Camenzer Wochenschrift, 26. März 1848

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Nr. 14.

Camenzer Wochenschrift.


Sonntag, den 26. März 1848.



Die Wochenschrift erscheint 2 Mal wöchentlich, Sonntags und Donnerstags, und kostet vierteljährlich 7 Ngr. 5 Pf., für welchen Preis sie durch die Post zu beziehen ist. Einzelne Nummern kosten bei 1 ganzen und ¾ Bogen 6 Pf., bei ½ Bogen 4. Pf. – Inserate, die darin aufgenommen werden sollen, wolle man gef. bis Sonnabend Mittag und Dienstag Abend einsenden.


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Bekanntmachung.

Es würde in einer Zeit, in welcher die wichtigsten Interessen der Nation überall in Versammlungen besprochen werden und alle Gemüther in einer großen Spannung sich befinden, auch die Bewegung in einzelnen Theilen des Landes einen sehr ernsten Character annehmen, ein Vergessen der Pflichten der Directorien der Provinzialstände gewesen sein, hätten sie Anstand nehmen wollen, der ständischen Corporation Gelegenheit zu geben, sich über diesen Gegenstand zu berathen und namentlich das Ergebniß ihrer Erfahrungen über die Beurtheilung der zeitherigen Wirksamkeit des Ministerii, geschöpft aus der Kenntniß der Stimmung der Bevölkerung der Oberlausitz in allen ihren Theilen, auszusprechen, da diese Frage den zum 20. März d. J. zusammenberufenen allgemeinen Landständen vorgelegt werden sollte.

In Folge dieser Betrachtung hatten die Directorien von Land und Städten einen außer ordentlichen Landtag auf den heutigen Tag verfassungsmäßig einberufen, zu welchem sich eine große Anzahl von Ständen der Städte, der Ritterschaft und des Bauernstandes eingefunden hatten.

In dieser Versammlung vereinigte man sich, nach einer längern, sehr lebhaften Besprechung über die zeitherige Wirksamkeit der Minister, über die Wichtigkeit der jetzigen Zeitereignisse für ganz Deutschland und insbesondere für Sachsen, über die Anerkennung des dringenden Bedürfnisses einer Kräftigung des Volkslebens und der erwachten deutschen Nationalität, über die Gewährung zeitgemäßer Institutionen, sowie über das unbedingte Erforderniß bei dem Fortschreiten der Entwickelung mit Besonnenheit und Rube zu verfahren, dahin, das Gesammtresultat der gewonnenen Ansichten in einem Landtagsschlusse zu veröffentlichen, um den Bewohnern der Oberlausitz Kenntniß zu geben von der Auffassung dieser Angelegenheiten Seitens ihrer Vertreter auf den Provinziallandtagen.

Dieser Landtagsschluß lautet wie folgt:

Die Stände von Land und Städten befinden, daß die Aussprechung der in der Provinz über die zeitherige Wirksamkeit des Ministerii zu ihrer Kenntniß gekommenen Beurtheilung, nach erfolgter Abtretung desselben, sich erledigt habe.
Sie beklagen nur, daß nicht gleich anfänglich diejenigen Erklärungen gegeben worden sind, welche ohnbeschadet der gesetzlichen Sanction durch die allgemeine Ständeversammlung zur Beruhigung der aufgeregten Gemüther hätten beitragen können, um so mehr, als die factische Auflösung der Thätigkeit des Bundestages jeder einzelnen Regierung die zu treffenden Maßregeln anheim geben mußte.
Sie theilen den Wunsch der deutschen Volksstämme, nach einer engern Verbindung des gesammten deutschen Vaterlandes, nach einer festen und sichern Leitung der deutschen Angelegenheiten auf eine, dem deutschen Volksbewußtsein entsprechende und dasselbe belebende Weise; sie halten Preßfreiheit, Oeffentlichkeit und Mündlichkeit des Prozeß-Verfahrens, Schwurgerichte und vollständige Freiheit der Religionsübung für ein dringendes Bedürfniß der Zeit, sowie auch sie alle diejenigen Institutionen herbeigeführt zu sehen wünschen müssen, welche der besonnene und friedliche Bürger zur Entwickelung eines frischen, kräftigen Volkslebens, ohne Gefahr für die wahre Freiheit, zu fordern, sich berechtigt halten kann.

27r Jahrgang. [2] Sie halten dafür, daß es der Würde eines edlen, für die Freiheit reifen Volkes angemessen sei, im Gefühle der ihren Anforderungen innewohnenden selbstredenden Kraft, mit Ruhe und Besonnenheit zu verfahren, und daß nur eine gesetzliche Entwickelung der Verhältnisse dauernd und von Segen sein könne.

