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| Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Achtzehnter Band | |
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Rasch ist der Lauf des Schicksals in der neuen Welt. Denksteine, die unsere Großväter gesehen haben könnten, sind dort Alterthümer, die um so grauer erscheinen, je grüner, je jünger und frischer die neuen Ansiedelungen neben den Ruinen empor wuchern. Wie das Wachsthum drüben an tausend Stätten zeigt, welch’ riesenhafte Kraft es in einem gesetzes-freien Boden entwickeln könne, ebenso treten uns Hunderte von Bildern des Gegentheils vor die Augen: jene Stätten, die, von einer Tyrannei gegründet und von einer anderen befreit, plötzlich auf vogelfreiem Boden gestellt, kein anderes Recht mehr kannten, als das Faustrecht. So rasch das Aufblühen dort ist, so reißend schnell stürzt hier das alte europäische Menschenwerk in Trümmer, und wo vor Jahrzehnten Tausende in Ueppigkeit dahin lebten, ringen nun Hunderte mit der Arbeit um das Dasein. Aber mit der Ueppigkeit zogen Feilheit und Faulheit aus, und mit der Arbeit werden Wohlstand und Bildung einziehen, sobald gesetzliche Freiheit Schwert und Wage über Volk und Land hält.
Ein solches Land und Volk zeigt Dir Texas. Von Spaniern besetzt und kolonisirt, japanisch abgesperrt gegen alle anderen Völker der Erde, von den Jesuiten ausersehen zu einem zweiten Paraguay, von den Amerikanern benutzt als Schmuggelerlager und Verbrecherherberge, prangte Teras in einzelnen Städten mit den Treibhausblüthen europäischer Kultur, die, sobald das Rütteln des Volks an der Kette der Abhängigkeit, erst von Spanien, dann von Mexiko, begann, abfielen wie welkes Herbstlaub. Endlich war die Unabhängigkeit erfochten und anerkannt, und Texas stand zwischen Mexiko und Nordamerika als ein „einsamer Stern“, wehrlos offen für die Ausbeutung aller Seehandelsmächte. Da bat es die große Union im Norden um – Einverleibung, und so ward, nach abermals harten Kämpfen, der „einsame Stern“ erhoben zum dreißigsten im Banner Washingtons. Erst damit kam Texas vom vogelfreien auf gesetzes-freien Boden.
Die Spuren der spanischen Glanzzeit und der mexikanischen Verderbniß sind noch heute sichtbar, am sichtbarsten aber in San Antonio de Bexar, dem Gegenstand unserer Stahlplatte.
Galveston (vgl. Bd. XVI, S. 73 ff.) und San Antonio bilden – nach dem Ausspruch eines deutschen Reisenden – die beiden Pole des texanischen Lebens. Dort, in der ersten Seestadt des Landes, wiederholt
Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Achtzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, New York 1857, Seite 231. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_18._Band_1857.djvu/240&oldid=- (Version vom 20.12.2025)