis ,ἐκ θηβων¹ (dem hypoplakischen Theben) [2393] geholt ward, während Eustath. 119, 4 z. St. bemerkt, sie sei daselbst zu Hause gewesen, daher nicht etwa, als sie dahin geflüchtet oder, wie die Kyprien berichteten, zu einem Opfer der Artemis gekommen sei, ergriffen worden.

Auch des Todes des Palamedes ward gedacht, dem, wie es scheint, in den Kyprien eine bevorzugte Stellung eingeräumt war. Nach frg. 21 A. = 18 K. bei Paus. X 31, 2 wurde er beim Fischfang durch Diomedes und Odysseus ertränkt. Die von Mnaseas, Schüler des Aristophanes (Cramer Anekd. Oxon. I 277) erwähnte Palamedeia war entweder ein eigener Abschnitt der Kyprien - bezweifelt von Gruppe Griech. Myth. I 673, 1 - oder ein besonderes Lied, v. Wilamowitz D. Ilias u, Homer 328; ,ἐν τῆ Παλαμηδείθ sei, heißt es bei Suidas s. Μούσα, die Ὑμνω (= Μούσα oder θεά) angerufen gewesen.

Ist die Bemerkung gegen Ende des Proklos-exzerptes richtig - er spricht von der Διος βουλή, ὅπως ἐπικουφίση τοὺς Τρώας Ἀχιλλέα τῆς συμμαχίας τῆς .Ελληνικῆς ἀποστήσας - so hätte dieser Entschluß des Zeus zu Ende des Epos entsprechenden Ausdruck gefunden, womit ein Hinweis auf den Eingang der ersten Rhapsodie der Ilias gegeben war, v. Wilamowitz D. Ilias u. Hom. 245.

Über den Schluß der Kyprien heißt es bei Proklos kurz: καὶ κατάλογος τῶν τοῖς Τρωσὶ οὐμμαχησάντων. Der apollodorische Bericht Epit. III 34f. W. schließt sich mit einigen kleinen Abweichungen an die homerische Darstellung II. II 819ff. an. Da zu den Voraussetzungen für die Kämpfe vor Troia auch die Angaben über die Hilfsvölker der Troer gehören, wird kaum daran zu zweifeln sein, daß tatsächlich ein Katalog derselben beigefügt war, H a r t m a n 23. In welchem Verhältnisse aber er zum Homerischen stand, ist bei der Kargheit der Tradition nicht mit Bestimmtheit zu sagen. Während Christ S.-Ber. Akad. Münch. 1884, 7 diese Partie der Kyprien für die Vorlage hielt, wollte Bethe Herm. XXVI (1891) 611 darin den Katalog der Boiotia sehen (nach v. Wilamowitz D. Ilias u. Hom. 278, 2 war es »vielleicht* ein ,Abklatsch* der Ilias). Doch konnte, da die Küsten Kleinasiens allmählich bekannter wurden, in den Kyprien von den troischen Bundesgenossen mehr berichtet sein, als in älterer Dichtung, Allen The hom. Catal. of ships, Oxford 1921, 23.

Einzelne der erhaltenen Fragmente lassen sich schwer an einem bestimmten Platze unterbringen. Nach frg. 20 A. = 17 K. im Schol. Lykophr. 570 Sch« war auch von den Οἰνοτρόποι die Rede. Wahrscheinlich bezieht sich die Angabe über die Kyprien zunächst auf den Schlußsatz des Scholions, wor-nach ihr Vater Anios den Griechen bei der Hinfahrt werktätige Unterstützung bezüglich des Proviants versprach. Die Art und Weise dieser Hilfeleistung mag dann später berührt worden sein; vgl. Lykophr. 582.

Zwei bei Plat. Euthyphr. 12 A - nach dem Scholion hierzu aus den Kyprien - vorliegende Verse frg. 23 A. = 20 K. gibt Welcker D. ep. Cycl. Π² 111 dem Alexandros gelegentlich der Verweigerung der Rückgabe Helenes. Den sprichwörtlich gewordenen Schluß tva γὰρ δέος, ἔνθα καὶ αἰδώς hat schon Epicharm frg. 221 K. nachgeahmt. [2394] Nach frg. 24 A. = 21 K. bei Herodian, περὶ μον. λέξ. II 914, 15 Lentz war die felsige Insel Sarpe-don Wohnsitz der Gorgonen.

Zwei Bruchstücke scheinen auf proleptische Episoden zu gehen, die Ilions Untergang betreffen. Das frg. 25 A. = 22 K. bei Clem. Strom. VI 2, 19, 1 St. νήπιος δς πατέρα κτείνας (so andere Zeugen, κτείνων Clemens) παῖδας καταλείπει gilt vielleicht dem Astyanax unter Bezug auf Hektors Tod durch 10Achilleus’ Hand, vgl. Kern Phil. LXXV (1919) 185; C.W. Müller De cyclo ep. 98 und Welcker D. ep. Cycl. II² 528 wollten den bei Clemens dem ,Stasinos⁴ zugeachriebenen Vers lieber der ,Üiu Persis‘ zuweisen. - Ähnlich verhält es sich mit frg. 26 A. im Schob Marc. Eurip. Hek. 41, das Kinkel EGE I 52 Anm. weder den Kyprien noch der Iliupersis zuweisen will. Es wird da mit Berufung auf Glaukos berichtet, daß d τὰ Κυπριακὰ ποιήσας melde, Polyxene sei ἐν τῆ τῆς πόλεως Ζαλώσει von Odysseus und Diomedes tödlich verwundet, hernach durch Neoptolemos bestattet worden. Förster Herm. XVIII 475 betonte mit Becht, daß die Erwähnung dieser Tatsache auch in den Kyprien proleptisch erfolgen konnte. Neoptolemos handelte aus Pietät; daraus ergebe sich, daß Achilleus bereits nach den Kyprien der Polyxene begehrte. Man braucht also dies Bruchstück nicht vom Epos abzulösen; bezüglich der Prolepsis sei außer dem oben erwähnten Falle Kypr. frg. 14 A. 30 = j 11 K. hingewiesen auf Achilleus’ Tod, Hom. Il.

XXIV 84ff., oder Hektor über Achills Tod, 11. XXII 358ff. An der Möglichkeit solcher Episoden darf nicht gezweifelt werden, vgl. Wagner Jahrb. f. Phil. 1892, 246. Unter keinen Umständen reichen jedoch dergleichen Fälle hin, die Hypothese Bethes zu stützen, Herm. XXVI 595f., der da meinte, daß die Kyprien auch ,die Kämpfe um Ilion, ja Ilions Zerstörung* enthalten haben müssen.

Gegenüber dem älteren Bestände der homeri-40 sehen Dichtungen prägt sich der jüngere Charakter der Kyprien in verschiedener Art aus: dahin gehört die teleologische Motivierung des troischen Krieges oder die bereits wahrnehmbaren Spuren ethischer Allegorie (Helene ist Tochter der Nemesis, der Sühne für Verletzung des Rechtes). Gewisse romantische Züge, wie die Begegnung des Achilleus mit Helene, die Opferung und Entrückung der Iphi-geneia, die Hilfe der Oinotropoi weisen gleichfalls auf jüngere Entstehungszeit, nicht minder der mehr 50 um sich greifende Glaube an Weissagungen und Orakel. Wie einzelne Szenen nach homerischem Motiv oder Vorbild gestaltet sind - vgl. Christ 24 und A. 1 -, so erscheinen Stellen der Kyprien in unserer Fassung der Ilias eingearbeitet, Christ 1ff. Obgleich es der Dichtung an einem inneren Bande fehlte, da die als Leitmotiv an die Spitze gestellte teleologische Reflexion einen schwachen Ersatz für die mangelnde Einheitlichkeit der Anlage bot, wird das Epos doch mancherlei Schön-60heiten enthalten haben. Deshalb haben sowohl die Dichter wie die bildenden Künstler aus dem hier verarbeitetenSagenbornreicheAnregungengeschopft.

Autorschaft. In älterer Zeit galt nach der Legende Homer auch für die Kyprien als Verfasser: mit dieser Ansicht wurde die in jüngerer Zeit geläufige in der Weise in Zusammenhang gebracht, daß Stasinos der Kyprer, Homers Schwiegersohn, das Gedicht, wie oben erwähnt, als Aussteuer seiner [2395] «vvv M.JUV0 n-ypruy

Tochter erhalten habe. Der erste, der an der Ansicht, Homer sei der Autor, Kritik übt, ist Hero-dot. II 117 (frg. 12 A. = 8K*). Unter Bezugnahme auf II. VI 2891 (Od.IV 227fî. 351f.) bemerkt er: κατὰ ταῦτα δὲ τὰ ἔπεα καὶ τούτο τὸ χωρίον οὐκ ἤκιστα, ἄλλα μάλιστα δηλοί, ὅτι οὐκ Ὄμηρον τὰ Κύπρια ἐπεὰ ἐστιν, ἄλλ’ ἄλλου τίνος, was durch die verschiedenen Angaben bezüglich der Heimfahrt des Alexandros mit Helene begründet wird. Plat. Euthyphr. 12 A (frg. 23 A. = 20 K-) und Aristot. 1 poet. c. 23, 1459 A 30 hüten sich, einen bestimmten Autornamen anzuführen. Auf die völlige Unsicherheit hinsichtlich der Urheberschaft, welche sich auch in dem Ausdrucke οἱ τῶν Κυπρίων ποιηταί (wie οἱ τὴν Οἰδιποδίαν γράφοντες Kykl. Oidip. frg. 2 A. u. K.) äußert, weist nachdrücklich hin das Schol. zu Clem. Protr. II 30, 5 (I 305, 34 St.): ὁ δὲ ποιητῆς αὐτῶν (τῶν Κυπρίων] ἄδηλος · εἰς γὰρ ἔστι τῶν κυκλικῶν. Ähnlich sagt Athen. II 35 C (frg. 13 A.) ὁ τῶν Κυπρίων ποιητης, δστις ἄν εἰή. 2 Hingegen nennt derselbe Athenaios an anderen Stellen einige Namen, und zwar XV 682 D (= frg. 4 A. = 3 K.) Ἠγησίας ἡ Στασῖνος (ἡ Κύπριος), was v. Wilamowitz Hom. Unt. 337 hinzufügt, vgl. bei demselben Athen. VIII 334 B (= frg. 7 A. = 6 K.) d τὰ Κύπρια ποιήσας ἔπη, εἰτὲ Κὺπριὸς τίς ἐστιν ἡ Στασῖνος ἡ ὄστις δήποτε χαίρει ὀνομαζόμενος. Mit Quellenangabe wird von jenem weiter berichtet XIV 682E (= frg. 4A.) Δημοδάμας γὰρ ὁ Ἄλικαρνασσευς ἡ Μιλήσιος ἐν τῷ περί. Ἄλικαρ- νασσου (FHGII444) Κυπρίου (Η e m s t e r h u i s, überliefert Κύπρια, Κύπρια als Genetiv Hecker) Ἀλικαρνασσέως [δὲ strich derselbe Gelehrte] αὐτὰ εἶναι φησὶ ποιήματα. Dieses Schwanken in bezug auf die Benennung des angeblichen Autors nach der Annahme verschiedener Gewährsmänner begegnet auch in dem Proklosbericht bei Photios S. 97, 13 A.

Am meisten haftet in den jüngeren Nachrichten an den Kyprien der Name Στασῖνος: er erscheint allein in Schol. A min. zu Hom. Il. I 5 (= frg. 4( 1 A. u. K.), im Schol. Plat. Euthyphr. 12 A (-frg. 23A. = 20K.) und bei Clem. Strom. VI 2, 19, 1. Die hypokoristische Form weist auf nichtionischen Ursprung; sie steht wie kyprisches Στασίας bei Co Hitz Sammi, d. griech. Dialektinschr. I 18, 1 kyprischen Vollnamen gegenüber wie Στάσανδρος Collitz I 187 (Münzlegende), Στασίδαμος ebd. I 93, Στασίθοικος I 193, 183, Στασικράτης I 17, 1. 18, 2, Στασίκυπρος I 60, 2 u. a. Hiergegen zeigt Ἠγησῖνος (oder wie Athen. XV 682 D, frg. 4 50 A. = 3K, gibt, Ἠγησίας) ionisches Gepräge, wenngleich der Träger des Namens als Salaminier bezeichnet wird bei Photios im Proklosexzerpt S. 97, 14 A. Daher vermutete v. Wilamowitz D. Ilias u. Hom. 428, 2 eine Beziehung zum attischen, nicht zum kyprischen Salamis. Ἠγησῖνος ist Hy-pokoristikon etwa zu Ἠγησίνικος, vgl. Bechtel D. histor. Personennam. d. Griech. 190.

Wie der Inhalt, so lehrt auch die sprachliche Betrachtung, soweit bei der spärlichen Zahl der im 60 Wortlaute erhaltenen Verse sich ein Urteil abgeben läßt, nur im allgemeinen, daß die aus den Bruchstücken noch erkennbare Fassung jüngeren Ursprungs ist als die Kernpartien der Homerischen Epen.

Die Wirkungen des Labialspiranten Digamma beschränken sich auf Hiatustilgung: θ ol frg. 6, 1 A,, τὰ οἱ frg. 4, 1 A., δὲ Ἰδῶν frg. 1, 3 A., Ἰχθὺι εἰδομενή frg. 7, 9 A., χροὶ ἔστο frg. 4, 1 A., εἰματά [2396] KyKios (Aithiopis)

Ἰστό frg, 4, 7 A. Hingegen begegnet Vernachläfiei-gung der Wirkung des Lautes in μεγάλων W Ἰλιακοῖο frg. 1, 5 A; τὸν d’ ἔρξαντα frg. 23 A ist nicht in Anschlag zu bringen, da vielleicht rw fερξαντά die ursprüngliche Fassung war, und andererseits Stobaios und Apostolios τὸν ἄξαντα bieten.

Eine Form wie κενώσειεν frg. 1, 6 A. weist, wie Wackernagel Sprach!. Unters, zu Hom. 182 0 (Götting. 1916) bemerkt, nach Athen, ebenso ist das Adjektiv Ἰλιακοῖο frg. 1, 5A. jüngeren Gepräges. Deshalb meint der genannte Gelehrte, das Prooimion, in dem sich diese Ausdrücke finden, könne wohl nachträglich hinzugekommen sein. Auch die kontrahierte Form αἰδοί im Versschlusse frg. 7, 5 A. sowie die Verbindung ἄτρνγετον μελαν ὕδωρ im nächsten Verse frg. 7, 6 A. weisen auf eine jüngere Epoche. Diese Umstände empfehlen es gewiß, die letzte Gestaltung der Kyprien auf 0 einen Epiker oder Rhapsoden des 7. Jhdts. zurückzuführen, den man mit dem Namen Stasinos bezeichnete.

Aithiopis. Unter den Dichtungen, welche die troischen Sagen behandelten, die sich zeitlich an die in der Ilias dargestellten Begebenheiten anschlossen, sind zunächst diejenigen zu nennen, die man in späterer Zeit einem ,Arktinos‘ zuteilte, die Aithiopis und Iliu Persis. Der Name der ersteren begegnet auf der ilischen Tafel (I bei Jahn Michaelis, s. Mancuso) = CIG XIV 1284 αἰθθιοπις κατὰ ἄρκτινον τὸν μιλησιον sowie im Schol. Pind. Isthm. III 53 (= frg. 2) und bei Proklos S. 105, 21 A. Er ist entlehnt von dem wichtigsten Abschnitt der alten Dichtung, in welchem das ferne Volk der Äthiopen mit seinem Führer Memnon als neuer Bundesgenosse der Troer erscheint. Dieser Teil verschmolz frühzeitig mit einer anderen ursprünglich selbständigen Dichtung, welche die Kämpfe mit den gleichfalls als) Helfer der Troer herbeigeeilten Amazonen betraf. Sie ward der eigentlichen Aithiopis vorangestellt. Mit den einleitenden Worten im Proklosexzerpt Ἀμαξῶν Πενθεσίλεια παραγίνεται Τρωοὶ συμμαχήσονοα stimmt die Beischrift der ersten (undeutlichen) Szene auf dem Fragment der ilischen Tafel III D 1 bei Jahn-Michaelis = CIG XIV ' 1285 überein: πενθεοιληὰ ἀμαξῶν παραγίνεται. Es gab im Altertum eine Verbindung dieses Abschnittes mit dem Schlüsse der Dias, nach Schol. T zu •V. 804: einige Rhapsoden oder Grammatiker (Robert Hom. Becher 68 dachte an Zenodot, doch vgl. v. Wilamowitz Hom. Unt. 368) verknüpften die Epen unter Benützung des Schlußverses der Ilias so (frg. 1 A. u. K.):

ω? ol γ* ἀμφίεπον τάφον Ἤκτορος · ἤλθε δ* Ἀμαξῶν Ἄρηος υὐγάτηρ μεγαλήτορος ἀνδροφόνοιο.

Der so hergestellte Zusammenhang war noch enger als die Verknüpfung der Ehoien mit der hesiodi-schen Theogonie 1021f. Da der homerische Becher D bei Robert 255. eine Schlußszene der Dias (Hektors Lösung) und daneben die Ankunft der Amazonenkönigin, die am τάφος Ἤκτορος durch Priamos empfangen wird, nebeneinander stellt, so scheint jene Verbindung bis ins 3. Jhdt. zurückzugehen (Robert 635.), dem jener Becher entstammt. Ähnlich gehen auf dem Fragmente der ilischen Tafel III D 1 drei Szenen aus den letzten [2397] Teilen der Bias, den Reliefs, die sich auf die Aithi-opis beziehen, voran.

Nach Proklos zeichnete sich Penthesileia im Kampfe aus (κτεῖνει dl αὐτην ἄριστευουσαν Ἄχιλλευς). Nicht sicher zu deuten ist der Rest der von Fabretti zu Ποδαρ)κης ergänzten Beischrift auf der ilischen Tafel A (Taf. I), die zu einem Relief gehörte, das der Darstellung des Kampfes mit Achilleus voranging; (den Tod des Podarkes durch Penthesileias Hand erwähnt Quintus Smyrn. 1233. 815), vgl. indes Mancuso Latab.Iliac. 697. Es folgte alsbald der Zusammenstoß mit Achilleus, wie ihn der oben erwähnte homerische Becher (Robert 28) darstellt. Hieher würde das neue Bruchstück Pap. Oxyrh. 1611 (XIII S. 146) frg. 4 (vgl. frg. 3 S. 134 Z. 139 κενθέ...) gehören, wenn Aliènes Ergänzung des Namens ,Arktinos‘ richtig ist.

Dieser Kampf bildete einen beliebten Vorwurf für die alte Vasenmalerei, die hier die literarische Überlieferung ersetzt; vgl. darüber besonders Schneider D. troisch. Sagenkr. 13511. Loeschcke Bonn. Stud. f. Kekulé, Berlin 1890, 248ff. Graef o. Bd. I S. 1175f. Noack Athen. Mitt. XVIII 318ff.

Auf den ältesten sf. Bildern kämpfen die Gegner zu Fuße. Auf der im streng archaischen Stile gehaltenen Vase des Exekias Brit. Mus. 554. Klein Griech. Vas. m. Meistersign.² 39 nr. 2, bei Overbeck Her.-Gall. I 500 Taf. XXI 6, erscheint Achill, wie er die mit Tierfell und phantastischem Helm ausgestattete Amazonenkönigin niederstößt. Auf einem dem Amasis zugeschriebenen Gefäße, das Loeschcke Arch. Ztg. 1881, 31 demselben Exekias zuteilt (abgeb. Arch. Ztg. 1846 Taf. 39, 2), vgl. Klein ebd. 43 nr. 2, bedroht der Held gerüstet die gewappnete Penthesileia mit seinem Speer, die sich zur Flucht wendet. In großartiger Weise ist die Szene auf einer attischen Schale in München dargestellt, Furtwängler-Reichhold D. griech. Vasenm. I Taf. 6 Text I 3H., die nach Furtwänglers Schätzung um 460 gearbeitet ist, Der in die Kniee gesunkenen Amazonenkönigin bohrt Achilleus das Schwert in die Brust, aber im selben Augenblicke wird er von ihrer Schönheit gebannt und ergriffen; trefflich kommt hier das seelische Moment, das gewiß schon in der Dichtung zum Ausdruck gebracht war, zur Geltung (vgl. Furtwängler 33). Zwei Nebenfiguren, eine an ihren Wunden verblutete Amazone und ein erstaunter griechischer Reisiger runden die Darstellung ab. Auch die ilische Tafel A (s. die Abbildung bei Mancuso) zeigt im vorletzten Streifen links die ergreifende Szene: Achilleus fängt die nach rückwärts zusammenbrechende Königin mit den Armen auf. Bereite undeutlich ist der Gegenstand des kleinen Reliefs auf dem Pariser Bruchstück D1 mit der Beischrift ἀχιλλεῦς πενθεσιληαν ἄκοκτεινει.

