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das Volk eingekleidet, zu geben. So ist vollständige Bewaffnung der Bürger und Schutzbeamten gestattet, die Censur aufgehoben, der Landtag einberufen, das zeitherige hocharistokratische Ministerium entlassen und theilweise durch freisinnige Männer, wie Camphausen und Bornemann, besetzt und das sämmtliche Militair aus der Stadt geschickt worden, so daß auf den Straßen kein Soldat mehr zu sehen ist. Alle öffentlichen Gebäude, so wie das Schloß und das Hotel des Prinzen von Preußen (Bruder des Königs), gegen welchen die Volksaufregung sehr groß und welcher flüchtig ist, sind mit der deutschen (schwarz-roth-goldenen) Fahne geschmückt und mit der Aufschrift: „Nationaleigenthum“ bezeichnet, ebenso auch die Ministerhotels. Die verurtheilten Polen sind freigegeben und wurden im Triumphzuge (die 6 zum Tode verurtheiten in einem Wagen und bekränzt) auf den Schloßplatz geführt, wo der König, zum Erscheinen genöthigt, einige Worte zur Menge sprechen mußte. Am 20. Abends war Berlin festlich erleuchtet, alle Bewohner blickten freudig erregt und mit Selbstvertrauen auf das in den drei Tagen des Kampfes Errungene. Dieser Jubel hätte füglich noch wenigstens so lange zurückgehalten werden können, bis die königl. Versprechungen erfüllt worden, denn man lasse sich nur einige Vortheile wegschnappen, so werden die Versprechen eben so wenig gehalten, als die vor 33 Jahren bereits gegebenen. – Die Summe der auf beiden Seiten am 18. und 19. Gebliebenen wird auf 1500 angegeben, wovon der größte Theil am 22. sehr feierlich beerdigt ward. Dieses furchtbare Blutbad soll nur durch verschiedene Mißverständnisse veranlaßt seyn; von welcher Seite? davon freilich wird nichts gesagt. – Uebrigens sollen die Geschäfte wieder ungestört fortgehen und kein Grund zu neuen Befürchtungen vorhanden seyn, da es des Königs ernster Wille sey, des Volkes Wünsche zu erfüllen. – Nach Entfernung der Truppen hat sich der König unter den Schutz des Volkes gestellt und alle Posten, selbst die Kasernenwachen und das königl. Schloß sind mit Bürgern besetzt. – In Königsberg, Görlitz, Breslau und andern Städten hat's Ercesse gegeben und sollen in Breslau 50 Personen durch die Soldaten getödtet worden seyn.

In Breslau sieht es trübe aus; die Arbeiter und Proletarier haben sich der Bewegung bemächtigt, die Behörden haben aufgehört. Nach Berichten vom 21. ist Breslau eine Republik. Oberbürgermeister Pinder ist Diktator. Alle Posten, die von Berlin kommen, werden von einigen hundert bewaffneten Bürgern sogleich auf dem Bahnhofe in Empfang genommen und nach dem Rathhause gebracht. Alle Briefe an die Regierung werden erbrochen, Privatbriefe der Post übergeben, die an der Brandenburg werden ihm von einer Deputation überbracht, in deren Gegenwart er sie öffnen und den Inhalt, wenn er nicht rein privatlich ist, sogleich mittheilen muß. Die Versammlung vor dem Rathhause dauerte am 20. Abends bis halb 1 Uhr. Ein Wald von Bajonetten und Spießen. Die blutigen Scenen in Berlin haben die Gemüther aufs Höchste gereizt. Man reißt sich um jedes geschriebene oder gedruckte Blatt aus Berlin. Der Ausruf: „Nieder mit dem Könige, wir werden auf’s Neue betrogen!“ läßt sich unter der Menge oft hören. Am 21., Abends, wurden gegen 6000 Gewehre aus dem Zeughause den Burgern und Studenten ausgeliefert. Der Gruß: „Guten Tag Bürger,“ will ganz in Aufnahme kommen. Nachmittags war große Volksversammlung vor dem k. Schlosse. Am 21. Morgens ist eine Deputation nach Berlin gegangen, um dem Könige zu sagen, daß sich Breslau nicht eher beruhige, als bis er eine Nationalversammlung berufen, die eine freie Constitution entwerfe. (Stsbztg.)

Posen und Polen ist im Aufstande! Gegen 150,000 Russen sollen an der polnisch -preußischen Grenze stehen. In Posen haben die Polen eine Proklamation erlassen; überall weht die polnische Fahne; die ganze Umgegend Posens ist im Aufruhr, fortwährend steigt die Aufregung. Von Seiten des Militairs ist noch nichts geschehen, aber alle Plätze besetzt und die Kanonen aufgefahren. – Ihr Polen, Glück auf!

Der König von Baiern hat der Gräfin

Empfohlene Zitierweise:
Krausche, Carl Samuel: Camenzer Wochenschrift, 26. März 1848. C. S. Krausche, Kamenz 26. März 1848, Seite 3. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Camenzer_Wochenschrift_1848-03-26.pdf/3&oldid=- (Version vom 27.7.2025)