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| Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Achtzehnter Band | |
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Eingeborenen, so fällt in Kalifornien des Mannes eigener Schweiß auf sein eigenes Gold. Das ist auch ein Unterschied.
Unseren Lesern ist es längst bekannt, daß es schon seit den frühesten Zeiten in den europäischen Staaten scharfe und mit besonderer Aufmerksamkeit gehütete Gesetze gibt über das Aufsuchen, die Gewinnung, Schmelzung, Verarbeitung und den Gebrauch des Goldes. Das iglauer Bergrecht, aus dem 10. Jahrhundert, hat vielen Staaten zum Muster gedient. Noch heute muß in diesen Ländern das gewonnene Gold zu einem bestimmten Preise an die Münzen des Staats abgeliefert werden; es ist verboten, das in Gruben und Wäschen gewonnene Gold außer Landes schmelzen zu lassen oder in’s Ausland oder an Goldschmiede und Juden zu verkaufen, und um das Verheimlichen oder Entwenden der Goldstufen und des Goldstaubes zu verhüten, wachen über die Goldbergwerke besondere polizeiliche Maßregeln. In Frankreich, Spanien, England und Rußland ist die Ausfuhr des Goldes gänzlich verboten. Bergwerke oder Wäschereien aber sind entweder im Besitze der Staaten oder in den Händen der Reichen, im Besitz ist Alles. Wie sollte da über den armen Mann in Europa der Golddurst kommen?
Da baute im September 1847 ein gewisser Marschall in Kalifornien eine Sägemühle am südlichen Arme des Gabelflusses. Der brausende Bergstrom bildete jenseits der Räder eine Schlamm- und Kiesbank, aus welcher in demselben Frühling von 1848, der in Europa so viele Schlacken durcheinander warf, die ersten Goldkörner hervorfunkelten für den freien Fleiß jedes rüstigen Arms der neuen wie der alten Welt. Und Tausende ras’ten zur Stelle von allen Ländern der Erde, von Portugal bis China, und durchwühlten die Wildniß nach dem verheißenen Mammon. Freilich war’s auch ein Lottospiel, in das der Arme seinen Schweiß einsetzte und abwarten mußte, ob ihm ein Goldklumpen lohne oder taubes Gestein ihn betrog, aber kein Gewinn fiel von seinem Verlust in fremde Säckel; freilich demoralisirte das mühsam oder durch eine Laune des Zufalls spielend Gewonnene die glückberauschten Besitzer, aber die Folgen waren nicht schlimmer als die des Golddurstes der alten Welt; freilich riß die Begier nach Gold wie ein Sturmwirbel alle Köpfe und Hände fort von jeder anderen Beschäftigung, bis dem Mangel am Nothwendigsten Tausende erlagen, aber auch das ist nichts Neues. Hat nicht etwas über 2300 Jahre früher der König Pytheus von dem kleinen Celäna in Phrygien aus Goldgier alle seine Unterthanen in den Goldbergwerken und Schmelzen arbeiten lassen bis der vernachlässigte Ackerbau sich am armen Volke durch eine Hungersnoth rächte? Es ist gar schwer für das Volk, eine Thorheit zu begehen, in der es ihm nicht irgendwo ein Gewaltiger schon zuvorgethan.
Aber jede Tollheit hat ihr Ende und jede Uebertreibung führt, nach den weisen Gesetzen der Natur, endlich zum geregelten Maß ineinander greifender Thätigkeit. So auch in Kalifornien. Ueber den gegenwärtigen Zustand dieses Staats hat das Universum (Bd. XIV, S. 190 ff.,[WS 1] Bd. XV, S. 109 und 113) ausführlich gesprochen.
Anmerkungen (Wikisource)
- ↑ Seitenzahl bezieht sich auf eine andere Auflage.
Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Achtzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, New York 1857, Seite 140. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_18._Band_1857.djvu/149&oldid=- (Version vom 14.12.2025)