Während auf den angeführten bildlichen Darstellungen die Kämpfenden durchwegs zu Fuße einander gegenüberstehen, vgl. Graef o. Bd. I S. 1780, hat Welcker D. ep. Cycl. U² 215f. angenommen, daß in der Aithiopis die Amazonen zu Pferde auftraten, eine Ansicht, die Benndorf D. Her. v. Gjölbaechi-Trysa 142 teilte; das Leibroß der Penthesileia, meinte er, habe eine gewisse Rolle in dem alten Gedichte gespielt und die Darstellung der Amazonen zu Pferde habe durch die [2398] älteste Amazonie dichterische Fassung und Verbreitung gewonnen (dagegen G. Hirschfeld Berl. phih Wochenschr. 1889, 46). Loeschcke wiederum möchte (Bonn. Stud. f. Kekulé 256ff.) aus einer chalkidisehen Amphora der Ermitage in Petersburg, Abb. 6 (nach Stephani), wo die berittene Penthesileia von Achilleus zu Fuße verfolgt einen Pfeil gegen ihn abschießt, auf die epische Vorlage schließen; der ionische Dichter 10 habe sich die Amazonen beritten gedacht. Doch wird man mit Overbeck hier eher das freie Walten künstlerischer Phantasie, denn die Wiedergabe der poetischen Darstellung sehen dürfen, zumal gelegentlich sogar Achilleus - der malischen Symmetrie halber - ebenfalls zu Pferde dargesteîlt ward, wie auf dem Gefäße bei Overbeck Her. Gall. XXI 5, auch bei Loeschcke abgebildet 249.

An Penthesileias Fall schloß sich, wie Proklos 20 angibt, der Tod des Thersites, den Achilleus, über dessen aufkeimende Neigung zur Amazonenfürstin jener gespottet hatte (von tatsächlicher Verunglimpfung ihres Leichnams durch den mißgestalteten Wicht meldet Schol. Soph. Phil. 445), niederstreckte. Die Szene gibt die ilische Tafel A (I 2), vgl. Jahn-Michaelis 27 u. 54. Thersites niedergesunken, fleht vor einem Bau, etwa dem Grabmal der Amazone, wie Mancuso 698 meint, den breit dastehenden Helden, der eine Waffe 30 (Knüttel) schwingt, um Gnade. Frei behandelt ist der Vorwurf auf einer späteren apulischen Amphora in Boston (Amer. Journ. of Arch. 12 Taf. 19 publ. von Paton, darnach abgeb. Myth. Lex. V 673f. Abb. 2). Neben dem toten Rumpf des Thersites liegt sein abgeschlagener Kopf; Achilleus mit Phoinix in einem Säulentempelchen. Daß bei der Tötung des Thersites in der alten Dichtung noch ein anderer Beweggrund - seine Feigheit - maßgebend war, wollte Benndorf 144f. aus einem 40 Detail auf der Westwand des Heroons von Gjöl-baschi ableiten, was mit guten Gründen Noack 316 und G. Hirschfeld Berl. phil. Wochenschr. 1889, 1421 bestritten.

Dagegen wird der Zwiespalt im Heere, der durch die Tötung des Thersites veranlaßt ward, im Epos tatsächlich geschildert gewesen sein. Denn nicht bloß Proklos berichtet darüber, sondern es blieb dies mythographische Tradition bis in späte Zeit hinein (vgl. Quint. Smyrn. I 767). 50 Von der Blutschuld sei Achilleus in Lesbos durch Odysseus nach einem Opfer an Leto und Artemis entsühnt worden.

Der besprochene erste Teil des Gedichts stellt sich als eine richtige Amazonis dar. Es ist anzunehmen, daß sie als ein geschlossenes Ganzes, zumal im Homerbios des Hesychios bei Suidas, Vitae Hom. et Hee. 34, 7 Wilam., eine Μμα‘ονία als Homerisches Gedicht angeführt wird, dereinst für sich bestand, wie schon Lobeck Aglaoph. 417 60 vermutete. Auch Bethe Herm. XXVI 597 bezweifelte, daß die Penthesileiageschichte von Hause aus den Eingang der Aithiopis gebildet habe; als selbständiges kleines Lied konnte sie ebenso an die Dias angeschlossen wie vom Verfasser der Aithiopis mit benutzt werden, vgl. auch Bethe o. Bd. I S. 1103 und 1789.

Auch in der dem Gedichte zugrunde Hegenden Amazonensage steckt ein gewisser historischer [2399] zayy kjkios (Aitiuopis)

Kern: am Pontos und in asiatischen Gebieten herrschte bei gewissen daselbst seßhaften Stämmen Gynaikokratie, die sich im Wesen der Amazonen spiegelt, vgl. Toepffer o. Bd. I S. 1767ff. Leonhard Hettiter u. Amazonen, Leipzig 1911, will in den Amazonen geradezu Hettiter erkennen. Gewisse soziale Einrichtungen und religiöse Vorstellungen hätten zu der Auffassung geführt, in ihnen ein Weibervolk zu sehen.

Der Hauptteil des Gedichts, die Aithiopis im engeren Sinne, setzt schon durch ihren Namen das Auftreten der Aithiopen voraus. Da aber das einzige wirkliche Fragment im Schol. Pind. Isthm. ΠΪ 58 den Selbstmord des Aias betrifft, so muß mindestens noch eine Reihe anderer Begebenheiten, die vor diesem Ereignis sich abspielten, darin geschildert gewesen sein.

Ein Märchenheld aus dem Osten, der Eos¹ Sohn Memnon, ursprünglich wohl ein Gott oder verklärter Fürst eines asiatischen Volkes, sei es der Assyrer oder Hettiter (Ed. Meyer Gesch. d. Altert. I 131. Leonhard a. a. O. 143t., vgl. v. Wilamowitz Hom. Unt. 407, 5), von dessen Herrschaft eine Kunde auch zu den kleinasiatischen Kiistenbewohnern gedrungen war, erscheint als neuer Bundesgenosse der Troer. Seine Gestalt ist auch auf den Süden (Ägypten) übertragen worden und die östlichen Aethiopen wurden mit den südlichen gleichgesetzt. Man hat es deshalb in der Gestalt des Memnon nicht mit einer bloßen dichterischen Erfindung zu tun.

Auch die Memnonis war - wie die Amazonis - gewiß einmal eine Dichtung für sich (vgl. R o -bert Bild u. Lied 120, 55), wohl älter als die letztere (v. Wilamowitz D. Ilias u. Hom. 78). Der Held Memnon erscheint dem Peliden ebenbürtig, beide sind Söhne von Göttinnen, beide gerüstet mit Waffen, die Hephaistos selbst geschmiedet (ἠφαιατότευκτος πανοπλία bei Proklos). Besonders seine Wehr scheint in der Dichtung gepriesen worden zu sein, denn schon Hesiod Theog. 984 nennt ihn χαλκοκορυστήν, vgl. auch Verg. Aen. I 751. Es ist deshalb nicht unmöglich, daß seine Panhoplie etwa in der Form einer ἔκφρασις in der Aithiopis ausführlich beschrieben war, nach Art von B. XVIII der Ilias oder der pseudohesiodi-schen Aspis: daher begreiflich, wenn Memnon auf einer mit dem Namen des Amaeis als Verfertigers bezeichneten Vase des Brit. Mus. (Klein Gr. Vas. m. Meistersign.². 43 nr. 2), die von Loeschcke Arch. Ztg. 1881, 31 dem Maler Exekias zugeteilt ward, während sie Adamek Unsign. Vasen dee Amasis 18Î. für ein Werk des Amasis hält, allein mit zwei äthiopischen Dienern - der eine mit Keule, der andere mit halbmondförmigem Schild - erscheint, gewissermaßen als Kämpe vorgestellt, in voller Rüstung mit kunstvollem Helm und weißem (silbernem) Harnisch.

Um seines Gegners Achilleus auch als Kämpfer nicht unwert zu sein, mußte Memnon auch seine Aristie haben: er fällt den Antilochos, Nestors Sohn, den Freund des Achilleus; die Schilderung dieser Freundschaft (vgl. Hom. II. XXIII 556) in der Aithiopis hat ihre Wirkung auf die Ilias ausgeübt, indem die schon von Lachmann als Einschub erkannte Partie II. XVII 366–383 unter ihrem Einflüsse eingefügt wurde; vgl. Bethe Hom. I 100. Den bei Proklos angedeuteten Vor- [2400] Kyklps (Aithiopis)

gang (Ἀντίλογος ὑπὸ Μεμνονος ἀναιρείται) hat offenbar Pind. Pyth. VI 28ff. nach dem Epos in eindrucksvoller Weise ausgeführt, vgl. Boeckh Pind. II 2, 299. Welcker D. ep, Cycl. Π² 174. Bethe Hom. I 110. Antilochos opfert sich für den Vater, indem er den Speerstoß, der dem Vater galt, aufnahm. Die parallele Szene bei Hom. 11, VIII80ff.-Diomedes nimmt den Nestor rettend zu sich auf den Wagen - scheint unter Benutzung lOder Aithiopis geformt, Bethe 111, vgl. v. Wi-lamowitz D. Ilias u. Hom. 45f. Nur durch zwei Figuren angedeutet findet sich der Tod des Antilochos auf dem Pariser Reliefbruchstück D¹ (bei Jahn 28) mit der Beisehrift = CIG XIV 1285 μεμνων ἀντίλογον ἄποκτεινει.

Der Tod des Antilochos war offenbar das unmittelbare Motiv des Auftretens des Achilleus gegen Memnon. Vielleicht entspann sich schon um des Antilochos Leiche ein Kampf, vgl. Holland 20Myth. Lex. II 2672. Luckenbach 616f., da-gegen Meier Rh. Mus. XXXVII (1882) 351. Schneider 143ff. Nach Proklos kündete Thetis ihrem Sohne τὰ κατὰ Μέμνονα, also seinen Sieg: war daran auch eine Andeutung seines eigenen Untergangs geknüpft?

Der Entscheidung des Kampfes ging eine Seelenwägung, Kerostasie oder Psychostasie, parallel oder voraus, wie sich mit voller Sicherheit aus archaischen Vasenbildern ergibt, wenn auch Pro-30 klos darüber schweigt. Schon Welcker D. ep. Cycl. II² 175 hatte sie vermutet. Die einschlägigen Denkmäler bespricht Studniczka Arch. Jahrb. XXVI 131ff., vgl. Robert Bild u. Lied 143ff. Was er Myth. Lex. III 3224 und Holla n d ebd. II 2677f. Die auf die Aithiopis bezüglichen Darstellungen weisen auf selbständige Tradition: es erscheint nämlich nicht wie in der Ilias XXII 209ff. Zeus als ψνχοοτάτης, sondern Hennes und dies Wägen der Schicksalslose durch ihn ist, 40 wie Gruppe Griech. Mythol. I 681, 6 erkannte, vgl. Loewy Ilb. Jahrb. XVII (1914) 92, ein aus Ägypten übernommenes Motiv, d. i. Nachwägung des Herzens der Abgeschiedenen durch Thoth. Diesen Zug haben natürlich nicht erst die Vasenmaler - im Gegensatz zur Ilias und dem ihr folgenden Aischylos Psychost. TGF S. 88f. Nauck² - eingeführt, sondern aus dem kyklischen Epos - entnommen, vgl. Robert Bild u. Lied 145. Ja es entsteht sogar die Frage, ob die homerische Psy-50 chostasie nicht eine Eindichtung nach der Memno-nis - unter Veränderung des ψυχοοτάτης - darstellt, da sie nach der Götterszene II. XXII 167ff. nicht absolut nötig ist. Die Stelle ist nachmals nicht gerade glücklich vom Verfasser von II. VIII 69ff. benutzt worden, v. Wilamowitz D. Ilias u. Hom. 70.

Aus den einschlägigen Gefäßen ist vor allem eine sf. Lekythos aus Capua im Britischen Museum hervorzuheben, abgeb. bei Crusius Myth. 60 Lex. II 1142 Abb. 1: Hennes mit Petasos und Flügelschuhen wägt zwei kleine Figürchen von Gewappneten - κηρες oder εἰδωλαsubίλsub Todesdämonen der Kämpfer - gegeneinander ab. - Eine andere sf. Vase aus Caere in Wien, M a s n e r Ant. Vasen u. Terrakotten im österr. Mus., Wien 1892, nr. 235, zeigt ebenfalls Hermes wägend, dabei sitzt Zeus; anwesend die beiden Mütter und zwei bärtige Männer. Auch eine campanische Schale im Louvre, [2401] L. Schmidt Ann. d. Inst. XXIX 1183.; Mon.6 tav. 5 A bei Waser Myth. Lex. III 3225 Abb. 14, ist hier zu nennen. Hennes zwischen Thetis und Eos wägt die eMwkt, kleine gewappnete Figürchen des Achilleus und Memnon.

Aus der Nachbildung des Aischylos in der Psychostasie Argum. TGF S. 88f. Nauck² (bei Plut. de aud. poet. c. 2 p. 17 A), wo Thetis und Eos für ihre kämpfenden Söhne bei Zeus flehen (... δεομένας νπερ τῶν υἰῶν μαχομένων), ist mit 1( Wahrscheinlichkeit zu entnehmen, daß gemäß der Angabe des Proklos, Eos habe für Memnon bei Zeus die Unsterblichkeit erfleht, eine ähnliche Szene in der Aithiopis vorkam. Wiederholt erscheint auf Vasenbildern im unteren Raume Kampf der Helden, oben Seelenwägung unter Anwesenheit der beiden göttlichen Mütter, die, wie man annehmen darf, eine Bitte vortragen.

Der Kampf der Helden selbst war - offenbar nach dem Epos - schon von der ältesten Kunst 20 dargestellt: so auf dem amykläischen Throne nach Paus. III 18, 12 Ἀχιλλέως μονομαχία πρὸς Μέμνονα ἐπείργασται, auf der Lade desKypselos Paus. V 19, 1 Ἄχιλλει καὶ Μέμνονι μαχομένοις παρεστήκασιν ai μητέρες, oft auf Vasen, Schneider 148ff. Holland Myth. Lex. II 26723. Luckenbach 6140.; mitunter deutet die Leiche des Anti-lochos den unmittelbaren Anlaß des Kampfes an; auf einigen Bildern vollzieht sich dieser im Beisein der Mütter; gelegentlich finden sich noch 30 weitere Figuren, wie Athene oder einzelne Helden. Auch das Bruchstück der ilischen Tafel D¹ (Jahn 28) gibt ein freilich bereits undeutliches Bild mit der Beischrift CIG XIV 1285) ἄχιλλευς μεμνονὰ ἄποκτεινει, während auf der ilischen Tafel A der Tod des Antilochos und der Fall Memnons zusammengefaßt erscheint: Achilleus schwingt die Waffe gegen den bereits in die Kniee sinkenden Memnon, hinter welchem Antilochos ganz zusammengebrochen liegt, darunter die Beischrift CIG XIV 1284 ἄχιλ4Q λευς μεμνων ἀντώοχος.

Eine Hauptszene des Epos wird die Entstehung Memnons nach seinem Falle gewesen sein. Auf Eos’ Bitte verlieh ihm Zeus Unsterblichkeit. Der Bericht des Proklos wird wiederum durch die bildlichen Zeugnisse bestätigt, vgl. Luckenbach 618f. A. Schneider 145f. Wa ser Myth. Lex. V 5033. Um eine Verunglimpfung des Leichnams zu verhindern, erscheint auf einer Schale des Duris im Louvre (Pottier Douris Fig. 8. K1 e i n 50 Gr. Vasen m. Meistersign.² 160 nr. 21. Loewy Abb. 2) Eos auf dem Schlachtfelde, um die von Blut triefende Leiche ihres Sohnes aus dem Getümmel zu bergen. Der weitere Vorgang der Heimbringung begegnet zunächst auf einer sf. Leky-thos in Frankfurt, Heinemann Thanatos T. 1, auch bei Waser Myth. Lex. V 503 Abb. 4: anwesend Eos mit zwei den Körper hebenden Dämonen, daneben ein Seegott mit einem Delphin, als Andeutung dafür, daß die Fahrt übers Meer vor 60 sich gehen wird. Weiters ist hervorzuheben eine rf. Schale des Pamphaios ausVulci imtïritischen Museum, Klein Gr. Vas. mit Meistersign.² 94f. nr. 20. Euphron.² 272ff. Loewy 81 Abb. 1. Waser Myth. Lex. V 505 Abb. 6. Zwei Geflügelte heben in Gegenwart der Eos den - wohl als schon gesalbt gedachten - Körper, um ihn nach der Heimat zu tragen. Es sind die Brüder Hyp- [2402] nos und Thanatos (auf einem Krater im Louvre strengen rf. Stils, bei Robert Thanat. 4, auch bei Waser Myth. Lex. V 507 A. 7, ist der eine geflügelte nackte Dämon direkt als Hypnos bezeichnet). In sinnvoller Darstellung gilt der eine als Symbol des Todes, dem Memnon eben verfiel, während der andere künden soll, daß der Held nur schlafe, um zu neuem ewigem Leben zu erwachen. Offenbar bringt die von links kommende Iris die Botschaft, I daß Zeus der Bitte der Eos willfahrte. Daß nur Memnon hier gemeint sein kann, beweist das Gegenbild auf derselben Schale, Rüstung der Amazonen, also eine Anspielung auf den Eingang der Aithiopis. Auf einer Lekythos bei Benndorf Griech. u. sizil. Vasenbilder 89 Taf. 42, 2 erscheinen an Stelle des Hypnos und Thanatos zwei Mohren (Aithiopen). Verfehlt ist die Deutung der Flügelgestalten als Windgötter, wie nach anderen neuerdings wieder Steinmetz Arch. Jahrb. iXXV 45ff. annahm; der Hinweis auf Quintus II 550 ist unzulässig, übrigens wird dort von πάντες ἄηται gesprochen. Vgl. Lung Memnon 62fi. Waser Myth. Lex. V 484.

Die Entrückungsszene der Aithiopis erscheint sonach in ihrem ganzen Verlauf als durchaus naturgemäß: sie übertrifit in ihrer Folgerichtigkeit die ähnliche Sarpedonepisode in Hom. Il. XVI, so daß sie vielleicht sogar das Urbild darstellt; die Möglichkeit gab schon Robert Thanat. 39 zu, vgl. Schneider 147. Gruppe Griech. Myth. u. Religionsgesch. I 682, 1. Loewy 88; die gegenteilige Ansicht vertraten Christ S.-Ber. Akad. Münch. 1884, 25. Niese Entw. d. hom. Poes. 27. v. Wilamowitz D. Ilias u. Hom. 135.

Nach dem Siege über den gewaltigen Gegner erfüllte sich auch des Achilleus Geschick, das an den Tod des Memnon geknüpft war: er wird nach dem Proklosexzerpt am skäischen Tore durch Paris und Apollon getötet, nach Verg. Aen. VI 57 lenkte der Gott den Pfeil des Paris, wohl alte epische Tradition. Eine Illustration gibt das Relief auf der ilischen Tafel A; den am Stadttor niedergestürzten Helden decken kämpfend Aias und Odysseus (vgl. Hom. Od. V 309f.)> in der Beischrift CIGXIV 1284 werden die Namen angeführt. Eine ähnliche Gruppe zeigt das frg. D¹, die Inschrift CIG XIV 1285 lautet ἐν ταις σκαιαις πυλαις ἀχάλεῦς νπὸ (παρώος ἀναιρείται (Ergänzung im Anschlusse an den Wortlaut bei Proklos).

Kein Zweifel, daß der bei Proklos erwähnte Kampf um Achills Leiche -- Aias rettet den Körper, während Odysseus die Troer abwehrt - im Epos ausführlicher geschildert war. Denn die Nachricht findet durch alte Vasenbilder vollauf Bestätigung. In erster Reihe ist hier ein archaisches chalkidisches Gefäß des 6. Jhdts. zu nennen Overbeck Her. Gall. I 540 Taf. XXIII 1. Luckenbach 623. Schneider 151f., auch bei Baumeister Denkm. d. cl. Altert. Taf. I Abb. 10. Um das Bein des toten Achilleus hat Glaukos eine Schlinge geworfen, mittels welcher er den Leichnam zu den Troern herüberziehen will. (Da in der Ilias XVII 289 ähnlich Hippothoos des Patroklos Leichnam mit Hilfe einer Leine an dessen Fuße zu seinen Genossen heranzuziehen sich bemüht, hat Gruppe I 682, 5 die Aithiopis als Quelle für diese Szene angesprochen.) Der Verlauf der Erzählung ist aus dem Vasenbild gut zu 76 [2403] entnehmen: Aias, unter Athenes Schutz herbeistürmend, hat den Glaukos mächtig durch einen Speerstoß niedergeworfen, [‌Apollod.] Epit. V 4: Paris einen Pfeil entsendend eilt davon; Aineias und ein zweiter Held stehen zum Angriff bereit. Erweitert ist die Darstellung noch durch andere Gestalten. Ob die das Bild auf einer Seite abschließende Gruppe - Sthenelos den Diomedes verbindend - etwa durch Hom. H. V 108ff. veranlaßt und daher von dem Ganzen zu trennen ist (Luckenbach 624), ist nicht leicht zu entscheiden, es kann sich um eine Parallelszene handeln. Wenn Odysseus nicht zugegen ist, so kann der Vasenmaler einen Moment erfaßt haben, da er noch nicht zur Stelle war ( Schneider 157). Die Bergung der Leiche durch Aias allein zeigt die Françoisvase zweimal, an den Henkeln, ähnlich die Tabula Iliaca A, wo ein gegen den Schild gelehnter Gefallener das Schlachtfeld andeutet; beigeschrieben ist ἄχιλλεως ὄωμα.