Indem die Stände von Land und Städten erwarten, daß die Abgeordneten der Provinz dem neuen Ministerio ihre Unterstützung bei jedem besonnenen Fortschritte bieten werden, erwarten sie nicht minder deren entschiedene Forderung auf Herstellung der Ruhe und Ordnung und auf die Unterdrückung der Herrschaft von Parteien jeder Richtung, welche durch Einschüchterungen der ruhigen und besonnenen Bürger ihren Plänen Eingang sollten verschaffen wollen, und werden die alte Treue für König und Verfassung in jeder Zeit zu bethätigen wissen.

Budissin, am 15. März 1848.
Die Directorien von Land und Städten des Königl. Sächs. Markgrafthums Oberlausitz.
 von Thielau. Starke.




Inland. Während man in vielen Städten über das Programm der neuen Minister und diese selbst, seinen Jubel durch allgemeine Illuminationen an den Tag gelegt hat, beschloß man in Chemnitz statt der Ilumination eine bleibende Stiftung zu einem mildthätigen Zwecke zur Erinnerung an dieses wichtige Ereigniß zu gründen. Es fand jedoch am 20. d. auch eine kleine Festlichkeit statt durch den Paradeaufzug der Communalgarde auf dortigen Markt, Ansprache an die sehr zahlreiche Versammlung, Absingung von Liedern und schloß mit einem „Hoch“ auf das einige deutsche Vaterland. Unter dem Geläute der Glocken zerstreuten sich hernach die Theilnehmer an der Festlichkeit. Eine ähnliche Feier scheint uns auch für unsere Stadt, statt der kostspieligen Illumination, angemessen, insofern man nämlich eine Feierlichkeit für nöthig findet. Die Vereidung des Militairs auf die Verfassung hat in Dresden und Leipzig am 22. stattgefunden. Beide Städte waren Abends glänzend illuminirt.

Wie man hört, hat der König dem Stadtrath Oberländer aus Zwickau das Ministerium des Innern und dagegen dem Staatsminister von der Pfordten das Ministerium der auswärtigen Angelegenheiten und des Kultus übertragen.

Bei seiner Anwesenheit in Zwickau hat R. Blum das Ehrenbürgerrecht dieser Stadt erhalten. Nachstehender Zuruf wurde ihm in der dasigen Volksversammlung gewidmet:

Dem Mann des Wortes und der Kraft,
Der bieber, deutsch und ehrenhaft,
Der frei und wahr, der treu und fest,
Des Volkes Sache nie verläßt,
Desort in’s Herz des Volkes flammt,
weil er – nur aus dem Bolke stammt,
Den, als die Sach’ am Schlechtsten stand,
Sein Bolk doch niemals zaghaft fand,
Der nie geschwanket noch gewankt,
Dem Sachsen seine Freiheit dankt,
Daß nicht der Bajonette Schaar,
Der es bewiesen offenbar,
Daß nur allein der freie Mann
Das Volk in Ruhe halten kann,
Der Sachsens Stolz und Deutschlands Ruhm:
unserm Mitbürger Robert Blum!

Das Schloß Purschenstein bei Freiberg, Herrn v. Schönberg gehörig, soll von den Bauern in Klausnitz, Kammerswalde etc. mit Niederbrennen bedroht seyn. Die Forderungen derselben sind denen im südwestlichen Deutschland so ziemlich gleich. Der Besitzer u. seine Familie, der Gerichtsdirektor und Rendant haben sich bereits nach Freiberg geflüchtet.

Wie man hört, sollen in Zittau Ercesse vorgekommen seyn, veranlaßt von den Webern der umliegenden Fabrikdörfer wegen der ihnen Seiten der Stadt auferlegten drückenden Lasten.

Deutschland. Die bei dem Aufstand in Wien am 12.–14. März Gefallenen sind am 19. unter zahlreichster Begleitung des Volks feierlich beerdigt worden. Die vom Kaiser gemachten Concessionen haben in ganz Oesterreich, Ungarn und Böhmen große Freude erregt und Alles vereinigt sich dahin, den Frieden und die Ruhe und die Sicherheit des Eigenthums zu erhalten.

