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| Ernst Henze: Ein Gang durch das geschichtliche Torgau | |
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wohnte Friedrich der Große während des 7jährigen Krieges in diesem Hause, das damals dem sächsischen Kammerrat Rabe gehörte. Auch Napoleon I. nahm bei seinem kurzen Aufenthalte hier am 10. Juni 1813 in diesem Hause Quartier, und nachher diente es dem französischen Kommandanten Narbonne zur Wohnung.
Biegen wir nun bei unserm Rundgang in die Schloßstraße, so führt uns unser Weg vor der Franziskanerkirche vorbei; vor ihr liegt ein freier Platz, der ehemalige Klosterkirchhof. Die Klostergebäude, die sich früher in einem Viereck an die Kirche anlehnten, werden urkundlich zuerst im Jahre 1370 erwähnt. An der Kirche wurde noch im Jahre 1492 gebaut. Der Kirchhof wurde im Jahre 1545 dem Rate der Stadt zur beliebigen Benutzung übergeben. Einen Teil desselben schenkte der Kurfürst seinem Hofschneider Hansen Preußen, der das Eckhaus darauf erbaute, das neben dem Kurfürstlichen Wappen jene Jahreszahl 1545 trägt.
Auch das andere Eckhaus dieser Straße, neben Schloß Hartenfels, ist merkwürdig. Die beiden säulenartigen Sandsteinwände tragen eine mit Wappen, Sprüchen und schöner Steinmetzarbeit verzierte Bedachung. Der Spruch unmittelbar über der Thür lautet:
- „Gott, dem das Haus zu Lob und Ehren erbaut, der behüt’ dein Aus- und Eingang zu jeder Frist.“
Aus der weiteren Inschrift ist zu ersehen, daß das Haus von Mag. und Dr. Johann Kentmann und Magdalene Sporin erbaut ist. Unter den Namen befinden sich die Wappen. Dasjenige Kentmanns zeigt einen Schützen im Schilde und als Helmzierde, das seiner Gattin im Schilde und als Helmzierde einen Sporen. Kentmann war hier in Torgau praktischer Arzt und starb hier am 14. Juni 1574. Er beschäftigte sich viel mit Mineralogie und sein erstes mineralogisches Werk ist am 8. November 1565 in Torgau gedruckt und umfaßt 95 nummerierte Blätter über alle im Meißen’schen Kreise vorkommenden Mineralien.
Doch auch beim Schlosse müssen wir, wenn auch nur kurze Zeit, verweilen. Es ist aus der ehemaligen Burg Torgau hervorgegangen. Von dem ältesten Baue sind nur noch einzelne Reste vorhanden. So gehört die Martinskapelle im jetzigen Flügel A dem 14. Jahrhundert an. Der Bau des jetzigen Schlosses begann im Jahre 1480 mit dem jetzigen Flügel D.
Ernst Henze: Ein Gang durch das geschichtliche Torgau. Alterthumsverein Torgau, Torgau 1901, Seite 5. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Gang_durch_das_geschichtliche_Torgau.pdf/7&oldid=- (Version vom 29.9.2025)