Nach Proklos erfolgte hierauf im Epos die Bestattung des Antilochos und die Ausstellung der Leiche Achills, bei der Thetis mit ihren Schwestern und den Musen die Totenklage erhob, eine Szene, die vielleicht das Vorbüd für Hom. Il. XVIII 35ff. war: es ist das Natürliche, wenn die Mutter um den Sohn klagt, während es sich im zweiten Falle bloß um des Sohnes Freund handelt, vgl. Gruppe I 683, 3. Unwahrscheinlich ist die Annahme von Blaß Interpol, in d. Odyss. 1904, 285, es sei die Aithiopis von der jungen Einlage in Hom. Od. XXIV 43ff. abhängig. Der Proklosbericht findet eine Illustration in der Tabula Iliaca. Von zwei Gestalten ist die eine als Thetis bezeichnet, die andere als Μοῦσα; nach Mancusos Untersuchung 700 wäre trotz Verscheuerung der Scheiterhaufen mit des Helden Leiche zu erkennen. Die verstümmelte Beischrift ergänzt Mancuso zu fljfiUw?.

Vom Scheiterhaufen weg habe, meldet Proklos’ Bericht weiter, Thetis ihren Sohn entrissen und nach der Insel Leuke gebracht. Dies geht auf das Epos zurück, aus dem schon Pindar Nern. IV 49 den Sagenzug entnahm: ἐν Ô’ Εὐξείνῳ πελάγει φαενναν Ἄχιλευς νασον (ἔχει). Nach Leuke im Pontos, das den Milesiern aus ihren Seefahrten bekannt war, verlegte man den Sitz der Seligen; vgl. Escher o. Bd. I S. 223. Malten Arch. Jahrb. XXVIII 45f. und Anm. 2. So ward, wie dem Göttinsohn Memnon, auch seinem mächtigen und ebenbürtigen Gegner Achilleus, der sich gleichfalls göttlicher Abkunft rühmen darf, die gleiche Ehrung durch die Unsterblichkeit zuteil.

Als letzte Begebenheit der Aithiopis wird bei Proklos der Streit um Achills hinterlassene Waffen nach den Kampfspielen bei seinem Grabhügel erwähnt. Die ὀπλῶν κρίοις war sicher in dem Epos geschildert, da das Fragment 2 A. u. K. von Aias’ durch die Entscheidung über die Waffen bedingtem Selbstmord meldet. Die Streitszene wird eine breitere Ausführung erfahren haben, da sie einen beliebten Vorwurf der archaischen sf. Vasenmalerei bildet. So auf einem Kruge in Paris, vielleicht des Taleides, Klein Griech. Vasen m. Meisters.² 47 nr. 1: Aias und Odysseus werden von Agamemnon getrennt und von je zwei Gefährten von Tätlichkeiten abgehalten. Eine ähnliche Darstellung gibt die Vase des Duris im österr. Mus. in Wien, bei [2404] Furtwängler-Reichhold Griech. Vasenm. I 54, Text I 2725.; vgl. Robert o. Bd. V S. 1858 nr. 5. Auf dem ersten Bilde der Außenseite stehen sich die Streitenden gegenüber: Aias, der bereits einen Panzer des Achilleus angelegt hat - eine Spange ober der Schulter ist noch nicht geschlossen -, hat schon das Schwert gezückt, auch sein Gegner zieht es; sie werden jedoch von einem Genossen getrennt, je zwei andere eilen herbei. 10 Am Boden liegt eine Panhoplie mit einem zweiten anders gestalteten Harnisch, der gleichfalls als Eigentum des Achilleus zu denken ist (Robert Bild u. Lied 216). Zwischen den Gegnern steht Agamemnon in langem Gewände. Das Streitobjekt, die WaSen des Achilleus, sind auch sonst auf Vasen dargestellt, wie auf einer Berliner Lekythos, s. Robert 217.

Die Entscheidung fiel durch Abstimmung der Griechen, wie aus Pindars Bezugnahme auf das 20 epische Vorbild geschlossen werden darf, Nem. VIII 26: κρυφίαισι γὰρ ἐν ψάφοις Ὀδυσσὴ Δαναοὶ θεράπευσαν, vgl. Schol. zu Od. XI 545. Die Abstimmung schildert das zweite Bild der Außenseite des genannten Gefäßes des Duris: die Achaier legen ihre Stimmsteine in zwei ungleichen Haufen nieder ini Beisein des betrübten Aias und des vergnügten Odysseus sowie des Agamemnon und Athenes, die mit Befriedigung auf das für Odysseus günstige Ergebnis blickt. Denselben Vor-30 gang zeigt auch eine Schale des Brygos in London, bei Hartwig Griech. Meisterseh, 359.

Die Mitteilungen des Proklos brechen schon mit der Erwähnung des Waffenstreites ab, weil in der Inhaltsangabe der kleinen Ilias unmittelbar an diesen angeknüpft wird. Daß jedoch in der Aithiopis auch der Selbstmord des Aias enthalten war, bezeugt ausdrücklich das frg. 2 A. u. K. im Schol. Pind. Isthm. III 53: er tötete sich frühmorgens ,περὶ τὸν ὄρθρον* im Wahnsinn. Da die Tageszeit 40 des Selbstmordes angegeben wird, vermutete Hartmann 27 eine ausführlichere Schilderung im Epos. Die ilische Tafel A zeigt den dumpf im Wahnwitz dahinbrütenden Helden - eine auf einen Stab sich stützende Gestalt - mit der Unterschrift αἰας (μθανιωδης. Brüning Arch. Jahrb. IX 160 will die Darstellung auf den Aias des Malers Timo-machos beziehen. Betreffs der Frage, inwiefern etwa weitere Begebenheiten in der epischen Schilderung sich anschlossen, vgl. u.Nach Proklos' Angabe S. 105, 21 A. hätte die Aithiopis zu einer gewissen Zeit, wir dürfen etwa an alexandrinische Epoche denken, fünf Bücher umfaßt. Die zum Teil wörtliche Übereinstimmung in der Aufteilung des Stofies der Hauptereignisse mit den Beischriften zu fünf untereinander gestellten Reliefs des Pariser Bruchstücks der ilischen Tafel III Di bei J a h - Michaelis (CIG XIV 1285) beweist zur Genüge, daß auch dem Verfertiger der Tafel eine ähnliche Vorlage zur Hand 60 war, vgl. Bethe Herm. XXVI 615f.

Waren, wie oben als wahrscheinlich angenommen wurde, Amazonis und Memnonis einst getrennt, so mochte der Umstand, daß in beiden Gedichten neue Ruhmestaten des Helden gepriesen wurden, zu ihrer Vereinigung beigetragen haben. Dazu kam im Verfolg der zweiten Dichtung die Verklärung Achills in seinem Heldentode.

Die Behandlung des Stoffes lehnte sich mehr [2405] als in anderen kyklißchen Gedichten an das Gerüste des älteren homerischen Musters an. Wie Patroklos, der Freund Achills, von Hektor gefällt wird, der selbst wieder durch die Hand seines mächtigen Gegners den Tod findet, so erliegt Anti-lochos, ein anderer ihm eng verbundener Waffengefährte, dem Memnon, den alsbald zur Vergeltung der ergrimmte Achilleus niederstreckt. Eine ähnliche Wiederaufnahme desselben Motivs bildete wohl die Schilderung der Waffenrüstung des Äthio-penfürsten (nach der Hoplopoiie in II. XVIII). Wie Patroklos in dem Augenblicke fiel, da er beinahe in die Stadt eingedrungen wäre, so auch Achilleus beim Versuche, durch das skäische Tor zu stürmen. Desgleichen hatte der Kampf um Patroklos’ Körper sein Widerspiel in der Aithiopis, denn auch um Antilochos’ Leiche wurde heftig gestritten. Die Klage um Hektor fand ihr Gegenstück in der Totenklage um Achilleus. So war das homerische Vorbild in verschiedener Hinsicht für den Dichter der Memnonis maßgebend: anderseits sind, wie schon bemerkt, wiederholt Szenen dieses Gedichts in die uns vorliegende Fassung der Ilias entsprechend eingearbeitet worden.

Iliu Persis. In späterer hellenistischer Zeit wird mit dem Namen des ,Arktinos* auch eine Ἰλίον πέροις verknüpft: bei Proklos heißt es: Ἰλίου πέρσιδος βιβλία ß Ἀρκτίνον; im Schob B T (und bei Eustathios) zu Hom. II. XI 515 (= frg. 5 A. = frg. 3 der Aith. bei Kinkel) Ἀρκτῖνος ἐν Ἴλιον πορθήοει. Vergleicht man den Schluß der Aithiopis, soweit die Berichte darüber reichen (frg. 2 Aias’ Tod), und die Angabe des Proklos, die Persis habe mit der Ratlosigkeit der Troer angesichts des hölzernen Rosses begonnen, so ist man versucht anzunehmen, daß auch die dazwischen liegenden Sagenzüge nicht beiseite blieben, d. h. daß der ganze Komplex der Troika von Hektors Bestattung an den Inhalt einer Dichtung gebildet habe, die man in junger Zeit einem Arktinos zuzuschreiben für gut fand. Schon Welcker D. ep. Cycl. II² 199 ist auf diese Frage eingegangen, und Robert Bild und Lied 223 hat in des ,Arktinos¹ Aithiopis und Iliu Persis geradezu ein zusammenhängendes Epos gesehen, in dessen (fehlendem) mittlerem Abschnitte der Tod des Paris, sowie die Herbeiholung des Neoptolemos geschildert gewesen wäre. Es wären dann Αἰθιοπίς und Ἰλίου πέροις im wesentlichen Teiltitel, etwa wie bei Paus. X 25, 5 (= frg. 13 der kleinen Hias A. = 12K.) Λεοχεως ἐν Ἰλίου πέροιδι angeführt wird, wo letzterer Abschnitt auf den Schlußteil der kleinen Ilias geht. Demnach wäre der erste Teil einschließlich der Amazonis besonders deshalb als Aithiopis bezeichnet worden, weil sie die späteren Heldentaten des Achilleus (eine .neue Achilleis* hat sie Welcker genannt) umfaßte, während in der Schilderung der weiteren Begebenheiten ein anderer Held, Odysseus, in den Vordergrund trat, der nunmehr die Triebfeder der Unternehmungen zur Bezwingung Ilions, der Ἰλίου πέροις, ward.

Auch für den Fall aber, daß letzteres Gedicht für sich bestand, erscheint es sehr fraglich, ob dies, wie bei Proklos angegeben wird, mit der Beratschlagung der Troer, wie mit dem hölzernen Rosse zu verfahren sei, begonnen habe (vgl. Hom. Od. VIII 506). Kein Argument dafür ist die Erwägung von Blaß D. Interp. in d. Odyss., Halle 1904, [2406] 288, dem Verfasser habe das Lied des Demodokos in der Odyssee zum Muster gedient, das mit demselben Zeitpunkte - das Boß ist bereits in die Burg gezogen - einsetzt. Die Beratung der Troer setzt wohl voraus, daß irgendwo vorher auch von der Absicht, die Stadt durch List einzunehmen, und von der Zimmerung des Rosses die Rede war. Über Beziehungen dieser Stelle zu der Odyssee vgl. Christ S.-Ber. Akad. Münch. 1884, 30ff., der 10 die Sage vom hölzernen Rosse dem Homerischen Epos überhaupt absprechen möchte. Vermutungsweise meinte Bergk Griech. Lit. II 49, das Gedicht habe etwa mit dem Auftreten des Neoptole-mos eingesetzt, als der Einleitung zur letzten entscheidenden Phase des Kampfes um Troia.

Als die Troer sich dafür entschieden, das hölzerne Roß der Athene zu weihen, seien, meldet das Proklosexzerpt, zwei Schlangen erschienen, denen der Priester Laokoon und einer seiner Söhne 20 zum Opfer fiel. Die Sage, wohl ursprünglich selbständig, wurde in den Kreis der an den Untergang Ilions geknüpften einbezogen. Wir erfahren aber nichts über die Schuld des Laokoon; über die Versionen des Mythos Robert Bild u. Lied 192ff., welcher meint, in dem τέρας sei das Geschick des Geschlechtes des Tros symbolisch angedeutet: der von Ilos, dem ältesten Sohne, abstammende Zweig gehe wie der eine Sohn Laokoons zugrunde, während der jüngere, die Nachkommenschaft des Assa-30 rakos, d. i. Aineias, gerettet ward wie der zweite Sohn desPriesters; vgl. Bethe Rh. Mus.XLVI 511.

Auf das schlimme Vorzeichen hin verließ nach Proklos Aineias die Stadt mit seinen Leuten, um nach dem Ida zu ziehen. Alte Kunstdarstellungen bestätigen diese Angabe, vgl. Overbeck Her. Gall. I 656f. In der Regel trägt Aineias den Vater Anchises auf den Schultern oder auf dem Rücken, begleitet vom kleinen Askanios. In der Darstellung bei Gerhard Auserl. Vasenb. Taf. 231, 1 (auch 40 bei Baumeister Denkm. I 31 Abb. 32) steht hinter Aineias noch eine weibliche Gestalt, seine Gattin, die in der Iliu Persis vielleicht Kreusa hieß wie bei Vergil, Kroll Jahrb. f. Phil. XXVII Suppl.-Bd. (1912) 165 (sonst Eurydike); der kleine Sohn vor dem Vater gehend wendet den Kopf; vor Aineias eine Frauengestalt mit gestirntem Mantel, wohl Aphrodite als Führerin (Quint. Smyrn. XIII 326 Κῦπρις θ ὀδὸν ἠγεμόνευε). Andere Bilder bei Luckenbach 360 A. 1. Benndorf Griech. 50 u. sicil. Vasenb. LI 118. Schneider 174f. Die Münztypen von Neuilion bei v. F r i t z e (D ö r p -f e 1 d Troia u. Ilion II 483ff.) zeigen uns den Auszug aus Troia, und zwar Aineias als Archeget Roms, wie schon Stesichoros (Tab. Iliac.) ihn nach Hesperien ziehen ließ; auf einem archaischen Tetradrachmon (6. Jhdt.) der Stadt Aineia in Makedonien, deren Heros eponymos der Held war - Friedländer Ztschr. f. Numism. VII 221 - erscheint dieser den Vater tragend, während sein 60 Weib mit dem kleinen Askanios voranschreitet.

Für die Kenntnis des Gedichts tragen also diese Stücke fast nichts bei. Vielleicht führte Aineias in der Iliu Persis auch das echte Palladion mit fort; Dionysios v. Halik. I 69 (frg. 1 A. u. K.) berichtet nach Alexander Polyhistor, daß er es mitnahm und nach Italien brachte; nach ,Arktinos‘ sei das echte, welches einst Zeus dem Dardanos gab, bis zur Einnahme der Stadt ,ἐν ἀβάτφ* geborgen gewesen, ein [2407] au/ Äynos (inu rersis) genau nachgebildetes aber ,ἐν φανερφ* aufgestellt zum Zwecke der Täuschung im Falle etwaiger frevelhafter Anschläge; dieses hätten die Griechen mitgenommen. Auf einem bekannten Denar Caesars trägt der Held nebst seinem Vater auch das Palladion.

Eine gewisse Rolle muß im alten Epos Sinon gespielt haben, der sich in Ilion einschlich. Nach Proklos habe er den Achaiern ein verabredetes Zeichen gegeben. Auf dem homerischen Becher im Berliner Antiquarium bei Robert 69f. erscheint er gerüstet mit einer Fackel in der Rechten aus dem Opisthodomos eines Tempelgebäudes hervorstürmend (vgl. Lykophr. 344 u. Schot).

Während die Flotte von Tenedos nahte, entstiegen die im Rosse verborgenen Helden ihrem Verstecke. Daß sie im Epos mit Namen angeführt waren, scheint aus den Listen bei jüngeren Dichtern hervorzugehen, Kroll 166, 1. Die bei [‌Apollod.] Epit. V 20 erwähnte Verunglückung des Echion beim Verlassen des Rosses bezieht Paulcke De tab. Iliaca quaest. Stesich., Königsberg 1897, 82 auf den Lyriker (Tod durch einen Troer).

Die Szenen beim Untergange der Stadt werden im Proklosexzerpt kurz angedeutet. Neoptolemos tötet den Priamos am Altar des Zeus Herkeios, zu dem er sich geflüchtet (vgl. Paus. X 27, 2). Danach scheint Pindar im Paean VI (Pap. aus Hermupolis) 113 Schr. - yf § awv δς Πρίαμον πρὸς ἐρκεῖον ἤναρε βωμὸν ἐπενθορόντα - die Hiu Persis vor Augen gehabt zu haben. Wiederholt war diese Szene auf Vasenbildern vorgestellt, Luckenbach 631. Schneider 169f. Hervorzuheben ist die attische sf. Amphora der Sammlung Sabouroff, in der Publikation von Furtwängler Taf. XLVIII. Priamos ist hier rücklings über den Altar, an dem er Rettung sucht, gestürzt. Den rechten Arm hält er instinktiv zum Schutze über das Gesicht, da Neoptolemos (die Figur nur zum Teil erhalten) mit gezücktem Schwerte heranstürmt; eine Frau (Hekabe?), hinter dem Altar stehend, erhebt umsonst flehentlich die Hände. Über andere Szenen, welche teilweise Kombinationen von Motiven der Diu Persis darstellen, vgl. unten in dem Abschnitte über die Ilias mikra. Bei dem Morden scheint nach dem Epos auch Koroibos durch Neoptolemos’ Hand getötet worden zu sein, der Bräutigam Kassandras, da Paus. X 27, 1 der Version der kleinen Bias, er sei von Diomedes niedergestreckt worden, eine andere gegen-überstellt ,ὡς μὲν ὁ πλείων λόγος, ὑπὸ Νεοπτολέμου*, womit das in Rede stehende Gedicht gemeint sein kann.

Menelaos findet Helene (nach Proklos), die er zu den Schiffen bringt, zunächst wohl als Gefangene, vgl. Schneider 182 A. 3. Luckenbach 634 will Spuren dieser Fassung auf Vasenbildern erkennen: möglicherweise aber schwebte den Malern bloß die allgemeine Tatsache vor, Brunn Troische Mise. 228. Vorher hat der Held den dritten Gatten Helenes, Deiphobos, getötet. Bei Hom. Od. VIII 517f. ist es Odysseus, der den Menelaos zum Hause des Deiphobos geleitet, was man mit Robert Oidip. I 124 als ein Bruchstück der Diu Persis auffassen kann. Eine zuerst von Körte Urne etrusche II Taf. Villa veröffentlichte und danach bei Robert ebd. I 125 Abb. 34 [2408] Kyklos- (lliu fersie) 2408 wiedergegebene und schön gedeutete Darstellung zeigt Menelaos, der im Beisein von Odysseus und zwei Reisigen mit erhobenem Schwerte gegen Helene anstürmt: hinter ihr liegt am Boden der tote Deiphobos.

Aias, Sohn des Oileus, will Kassandra mit Gewalt davonschleppen und reißt zugleich das Bild Athenes mit (Proklos: συνεφέλκεται τὸ τῆς Ἀθηνάς ξόανον). Chavannes De Palladii raptu 27 10 verstand hierunter das im ἄβατον verborgene echte Kultbild, das er mit ins Griechenlager geschleppt habe, vgl. Sieveking Myth. Lex. III 1301L Der Frevel war schon auf der Kypseloslade dar-gestellt, Paus. V 19, 5. Zahlreich sind die Vasenbilder, welche diesen Sagenzug darstellen, vgl. Schneider 1765. Jones Journ. hell stud. XIV 1894, 78. Auch auf dem homerischen Becher bei Robert 69 erscheint diese Szene. Auf den Bildern ist Kassandra in der Regel wenig bekleidet 20 oder halbentblößt dargestellt. Erst spätere Zeit sprach von einer Schändung (μειξις ἀθέμιτος), Schol. Lykophr. 1145 nach Timaios. Ob des Frevels sollte Aias nach Proklos ([‌Apollod.] Epit. V 25) gesteinigt werden, rettet sich aber an Athenes Altar.

Nach dieser Szene folgt im Proklos-Berichte am Schlüsse von fol. 6v des Cod. Ven. A, das infolge des verwahrlosten Zustands der ersten Blätter der Handschrift vor fol. 4 geraten war, der Satz: 30 ἔπειτα ἀποπλέουσιν oi Ἔλληνες καὶ φθοράν αὐτοις ἡ Ἄθηνα κατὰ τὸ πέλαγος μηχαναταί, worauf mit fol. 4r sich die weiteren Nachrichten καὶ Ὀδνσοέως.. bis Ἀχιλλέως τάφον anschließen, die man früher für ein Bruchstück der lliu Persis des Stesichoros ansah, Jahn-Michaelis Griech. Bilderchron, 96. 112. Da durch jenen Satz der Zusammenhang gestört erscheint, hat man verschiedene Versuche unternommen, Ordnung zu schaffen, vgl. besonders Schreiber Herm. X 401876, 313. Wagner Rh. Mus. XLVI 406 und Lehrs Liter. Centralbl. 1874, 668, der die beiden mit ἔπειτα beginnenden Sätze die Plätze tauschen ließ, worin ihm Kinkel wie Allen seltsamerweise folgten. Die Schwierigkeit erledigt sich, seitdem durch die Neuuntersuchung der Handschrift von Wissowa Herm. XIX 1985. festgestellt ist, daß man es mit einem fortlaufenden Texte zu tun ht, durch Hillers Annahme - Bursians Jahresber. XXVI 128 -, daß der Satz ἔπειτα ἄποθθ πλέονοιν κτλ. ein (vielleicht durch Od. III 130f.) veranlaßtes Randglossen! darstellt, das an falscher Stelle in den Text geriet. Es gehörte zum Ende des Exzerptes und war beigefügt worden, um einen vermeintlich besser abgerundeten Abschluß zu gewinnen, indem auch noch die Abfahrt der Griechen erwähnt ward. Als Parenthese des Excerptors faßt den Satz Comparetti praef. S. VIII.

