Seite:Meyers Universum 19. Band 1857.djvu/195

Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal korrekturgelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.

keine Spur entdeckt worden. Deshalb stehen sie ohne Zusammenhang mit den Azteken, deren Baureste wir im Artikel Pueblo de Zunni (Bd. XVII, S. 54) geschildert haben, und der Beisatz „des Montezuma“ ist von den Epigonen der kultivirteren Erbauer dieser Casas den Spaniern nur nachgesprochen. Diese Epigonen haben wir vor uns. Sie kennen die Wohnungen ihrer Vorfahren nicht mehr, sie kauern auf dem Boden, wo ihrer Väter Haus und Feld war, sie lehnen an einer Mauer, die von Rechtswegen ihr erbliches Eigenthum ist, aber vergeblich ragen die ältesten Candelaber des „Saguarro“ (wie der Säulencactus in der Sprache des Landes heißt) von Väterzeiten her zwischen den Trümmern empor, die armen Indianer sind historisch blind, und ehe sie sehend werden, ist die letzte Spur ihrer alten Heimathstätten vom öden Grunde weggewaschen.




Das neue Capitol in Washington.




„Goldenes Zeitalter“ nennen die Menschen jene von der Sage geschilderte Periode unseres Geschlechts, wo Völker und Staaten noch unter so göttlicher Leitung standen, daß kein Widerspruch waltete zwischen Vernunft und äußerem Leben. Die Völker wohnten in ihrem Paradiese, geleitet und bewacht von dem Auge der ewigen Liebe und noch unverführt von der Schlange, die, um den Baum des Egoismus geringelt, schon lange mit den glänzenden Aepfeln der Zwietracht in der Sonne spielte. Als endlich die Verführung gelungen war, erschien der Engel mit dem Schwerte des Kriegs und vertrieb die Völker aus des Friedens Auen. Die Sage aber schloß das Buch ihrer goldenen Glückseligkeit zu und ließ den Menschen nichts zurück, als die unendliche Sehnsucht nach einem neuen Zeitalter der mit den Aeußerungen des Lebens versöhnten Vernunft.

Seit diesem traurigen Tage sannen und rangen die Besten und Edelsten bei allen Nationen, um den Pfad wieder zu finden und das Thor zu gewinnen zu dem verlorenen Paradiese. Alles vergeblich! Dreitausend Jahre weit schauen wir bis zu jenem Tage zurück, und nichts erkennen wir, als die Spuren der kühnsten Wanderer, am Ende von Sand verweht, hundert Irrwege, die zum Verderben führten, feste Bahnen, die dem Ziele zustrebten,