RE:Tribunus 11

Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Tribunus et notarius, vielfältig einsetzbarer Geheimsekretär in der Spätantike
Band VI A,2 (1937) S. 24532454
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11) Tribunus et notarius (vgl. Tribunus militum nr. 6). Den Titel tribunus fuhren auch ein Teil der kaiserlichen Geheimsekretäre der von Constantin errichteten schola notariorum, der ,höchsten kaiserlichen Reichskanzlei*. Der erste Beamte ist der primicerius, der auf der Wachstafel (cera) der Notare zuerst verzeichnete Beamte. Der zweite ist der tribunus ac notarius. Wie jener steht er beim Eintritt in den Ruhestand, dem Proconsul, also seit der Verwaltungsreform Diocletians dem Statthalter von Asien, Africa und Achaia (Stein Gesch. d. spätröm. R. I 103) im Range gleich. Ebenso führen die nächstfolgenden Geheimsekre-täre, die nach Vollendung ihrer Dienstzeit den vicarii, also den obersten Leitern der 12 von Dio-cletian eingerichteten Diözesen des Reiches, an Rang gleichkommen, den Titel notarii et tribuni, während die dritte Klasse als protectores et domestici Centurionen sind (Çod. Theod. VI 10, 2 u. sonst. Ammian. Marc. XVII 5, 15. Mommsen Ges. Schr. VIII 423 nr. 34. 440. v.Doma-a z w e s k i Rangordnung 188).

Ursprünglich aus Stenographen hervorgegangen (Liban. or. II 319 Förster. Vgl. Kübler Gesch. d. rom. Rechts 321), hatten sie diesen hohen Rang erlangt, weil ihnen principis secretum et consilium anvertraut war und sie gewissermaßen wie die Schränke, in denen die Urkunden verschlossen werden, unverbrüchliches Stillschweigen bewahren sollten (Cassiod. var. VI 16). Sie sind die Schriftführer im Consistorium des Kaisers, das Constantin an Stelle des alten consilium principis eingesetzt hatte (Cod. Theod. VI 35, 7: intra consistorii secreta veneranda notariorum funguntur officio) und führen als solche das sog. laterculum maius, d. h. omnium dignitatum et administra-tionum notitia tam militarium quam civilium (Not. dign. or. XVIII; occ. XVI), das Verzeichnis der hohen Offiziers- und Beamtenstellen, die nicht auf ! Vorschlag dee quaestor sacri palatii besetzt werden, das uns aus dem Beginn des 5. Jhdts. erhalten ist. Sie werden aber auch gelegentlich im kaiserlichen Auftrag in die Provinzen entsandt und können dann auch übergeordneten Beamten Weisungen erteilen (Karlowa R. Reehtsgesch. I 845L Mommsen Ges. Schr. VI 392f. L é c r i-v a i n Art. notarii, Dictionnaire v. Daremb.-Sagl. Ba but Rev. hist. CXVI [1914] 256L Krüger Geech. d. r. R. 321, 5f. Stein Gesch. d. f spätröm. Beiches 171). Wie Babut insbesondere aus den zahlreichen Stellen bei Ammianus dargelegt hat, handelt es sich um Aufträge in Fragen der kaiserlichen Rechtsprechung und Politik (Amniian. Marc. XIV 9, 3. XVII 9. XXI 7, 2. XIV 11, 21. 23. XXVIII 1, 12. XIV 5, 6. XXVIII 6, 12. XX 9, 9), um diplomatische Aufträge (XVII 5, 15. XXI 4, 2), die früher auch von [2454] Centurionen ausgeführt wurden (Tac. ann. II 65: Deligit centurionem, qui nuntiaret regibus ne armis disceptarent), um militärische Aufgaben, die zeigen, daß wir diese T. als wirkliche Offiziere betrachten müssen (XXI 7, 2. XXVI 5, 14. XX 4, 2. XXVIII 2, 5–9. XXX 3, 2), zumal sie auch selbst an den militärischen Unternehmungen teilnehmen können (XXIV 4, 23). Auch in den Fragen der Religionsstreitigkeiten und der Aburteilung der 10 deswegen Angeklagten schicken die Kaiser die Notare, so Constantius an Athanasius (Athan, hist. Arian, 48; Apol. ad Constant. 21), Valentinian II. an Ambrosius (ep. XXI 1), Arcadius an Ioh. Chrysostomos (ep. ad Innoe. 2), Honorius gegen die Donatisten in Africa. So leitet auch der t, et n. Flavius Marcellinos, der Bruder des Proconsuls von Africa Apringius, die Religionsgespräche zwischen Katholiken und Donatisten am 1., 3. und 8. Juni 411 (s. Art. Marcellinus Nr. 23 20 o. Bd. XIV S. 1445) und führt die Untersuchung in einem Kapitalprozeß gegen Donatisten, die der Ermordung und Verletzung katholischer Priester beschuldigt waren, wobei Augustinus auch ihn wie früher den Proconsul bat, wenigstens nicht die Todesstrafe zu verhängen (ep. 133. Vgl. Seeck Untergang III 363f.). Die Verwendungsmöglichkeit der t. et n. - denn um diese «handelt es sich, auch wenn Ammianus nur den Titel notarius gebraucht (B a b u t 256, 7) - trifft aber auch für andere Aufgaben der kaiserlichen Regierung zu.

Sie ist so unbeschränkt wie die kaiserliche Gewalt selbst. Besondere gerne bediente sich Constantinus der Notare.

[Lengle. ]