Der letzte Abschnitt der Biu Persis enthielt die Tötung des Astyanax durch Odysseus, nach dem 60 Spruche der Achaier. Im Gegensätze dazu schilderte die kleine Uias, wie Neoptolemos ihn auf eigene Faust mordete.

Auch von der Auffindung der Aithra, die als Sklavin in Troia weilte, durch ihre Enkel Demophon und Akamas wäre nach Proklos in der Biu Persis die Rede gewesen. Eine Bestätigung würde das auf Lysimachos (frg. 19, FHG III 310) beruhende Fragment im Schol. Eurip. Troad. 31 bie- [2409] z4uy KyKios (iiiu rersis)

ten (bei Allen und Kinkel frg. 3 der Iliu Pers.), doch gehört dies aller Wahrscheinlichkeit nach in die Rias mikra (s. u.).

Nachdem die Stadt in Brand gesteckt worden, wird Polyxene geopfert: des Proklos Bericht bezeugt und illustriert trefflich ein sehr altertümliches sf. Vasenbild im Brit. Mus., veröffentlicht durch Walters Journ. hell. stud. XVIII 284f., Taf. XV, das im wesentlichen auf dem kyklischen Gedichte beruhen wird. Über einem noch gluten-den Tymbos des Achilleus halten drei gewappnete Recken Amphilochos, Antiphatos und Aias der Lokrer (1Α1ΑΔΕΣ), alle bezeichnet, in naiver Darstellung die mit langem Chiton bekleidete Polyxene in horizontaler Lage, während. Neoptolemos, der auf der anderen Säte steht, ihr das Schwert mit der Rechten in den Hals bohrt; die Linke hält ihr Hinterhaupt. Zugegen sind noch Diomedes mit Schild und Speer, weiters Nestor in langem Gewände, spießbewehrt; auf der entgegengesetzten Seite schließt die Gestalt des Phoinix, neben welchem ein Faltstuhl steht, das Bild ab. Einen früheren Moment gibt ein klazomenischer Sarkophag in Leyden, Hauser Arch. Jahrb. XXVIII 274: auf dem Kopfstücke wird Polyxene von einem Krieger, der sie bei der Hand ergriffen hat, zum lymbos des Achilleus herangezwungen, der wiederum noch glutend gedacht ist, vgl. Duhn ebd. 272f. Picard Rev. archéol. 4. sér. XXIII 231. Auch Polygnotos hatte nach Paus. I 22, 6 in der Pinakothek der Propyläen in Athen die Tötung der Polyxene in der Nähe des Grabhügels des Achilleus dargestellt.

In welchen Zusammenhang das bemerkenswerte Bruchstück im Schol. BT (Eustathios) zu Hom. Il. XI 515 = frg. 5 A. = Aith. frg. 3 K. - betreffend die ärztliche Kunst des Chirurgen Machaon und des Diagnostikers und Kenners innerer Krankheiten Podaleirios - gehört, ist nicht mit Bestimmtheit zu entscheiden. Welcker bezog es auf eine ältere Begebenheit, auf die Aithiopis, der es bei Kinkel als frg. 3 zugewiesen ist: da aber das Zitat unter Berufung auf Ἄρκτινος ἐν Ἴλιον πορθηοεί angeführt wird, darf man auch daran denken, daß es etwa einer Aristie des Podaleirios während Troias Untergang angehörte, wobei gelegentlich eine Charakteristik der beiden Ärzte gegeben war.

Zur Beurteilung des Inhaltes dieses Gedichts sind nicht heranzuziehen die auf dem Fragment der Tafel III D* bei J a h - Michaelis (= CIG XIV 1285) vorliegenden Beischriften, da es ganz unsicher ist, ob sie überhaupt in einem Zusammenhänge mit ihm stehen; Jahn 38 rechnet sie zu Stesichoros* Iliu Persis.

Autorschaft. Wie oben erwähnt, wird erst in späten Quellen des ,Arktinos* als Verfassers der Aithiopis und Iliu Persis gedacht. Bei Suidas wird er als Ἀρκτῖνος Τήλεω τὸν Ναύτεω ἀπογόνου Μιλήσιος ἐποποιός und als μαθητης Ὄμηρου bezeichnet unter Berufung auf Artemon von Klazo-menai (vgl. Aelian. var. hist. XII 28) FHG IV 314 ,fv τῶ περὶ Ὄμηρου¹. Angesichts dieser Genealogie faßte Crusius Phil. LIV 733 den Namen als eigens ersonnenen, aber beziehungsvollen, indem er an das Bärengestirn ἄρκτος denkt, das den Schiffen als Wegweiser diente; symbolisch heiße der Ahne Ναύτης, der Vater Τήλης (= Τηλεκλῆς) [2410] Kyklos (Kleine Ilias) 2410 wegen der weiten Seefahrten der Milesier. Es ist aber nicht ausgeschlossen, daß in Ἀρκτῖνος ein wirklicher Personenname steckt, entweder ein einstämmiger von ἄρκτος abgeleiteter, Bechtel D. histor. Personennamen d. Griech. 580, oder die hypokoristische Form (vgl. Ἄρκος und Ἀρκίων) eines zweistämmigen, da es ja solche gibt, wie Ἄρκολεων. Dann kann Ἀρκτῖνος der Name einer wirklichen Persönlichkeit sein, eines Rhapsoden 10 oder Dichters - v. Wilamowitz D. Ilias u. Hom. 405, 1 -, auf den man jene Epen beziehen mochte. In der Bezeichnung ,Schüler Homers* drückt sich nicht bloß die Annahme hohen Alters der Dichtungen, sondern auch eine gewisse Wertschätzung aus. Bei Dionys. Halik. I 68 wurde denn auch ,Arktinos‘ unter die ältesten Dichter gezählt: παλαιότατος δὲ ὧν ἠμείς Ἴο μὲν ποιητῆς Ἀρκτῖνος. Seine Blüte wird im Chronikon des Eusebios schon zu Ol. 1 angesetzt. Anderseits aber 20 wird er mit Eumelos zugleich bei Eusebios (Hieronymus) auch zu Ol. 9 verzeichnet: Eumelus poeta ... et Arctinus, qui Aethiopidem conposuit et llii Persin, agnosdtur; vgl. den Bios bei Suid.: κατὰ τὴν #' 'Ὀλυμπιάδα μετὰ τετρακόσια ἔπη τῶν Τρωικῶν. Bei Athen. 277 D und 22 C ward ihm - neben Eumelos - auch die Titanomachie zugeschrieben (frg. 4 und 5 dieses kyklischen Gedichts). Die wissenschaftliche Forschung wird die Unsicherheit der Autorschaft erkannt haben, weshalb das 30 frg. 2 der Aithiopis (Schol. Pind. Isthm. III 53) von ὁ τὴν Αἰθιοπίδα γράφων redet.

Mag nun der Verfasser der genannten Epen wie immer geheißen haben, aller Wahrscheinlichkeit nach war er in Kleinasien tätig, und zwar in Milet. Die Versetzung des abgeschiedenen Achilleus nach der (Pontos-)Insel Lenke weist auf eine gewisse Kenntnis des Pontosgebietes, das milesische Seefahrer und Siedler frühzeitig besuchten und an verschiedenen Orten besetzten. Zu ihnen war auch 40 die Kunde von fremden Völkern und ihren mächtigen Fürsten (Memnon) oder eigenartigen Einrichtungen (Gynaikokratie der Amazonen) gedrungen, die ihren Reflex in der Dichtung fand. Man wird daher die Abfassung dieser Epen vielleicht noch in den Ausgang des 8. oder in das 7. Jhdt. verlegen dürfen, jedenfalls zählten unter den kyklischen Epen, die Troika behandelten, die auf ,Arktinos‘ bezogenen zu den ältesten.

Kleine Ilias. Zwischen die Hypothesis 50 der Aithiopis und dei Iliu Persis des .Arktinos* ist bei Proklos die der Ἰλιάς μικρά gestellt, und zwar beginnend mit der ὀπλῶν κρίσις, während die Einholung des hölzernen Rosses und der Freudenrausch über das vermeintliche Aufgeben der Belagerung den Schluß der Übersicht bildet. Es wird mit dieser Inhaltsangabe die Lücke ausgefüllt, die zwischen den Berichten über die in den beiden obgenannten Gedichten geschilderten Begebenheiten vorhanden ist. Da es wesentlich auf die ἀκολονθία πραγμάτων ankommt, begnügt sich Proklos mit der Angabe jenes Teiles des Inhaltes, der von ihm sonst nicht berührt war. In Wirklichkeit war in der kleinen Ilias viel mehr erzählt.

Von besonderem Gewicht ist in dieser Hinsicht das Zeugnis des Aristoteles Poet. c. 23, 1459 A 37, welcher erklärt, aus der kleinen Dias könne man eine ganze Reihe von Tragödienstoffen gewinnen, und zwar ὄπλων κρίσις Φιλοκτήτης Νεοπτόλεμος [2411] Εὐρνπυλος πτωχεία Λάκαιναί Ἰλίον πέρσις καὶ ἀπόπλους καὶ Σίνων καὶ Τρφάδες. Nicht ausgeschlossen ist, daß noch andere Stoffe sich herausholen ließen. Auch die Angaben über Polygnotos’ Gemälde Iliu Persis aus der gelehrten Exegese der Lesche in Delphoi bei Paus. X 25, 5 kommen für die Kenntnis des Inhaltes dieses Epos in Betracht, da der Maler wenigstens zum Teile aus der kleinen Ilias schöpfte (Luckenbach 628).

Neben der Bezeichnung Ἰλιάς μικρά findet sich auch die Variante Ἰλιάς ἐλάσοων im pseudoherodo-tischen Bios c. 15 (Vit. Hom. et Hes. 9, 31 Wilam.) = frg. 1 A. u. K. Aus den hier erhaltenen Ein-gangsversen

Ἴλιον ἀείδω καὶ Δαρδανίην εὐπωλον,

ἤς περὶ πολλὰ πόθον Δαναοὶ θεράποντες Ἄρηος kann nicht etwa abgeleitet werden, daß der ganze Krieg von Anfang bis zu Ende dargestellt war, was Bethe Herm. XXVI 597 annahm. Keine Unterstützung findet diese seine Ansicht durch frg. 8 A. u. K. = Schob Lykophr. 780, wo die Verwundung des Odysseus durch Thoas erwähnt wird, ,δτὲ εἰς Τροίαν ἄνηρχοντο¹, da dieser Satz unbestimmt lautet und eine verschiedenartige Auffassung zuläßt. Selbst wenn man hier ,die Anfahrt der Griechen nach Troia* verstehen will, konnte der Tatsache auch später bei irgendeiner Gelegenheit episodisch gedacht sein. Mit welchem Ereignisse die Erzählung anhub, ist zwar mit voller Sicherheit nicht festzustellen: war aber die ὀπλῶν κρίσις, welche Aristoteles unter den Tragödienstoffen aus dem Epos an erster Stelle nennt, tatsächlich die erste darin geschilderte Begebenheit, so spräche die Übereinstimmung mit Proklos, der sie ebenfalls zuerst anführt, sehr für diesen Eingang. Hartmann Unters, über die Sagen vom Tode d. Odyss. 27 stellt den Anfang der Ilias in Parallele, die in derselben Art mit einem Streite einsetzt. Robert Bild u. Lied 224 griff etwas weiter aus, indem er vermutete, das Epos habe auch Achilleus’ Tod enthalten können.

Der Waffenstreit wurde nach frg. 2 A. u. K. = Schol. Aristoph. Ritt. 1056 durch Athenes Eingreifen zugunsten des Odysseus entschieden, und zwar in eigenartiger Weise: auf Nestors Vorschlag habe man Leute unter den Mauern Troias aufgestellt, die aushorchen sollten, wie man dort über die Tüchtigkeit der beiden Helden denke: da habe ein troisches Mädchen im Gespräch Aias besonders gepriesen, weil er Achilleus’ Leiche aus dem Getümmel trug; ein anderes aber widersprach θΑθη· νας προνοίθ. Weiter enthielt das Epos Aias’ Selbstmord, dessen Leiche nach frg. 3 A. u. K. (Porphy-rios, Schrader Herm. XIV 231, bei Eustath. 285, 34) nicht verbrannt, sondern ἐν σοοφ bestattet ward, ein Zug, der wie es scheint in der sophokle-ischen Tragödie festgehalten wurde, da von einer Verbrennung nicht die Rede ist. Ob eine dem Tode des Aias vorangehende Szene - Aias’ Wüten gegen die Herden des Griechenlagers -, die auf der Scherbe des homerischen Bechers F bei Robert 31 dargestellt ist (ein Widder wird von einer nur fragmentarisch angedeuteten Mannesgestalt im Beisein einer Frau - Athene - und eines zweiten Mannes - Odysseus - mittels eines Strickes fortgeschleppt), sich auf die kleine Ilias bezieht, läßt sich nicht bestimmt ausmachen. Robert 34f., der darin die Illustration der epi- [2412] sehen Erzählung (Proklos erzählt von dem in Wahnsinn verfallenen Aias τὴν.. λείαν τῶν Ἀχαιῶν λυμαίνεται) erblickt, sieht diese als die Quelle für den Prolog von Sophokles’ Tragödie an.

Nach Proklos hätte dann in der kleinen Ilias Odysseus den Helenos gefangen und zu einer Weissagung betreffs der Voraussetzungen für die Einnahme der Stadt genötigt. Dies will Brüning Arch. Jahrb. IX 163f. in dem zweiten ziemlich 10 undeutlichen Bilde des untersten Streifens der Tabula Iliaca A, das keine Beischrift trägt, dargestellt sehen: Odysseus und Helenos am Grabe Hektors. Jahn 30 denkt an einen Vertrag zwischen dem neu angekommenen Eurypylos und Pria-mos. Gemäß der Weisung des Helenos wird Phi-loktetes (vgl. Aristoteles’ Angabe) herbeigeholt, der Erbe der Pfeile des Herakles: nach Proklos hätte ihn Diomedes gebracht, doch vermutete Welcker D, ep. Cycl. IP 238, es sei im Texte des Exzerpts 20 etwa ,ὄνν Ὀδυσσεί ausgefallen, da einerseits schon bei Pind. Pyth. I 53 (102) im Plural von ἤρωες. ἀντίθεοι die Rede ist, anderseits die großen Tragiker alle dem klugen Odysseus bei dieser Unternehmung eine Rolle zuweisen (bei Aischylos war Odysseus allein mit der Aufgabe betraut, bei Sophokles mit Neoptolemos zusammen, bei Euripides mit Diomedes). Der Held, durch Machaon von seiner Wunde geheilt, tötet den Paris im Zweikampfe (μονομαχήῦας). Dessen Fall scheint das 30 erste Reliefbild der untersten Szenenreihe der Tab. II. A darzustellen, ein Mann, den Bogen in der Hand rückwärts niedersinkend. Der von Mene-laos verunstaltete Leichnam wurde nach Proklos von den Troern bestattet, worauf Deiphobos Gatte der Helene ward.

Odysseus holt alsdann den Neoptolemos aus Skyros herbei: diese Angabe des Proklos wird, soweit sie das Verweilen seines Vaters Achilleus auf Skyros betrifft, indirekt durch eine Notiz des 40 Schol. T Eustath. zu Hom. Il. XIX 326 bestätigt, die besagt, nach Her kleinen Ilias sei Achilleus im Sturme nächtlicherweile nach Skyros gelangt, von Telephos (nach dem ersten Zuge) kommend; dies mag in einer Rückschau bemerkt gewesen sein. Odysseus übergab dem Sohne des Achilleus dessen Wehr: zu dieser Partie gehörte wohl frg. 5 A. u. K. im Schol. T zu Hom. Il. XVII 142, wo der eschene Speer, dessen Gebrauch Peleus von dem Spender Chiron, Achilleus von seinem Vater gelernt, 50 näher beschrieben wird. Bei Quintus VII196,445ff. werden von Odysseus die Waffen des Achilleus geschildert, die er seinem Sohne übergibt. Doch ist nicht ausgeschlossen (Welcker D. ep. Cycl. II² 240), daß jenes Bruchstück zur Beschreibung der Waffen bei der ὀπλῶν κρίαις gehörte. Die Übergabe dieser seitens eines bärtigen Helden (Odysseus) an einen Jüngling (Neoptolemos) zeigt das Innenbild der Durisschale bei Furtwängler-Reichhold Griech. Vasenm. I Taf. 54 60 Text I 273, wodurch der Maler gegenüber den zwei auf den Streit um die Waffen bezüglichen Bildern auf der Außenseite des Gefäßes den versöhnenden Ausklang¹ andeuten wollte; er konnte sich hierbei an die kleine Ilias anschließen; vgl. Robert Bild u. Lied 216.

Als neuer Beistand für die Troer erschien nach Proklos der Sohn des Telephos, Eurypylos, ein Neffe des Priâmes; Aristoteles erwähnt den Sagen- [2413] 24iö ajkios pleine was)

zug als tragischen Stoff. Damit wird frg. 6 A. u. K. aus Schot Eurip. Troad. 822 und Schot Eurip. Ortet. 1391 Zusammenhängen: der Kronide gab dereinst dem Troerkönige Laomedon als Entgelt für seinen entführten Sohn Ganymedes einen kunstreich von Hephaistos gefertigten goldenen Weinstock. Dies Familienerbstück scheint des Eurypylos Mutter Astyoche von Priamos erhalten zu haben dafür, daß sie ihren Sohn den Troern zu Hilfe zu ziehen veranlaßte; also ein Bestechungsmotiv (Schot Iuven. VI 655) wie in der kyklischen Thebais und den Epigonen. Auf die Vereinbarung zwischen Eurypylos und dem Vertreter der Troer scheint sich das Relief der ilischen Tafel A (letzter Streifen 2. Szene) zu beziehen, welches der Darstellung des Todes des Helden vorangeht, Jahn 30, vgl. Robert Arch. Ztg. 1874, 105. v. W i 1 a m o-w i t z Isyllos v. Epid. 48, 8.

Auch Eurypylos hatte seine Aristie: er tötet nach frg. 7 A. u. K. bei Paus. III 26, 9 den Arzt Machaon. Dann aber erliegt er in tapferem Kampfe dem Neoptolemos. Dem Berichte des Proklos steht die Darstellung auf der Tab. Iliaca A zur Seite, wo die Namen beider Helden eingesetzt sind.

Nach Eurypylos* Fall werden, wie Proklos weiter sagt, die Troer in die Stadt gedrängt und belagert. Der letzte Akt des langen Krieges hebt an. Epeios, dessen in der Odyssee (VIII 493. XI 523) wiederholt gedacht wird (jüngere Einlage II. XXIII 664. 838), baut das hölzerne Roß auf Athenes Weisung. Dem Odysseus, der sich (nach Proklos) selbst verunstaltet hat (vgl. Lykophr. 780 u. Schol.), gelingt es, sich in die Stadt einzuschleichen - πτωχεία bei Aristoteles - und sich mit Helene betreffs Einnahme der Stadt ins Einvernehmen zu setzen (das Abenteuer erwähnt Hom. Od. IV 244ff.). Hierauf zieht er mit Diomedes aus, das Palladion zu rauben, ein Sagenzug, der in anderer Weise auch in der Iliu Persis des ,Arktinos‘ vorkam. Da Aristoteles von einem dramatischen Stoffe τῖάκαιvat (nach der kleinen Ilias) spricht, wird Helene nebst ihren lakonischen Dienerinnen mit diesem Abenteuer in Verbindung gestanden sein, wie ja auch Sophokles eine Tragödie Λάκαι,ναι schrieb (Chavannes De Pallad. raptu 51). Nach frg. 336 (TGF Nauck² 210) und Serv. Aen. II 166 benutzten die Helden beim Eindringen in die Stadt unterirdische Gänge. Im Hinblicke auf die Brunnen und geheimen Gänge in Troia möchte Brückner bei Dörpfeld Troja u. Ilion II 563 annehmen, daß bei der Erwähnung des Palladionraubes lokale Verhältnisse auf das kyklische Epos eingewirkt haben; vgl. auch J. Schmidt Myth. Lex. III 665ff. Auf einem der Bilder auf der Tab. Iliaca A erscheint Odysseus schildbewehrt aus einer Maueröffnung, die Bergk Rh. Mus. IV 228 auf einen Kanal bezog, eilig hervorkommend, während Diomedes einen Gegenstand (beigeschrie-ben παλας, also das Palladion) in der Linken trägt. Bei dieser Aventiure gerieten die Helden hart aneinander: darauf geht frg. 9 A. u. K., wo von der sprichwörtlich gewordenen D ἰομήδαος ἀνάγκη (Hesychios) die Rede ist. Der kleinen Ilias scheint Konon c. 34 Höfer zu folgen; es ist da von dem .an Diomedes geübten Zwange⁴ die Rede: Odysseus trieb den Gefährten mit flacher Klinge vor sich her, wegen seines nicht gerade ritterlichen und rechtschaffenen Vorgehens bei der gemeinsamen [2414] Unternehmung, deren Seele eigentlich Odysseus war. Wie Woerner Myth. Lex. III 1309 mit Recht hervorhob, konnte dieser in der kleinen Ilias, die ihn wegen seiner unerschöpflichen Erfindsamkeit verherrlicht, unmöglich eine klägliche Rolle spielen. Im Gegensatz hierzu verstand Chavannes 423. nach anderen antiken Gewährsmännern hier einen von Diomedes an seinem Genossen Odysseus geübten Zwang, welch letzterer in dem Streite 10 den kürzeren gezogen hätte.

