Ein Gang durch das geschichtliche Torgau

[Titel]
Den Mitgliedern des Vereins für die Geschichte Dresdens


bei ihrem Besuch Torgaus am 2. Juni 1901
gewidmet
vom
Alterthumsverein Torgau.



[1] Ein Gang durch das geschichtliche Torgau. Von E. Henze, Rektor.


Wenn wir einen Gang durch das geschichtliche Torgau machen, so können und dürfen wir uns nicht an eine bestimmte Zeitperiode binden, sondern jedes Zeitalter, soweit es in die Geschichte unserer Stadt eingreift, muß berücksichtigt werden.

Bis zum Ausgange des 15. Jahrhunderts bestand unser Torgau aus nur wenig massiven Häusern, die meisten, aus Lehm und Holz gebaut, waren mit Stroh und Schindeln gedeckt. Da brach im Jahre 1482 eine große Feuersbrunst in der Leipzigergasse aus, die gegen 106 Häuser in der Stadt und mehr als 40 in den Vorstädten zerstörte. Von nun an dachte man daran, massive, steinerne Häuser aufzuführen. Nicht blos an Stelle der niedergebrannten wurden solche aufgebaut, auch unversehrte Häuser mußten solchen Neubauten weichen. Zu Anfang des 30 jährigen Krieges zählte die Stadt gegen 1000 meist massive Häuser.

So kommt es denn, daß Torgau in seinem Innern heute noch den Charakter einer Stadt des 16. Jahrhunderts sich bewahrt hat. Die giebelgekrönten Häuser, die mehr oder weniger verzierten Erker, die charakteristischen Fensterprofilierungen und die reizvollen Hausthüren, alles versetzt uns in jene Zeit zurück.

Gehen wir heute vom Bahnhof nach dem Stadtinnern, so führt der Weg über eine alte Vorstadt, die 1811 den Festungswällen [2] weichen mußte. Rechts ragten die Türme der Kirche zum heiligen Geist als Wahrzeichen des alten Torgau empor.

Unser Weg führt uns durch die Stümpfergasse (Wittenbergerstraße). Rechts erblicken wir heute das Krankenhaus. Auf dem ganzen Grund und Boden zwischen Webergasse, Spitalstraße und Wittenbergerstraße lag bis zur Zeit der Reformation das Georgenhospital mit seinem Friedhofe und seinen sonstigen Gebäuden. Im Jahre 1525 wurde das Hospital vom Rate verkauft und der Kirchhof zur Bebauung frei gegeben. So entstand auch auf demselben das heutige Krankenhaus, 1541 von dem damaligen Bürgermeister Wildfeuer erbaut. Ob es gleich seinem jetzigen Zwecke gedient hat, ist unbestimmt, wahrscheinlich nicht; denn bis zum Jahre 1811 hatte Torgau ein großes Krankenhaus in einer Vorstadt, in der Nähe des heutigen Bahnhofes. Auch auf der andern Seite der Straße sehen wir ein Haus, das uns mit seiner eigenartigen Hausthür in das 16. Jahrhundert zurückversetzt.

In der heutigen Spitalstraße (früher Hospitalstraße) finden sich nur wenig und nicht einmal charakteristische Bauwerke aus jener Zeit. Das Lässig’sche und das gegenüber liegende Braun’sche Haus stammen aus dem Anfange des 16. Jahrhunderts. Doch auch die verhältnismäßig junge Straße des alten Torgau, die heutige Königstraße, früher Kuhgasse genannt, entbehrt nicht vollständig solcher Gebäude aus dem 16. Jahrhundert. Die Häuser Nr. 194, 163 und 162 versetzen uns in jene Zeit zurück. Jn der Leipzigerstraße finden wir fast lauter alte Bauwerke mit schönen Giebeln, Hausthüren und Fenstern. Neben den Jahreszahlen sind vielfach noch Inschriften an denselben vorhanden. Der heutige „Schwarze Adler" stammt aus dem Jahre 1569 und trägt die Inschrift:

     „Mit Gott renoviert 1769. Paul Martin Klippen.“

Noch älter ist das heutige Born’sche Haus. Im Jahre 1524 erbaut, wurde es zum ersten Male im Jahre 1597 renoviert, worüber ein vom jetzigen Besitzer aufgefundener Zettel Kunde giebt. Dieser lautet:

     „Anno 1597 den 2. August.