Berlin. Die Bürger Berlins haben nach tapfern aber leider sehr blutigen Kampf vollständig gesiegt und der König fängt nun an theils Concessionen, theils Versprechungen, die in sehr großbodige Proklamationen an [3] das Volk eingekleidet, zu geben. So ist vollständige Bewaffnung der Bürger und Schutzbeamten gestattet, die Censur aufgehoben, der Landtag einberufen, das zeitherige hocharistokratische Ministerium entlassen und theilweise durch freisinnige Männer, wie Camphausen und Bornemann, besetzt und das sämmtliche Militair aus der Stadt geschickt worden, so daß auf den Straßen kein Soldat mehr zu sehen ist. Alle öffentlichen Gebäude, so wie das Schloß und das Hotel des Prinzen von Preußen (Bruder des Königs), gegen welchen die Volksaufregung sehr groß und welcher flüchtig ist, sind mit der deutschen (schwarz-roth-goldenen) Fahne geschmückt und mit der Aufschrift: „Nationaleigenthum“ bezeichnet, ebenso auch die Ministerhotels. Die verurtheilten Polen sind freigegeben und wurden im Triumphzuge (die 6 zum Tode verurtheiten in einem Wagen und bekränzt) auf den Schloßplatz geführt, wo der König, zum Erscheinen genöthigt, einige Worte zur Menge sprechen mußte. Am 20. Abends war Berlin festlich erleuchtet, alle Bewohner blickten freudig erregt und mit Selbstvertrauen auf das in den drei Tagen des Kampfes Errungene. Dieser Jubel hätte füglich noch wenigstens so lange zurückgehalten werden können, bis die königl. Versprechungen erfüllt worden, denn man lasse sich nur einige Vortheile wegschnappen, so werden die Versprechen eben so wenig gehalten, als die vor 33 Jahren bereits gegebenen. – Die Summe der auf beiden Seiten am 18. und 19. Gebliebenen wird auf 1500 angegeben, wovon der größte Theil am 22. sehr feierlich beerdigt ward. Dieses furchtbare Blutbad soll nur durch verschiedene Mißverständnisse veranlaßt seyn; von welcher Seite? davon freilich wird nichts gesagt. – Uebrigens sollen die Geschäfte wieder ungestört fortgehen und kein Grund zu neuen Befürchtungen vorhanden seyn, da es des Königs ernster Wille sey, des Volkes Wünsche zu erfüllen. – Nach Entfernung der Truppen hat sich der König unter den Schutz des Volkes gestellt und alle Posten, selbst die Kasernenwachen und das königl. Schloß sind mit Bürgern besetzt. – In Königsberg, Görlitz, Breslau und andern Städten hat's Ercesse gegeben und sollen in Breslau 50 Personen durch die Soldaten getödtet worden seyn.

In Breslau sieht es trübe aus; die Arbeiter und Proletarier haben sich der Bewegung bemächtigt, die Behörden haben aufgehört. Nach Berichten vom 21. ist Breslau eine Republik. Oberbürgermeister Pinder ist Diktator. Alle Posten, die von Berlin kommen, werden von einigen hundert bewaffneten Bürgern sogleich auf dem Bahnhofe in Empfang genommen und nach dem Rathhause gebracht. Alle Briefe an die Regierung werden erbrochen, Privatbriefe der Post übergeben, die an der Brandenburg werden ihm von einer Deputation überbracht, in deren Gegenwart er sie öffnen und den Inhalt, wenn er nicht rein privatlich ist, sogleich mittheilen muß. Die Versammlung vor dem Rathhause dauerte am 20. Abends bis halb 1 Uhr. Ein Wald von Bajonetten und Spießen. Die blutigen Scenen in Berlin haben die Gemüther aufs Höchste gereizt. Man reißt sich um jedes geschriebene oder gedruckte Blatt aus Berlin. Der Ausruf: „Nieder mit dem Könige, wir werden auf’s Neue betrogen!“ läßt sich unter der Menge oft hören. Am 21., Abends, wurden gegen 6000 Gewehre aus dem Zeughause den Burgern und Studenten ausgeliefert. Der Gruß: „Guten Tag Bürger,“ will ganz in Aufnahme kommen. Nachmittags war große Volksversammlung vor dem k. Schlosse. Am 21. Morgens ist eine Deputation nach Berlin gegangen, um dem Könige zu sagen, daß sich Breslau nicht eher beruhige, als bis er eine Nationalversammlung berufen, die eine freie Constitution entwerfe. (Stsbztg.)

Posen und Polen ist im Aufstande! Gegen 150,000 Russen sollen an der polnisch -preußischen Grenze stehen. In Posen haben die Polen eine Proklamation erlassen; überall weht die polnische Fahne; die ganze Umgegend Posens ist im Aufruhr, fortwährend steigt die Aufregung. Von Seiten des Militairs ist noch nichts geschehen, aber alle Plätze besetzt und die Kanonen aufgefahren. – Ihr Polen, Glück auf!

Der König von Baiern hat der Gräfin [4] von Landsfeld das Indigenat entzogen und angeordnet, daß sie bei Betretung Baierns sofort verhaftet werden soll. Dieser Entschluß ist aber nicht etwa aus freiem Antriebe, sondern auf dringendes Verlangen des Volkes reif geworden. Nach neuen Nachrichten hat der Dichterkönig Ludwig von Baiern am 20. März freiwillig zu Gunsten des Kronprinzen der Krone entsagt.