Hierauf steigen, während die Griechenflotte gen Tenedos fährt und die Zelte am Strande verbrannt werden, eine Reihe von Helden in den Bauch des Rosses: in dem neuen Bruchstücke frg. 22 A. bei [‌Apollod.] Epit. V 14 wird die ungeheuerliche Zahl von 3000 angegeben (ὡς δὲ δ τὴν μικράν γράψας Ἰλιάδα φησὶ τρισχιλίους), was Wagner (Jahrb. f. Phil. 1892, 251) mit Recht für verderbt und unstatthaft hält. Proklos sagt einfach τοὺς ἄρκτους. In der Meinung, von allem Übel befreit zu sein, nehmen die Troer ,διελόντες μέρος τὶ τοῦ τείχους* das hölzerne Roß in ihre Stadt auf, wie es im unteren Streifen der Tab. Iliaca A illustriert ist: der ,δουρηος ἴππος¹ mächtig aufragend wird von einer Schar Leute gezogen, voran geht Priâmes (bezeichnet), vor ihm Sinon, an dessen auf den Rücken gebundenen Händen sich ein Troer zu schaffen macht (undeutlich), doch darf man ihn wohl als (freiwilligen?) Gefangenen ansehen, vgl. 30 Immisch Myth. Lex. IV 939. Kassandra warnt umsonst vor der σκαιαπυλή, vgl. [‌Apollod.] Epit. V 17. Hygin. fab. 108, bei Proklos blieb dieser Zug weg. In seinem Berichte bricht übrigens die Inhaltsangabe mit der Einholung des Rosses in die Stadt ab, da die weiteren Begebenheiten nach der Persis des ,Ärktinos‘ angeführt werden. Doch sind wir über den weiteren Verlauf der Erzählung anderweitig einigermaßen unterrichtet.

Der kleinen Ilias gehörte nach frg. 10A. u.K. 40 die Szene mit Antiklos an, der, als die Helden durch Helenes List (vgl. Schob Hom. Od. IV 285ff.) versucht wurden, sich durch ihre Stimme im Bauche des Rosses zu verraten, von Odysseus an der Antwort gehindert ward, indem dieser ihm die Kinnbacken festhielt (übertreibend ließ ihn nachmals Triphiodoros 454 unter Odysseus’ Faust sogar ersticken). DieVerseOd.IV285ff., wo diesesVorkomm-nis erwähnt wird, verwarf Aristarch, denn Ἄντικλος ἐκ τοῦ κύκλου* heißt es im Scholion; der Zug 50 stammte wohl aus der kleinen Ilias, vgl. nebst Welcker II² 244f. Christ S.-Ber. Akad. Münch. 1884, 7, kaum aus der Persis des ,Ark-tinos) wie (nach Müller) Wagner Apollod. epit. Vatic, 235 meinte.

Die Öffnung des Rosses sei,glaubte Immisch 940, wohl unter Helenes Mitwirkung erfolgt (nach Verabredung mit Odysseus), was zweifelhaft ist. Dieser Heroine schrieb vermutungsweise Schnei-d e w i n Nachr. d. Georg-August-Univ. u. d. Ges. 60 d. Wiss, zu Göttingen 1852 nr. 6, 99 das Fackelsignal zu, das Verg. Aen. VI 518 nachahmend rezipiert habe. Knaack Rh. Mus. XLVIII 633 bestritt dies, gab aber wegen Epiphan. adv. haer. II 1, 21 c. 3, wonach ,Ὄμηρος* durch Helenes Fackelschwingen vom Turme aus den Griechen ein Zeichen geben ließ, die Existenz dieses Sagenzuges in älterer griechischer Literatur zu. Hier könnte die Tradition eines kyklischen Epos ge- [2415] -J---VW V-V.MV 7

meint sein, Immisch Rh. Mus. LII 128 dachte an Stesichoros. Hingegen vermutet er (Myth. Lex. IV 938f.), daß Sinon es war, der in dem Epos das Feuerzeichen gab (Schot Lykophr. S. 134, 23 u. 135, 3 Scheer, vgl. [‌Apollod.] Epit. V 15 ὃς ἔμελλεν αὐτοῖς πυρσὸν ἀνάπτειν τῆς νυκτός).

In mondbeglänzter Mitternacht brach nach der Ilias mikra frg. 12 A. = 11 K. ,Kallisthenes? Hellen. (Script, rerum Alex. M.) frg. 15 Müller, vgl. Clem. Alex. Strom. I 21, 104, 2 (Bd. II S. 67 St.) das Verderben über die Stadt herein: νυξ μὲν ἔην μέσση, λαμπρὰ δ’ ἐπέτελλε σελήνη. Von verschiedenen Vorgängen während dieser Schicksalsnacht meldet nach dem Epos frg. 13 A. = 12 K. bei Paus. X 25, 5 auf Grund der Exegese von Polygnots Gemälde in der Lesche, von der Verwundung des Meges und des Lykomedes. Weiters war nach frg. 14 A. = 13 K. (Paus. X 26, 7f.) während der Nyktomachie Helikaon, Sohn Antenors, bei welch letzterem Menelaos und Odysseus ' nach der Iliade Gastfreundschaft genossen hatten, als Verwundeter von Odysseus erkannt und aus dem Getümmel gerettet. Auch des Astynoos war nach frg. 15 A. = 14 K. Paus. X 26, 4) gedacht, den auf Polygnots Bild das Schwert des Neopto-lemos traf; noch weitere Einzelheiten wurden in der Dichtung erzählt laut frg. 16 A. = 15 K. (Paus. X 27, 1): wie Eioneus von Neoptolemos’, Admetos von Philoktetes’ Hand fiel; den Verlobten der Kassandra, Koroibos, tötete Diomedes; andere ί Gewährsmänner ließen ihn durch Neoptolemos’ Hand sterben -; Axion, ein Sohn des Priamos, wurde von Eurypylos, dem Sohne des Euaimon, niedergestreckt, Agenor erlag dem Schwerte des Neoptolemos.

Anders als in der Persis des ,Arktinos‘ war der Tod des greisen Königs Priamos in der kleinen Ilias geschildert. Neoptolemos mordet ihn am Palasttore, nachdem er ihn von dem Altäre des Zeus, an dem er Schutz gesucht, weggerissen hatte: 4 offenbar wich der Verfasser des Gedichts absichtlich von seinem Vorgänger ab. Es ist durchaus begreiflich, daß diese dramatisch bewegte Szene gerne von den bildenden Künstlern zur Darstellung gebracht wurde. Zunächst ist hier ein homerischer Becher (im Antiquarium zu Berlin) zu nennen, der von Winter Arch. Jahrb. XIII 805., Taf. 5 bekanntgemacht wurde (ein geringeres Exemplar I bei Robe r t Hom. Bech. 41), vgl. auch Robert Oidip. I 558f. und Höfer Myth. Lex. III 2965. 5 Der dargestellte Vorgang ist der kleinen Ilias entnommen, worüber eine teilweise mit der Beschreibung bei Pausanias im Wortlaute übereinstimmende Hypothesis Aufschluß gibt, die zwischen den beiden dargestellten Szenen steht: κατὰ ποιητὴν λεσλην | ἐκ τῆς μικρας ἴλιαδος | καταφυγοντος τὸν | πριαμου ἐπὶ τὸν βωμο)ν τοῦ ἔρκειου διοςποοπασας ὁ νεοπτο)λεμος ἀπὸ τοῦ βω)μου πρὸς τῆ οἰκίαι κατεσφαξεν. Die eine Szene spielt vor einem als Königspalast bezeichneten Gebäude: auf 6l den Knieen liegend hat Priamos den Altar des Zeus Herkeios umfaßt, während ein gewappneter Krieger. Neoptolemos, heranstürmt. Auf dem zweiten Relicfbilde bohrt dieser dem Greise, den er am Haupte gefaßt und vom Altar fortgerissen hat, den Speer in die Brust. Hekabe ringt in Verzwiilung die Hände. Durch einen Pilaster ist ein Palastoder Torbau angedeutet. [2416] »jjkxvo yixicxuü xuusj ä*lV

Wie den ältesten, so mordete nach der kleinen Ilias Neoptolemos auch den jüngsten Sproß des verhaßten Königsgeschlechtes. Nach den im Schol. Lykophr. 1268 (= frg. 19 A. = 18 K.) erhaltenen Versen wirft er den kleinen Sohn Hektors, Astyanax, indem er ihn von der Brust der Amme Iosreißt, am Fuße ihn fassend, vom Turme herab (zum Teil vorgebildet Hom. Il. XXIV 735, vgl. Quint. Smyrn. XIII 251ff.). Die Tat geschah niât 10 über Beschluß der Griechen, sondern aus Neoptolemos’ eigenem Antriebe, wie Paus. X 25, 9 meldet; vgl. Kern Phil, LXXV 185, 12. Daß Astyanax vom Turme geschleudert ward, berichtet nach Lysimachos auch Schot Eurip. Andr. 10, und zwar mit Berufung auf τὸν τὴν πέρσιδα συντεταχότα κυκλικὸν ποιητήν: dies geht allem Anscheine nach nicht auf die Persis des ,Arktinos⁴, wie gewöhnlich angenommen wird, sondern auf die kleine Ilias, Robert Bild u. Lied 229.Das Wüten gegen Priamos’ Geschlecht, wie es sich in diesen Taten kundgibt, haben die Vasenmaler des Öfteren in einer Darstellung vereinigt und so zwei wichtige Szenen aus Ilions Untergang verschmolzen. Im allgemeinen hielten sie sich an die epische Tradition, nicht immer jedoch ist die eigentliche Quelle (kleine Ilias oder Persis) genau erkennbar, Robert Bild u. Lied 74; auch mußte ihrer eigenen künstlerischen Auffassung freier Spielraum geboten werden. So ist es zu erklären, 10 wenn bei der Kombination der Ermordung des Knaben Astyanax mit dem Tode des Priamos auf verschiedenen Vasenbildern das Kind nicht, wie es im Epos hieß, vom Turme in die nach A. Schnei-der’s 172 Ausdruck ,undarstellbare Tiefe' geschleudert wird, sondern gegen den Altar, an welchen Priamos sich geflüchtet hat; vgl. auch Kern Phil. LXXV 187.

Unter den bemerkenswerten Belegen hierfür ist zunächst zu nennen die sf. Dreifußvase der 0Sammlung Sabouroff bei Furtwängler I Taf. 49. Priamos ist rücklings über den Altar des Zeus hingestürzt, wohl tot, da die Arme leblos herabhängen und die Haare lang hinabfallen. Der grimme Neoptolemos, der bereits den greisen König gemordet, ist im Begriff, den jüngsten Sprossen des Hauses an dem Altar zu zerschmettern. Vergebens ist der Jammer eines unglücklichen Weibes (Hekabe oder Andromache). Einige Nebenfiguren rahmen die Darstellung ein. In ähnlicher Szene 0 faßt Prianios mit der Rechten flehend den Neoptolemos am Kinn auf der sf. Amphora 1685 des Berliner Antiquariums (s. u.).

Besonderes Interesse nehmen weiters zwei der bedeutendsten rf. Vasen in Anspruch: auf der ausgezeichneten Schale des Brygos im Louvre, Furtwängler-Reichhold Griech. Vasenm. 1 Taf. 25, Text I 116ff. erscheint Priamos auf dem Altar, von dem ihn sein Gegner später wahrscheinlich wegzerren wird, mit angstvoll ausgestreckten I Armen, während Neoptolemos das Kind Astyanax beim Fuße erfaßt hat, um es hinzuschleudern. Hinter dem Könige ein großer Dreifuß, dabei Poly-xene, die von Akamas fortgeführt wird; auf der anderen Seite sieht man ein Weib (Andromache) mit einer Mörserkeule als Waffe und hinter ihr, diesmal als Jüngling aufgefaßt, Astyanax entweichend: damit ist der jüngste Sproß des Königshauses naiv zweimal dargestellt (vgl. Kern Phil. [2417] Kysios (Kieme nias)

LXXV188,27), die beiden zeitlich getrennten Vorgänge auf einem Bild; s. K1 e i n Euphron.² 172. - Anders erscheint die Szene auf der berühmten Vivenziovase in Neapel aufgefaßt, Furtwängler-Reichhold ebd. I, Taf. 34, Text I 182L Hartwig Arch.-epigr. Mitt. XVI (1893) 114. Robert Bild u. Lied 66 u. 74. Um den ganzen Jammer des untergehenden Herrschergeschlechts in einem Zuge dem Beschauer vor Augen zu führen, ist dem unglücklichen Ahnherrn, der sich auf den Altar geflüchtet hat, der blutüberströmte Leichnam des Enkels auf den Schoß gelegt. Sein grimmer Gegner hat ihm bereits Wunden geschlagen: er leistet keinen Widerstand. Wird Neoptolemos ihn, wenn er ihm den Todesstoß versetzt, vom Altäre wegreißen? Dann hätte man die Tradition der kleinen Ilias. Aber vielleicht floß die Erinnerung ah die Persis und jenes Gedicht hier in eins zusammen. Eine sitzende trauernde Frau schließt diese Szene ab. Der übrige Teil der Darstellung steht mit ihr in einem gewissen Zusammenhänge: gegen einen knieenden Krieger (Mene-laos), der willens ist, einen Gefallenen (wie Robert vermutet, Deiphobos) der Rüstung zu berauben (Deneken bei Robert 67f.), schwingt eine Frau eine Mörserkeule, die sie in der Eile ergriffen hat: es ist Andromache, der jener in ihrem Bestreben, den Mörder des Sohnes zu erreichen, hindernd im Wege steht. Vielleicht war auch dieser Zug schon im Epos enthalten; Robert 79 hingegen ist geneigt, dessen Quelle in Stesichoros zu sehen.

Andromache selbst ward nach frg. 19 A. im Schol. Lykophr. 1268 dem Neoptolemos als Gefangene übergeben, der sie in die pharsalische Heimat seines Vaters gebracht habe; das gleiche Schicksal traf nach diesem Bruchstück - also im Gegensätze zur Erzählung der Persis des ,Arkti-nos‘ - den Aineias. Seine Gattin hieß in der kleinen Ilias nach frg. 20 A. = 19 K. (Paus. X 26, 1) Eurydike, wie in den Kyprien.

Einen Glanzpunkt des Epos wird das Zusammentreffen des Menelaos mit Helene gebildet haben. In seinem Grimme über die Ungetreue bedrohte er sie zuerst mit dem Schwert, wie es schon auf dem Kypseloskasten dargestellt war, Paus. V 18, 3; dieser Szene steht offenbar nahe das Relief bei Loeschcke Über die Reliefs auf der altspart. Basis, Dorpat 1879, 7, Taf. I 2. Helene macht flehend eine Abwehrbewegung gegen den sie bedrohenden Mann; die Figuren sind des engen Raumes wegen ganz nahe aneinander gerückt. Bald aber wird ihre Schönheit ihn entwaffnen. Ein ähnliches Bild gibt die sf. Amphora 1685 in Berlin, bei Gerhard Etrusk. u. camp. Vasenb. Taf. 21, links,bei Baumeister Denkm. I 744f. Buschor Gr. Vas.² A. 95. Beides, Basis und Vase, auch abgebildet bei Robert Archäol. Hermeneutik 221 Abb. 176 und 177. Auf einem alten klazomeni-schen Sarkophage in Berlin, Winter Ant. Denkm. II 27, 1. Picard Rev. archéol. 4. sér. XXIII 224ff., erscheint Helene und MenelaoS, den Aphrodite, nebst Odysseus, den Peitho zurückhält, während von den Seiten die Dioskuren im Galopp der Schwester zu Hilfe eilen.

Doch ging nach dem Epos bei Menelaos schnell eine Sinneswandlung vor sich. Die sieghafte Schönheit Helenes übte neuerdings ihren Zauber auf den [2418] KyKios (Kleine mas)

gekränkten Gatten. Denn frg. 17 A. = 16 K. im Schot zu Aristoph. Lysistr. 155

ὁ γων Μενέλαος τὰς Ἐλένας τὰ μαλὰ πὰ γυμνὸς παρανιδῶν ἐξέβαλ) οἰω, τὸ ξίφος

wird bemerkt, dieselbe Szene sei wie bei Ibykos (frg. 35)auchinderklein( i Ilias gestanden: in allen diesen Dichtungen war somit dies Motiv (vgl. Eurip. An-drom. 628) verwendet: vom Liebreiz seines ungetreuen Weibes bezwungen ließ Menelaos das 10 gegen sie gezückte Schwert fallen. Eine Variation

gab Stesichoros frg. 25: die Achaier willens, die Heroine ob ihres Frevels zu steinigen, werfen angesichts ihrer bezaubernden Anmut die Steine weg. Während jedoch bei Ibykos nach bestimmtem Zeugnisse - Schol. Eurip. Andrem. 630 in frg. 35 εἰς γὰρ Ἀφροδίτης ναὸν καταφεύγει ἡ '.Ελένη κάκεῖθεν διαλέγεται τῶ Μενελάφ· ὁ δ’ ὕπ’ ἔρωτος ἀφίησι τὸ ξίφος - (Robert Bild u. Lied 77) die Sinnesänderung infolge göttlicher Einwirkung 20 der Aphrodite bewirkt ward und auch bei Stesi-choros Helene sich in den Schutz der Aphrodite stellte, wie das als ἰερὸν Ἀφροδίτης bezeichnete Gebäude auf dem die Begegnung des Menelaos und der Heroine darstellenden Relief der Tab. Iliaca (vgl. P a u 1 c k e a. a. O. 54ff.) andeutet, ist hinsichtlich dieses Zuges für das Epos eine bestimmte Entscheidung nicht zu treffen. Immerhin gibt es Vasenbilder, die hier in Betracht zu ziehen sind. Dahin gehört eine Olpe aus Vulci (Mus. Gregor.) 30 bei Overbeck Her. Gall. XXVI 12 (I 631), auch bei Baumeister Denkm. I 745 Abb. 798 auf S. 746 und bei Engelmann Myth. Lex. I 1946. Menelaos, dem in der Luft ein kleiner Eros entgegenschwebt, eilt behelmt und schildbewehrt auf Helene zu, läßt aber sein Schwert fallen, offenbar beeinflußt von der in ruhiger Haltung dastehenden Aphrodite. Helene hat erschreckt bei einem Pal-ladion Zuflucht gesucht, das sie mit der Linken berührt. Der Schlitz ihres Chitons läßt kokett 40 das rechte Bein bis zur Hüfte sehen. Hinter Menelaos Peitho: die Ungetreue wird den zürnenden Gatten auch durch schmeichelnde Rede gewinnen. - Unter der Obhut der Aphrodite selbst steht Helene, auf die Menelaos mit dem Schwerte Iosstürmt, auch in dem zweiten Bilde auf dem Sky-phos aus dem Atelier des Hieron. gemalt von Makron, bei Furtwängler-Reichhold Griech. Vasenm, II Taf. 85, Text II 128. Aphrodite, beide Hände ausstreckend, verleiht ihr Schutz;dabei Priamos, weiter ein alter Mann mit Stab Κρισεῦς (= Chryses, Kretschmer D. griech. Vaseninschr. 206) und eine Frauengestalt Κρίσεις (= Chryseis); zur Erklärung dieser Figuren vgl. Reichhold Text II 129.

Als Helenes Sklavin gelangte Aithra mit nach Troia. Nach frg. 18A. = 17K. bei Paus. X 25, 8 ward sie im griechischen Lager nach Troias Fall von den Theseiden, ihren Enkeln, erkannt. Demophon fordert sie von Agamemnon, der aber erst 60 unter Zustimmung Helenes in diese Bitte willigt. Vom Verfasser der Persis war nach Lysimachos frg. 19 FHG III 310 (= Iliu Perais frg. 3 A.u.K.) im Schol. Eurip. Troad. 31 erzählt, daß Agamemnon den Theseiden Geschenke gab (und dem Mene-stheus). Das Bruchstück, zwei Verse umfassend, dessen Urheber als ὁ τὴν πέρσιδα πεποιηκώς bezeichnet ist, dürfte daher auf den letzten Abschnitt (die Persis) der kleinen Ilias zu beziehen sein. Die [2419] Befreiung Aithras, deren Mißhandlung durch Helene Gegenstand der Darstellung auf dem Kypselos-kasten war, erscheint wiederholt auf Vasengemälden, wie auf der Vivenziovase (rechts am Schlüsse des Bildes), da die attischen Meister diesem Sagenzuge begreiflicherweise Interesse entgegenbrachten.

Auch von dem Schicksale verschiedener troischer Frauen, wie Hekabe, Kassandra, Polyxene wird in dem Epos die Rede gewesen sein, da nach Aristoteles aus ihm der Vorwurf für ein Drama Τρφάδες geschöpft werden konnte. Nicht minder gibt der Umstand, daß er auch von einem ἀπόπλους spricht, die Gewähr dafür, daß am Schlüsse des Gedichts die Abfahrt der Griechen geschildert war.

