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9 Jahre später wurde dieser Bau abgeschlossen. In ihm befindet sich die interessante Schnecke, die durch ein Netzgewölbe abgeschlossen ist. – Dieser Bau genügte aber bald dem wachsenden kursächsischen Einflusse nicht mehr. Durch das Schutz- und Trutzbündnis und durch die Torgauer Artikel war in Torgau die Basis für die politische Bedeutung des Protestantismus gelegt worden. Der steigenden Bedeutung der Stadt entsprechend entfaltete sich auch am Schlosse ein neues Bauleben. Es wurde mit dem Bau des Flügels C begonnen, der als älteste Jahreszahl das Jahr 1532 aufweist. Zum Leiter des Baues wurde Konrad Krebs berufen. Er sollte ein glänzendes Festhaus errichten. Über einem Parterre, das die Wirtschaftsräume barg, legte er deshalb den großen Saal an, dessen Höhe durch 2 Stockwerke reichte, und der eine Länge von 65 m und eine Breite von 11½ m hatte. Über der rechtwinklig in 2 Aufgängen zur Halle führenden Treppe erhebt sich der im Halbkreis geschlossene Treppenturm, aus dem man zum oberen Stockwerke und zur äußeren Gallerie (auch im Innern hatte wahrscheinlich der Saal eine solche) gelangen konnte. Gallerie und Treppe sind Kunstwerke. Der Flügel D wurde im Jahre 1536 vollendet.

Mit dem Geschaffenen noch nicht zufrieden, führte man noch einen dritten Flügel, den jetzigen Flügel B auf, der mit den andern ein nicht ganz nach Nordwest geschlossenes Dreieck bildete. Die Verbindung mit dem Saalbau geschah durch einen sich äußerlich anlegenden Umgang. Der köstliche Erker zeigt den Formenreichtum der Frührenaissance. Er ruht auf einer stämmigen Säule, deren Kapitell Sirenen von zierlicher Bewegung schmücken. Jede Fläche ist mit Ornamenten übersponnen. Das Werk stammt aus dem Jahre 1544. Neben dem Erker führt ein Durchgang zum Ausfallsthore, das durch den Flaschenturm, auf den man früher hinauffahren konnte, gedeckt wurde. Sein Pendant hat dieser Turm im Hasenturm. Beide Türme dienten namentlich fortifikatorischen Zwecken.

Den westlichen Teil des Flügels B nimmt die Schloßkirche ein. Sie ist der erste Versuch, ein speziell protestantisches Gotteshaus zu schaffen. Luther selbst hat sie 1544 am 17. Sonntage nach Trinitatis geweiht. Die zierliche Thüre ist, nach dem vorhandenen Meisterzeichen zu schließen, von Konrad Krebs selbst

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Ernst Henze: Ein Gang durch das geschichtliche Torgau. Alterthumsverein Torgau, Torgau 1901, Seite 6. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Gang_durch_das_geschichtliche_Torgau.pdf/8&oldid=- (Version vom 29.9.2025)