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in vielen Fällen als Werkstatt diente, nicht; er hatte auch keinen Platz, um Kunden eintreten zu lassen, sondern ähnelte in jeder Beziehung unseren Jahrmarktsbuden, nur daß er meist solider gebaut war.
Nach der Abbildung des Rathauses haben die Fenster des ersten und zweiten Stockwerkes, im ersten sieben an Zahl, im zweiten zehn, noch gotische Gewände. Die Fenster sind verschieden groß und ungleichmäßig in der Fassade verteilt. Der oder die Baumeister haben sich bei Errichtung des Hauses nur vom Zwecke, dem der zu gestaltende Raum dienen sollte, leiten lassen, unbekümmert um die äußere Symmetrie. Gerade das aber gibt den alten Bauten ein malerisches Ansehen. Im ersten Stockwerk hinter den drei großen vergitterten Fenstern lag die „große Ratsstube“, der Ratssaal, neben diesem Saale ein mit gewölbter Decke versehener Raum, der als Sitzungszimmer diente, „die ordentliche Ratsstube“, deren Fenster auf der Abbildung der Westseite des Gebäudes zu sehen sind, über dem mit schönem Renaissanceportal geschmückten Haupteingang in dem breiten, massiv dem Baue vorgelagerten turmartigen zweistöckigen Anbau. Dieser Anbau trägt die welsche Haube mit einem gekrönten Windgott als Wetterfahne und an der Ecke einen großen Drachenkopf als Wasserspeier. Im ersten Stockwerk befanden sich noch, wahrscheinlich durch einen Treppenvorplatz getrennt und, wie die Fensterlage zeigt, um einige Stufen erhöht, die Steuerstube des Rates, über deren Türe der Spruch stand „Date Caesari quae sunt Caesaris“, die Kommissionsstube und dieser gegenüber, also auf der gleichen Höhe wie die Ratsstube, wohl auf der dem Markte abgewandten Nordfront des Gebäudes, vielleicht hinter den sechs Fenstern über der offenen Halle, die kurfürstliche Steuerstube. An dieser Seite des Baues war ein zweiter Aufgang zum oberen Stockwerk. Er führte über eine mit einem Geländer versehene Treppe in ein viereckiges Treppenhaus, das mit einem schönen halbrunden Barockgiebel abgeschlossen war, der eine von Stuckornament umrahmte ovale Fensteröffnung enthielt. Über ihm ragte ein schlanker Schornstein empor.
Das zweite Stockwerk, das an seiner östlichen Seite am Ende der Fensterreihe das in Stein gehauene Wappen der Stadt zeigte, umfaßte die Gerichts- und die Vormundschaftsstube, daneben die Rüstkammer des Rates und die Kämmerei. Das Dachgeschoß, in dem die Gerichtsschreiber ihre Amtsstuben hatten und das einen großen Boden zur Aufbewahrung des der Stadt entrichteten Zinsgetreides einschloß, war künstlerisch am reichsten, mit zwei in ihren Formen verschiedenen und wohl auch zeitlich verschieden errichteten Renaissancegiebeln geschmückt. Der eine Giebel stand seinen Formen nach der Frührenaissance näher, der andere wies die gereifteren Formen holländisch-deutscher Renaissance auf. An dem einen gewahrte man eine Sonnenuhr, an dem anderen das Zifferblatt der Schlaguhr. Ein zweites Zifferblatt sah man an dem Giebel der Westseite, nach der Wilsdruffer Gasse zu. Über diesem Westgiebel saß als Dachreiter das schon erwähnte, mit einer auf Säulen ruhenden Zwiebelkuppel bekrönte sechseckige Glockentürmchen. Es war von Holz, mit Schiefer gedeckt und enthielt die Seigerglocke und die Feuerglocke, im Mittelalter „Pempe“ genannt. Auf dieser Westseite befand sich noch ein zweiter etwas niedrigerer Giebel, der aber zum Teil von dem den Haupteingang enthaltenden, bereits erwähnten turmartigen zweistöckigen Anbau verdeckt wurde.
Mit Hilfe der vorhandenen Stadtrechnungen läßt sich das Aussehen des alten Rathauses im Geiste vervollständigen. Wir ersehen daraus, daß das Haus nicht durchgängig mit Ziegeln, sondern ein Teil desselben mit Schindeln gedeckt war. Der Umstand, daß
Robert Bruck: Dresdens alte Rathäuser. Buchdruckerei der Wilhelm und Bertha von Baensch Stiftung, Dresden 1910, Seite 12. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Robert_Bruck_Dresdens_alte_Rath%C3%A4user.djvu/14&oldid=- (Version vom 7.8.2025)