     „In diesem Jahre hat regiert in diesem Lande der durchlauchtigste Fürst und Herr, Herr Friedrich Wilhelm, Herzog zu Sachsen, Landgraf zu Thüringen und Markgraf zu Meißen, ist diese Zeit Administrator der Chur-Sachsen [3] gewesen, hat bis dato allhier fünf Jahre Hof gehalten. Gott verleihe seiner F. G. glückselige Regierung und langes gesundes Leben. Er ist ein gar frommer, sanftmütiger und christlicher Fürst und hält treulich bei der reinen lutherischen Lehre. Gott erhalte ihn und uns alle bis an unser und der Welt Ende dabei.

„Gottes Wort und Luthers Lehr’
„Vergehet nun und nimmermehr."

     „Anno 1524 ist dieses Haus erbaut durch Andreas Leicher, den alten."

Dieser genannte Administrator Friedrich Wilhelm, der nach dem Tode Christians I. für dessen unmündigen Sohn Christian II. das Land verwaltete, hat für Torgau auch noch eine andere Bedeutung. Die Stadt Torgau gab demselben am dritten Pfingstfeiertage 1599 auf dem Rathause ein großes Festmahl. Zum Danke dafür verehrte der kunstsinnige Fürst der Stadt einen herrlichen Pokal, den heutigen Stadtpokal. Derselbe, aus getriebenem Silber hergestellt, und vergoldet, ist von dem Torgauer Goldschmied Andreas Katte verfertigt.

Das Georgi’sche Haus zeigt neben der Jahreszahl 1601 die Inschrift:

          „Wer Gott vertraut, hat wohl gebaut.“

In dem gegenüberliegenden Müller’schen Hause, das 1554 erbaut ist, befindet sich eine Gedenktafel, die unter einem österreichischen Adler folgende Inschrift trägt:

          „Anno 1766 logierte Se. Kön. Kais. Maj. Joseph II. eine Nacht in dieser Stube.“

Joseph II. reiste in diesem Jahre von Dresden über Meißen und Strehla, teils zu Pferde, teils zu Fuß, kam am 27. Juni in Torgau an und übernachtete in genanntem Hause. Am andern Morgen besichtigte er das Schlachtfeld und reiste nach Großenhain weiter.

An dem Eckhause der Leipziger- und Breitenstraße findet sich neben der Jahreszahl 1546 das Wappen der Boxberger. Diese waren eine französische Adelsfamilie, die in dieser Zeit am kurfürstlich-sächsischen Hofe weilte und die dies Haus vom Kurfürsten zum Geschenk erhielt.

Unser Weg führt uns am Rathaus vorüber, das mit seinem schönen Erker uns auch in das 16. Jahrhundert zurückversetzt. Das alte Rathaus stand dem jetzigen gegenüber an der Ecke des Fleischmarktes. Da es baufällig und eine Reparatur desselben [4] nicht mehr angängig war, so wurde auf dem ehemaligen Friedhofe der Nikolaikirche, der aber durch den Bischof von Meißen schon 1466 zur Bebauung freigegeben war, durch den Dresdener Baumeister Valten Wegern, in den Jahren 1563–65, ein neues Rathaus errichtet. Auch der Kurfürst unterstützte die Stadt bei diesem Baue durch einen Beitrag von 600 Gulden. Die Trinkstube mit dem Erker ist im Jahre 1577 erbaut, zwei Bürgerhäuser mußten diesem Baue Platz machen. Der künstliche und zierliche Erker ist von dem Torgauer Steinmetzen Andreas Proschwitz gemeißelt. Die schöne Facade dieses alten Baues ist leider durch einen neueren Um- und Ausbau zerstört worden. Die hinter dem Rathause stehende Nikolaikirche diente bis zum Jahre 1529 zu gottesdienstlichen Handlungen. Die jetzige stumpfe Bedachung erhielten die Türme im Jahre 1547 aus fortifikatorischen Rücksichten. Eine große Feuersbrunst im Jahre 1657 zerstörte den an das Rathaus anlehnenden Wächterturm, sowie einen großen Teil der Nikolaikirche selber. Die Ecke des Rathauses mit dem Ratskeller ist im Jahre 1608 erbaut.