Bei der erdrückenden Fülle von Mythen, die in der kleinen Ilias zu bewältigen waren, ließ sich eine einheitliche Anlage kaum erzielen, indem der Faden der Erzählung nicht an eine einzige überragende Persönlichkeit geknüpft werden konnte. Im ersten Teile des Gedichtes trat die Gestalt des Neoptole-mos hervor, an Bedeutung keineswegs vergleichbar mit- der Heldenfigur seines Vaters. Im wilden Getümmel der Nyktomachie büßt er seine Mordlust an dem gebrechlichen Königsgreise und dessen unmündigem Enkelkinde. Zur Erreichung des Zieles des ganzen Unternehmens trägt er sozusagen nichts bei. Während so dem Neoptolemos eine mindere Rolle zugedacht ist, erscheint als derjenige Held, von welchem der Verlauf der Ereignisse wesentlich beeinflußt wird, Odysseus, dessen kluger Sinn sich in manchen Wechselfällen bewährt und wichtigen Unternehmungen zu vollem Erfolge verhilft. Offenbar absichtlich läßt ihn der Dichter der kleinen Ilias an der unrühmlichen Ermordung des Astyanax unbeteiligt sein, um - im Gegensatz zum Verfasser der Iliu Persis - einen unsympathischen Zug von ihm fernzuhalten. In dem Gemetzel der Mordnacht rettet er edelmütig den verwundeten Helikaon. So wird Odysseus als ein untadeliger Held voll kluger Voraussicht und zielbewußten -Handelns in Wahrheit der πτολίπορθος (vgl. Strab. I 17 ὄντος d πτολίπορθος ἄει λεγόμενος καὶ τὸ Ἴλιον ἐλύν). Unter den Frauen muß besonders Helene hervorgetreten sein. Die Szene, da sie ihren Gatten Menelaos durch Liebreiz neuerdings fesselt, zeigt fast romantischen Anstrich.

Manche Anregung hat auch der Verfasser dieses Gedichts aus den Homerischen Epen geschöpft: anderseits sind Spuren seiner Einflußnahme auf jüngere Abschnitte der Odyssee nicht abzuweisen, 1

Autorschaft. Zuerst gilt, wie bei anderen kyklischen Gedichten, als Verfasser Homer; nach dem pseudoherodotischen Bios c. 15 soll er, wie die Legende meldete, bei Thestorides in Phokaia Ἰλιάδα τὴν ἐλάσσω geschaffen haben. Dieser Thestorides habe dann das Werk, wie andere, für sein eigenes ausgegeben. Daraus wollte v. W i 1 a -m o w i t z D. Ilias u. Hom. 425 schließen, daß ein Ionier Thestorides irgendwie an der kleinen Dias mitgedichtet hätte, aber zurückgedrangt worden ( sei, als die kyklischen Gedichte überhaupt als Homerisch galten (6. Jhdt.). Das Scholion Eurip. Troad. 822, dessen Inhalt v. Wilamowitz und Robert Bild u. Lied 228 auf Lysimachos zurück-führen, erwähnt neben Thestorides auch den Kinai-thon von Lakedaimon (s. o. Rzach Art Kinai-t ho n) als mutmaßlichen Verfasser unter Berufung auf Hellanikos, wohl den Logographen. Andere Quellen [2420] U.JA1UÖ LUÜXUÜ ±1108J Ä*tV

nannten den nicht weiter bekannten Diodoros von Erythrai. In klassischer Zeit wird kein bestimmter Name erwähnt. Aristoteles spricht nur Poet. c. 25 von ὁ τὴν μικρὸν Ἰλιάδα. ποιήσας, und in ähnlicher Weise wird der Autor öfter bei Grammatikern und Scholiasten bezeichnet. Daß er ein kyklischer Dichter war, sagt Lysimachos im Schol. Eurip. Androm. 10 d τὴν μικρὸν Ἰλιάδα συντεταχώς κυκλικὸς ποιητῆς.Einen neuen Namen, von welchem die frühere Zeit nichts wußte, erwähnt der Peripatetiker Pha-nias (Phainias) von Eresos frg. 18 FHG II 299 nach Clem. Alex. Strom. I c. 21, 131, 6 (Bd. II S. 81 St.), der, wie es scheint, nach irgendeiner heimischen lokalpatriotischen Tradition den Lesches von Lesbos, den er vor Terpandros setzt (dieser wieder sei jünger als Arehilochos), mit dem Ark-tinos einen siegreichen Wettstreit eingehen läßt, offenbar eine Kopie der Sage vom Agon Homers 20 und Hesiods. Mag auch Phanias den Namen des Lesches, mit welchem späterhin die kleine Ilias verknüpft wird, nicht etwa erfunden haben, so muß dessen spätes Auftauchen starke Bedenken hervorrufen. Der Synchronismus mit ,Arktinos*) den der Peripatetiker ansetzte oder überkommen hatte, widerstreitet arg der Angabe bei Eusebios, wonach ,Lesches‘ zu Ol. 30, ,Arktinos‘ aber an den Anfang der Olympiadenrechnung Ol. 1 oder 9 (Jacoby Apollodor. 148) angesetzt erscheint. Vielleicht 80 sahen einige in den beiden Persisdichtungen, wie Hartmann Unters, über die Sagen v. Tode des Odysseus 27, 51 bemerkt, Konkurrenz-Epen. Ja Plutarch conv. sept, sapient. c. 10 p. 153 F = frg. 23 A. wußte gar noch von einem zweiten ähnlichen literarischen Mythos zu erzählen: Lesches habe dem Hesiod gelegentlich des Agons bei der Bestattung des Amphidamas eine Rätselfrage vorgelegt, welche dieser trefflich löste. Hier ist an die Stelle des Homer ,Lesches* getreten, welcher nun 40 die Rolle des Fragers übernahm; vgl. hierüber

v. Wilamowitz D. Ilias u. Hom. 405.

Etwa aus dem 3. Jhdt. stammen die homerischen Becher, die den Namen des Lesches zuerst mit der Dichtung der kleinen Ilias verknüpfen, Winter Arch. Jahrb. XIII 80ff. Taf. 5. Robert Hom. Becher 41f. - κατὰ ποθτην λέσχην ἐκ τῆς μικρας ἴλιαδος -. Um Christi Geburt meldet ähnlich die ilische Tafel A: ἴλιας ἡ μικρὰ λεγομενὴ κατὰ λέσχην πυρραιον. Derselben Tra-50 diüon folgen dann die übrigen Erwähnungen, wie Schol. Pind. Nern. VI 85 = frg. 5 A. u. K. ἀπὸ τῆς Λέσχου μικρας Ἰλιάδος, Schol. Lykophr. 1286 = frg. 19 A. = 18 K. Λέσχης δ' ὁ τὴν μικρὸν Ἰλιάδα πεποιηκώς, Schol. Aristoph. Lys. 155 = frg. 17 A. = 16 K. Λέσχης ὁ Πυρραῖος ἐν τῆ μικρή, Ἰλιάδι, Eusebios zu Ol. 30 Λέσχης Λεσβιος ὁ τὴν μικρὸν Ἰλιάδα ποιήσας. Den Vers νυξ μὲν ἔην μεσσὴ κτλ. (frg. 12Α. = 11Κ.) zitieren Schol. Eurip. Hek. 910 (aus Kallisthenes) und Clem. Alex. Strom. 1 10 21, 104, 1 nach dem Verfasser der kleinen Ilias (d τὴν μικρὸν Ἰλιάδα), das Schol. Lykophr. 344 aber aus ,Lesches‘.

Bemerkenswert ist die Zitierweise des Pausanias: III 26, 9 = frg. 7 A. u. K. beruft er sich betreffs Machaons Tod auf d τὰ ἔπη ποιήσας τὴν μικρὸν Ἰλιάδα und X 26, 1 = frg. 20 A. = 19 K. erwähnt er, daß der Name der Deinome ἐν Ἰλιάδι καλούμενη μικρά vorkam. Während an diesen [2421] Stellen kein Dichtername angeführt wird, erscheint sonst bei ihm ,Λέσχεως) und zwar gewöhnlich ohne Bezeichnung der Dichtung, einmal aber X 25, 5 = frg. 18 A. = 12 K. Λέσχεως.., «y Ἴλιον πέρσιδι. Da nun die Zitate mit einfachem Λέσχεως sich ebenfalls auf Begebenheiten während Ilions Untergang beziehen, meinte v. Wilamowitz Hom.Unt. 342, daß der Urheber der gelehrten Beschreibung von Polygnotos’ delphischer Lesche, aus welcher Pausanias diese Angaben entnahm, den ,Lescheos’ nur als Verfasser einer Persis gekannt habe. Hingegen ist Robert Hom. Bech. 65 der Ansicht, in der exegetischen Quelle habe überhaupt kein Name gestanden, sondern dieser sei aus einem literarischen Traktat von Pausanias selbst eingefügt worden, während er an zwei Stellen die Zitierweise seiner Quelle beibehalten habe. Im allgemeinen wird man daran festhalten dürfen, daß die Ilias mikra ein Ganzes bildete, während die einmal genannte Ἰλίου πέρσις des ,Lescheos' als Teiltitel aufzufassen ist (anders Noack Iliu Pers. 61). Die Bemerkung über Machaons Tod stand sicher, die Notiz über Deinome vielleicht in einem Abschnitt, der nicht der Persis, dem letzten Teile der Dichtung, angehörte.

Λέσχης braucht nicht, wie Welcker D. ep. Cyel. 112 254 glaubte, den symbolischen Erzähler epischer Gedichte in einer Halle (λέσχη) zu bedeuten, was also eine eigene Bezeichnung wäre; es ist auch unrichtig, daß λέσχη nicht zu den griechischen Namenworten gehörte, wie Crusius Phil. LIV 732 meinte. Vielmehr kann Λέσχης eine der hypokoristischen Formen eines Vollnamens sein, wie Λεσχαγόρας-, Bechtel D. histor. Per-sonennam. d. Griech. 277f. v. Wilamowitz Hom. Unt. 341, 14 (andere Koseformen Λέσχος, Λεσχεῦς, Λέσσχων)) v. Wilamowitz D. Ilias u. Éom. 405, 1 vermutet Λέσχης sei aus Λεσχέας mit äolischem Akzent kontrahiert. An sich könnte es also immerhin der Name eines Rhapsoden sein, der um Ol. 30 gelebt und dann in späterer Zeit als Autor der kleinen Ilias gegolten hätte.

Die bei Pausanias regelmäßig gebrauchte Form Λέσχεως - vgl. Schol. Paus. X 25, 6 bei Spiro Herm. XXIX 149 Λέσχεως] ὅτι οὐτος τὴν εὐθεῖαν φησιν ὁ Λέσχεως, τεχνικοί (Reitzenstein, τεχνική cod.) δὲ ὁ Λέσχης -. die vielleicht schon aus dem gelehrten Traktat über die delphische Lesche stammt, ist, wie v. Wilamowitz bei Robert Bild u. Lied 226 und Bergk Griech. Lit.-Gesch. II 50, 58 erkannten, aus einer falschen Rückbildung vom ionischen Genetiv Λέσχεω aus zu erklären. Da diese Form bereits im 4. Jhdt. im Schwunde begriffen war, meinte W. Schmid Rh. Mus. XLVIII 626ff., die ursprüngliche letzte Quelle liege noch vor dieser Zeit: er dachte an den Logographen Hellanikos, der, obwohl Lesbier, ionisch schrieb und den Lesches als Verfasser der kleinen Rias abgelehnt haben könne, da er den Kinaithon als solchen nennt.

Hiegegen versuchte Immisch Rh. Mus. XLVIII 290ff. unter Hinweis auf* ion. ἰέρεως, Genet, Ἰέρεω - vgl. C o 11 i t z Sammi, d. griech. Dialektinschr. Illb 5497, 4. 5495, 46. 5517, 8. 5746, 15, 22, 32 u. s. - den Nominativ Λέσχεως als altertümliche ionische Form anzusetzen, da auch Proklos (S. 106, 18 u. 19 A.) den Genetiv Λέσχεω nach den Quellen der Chrestomathie gebrauche. [2422] kyKios (moswi)

Demgegenüber betonte Wackernagel Beitr. zur Lehre v. grieeh. Accent, Basel 1893, 31, 1, daß die Historiker und Antiquare sich seit jeher gegen Namen dialektischen Gepräges schwankend verhielten. Während der Genetiv-Ausgang ~εω eine gewisse Zähigkeit zeige, beruhe der durch Pausanias allein bezeugte Nominativ Λέσχεως wohl auf persönlichem Irrtum.

Als Heimat des ,Lesches¹ wird meist Pyrrha 10 auf Lesbos angegeben, wie auf der Tab. Iliaca (CIG XIV 1284) bei Paus. X 25, 5 (-frg. 13 A. = 12 K. und im Schol. Aristoph. Lys. 155 (= frg. 17 A. = 16 K.), danach bei Tzetzes Exeg. II. 45 Herm., wogegen Proklos S. 106, 19 f. A. die Hauptstadt der Insel, Mytilene, nennt.

Daß die kleine Ilias jünger ist als die dem ,Arktinos* zugeschriebenen Epen, läßt sich kaum bezweifeln, ganz abgesehen von den Zeitangaben bei Eusebios. In den Eingangsworten Ἴλιον ἀείδω subκλsubτλ, tritt die Persönlichkeit des Dichters bewußter-weise stärker hervor, als dies sonst älterer epischer Brauch war. Weiters verraten einzelne Szenen eine mildere Denkungsweise, also einen gewissen Kulturfortschritt; in der kleinen Ilias begeht Neoptolemos nicht den empörenden Frevel, den Priamos unmittelbar am Altäre des Zeus Her-keios selbst zu töten, wie es bei ,Arktinos‘ geschah. Durch neue Einfälle und Motive ist der Dichter bestrebt, das Interesse der Zuhörer zu wecken und 30 festzuhalten - am besten gefiel ja nach Hom. Od. I 352 immer die ἀοιδὴ νεωτάτη -: einen bezeichnenden Beleg bietet die romantische Art, wie über die Tüchtigkeit der Gegner im Waffenstreite entschieden wird: man hört auf die Meinung der belauschten troischen Mädchen.

N o s t o i. Wie in der Odyssee der Dichter in genialer Eingebung den Helden seiner Erzählung von dessen Abenteuern bis zur Ankunft bei den Phaiaken über seine Heimfahrt von Troia selbst 40 berichten ließ und dann dessen weitere Geschicke schildert, so lag es nahe, die Sagen von der Heimkehr der Teilnehmer am Troiazuge überhaupt poetisch zu verarbeiten. Frühzeitig mögen derlei Epyllien geschaffen worden sein. Daß es eine größere Anzahl solcher Heimkehrlieder gab, ist aus Suidas s. Νόστος zu entnehmen: ἄλλα πολλοὶ γρόίψαντες τὸν νόστον καὶ οἱ ποιηταὶ δὲ οἱ τοὺς νόστους ὑμνήσαντες ἔκονται τῶ Ὀμήρῳ εἰς ὄσον εἰσὶ δυνατοί. Hier ist allerdings kein Unterschied 50 gemacht zwischen älteren und jüngeren Erzeugnissen dieser Art. Es ist nicht ausgeschlossen, daß Überreste älterer Nostoi in den Erzählungen des Nestor und Menelaos in der Telemachie vorliegen, vgl. Finsler Hom. IP 276. 282. Die poetischen Schilderungen der Heimfahrten der einzelnen Helden konnten allgemach in ein Sammelepos Νόστοι zusammenfließen.

Es werden auch - abgesehen von dem Lyriker Stesichoros, der ebenfalls einen Nostos schrieb, 60 frg. 33 B.⁴ (nach Paus. X 26, 1) - einige Dichter genannt, denen solche Heimkehrlieder epischer Art zugeschrieben wurden. Einen νόστος τῶν Ἐλλήνων verfaßte nach dem Schol. Pind. ὌΙ. XIII 31 (I 364 Drachmann) Eumelos von Korinth (überliefert ist ,Eumolpos‘, was schon Gyraldus richtigstellte, vgl.Marcks c h e f f e 1 Hesiodi usw. Fragmenta216ff EGF I 187 K. Betheo. Bd. VI S. 1080). Von einem kolophonischen Dichter - ohne Namen - [2423] berichtete Lysimachos bei. Eustath. 1796, 45 = frg. 9 A. u. K.: 3 ἰὲ τοὺς Νόστους ποιήσας Kolo φώνιος. In später hellenistischer Zeit erst wirt ein Nostendichter ans Troizen erwähnt, bei Paus.: 2, 1 (= Nostoi frg. 7 A. = frg. dub. 7 K.) Ἤγιας Τροιζήνιος: es ist offenbar derselbe wii Ἀγίας Τροιζήνιος bei Proklos S. 108, 15 A.; dies« epichorische Namensform wird auch bei Clemens Strom. VI 2, 12, 8 = frg. 8 A. = frg. dub. 8 K. mit Thiersch Act. Monac. II 585 für das überlieferte ΑὐγΙας *) herzustellen, sein.

Wo sonst das Epos angeführt wird, geschieht es ohne Namen des Autors: ὁ τοὺς Νόστους γραίας bei [‌Apollod.] II 23 W. (= frg. 1 A. u. K.), ὁ τοὺς Νόστους ποιήσας Schol. Eurip. Med. Argum. und Schol. Arist. Ritter 1321 (frg. 6 A. u. K.), ὁ τῶν Νόστων ποιητῆς Schol. Hom. Od. IV 10 (= frg. 2 A. u. K.). Pausanias sagt zumeist kurzweg ol Νόστοι X 28, 7 (frg. 3 A. u. K.), X 29, 6 (frg. 4 A. u. K.). X 30, 5 (frg. 5 A. u. K.) - außer I 2, 1 (frg. 7 = frg. dub. 7 K.), wo er von Hegias redet.

Nicht in dies Sammelgedicht der Nosten einzubeziehen ist ein Epyllion, das bei Athen. VII 281 BC 0 = . Nostoi frg. 10 A. : = frg. dub. 10 K.) und IX 395 D ohne Verfassernamen als ἡ τῶν Ἀτρειδῶν κάθοδος bezeichnet wird. Es kann recht wohl ein Lied gegeben haben, das eigens der Heimfahrt der Atriden gewidmet war: man darf darin etwa eine Probe der oben erwähnten Heimkehrlieder sehen. Welcker D. ep. Cycl. I² 261. ί II² 292 erklärte es für identisch mit den ,Nostoi*, weil in diesen nach Proklos vom Streite der Atriden vor der Abfahrt von Ilion ausgegangen war und ihre Schicksale die Hauptsache gewesen seien; Einsprache erhob v. Wilamowitz Hom. Unt. 156f.

Die eine der erhaltenen Stellen, bei Athen. IX 395 D (vgl. Nauck Mél. Gréco-Rom. IV 382), bei Allen Class. Review XXVII 191, betrifft vielleicht die Kampfszene beim Mahle im Hause des Aigisthos. Den in den überlieferten anderthalb 4 Versen genannten Hermionens hält v. Wilamowitz 157 für einen Gefährten des Aigisthos. An der andern Stelle, Athen. VII 281 B, handelt es sich um Schuld und Strafe des Tantalos. In welchem Verhältnisse etwa die κάθοδος zu den verwandten Abschnitten der Telemachie oder der Nostoi stand, läßt sich natürlich nicht sagen.

Was nun die,Nostoi* selbst anbelangt, so mögen, wie angedeutet ward, die Erzeugnisse verschiedener Rhapsoden bei der Schlußredaktion benutzt worden 5( sein, so daß diesem Sammelepos ein Konglomerat von Heimkehrliedern als Grundlage diente. Die Angaben bei Proklos lassen sich nur in geringem Grade auf ihre Richtigkeit prüfen, da sonstige Nachrichten über den Inhalt der Dichtung äußerst spärlich fließen.

Den Ausgang scheint das Epos von einem Streite der beiden Atriden περὶ τοῦ ἔκπλου genommen zu haben, der durch Athenes Zorn ob des Aiasfrevels entfacht war, vgl. Hom. Od. III 135f. 60 (verdächtige Übereinstimmung, Robert Bild u. [2424] XXJ1UV9 UBIVI/ 25424

= Lied 247). Vielleicht war der Streit zwischen. Achilleus und Agamemnon zu Beginn der Ilias das 1 Mustermotiv hierzu. Während der Oberfeldherr I Agamemnon mit der Abfahrt zögert, um die Göttin, zu versöhnen, segeln andere Helden ab, darunter ï sein Bruder Menelaos, der mit bloß fünf Schiffen * nach dem Untergänge der übrigen sich nach Ägyp-) ten rettet. Der Bericht deckt sich zum Teil mit der Erzählung der Telemachie Od. III 299, wo gleich-10 falls von fünf Schiffen die Rede ist. Diese Dichtung kann hier aus den Nostoi geschöpft haben, da selbst in einer Nebensache eine Übereinstimmung besteht. Bei Erwähnung der Begebenheiten in Sparta wird der Vermählung des von einer Sklavin geborenen Sohnes des Menelaos, Megapenthes, gedacht (Hom. Od. IV 11, vgl. [‌Apollod.] III 133). Diese letztere war in den Nosten ebenfalls erwähnt, nach dem Scholion zu der Odysseestelle = frg. 2 A. hieß sie Γετίζ. Da der Atride (nach 20 der Telemachie) durch Proteus auch vom Geschicke Aias des Lokrers erfuhr und dessen Untergang an den ΚαφηρΙδες πέτραι nach Proklos in den Nosten geschildert war, gehört in diesen Zusammenhang das frg. 1 A. u. K. bei [Apollod.] II 23 W., nach welchem die Frau des Nauplios Philyre hieß. Denn kaum wo anders als hier konnte des Nauplios gedacht sein, der, um sich für den Tod seines Sohnes Palamedea zu rächen, nächtlicherweile durch Fackelschein die Schiffe der Achaier gegen die 10 kaphereischen Felsenklippen lockte [Apollod.] Epit.

