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eine sogenannte welsche Haube, die neben der Kapelle im Osten einen Teil des Baues turmartig abschloß, hatten verhältnismäßig nur sehr geringe Höhenmaße. Ein Rathausturm in unserem heutigen Sinne war demnach nicht vorhanden. Die Sitte, das Rathaus durch einen sehr hohen, weit sichtbaren Turm auszuzeichnen, kam erst in späterer Zeit auf. Insbesondere bei benachbarten, miteinander wetteifernden Städten wurden die hohen Rathaustürme zum trutzigen Ausdruck selbstbewußten Bürgerstolzes.

Das ganze Erdgeschoß, in dem sich auch die Trinkstube befand, war von kleinen Anbauten umgeben, die fast nur die in das Innere des Gebäudes führenden Türen und den Zugang zu dem sehr geräumigen Ratskeller frei ließen. Diese Anbauten bestanden in Läden und Verkaufsständen für Kaufleute, einer offenen, auf Säulen rubenden Halle mit der Wachtstube für die Wache und einem Platz für die öffentliche Wage. Dicht am Eingange zum Ratskeller lag die Garküche. Zwischen und an diesen kleinen ziegelgedeckten Anbauten standen

Richtschwert mit der Jahreszahl 1537
(im Stadtmuseum)

Holzsäulen mit Laternen. Diese Kramerläden sind kulturell bemerkenswert, insofern sie für die spätere Gestaltung des Kaufmannsladens eine, allerdings recht einfache, Vorstufe zeigen, wie sie bereits im 13. Jahrhundert ausgebildet, sich bis in das 18. Jahrhundert erhalten hatte. Es waren kleine barackenartig aus Brettern oder Fachwerk errichtete Häuschen, entweder mehrere von einem gemeinsamen Dache bedeckt oder einzeln für sich stehend. Jedes Kramerhäuschen hatte eine nach außen aufgehende Türe, die von der Erde bis etwa zur halben Manneshöhe reichte. Fast die ganze obere Hälfte der vorderen Front nahm ein breiter Holzladen ein, der an Ketten auf Rollen herabgelassen werden konnte und von der als Stütze dienenden geöffneten Türe wie ein Tischfuß in horizontaler Lage gehalten wurde. Auf diesem Holzladen legte man die Waren zum Kaufe aus, des Abends wurden sie wieder in dem Inneren des Gewölbes aufbewahrt. Dann wurde der Laden hochgeklappt, die Türe zugemacht und verschlossen. Sonstige Lichtöffnungen besaß ein solcher Verkaufsladen, der auch

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Robert Bruck: Dresdens alte Rathäuser. Buchdruckerei der Wilhelm und Bertha von Baensch Stiftung, Dresden 1910, Seite 11. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Robert_Bruck_Dresdens_alte_Rath%C3%A4user.djvu/13&oldid=- (Version vom 31.7.2025)