Doch nicht blos das Rathaus, auch die anderen Gebäude, die sich um den Markt hinziehen, machen einen altertümlichen Eindruck und sind geschichtlich mehr oder weniger bemerkenswert. Das jetzige Streubel’sche Haus diente mehrmals zur Wohnung hoher fürstlicher Personen. Im Jahre 1711 wohnte in demselben die braunschweigische Prinzessin Charlotte Christiane Sophie, die vom 24.–31. Oktober ihre Vermählung mit dem russischen Großfürsten Alexius hier feierte. In der städtischen Kämmerei befindet sich noch eine eiserne Truhe, die bei jener Vermählungsfeier hier in Torgau zurückgelassen wurde. Jm Jahre 1808 wählte Alexander I., der auf seiner Reise zum Erfurter Kongreß in Torgau Wohnung nahm, dieses Haus sich zum Quartier. Noch im Jahre 1813 war eine Tafel an diesem Hause angebracht, deren Inschrift folgendermaßen lautete:

          „Seid gegrüßt, brave russische Soldaten. Wir hoffen, daß dieses Haus euch heilig sein wird; denn euer großer und menschenfreundlicher Kaiser Alexander Pawlovitz war froh darin im Jahre 1808.“

Doch auch das Eckhaus am fleischmarkte, das auf dem Platze des alten Rathauses erbaut ist, hat seine Geschichte. Mehrmals [5] wohnte Friedrich der Große während des 7jährigen Krieges in diesem Hause, das damals dem sächsischen Kammerrat Rabe gehörte. Auch Napoleon I. nahm bei seinem kurzen Aufenthalte hier am 10. Juni 1813 in diesem Hause Quartier, und nachher diente es dem französischen Kommandanten Narbonne zur Wohnung.

Biegen wir nun bei unserm Rundgang in die Schloßstraße, so führt uns unser Weg vor der Franziskanerkirche vorbei; vor ihr liegt ein freier Platz, der ehemalige Klosterkirchhof. Die Klostergebäude, die sich früher in einem Viereck an die Kirche anlehnten, werden urkundlich zuerst im Jahre 1370 erwähnt. An der Kirche wurde noch im Jahre 1492 gebaut. Der Kirchhof wurde im Jahre 1545 dem Rate der Stadt zur beliebigen Benutzung übergeben. Einen Teil desselben schenkte der Kurfürst seinem Hofschneider Hansen Preußen, der das Eckhaus darauf erbaute, das neben dem Kurfürstlichen Wappen jene Jahreszahl 1545 trägt.

Auch das andere Eckhaus dieser Straße, neben Schloß Hartenfels, ist merkwürdig. Die beiden säulenartigen Sandsteinwände tragen eine mit Wappen, Sprüchen und schöner Steinmetzarbeit verzierte Bedachung. Der Spruch unmittelbar über der Thür lautet:

„Gott, dem das Haus zu Lob und Ehren erbaut, der behüt’ dein Aus- und Eingang zu jeder Frist.“

Aus der weiteren Inschrift ist zu ersehen, daß das Haus von Mag. und Dr. Johann Kentmann und Magdalene Sporin erbaut ist. Unter den Namen befinden sich die Wappen. Dasjenige Kentmanns zeigt einen Schützen im Schilde und als Helmzierde, das seiner Gattin im Schilde und als Helmzierde einen Sporen. Kentmann war hier in Torgau praktischer Arzt und starb hier am 14. Juni 1574. Er beschäftigte sich viel mit Mineralogie und sein erstes mineralogisches Werk ist am 8. November 1565 in Torgau gedruckt und umfaßt 95 nummerierte Blätter über alle im Meißen’schen Kreise vorkommenden Mineralien.