VI 7 und 11. Vielleicht war hierbei an eine Lokalsage angeknüpft, Wagner in Roschers Myth. Lex. III 27.

Agamemnons Geschick mag eine ausführliche Darstellung erfahren haben: sowohl von den Maßnahmen vor der Abfahrt und von der Warnung durch das «βώλον des Achilleus, welches das drohende Unheil kündet, wie auch von des Helden tragischem Ende und der Rache durch Orestes 0 gibt das Proklosexzerpt Nachricht. Die Schilderung der Katastrophe in der Telemachie Od. IV 524ff. kann im Wesen auf den Nosten beruhen. Die Vollstreckung der Strafe an Aigisthos bildete gewiß einen wichtigen Abschnitt des Gedichts, vgl. Dümmler Kl. Schr. II 396f. Olivieri Riv. di filol. XXV (1897) 570ff. Ob die Gestalt des Pylades, den Proklos nennt, bereits dem Epos angehörte, ist zweifelhaft. Auf einem Stamnos in Berlin, wo Aigisthos auf Agamemnons Throne von) Orestes getötet wird, während Klytaimestra gegen diesen ein Beil schwingt und Elektra zur Ermutigung des Bruders herbeieilt - eine Darstellung, die von derjenigen der Tragiker abweicht - ist Pylades nicht zugegen, Overbeck Her. Gall. I 695 Taf. XXVIII 10, vgl. auch Robert Bild u. Lied 149ff.

Mit der Erzählung von Agamemnons Schicksal stand vielleicht die νέκυια der Nosten im Zusammenhang, in welcher nach Paus. X 28, 7 (frg. 3A. u. K.), wie in der νέκνια der Odyssee und jener der Minyas (frg. 2 Kinkel), auch von den Schrecknissen der Unterwelt die Rede war. Am nächsten liegt es, wiewohl stark abweichende Anschauungen laut geworden sind (Welcker II² 297f.), an die Hadesfahrt des Agamemnon und seines Gefolges zu denken, Dümmler Kl. Schr. II 396. Mit der Hinabführung der Seelen des Aigisthos und der Klytaimestra durch Hennes [2425] •ψυχοπομπός dachte eich die Nekyia verknüpft Düntzer Fragm. d. ep. Poes. 23, dagegen Welcker 299, während nach Gruppe Griech. Myth. I 702 in den Nosten Orestes in die Unterwelt hinabgestiegen wäre.

Tn die Schilderung des Hades gehört die Erwähnung einer Anzahl von Heroinen, bei Paus. X 29, 6 (= frg. 4 A. u. K.). X 30, 5 (= frg. 5 A. u. K.,). I 2, 1 (= frg. 7 A. u. K.) und im Argum. Eurip. Med. (= frg. 6 A. u. K.); von diesen werden zwei, Klymene und Maira, auch im homerischen Katalog genannt, den Dümmler Kl. Schr. II 383 und 387, sowie v. Wilamowitz Hom. Unt. 150f. von dem der Nosten für abhängig halten; Blaß hingegen a. a. O. 266, 1 war der Ansicht, daß die Nosten den homerischen Katalog kommentierten. Vielleicht war auch von Eriphyle - die gleichfalls bei Homer angeführt erscheint - die Rede, da, wie es scheint, bei Clem. Strom. VI 2, 12, 8 (= frg. 8Ä. u. K.) auf eine Bestechung angespielt wird: δώρα γὰρ ἀνθρώπων νόον ἤπαφεν yôè καὶ ἔργα. Da ein ähnlicher Gedanke in einem Bruchstücke des Antimachos von Teos (frg. 1 K.), das ebenfalls Clemens bewahrt hat, vorliegt, meinte Muetzell De emend. Theog, Hes. 181 A., der Urheber des ersterwähnten Verses, der dem anti-machischen gegenübergestellt wird, habe nicht vor Antimachos gelebt: eine Folgerung, die keineswegs notwendig ist.

In welchem Ausmaße die Heimfahrt des Odysseus in den Nosten etwa behandelt war, läßt sich aus der kargen Notiz des Proklos nicht entnehmen, der nur das Zusammentreffen des Neoptolemos mit Odysseus im thrakischen Maroneia erwähnt. Gewisse Teile der Telemachie, die Abfahrt des Helden von Troia, Od. III 157ff. und die zunächst hieran sich knüpfenden Begebenheiten mögen auf den Nosten beruhen. Außerdem berichtet nach dem Epos Lysimachos bei Eustathios 1796, 45 (frg. 9 A. u. K.), daß der kolophönische Nostendichter von der späteren Verbindung des Telemachos mit Kirke und desTelegonos mit Penelope erzählt habe. Eine Verwechslung mit der Telegonie, wo dasselbe vorkam (s. u.), ist trotz Christ S.-Ber. Akad. Münch. 1884, 33, 1 nicht anzunehmen; doch läßt sich nicht näher bestimmen, wie die gegenseitige Beziehung der beiden Gedichte in diesem Punkte beschaffen war; vgl. v. Wilamowitz Hom. Unt. 173ff. Hartmann Unters, über die Sagen vom Tode des Odyss. 97f.

Ein größerer Abschnitt scheint der Heimfahrt des Neoptolemos gewidmet gewesen zu sein, vielleicht nach einem eigenen Gedichte, vgl. Gruppe Griech. Myth. u. Religionsgesch. I 699, 2. Nach Proklos hätte er ,θέτιδος νποθεμενης* seinen Weg zu Lande über Thrakien genommen, wo er Odysseus traf. Nach Bestattung des unterwegs verstorbenen Phoinix sei er zu den Molossern gelangt, ein Sagenzug, der dadurch veranlaßt sein kann, daß ein molossisches Fürstenhaus Neoptolemos unter seine Ahnherren zählte, vgl. Welcker D. ep. Cycl. Π² 289, ähnlich wie dies in äer Telegonie bezüglich des Verhältnisses des Odysseus zu einem thesprotischen Dynastengeschlechte der Fall war. Eine Bestätigung der Notiz bei Proklos scheint in Pindars Paean VI 109 Schr. (Papyr. von Oxyrhyn-chos und Hermupolis) vorzuliegen: ὀχεδὸν δ(ὲ Τ)ομάρον Μολοοσίδα γα(ῖ)αν ἐξίκετο. Daselbst [2426] wird er von seinem Großvater Peleus erkannt, der dort vielleicht, wie Welcker II² 289 meinte, als ,Verstoßener' weilte, s, Hom. Od. XI 496, wo das εἰδωλον des Achilleus Befürchtungen über des Peleus Geschick äußert. Vgl. die ausführlicheren Nachrichten bei [‌Apollod.] Epit. VI 12.

Ein Teil der griechischen Führer wählte den Landweg nach dem Süden entlang der kleinasiatischen Küste, und zwar nach Proklos’ Bericht Kal-10 chas, Leonteus und Polypoites, während bei [Apollod.] Epit. VI 2 W. noch Podaleirios (vgl. v. W i –1 a m o w i t z Isyllos v. Epid. 475.) und Amphi-lochos genannt werden. Nach der Ankunft in Kolophon habe man, heißt es im Proklosexzerpt, ,Τειρεσίαν ἔντανθα τελευτὴ σαντα¹ begraben. Für den auffälligen Namen verlangte schon Meineke Anal. Alex. 79 ,Κάλχαντα) wie bei [Apollod.] Epit. VI 2 tatsächlich zu lesen ist. Wäre der Name des Teiresias echt, so müßte der Seher auch am 20 Troiazuge teilgenommen haben, während sonst die Sage von seinem Ausgange an den thebanischen Zug anknüpft; v. Wilamowitz Hom. Unt. 179 bezog den Irrtum auf einen der Kompilatoren, nicht die Überlieferung. Den Mythos vom Tode des Kalchas in Klares bei Kolophon kannte schon Kallinos frg. 8 (Strab.XIV668); Immisch hat ihn mit Recht auf das Nostenepos bezogen, Klaros 160. Danach wäre wenigstens für diesen Sagenzug epische Bearbeitung in der Zeit vor Kallinos, 30 also vor Mitte des 7. Jhdts. anzunehmen. Es darf als wahrscheinlich gelten, daß kolophonische Lokalsagen mit in die Erzählung eingeflochten waren: damit steht die Erwähnung jenes ,kolophonischen‘ Nostendichters ,d .. τοὺς Νόστους ποιήσας Κολοφώνιος* in frg. 9 A. u. K. im Zusammenhang, vgl. Welcker II² 288. Möglicherweise gehörte auch die Erzählung der Schicksale des Amphilochos und Mopsos in Kilikien, auf die sich Lykophr. 4395. (nebst Schot), wo sie unter den Heimkehrern aus 40 Troia angeführt werden, sowie Strab. XIV 675 beziehen, in den genannten Abschnitt des Gedichtes, vgl. Immisch 160. Vermutlich war auch des Mopsos Mutter Manto mit erwähnt, Immisch Myth. Lex. II 2328.

Späterhin sind die epischen Nostoi in Prosa aufgelöst worden, es gab solche z. B. von Lysi-machos FHG III 3375., Antikleides Script, rer, Alex, M. 148, 9 M., vgl. Stiehle Phil. IV 995. VIII 495.Telegonie. Dies Gedicht sah man seines Inhaltes wegen als den Abschluß der kyklischen Epen an: bei Photios cod. 239 (S. 97, 55. A.) heißt es: καὶ περατοῦται ὁ ἐπικὸς κύκλος ἐκ διαφόρων ποιητῶν συμπληρούμενος μέχρι τῆς ἀποβάσεως Ὀδυσσέως τῆς εἰς Ἰθάκηνsub9λsub ἐν ἡ καὶ ὑπὸ τοῦ παιδὸς Τηλεγόνου ἀγνοοῦντος κτείνεται'. Der Name des Epos, das in älterer Zeit nirgends erwähnt wird, lautet bei Eustath. 1796, 47 Τηλεγόνεια, eine Form, die bei demselben Schriftsteller 785, 22 60 ausdrücklich als κατὰ τὴν παλαιὸν ὀρθογραφίαν gestaltet bezeichnet vird. Bei Proklos und im griechischen Wortlaute des Eusebios bei Synkell. 454, 9 steht die Form Τηλεγονία,

Obgleich wir außer den Angaben bei Proklos nur ein einziges Bruchstück besitzen, läßt sich doch aus der mythographischen Überlieferung eine Vorstellung von dem Gedichte gewinnen, wie es ungefähr in seiner letzten Fassung bestand. Die [2427] üTâJi njjuua Aüwguiuc

Tradition, welche für den Versuch einer Rekonstruktion zur Verfügung steht, hat zuletzt Hartmann Unters, üb. die Sagen vom Tode des Odyss. 330. in übersichtlicher Weise sehr gut zusammengefaßt. Hierbei sind natürlich die Andeutungen, die sich aus Homer gewinnen lassen, besonders beachtenswert. Gercke Teleg. u. Odyssee, ïlb. Jahrb. VIII (1905) 315 nimmt an, daß größere Abschnitte des Gedichtes, wie es in einer früheren Phase vorhanden war*), in die Odyssee übergingen.

Den Kern bildete offenbar eine ältere Dichtung, welche die Sage vom Tode des Odysseus durch die Hand seines Sohnes Telegonos behandelte. An diesen Grundstock wurden dann andere Stücke angeschlossen, die sich auf die späteren Lebensschicksale des Odysseus bezogen. Der Inhalt dieser ursprünglichen Telegonie war ein fest geschlossener. Ähnlich wie sein Bruder Telemachos zieht Telegonos, Sohn des Odysseus und der Kirke, aus, den Vater zu suchen. Als Kirkesohn wird er schon in dem freilich interpolierten Verse 1014 der Heroo-gonie genannt, die den Anhang der hesiodischen Theogonie bildet, im Gegensätze zu dem echten Verse 1013, wo Agrios und Latinos Söhne jenes Elternpaares sind. Demgegenüber berichtete Lysi-machos bei Eustath. 1796, 35ff. (= frg. 1 A.) - vgl. Radtke De Lysim. Alex. (Straßburg 1893) 14 - folgendermaßen: ὁ δὲ τὴν Τηλεγόνειαν γράφας Κυρηναῖος ἐκ μὲν Καλνφοῦς Τηλεγονον υἰον Ὀδνσόεῖ ἀναγράφει ἡ Τηλέδαμον. An dieser: Überlieferung wurde mehrfach Anstoß genommen. Zunächst meinte Muet zell De emend. Theog. Hes. 180, es sei an Stelle Kalypsos vielmehr Kirke einzusetzen, indem der Irrtum entweder durch Eustathios oder infolge Ungenauigkeit älterer Tradition eingedrungen sei. Doch ist Καλυφοῦς kaum zu ändern, wie schon Volkmann Progr. d. stadt. evang. Gymn. zu Jauer 1878, 12 und auch Gercke 328 betonten. Etwas gewaltsam wollte Bergk Griech. Lit.-Gesch. II (1883) 53, 70 schreiben: ἐκ μὲν Καλνψοῦς Τηλέδαμον vlov 'Ὀδνσοεὶ ἀναγράφει, ζεκ δὲ Κίρκης') Τηλεγονον. Die Schwierigkeit in der Ausdrucksweise ἡ Τηλεδαμον versucht Hartmann 48 zu beheben, indem er es im Sinne von ἡ ὡς ἄλλοι φασὶ Τηλέδαμον versteht, wogegen Muetzell 178 (außer Κίρκης für Καλνφοῦς) καὶ Τηλέδαμον empfahl. Auf anderem Wege suchte v. Wilamowitz Hom. Unt. 183 zu helfen. Er hält zunächst an dem Namen der Kalypso fest, da sie nach einer ‘ Sagenversion bei Pacuvius (Niptra) frg. fab. inc. 40 Ribbeck³ einen Sohn von Odysseus hatte. Zu ihr gehöre der zweite Sohnesname, der aber, weil der heroische Rhythmus die Form Τηλεδάμος nicht vertrage, als Τηλεδαπός herzustellen sei. Neben diesem sei Τηλέγονος deshalb in den Bericht eingedrungen, weil jener Teledapos, der also ursprünglich allein dagestanden hätte, sonst unbekannt war. Indes wäre, wie V ü r t h e i m Mnemos. XXIX 1901, 50 bemerkte, auch die Messung Τηλεδάμος Q (wie Ἰππόδάμος, wenngleich die Bedeutung Bedenken hervorruft) immerhin möglich, wie auch Höfer in Roschers Myth. Lex. V 248 annimmt. Vgl. auch Lam er o. Bd. X S. 1780Î.

  • ) Die ursprüngliche Telegonie hält Gercke 324H. sogar für älter als die Ilias: er weist sie ins

9. Jhdt. [2428] nynos çretegome) 242«

Wie immer es sich mit dem oben erwähnten Berichte, welchem diese Vermutungen gelten, verhalten mag, in der ursprünglichen Tekgonie zog der junge Held, nach welchem sie den Namen hatte, sicherlich als Sohn der Kirke aus, den verschollenen Vater zu finden. Ein epischer Dichter hat ein in der Weltliteratur auch sonst begegnendes Motiv verarbeitet - vgl. z. B. das deutsche Hildebrandslied (Busse Sagengeschichtliches zum 10 Hildebrandsliede, Beitr. z. Gesch. d. deutsch. Sprache XXVI 1ff. Jiriczek Deutsche Heldensage, Straßburg 1898, I 275ff.) -, indem er im Gegensätze zur Telemachie, wo der Sohn schließlich doch in der Heimat mit dem Vater glücklich vereint wird, den Stoff ins Tragische wandelt: auch Telegonos trifft auf der Heimatinsel auf den Vater, aber er tötet ihn, bevor er ihn erkannt hat. Der Abschied von der Mutter ist - bisher das einzige Beispiel - dargestellt auf einer Vasenscberbe 20 bei Overbeck Gall. her. Bildw. I 818 Taf. 33, 21, auch bei J. Schmidt Myth. Lex. V 254: Kirke reicht dem Sohne eine Waffe (der Künstler wählte hier einen Bogen). - Hierauf gelangt Telegonos auf der Suche nach dem Vater nach Ithaka, das er verheert, wie es bei Proklos heißt, während bei [‌Apollod.] Epit. VII 36 von einem Rinderraub die Rede ist, was der heroischen Zeit gut entsprechen würde. Auch Oppian. Hal. II 497ff. kennt - wohl aus mythographischer Überlieferung - 30 denselben Zug. Der zur Hilfe herbeieilende Odysseus wird, ohne daß ihn der Sohn erkennt, von diesem erschlagen. In welcher Art dies geschah, erfahren wir aus dem Schol. zu Hom. Od. XI 134 und [Apollod.] a. a. O. sowie anderen Zeugnissen (Hartmann 49). Nach [Apollod.] verwundet Telegonos den Vater ,τῷ μετὰ χείρας δόρατι (τρυγόνος) (Bücheler) κέντρον τὴν αἰχμὴν ἔχοντι; im Homerscholion wird von dem τρνγόνος κέντρον bei den νεώτεροι gesprochen: vgl. Oppian. Hal. II 10 497. Servius Aen. II 44. Sophokles hat diesen Umstand in seinem Dramentitel Ὄδυσσευς ἀκανθοπλὴξ (ἡ Νίπτρα) TGF 415 und 416 Ν.² angedeutet. Der Bochenstachel, der hier, da er als giftig galt, an Stelle einer Metallspitze am Speere verwendet wird, stellt eine höchst altertümliche primitive Waffe dar. Offenbar gehörte sie, wie die Kirke πολνφάρμακος selbst, welche sie ihrem Sohne übergibt, bereits dem Epos an und ist nicht etwa erst Erfindung der Tragiker, die diesen Stoff behandeln >0 (Hartmann 50f.). Der Umstand, daß Aischy-los in den Psychagogoi frg. 275 N.² die Sage vom Rochenstachel bereits umbildet - es werde Odysseus durch einen giftigen Fischstachel, der im Kote eines Reihers steckend auf das Haupt des Helden niederfiel, getötet werden, vgl. J. Schmidt in Roschers Myth. Lex. III 629. V 250 - beweist zur Genüge, daß dieses Motiv schon vor ihm im Epos verwendet war. Ob bereits in der ältesten Gestalt der Telegonie? Hartmann 221 (vgl. 0 74) glaubt, daß erst der kyrenäische Telegonie-dichter, der das Gedicht als Fortsetzung der Odyssee gestaltete, indem er eine Umbildung und Ausdeutung des Odysseeverses XI 134 vornahm, jene Waffe dem Telegonos gab. Dort wird geweissagt, daß Odvsseus hochbetagt daheim friedlich sterben werde l ἀλός, außerhalb des Meeres, vgl. Schob z. d. St. ἔζω τῆς ἀλός· ὅν γὰρ οἰδεν ὁ ποιητης τὰ κατὰ τὸν Τηλέγονον καὶ τὰ κατὰ τὸ κέντρον τῆς [2429] τρυγόνος*, deshalb setzte Aristarch hier die Diple, δτί) ol νεώτεροι ta περὶ Τηλέγονον ἀνέπλασαν. Auch bezüglich der Variante ἔξαλος, die im Scholien erwähnt wird, ist dieselbe Erklärung beigefügt. Natürlich begegnet anderswo (z. B. Od. IV 401. V 422) ἐξ ἀλός auch im Sinne von ,aus dem Meere*. Indem nun jenes ἐξ ἀλός in dieser letzteren Bedeutung gefaßt wurde, ergab* sich ein - von außen hereingetragener - Zusammenhang des Telegoniemotivs mit der Odysseestelle. Der Rochenstachel, der dem Helden den Tod bringt, stammt aus dem Meere, und Telegonos selbst, der ihn als Waffe benutzt, ist vom Meere gekommen*). So ist der friedliche θάνατος ἐξ ἀλός zum gewaltsamen ἄλιος μόρος (Oppian. Hal. II 499), und zwar durch das ἄλιον κεντρον (Nikandr, Ther. 836) geworden. Über die Umdeutung vgl. M ü 1 d e r Hb. Jahrb. 1913, 103f. Hartmann 74; doch auch v. Wilamowitz Hom. Unt. 194. V ü r t-heim 53.

Als Telegonos dann die unselige Tat erkannt, bringt er, wohl nach einer dem Epos ganz angemessenen (Hartmann 53) Totenklage, deren wenigstens [‌Apollod.] Epit. VII 37 W. gedenkt, den Leichnam des Vaters sowie auch die Hinterbliebenen Telemachos und Penelope zu seiner Mutter; ,ἡ δὲ αὐτους ἀΦανάτοῦς ποιεί? sagt Proklos. Zweifelhaft bleibt es, ob sich der letztere Satz auch auf das σώμα des Odysseus bezieht. Gruppe Griech. Myth. I 717, 4 meint, es würde dem Stil der Heldensage gut entsprechen, wenn der Dulder wie Herakles zum Olymp emporgehoben würde; hingegen glaubt Hartmann 53, es handle sich bei jener Nachricht um die Errichtung eines Odysseusgrabes oder Einführung seines Kultes an irgendeinem bestimmten Orte. (Eine fremdartige Variante im Schot Lykophr. 805 läßt den Helden durch Zaubermittel der Kirke wieder zum Leben erwachen.) In etwas seltsamer Art vereinigen sich hierauf Telegonos mit Penelope, Kirke mit Telemachos zum Ehebund; dieser Sagenzug fand sich auch in den Nosten frg. 9 A. u. K. (s. o.). Bei [Apollod.] Epit. VII 37 wird das Paar Penelope und Telegonos (von ihnen ist dort allein die Rede) durch Kirke nach den Inseln der Seligen entsendet; wie es scheint, ist dies nur eine andere Fassung der ἀθανασία bei Proklos, Bethe Herm. XXVI 604. Das Auffällige der Doppelheirat wird in etwas gemildert, wenn man sich mit Hartmann 52 erinnert, daß auch andere Heroen, die unsterblich geworden, mit Heroinen oder Göttinnen vereint werden, wie Achilleus mit Medeia auf den Inseln der Seligen [Apollod.] Epit. V 5 W., Herakles mit Hebe im Olymp [Apollod.] II 160W., vgl. Waser o. Bd. V S. 2471.

