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Darum ist’s uns allemal eine Freude, wenn uns auf unserer Wanderung durch die Reiche der Welt und ihre Herrlichkeit ein solches Werk entgegentritt. Mit immer neuer Lust betrachten wir seine mächtigen und schönen Glieder, welche der Ameisenfleiß der Menschen in langer Jahre Lauf emporthürmte. Der Gedanke an des Erdensohns Ohnmacht und Vergänglichkeit, an die tausend Werkleute, welche Tage und Jahre lang an den Zacken und Säulen, Quadern und Stützen und hunderterlei Bildwerk herumgemeißelt und die nun alle begraben und vergessen sind, – hat für uns nichts Demüthigendes; denn es hebt Brust und Haupt das Bewußtseyn, daß solches Werk entsprungen ist in eines Menschen Geist, auf den ein Gnadenblick der Gottheit fiel. Nur solche Werke sind es auch, welche die Bewunderung langer Zeiten fesseln. Jedes Jahrhundert ändert die Formen in den Dingen des Lebens, in Schmuck und Bedürfniß; es modelt an den Gebilden der Kunst, und der Geschmack, das bewegliche Kind der Zeit, diktirt andere Gesetze von Generation zu Generation: – aber ihr Einfluß ist nichtig auf jene mächtigen Werke, diese gelten fort und fort als unveränderliche Symbole der Schönheit.

Ein Bauwerk solcher Art ist der deutsche Riese, der auf dem Münsterplatz zu Straßburg wurzelt. Beschrieben habe ich ihn schon auf einem frühern Blatt (Bd. XI, Seite 107), und wir könnten daher wieder nach Hause gehen, wären wir bloß hergekommen wie Kunstliebhaber und Antiquare. Aber nicht die Kirche wollen wir heute besuchen; besteigen wollen wir den Thurm Erwins, hinabzuschauen weniger auf das Paradies, in das der Rhein seine trennende Furche zog, als auf ein Werk anderer Art, ein Werk von Menschen, auf die kein Gnadenblick der Gottheit fiel. –

Da sind wir oben. Horcht! Jubel lärmt in den Straßen der alten deutschen Stadt! Seht! Die Märkte und Plätze wogen, die Häuser prangen in grünem Festschmuck, die Trikolore flattert von Giebeln und Thürmen, hinter Musikbanden ziehen bunte Menschenschweife nach. Durch alle Thore wallt geschmücktes Volk herein, und durch das heraufdringende Gemurmel und Getöse der Menge donnern die grüßenden Kanonen. Was hat das zu bedeuten? Ich werde es errathen haben! Jedes Volk hat ja in seinem Leben Zeiten und Tage, die roth gedruckt in seinem Kalender stehen und dem vorausblätternden Bürger hohe Feste verkündigen. Dergleichen Tage sind ihm wie Alpengipfel, an welchen noch lange das Licht der stolzen und freudigen Erinnerung glüht; es sind die Tage, wo das Volk gleichsam seinen Schnitt macht in’s Kerbholz der Ewigkeit und an denen es sich selber den Freudenbecher, gefüllt bis zum obersten Rande, kredenzt. Und ein solcher Tag wird’s wohl seyn, den heut das Volk des Elsaß feiert: ein Tag, der an Jahrtausenden hinangeklettert von Säkulum zu Säkulum; ein Tag, der, in der deutschen Urzeit wurzelnd, das Herz des Volks mit deutschem Immergrün umrankt; ein Tag, an dem das deutsche Wesen neue Schossen treibt. –

Da tritt ein Mann herzu. „Herr!“ frage ich ihn: „was hat das zu bedeuten?“ „„Der Elsaß feiert heute