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| Krausche, Carl Samuel: Camenzer Wochenschrift, 26. März 1848 | |
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Sie halten dafür, daß es der Würde eines edlen, für die Freiheit reifen Volkes angemessen sei, im Gefühle der ihren Anforderungen innewohnenden selbstredenden Kraft, mit Ruhe und Besonnenheit zu verfahren, und daß nur eine gesetzliche Entwickelung der Verhältnisse dauernd und von Segen sein könne.
Indem die Stände von Land und Städten erwarten, daß die Abgeordneten der Provinz dem neuen Ministerio ihre Unterstützung bei jedem besonnenen Fortschritte bieten werden, erwarten sie nicht minder deren entschiedene Forderung auf Herstellung der Ruhe und Ordnung und auf die Unterdrückung der Herrschaft von Parteien jeder Richtung, welche durch Einschüchterungen der ruhigen und besonnenen Bürger ihren Plänen Eingang sollten verschaffen wollen, und werden die alte Treue für König und Verfassung in jeder Zeit zu bethätigen wissen.
Inland. Während man in vielen
Städten über das Programm der neuen Minister
und diese selbst, seinen Jubel durch allgemeine
Illuminationen an den Tag gelegt
hat, beschloß man in Chemnitz statt der
Ilumination eine bleibende Stiftung zu einem
mildthätigen Zwecke zur Erinnerung an
dieses wichtige Ereigniß zu gründen. Es fand
jedoch am 20. d. auch eine kleine Festlichkeit
statt durch den Paradeaufzug der Communalgarde
auf dortigen Markt, Ansprache an
die sehr zahlreiche Versammlung, Absingung
von Liedern und schloß mit einem „Hoch“
auf das einige deutsche Vaterland. Unter
dem Geläute der Glocken zerstreuten sich hernach
die Theilnehmer an der Festlichkeit.
Eine ähnliche Feier scheint uns auch für unsere
Stadt, statt der kostspieligen Illumination,
angemessen, insofern man nämlich eine
Feierlichkeit für nöthig findet. Die Vereidung
des Militairs auf die Verfassung hat
in Dresden und Leipzig am 22. stattgefunden.
Beide Städte waren Abends glänzend
illuminirt.
Wie man hört, hat der König dem Stadtrath Oberländer aus Zwickau das Ministerium des Innern und dagegen dem Staatsminister von der Pfordten das Ministerium der auswärtigen Angelegenheiten und des Kultus übertragen.
Bei seiner Anwesenheit in Zwickau hat R. Blum das Ehrenbürgerrecht dieser Stadt erhalten. Nachstehender Zuruf wurde ihm in der dasigen Volksversammlung gewidmet:
Dem Mann des Wortes und der Kraft,
Der bieber, deutsch und ehrenhaft,
Der frei und wahr, der treu und fest,
Des Volkes Sache nie verläßt,
Desort in’s Herz des Volkes flammt,
weil er – nur aus dem Bolke stammt,
Den, als die Sach’ am Schlechtsten stand,
Sein Bolk doch niemals zaghaft fand,
Der nie geschwanket noch gewankt,
Dem Sachsen seine Freiheit dankt,
Daß nicht der Bajonette Schaar,
Der es bewiesen offenbar,
Daß nur allein der freie Mann
Das Volk in Ruhe halten kann,
Der Sachsens Stolz und Deutschlands Ruhm:
unserm Mitbürger Robert Blum!
Das Schloß Purschenstein bei Freiberg, Herrn v. Schönberg gehörig, soll von den Bauern in Klausnitz, Kammerswalde etc. mit Niederbrennen bedroht seyn. Die Forderungen derselben sind denen im südwestlichen Deutschland so ziemlich gleich. Der Besitzer u. seine Familie, der Gerichtsdirektor und Rendant haben sich bereits nach Freiberg geflüchtet.
Wie man hört, sollen in Zittau Ercesse vorgekommen seyn, veranlaßt von den Webern der umliegenden Fabrikdörfer wegen der ihnen Seiten der Stadt auferlegten drückenden Lasten.
Deutschland. Die bei dem Aufstand in Wien am 12.–14. März Gefallenen sind am 19. unter zahlreichster Begleitung des Volks feierlich beerdigt worden. Die vom Kaiser gemachten Concessionen haben in ganz Oesterreich, Ungarn und Böhmen große Freude erregt und Alles vereinigt sich dahin, den Frieden und die Ruhe und die Sicherheit des Eigenthums zu erhalten.
Berlin. Die Bürger Berlins haben nach tapfern aber leider sehr blutigen Kampf vollständig gesiegt und der König fängt nun an theils Concessionen, theils Versprechungen, die in sehr großbodige Proklamationen an
Krausche, Carl Samuel: Camenzer Wochenschrift, 26. März 1848. C. S. Krausche, Kamenz 26. März 1848, Seite 2. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Camenzer_Wochenschrift_1848-03-26.pdf/2&oldid=- (Version vom 27.7.2025)