Schloß Borgholm auf Oeland

Monterey in Kalifornien Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Achtzehnter Band (1857) von Friedrich Hofmann
Schloß Borgholm auf Oeland
Die Martinskirche zu Landshut
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SCHLOSS BORGHOLM
(Auf Borgholm in der Ostsee)

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Schloß Borgholm auf Oeland.




An wenigen Vesten hängt so viel Blut, als an den verfallenden Mauern der Burg, welche dem Leser unser Bild zeigt. Schloß Borgholm war Jahrhunderte lang der Zankapfel zwischen den Skandinaviern des Festlands und der Inseln, den Schweden und den Dänen.

Borgholm liegt auf der Westseite der an der Ostküste Südschwedens lang hingestreckten Insel Oeland. Es ist ein wunderbares Stückchen Erde, dem die Laune der Großen allerlei Schicksal zugemuthet hat. Die Natur allein hat es gut mit ihm gemeint; sie hat ihm in seinem mittleren Theile, dem sogenannten Midlandsdal, anbauwürdigen Boden gegeben, die schmale lange Nordspitze der Insel mit prächtigen Waldungen bedeckt, zwischen, welchen reiche Steinbrüche der fleißigen Menschenhand Gewinn bringen, während der langgedehnte Süden durch Ackerbau und Viehzucht seinen Mann nährt. Die Westküste ist flach, die Ostküste wird von einem sandigen Bergzuge begrenzt, Landborg genannt. Der Südtheil ist so holzarm, daß man Kuhmist zur Feuerung braucht, ein Anzeichen, daß die Bewohner der Insel, deren Zahl jetzt auf 28,000 angegeben wird, zum großen Theil der Unbehülflichkeit der vielgepriesenen „guten alten Zeit“ noch schwere Opfer bringen müssen.

Das Leben der Oeländer, muthiger und kräftiger Schweden, ist mäßig und derb. Landbau, Viehzucht, Fischerei, Steinbrechen und Kalkbrennen nährt sie, ohne ihnen die verzärtelnde Schmeichelei des Luxus nur von Weitem zu zeigen. Sogar ihre einfache Kleidung besteht aus „hausgemachtem“ Zeuch. Bringt auch der Ackerbau bei dem mangelhaften Betriebe desselben oft kaum das vierte Korn und straft den Schlendrian nicht selten mit Mißernten, so schadet das dem im Allgemeinen herrschenden Wohlstande doch nur wenig; man führt eben Getreide ein, während Butter, Vieh, Pferde, Wolle, Kalk, Alaun und Fische einträgliche Ausfuhrartikel der Insel sind. Die Pferde sind kleine, aber muntere und kräftige Thiere und im ganzen Norden bekannt unter dem Namen der Oelandsklepper.

Schön ist’s von der Insel, daß sie auch ihren Blocksberg hat; sie bedurfte desselben, denn bis zum Jahre 1802 – bis dahin war ganz Oeland ein königlicher Thiergarten! – ist von dem gehetzten und geplagten Volke gar Mancher zum Teufel gewünscht worden. Oelands Brocken stellt ein Felsen bei Akerbo vor. Er ist von schwarzem Moose überzogen und mit einem lebensgefährlichen Kranz von Klippen umgeben. Der Schiffer von der See, wie der Wanderer vom Lande her nahen sich der schauerlichen Stelle nie ohne Grausen. Die Volksversammlungen der Dämonen, die zum nicht geringen Theil von den Wünschen des Volkshasses hierher verbannt [69] worden sind, finden alljährlich am grünen Donnerstage Statt. Da wimmelt Fels und Schlucht von Hexen und Zauberern, und „die wilde Jagd“, von vielen gekrönten Waidmännern geführt, soll dem Unfug des „Wüthenden Heers“ der Deutschen wenig nachgeben.

Das einst sehr feste Schloß Borgholm ist ein uraltes Bauwerk. Vom Besitz dieser Veste hing Jahrhunderte lang der der ganzen Insel ab. Bei der Lage Oelands zwischen Kopenhagen und Stockholm mußte es in allen Kriegszügen bald wichtiger Stützpunkt, bald Kampfplatz sein, und sowohl während der blutigen Herrschaft der Dänen, wie während des schwedischen Regiments war Schloß Borgholm häufig der Ort, wohin die Könige sich durch noble und auch ignoble Passionen gezogen fühlten. Die Wichtigkeit der Veste sank mit ihren Mauern. Jetzt ist der altersgrauen Ruine nur die Ehre geblieben, zur Zierde der jüngsten Stadt Schwedens und der einzigen Oelands zu dienen. Die Stadt Borgholm besteht erst seit dem Jahre 1816. Sie hat einen königlichen Hof, schöne Kirche und das Postbureau für die ganze Insel. Der Handel von hier ist ziemlich lebhaft und der jährliche große Markt ist ein vielbesuchtes Volksfest,

Da suchen die Alten die alten Gefährten,
Da freut sich der Wandel des Handels,
Da drücken die Hände sich froh, die bewährten,
Da freut sich der Handel des Wandels!
Die alten Herzen durchzittert das Bangen
Vor den Tagen, den sinkenden, schwachen,
Und die jungen Herzen durchbebt das Verlangen,
Ja, die jungen Herzen, die lachen!.