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Sonne der Sonnenuhr gemeint gewesen sein. Eine Verwechselung von Mond und Sonne kommt bei Nachrichten über Ausbesserungsarbeiten von Sonnenuhren häufig vor. Man kann auch heute noch beim Volke mitunter die falsche Bezeichnung hören.
Dem einfachen Äußeren entsprach auch das Innere der Einrichtung. Wie von den Wohnungen der Fürsten im Mittelalter macht man sich auch von der Innenausstattung der Rathäuser oft noch eine falsche Vorstellung. Die Wohnungen deutscher Fürsten waren bis zur Renaissancezeit sehr einfach, nach unseren heutigen Begriffen fast ärmlich ausgestattet, nur in seltenen Fällen und da auch nur in einzelnen Räumen kam ein größerer Prunk zur Entfaltung. Das gleiche gilt in erhöhtem Maße für die Rathäuser, da sich bei ihnen für eine besonders glänzende Repräsentation kaum eine Gelegenheit bot. Ein alter Spruch bezeichnet die Zweckbestimmung der Geschosse eines Rathauses nach den Namen antiker Gottheiten, die in ihnen herrschen sollten. Diese Einteilung paẞt auch auf das alte Dresdner Rathaus. Im Keller waltet Bacchus (Ratskeller), im Erdgeschoß Mercur (Verkaufsläden, Wage), im ersten Stock Minerva (Ratsstube und Sitzungszimmer), im zweiten Mars und Jupiter (Rüstkammer und Gerichtsstube) und im Dachgeschoß Ceres (der Raum für das aufgeschüttete Getreide).

Silberne Goëlette, Anfang des 17. Jahrh.
aus dem Ratsschatze (im Stadtmuseum)
Von dem im Jahre 1707 abgebrochenen Rathause war, wie bereits erwähnt, die auf der Ostseite des Hauses befindliche 1407 errichtete Kapelle der älteste damals noch erhaltene Bauteil. Der zierliche Kapellenbau hatte die Form eines fünfseitigen gotischen Chores. Daß die Kapelle gewölbt war, beweisen die schlanken durchbrochenen Strebepfeiler, auf denen zierliche Fialen aufsitzen. Von dem Dachtürmchen wehte zur Kirmeszeit am Trinitatisfeste, an dem die ganze Kapelle mit Grün und jungen Maien geschmückt war, ein gemaltes Kirmesfähnlein herab. Auf dem Bodenehrschen Stiche erscheint die Kapelle der Fensteranordnung nach dreistöckig wie das ganze Rathaus. Die Einteilung des Innenraumes der Kapelle ist jedenfalls nicht die ursprüngliche gewesen. Dem widersprechen die Strebepfeiler, die bei einem dreistöckigen Bau mit flachen Decken keinen Zweck gehabt hätten. Man gewahrt auf allen fünf Wandflächen der Kapelle sehr kräftige spitzbogige Hausteineinfassungen, von denen wir vermuten können, daß sie die Entlastungsbögen für die einstmals von ihnen eingeschlossenen hohen gotischen Fenster mit Maßwerk bedeuten. Entsprechend anderen Kirchenfenstern waren diese Kapellenfenster früher wohl mit Glasmalerei versehen, denn diese Kunst wurde, obwohl nur noch verhältnismäßig wenig Reste vorhanden
Robert Bruck: Dresdens alte Rathäuser. Buchdruckerei der Wilhelm und Bertha von Baensch Stiftung, Dresden 1910, Seite 14. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Robert_Bruck_Dresdens_alte_Rath%C3%A4user.djvu/16&oldid=- (Version vom 9.8.2025)