Die Telegonosgeschichte zeigt offenkundigen Parallelismus mit der Telemachie. Schon der Name Telegonos - ,der Ferngeborene* - ist im Anschlusse an Telemachos - ,dessen Vater fern im Kriege kämpft* - gebildet, vgl. J. Schmidt Roschers Myth. Lex. V 268. F i n s le r Hom. II² 257. Beide Gedichte haben die lange Abwesen- [2430] Kyklos (Telegonie) 2430 heit, die Irrfahrten sowie die Heimkehr des Odysseus zur heimatlichen Insel zur Voraussetzung.

Die poetische Verarbeitung der Telegonossage benutzte der Urheber der letzten Gestaltung des Gedichts, um andere Odysseusmythen unter Verwendung einzelner Züge aus der Odyssee anzuknüpfen. Im Eingänge seines Berichts über die Telegonie sagt Proklos, es habe Odysseus nach Bestattung der Freier den Nymphen ein Opfer dar-10 gebracht - vgl. Hom. Od. XIII 356 - und dann eine Fahrt nach Elis unternommen, wo er bei Polyxenos (der Name ist bezeichnend) gastfreundlich aufgenommen ward. Die Begründung der Reise ist dürftig: es sollen die von Polyxenos ererbten Herden des Augeias in Augenschein genommen werden. Die Fahrt dient indes hauptsächlich dazu, eine Märchenerzählung einzukleiden. Als Gastgeschenk erhält nämlich der Held einen Krater mit der Darstellung der Geschichte des 20 Trophonios und Agamedes, welche beiden dem Augeias in Elis ein Schatzhaus bauten - zur Sage Ed. Meyer Herm. XXX 262S. Hier wird eine Schilderung des Gefäßes in Form einer ἔκφρασις, wie solche seit der homerischen und pseudohesiodi-schen Schildbeschreibung Eingang in die Literatur gefunden hatten und auch später beliebt waren - vgl. Stemplinger D. Plagiat in d. griech. Litter. 223 - gegeben gewesen sein. Danach kehrt Odysseus wieder zurück und bringt nach der 30 Weisung des Teiresias Opfer dar, wie Proklos weiter meldet. Dem Gedichte fremd aber war, wie Ed. Meyer 263f. ausführt, ein Sagenzug, den SvoronQs Gazette archéol. XIII (1888) 257 aus Münzen von Mantineia (4. Jhdt.) mit der Darstellung des Odysseus, der ein Ruder in den Boden steckt, erschließen wollte. Danach sei die Versöhnung des Helden mit Poseidon in Arkadien erfolgt, nachdem er beim Orakel des Trophonios über Teiresias’ Weisung Aufklärung gesucht habe 40 und zu Agamedes gelangt sei. Ed. Meyer macht es walirscheinlich, daß hier eine heimische Sage vorliege, die den Kult des Poseidon in Mantineia, wo nach Paus. VIII 10, 2 ein alter Tempel als Bau des Agamedes und Trophonios galt, durch Odysseus einführen ließ.

In die Schilderung des Kraters war eine Novelle eingeschlossen, deren Inhalt aus Charax von Pergamon frg. 6 FHG III 637 (nach Schol. Ari-stoph.Wolk. 508) sowie Kallippos von Orchomenos 50 bei Paus. IX 37, 5ff. bekannt ist. In dieser Erzählung, deren wesentliche Momente - Schatzhaus, Falle, Tod des Agamedes - gewiß in dem Gedicht enthalten waren, kehrt ein Teil des alten ägyptischen Märchens vom Schatzhause des Rham-psinit (Herod. II 121, der von der epischen Behandlung schweigt oder nichts weiß, Diodor. I 62) wieder, vgl. nebst Kern o. Bd. I S. 719 auch v. Wilamowitz Hom. Unt. 186. Studnicz-ka Kyrene 6, 64. Roeder o. Bd. I A S. 140. 60 Der Mythos von Trophonios - der in unterirdischem Kult in Lebadeia als Gottheit verehrt ward - und Agamedes als Baumeister des Augeias (s. Wernicke o. Bd. II S. 2307) kann durch peloponnesische Kolonisten nach Kyrene gelangt sein, wo dann ein Teil der RhampsinitnoveUe, die doch wahrscheinlich ägyptischen Ursprungs ist, mit jener Erzählung vereinigt und poetisch verarbeitet ward, Hartmann 69f. War doch diese [2431] ä»o ί jkyKios leiegonie;

Darstellung offenbar auch kyrenäischen Vasenmalern bekannt, wie das aus diesem Gebiete stammende Schalenfragment von Samos beweist, bei B o e h 1 a u Aus ion. u. itaL Nekropolen, Leipzig 1898, 127 Tafel X 4. Hier sind Reste eines Rundbaus (Tholos) mit einer Säule wahrzunehmen; einer der Baumeister setzt einen eigenartig verzierten Verschlußstein auf; eine zweite Figur stand wohl auf dem weggebrochenen Stücke der Schale. Stellt man hierzu die Notiz des Lysimachos bei 1( Eustathios (frg. 1) vom kyrenäischen Verfasser der Telegonie (ὁ τὴν Τηλεγόνειαν γραίας ΚυρηναΙος) so wird man bezüglich einer bestimmten Fassung des Gedichtes auf diese Landschaft hingewiesen. Als ein Kyrenäer aber wird Eugammon genannt, dem späte Tradition die Abfassung der Telegonie zuschreibt. Der Name erscheint mit Doppelnasal (Ἐνγάμμων) bei Proklos (Cod. Ven. Marc. 454), mit einfachem (Εὐγάμων) bei Clem.

Strom. VI 25 in der Hs. (L) und bei Eusebios im 2( griechischen Text bei Synkellos 454, 9 sowie im Chronikon des Hieronymus (Euseb. Werke VII 102 Helm) und der armenischen Übersetzung (V 188 Karst); in Euseb. praep. evang. X 2 p. 462 D steht falsch Ἐνγράμμων. Jene beiden Formen schließen sich nicht aus: wie neben Θέμων ein Ἀθέμμων (Bechtel D. histor. Personennamen d. Grieeh. 202), neben Ἔχεμος ein Ἐχέμμων steht, so war neben Εὐγάμων (vgl. Εὐγαμος Rhodier CIA II 983 I 72) Ἐνγάμμων möglich. 30 Unwahrscheinlich ist die aitiologische Deutung von Crusius Phil. LIV 732, wegen der Doppelheirat zu Ende des Gedichtes. Wenn dieser Eugammon wirklich existierte, konnte er ein Rhapsode gewesen sein, den man in die Reihe der kyklischen Dichter als Verfasser der Telegonie einbezog. Aber freilich taucht der Name erst in der römischen Epoche auf. Immerhin dürfte eine Redaktion des Epos in Kyrene erfolgt sein, da hierfür noch ein weiterer Umstand in Anschlag gebracht werden 40 kann. Denn in jenem Berichte bei Eustathios (frg. 1) wird neben Telemachos ein zweiter Sohn des Odysseus von der Penelope, Arkesilaos, genannt: ἐκ δὲ Πηνελόπης (ἀναγράφεί ὁ τὴν Τηλεγόνειαν γράψας Κυρηναῖος) Τηλέμαχον καὶ Ἀρκεοίλαον. Die Einführung dieses Namens, der im kyrenäischen Fürstenhause wiederholt vorkam (Ed. Meyer o. Bd. II S. 1162), verfolgt oSen-kundig den Zweck, einen der Ahnherren bis auf Odysseus zurückzuführen, v. Wilamowitz50 Hom. Unters. 184. Da Arkesilaos L und II. im 6. Jhdt. regierten (Herod. IV 159 und 160) und Eusebios den Eugammon zu Ol. 53 (568/4) ansetzt, wird die Redaktion, welche die lokale Beziehung zu den Battiaden einführte, im 6. Jhdt. erfolgt sein. Zu beachten ist der Umstand, daß Telegonos im Scholien zu Eurip. Orest. 932 Bruder der Libye heißt, wgl. Malten Kyrene 150f.

Bei Eusebios wird übrigens auch Kinaithon von Lakedaimon (s. o. R z a ch Art. Kinaithon) 60 als Verfasser einer Telegonie bezeichnet. Ob eine ältere Telegonie oder eine bestimmte Gestaltung des Gedichts damit gemeint war, ist schwer zu sagen. Die Nachricht scheint auf bloßer Lokaltradition zu beruhen.

Aber noch ein weiterer Hauptbestandteil ist aus dem Konglomerat, das die jüngste Fassung darstellte, auszusondern, ein Abschnitt, der dem [2432] kyrenaischen Redaktor wohl ebenfalls in selbständiger epischer Form vorlag: es ist eine The-sprotis, deren Inhalt Proklos nach der Erzählung von der Fahrt nach Elis angibt. Der Vorwurf, die Verherrlichung des Odysseus als Ahnherrn eines thesprotischen Fürstengeschlechtes, beruht aller Wahrscheinlichkeit nach auf einer Landessage. Nach der Heimkehr aus Elis und Darbringung der von Teiresias (vgl. Hom. Od. XI 132) ver-) langten Opfer begibt sich Odysseus nach Thespro-tien, wo er die Königin Kallidike zur Frau nimmt. Während eines Krieges zwischen den Landes-bewohnern und den Brygern bewährt er sich als glücklicher Feldherr. Ist der Bericht des Exzerptes zuverlässig, so wäre bei der Schilderung des Kampfes - ähnlich wie in der Aristie des Diomedes in der Ilias - ein Eingreifen des Ares zugunsten der Bryger erfolgt, während Athene ihm entgegentrat, bis Apollon beide trennte. Nach » Kallidikes Tode übernimmt Polypoites, den sie ihm als Sohn geboren, die Herrschaft, während Odysseus nach Ithaka heimkêhrt. Diese Rückkehr war notwendig, als man das thesprotische Abenteuer mit der Telegonie vereinigte, da Telegonos den Vater auf Ithaka fand. In der ursprünglichen Fassung mochte Odysseus überhaupt in Thespro-tien bis zum Tode verbleiben, v. Wilamowitz Hom. Unt. 189. Hartmann 87. Auf den Schluß des thesprotischen Gedichtes, falls nicht i überhaupt eine andere Dichtung in Betracht komme, möchte Hartmann 75, 71 einen bei Athen. X 412 D vorliegenden Vers beziehen, den Diels Herm. XXIII 279 einem früheren Abschnitte der Dichtung, der gastlichen Aufnahme bei Polyxenos, zuteilen wollte. Es heißt da γέρων τε ὧν

ἤσθιεν ἀρπαλέως κρέα τ' ἄσπετα καὶ μέθν ἠδυ. Als ,Greis¹ lasse sich der Held eher nach der Rückkehr aus Thesprotien bezeichnen denn bei der Fahrt nach Elis.

Daß der Zusammenhang dieses thesprotischen Abenteuers mit dem übrigen ein sehr lockerer war, fühlte man schon im Altertum. Denn sonst hätte nicht behauptet werden können - vgl. Clemens Strom, VI 25, 1 (II 442 Stählin), der eine Schrift über Plagiate benutzt (Stemplinger 76, Aristobulos περὶ κλοπῶν? v. Wilamowitz Hom. Unt. 347) -, Eugammon der Kyrenäer habe das Buch über die Thesprotis aus Musaios (s. frg. 6 Diels) entnommen und als eigenes Werk ausgegeben; vgl. v. Wilamowitz ebenda 188. Stemplinger 661. We 1 cker D. ep. Cycl. P 292 meinte, ein Anhänger des ,Musaios¹, d. h. einer, der die Apokryphen für echt hielt, habe das Gedicht wegen der darin wahrnehmbaren Neigung zu Opfern und Orakeln bearbeitet, während Hartmann 59 der Ansicht ist, das Epos Telegonie habe man unter dem Namen Thesprotis auch dem Musaios beigelegt.

Eine selbständige Version des thesprotischen Abenteuers kann das bei Paus. VIII 12, 5 erwähnte Gedicht θεσπρωτίς (FEG I 218 K.) gewesen sein, das Lobeck Aglaoph. 310 wegen der Ähnlichkeit des Stoffes mit dem betreffenden Teile der Telegonie für identisch hielt (derselben Ansicht ist Hartmann 58f.), während Gercke 313 es für das dem Musaios zugeschriebene Gedicht ansehen möchte. Darin war von einem Sohne [2433] des Odysseus Ptoliporthes die Rede, den Peneiope dem Helden nach der Rückkehr ,aus Troia* gebar, während er ihn nach [‌Apollod.] Epit. VII 35 W, bei der Heimkehr aus Thesprotien vorfand. Letzteres scheint die richtige Fassung zu sein. Die Lesart des Sabbaiticus Πολιπόρθην... γεγενημενην hat Wagner zu γεγεννημενον richtigge-stellt. Auch diesen Sagenzug bezieht Hartmann 57f. entsprechend seiner Ansicht über das Verhältnis der ,Thesprotis* und Telegonie, auf dies letztere Gedicht.

Aus den angeführten verschiedenen Elementen erstand die schließliche Fassung der Telegonie. wie man sie beiläufig aus Proklos’ Angaben entnehmen kann, wohl im 6. Jhdt. durch die Redaktion eines Ordners oder Bearbeiters in Kyrene, dem man den Namen Eugammon gab oder der wirklich so hieß. Hierbei wurden gewisse Motive aus der Odyssee benutzt oder verwertet, wie XI llöff. XIII 358f. XIX 287 u. a.

Das Motiv des Suchens nach dem verschollenen Vater, das in der Telemachie zu glücklichem Ausgange führt, während es in der Telegonie ins Tragische gewendet erscheint, wurde nachmals in der von Sophokles dramatisch bearbeiteten Sage von Euryalos, dem Sohne des Odysseus und der Thesproterin Euippe, noch weiter ausgeschöpft. Dieser wurde, als er auszog, den unbekannten Vater zu finden, auf Ithaka von seinem Stiefbruder Telemachos mit Absicht erschlagen. Diesmal findet also der suchende Sohn den Tod; vgl. J. Schmidt in Roschers Myth. Lex. III 628. Wagner o. Bd. VI S. 1317. Hartmann 182ff. 205.

Eine Umformung scheint schließlich diese Version in alexandrinischer Epoche erfahren zu haben; bei Parthenios 3 ist es Odysseus, der den Euryalos tötet; es gelangte somit in der dieser Erzählung wahrscheinlich zugrunde liegenden Dichtung das ursprüngliche Motiv zu völliger Umkehrung, vgl. Hartmann 201 und 224. Über den letzten entarteten Ableger dieser Mythen, die Kassiphonesage, s. Hartmann 152 und 223.

Wichtigere Literatur, a) Sammlungen der Fragmente der Kykliker: K. W. Müller De cyclo Graecorum epico et poetis cyclicis, Leipzig 1829. Dübner Cycli epici reliquiae (hinter Hom. Carm. ex rec. Dindorf.), Paris 1837. Düntzer Die Fragmente der ep. Poesie d. Griechen, Köln 1840. Kinkel Epicorum Graec. fragmenta 1, Leipzig 1877. Allen Homeri opéra V, Oxford (1912) 93ff„ dazu Claas. Review XXVII 189ff. Evelyn-White Hesiod etc. London 1914, 479ff. Einzel-sammlungen der Bruchstücke: Titanomachie: bei Aly Hesiods Theogonie, Heidelberg 1913, 66f.- Thebais: Leutsch Thebaidis cycl. reliquiae, Göttingen 1830.

b) Literarhistorisches. 1. Zum K. überhaupt: Welcker Der epische Cyclus I ² Bonn 1865. II² Bonn 1882 (Proklos Chrestom. u. die Bruchstücke II² 493ff.). Niese Die Entwicklung der homer. Poesie, Berlin 1882. Befgk Griech. Literat.-Gesch. 11, Berlin 1883. v. Wilamowitz Homerische Unters., Berlin 1884. Volkmann Über Homer als Dichter d. episch. Kyklos, Jauer 1884. Christ Zur Chronologie d. altgriech. Epos, S.-Ber. Akad. Münch. 1884, 1ff. Monro The poems of the epic cycle, Journ. hell. stud. V 1ff. Thrae- [2434] mer Pergamos, Leipzig 1888. Kjellberg De cyclo epico, Upsala 1890. Crusius Zur Kritik d. antik. Ansichten üb. d. Echth. hom. Dichtungen, Philol. LIV 723ff. (über kykl. Epen). Blaß Die Interpolationen in der Odyssee, Halle 1904. Allen The epie cycle, Claas* Quart. I (1907) 135ff. II (1908) 64Æ 81ff. Mülder Die Ilias und ihre Quellen, Berl. 1910. Bethe Homer Illias, Leipz, 1914. v. Wilamowitz D. Ilias u. Homer, 10Berlin 1916. Pinsler Homer², Leipz. 1918.

2. Zu Proklos’Exzerpten: Schreiber Über das sog. Fragment in den Proklosexcerpten des ep. Cyclus, Herm. X 305ff. Wissowa Über die Proklosexcerpte im Cod. Ven. A der Ilias, Henn. XIX 198ff. Bethe Proklos u. d. epische Cyclus, Herm. XXVI 593ff. Wentzel Neue phil. Rundschau 1891, 353ff. Wagner Proklos u. Apollo-Doros, Jahrb. f. Phil. 1892, 241ff. Romagnoli Studi ital. di filol. class. IX 35ff. Robert Oidi-20pus, Berlin 1915, I 543ff. Hartmann Unters, über d. Sagen vom Tod des Odysseus. München 1917, 5ff.

3. Arbeiten hauptsächlich archäologischer Art: Overbeck Gallerie heroisch. Bildwerke der alt. Kunst I. Die Bildwerke z. theban. u. troischen Heldenkreis, Braunschweig 1853. Jahn Griech. Bilderchroniken, herausgeg. von Michaelis, Bonn 1873. Mancuso La tabula Hiaca del Museo Capit., Mem. d. Accad. deiLincei ser. 5 XIV 1911, 30 662ff. Brunn S.-Ber. Akad. Münch. 1880, 167ff. Luckenbach Das Verhältnis d. griech. Vasenbilder zu d. Gedichten d. ep. Kyklos, Jahrb. f. Phil. XI Suppl.-Bd. 1880, 491ff. Robert Bild u. Lied, Berl. 1881. A. Schneider Der troische Sagenkreis in d. ältest. griech. Kunst, Lpz. 1886. Robert Homer. Becher, Berl. 1890. Loeschcke Bonner Studien f. Kekulé, Berlin 1890, 248ff. Winter Arch. Jahrb. XIII 1898, 80ff. Pomtow Klio VIII 1908, 186ff. und 3O2ff. Studniczka 40 Arch. Jahrb. XXVI 1911, 132ff. Lung Memnon, Bonn 1912. Loewy Zur Aithiopis, Ilb. Jahrb. XVII 1914, 81ff. Picard Rev. archéol. 4. sér. XXIII 1914, 223ff.

4. Zu einzelnen kyklischen Epen, a) Titano-machie: Dietze Zur kykl. Theogonie, Rh. Mus. LXIX522ff. b)ThebanischeEpen: Immisch Klaros, Jahrb. f. Philol. XVII Suppl.-Bd. 1890. Bethe Thebanische Heldenlieder, Leipzig 1891. Corssen Die Antigone d. Sophokles, Berl. 1898. 50Wecklein Die kykl. Thebais, die Oedipodee, die Oedipussage und der Oedipus des Eurip., S.-Ber. Akad. Münch. 1901, 661ff. Legras Les légendes Thébaines, Paris 1905. Friedländer Krit. Unters, z. Gesch. d. Heldensage, Der Krieg um Theben, Rh. Mus. LXIX 318ff. Punzi Studi ital. XVIII 171ff. Corbellini ebd. XIX 337ff. Robert Oidipus, Berl. 1915; Gr. Heldensage876ff. Kirchhoff Kampf d. Sieb. v. Theb., Münst. 1917 c) Troische Epen: Staehlin Dioskurenmythos 30 (bei Pindar), Philol. LXII 182ff. Förster Zu Achilleus u. Polyiena, Herm. XVII 193 und XVIII 475. Chavannes De Palladii raptu, Berlin 1891. Noack Iliu Persis, Gießen 1890. Kern Der antike Astyanaxmythos, Philol. LXXV 183ff. Immisch Lescheos-Lesches, Rh. Mua. XLV1I1 290ff. W. Schmid Lesches, Rh. Mus. XLVIII 626ff. Dümmler Kl. Schr. Leipz. 1901, II 379ff (Die Quellen zu Polygnots Nekyia). Olivieri Riv. di [2435] filol. XXV 570ff. Gercke Telegonie und Odyssee, Hb. Jahrb. VIII 1905, 313ff. Vürtheim De Eugammonis Cyrenaei Telegonia, hinter der Schrift De Aiacis orig, cultu patria, Leyden 1907, 183ff. Hartmann Unters, über die Sagen vom Tode des Odysseus, München 1917, 44ff. (Telegonie).

[Rzach. ]