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| Ernst Henze: Ein Gang durch das geschichtliche Torgau | |
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gewesen, hat bis dato allhier fünf Jahre Hof gehalten. Gott verleihe seiner F. G. glückselige Regierung und langes gesundes Leben. Er ist ein gar frommer, sanftmütiger und christlicher Fürst und hält treulich bei der reinen lutherischen Lehre. Gott erhalte ihn und uns alle bis an unser und der Welt Ende dabei.
„Gottes Wort und Luthers Lehr’
„Vergehet nun und nimmermehr."
„Anno 1524 ist dieses Haus erbaut durch Andreas Leicher, den alten."
Dieser genannte Administrator Friedrich Wilhelm, der nach dem Tode Christians I. für dessen unmündigen Sohn Christian II. das Land verwaltete, hat für Torgau auch noch eine andere Bedeutung. Die Stadt Torgau gab demselben am dritten Pfingstfeiertage 1599 auf dem Rathause ein großes Festmahl. Zum Danke dafür verehrte der kunstsinnige Fürst der Stadt einen herrlichen Pokal, den heutigen Stadtpokal. Derselbe, aus getriebenem Silber hergestellt, und vergoldet, ist von dem Torgauer Goldschmied Andreas Katte verfertigt.
Das Georgi’sche Haus zeigt neben der Jahreszahl 1601 die Inschrift:
„Wer Gott vertraut, hat wohl gebaut.“
In dem gegenüberliegenden Müller’schen Hause, das 1554 erbaut ist, befindet sich eine Gedenktafel, die unter einem österreichischen Adler folgende Inschrift trägt:
„Anno 1766 logierte Se. Kön. Kais. Maj. Joseph II. eine Nacht in dieser Stube.“
Joseph II. reiste in diesem Jahre von Dresden über Meißen und Strehla, teils zu Pferde, teils zu Fuß, kam am 27. Juni in Torgau an und übernachtete in genanntem Hause. Am andern Morgen besichtigte er das Schlachtfeld und reiste nach Großenhain weiter.
An dem Eckhause der Leipziger- und Breitenstraße findet sich neben der Jahreszahl 1546 das Wappen der Boxberger. Diese waren eine französische Adelsfamilie, die in dieser Zeit am kurfürstlich-sächsischen Hofe weilte und die dies Haus vom Kurfürsten zum Geschenk erhielt.
Unser Weg führt uns am Rathaus vorüber, das mit seinem schönen Erker uns auch in das 16. Jahrhundert zurückversetzt. Das alte Rathaus stand dem jetzigen gegenüber an der Ecke des Fleischmarktes. Da es baufällig und eine Reparatur desselben
Ernst Henze: Ein Gang durch das geschichtliche Torgau. Alterthumsverein Torgau, Torgau 1901, Seite 3. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Gang_durch_das_geschichtliche_Torgau.pdf/5&oldid=- (Version vom 26.9.2025)