Doch auch beim Schlosse müssen wir, wenn auch nur kurze Zeit, verweilen. Es ist aus der ehemaligen Burg Torgau hervorgegangen. Von dem ältesten Baue sind nur noch einzelne Reste vorhanden. So gehört die Martinskapelle im jetzigen Flügel A dem 14. Jahrhundert an. Der Bau des jetzigen Schlosses begann im Jahre 1480 mit dem jetzigen Flügel D. [6] 9 Jahre später wurde dieser Bau abgeschlossen. In ihm befindet sich die interessante Schnecke, die durch ein Netzgewölbe abgeschlossen ist. – Dieser Bau genügte aber bald dem wachsenden kursächsischen Einflusse nicht mehr. Durch das Schutz- und Trutzbündnis und durch die Torgauer Artikel war in Torgau die Basis für die politische Bedeutung des Protestantismus gelegt worden. Der steigenden Bedeutung der Stadt entsprechend entfaltete sich auch am Schlosse ein neues Bauleben. Es wurde mit dem Bau des Flügels C begonnen, der als älteste Jahreszahl das Jahr 1532 aufweist. Zum Leiter des Baues wurde Konrad Krebs berufen. Er sollte ein glänzendes Festhaus errichten. Über einem Parterre, das die Wirtschaftsräume barg, legte er deshalb den großen Saal an, dessen Höhe durch 2 Stockwerke reichte, und der eine Länge von 65 m und eine Breite von 11½ m hatte. Über der rechtwinklig in 2 Aufgängen zur Halle führenden Treppe erhebt sich der im Halbkreis geschlossene Treppenturm, aus dem man zum oberen Stockwerke und zur äußeren Gallerie (auch im Innern hatte wahrscheinlich der Saal eine solche) gelangen konnte. Gallerie und Treppe sind Kunstwerke. Der Flügel D wurde im Jahre 1536 vollendet.

Mit dem Geschaffenen noch nicht zufrieden, führte man noch einen dritten Flügel, den jetzigen Flügel B auf, der mit den andern ein nicht ganz nach Nordwest geschlossenes Dreieck bildete. Die Verbindung mit dem Saalbau geschah durch einen sich äußerlich anlegenden Umgang. Der köstliche Erker zeigt den Formenreichtum der Frührenaissance. Er ruht auf einer stämmigen Säule, deren Kapitell Sirenen von zierlicher Bewegung schmücken. Jede Fläche ist mit Ornamenten übersponnen. Das Werk stammt aus dem Jahre 1544. Neben dem Erker führt ein Durchgang zum Ausfallsthore, das durch den Flaschenturm, auf den man früher hinauffahren konnte, gedeckt wurde. Sein Pendant hat dieser Turm im Hasenturm. Beide Türme dienten namentlich fortifikatorischen Zwecken.

Den westlichen Teil des Flügels B nimmt die Schloßkirche ein. Sie ist der erste Versuch, ein speziell protestantisches Gotteshaus zu schaffen. Luther selbst hat sie 1544 am 17. Sonntage nach Trinitatis geweiht. Die zierliche Thüre ist, nach dem vorhandenen Meisterzeichen zu schließen, von Konrad Krebs selbst [7] gemeißelt. Somit haben wir den Bau durchschritten, soweit ihn Konrad Krebs geplant. Der große Meister erlebte die Vollendung seines Werkes nicht. Im Jahre 1540 ereilte ihn der Tod. Oben im Treppenturme finden wir sein und seiner Gemahlin Bildnis.

Den Flügel D schließt nach Südost der Hausmannsturm ab, der schon 1539 einen von Säulen getragenen Umgang erhielt. Die Giebel der Spitze erhielt er erst im Jahre 1616 durch den Baumeister Hans Friedrich Steger. Dieser schuf auch bis zum Jahre 1632 den Flügel A, der den Hof nach West abschließt.

Auf die glänzende Ausschmückung des Schlosses im Innern und auch außen, auf die verschiedenen Festlichkeiten, die darin gefeiert worden sind, sowie auf die äußeren Schicksale hier einzugehen, würde, obwohl es interessant wäre, doch zu weit führen.

