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nicht mehr angängig war, so wurde auf dem ehemaligen Friedhofe der Nikolaikirche, der aber durch den Bischof von Meißen schon 1466 zur Bebauung freigegeben war, durch den Dresdener Baumeister Valten Wegern, in den Jahren 1563–65, ein neues Rathaus errichtet. Auch der Kurfürst unterstützte die Stadt bei diesem Baue durch einen Beitrag von 600 Gulden. Die Trinkstube mit dem Erker ist im Jahre 1577 erbaut, zwei Bürgerhäuser mußten diesem Baue Platz machen. Der künstliche und zierliche Erker ist von dem Torgauer Steinmetzen Andreas Proschwitz gemeißelt. Die schöne Facade dieses alten Baues ist leider durch einen neueren Um- und Ausbau zerstört worden. Die hinter dem Rathause stehende Nikolaikirche diente bis zum Jahre 1529 zu gottesdienstlichen Handlungen. Die jetzige stumpfe Bedachung erhielten die Türme im Jahre 1547 aus fortifikatorischen Rücksichten. Eine große Feuersbrunst im Jahre 1657 zerstörte den an das Rathaus anlehnenden Wächterturm, sowie einen großen Teil der Nikolaikirche selber. Die Ecke des Rathauses mit dem Ratskeller ist im Jahre 1608 erbaut.

Doch nicht blos das Rathaus, auch die anderen Gebäude, die sich um den Markt hinziehen, machen einen altertümlichen Eindruck und sind geschichtlich mehr oder weniger bemerkenswert. Das jetzige Streubel’sche Haus diente mehrmals zur Wohnung hoher fürstlicher Personen. Im Jahre 1711 wohnte in demselben die braunschweigische Prinzessin Charlotte Christiane Sophie, die vom 24.–31. Oktober ihre Vermählung mit dem russischen Großfürsten Alexius hier feierte. In der städtischen Kämmerei befindet sich noch eine eiserne Truhe, die bei jener Vermählungsfeier hier in Torgau zurückgelassen wurde. Jm Jahre 1808 wählte Alexander I., der auf seiner Reise zum Erfurter Kongreß in Torgau Wohnung nahm, dieses Haus sich zum Quartier. Noch im Jahre 1813 war eine Tafel an diesem Hause angebracht, deren Inschrift folgendermaßen lautete:

          „Seid gegrüßt, brave russische Soldaten. Wir hoffen, daß dieses Haus euch heilig sein wird; denn euer großer und menschenfreundlicher Kaiser Alexander Pawlovitz war froh darin im Jahre 1808.“

Doch auch das Eckhaus am fleischmarkte, das auf dem Platze des alten Rathauses erbaut ist, hat seine Geschichte. Mehrmals

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Ernst Henze: Ein Gang durch das geschichtliche Torgau. Alterthumsverein Torgau, Torgau 1901, Seite 4. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Gang_durch_das_geschichtliche_Torgau.pdf/6&oldid=- (Version vom 29.9.2025)