Auch der König von Hannover soll ich endlich zur Nachgiebigkeit gegen die Volkswünsche entschlossen haben, wahrscheinlich durch die Vorgänge in Wien und Berlin gewißigt. Doch kommt diese Nachgiebigkeit schon etwas zu spát, um zu verhindern, daß die Universitát in Göttingen sich auflöſe, denn bereits am 17. März hat die dasige Studentenschaft, tiefgekränkt in ihren Rechten, in Masse und in Begleitung einiger Professoren, diesen dunkeln, von der rohen Polizeigewalt verlegten Siz der Wissenschaften verlassen und sich nach Hamburg gewendet, wo man sie mit offenen Armen aufnimmt. hätten die Göttinger Bürger Muth genug gehabt, gegen den rohen Willen der Gewalt aufzutreten, so würden sie jetzt nicht der Verarmung blosgegeben worden seyn.


Redakteur und Verleger: C. S. Krausche.

Benachrichtigungen.

Backwaaren-Taxe für die Stadt Kamenz.

Eine Sechspfennig-Semmel wiegt 10 fth. 2 Qt.

Ein weißes Roggendreierbrod ", 12 "

Ein Dreipfennigbrod 10 3

Ein Pfund hausbackenes Brod kostet 6 Pf.

Kamenz, am 23. März 1848.

Der Stadtrath.
Haberkorn, Bürgermeister.

[283] Bekanntmachung

Am 22. d. M., Abends gegen 8 Uhr, sind aus der Thonschenke Müllers folgende Gegen stände:

1., ein zweispänniges Deckbett mit grau und blau gestreiftem Indelt und blau und weiß karrirtem Ueberzuge,

2., ein einspänniges Deckbett mit blau und grau gestreiftem Indelt und roth und weiß farrirtem Ueberzuge,

3., ein blaugefärbtes Säckchen mit ungefähr einem Pfunde geschlossenen Federn,

4., ein neues Pelzjäckchen mit Krimer vorgestoßen,

mittelst Ausbebung eines Fensters entwendet worden, welcher Diebstahl zur Entdeckung des Thaters hiermit bekannt gemacht wird.

Prietitz, am 23. März 1848.

Gräflich Bünau'sche Gerichte.
Naumann, GD.

[261]

Es sollen

Mittwochs, den 29. März a. c.,

auf Bullrizer Revier, in den sogenannten Bracken, 135 Eichen-Nußstücken, sowie mehrere Klaftern dergl. Nußholz, für Stellmacher und Böttcher wegen vorzüglicher Geradspaltigkeit sich besonders eignend, meistbietend gegen Baarzahlung in Münzsorten des Vierzehnthalerfußes verkauft werden.

Erstehungslustige wollen sich gedachten Tages

früh 8 Uhr

im Brackenschlage einfinden.

Brauna, den 21. März 1848.

Richter.

[284]

Nächsten Montag, Nachmittag von 2 Uhr an, sollen in Pulsniz verschiedene Mobilien, darunter eine große schöne Spieluhr, in dem zum Nachlasse der verstorbenen Frau Gierisch gehörigen Hause an den Meistbietenden verkauft werden.

Verzeichnisse sind im Erbhause und bei Unterzeichnetem zu sehen, werden auch an hiesigen öffentlichen Orten ausgelegt werden. Pulsnig, den 23. März 1848.

Raschi g.

[285]

Auf dem Rittergute Cunnersdorf werden gesunde Kartoffeln, der Scheffel mit 25 Ngr., verkauft.

[267]

Rothen und weißen Kleesaamen, Thimodeumgrassaamen und Düngegyps verkauft billigst

E. H. Reinicke in Radeberg.

Muster und Preis sind bei Hrn. Wüstner in Camenz einzusehen. D. D.

[286]

Die Kreisdirektion zu Bautzen, an deren Spitze der Bruder des abgefetzten Staatsministers v. Könneriß steht, bat ihre Gedanken über die Groß- und Kleinzschochersche Bauern-Adresse und deren Verbreitung, der Oeffentlichkeit nicht vorenthalten zu dürfen geglaubt. Ihre desfallsige Bekanntmachung vom 14. März liegt zwar ganz außer ihrer gesetzlichen Zuständigfeit, hat jedoch das Gute, daran zu erinnern, daß jene Adresse eine ganz zeitgemäße Forderung, nämlich die Kreisdirektionen ab- und wegzuschaffen leider vergessen hat.

Leipzig, den 18. März 1848.

Joseph, Abg. des I. bäuerl. Wahlbez.