Mit dem Schlosse im engen Zusammenhange stand die kurfürstliche Kanzlei. Sie diente vom 24.–31. Oktober 1711 Peter dem Großen als Wohnung, der, zu Schiff von Dresden kommend, 8 Tage in hiesiger Stadt weilte, um der Vermählungsfeier seines Sohnes Alexius, die im Riesensaal des Schlosses mit der schon genannten Prinzessin gefeiert wurde, beizuwohnen. Während seines Hierseins empfing er den Besuch des berühmten Gelehrten Leibniz, dem er eine jährliche Pension von 1000 Thalern aussetzte; auch besuchte er einen damals berühmten Torgauer Waffenschmied, der in der Scheffelstraße wohnte.

Die Stadtkirche, vor der uns unser Weg nun vorbeiführt, gehört den verschiedensten Bauperioden an. Wahrscheinlich ist sie durch Tiemo, den Vater des Markgrafen Konrad d. Gr., vor 1100 gegründet. Die Turmanlage ist romanisch und gehört an das Ende des 12., oder den Anfang des 13. Jahrhunderts. Die weiträumigen Hallen der drei gleich hohen Schiffe gehören dem 14., das Mittelchor dem endenden 15. Jahrhundert an. Das Westportal trägt die Inschrift 1516. Die Pfarrgebäude datieren ihr Alter zum Teil bis in das Ende des 15. Jahrhunderts zurück. Von ihrer hohen Bedeutung zur Zeit der Reformation berichtet eine Gedenktafel; ebenso berichtet eine Tafel über die Bedeutung eines Hauses in der Ritterstraße, in dem außer dem großen Könige auch der berühmte Freiheitskämpfer v. Lützow in den Jahren 1828–30 gewohnt hat.

[8] Gehen wir nun durch die Pfarrgasse nach dem Fleischmarkte, der seinen Namen von den Fleischbänken, die früher an der einen Seite aufgestellt waren, trägt, so sehen wir an dem Eckhause die Gestalt einer Nonne. Dieses Haus hat lange Zeit im Volksmunde den Namen „adliges Jungfernhaus“ getragen. Es bildete früher mit seiner Umgebung einen sogenannten „Beghinenhof“. Ein solcher bestand neben einem größeren aus einer Menge kleinerer, von einer Mauer umschlossener Häuschen. Die Beghinen waren ein von Lambert Le Beghe, der im 12. Jahrhundert in Lüttich wohnte, gestifteter Orden, der namentlich die Aufgabe hatte, zu unterrichten und Krankenpflege zu üben. Da dieser Orden im besonderen Schutze der Franziskaner stand, so ist es zu verstehen, daß er sich mit der Auflösung des Franziskanerklosters ebenfalls auflöste. Gegenüber von diesem Gebäude, an der Lutherstraßenecke, besaßen die Augustiner ein Haus. Es war eine Zweigniederlassung aus Wittenberg.

Die Bäckerstraße, in die wir jetzt über den Markt hinweg gelangen, hat verschiedene Häuser aus dem 15. und 16. Jahrhundert mit schönen Giebeln, Fenstern und Thüren; verschiedenes ist leider in neuerer Zeit zerstört worden. Es sind alte Patrizierhäuser, die sich vielfach mehr als 150 Jahre im Besitze der jetzigen Familien befinden. In dem Hause Nr. 367, jetzt dem Schuhmacher Richter gehörig, wohnte vom 15. Mai 1813 auf 3 Tage der französische Marschall Ney, der der Stadt Torgau insofern in nicht angenehmer Erinnerung ist, als sein kurzes Hiersein der Stadt 211 Thlr. 10 Sgr. an Verpflegungsgeldern kostete. Im Nebenhause, das 1813 dem Ökonom Bernhard gehörte, wohnte kurze Zeit der sächsische General Thielemann, der bekanntlich wegen seiner deutschen Gesinnung durch französischen Einfluß am 10. Mai 1813 aus Torgau von seinem Gouverneurposten verdrängt wurde. –

Damit haben wir den Gang durch das alte und neue geschichtliche Torgau beendet.



[]
Buchdruckerei der Torgauer Bank.